Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 22-23 (10.6.1931)
- Date
- 1931-06-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2613366-2614107-2614126--3999-2621563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
versucht nun der noch amtierende alte Vorstand aus seine Weise zu lösen, und zwar durch die bequemste und billigste durch Abbau und immer wieder Abbau der Chorangestellten. Gleich nach den Wahlen, Ende Dezember 1930, wurden plötzlich 26 Chorangestellte mit einmonatiger Frist gekündigt. Man muß zugeben, daß dieser Abbau bei etwa 150 Chorangestellten schon ein recht reichlicher war. Der Choretat, der im lchteu Etatsjahr etwa 150 0O0 RM. betragen hat, wurde durch diesen Abbau um ca. 28009 bis 80000 RM., also um 20 Prozent verringert., entgegen den Ersparnissen bei anderen Gruppen, denen laut Notgesetz 6 Prozent vom Gehalt gekürzt wurden. Es gelang dem Chorverband durch Verhandlungen mit dmr Vertreter des Vorstandes, den Abbau aus diejenigen Mitglieder abzulenken, die anderweitig größere Einkommen hatten, also auf die sogenannten Doppelverdiener, obwohl fühlbare Härten auch hier schon zu verspüren waren. Ende Mai er. kam nun, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ein erneuter Mbau der Chormitglieder. Derselbe trifft ca. 20 Chorangestellte, und zwar nunmehr solche, die absolut aus die kärgliche Einnahme von 75 RM. angewiesen sind und ohne diese Einnahme dem Hunger, d-em Elend und der öffentlichen Wohltätigkeit preisgegeben werden. Dieser Abbau ist so rigoros und so unsozial, daß der Chorverband gezwungen ist, in aller Oefsentlichkeit hiergegen flammenden Protest einzulegen. Wir fragen hiermit den Vorstand, der beim Ehoretat bis jetzt ein Drittel der Chormitglieder entlassen und seiner kärglichen Existenz beraubt hat, weshalb gerade die Chor an gestellten dazu auserseheu sind, um für die finanziellen Sünder: zu büßen. Wir fragen, ob es nicht richtiger wäre, ohne die am schlechtesten bezahlten Angestellte:: der Gemeirrde auf die Straße zu setzen, andere Wege zur Sanierung der Finanzer: zu suchen?. Wir konstatieren, daß es durchaus unsozial ist und durch nichts begründet, aus einer Anzahl vor: ca. 1500 Angestellten der Jüdischer: Gemeinde eine Gruppe von 150 der am schlechtest bezahlten herauszugreisen^ und hiervon ein Drittel einfach zu entlassen. Wir konstatieren, daß diese Handlungsweise bei Behörden ohne jedes Beispiel ist. Wir richten nunmehr unserer: Appell an die kommender: Männer der neuer: Verwaltung, diese letzte Verfügung des alten Vorstandes schleunigst wieder auszuheben ur:d nicht zu dulden, daß eine Reihe von Existenzen, die viele Jahre in: Dienste der Jüdischer: Gemeinde stehen, vernichtet, dem Huu ' ger und den: Elend preisgegeber: werden und der: Wohlfahrtsämtern zur Last fallen müssen. Der Chorverband setzt seine ganze Hoffnung auf die neuer: Männer, die jetzt die Geschicke der Gemeinde leiten sollen, und bittet sie dringend, es bei dem erster: Abbau, der bereits eine Ersparnis von ca. 30 000 RM. im Etat buchte, belassen zu wollen. Wir rrchteu aber auch unseren Appell an alle Besucher der Synagogen und an alle Gemeindemitglicder! Erinnert Euch an die erhebenden Stunden, die Ihr an den hohen Feiertagen und der: Sabbathen durch den Chor ... gesang genossen habt. Die will man Euch jetzt raube»:. Ohr:e Chorgesang gibt es keinen Gottesdienst! Die Chöre sir:d bereits