Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 22-23 (10.6.1931)
- Date
- 1931-06-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ortsgruppe; auch im Hamburger Centralverein wirkt er führend mit. Jacob Vast' gehört zu jenen stillen Arbeitern, die nicht jede ihrer Taten in das Licht der Oeffentlichkeit setzen, zu! deren wahrer Wertschätzung man also schon einen genauen Einblick in die opservolle Kleinarbeit haben muß. Wir danken ihm an dieser Stelle für alles, was er uns leistet und geleistet hat, und — vereint mit den Hamburger Körperschaften, die seinen Geburtstag feiern — wünschen auch wir ihm herzlich Glück, Gesundheit, Erfolg ad multvs anno-?. —tz. Der «Evangelische Bund" für Nationalsozialismus Das offizielle Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes (Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter) und die vom Evangelischen Bund herausgegebene „Deutsch-Evangelische Korrespondenz" verbreiten eine Erklärung des Landesbischoss von 'Mecklenburg-Schwerin, Tr. Rendtorff, die dieser auf zahlreiche Anfragen nach der Stellung der evangelischen Kirche zur nationalsozialistischen Bewegung in der „Mecklenburgischen Zeitung" veröffentlicht hat. Ter Evngelische Bund bezeichnet diese Erklärung, die ein klares Bekenntnis zum Nationalsozialismus enthält, als eine „geradezu vorbildliche" Klärung der Frage des Verhältnisses der evangelischen Kirche zum Nationalsozialismus. Die Erklärung des Laudesbischoss Tr. Rendtorff lautet u. a.: „Viele Glieder der evangelischen Kirche leben heute mit iljiem ganzen Denken und Fühlen in der nationalsozialistischen Bewegung. Die evangelische Kirche ist als) durch ihren Berus, den einzelnen zu suchen und ihm zu dienen, verpflichtet, sie in ihrem Lebenskreis zu suchen, das Heist tzben in der nationalsozialistischen Bewegung. So ist die evangelische Kirche verpflichtet, um ihres Berufs willen die nationalsozialistische Bewegung in ihrem Wollen zu würdigen. Während andere politische Bewegungen sich offen gegen das Christentum oder Knn gleichgültig gegenüberstehen, bekundet sie ihren Willen, sich auf den Boden e-nes positiven Christentums zu 'leiten. Die .Kirche ist durch ihren Beruf verpflichtet, ojese Willenserklärung der nationalsozialistischen Bewegung ernst zu nehmen. ... Die nationalsozialistische Bewegung bejaht mit Leidenschaft oen sozialen Gedanken, oen Brudergedanken. Damit vertritt sie ent Anliegen, das auch ein solches oer evangelischen Kirche cht. Es ist für die nationalsozialistische Bewegung eine Lebensfrage. ob sie ihre soziale Forderung bis zu der Tiefe durchführt, wo fie zum Angriff auf die innerste .Haltung des Menschen wird. Tie evangelische Kirche must um ihres Berufs willen ans der nationalsozialistischen Bewegung das gl oste Wollen herausbören und oankbar begrüben, must aber zugleich über dieses Wollen als ein menschliches, b. h. unvollkommenes und gebrochenes, den heiligen Willen Gottes verkündigen". * * * Im Gegensatz zu der Auffassung des Landesbischofs von Mecklenburg-Schwerin Tr. Rendtorff vom Nationalsozialismus steht das Buch des nationalsozialistischen Führers und Theoretikers Alfred Rosenberg „Der Mythos des 20. Jahrhunderts", in welchem Jesus „ein Bastard", ein „Gemisch von Mut und Angst" genannt und der Begriff der Erlösung als ern „Ausdruck physischer Bastardierung" definiert wird. Ms der Jenaer Theologe Prof. Fascher gegen Rosenbergs Buch irr einem öffentlichen Kolleg über „Rasse und Religion" polemisierte, erhob sich ein nationalsozialistischer Student und begann eine flammende Rede gegen Prof. Fascher. Ter nationalsozialistische