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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-11 · 10 (11.3.1931) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
10 (11.3.1931)
Date
1931-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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; '< m 138 Siimnifii. wurden r)i':»nf)lt: ztim Rals-ni'g!ied "iepeiiuer Medizinalrat Prosessor Tr. F.ilkenheim Königsberg, bisheriges Rais mitglied und Vors ine »der der Synagogengemeinde, mir 138 Stimmen, zum I. Ersattitnutn Miiitfinnun Sollt) Jeuchim König: bcrg, stellvertretender Voriitzenver der Gemeinde .Uiutifl^berfi iu:b Gorsitzender her Vereiniipen Jüdischen Miltelpartei, mit 7h 2tinirm'ii, zuin 2. Ersaginann ttiiimmuin s.'.iior Friedland Elbing, geschäsis fithrc nbt'r ^oijitu'utu'r der Gemeinde Elbing, mit 87 Stimm.',i. Außerdem erhiellen Stimmen als l. Ersatzmann Stoufmiititi Ari!,nr Eohn Königsberg, der Verbandsvvrsteher des Berbandes der Synagoge» gemeinden Ostoreußens, Slimmen, als 2. Ersatzmann Rabbiner Tr. Rösel Tilsit, 12 Stiminen, als 2. Ersatzmann Mititfntonn Artäur (iol)i! I Slimme und als 2. Ersatzmann Kausmann Soll!) Ioachinr 1 Slimme. Tie drei (‘»iciL'ät.ln’ti stehen tämtlirli otif dein Boden des Eeutralv,neins. Geheir.iral Falkenheim nno Kauinunin Friedland stehen der tibernlen Bewegung nahe. Tos Fiitereise nn der Wohl umr allcntl>albe» sehr ft ml. Ter Wahlkampf unirbc Don den beiden Porteien, die sich gegenübecstanden. in sachlicher und vornehmer Are gesührt. Tie Wohl entspricht gennu dein 2'öahlvorschlag der S n!! 110ra e n g e IN e i n de .\tön i g o b e r g. Königsberg. (S y n 0 g 0 g e n b e s i eh t i g u n g., T ie Zungdemo krotische Bercinigting veranstaltete eine Besichtigung der A'etien Shna goge, zu der sich eine große Anzahl MilIied^r und «Bitte anrh ans anderen Porieien eingesnnde» hatten, Geinein eeraboi'.rer Te. Lewiu begrüßte die Erschienenen und!,ieh ihnen einen eingehenden Aus klännigsvorirag über de:: jüdisch, n «'boileediensi sowie über die G>- schichte der Snuagoaengemeinee Königsberg nnd irre Sirnagog-n. Außerdem schildert-' er so>,d-e . .- w:rpn,gs»o!I die Bedeurnttg des Ko! Ridre (Mcbeto. Tie Ansinhr»ngen mürben nnie'snichen durch imr; kalische Tarbie!ungen von l. Kanlor Tr. Pj,l. den EhordireUe.e B-rd ia.i an, Harntoniu.u derlei.e'e. 'Beine trugen slwagonne «besänge vor. Tie ganze Synagogeniührung mit ihren Torbie«ungen hinter - ließ bei allen ck>: istlichen Teitneumeen einen uacknönckgen Eiittruck. lim den Besuch zu vetnieie», i;atto der Tei'traloerei:: Au'Närüiigntn:oiinl zur Bersägnng gegeilt. Königsberg. «B e st r a i I e r n a t i 0 u a l s 0 z i a l i st i s eh e r P r o v o k o i e n r.) Bor dem Scliossengerich! in Königsberg hatte sirt> der Privatg.lehrte und Tovochandelsvertreler Tr. phii. Mnapftivegen gesohrütchec Körperverletzung und össentücher Beleidigung zn vere.uttvorten. Ter Angeklagte batte in einem Fall im Jahre I!>2:' oder I!)2I in der Aneiphvischen Langgasse harmlose jüdische Pas sauren unter dein Rns: „Tie Inden müssea olle totgeschiogen werden!" törüch aiigegrifsen. ^^itfäü iti war er hi erb--: aber an die Unrechten gekommen und wurde van dein Kaufmann B. niedergebori. In einem anderen Tot! hocke er im Sorniner I!