so verfeinert worden, daß bei aller Gewissenhaftigkeit und Anstrengung der noch verbliebenen Chorangestellter: ein eindrucksvoller und erbauender Chorgesang in den großer: Gotteshäusern bald zur Unmöglichkeit geworden sein wird. Gemeindemitglieder! Laßt Euch die Rechte auf einen in . allen Teilen würdigen Gottesdienst nicht rauben. Steht uns bei in unserem schweren Kampf um den Gottesdienst, um ur:sere Existenz, damit wir auch weiterhin fähig sein können, Eure 1 Andacht durck»-. unseren Gesang würdig zu unterstütze!:. Der Vorstand des Verbandes der der Chorangeftellien der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. Berggruen, Lichtenstein, Geczynski, Sternfeld. * Aus den Gemeinden * Breslau. (Sitzung der Genre i u b« üc t t x 11 u itg.) Am 3. Juni konnte die Gemeindevertretung endlich die Beratung des Haushalts 1931/32 zu Ende führen. Es rvaren noch die Etats der Zweiggotte-sdienste, des Bestattungswesens und der Grabpflcge, der allgemeinen Verwaltung und der Finanzvcrwaltung zu beraten, die fast unverändert nach den Vorschlägen angenommen wurden. Dabei konnte cs sich die Konservativen nicht versagen, ihren alten Antrag auf Schließung der Friedhöfe an den Sabbaten und Feiertag, hervorzuholen, der der Vertagung verfiel. Natürlich bekämpften auch die Zionisten wieder die Subventionierung des C.-V-, drangen aber mkt ihrem Anträge nicht durch. Eine längere Aussprache entfesselte ein Antrag auf Umgestaltung und Ausgestaltung des Gcmeinde- Äattes, das keinen Zuschuß erfordern dürfte, sondern einen Uebccschuß erbringen müßte. Die nach dieser Richtung gegebenen An» rogungen sollen vom Präsidium der Gemeindevertretung weiter »erfolgt werden. Der Haushaltsplan schließt mit rund 945 000 RM. ab, gegen 1062 000 RM. im Vorjahre. — Ferner wurde der Vorlage des Vorstandes zugestimmt, auf dem Friedhof Lohestraße zwischen Feld 1 und 8 am Erwe der Kastanienallee eine neue Mittelreihe anzulegen. Sehr umstritten war das Bauprojekt, aus Mitteln der Oesterreicher-Stiftung und mit Hauszinssteuerhypothek einen Baublock an der Roonstraßc Ecke Kürassierstraße mit 33 kleinen Wohnungen für unbemittelte Glaubensgenossen herzurichten. Man bezweifelte vielseitig, daß die dort zur Ausführung kommenden Wohnungen Reflektanten auf die Dauer finde,: würden. Schließlich wurde das Projekt an die verstärkte Baukommission zurückgereicht. — Die geheime Sitzung beschäftigte sich mit Personalangclegenheiten. Der 70 jährige Lehrer Ludwig Graf von der Religionsunterrichtsanstalt I wurde vom 1. Oktober d. I. ab mit der .Höchstpension in den Ruhestand versetzt. Dresden. (Feier in der Synagoge.) An der Stätte seines nunmehr 40jährigen, unermüdlichen Wirkens wurde Oberkantor Hofstein im letzten Freitagabend-Gottesdienst besonders fxhrt. Die Synagoge war mit Blumen geschmückt; Kantor und h»r brachten ausschließlich Kompositionen Hofsteins zu Gehör und von der Kanzel herab würdigte Rabbiner Dr. Wolf die Verdienste des Jubilars, der als «ine Zierde seims Standes sich auch äußere halb der Gemeinde besonderer Sympathien erfreue. Nach dem Gottesdienst folgte noch eine Beglückwünschung durch den geschästssührendcn Gemeindevorsteher R.