Studentenbund berief eine Protestoersammlung ein, die an den Rektor der Universität das Ersuchen richtete, Prof. Fascher wegen Mißbrauch des Amtes einen Verweis zu erteilen. In der Versammlung wurde Fascher als „Idiot" beschiinpft, er wurde ein „Katbedergeist" genannt, der versucht habe, „das tiefe seelische Ringen von Millionen deutscher Menschen um die höchsten deutschen und christlichen Werte verächtlich zu nrachen." Nationalsozialistische «Bildung" Der Berliner Volkszeitung entnehmen wir: Auch unter den Deutschen der Tschechoslowakei gibt es Nationalisten. Ihre Partei ist sogar Jahrzehnte älter als die der reichsdeutschen Pg's, aber was die Kultur und die Bildung angeht, so stehen die sudetendeutschen Hakenkreuzler ihren Freunden im Reich in nichts nach. < Jetzt hat die nationalsozialistische Zeitung „Der Tag" in Aussig der Ruhm der Berliner „Angriff" und des Münchener „Völkischen Beobachter" nicht schlafen lassen. Diese beiden deutschen Blätter haben aus Versehen Remarque und Heinrich Heine gedruckt, — im Aussig er „Tag" aber ist eine Meldung erschienen, durch die die Ahnungslosigkeit der deutschen nationalsozialistischen Redakteure mit Längen geschlagen wird. Die Meldung ist so sensationell, daß wir sie mit Vergnügen wörtlich übernehmen: Das Hakenkreuz in England. Erfreulicherweise macht die nationalsozialistische Bewegung auch in England ungeheure Fortschritte. Der Siegeszug der Hakenkreuzbewegung in England ist.unaufhaltbar. Sie besitzen dort ein eigenes Parteiblatt, die „Sunday Expreß" mit dem Hakenkreuz am Kops des Blattes. Hervorragende Mitglieder der deutschen Mutterpartei wurden zu Vorträgen nach England bereits eingeladen. Dr. Goebbels wird für Juli in London erwartet, trotzdem die jüdische Hochfinanz alle Anstrengung macht, sein Auftreten zu vereiteln. Er wird im Hotel Jail, Old Bailey, absteigen und vom Chief Executioner persönlich empfangen werden. Das Festarrangement ruht in den Händen der Parlamentarier A. Burglar und F. A. H. Sucndrel. Das Bölkererwachen beginnt! Dazu muß bemerkt werden, daß das Hakenkreuz am Kops des „Suday Expreß" nur eine Spiegelung der allzuerhitzten Tust sein kann. Aus dem englischen Wörterbuch aber zitieren wir: jail ----- Zuchthaus, Old Bailey Strafgericht, chief executioner --- oberster Scharfrichter, burglar — Einbrecher, scoundrel — Schurke. Also: Dr. Goebbels wohnt im Zucht- Eduard von Hartmann über die Wen Zum 25. Todestag des Philosophen am 5. Zuni. Von Dr. Willy Blumenthal. Eduard von Hartmann, der große deutsche Philosoph, starb am 5. Juni 1906 in seiner Vaterstadt Berlin. Früh berühmt wurde er durch sein oft aufgelegtes Werk „Die Philosophie des Unbewußten", das an Schopenhauers pessimistische Weltanschauung antnüpft. Weniger bekannt ist, daß dieser universale Geist auch ein Buch über die Judenjrage geschrieben hat. Die bei Wilhelm Friedrich 1885 erschienene, ziemlich umfangreiche Schrift, führt den Titel: „Das Judentum in Gegenwart und Zukunft" und ist in der kristallklaren Schärfe, mit der hier ein genialer Denker den Problemen von Rasse und Religion, von Stammes- und Nationalgefühl nachgeht, auch für unsere Zeit noch aufschlußreich. Schott im Vorwort bekennt sich Hartmann, der Abkömmling eines altadligen Offiziersgeschlechts, offen als Judensrcund. „Ich habe von jeher Sympathien für die Juden gehabt", schreibt er hier, „mit den Fehlern der Juden habe ich immer Nachsicht gehabt, weil ich sie als Produkt der geschichtlichen Verhältnisse betrachte, desto weniger Nachsicht habe ich mit den Klagen über jüdische Uebervorteilung, weil die Letztere allemal durch eigene