>28 ans der Slras-enbahn einen jüdischen Rechtsamoalt babtivoli provoziert, das; er zit einer neben ihm stehenden Tani-', der Tochter eines belanntcn Königsbergcr Generals, sagte, er habe schon wieder eineu Inden als Nachbarn, belo.innen. AI» mereckuiei eine» ,')igare!tanjndeil uaiiiens Prinz. Er stecke aber iunner die Hatenteeiizilagge heran:-, damit Prinz »vifie, iocis er von ihn, zu halten habe, istisiiliig habe er mul) einen Hund, der Prinz hei ge. Jedesmal wenn er den Suiiumaun Prinz ärgern. wolle, rufe er leinen Hund: „Prinz, ltnup, Tn Scljiist!", de m Aus der Ili-Bewegung i »«ronfroorlt.: ArbeUsgemeinschast jüdisch-liberater Zugeadvereiite Deutschlands r\ Keöaffion: Dr. Ellen CiHmann, Berlin schwere dieser sich daun, so erkläre er eiusach. er habe je inen .Hunt» aerieiiil. T>e ItfeHuisaiifiiai-ni-e ergab das üaeraus üble Beirehmen des Angeklaglen nud Persönlichkeiten wie der sruhere R"g-:rrung-s Präsident von Königsberg, RcchtSnn'.voU Bohl - der kurz nach der Berhaudlcurg plötzlich verschieden ist - - lnid die «Öenernlslvchter ertlcirlen, .Bnapke habe sich in geradezu nugiaublicher Weise be no'nmen. Im Plaidoyer der Rebeuklägor tvurde ausdrücklich betont, dost Buapke es ober nicht verschmäht Hane, trotz seiner aniiseulitischeu' Besinnung mit jüdischen Tabalsabrilainen »na Tandlern «öesehästc z'n machen. Tgs cheriehl kam zn einer Eiustellnitg des Beriahrens in Hiezug ans Körperverletzung, da nicht enoieleit sei. aast diese erst im Jahre 132! erfolgt tvöre. Itlguuste» des Ali-g-ettagreu m ü) f c es daher oimehmeu, dast diese iin Jahre 1U23 getvesen, also vcr jöi.r.' sei. Wegen Beleidigung des jüdischen Rechtsanloalcs und des judischml dtansmanus tvllrde Bnapke zu einer «.tzeldstrafe von Mk. 3l><l in,*) den Soften des B erfahre ns venirteilt PaUgenfeibost». lInbii litt IN.) Ter » a n r c n u n t t r st l! tz l»: g s v e r e i n beging die Feier seines siiiifzigiährigeti Bestehens durch einen Iestacc, bei dem Lehrer Loeb die Ziele und Anfgobei, des Bereius schilderte und der Bvrsitzende Simon chronihal einen Rückblick von der Wir!! somteit des Vereins während der versiosseireit sünszig Jahre gab. Weitere äcknsprocheii hielten noch die stierren tst>. Glauberg und Zetln. LelrkdNgrN. >T a d e s > a I 1.) Ter langjährige Vorsteher und fteliveriretende Borsitzende des Borsteheeamtes, cherc Inlins .Beiden Iximer, ist o na Humid seinem 2lebeil-.-lreis entrisseil tooraeu. 37 Jahre, Ihit er die ihm anoertranten Interessen mit Umsicht unb Energie ver treten nud sich dadurch den Tau! vieler ortoorben. Potsdam. Q ii b i! ii n in.) Am Mittwoch, dem 23. Februar, beging der oiesige Israelitische Frauenverein sein 8» jährig.es Bestehen dnr-ch eine tvürdige Feier, die sich der grasten Not entsprechend in. einsachster Form vollzog. Nach Schlus; der ordentlichen Generalversammlnug fand eine Basseetafel statt, an der auch der Vorstand mtb Repräsentonten, sowie der Vorstond der Ehewra teilnohmen. Tor .Bauptzloeck der ganzen Veranstaltung war jedoch die Ehrung der Frau Anna Zielenziger, welches air diesem Tage ihr 23 