-A. Srlinger und die Vertreter einzelner Ausschüsse, wosür der Gefrierte, der mit 73 Jahren in seltener Frische und Stimmkraft sein Amt versieht, in bewegten Worten dankte. Echzell. (Friedhofsschändung.) In den letzten Tagen ist wieder eine Friedhofsschändung bekannt geworden. In Echzell (Oberhessen) wurden Grabsteine mit Hakenkreuzen bemalt und auch der Eingang des Friedhofs mit diesen Abzeichen besudelt. Die Täter sind noch nicht festgestellt. , EMdea. (Persönl iches.) Nach dreißigjähriger Tätigkeit an per hiesigen öffentlichen Volksschule wird Hauptlehrer Selig unsere Gemeinde verlassen. In einer akademischen Feier, die von der Arbeitsgemeinschaft der vereinigten Wohltätigkeitsveveme veranstaltet worden war, trat die allgemeine Beliebtheit des Scheidenden und seiner Gattin, die sich beide um die Wohltätigkeits-Institutionen in hohem Maße verdienä gemacht haben, deutlich zutage. Musikalische und deklamatorische Darbietungen umrahmten die zahlreicher: Abschiedsreden, derer: Gxundton dankbare Anerkennung für di« vom Lehrerehepaar im Interesse der Gemeinde geleistete Arbeit und herzliche Wünsche für ferneres Wohlergehen in der neuen Heimat darstellte. Bon der Beliebtheit der Frau Selig zeugten verschiedene Ehrungen, die der Scheidende,: erwiesen wurden. So wurde «in Bild überreicht, das im Israelitischen Altersheim als dauerndes Andenken an die durch ihre soziale Arbeit hervorgetretene Frau Selig Aufnahme sinder: soll. Der Asylverein ernannte die Scheidende zur Ehrendamc, und der Frauenverein verlieh ihr die Würde der Ehrenvorsitzenden. Der Vorsitzende der Gemeinde Louis Wolfs hatte die Verdienste anerkannt, die namentlich Frau Selig sich in unermüdlicher' vierzigjähriger Tätigkeit um die Wohlfahrtspflege erworben hatte, während auch ihr Gatte in gleicher Weise sich eifrig ehrenamtlich betätigt habe. Hauptlehrer Selig dankte zugleich im Namen seiner Gattin tiefbewegt für die in reichem Maße erwiesenen Ehrungen. Fliesteden. (Friedhossschändung.) Auf dem jüdischen Friedhof Fliesteden in der Nähe von Aachen wurden vier Grabsteine ümgeworsen und die darauf befindlichen Marmorplatten teilweise zerbrochen. Die Steine wurden mit großer Gewalt aus der Erde gerissen. Die Tat muß etwa acht Tage vor Pfingsten geschehen sein und wurde erst in den Pfingsttagen von Besuchern des Friedhofs entdeckt. In Fliesteden besteht heute keime jüdische Gerneinde mehr. Bon der Bürgermeisterei wurden 200 RM. Belohnung für die Namhaftmachung der Täter ausgesetzt, jedoch waren alle Nachforschungen bisher noch nicht von Erfolg begleitet. Halle. (Christlicher und jüdischer Friedhof g e - s -ch ä n d e t.) Kürzlich haben bisher rwch unbekannte Vandalen auf dem Nordsriedhof 32 Grabsteine umgeworfen und zum Teil zerstört. Unter den 32 Grabsteinen besiiGet sich nur ein einziges Kreuz, alles andere sind große Steine, Platten- und Grabmonnmcnte mit Aufsätzen. Auf dem gegenüberliegenden jüdischer, Friedhof wurden 8 große Steine und Säulen umgestürzt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Täter in den Reihen der Nationalsozialisten zu suchen sind, die die beiden Friedhöfe, die sich gegen-- über! regen, nur verwechselt haben. Kassel. (Neuer G e me i n de ä t t c st er.) Als Nachfolger des von seinem Amte znrückgetrctene.c Gemeindealtesten der liberalen Richtung, des Bankiers Rudolf Ballin, wurde vom Kreisvorsteher der Steuer und Wirtschaftsberater Herr Louis Rosenzweig in Vorschlag gebracht. Köslin. (7 0. Geburtstag des G c »n e i n d e v or s i tz ende n C a r l S a b a tz k y.) In voller geistiger rmd körperlicher Frische beging der Vorsitzende der