Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 8-9 (4.3.1931)
- Date
- 1931-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2613366-2614107-2614115--3907-2621552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Cüchem. (Persönliche *.) Der erste Vorsitzende unserer Shnugogen-Gcmeinde, Herr Jsaac Dahl, feierte seinen 70. Geburtstag und wurde seitens der Gemeinde durch eine besondere Feier geehrt. Lehrer Götzoff hob in seiner Festansprache die großen Verdienste des Jubilars hervor, ebenso seine edle Gesinnung, die ihn überall Sym pathien erwarb. Der zweite Vorsitzende, Herr Moritz Meyer, überreichte im Namen der Gemeinde ein Ehrengeschenk. Dortmund. (R e p r ü s e n t a u t e n s i tz u n g.) In der dieswöchigen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten stand als erster Punkt ein Gesuch der Talmud Thora-Schule um Unterstützung auf der Tagesordnung. Den Gegenstand hat die Kollegien schon wiederholt beschästigt. Von der Snbvcniion der Gemeinde dürste aber diesmal das Fortdesteheti der Schule abhängen. Sie hat zlvci ostjüdische Lehrer hanptamtiieh und einen Etat von monatlich ctlva 850 Mark. Während früher das Landesdirektorium in Hamburg jegliche Bindungen ablehnte, so auch ein M itanssichtsrecht des (liberalen) Gemeinderabbiners, dürste inan jetzt entgegenkommender sein. Der Vorstand legte nun eine» Beschluß vor, wonach die Talmud-Thora- Schule vom I. März d. I. ad eine jederzeit widerrufliche Vergütung von 200 Mark unter einigen Bedingungen erhaltcir sollte. Die Schule: ist keine Einrichtung der Gemeinde: die Gemeinde übernimmt — abgesehen von diesem Zuschuß — Iveder setzt noch in Zukunft Verpflichtungen irgendwelcher Art. Tie Bildung Leo Kuratoriums der Schule ist eine Angelegenheit des Landesdircktorinms ober der von ihnr deaustragten Organe. Einem Rabbiner der Gemeinde soll ein Anssichtsrecht außerhalb des Kuratoriums vertraglich zngesichert werden. In der sehr lange» Debatte ivnrden die griuldsätzlichen Fragen über die hierorts notwendige Talmud Thora "Schule tviedcrum lange umstritten. Die Mehrheit der Repräsentanz verlangte aber vor allem auch ein Milbestimmungsrecht des Lehrerkollegiums der Volksschule bezüglich der körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Kinder der Grundschule, bie an dem Unterricht teilnehmen. Es kam zu mehreren Abstimmungen: bei der letzten und entscheidenden Abstimmung (be sonders bezüglich des Vetos) enthielten sich die ostindischen Vertreter ihrer Stimme, ivodurch die ganze Vorlage der Ablehnung verfiel. Die Herren verließen darauf geschlossen die Versammlung. — Für die Wahl zum Rate des Landesverbandes lvurde dem Wahlvorschlag 1 p.igcstimm:. Dieser nennt die Herren: Tr. Katzenstcin Bielefeld, Alfred Rosenberg Witten und S. Einmerich Steinheim i. W. — Der Antrag 28 der Gemeinde-Satzungen betreffend die Aufbringung von Steuern lvird mir Wirkung ab 1. April d. I. abgeändert. Danach erfolgt die Umlegung in Prozenten der staatlich veranlagten Reichseinkommensteuer oder in Prozenten der staatlich veranlagten Rcichsvermögensstener nluer Anrechnung der einen Steuerart iius die andere, so daß nur oie höhere Steuer zur Erhebung kommt. — In geheimer Sitzung linder für eine Schülerin einer höheren Lehranstalt eine außerordentliche Scbiilgeldbewillignng von 200 Mark für das Schuljahr 1931/32 stau. — Nach einer Angabe des Gemeindevorftamdes hat unsere Gemeinde z. Zl. den höchsten Prozentsatz ausländischer Juden unter oc;t Großgemeinden Preußens, und zlvar 45 Prozent. — Für die Wohlfahrtspflege finbet am 5. März ein größeres Synagogenkonzert statt, ivobei Herr Oberkantor Fleischmann