jähriges Jubiläum als Vorsitzende des Vereins feiern konnte. Zerr Rabbiner Tr. Schreibe!', sowie dcc Vorsitzende des Gemeiildevorstandes, Herr Iustizral Joseph sahn, Frau Gtinsmann für den Vorstand des Franeilvereins, Barr Gansmann für die Ehewra, sowie Frau Maria Ollendors als Te.e gierte des slidischen Frauenbundes seierjeit die Jnbilarin, dann Fron Berrnstad! Öetiingen sie in hervorragend schöner poetischer Form. Ein tieines Eannen aus der Melodie des Schiev hamalaus folgiv nach der TankeSrede der gefeierten Jubilarin. Znm Schluß sprach Fron Berrnstadt in meisterhafter Rede Szenen aus Jud Süß von FeuchNvanger. Eine größere Anzahl aus-värtiger Frauenvereiiie hatte telegraphisch ihre Glück>vünsche übersandt. Schneidemiihl. (Goldene .Hochzeit.) Das Salti) Michaelis fche Ehepaar hierfelbst feierte am 8. März das Fest der Goldenen .Hsckizeit. Die Einsegnung des Paares in der Synagoge nahm Rabbiner Dr. ' Rosenzweig vor. Michaelis versah 35» Jahre lang das Amt eines Fleischbeschauers im hiesigeir städtischen Schlachthause. Unter den zahlreichen Gratulanten bemerkte man Vertreter der jüdischen Gemeinde, sotvie der jüdischen Vereine. Im Aufträge des Magistrats war Oberbürgermeister Schröder erschieucir und übcrbrachte die Glückwünsche der Stadt, sowie ein Geldgeschenk. Vom Reichspräsidenten v. Hindenburg war ein Glückwurrschschreiben eingelausen; senrer gingen Glückivünsche und ein Geldgeschenk von der hiesigen SlaatSregierung ein. Stettin. (F r e i t a g a b e n d s c i e r n.) Tie Jnteressengemeinschast jüdischer Jngendvereine in Gemeinschaft mit dem Iugcndansschnß der Allemania Loge, veranstaltete im Wiilter dieses Jahres in den Räumen der Allemania-Loge Freitagabendseiern für die schulentlassene Jugend, die bei einer stets wachsenden Besucherzahl großen Anklang gesunden haben. Insbesondere fand die am 27. Februar staltgesundenc' Beranstaltung großen Beifall. Herr Dr. Rosenberg, der den einleitenden Bortrag hielt, gab in kurzen, treffenden Ausführungen eine Ucbersicht über die Entstehung der Freitagabendgebete. Hieran schlossen sich liturgische Erläuterungen deS Herrn Kantor Rainowitz. In einer vorzüglich angelegten Uebersicht wurden den Hörern Proben aus der bäuslichen Liturgie der Freitagabende übermittelt, ivie sie im Osten lind Westen in jüdischen Häusern erklingen. Diese cigenariigeu Lieder gewannen, auch unterstützt durch die Gesangslunst deS Vortragenden, neues Leben und zcug?eu von dem Geist wahren, echten JtldentumS. Ussenhrim. (Todesfall.) Tie hiesige Gemeinde beklagt den .Heimgang ihres geistigen Oberhauptes, des Hauptlehrers i. R. Abra Ham Strauß. Fünfzig Jahre war der Entschlaseue als vorbildlich wirkender Lehrer, Führer und Förderer der Gemcindeinteressen tätig. Mit reicher Erfahrung und umfassendem religiösen Wissen verband der Verblichene stets vornehme Gesinnung und nie versagendes Taktgefühl. Dadurch erwarb er sich große Beliebtheit und Hochachtung in allen Kreisen der Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und der Stoim stssion. Die Gemeinde und ihre Vertretung werden des wackeren Mannes und pflichttreuen Beamten stets in dankbarer Verehrung flm denken. Die Juden und