Fehler selbstverschuldet ist." Hartmann erklärt die Beimischung des jüdischen Blutstropfens für einen wahretr Segen für den deutschen Michel unb würde es als ein wirkliches Unglück beklagen, wenn es durch .Haß und Verblendutrg zur Ausstoßung dieses Blutstropfens aus dem Organismus des deutschen Volkes kommen sollte. .Hartmann sieht die Uebcrwindung des Antisemitismus in einem fortschreitenden Assimilations'prozeß, im Aufgeben der nationalen und religiösen Eigentümlichkeiten, deren nicht mehr zeitgemäße Formen dem Judenhaß itnmer neue Nahrung geben. Tie weiteren Erkenntnisse Hartmauns haben mehr als historisches Interesse: So geht es auch uns Heutige noch an, wenn der Philosoph das Judentum davor warnt, Züge der Verkümmerung, wie sie das jahrhuitdertelcmge Ghetto geschaffen, als nationale .Heiligtümer zu hätscheln, anstatt durch körperliche Erziehung an die Wiederveredlung des Typus und att die Abschleifung störender Züge energisch Hand anzulegen. Sein Rat, dem Sport in Zulunft nicht nur stumpfe Gleichgültigkeit entgegenzubringen, ist ja von einer neuen jüdischen Generation längst in die Wirklichkeit umgesetzt worden. Mit außerordentlicher Wärme preist Hartmann die hohen praktischen und ideellen Werte, die im Judentum wirksam sind: Nüchternheit, Mäßigkeit, Geduld, Elastizität in: Unglück, Fleiß, Sparsamkeit, Familiensinn, Kinderliebe, Pietät vor den. Eltern, Wissensdrang und Lerneifer. In diesen überlieferten Vorzügen, sieht er die ewigen Werte des Judentums, die er beu „Wirtsvölkeru" als Muster vorhält. Wort für Wort widerlegt Hartmann die damals wie heute vorgebrachten Behauptungen von der skrupellosen Ausbeutung der Wirtsoölker durch'die Juden. „Wenn man sich erinnert, wie die Spanier Mexiko ausgebeutet haben, undwie die Engländer und Franzosen heute noch die Kolonien behandeln und ihrer wirtschaftlichen Ausbeutung durch grausame Kriegführung die Wege ebnen (Opiumkrieg), so erscheint: doch alles, was die Juden an Ausbeutung anderer Völker geleistet haben, als bloßes Kinderspiel." Die Wirts Völker sollten, so meint Hartmann, aus der — damals — vorhandenen wirtschaftlichetr Ueberlegenhcit der Juden lernen, nicht aber immer wieder behaupten, daß eine Minderheit von 1(h »/» ein großes Volk wirtschaftlich zu knechten imstande sei. „Damit würde es sich ein so furchtbares Armutszeugnis ausstellen, daß man darauf nur mit der Erklärung antworten könnte, ein so inferiores Volk verdiene gar kein anderes Schicksal, als zu wirtschaftlicher Knechtschaft unter einer überlegenen Rasse herabgesetzt zu werden. Das deutsche Volk möge mit den Juden in den Vorzügen wetteifern, welche allein ihnen die wirtschaftliche Kraft verleihen, nämlich Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Sparsamkeit, Häuslichkeit und Familiensinn." Eduard von Hartmann schließt seine Betrachtung mit den Worten: „Den Juden ist noch eine bedeutende Zukunft gewiß, wenn sie sich entschließen, dieselbe in der Teilnahme an der nationalen Politik und Kultur der Wirtsvölker, anstatt in der Förderung der rein jüdischen Interessen im Gegensatz jener nationalen Interessen zu suchen." Nebett solcher Anerkennung findet sich in Hartmanns Werk auch manches ablehnende, ja ungerechte Urteil gegen das Judentum. Auf jeden Fall berührt heute, in eurer Zeit völlig ideenlosen Judenhasses, der gerade vott sogeucntnten intellektuellen Kreisen genährt wird, die Mahnung des großen Gelehrten aus einer verklungenen Epoche zur Verttnnst und Duldsamkeit besonders sympathisch und sie stimmt uns zugleich traurig, weil solche Stimmen iit der Gegenwart so überaus selten geworden