Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 10 (11.3.1931)
- Date
- 1931-03-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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11. Jahrgang Nummer 10 Mlsch'llberÄe Zeitung Vellage 11. März 1931 Mutter (Zu „Hiob" von Jos. Roth, Verlag Kiepenheuer, Berlin) Von Rabb. Dr. G ot t s ch al k, Köln. Vielleicht die ergreifendste Gestalt in Roths erschütterndem Buch ist die der Mutter, der Deborah. * Nachdem sie drei gesunden Kindern das Leben geschenkt, wird ihr in dem vierten ein Ben-Oui geboren, eile mißgestaltetes Wesen, mehr Tier als Mensch. Welche Tragödie! „Die neue Mutter", sagt Ellen Key, „wie die besten Resultate der Frauenbewegung und der Entwicklungslehre sie geschaffen haben, steht mit tiefer Ehrfurcht vor der mystischen Tiefe, die sie ihr Kind nennt, einem Wesen, in dem das ganze Leben der Menschheit aufgespeichert ist". Aber wenn das Kind nun ein Menuchin ist, ein so mißgestaltetes Wesen, welch eine Tragik. Dafür das Warten, dafür die Schmerzen, dafür das Opfer des Lebens vielleicht. Oder ist nicht jede Geburt ein Wagnis, immer wiederholt, immer neu unternommen, obwohl es oft genug mit dem Tode bezahlt wird. Und dann — ein Menuchin. Aber nicht bloß die Tragödie der Enttäuschung erlebt diese Mutter wie so viele ihresgleichen, sondern auch die der Mutterliebe, erlebt sie an sich selbst. Sie haßt ihre andern, ihre gesunden Kinder, sie vernachlässigt sie, weil sich ihre ganze Liebe dem Kranken zuwendet. Welche Unnatur einer Mutter, wie mischen sich hier Liebe und Liebe, wie täuscht sie sich über sich selbst, welche Verbitterung frißt sie in sich hinein. Bis zu dem Tage freilich nur, da sie eine ganz andre, die zweite Tragödie für sie erlebt: ihre Kinder sollen Soldaten werden, im zaristischen Rußland und für orthodoxe Juden ein Verhängnis. Da erwacht ihre Liebe doch wieder. Sie will nicht um Glück und Frieden betrogen sein, man darf ihr die Kinder, ihre Kinder nicht entreißen und sie tut, was sie tun kann, opfert ihr Erspartes und erreicht, daß beide Söhne doch von ihr gehn, der eine nach Amerika, der andere zu den - Soldaten. Und die dritte Tragödie ist da — ein Kind verschmäht die Liebe der Mutter, hat kein Verständnis dafür, läßt sie allein. Es geht weiter: „Mirjam geht mit einem Kosaken." Die Tochter des frommen Mendel und der Deborah mit einem Kosaken! Dahin Sitte und Zucht, Frömmigkeit, jüdische Treue. „Dein Mendel Singer", nennt diese Tochter ihren Vater, nennt ihn so vor ihrer Mutter. Und so verwirrt sich bei Deborah schon alles, daß sie sich wieder über sich selbst täuscht, wieder alle Begriffe umstürzt: „Mirjam ist schön, vielleicht hat sie recht." Und doch findet sie wieder zu sich selbst, als der Gatte erklärt, wir müssen fort, um Mirjam zu retten. Der kranke Menuchin muß Zurückbleiben. Das Unerhörteste geschieht — eine Mutter verläßt ihr krankes Kind — um ihr gesundes Kind vor Schande zu bewahren, sagt sie sich freilich. Aber denkt sie denn überhaupt über einen Ausweg Nach, gibt sie nicht sogar den Glauben au das Wort ihres Rabbi preis', der Menuchin eine schöne Zukunft prophezeit, Gesundheit, Güte, Milde? Mit Worten und äußerlich tut sie alles, aber das ist ja gar nicht ihr wahres Wesen. „Es schreit aus ihr", als sie fortgeht und die Wellen des Ozeans, der sie nach Amerika trägt, murmeln ihr zu: „Verlaß ihn nicht, verlaß ihn nicht". Sie tut es doch. Aber wieviel sie von ihrer Herzenskraft damit preisgegeben, zeigt sich wohl deutlich in Amerika. Der Sohn, der dort lebt, zieht in den Weltkrieg und fallt. Da bricht sie zusammen — für immer. Sie erlebt dadurch nicht mehr, ihre Tochter