Synagogengemeinde Köslin, Kaufmann Carl Sabatzky, seinen 70. Geburtstag. Ans diesem Anlaß veranstalteten die Gemeindekörperschaften im Hause des Jubilars eine Morgenfeier, bei der Prediger Erich Lewin die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte. Er wies darauf hin, daß der Jubilar in jahrzehntelanger Arbeit Hervorragendes für die Gemeinde geleistet und sie in schwerster Zeit betreut habe. Gleichzeitig habe er sich im Dienste seiner Vaterstadt aufs stärkste betätigt. Stets habe sein gesamtes Wirken und Schaffen dem Dienste der Allgemeinheit gegolten. Im Anschluß an seine Festansprache überreichte Prediger Lewin als Ehrengeschenk der Gemeinde einen silbernen dreiarmigen Leuchter. Für den Reichsverband des Textil-Einzelhandels, dessen Ehrenvorsitzender der Ortsgruppe Köslin Kaufmann Carl Sabatzky ist, überbrachte deren Syndikus Dr. Hagcmann die Glückwünsche und überreichte ein Blumenarrangement. Bon allen Seiten der Gemeind«, wie auch aus dem Kreise der uichljüdischen Bevölkerung, wurden dein Siebzigjährigen zahlreiche Ehrungen zuteil. Oberdorf-Bopfingttt. (I u b i l ä u nt.) Auf eine 25 jährige segensreiche Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde blickte in diesen Tagjen Oberlehrer Erlebacher zurück. Die Jugend hatte am Wochenfest ihren: beliebten Lehrer ein Ständchen veranstaltet, und im Hauptgottesdienst tvar durch einen feierlichen Akt des Jubilars gedacht worden. Der Vorsitzende des Israelitischen Vorstehcramts, Herr Salli Pappenheimer, würdigte in seiner Ansprache die großen Verdienste, die Oberlehrer Erlebacher sich um Gemeinde und Schule erworben habe. Die Vorstände der Wohltätigkeitsvereirie, denen der Jubilar mit Eifer und Hingabe diente, brachten durch Glückwünsche und Aufmerksamkeiten ihren Dank zum Ausdruck; auch das Vorsteheramt, die Schuljugend und viele einzelne Gemeindnnitglieder übierreichten «hrcnde Geschenke zum Zeichen der Wertschätzung und Verehrung. Rheydt. (Ehrenvolle Ernennung.) Der Verband reisender Kaufleute ernannte gelegentlich feiner Tagung it: Berlin am 16. 5. Herr,: Robert Reiscnberg, Mitglied der Bereinigung für das liberale Judentum, zum Ehrenmitglied des B. r. K. D. Diese Ehrungist im Verband äußerst selten. In Westdeutschland hatte dxr Verband bisher nur ein Ehrenmitglied. Darum wurde die Auszeichnung in der hiesigen Sektion, deren Ehrenmitglied Herr Reifenberg schon längere Zei-t ist, besonders freudig begrüßt. Wenn in einer Zeit der antisemitischen Propaganda jüdische Mitglieder sich in ihren Bereinigungen in verdienstvoller Weise betätigen, wie es das Präsidium, des Verbandes in dem Begleitschreiben zur Ernennungsurkunde hervorgehobei: hat, so ist dankbare Anerkennung eine selbstverständliche Pflicht der jüdischen Gemeinschaft. Nur der wird gegnerische Verleumdungen wirksam bekämpfen, wer in den Berbänden politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Richtung vorbildlich wirkt. Stuttgart. (Plenarsitzung.) Im Mittelpunkt der Erörterungen stand der Bericht der Schulkommission. Stuttgart hat über vierhundert Schulkinder, die sich auf Grundschulen und höhere Schulen in allen Stadtteilen verteilen. Da die einzelnen Schulklassen unglaublich verschieden in ihrer Schülerzahl sind (Schwankungen zwischen 39 Schülern und Klassen mit 1 Schüler), kann der Unterricht nicht dem einzelnen Schüler genügend Rechnung tragen. Es besteht daher im Interesse