der deutsche Geist (7vvrr nach filtern Vortrag ton Julius i> a b.) (j,- tFlck einen Unterschied zwischen jüdischem und deinschein Geist. Leugnen wäre löricht. Aber woraus 'berutch ir. Inrrin Geistigen, ocr Religion? Rein, denn weie Jude:: -uio Christen, Oie von der Rickigion uüln’iüim sind, berftd e:: einaudrr nicht. Ist das Trcnucnoe etwa im audereu Extrem, dem rein Körperlichcii zu suchen'? Raiseulheoretifer riechen (wönlieh genommen) doch sogar einen Unterschied. Wir brauchen uns nur mal an eine Sunttgoge zu ckell-'u, um za jeden, daß dem non ihnen, dezeichneuck' indischen Typ« n'.'.r eia gewisser Prozentsatz Juden enispricht. dagegen solle!! zwei blonde Hünen mir Schaststicfeln und Lederjoppe tc-r i'mer Kirehe steilen nnd der eine sagt: „Nun" und der andere .Ick'nnhr..so weis man untrüglich, das sind Juden. Tieü'-.r Ton kann der Nichtjude nicht namachn.".!, Tdirch eine Ll'.Oüjährige klicolegische Angestannntheit wurde ein beßiminter Riintlnnus, Tinge ^n bewegen, steraikögebi'ldet. Im istr,scheu Witz dvkumeniierck sieh diese -)lrt ebensails. Witze und .starrikaUnen geben das Charatteristische pointiert wie!er. Wir ol,e lennen solche topisch jüdischen Witze. Juiius- Bab erzählte den inck dem Rabbiner, der seine Brille sucht und sie lnreh einen logischen Tenrprozep am seiner Nase ii' end s'ndei. Ein Tasten nach der Nase wäre ihm zu plump gewesen (Äivt es eine spezifisch deutsche Art zu denken und zu reden, so ist sie der jüdischen conträr. Ter Deutsche, losi sich durch dos ckörpertzafle führen. In unserem Beispiel würde der Teuische zuerst durch iorperliches Suchen zn seiner Brille fommen. Tiefer Unterschied bezieht sich aber nur aus dar FormdrinIv des Lebens und nicht auf den gc:ftigen Gehalt. Wollte man, wie unsere Gegner es oft mit, tz.'n Inden darum einen übertriebenen Rationalismus zum Vorwurf machen, so oerwcchselk man Form mit Inhalt. Das dic Jude!' im Grunde rölüg nnra-ional sind, bckveist allein ihr aegeuw'wiges Vorhandensein. Tie Inden naben siel) ebne Siaatc-wesen allein durch die Kraft der Idee durch die Iai rhuuderle gerettet. Für die Gottesidee gaben sie ganz ,,uuvmu,mtia" ihre soziale Stellung aus. Tiefe irrational" Lechenschast ringt selbst' Goethe, der sonn kein Indenfreund ick, VeN'nuderiing ab. 5)ii:in haben die Inden mit den Teutseb«".! Verwandtes. Die ganze deutsche rstesch-ichte ist durch religiöse Leidenschaften jeittvot;f icrr. _ Das De ui sch! and nach dem!)li ftchrigen .Kriege war ein politischer unb geistiger Trümmerhaufen. Innerhalb eines Jahrhunderts wurde es durch den .Humanismus das in der Welt bewunderte ..Land der Dinker und Dichter". Judentum und Deutschtum stehen sich nicht freund gegenüber. Sie haben sich im Gegenteil oft gegenseitig befruchtet. ''Man denke daran, wie das Alte Tesckrmcnt durch die Lrttherf.he Bibelüberfeuung gerade in Deutschland gewirkt hat, wie groß der Eintluß Spinozas auf Goctbe war,'wie Leffing fich fo in den jüdischen Geist einfüh!:e, daß er den „Nathan" schuf. Nathan, der so eminent jüdisch spricht, daß alle Versuche, ihn von Nichtjnden spielen zu lassen, gescheitert sind. Wir sehen, Deutschtum und Judentum ist nicht wie Feuer und