wahnsinnig zu sehen, aber auch nicht mehr den Ruhm des kranken Menuchin, der längst gesund und ein Künstler geworden. Die Tragödie ihres Daseins folgt ihr über das Grab. Ihre Kinder waren ihr „Kinder der Schmerzen", aber sie selbst verdiente den Namen „Mutter des Schmerzes". Die Bibel singt von dem „Menschen, den seine Mutter tröstet", und den also Gott tröstet, der jüdische Weise stand auf, wenn seine Mutter ins Zimmer trat, denn „die Herrlichkeit Gottes" kommt. Alle Poesie und alle Innigkeit, die von jeher die Gestalt der Mutter umschwebte, liegen darin. Aber die Bibel kennt auch die Rahel, ewiges Symbol der Muttertragik, die nach jahrelangem Warten auf Liebe und Mutterglück bei der Geburt ihres zweiten Sohnes stirbt und ihm den Namen „Ben-Oni", „Schmerzenskind", hinterläßt. Den Ruhm ihres Josef hat sie nie geschaut. Mutterliebe — Mutterglück. Mutterliebe — Mutterkragödie, es ist ebenso wahr und Roths Buch zeigt es von neuem. Wird irgend jemand deshalb das Mysterium des Mutterseins ablehnen? Die Blätter der Käte Kollwitz sind neu erschienen, und Arthur Bonus hat ihnen ein Vorwort geschrieben. Er erklärt darin den Antrieb der Künstlerin zu ihrem Schassen als einen durchaus religiösen und belegt das mit dem Wort Jeremiase „O meine Brust, meine Brust! Ich winde mich vor Schmerz! O ihr Wände meines Herzens, meine Seele stöhnt in mir, ich kann nicht schweigen." Wer wer — auch ohne Künstler zu sein, möchte diese Worte nicht ausrufen, gerade wenn er die erschütternden Darstellungen der Muttertragödien in den Blättern der Künstlerin auf sich wirken läßt! Diese „Klagende Frau", diese „Bittstellerin", diese Mutter, die „Mit Kindern in den Tod" geht, welches Uebermaß der Tragödien. „Warum laufen einem die Tränen aus den Augen", schreibt die Künstlerin in einem Briese, „gerade, wo man Menschlichstes sieht? Das an der Erde Brust sein erschüttert." — Auf so viel Jammer wieder hingewiesen zu haben, ist auch ein Verdienst Josef Roths und seines „Hiob". Möchten Taten daraus entstehen! Werbt neue Mitglieder! Aus den Gemeinden * Aurich. (Persönliches.) Im Alter von 85 Jahren ist die ehemalige Vorsitzende des Jrauenvereins, Frau Susanne Hoffmanii, verschieden. Lehrer Moses gab am Grabe ein anschauliches Bild vom segensreichen humanitären Wirken und der überzeugten Frömmig keit der Verstorbenen, die sich durch ihre soziale Arbeit ein dauerndes Andenken in der Gemcindegeschichte sicherte. Berlin. (Eröffnung des Altersheims der Jüdischen Gemeind« in Schmargendorf.) Am Dienstag, dein 3. März, fand in Antvcsenheit eines zahlreichen geladenen Publikums, darunter der Vertreter der Jüdischen Gemeinde, des Preußische!: Landesverbandes jüdischer Gemeinden, staatlicher und städtischer Be Hörden und der Kuratorien der Altersheime die feierliche Eröffnung des neuen Altersheims der Berliner Jüdischen Gemeinde in Schmargendorf statt. Der Erbauer des Heims, zu dem vor genau zwei Jahren der Grundstein gelegt wurde, Regicrungsbaumeister Beer, dankte den Gemeindebehörden, insbesondere der Baukommisjion für die ihm bei der Planung und Ausführung des Gebäudes zuteil gewordene Unterstützung. Der Vorsitzende der Gemeinde begrüßte die Teilnehmer an der Feier, insbesondere den Berliner Polizeipräsidenten Grzcsinski, den Vertreter des Berliner Magistrats und der Wilmcrsdorfer Bezirksbehöride Stadtrat Tr. Pannwitz, so>vie Herrn Pater Wintersbcrger, der durch sein Erscheinen Zeugnis für die Einheitsfront aller Glanbcnsgemcin-- schäften im Dienste der sozialen Arbeit abgelegt habe. Dein Schöpfer des Hauses, .Herrn Gcmeindebaumeistcr Beer, dankte der Vorsitzende namens des Gemeindevorstandes in besonders herzlichen