eines gediegenen Schulunterrichts der Wunsch, noch ein« unständige Kraft einzustellen. Stadtrabbiner Dr. Rieger überprüfte die Angelegenheit und vertrat sie beim Israelitischen Oberrat, der daraufhin dem Borsteheramt Stuttgart die Einstellung eines unständige,: Lehrers nahelegt. Prinzipiell ist das Borsteheramt einverstanden, wünscht jedoch noch stärkeren Einblick in die Schutverhältnisso. Die Bezirksrabbinate Hall-Heilbronn werden in Zukunft bei Nottvendigkeit durch die beiden Stuttgarter Rabbiner vertreten werden, soweit dadurch hier keine Vertretung erforderlich ist. Es fehlt in der Wohlfahrtspflege in Stuttgart noch an richtiger Zusammenarbeit aller Fürsorge leistenden Vereine, cs -soll versucht werden, eine Harmonie zu Wege zu bringen, damit der Hilfesuchende' schnell und richtig gestützt werden kann. Dann wurden noch von der Finanzkommijsion und der Friedhofskommission Berichte über lausende Angelegenheiten gegeben, und zum Schluß machte Stadt-- rabbiner Dr. Rieger den Vorschlag, der weiteren Oefsentlichkeit durch aufklärende Vorträge am Sonntag Kenntnis über das Judentum, zu halte,:. Diese Frage wurde vertagt. Wiesbaide«. (Israelitische Gemeinde.) Am 2. Tag des Schabouthsestes fand in der überfüllten Hauptsynagoge am- Michelsberg die feierliche Einweihung einer neuen, von dem Gemeindemitglied Herrn Robert Schloß gestiftete, Thorarolle statt. In feierlichem Zuge ronrde die neue Seser Tora von den alten Thorarollen, die von den Mitgliedern des Vorstandes, den Grämten der Gemeinde, getragen wurden, am Eingang des Gotteshauses ciugeholt. Nach einem Gebet des Stadt- und Bezirksrabbiners Dr. Lazarus und einer Ansprache, der das Wort des Midrasch zugrunde gelegt war: „Bei der liebergabc der Thora steigen die Menschen zu den Höhen (Engeln) und die Engel kommen zur Erde herab", wurde zum ersten Mal aus der neuen Thora vorgelesen. — Eine Woche vorher, am Sonntag, dem 17. Mas, >oar sie im Beisein aller Beamten der Gemeinde, der Vorsteher und anderer Gemeindemitglileder, nach aller jüdischer Sitte fertig geschrieben worden. Daran schloß sich eine schlicht« Feier, bei der außer dem Spender der Thorarolve der Rabbiner der Gemeinde, der 1. Vorsitzende, Herr Justizrat Marxheimer, die Lehrer der Gemeinde, die Herren Nußbanm, Caplll und Lilienthal, sowie die Herren Dir. Dr. Goldstern und Singer das WoO nahmen. — Am 1. Tag des Schabuothfestes fand wie alljährlich in der Hautztsynagoge, die kaum die Zuhörer zu fassen imstande war, die feierliche Einsegnung der MÄchen statt. *Ü Aus der Bewegung ★ Bochum. (Ausspracheabend.) Der Vorsitzende der Syua - gogengemeind«, Herr R.-A. Dr. Schönewald und seine Gattin, Fr»u Ottilie, Abgeordnete des Landesverbandes, hatten die Bochumer Mir glieder der Bereinigung für das liberale Judentum sowie interessierte Gemeinden:ilglicder zu einem Ausspracheabeill» über liberale Fragen in ihr schönes Heim geladen. Nach herzlichem Willkommengrus; durch Herrn Schönewald qcgrisf der Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum, Herr Goetz, das Wort Lu seinem Vortrag über „Wesen und Ausgaben des liberalen Judentums . Toleranz ist wesentlich beim Liberalismus, deshalb will auch er sei,: Lebensrecht. In einem großzügigen Ueberbli-ck über das geschichtliche Judentum schälte der Vortragende dm Gedanken heraus, daß zwar die Form wandelbar,, die Idee aber unwairdelbar und ewig sei. Es ist die