Wasser, wie^es gern hingestellt wird. Den indischen und den deutschen Tvicßer trennen zwar Meilen. Bei ihnen wird die Form so gesteigert, daß bei jenem Dialektik zu acdrmkenlosem Sehwabbeln. bei diesem Bedoebtigkcit zu Gedanken!rägheit wi'.'d. Man beurteilt das geistige Niveau einer Gemeinschaft aber nicht nach dem Boden satz, sondern nach den höheren Schichten, so dürfen kvir bossen. dast die Brücke)! zwischen dem Juden und dem deutschen lstrist er!',alten und weiter befestigt werden. Es ist nicht l.ckchi-. In Tstema, das heute im Vrcrmvunkt össcutlicher Diskussion steht, ohne Polemik wisjcnjchas! - lieh zn behandeln. Daß. der Referent dies in geradezu kürst ch-risehee Weise poitt'.raclne, werden ihm alle Iuhörer danken. Interrftaut und amüsant zuaseich war, wie der Referent aus minitiösen Beispielen den Unterschied zwischen deutschem und judiftbkin Geist heranTristailisiette. Nur glaube ich. daß die i, Inge zn summieren und zn abtrahieren b ')aL Unsere Gegner könnten leicht ans religiöse Entwicklung nicht gedeihen; es scheint manchnml, als ob das Organ für Religion verloren ging, man versteht ihre Sprache nicht mehr, das Gebet hört auf. Man begnügt sich um realen Dingen, alles Transzendente wird als rvmantischer Fimmel abgetan. Der Glaube wird verworfen und durch Wissen^ von Realst eiten ersetzt. Diese religiöse Leere ist reli giösr Not, :n der sich der Ernst der Lage offenbart. Daneben tauchen Gruppen auf, die die eigentliche Not schon i'werwunden haben, indem sie Religion wieder ernst netzi'.um, an ihr zweifeln und sich mit ihr auscinandersetzen. Rcligior, bzw. Mtrctic werden wieder bejaht, z. B. von der jüdisch liberatcu Jugend, der Jugend für entschiedenes Ehri' ftentnm. der katholischen Wcrkjngcnd. Seltener ist eine naturmystische Frönmugkcit der Jugend. Dagegen tritt am stärksten die aktivistische Frömmigkeit'auf; das Erlebnis Gottes stritt die Menschen in den Dienst einer Idee und verlangt eine religiöse Tal. Etwas ähnliches steckte früher iin Kommunismus, heute im Nationalsozialismus: das Volkstum ifr eine Gottesgadc und -ausgade, der mau dienen muß. Manches klingt im Zionismus au. Eine weitere Gruppe, die auch ein. Tuu, aber nicht nach außen, sondern nach innen verlangt, sind oie Idealisten. Ihre Nnsgabe ist die Selbsterziehung. Man hat ein Ideal von Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit vor Augen, dem man nach.- sirebt. Mau arbeitet an sich und sucht alles Minderwertige zn überwinden und abzuftreifen. Eine Gefahr liegt sreii'ch in kasuistischer Grübelei über das, was man tun uns lassen darf. Ein 'heute stack hervorlretender Zug ick der wirilichkeits.- nahe Realismus. Durch die nüchterne Realität bricht sich ein? Größe von oben her Bahn: Gott sell'st steht unauslveich-. lich vor einem, ist durch Tatsachen bewiesen. Ter einzelne Mensch ist aber nicht mehr das entscheidenoe nnd bedeutsame in der Bejahung des heutigen religiösen Lebens, die Persönlichkeit ist nicht mehr das höchste, sondern die Gruppe, die Gemenischast ist ein selbständiger, neuer Faitor. D'.es wurde durch Sozialismus ltnö Jugendbewegung vorbereitet. In der Gemeinschaft wird etwas Neues gesehen. Verbote