Worten für diese neue künstlerische Leistung, die sich den anderen ebenfalls van Baumeister Beer ansgeführtcn großen Gemeindebauten, der Synagoge in der Prinzrcgentenstraßc und der Schule in der Auguststraße würdig anreiht. Mit diesem dritten der in 'letzter Zeit errichieten großen Gcmeindcbanten sei nunmehr eine Bauperrode abgeschlossen, die infolge der etwa 12 jährigeil .Hemmung des Ausbaus der Gcmeindecinrichtungeu durch Krieg und Nachkriegsentwicklung notwendig geworden tvar. Schließlich dankte der Vorsitzende den Damen und Herren, die durch Zimmer und Bettstistungeu die Aufnahme auch gänzlich Unbemittelter in das neire .Heim ermöglicht haben. Die Gemeinde selbst hat durch Errichtung ciuee Leopold Badt Stiftung für das Altersheim das Andenken eines Mannes geehrt, der Jahrzehnte seines Lebens der Wvhlfahrtsarbeil der Gemeinde gewidmet hat. Zimmer- und Vettstistnngelt sind ii. a. den Herren Fritz Wallach, Zwiklenberg, Tr. Lustig, sonne der Aron Süstlilig des Frauenvercins Charlottenburg zu danken. Sodann übergab er den Schlüssel des Hauses dem Obmann des Berlvaltungsvorstandes James Goldschmidt, der eine Schitderung der Organisation des für 180 Personen berechneten Heims gab und es als gutes Omen bezeiehnete, daß die Eröffnung am Purim, einein Tuge jüdischer Freude, ermöglicht wurde. Stadtrat Dr. Pannwitz, der ärztliche Leiter des Bczirtsgesundhcitsamtcs Wilmersdorf überbrachtc in Vertretung des Bezirksbürgcrmeifters Franke die Glückwünsche der städtischen Behörden. Nachdem Obcrkantor Lemandowski den Psalm 127 znm Vortrag gebracht hatte, hielt Rabbiner Dr. Warschauer die Weiheredc, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß dieses der Liebe und der Ehrfurcht vor dem Alter geweihte .Haus eine Stätte des Friedens bilden werde. An die Feier, die von Darbietungen eines gemischten Chors umrahmt war, schloß sich eine .Besichtigung des neuen Hauses unter der Führung von Regicrungsbaumcistcr Beer. Sämtliche Räume, vor allem die in jedem Stockwerk befindlichen Gesellschaftszimmer, sind trotz Verwendung cinsachstcn Materials ungemein geschmackvoll und ansprechend ausgestattet. Der große Betsaal macht mit seinen sechs hohen Rnndglassensteru und der in edlen einfachen Linien gehaltenen Innenausstattung einen feierlichen und doch freundlichen Eindruck. Die technische Ausgestaltung des Hauses steht auf modernster Höhe. Es gibt fließendes kaltes und warmes Wasser ' in jedem Zimmer, Personen- und Speiscaufzüge, Badezimmer in jedem Stockwerk und eine mit modernsten Apparaten und Geräten ausgestattete Riesenküche. Neben großen elektrischen Kochherden und Backröhren gibt es hier eine Reihe neuartiger, durchwegs elektrisch betriebener Hilssvorrichturigen, tvie Kartoffelschälmaschinen usw. Schließlich ist noch der große Garten sowie der mit einer Liegehalle verbundene Dachgarten zu erivähnen. Breslau. (Sitzung der Gemeindevertretung.) Ter Gemeindevertretung lagen in ihrer ersten Arbcitssitzung am 5. d. M. nicht weniger als vier Interpellationen vor. Tie konservative Fraktion fragte wegen einer Freitagabend-Veranstaltung des Jli im Jugendheim an, bei der gegen die Abmachung das Klavier benützt toorden tväre. Durch diese Veranstaltung im November 1930 konnte unmöglich jemand in seinen religiösen Empfindungen verletzt worden sein, weil an diesem Aben-d sich niemand außer dem Jli im Jugendheim befand. Bei einer späteren Beranstaliung im Februar d. I. hatien sich die in einem entfernten Raume zu einem Geschichtskursus anwesenden Mitglieder des Bar Kochba in vorgerückter Zeit der Feier angeschlosseu. — Die Vertreter der Mittelpartei befragten den Vorstand, weshalb ein