geschichtliche Aufgabe des libcralm Judentums, dac- Judentum hinüberzutragen von Epoche zu Epoche. Der Redmr. zeigte in feinsinnigen .Ausführungen, wie gerade die li&miu- Idee in der Geschichte des Judentums die Brücken geschlagen, habe vom Altertum zum Mittelalter und zur Neuzeit. Diese gc schichtlrchc Rolle rechtfertigt das liberale Judentum u,ll> weist ihm auch den Weg für die praktische Arbeit. Der Vortragende sprach über die Arbeit in der Gemeinde, über Fragen des KMus u. a. Vom Standpunkt des Judentums müsse man das Leben anpacken, die Einführung des Franenwahlrechts sei eine Selbstverstäirdlichkrit. Herr Goetz schloß seine fesselnden Ausführungen, denen die Zuhörer bis zum Schluß mit Hingabe folgten, mit einem Aufruf zur tätigen Pflege des liberalm Gedankens. In einer anschließenden Disknssio:, wurde u. a. die Schulsragc und die Frage des Franc,,wahlreckk-r besprochm. Dortmund. (Vortrag und I a h r e s h a u p t v e r s a m in l u n g.) Die hiesige Ortsgruppe hielt am Montag, dem 18. Ma-i, ihre JahrcsharftNversammlung ab, die trotz des schönen Abmds in, Wonnemonat ein gut besetztes Haus auswies. ' Eingeleitet ,vur>e die Versammlung durch einen Bor tr ag des Generalsekretärs der Bereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, Herrn George Goctz-Berlin, über das Thema: „Unser unbekanntes Gebetbuchs. Herr Goetz selber, der uns in hiesiger Gemeinde kein unbekannter Redner ist, zeigte in genau einstündiger packender Ausführung, iur!ri>e Perlen und Schätze wir in unserem Gebetbuche besitzen und wit wenige Glaubensgenossen es in seinen Gnnidprinzipicn und Einzn heilen leider kennen. (pie 'stellen allzu oft die aus der Pcsacd Haggada bekannte Frage des Roscho: „Was soll Euch dieser Dienst?" In der Antwort an diesen: So hat der Ewige mir, als ich an^ Aegypten zog, wird aus die drei Grundsäulen des Judentums tst;;- gc,diesen, die jeder stützen muß: Sabbat, Pesach und Versöhnung--' tag. Tie hebräische Sprache ist es, die in allen diesen Kernpuntte-u zu einem Erlebnis in uns rvird; die Kraft der Mystik strömt z>> uns hinunter. Wenn wir in das Geistesleben unserer Gebete ei „zu drillen versuchen, werden wir erst wahre Freude an unserer Religion empfinden; es wird der Optimismus der Wille zum Leben uns heben und stützen. Durch zahlreiche Stellen aus Gebetbuch und Schrrsr belegt der Redner seine Ausführungen und erntet am Schlüsse reichsten Beifall. — An den Vortrag schloß sich die geschäftliche Sitzung, deren Tagesordnung wegen der vorgerückt-en Stunde in schnellen/ Tempo erledigt wurde. Der Vereinzählt z. Zt. rund 180 Mi! glieder; dem rührigen Wirken der Frau Hede Vorreuter ist es;a verdanken, daß die Mitgliederzahl sich auf dieser — wenn auch bescheidenen — .Höhe hielt. Nach den: Kassenbericht des Herrn Riesenseld betrug die Einnahme im Jahre 1930 2161,75 Mk.; die Ausgabe 2166,77 Mk.; eine lleine Vermögensrücklage ist vorhanden. Der Vorsitzende, Herr Arthur Rosenberg, der trotz stark anderweitiger Beschäftigung stets mit Liebe und größter Sorgfalt sich der VcreinSleitung hingab, bat um Wahl eines anderen ersten Vorsitzenden; die Versammlung ist jedoch durchaus anderer Meinung. In den Vorstand werden darauf gewählt die Herren Arthur Rosenberg (1. Vorsitzender); Emanuel Goldschmidt (2. Vorsitzender); M. Andorn (Schriftführer) I. Riesenfeld (Schatzmeister). Sodann als Beisitzer die Damen und Herren: Dr. Appel, Flörsheim, Alb. Heinemanu. S. Benjamin, S. Schnell, R.