ans Köln milwirken wird. Dresden. (Erste Sitzung des n e u c n G e m e i n d e - r a l s.) Den Vorsitz führt Rechtsanwalt Salinger, der auf Beschluß des Gesamtvorstandes lvie bisher so auch im lausenden Jahre als geschäftssührcndcr Vorsteher amtiert. Er nimmt zunächst die üblichen Neuvcrpslichtungen vor und gibt sodann Kenninis von dem Dan'- schreiben, welches voll dein ab 1. April neugewähltcn Oberbürgerincister der Stadt Dresden, Herrn Minister a. D. Külz, ruf die Glückwünsche des Vorstandes eingegangen ist. Mit dem Termin der oiesjährige» Ansschnßsitzung des Sächsischen Israelitischen Gemeinde nerbandcs — 15. März in Dresden — ist Kollegium einverstanden, uno cs werden als ordentliche Mitglieder dieses Ausschusses später gewühlt die Herren Salinger, Schapira, Weigcr sowie als Vertreter der Rabbiner und Lehrer Prof. Winter. — Der einzig wichiige Punkt betrifft die Prüfung des Ergebnisses der Genie i n d c r a l s w a h l, und zwar liegt die Sache so, daß der V o r .- stand das vom Wahlausschuß scstgcftcllle Ergebnis (worüber der Vorsitzende das Protokoll mit allen Unterlagen vorlegt) im vollen ll m s a n g e für richtig befunden hat, während BolksVereinigung und Mittelpartei durch .Herrn Löwenthal schrift cich Protest dagegen beim Vorstand erhoben habcil. Es war dieser Listeiiberbindling gelungen, 3 Sitze im Gemeinderat zn erlangen, wozu nun mit der Begründung, daß die Re st stimmen Nhcht richtig bewertet worden seieiy noch ein Sitz im Vorstand verlangt wird. Der Einspruch lvird gegen die Stimmen der 3 Parteivertreter -, u r ü cf g e u> i e s e n und die Wahl m il Wirkung bis cinschl. 1930 für g i'i 11 i g erklärt. Die liberale Fraktion ist damit vertreten im Vorstand durch die Herren Salinger, Schapira, S.-R- Zimmermann, tm Gemeindernt durch die Herren Apt, Brauer, Joseph Cohn, Feuerstein, Glauber, Lesser, Zucker. Von der Volkspartei gehören 2 Mitglieder dem Vorstand und 5 dem G-erneinderat an. Bei den dann rolgenden Ausschußtvahlen traten sofort ltncder Differenzen zwischen Volkspartei und Volksvereinigung hinsichtlich Besetzung der orthodoxen Kultuskommission und des Schacht ansschusses zn Tage Düsseldorf. (V o r t r ä g e in der S y n a g o g e.) Unter dein Titel „Vom Kampf um das Judentum" veranstaltet die Synagogen gemeinde Düsseldorf in ihrer Synagoge, Friedrich Ebert-Straße 07, einen Vortragszyklus vor der breitesten Oefscntlichleit, um die tvichtigsteil strittigen Punkte zu erörtern, durch die das Judentum und im besonderen die jüdische Religion immer stärker m den politische!'. Kamps hincingezogen lvird. l. Vortrag 22. Februar, Rabbiner Dr.. Leo Baeck Berlin: Aas ist's mit dem Gatt der Rache? 2. Vortrag I. März, vormittags 11 Uhr, Professor Dr. M. Buber-Heppenhcinm Was ist's mit dem ausenvählten Volk? 3. Vortrag 8. Mürz, vor mittags 11 Uhr, Rabbiner Dr. M. Eschelbacher-Diisseldors: Was ist's mu den jüdischen Geheimgesetz-en? Die Synagogengemeinde crtvartet von diesem Vortragszyklus zuversichtlich eine Aufklärung der weitesten Kreise. Sie erhofft davon große Möglichkeiten Der Verständigung. Sie glaubt, das; diese Vorträge eine Brücke zivischeu Juden und Nichljudcn schlagen können. Sie ivill mit dieser Veranstaltung nicht nur ihrer Sonderausgabe, der Erhaltung des Judentums, diene», sondern auch dem Frieden des deutschen Volkes. Zu den Vorträgen war die breite Oessentlichkeic eingetaden. Separaleinladungen ergingen, an sämtliche Behörden, Schulen, uff. mit dem Erfolg, daß diese zn dein ersten -Vortrag, der in der dichlg-esüllten Synagoge slattsand, ihre Vertreter entsandt haben. In beit elften Bänken sah man den Oberbürgermeister