Gesuch abgelehnt tvorden wäre, bei einer Barmizwah in der Neuen Synagoge die Haftarah hebräisch vortragen zu dürfen. (Seit 80 Jahren wird sie im liberalen Kultus deutsch vorgetragen.) Sie erhielten zur Antwort, daß die Regelung des Kultus nach der Gemeiirdcsatzung lediglich Angelegenheit des Kultusausschusses sei. — Die Anfrage der Gemeindevertreter Jacobsohn und Fürder, weshalb dem jüdischen Schulderem kerne Gemeinderäume zu Unterrichtszwecken überlassen tvorden wären, beantwortete der Vorstand mit den durch eine solche Ueberlassung zu erwartenden Störungen und mit deu Erfahrungen im Jahre 1924. Schließlich wurde di e Anfrage der Volkspart ei bezüglich der Beschäftigung jüdischer Erwerbsloser auf den jüdischen Friedhöfen dahin beantwocket, daß diese bei allen Arbeiten in Zukunst, vorgesehen sei. — Im übrigen wurde die Geschäftseinteilung des treuen Vorstandes zur Kenntnis genommen, der Ergänzung der Veerdignngsgebühren-Ordnung (für Personen, die aus der Gemeinde aus gltreten sind), der selbstschuldnerischen Bürgschaftsübernahme für weitere RM,. 30 000,— für die jüdische Mittelstandshilfe und der Niederschlagung eines Vorschusses von RM, 700,— and die jüdische Arbeiterfürsorge zugestimmt. Nachdem die Gemeindevertretung sich schon in einer früheren Sitzung damit einverstanden erklärt hatte, den Zweck der O e st re ichec-St i ft u ng dahin zu ändern, nicht ein Waisenhaus, sondern Wohnhäuser für die minderbemittelte jüdische Bevölkerung zu errichten, wurden nun nach Einwilligung des Regierungspräsidenten die neuen Satzungen dieser Stiftung genehmigt. — In der geheimen Sitzung wurde eine Stiftungsurkunde angenommen; Geheimrat Goldfeld (sein Vertreter Emil Waldstein) und Rabbiner Dr. Simonsohn (sein Vertreter Samuel Nothmann) wurden zu Mitgliedern des Rats des Preußischen Landesverbandes, Rabbiner Wassermann aus Darm-- stadt zum Dajan der Gemeinde gewählt. Die Wahl der Ausschüsse mußte wegen vorgerückter Zeit (es war inzwischen 24 Ahr geworden) vertagt werden. Duisburg-Rllhrvrt. (Persönliches.) Das älteste Mitglied der Gemeinde, Herr Hermann Vasen, ist 89 jährig gestorben. Prediger Kaiser hob am Grabe die mannigfachen Verdienste hervor, die sich der Entschlafene in jahrzehntelanger Arbeit als Vorsitzender der Ge-- meinde und der Chewroh erworben hat. — Für Herrn Sally Leeser wurde Herr Philipp Vasen zum 1. Vorsitzenden der Gemeinde Ruhrort gewählt. Guben. (Lehrerwechsel.) Der seit April 1926 hier als Lehrer und Kantor der Gemeinde tätige Herr Siegfried Winterberg ist zum Beamten der Gemeinde Bonn gewählt worden. Der Gewählte wird seine Stell« voraussichtlich bis zum 1. Juni antreten. Halberstadt. (S y n a g o g c n g k nr c i n d e -Verband der Provinz Sachsen.) Am 15. Februar fand in Halberstadt die Generalversammlung statt. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeinde Halberstadt, Herrn Silberberg, eröffnete der Verbands Vorsteher, Herr Rabbiner Dr. Wilde, die Generalversammlung. Tr gibt einen Bericht über die Tätigkeit des Verbandes. Religionsunterricht lvurde durch Unterstützung oder Vermittelung des VerbawdeS in folgenden Gemeinden erteilt: Burg, Schönebeck, Oschersleben, Barby, Egeln, Genthin, Quedlinburg, Schlensingcn und Staßfurt. Durch den BezirkSlchrer Herrn Abraham in Rathenow wird Unterricht in Garde legen, Stendal und Tangermündc erteilt. — Für Gottesdienst an den hoheir Feiertagen zahlt der Verband Unterstützungen an Bitterscld, Egeln, Oschersleben und Staßfurt. Auf Veranlassung des Verbandes fand eine Chanukkahfeicr in Oschersleben statt. — Die Absendung von Minjanmännern besorgte der Verband für Egeln, Gardelegcn und Genthin. — Der Preußische