-A. Segall, Frau Gans, Frau Roseubach und Fräulein Heide. Die Damen Frau Landau und Frau Borreuter bitten dringend, von einer Wiederwahl absehen zu wollen; Herr Siegmund Eppinghausen ist leider seit längerer Zeit schwer erkrankt. Den drei ausscheidenden Vorstandsmitgliedern spricht der Vorsitzende de,: besonderen Dank aus. Um 23 Uhr endigte die sehr anregend verlaufene Versammlung. Vereinsnachrichten Erholungsheim in Wolfratshaiusen bei München. Das Jsraei:- tische Erholungsheim in Wolfratshausen bei München bietet bei sebr mäßigem Preis — 4,— bis 5,— Mk. Pension — eine wili fommeue Erholungsstätte bei streng ritueller Verpflegung. Wolsrat- - Hausen im Isartal, 580 Meter ü. d. M., liegt eine knappe Bahnstunde von München am Fuße der bayrischen Alpen, an der Hauptautostraße in unmittelbarer Nähe der bayrische,: Seen und Hochgebirgsorde,. Das jüdische Erholungsheim ist eine Gründung des Jüdischen Frauenbundes-. Geräumige Zimmer, Zentralheizung, Warmwasftr Versorgung, große Liegehalle und Terrasse machen das Heim einer besonders geeigneten Erholungsstätte für jüdische Kreise. Anmeldung bei Frau Karola Neu, München, Hohenzollein platz 1, oder Telephon Nr'. 18 Wolfratshausen bei Münchei:. Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle „E. A." Frankfurt ai. Main. Wir werden um Veröffentlichung nachstehender Zeilen gebeten: Um ihre Absichten wirksamer erfüllen zu können, hat die gemeinnützige jüdische Eheanbahnuugsstelle „E. A." beschlossen, Zweigstellen in größeren Städten zu errichten. Diesbezügliche Verhaudlungen sind bereits u. a. mit der Schwesternvereinigung der Herira Jones-Loge in Hamburg angeknüpft. Damen und Herren, welche die gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle „E. Ä." in Anspruch zu nehmen beabsichtigen, wollen ihre Anmeldungen jedoch ausschließlich nach Frankfurt a. M., Eschers heimerlandstraße 291, gelangen lassen. Geschäftliches Osterode (Horz), eine der malerischsten alten Harzstädte, liegt am Westabhange des Harzes im lieblichsten Sösetal. Rings umgeben von. Tannenwaldungen ist das Städtchen traulich ins Tal eingebettet. Schon Heine hat es in all seiner Lieblichkeit besungen Lund vergleicht es mit einer Moos rose. Herrliche Spaziergänge, weiche milde Luft, machen es zu einem gern und vielbesuchten Aufenthaltsort für Ruhe- und Erholungsuchende. Ein neues großes Fveischwimnrbad und neuzeitlich angelegter neuer Spiel- und Sportplatz sind vorhanden und werden eiftig benutzt. Direkt vor den Toren der Stadt liegt die Sösetalsperre, .di« größte Trinkwassersperre in Deutschland. Ein prachtvoller 4 Kilometer langer Bergsee, den zwei neue Kunststraßei: umsäumen. Er ist begrenzt von dunklen Tannenwäldern. Ein sehenswerter Ausflugsort, den ma^!^^ucm zu Fuß und mit dem Poftanto erreichen kann. Bon da fährt dasselbe weiter über Dammhaus, Mtenan nach Bad Harzburg und Braunlage. Ebenso sind Clausthal-- Zellerfeld, Hahnenklee und Goslar leicht mft dem Postauto zu er- Zrcichcn. Spaziergänge im Söse-, Bremke-, Lerbachch-, Eipenkeurü> Apenketal usw., nach Bad Grund, sowie in den größen städtischen Forsten, bilden das Entzücken aller Kurfremden. — Der Verkehrsverein Osterode (Harz) hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen Wünschm der Osterode Besuchenden gerecht zu werden und bittet, sich mit demselben in Verbindung zu setzen.