und Gebote diktiert die Gemeinschaft, in ihr werden große Opfer gebracht, selbstloser Dienst ist wesentlich. Der Referent schließt aus dem Vorhandensein der sehr verschiedenen Gruppen folgendes: alle Illusionen müssen beiseite gelassen werden: die Dinge vei,angen nüchtern bw trachtet und besprochen zu werden; Begeisterung und Rvmantik wird nicht mehr vertragen. Gott! muß. sowohl seinen Anhängern als auch seinen Ablehnern eine Realität sein, die sich nicht durch eine Persönlichkeit, sondern durch such liche Wirkungen offenbart. Verschiedene Wege fuhren zn ihm, jeder geht den, oer ihm von seinem Schicksal vorgezeichnet wird. Stehen wir einer Jugend gegenüber, die keinen Gott findet, ist ihr mit Morten nicht zu Helsen. Wir können nur indirekt wirken, durch die feste Persönlichkeit, die hinter der ausgesprochenen Ueberzeugung steht. Mehr und mehr wird man sich lwwusti, daß die Rätsel und Schwierigkeiten der heutigen Lage nicht gelöst werden können, nur miteriebt und mitgetragen in ständiger Arbeit und Hingabe. ★ Aus der Ili-Arbeit; Methode die tlci ihre G-.'jahr in Grund einer derartigen Untersuchung zum Gegenteil kommen. Es lassen sich bestimmt viel trennende Eigenschaften heraus' finden^ die'abstrahiert nockr lange nicht den Wesens-intcrschied zwi'.sten Juden'.um und Deutschinm ergebeu. Außerdem hat der Referent einen tHauPlvarn'nrf von gegnerischer Seite, der sich niclck ani das Formbrinziv des Lebens bezieht, gar nicht behandelt. Ich meine die oft gehörte Bemerkung, daß die Juden im Gnzeoflin zu den Dcnickhm nnschövseri-cy sind; nur Nachschöpfer 'Schmarotzer), was ihre Betätigung als Schauspieler, Kritiker und Journalisten erweist. Bruno S o m m e r f e l d. Die gegenwärtige religiöse Lage der Jugend und ihre Konsequenzen (Bericht von Rose Hofs m a n n.) lieber obiges Thema sprach Oberschutrat Schlemmer am. 20. Januar im Jugendheim in Charlottenburg. Eine religiöse Lage kommt nicht durch einen Entschluß zu irgend einer Ueberzeugung zustande, sondern schicksalhaft durch l'Lhere Gewalt. Zwar macht jede Jugend die gleiche Entwicklung durch, hegt dieselben Zweifel, verwirft die alten Anschauungen und ringt nach neuen, und doch ist die heutige Jugend völlig neuartig konstruiert. In der Blütezeit der Jugendbewegung (1920 23) gewann die religionslose Jugend wieder starke religiöse Impulse bis in die islreife der Freidenker hinein. Die neureligiöse Welle ebbte aber wieder ab. Heute ist Religion einem großen Teil der Jugend keine Größe, der gegenüber sie sich in einer Position befindet. Für die ehemaligen Jugendführer voller Romantik und Phantasie hat man bisweilen einen leisen Spott. Tie übergewaltige Entwicklung des Sportlebens, namentlich, wenn cs mit Maschinen zusanrmenhängt, vereinbart sich nicht mit Religion; die schweren Zeiten ohne jede Aussicht auf Besserung und Hilfe läßt jeden Glauben an eine höhere Gewalt schwinden. Das Schlagwort: neue Sachlichkeit zeigt den Inhalt der Jugendseele. Auch die Erotik wird nüchtern und sachlich angefaßt; in dieser rationalistischen Sphäre kann eine ++++ + »++++++++»»»»» + »4»»*»++M44»»»»«MM+4»»MM»«»M Brcslau. (I l G H a U p l g r u p p e.) 