sind. Haus, wird vom Scharsrichter empfangen, und Einbrecher und Schurken treffen das Festarraugement! Und das alles deswegen, weil die Nationalsozialisten v-rn Aussig nicht englisch verstehen! Wahrscheinlich wollen sie als deutsche Männer die Sprache des bekanntlich perfiden Krämer- Volkes auch gar nicht lernen. Trotz des Völkererwachens, zu dem Dr. Goebbels „guten Morgen" sagen sollte. Die Einweihung des Ehrenmals Am Dienstag, dem' 2. Juni, mittags 12 Uhr, fand die Einweihungsfeierlichkeit des preußischen Ehrenmals statt, zu dem Schinkels Neue Wache, Unter den Linden, von Heinrich Teßmer umgebant worden ist. Au dieser Feier nahm auch auf Einladung des Preußischen Ministerpräsidenten und des Reichswehrministers der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten teil, und zwar an der Feier im Inneren der Bundesvorsitzende Dr. Loewenstein, der stellvertretende Bundesvorsitzende Arnold Stein und der Vorsitzende der Ortsgruppe Berlin, Dr. S. London, an der Spalierbildung 10 Kameraden unter Leitung des Herrn Walter Callmann. Nachdem um 11.30 Uhr die Ehrenkompagnie des Wachregiments mit den Fahnen der alten Armee angerückt war, mit der Musikkapelle an der Spitze, nahmen die Infanterie, eine Abteilung Matrosen und eine Abteilung Schutzpolizei zwischen Kronprinzenpalais, Opernhaus und Denkmal Friedrichs des Großen Aufstellung. Die Abordnungen der Vereine standen vor dem Zeughause, und zwar Reichsbanner, Kyffhäuserjugend und die 10 Mann des Reichsbmrdes jüdischer Frontsoldaten. Allgemeines Aufsehen erregte es, daß der Stahlhelm nicht erschienen war und die Einigkeit vermissen ließ, die man wenigstens den Gefallenen des Weltkrieges schuldig ist. Er hat sein Fernbleiben mit dem Stahlhelmtag in Breslau entschuldigt. Jedoch wird allgemein vermutet, daß er die Einladung nicht angenommen hat, weil Reichsbanner und Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eingeladern waren. Unter den Ehrengästen bemerkte man den größten Teil der Reichsminifter mit Reichskanzler Dr. Brüning an der Spitze, den größten Teil der preußischen Staatsminister unter Führung des Ministerpräsidenten Dr. Braun, ferner Oberbürgermeister Dr. Sahm, Polizeipräsident Grzesinski, die Rektoren der Berliner Hochschulen, viele Generale der alten Armee, Abordnungen der Kriegsbeschädigten, des Reichsbanners und die drei Herren des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Man bemerkte noch den Nuntius Orsenigo und den Bischof von Berlin Dr. Schreiber. Punkt 12 Uhr erscheint Reichspräsident von Hindenburg in Generalfeldmarschallsuniform in Begleitung des Reichswehrministers Groener in Zivil und einigen höheren Reichswehroffizieren und schreitet die Front der Militärabteilungen, der Schupo und der Vereine unter den Klängen des Präsentiermarsches und Deutschlandliedes ab. Alsdann schreitet ler zur Feier in' bie Gedächtnishalle, begleitet von den Ehrengästen unter den 101 Kanonenschüssen der Artillerie. Diese Gedächtnishatte macht schon beim Eintreten durch ihre Einfachheit und Schlichtheit einen überwältigenden Eindruck. Sowohl die Form der Halle, in die man durch drei schwarze, eiserne, durchbrochene Tore gelangt, über deren mittlerem Tor ein bronzenes, silberumrandetes, eisernes Kreuz von den: Charakter der Gedächtnisstätte Kenntnis gibt, als auch der im hinteren Drittel stehende Gedenkstein haben die Form eines Kubus. Aus dem Gedenkstein ruht ein mächtiger Eichenkranz aus Silber, über das Gold und Platin gelegt ist. Bor dem Gedenkstein liegt eine Schriftplatte mit der Inschrift 1914—1918. Oben in der Decke, genau über dem Eichenkranz, ist eine Oeffnung