Landesverband hat seine Unterstützung zugcsagt für Gastpredigtcn in kleinen Gemeinden. — In einigen Füllen wurden Unterstützungen an Lehrer und Lchrerwitlven gezahlt. — Die Seelsorge an den Landesheilanstalten Altscherbitz, Pfafferode, Uchtspringe und Jerichow wurde durch den Verband neu geordnet. — An _ der Interessengemeinschaft der Preußischen Provinzialvcrbände beteiligte sich auch unser Verband. — Wir waren auch in diesem Jahre Vermittclungsstelle mit dem Preußischen Landesverband bei den Fragen über Erhaltung von Friedhöfen und Synagogen und bei den Wahlen zum Preußischen Landesverband. — Im Anschluß an den Bericht wurde beschlossen, für Unterricht neu zu sorgen für Coppen stedt, Jlsenburg, Mückenberg und Wernigerode und in einem beson deren Falle die Kosten für Exhumierung und Uebersührnng einer Leiche nach einem jüdischen Friedhof zu übernehmen. — Herr Mar Lehmann-Gerwisch gibt den Kassenbericht, der von .Herrn Rechtsanwalt Dr. Martin Cohn-Magdeburg geprüft lvorden ist. — Herr Dr. Jsmar Freund, der Vertreter des Preußischen Landesverbandes, gab einen ausführlichen Bericht über die schwierige Lage, in der sich der Landesverband befindet: daß er in Zukunft nur noch Ge meinden ivird unterstützen können, die über 40 o/o der Einkommen steuer als Kultnssteuer erhebe. 20 »/0 seien jetzt schon als Normal steuer airzusehcn. — Aus den neuen Statuten, die dann verhandell tvurdcn, seien folgende Bestimmungen hervorgehoben: § 2. Zweck de- Verbandes ist die wirksame und einheitliche Förderung gemeinsamer Interessen der Bcrbandsgemeinden, namentlich 1. die Einrichtung, Erhaltung und Bcrufsschichtung eines geordneten Religionsunterrichts für alle jüdischen Schüler und Schülerinnen, 2. Versorgung der unterstützungsbedürftigen Gemeinden mit Gottesdienst, insbesondere an den hohen Feiertagen, 3. Unterstützung hilfsbedürftiger Verbandsgemeinden bei Einrichtung und Erhaltung von Kultnseinrichtungeu, 4. Austausch von Erfahrungen in der Gemeindeverwaltung, 6. schiedsrichterliche Schlichtung und Entscheidung innerer Streitigkeiten auf Anruf der Beteiligten. § 8. Der Gemeindetag besteht 1. aus den Abgeordneten der zum Verbände gehörenden Gemeinden. Jede Gemeinde ist stimmberechtigt. Gemeinden von mehr als 50 steuerpflichtigen Mitgliedern haben für je iveitece 50 Mitglieder eine Stimme: mehr als 5 Stimmen darf eine Gemeinde nicht haben. 2. aus den Rabbinern der Vcrbandsgemeinden; 3. aus den Lehrern der rabbiner ■ losen Verbandsgemeinden. § 9. Der Ausschuß besteht aus 5 Mit gliedern, von denen 3 den Vorständen oder Repräsentanten der Ver bandsgcmcindcn angchören müssen. — Ein Vortrag des Herrn Lehrer- Abraham Rathenow über die Lage in den Kleingemeinden mußte tvegen Erkrankung abgefetzt tverdcn. Das Referat des Hcrrrr Rabbiner. Dr. Kahlberg-Halle über Seelsorge in Anstalten lvurde der vorgerückten Zeit wegen vertagt. — An den Debatten beteiligten sich die Herren: Rabbiner Dr. Auerbach - Halberftadt, Rabbiner Dr. Kahl bcrg-Hallc, Lehrer Regcnsburger-Aschersleben, San.-Rat Dr. Franken stciil-Magdcburg, Silberkberg, Dr. med. Auerbach und Seckbach-Halber stadt, Stcrnfeld-Halle, Landcckcr-Schöncbeck, Bry-Aschersleben, Knge! - mann-Oschcrsleben, Wiener und Schloß-Egeln. — Um 3 Uhr schloß der Vorsitzende mit einem Dank an die Genreinde Halberftadt die Generalversammlung. Kassel. (I u b i l ä n m s s c i e r.) Anläßlich des 25 jährigen Oris jubiläums des Kantors Karl Witepski fand Sonntag vormittag im Sitzungssaal der Gemeinde eine Feier statt, die von der Gemeinde, der Religionsschule und Israelitischen Volksschule veranstaltet wor den war. Nach einleitendem Gesang des Schülcrchorcs der