'Am 28. Januar sprach in unserem Streife Herr Dozent Dr. L e >v k o!v i tz über das Thema i Moritz Lazarns nnd seine Ethik des Judentums. — Der Vortragende würdigte einleitend die Stellung Lazarus' in der deutschen Geistes geschicht-e und betonte seine Verdienste als .ckämpfer einer idealistischen Philosophenschnte gegen den doktrinären Materialismus des lü. Jahrhunderts. — Sodiinn schritt der Referent zu einer eingehenden Schilderung des .Hauptwerkes Moritz Lazarus': Tie Ethik des Judentums. DaS Hanptverdienst des großen Philosophen bestehe darin, daß er durch die systematische ckodisizierting der jüdische» Sitten lehre in deutscher Sprache die ethisch monotheistische Gedankenwelt des JudentiimS nicht nur dem deutschen^Volk zugänglich gemacht, sondern auch dem deutschen Judentum di» Sleuutnis des .ckerugehaltS der jüdischen Religion ohne Sludiuin der hebräischen Seelen ermöglicht hat. Aach einer eiugehendeit Schilderung dieses Hauptwerkes tvies der Referent auf die inneren Beziehungen der jüdischen Ethik zur .ckantischeu Philosophie hin, um den hohen Werl der jüdischen Sittcnlchre zn verdeutlichen. Zum Schluß betonte der Vortragende, totr sollen uns stets unserer religiösen Eigeniverte auf ethischeiu Gebiet beivußt bleiben und in diesem Sinne zu verstehen suche», einen gerechteu Ausgleich zwischen Deutschtum und Judentum in unserer Seele und Betätigung zu schassen. — Bin 11. Februar und am 1. März beschäftigten wir uns mit dem ans der Berliner Delegiertenta-gung nicht mehr zur Erörterung gelangten Thema: „Unsere Stellung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft", zn dem Erich Vulkan das einleitende Referat hielt. Da die Frage noch weiter behandelt werden soll, kommen wir aus Referat und Aussprache später ausführlich zurück. — Einen besonders eindrucksvollen Verlauf nahm unsere Freilagabendfeicr am 13. Februar. Iin Mittelpunkt der Feier laS Herr Tr. Spitz nach einer Einführung in das Werk das letzte Kapitel aus „Moses" von Edmond Fleg. Darauf folgte eine kurze Betrachtung über den Thora^ abschnitt des SabbatS. Umrahmt wurde die Feier durch Gebete, religiöse Musik nnd Rezitation. DaS Kid-vusch Gebet leitete dann zur gemeinsamen Teetafel über. — Am 23. Februar sprach Herr Tr. .Herbert Fischer über: „Politik im Zeitalter der Propheten". Dr. Fischer ging von der politischen Lage Palästinas um 900 v. Ehr. aus und zeigte uns die Zerrissenheit der Innen und Außenpolitik dieser Zeit: Schivanken zwischen Gott und Baal, Aegypten und Assyrien, Palastrevolutionen, Sektenwesen. Im Gegensatz dazu vertreten dic Propheten den Gedanken deS reinen Monotheismus und fordern unbedingte Einheitlichkeit des Lebens. Die ausgedehnte Diskussion beschäftigte sich besonders mit dem Monotheismus der Propheten und ihrem Optimismus. Das Jli-Programm veröffentlichen wir im Hauptbkatt Seile 3. Artttel und Berichte sin» bis spätestens Sonnabend jeder Woche zu senden an Dr. Ellen Littmann, Eharlottenburq 5 Nene Kanlstratze 6, 1 Treppe. Mitglieder zahlt die noch fälligen Beiträge bitte recht bald auf das Postscheckkonto von Hildegard Bach, Jli-Berlin Berlin-Schöneberg, Berlin 144893.

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