angebracht, durch die das Licht von außen in den Jnnenraum fällt. Zu beiden Seiten des Gedenksteines, nahe den Hintergrundeüen, befinden sich zwei Kandelaber aus Bronze, die in ihrem Hohlraum Wachskerzen tragen, deren flackernde Flammen die Stimmung der Feierlichkeit erhöhen. Durch das Betreten dieses Raumes in tiefe Andacht versetzt, folgen die Ehrengäste der feierlichen Einweihung, die mit dem Gesang des Chorals „Fürchte dich nicht", beginnt. Alsdann hält der Ministerpräsident Dr. Braun die Weiherede, in der er zuin Ausdruck bringt, daß das Ehrenmal der Republik Preußen das Gedächtnis an die gefallenen Söhne des ganzen deutschen Vaterlandes wach erhalten solle. Dieser kleine Tempel solle ein Heiligtum des ganzen deutschen Volkes werden, für die Opfer des Weltkrieges, wie es bisher in der Weltgeschichte unerhört war und wie es, dafür wollen wir uns einsrtzen, der Gang der Geschichte niemals wieder fordern wird. Nachdem er einen Krauz mit schwarz-weißer Schleife niedergelegt hat, nimmt namens des alten .Heeres Reichswehrminister Groener das Wort zu einer Ansprache, in der er der ungeheuren Leistungen des deutschen Volkes und seiner.Wehrmacht gedenkt. Er legt einen Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife nieder. Alsdann legt Reichspräsident von Hindenburg, sichtlich bewegt, mit kurzer Ansprache seinen Kranz nieder. Mit der ergreifenden Volksweise „Ich hatt einen Kameraden" schloß die erhebende Feier. Nach der Feier fand vor dem Reichspräsidenten auf dem Kaiser-Franz-Josephplatz der Parademarsch der Mititärabteilungen statt. Nach Schluß der Feier traten mit den attderen Verbänden auch die 10 Kameraden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in die Halle und legten am Gedenkstein einen Kranz nieder. Dr. S. London. TNorkimer L. Schiff gestorben Am Donnerstag, den 4. Juni, einen Tag vor Vollendung seines 54. Lebensjahres, ist in New Port Herr Mortimer L. Schiss, einer der hervorragendsten amerikanischen Wtrtschastssührer, Mitches des Bankhauses Kuhn, Loeb & Eo., plctzstch verstorben. Morttmer L. Schiss, ein Sohn d-es große« jüdischen Philanthropen Jacob Schiss, hat sich, aus jüdisch-sozialem Gebiete hervorragend betätigt uno eine Reihe jüdischer In-, stttutivnen in großzügigster Weise gefördert. Er war Präsident des Jewish Board of Guardians und ein führendes Mitglied des Temple Emanu El. Tie Familie Schiff, der der Verstorbene entstammte, war eine der angesehensten im alten Frankfurt. Sein Vater, Jacob Henry Sch:si, war nach, selbst, 1847, in Frankfurt am Marn geboren, wanderte 1863 nach Amerika aus und starb 1920 :n New Purk. Er machte zahlreiche Stiftungen in seiner Gebnrtsstadt und in New Port und förderte außerordentlich das Studium der jüdischen Wissenschaft. * Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die pr«^ gesetzliche Verantwortung. Oer rigorose und unverantwortliche Abbau der Chorangestellten bei der Jüdischen Gemeinde in Berlin Am 19. November vorigen Jahres haben wir in dieser Zeitung in einem längeren Artikel die überaus schlechte pekuniäre Lage der Chorangestellten bei der Jüdischen Gemeinde ausführlich behandelt und am Schlüsse gesagt: „Wie die Wahlen auch ausfallen urögen, das Problem der Chorangestellten schwebt, und keiner der kommenden Männer wird sich der Lösung dieses Problems entziehen können." Gleich nach, den Wahlen stellte sich plötzlich eine überaus schlechte Finanzlage bei der Jüdischen Gemeinde heraus. Jeder, der hören und lesen konnte, mußte freilich vor den Wahlen anderer Meinung sein, und zwar vollkommen entgegengesetzter. Das oben angedeutete Problem