der 2tab:, den Ober!andgcriclstsvrä!identen, den Polizeioberst tut. Essen . lH a n s o e r I ii d i s cb e n I i> g e n o.) 1 Im alle Kreise .Vf (lerne; »de mit d en Ei nzelheft en des zn errichienden Jugendheimes re et en nt; tu -. nachen , lim: De cm Mittwoch, dem 18. Februar, eine überaus e besuchli e (hei iti'iitbc'e ersammlnng veranstaft-. -t. Herr Rab-- oinev Dr. Hi ihn, o er el-? Vorsi landsmitglied des Ver eins Jüdisches Jngcndhe: :U d ie Bei esom'n iittiß : eiune, begrüßte mit d, '» Aiuvescitden Die Bertreie e der LläDtischen A emler, der einzelüe.'l Oigniiisationen und gab kur; ei» Bild von: Werden des Planes, ein jüdisrhes Jugendhei m als luden: e» bet - im Weltkrieg gesa llcnen Essen er '.üemeindemitg! .ieber zil er richten. Als Zentrum inten siveu südischen Lebens süi e die heran lvachie »De. 03e neraiivn soll dieses .Hai :s dazu dienen, Die ränmi lege, lörve fliehe, die n ristig-seelische Not der Jugend üleerwinden zu h. Kien. Zn t Pericetnng des Herrn Ae.Hit cti Dip!. Jag. Erich?)i:\ adelt ohn Bi orliit t enlärie dann dessen Mitarbeit er Ehar!es Du Vinnge a n Hand v ü.i in i ji vi!!: in en Lichtbildern die E inze»heilen des geplantei: ttüf rkes. , In bc ‘ist Gelende ,'ind vorgeseben ein Speiscsnal, der für; .ivtit 1!>0 Perso uen Pi atz bietet, eine Wirts> chaftsknehe und eine Lehr! üche , lerne r eilt Tnrniaa!, de: in einen Festsaal mit Bühne mngewandett lverden kann, außerdem ciu Musi! nno Betsaal, ein Leseraunl und eine Bibliothek, ferner Lehrränme für Unterricht und Versammlungen. Zum Schluß der Veranstatiung richtete der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr Dr. (tzcorg .hirschland, eine Ansprache an die Versammlung, in der er die Stellungnahme des Vorstandes und der Gemeindevertretung bekannt gab, die trotz aller augenblicklichen Schwierig leiten dieses Werk für die Jugend a!s unbedingt notwendig betrachten und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften zu der Durchführung des Planes beizutragen gewillt sind. Mit einem Appell an die Anwesenden, auch ihrerseits bas Werk zu unterstützen, konnte Herr Dr. Hahn den Abend schließen. Essen. (L c h r e r i n n c n v e r e i n in der Synagoge.) Im Anschluß an die apologetischen Vorträge in der hiesigen Synagoge haben eine Reihe von christlichen und neutralen Vereinen das Ersuchen an das Rabbinat gestellt, mit ihren Mitgliedern die Synagoge besuchen zu dürfen. Ten Rabbinern war aus diese Weise Gelegenheit geboten, nicht nur die Einrichtung des jüdischen Gottesdienstes den Zuhörern zu ertlärcn, sondern auch manches ausklärende Wort über das Judentum überhaupt in nichtjüdische Kreise hineinzutragen. Bo sonders bernerkenswert ist die Tatsache, daß .der „Landesvcrein preußischer Volksschnllehrcrinncn", Ortsgruppe Essen, an .Herrn Rab biner Dr. .Hahn mit der Bitte hcrantrat, den Mitgliedern einen Vortrag in der Synagoge über den Sinn der jüdischen Zeremonien zu halten. Etwa 70 Lehrerinnen folgten mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen des Redners und suchten durch Fragen, die sich an den Vortrag anschlossen, ihr Wissen um das Judentum zn vertiefen. Nach der Führung durch die Synagoge folgten die Damen einer Einladung der Syuagogcngemeiitde zn einem gemütlichen Kaffee. Die Vorsitzende des Lchrcrinnenoercins sprach dort herzliche Worte des Dankes für die aufschlußreichen Darlegungen, die dazic angetan seien, mancherlei Vorurteile, die auch in gebildeten Kreisen heute gegen das Judentum vorhanden sind, zn zerstreuen. .Herr Tr. Hahn überreichte zum Abschluß des Nachmittags den Anwesenden im Ans trage der Essener Ortsgruppe des Central