Israelitischen Volksschule richtete Landrabbiner Dr. Walter an den Jubilar herz liche Worte der Würdigung seiner Tätigkeit als Rcligionslehrer und Kantor der Gemeinde. Er hob besonders seine von Idealismus und Begeisterung für den hohen Berns getragene Unterrichtsmethode hervor. Lehrer Mose» dankte als Leiter der Israelitischen Volts schule für die der Anstalt -geleistete künstlerische Betätigung auf dem Gebiete des Musik- und Zeichenunterrichts und sprach gleichzeitig namens der Israelitischen Lehrcrkonfcrenz Hessens und des Kasseler Bezirksvercins israelitischer Lehrer Hessens dem Jubilar Dank sür seine beiden Vereinen geleistete (Gefolgschaft und die Glückwünsche der Bervfsgcnossen ans. Rechtsanwalt Dalberg feierte als Bcauf tragter der Gemeinde die Tätigkeit Witcpskis als Kantor, der, frei von ..falschem Pathos, von der Wichtigkeit seines Berufes durchdrungen war und so der Hebung der Andacht der Synagogenbesnchcr dienen konnte. Zuletzt nahm der Jubilar das Wort, um bewegt seiner Freude über die ihm bereitete Ehrung Ausdruck zu geben. Er beleuchtete unter Anlehnung an die im StiftSzelt aufgestellten: Geräte, den goldenen Altar, den Leuchter und den Tisch, die mannigfachen Aufgaben des Schirach Zibburs, des von der Gemeinde ent sandten Borbeters, der selbst andächtig und würdevoll sein müsse, um den Forderungen des Berufs gerecht werden zu können. Salzer und Lewandowsky seien die bedeutenden Interpreten solcher Gebetsstimmung gewesen, die dem Kantor von heute vorbildlich sein könnten. Seine Ansprache schloß mit der Versicherung, daß die Ehrungen ihn zu eifriger Betätigung, in idealem Geiste anspornen sollten. Der Gesang „Alles, was Odem hat" durch den Schülerchor beendete die eindrucksvolle Feier, der eine Ueberceichung des von Mitgliedern der Kollegien der Rcligions- und Volksschule gestifteten Geschenkes vorausgegangen war. Kassel. (Jubiläum.) Am 10. März konnte Lehrer und Kan tor i. R. Ludwig Horwitz sein fünfzigjähriges Lehrerjubitäum begehen. Obwohl der Jubilar, der das Lehrerseminar in Hannover besuchte und dann vor seinem Kasseler Wirken in Wunstorf und Dessau tätig war, fest fast fünf Jahren ni-cht mehr offiziell im Amte ist, hat er doch eine umfangreiche literarische Tätigkeit entfaltet und u. a. anch bei der Anlage der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kassel mitgewirkt. Fleißige Forschungsarbeit hat auch vorher einige Spezialschriften entstehen lassen, die von Verfassern größerer Werke als wichtiges und zuverlässiges Material angesehen wurden. Genannt seien in diesem Zusammenhang: „Hofjuden in Kurhessen", „Die Kasseler Synagoge und ihr Erbauer", „Die Israeliten unter dem Königreich Westfalen". Auch die Geschichte der Dessauer Gemeinde und einzelner Familien, ist von Horwitz behandelt worden und dank seiner umfangreichen Geschichtskenntnisse hat er die Familienforschung als Spezialgebiet gepflegt und in Vereinen oft Proben seiner Vertrautheit mit diesem Gebiet geben können. Kasftl. (Persönliches.) Am 10. März vollendete Kommerzienrat Moritz Gottschalk in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Seit vielen Jahren ist der Jubilar Mitglied des Vorsteheramtes der Israeliten in Kassel und gleichzeitig Delegierter im Landesrabbinat. Auch dem Kuratorium des Israelitischen Waisenhauses gehört er an, und viele andere israelitische Organisationen zählen ihn zu ihren eifrigsten, mit Wärme und Eifer für gemein-- nützige Zwecke eintretenden Mitgliedern. Königsberg. (Ergebnis der Mats wähl.) Das Ergebnis der Ratswahl in Ostpreußen steht nunmehr fest. Es beteiligten sich an der Abstimmung sämtliche Synagogengemeinden bis auf drei mit