Vereins 2 Broschüren: Die Rede von Professor Tr. Goldstein, Darmstadt: „Die Schule im Dienste der Volksversöhninig und Bölkerversöhnnng" und den Vom Verband der Deutschen Inden herausgegebencn Sammelband „Tie Lehren des Judentums". Alte Anwesenden zeigten sich hocherfreut über diese sür Unterrichtszlverke besonders loichtige Lektüre. Franksilrl am Main. (S i tzu n g der G em e i n d e v e rt r e i ii iifl.) Eine Vereinbarung des Gemeindevorstanbes mit dem Schul rat des Philanthropius, nach der sür das Schuljahr 1931/32 keine Aenderung im Organismus des Schulwerks eintreten soll, lvird der Vereinigten Finanz- und Rechtslommission überwiesen. Ter riene Etat soll von deir Finanzkommissionen des Vorstandes und der Ge meindevertretung gemeinsam beraten werden. Der Vorstand wünscht die Zahl seiner Delegierten in dieser gemischten Kommission zu er höhen: die Entscheidung darüber wirb zurückgestellt, da von der Gemeindevertretung Bedenken geäußert werden. Ans Antrag von Rechtsanwalt Simon (Vp.) wird der Vorstand gebeten, eine SonderkomMission einzusetzen, die sich mit Wirtschastsfragen und mit dem Plan der Errichtung einer jüdischen Darlchnsbank ans gcnossenschas!ltzchcr Grundlage beschäftigen soll. Am Schluß der öffentlichen Sitzung gedenkt der Vorsitzende mit warmen Worten des dahingeschiedenen Pros. Dr. Josef Horovitz. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde der Umbau des Gemeindehauses erörtert. Ftüllksurt a. M. (I n t e r k o n f c s s i o n e l l t s S t e u c r a m t.) Die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche und der israelitischeu Gemeinden pflegen, lvie die Jüdische Telegraphenageittur meldet, augenblicklich Verhandlungen in der Richtung, ob es möglich sei, in Frankfurt ein interkonfessionelles Steneramt zn erri-chten. Tie Anregung zu diesen Besprechungen gab der Stadtkämmerer Dr. Asch, Mitglied der Jewish Agency, aus den Erwägungen heraus, daß die Stadt infolge der Neuordnung ihres Einziehungsdienstes mit Wirkung vom 1. April die Einziehung der katholischen Kirchensteuer und der israelitischen Kultussteuern nicht mehr mitversehen kann. Diese Anregung ist bei allen drei Religionsgemeinschaften auf fruchtbaren Boden gefallen. Es bestehen vorläufig noch technische und Personelle Schwierigkeiten, aber überall ist der Wille zu einer Einigung vorhandcir, die wiederum als Ausfluß der Eintracht unter den Konfessionen angesehen wird. Frankfurt a. M. (U. m b a n d e s R o t h s ch i l d s ch e n S t a m mhans es.) Das alte Frankfurter Bankhaus der Rothschilds iw der Fahrgasse, von dein Ruhm und Reichtum der Familie ausgegemgen sind, wird seit der Auflösung des Frankfurter Geschäfts i. I. 1902 nicht mehr für bankmäßige Zwecke benutzt. Zunächst war dort die jüdische Haushallungsschnle untergebracht. 1911 wurde das Gebäude für die Dauer des Krieges 'in eine Durchwandererstation für Flüchtlinge unrg-ewandelt, 1921 überließ es Frau Baronin Edmontz de Rothschild in Paris, die Tochter des inFrankfurt verstorbenen Barons Wilhelm Earl von Rothschild, als Geschenk der Israelitischen Gemeinde. Die Gemeinde verlegte dorthin ihre Verwaltungsr Lunte und ins Nebenhaus an der Börnestrafte ihre Bibliothek. In den Kontorräumen der letzten Frankfurter Rothschilds im ersten Obergeschoß aber wurde das Museum für jüdische Altertümer aufgebaut. Das eigentliche Privatkontor der Brüder Mayer Earl und Willy Earl von Rothschild ist ganz so erhalten geblieben, wie es von ihnen verlassen wurde. Nmt geht die Israelitische Gemeinde daran, das Innere des Hauses für ihre Zwecke umzugestalten und einzurichten. Die in Frankfurt auf der Grüneburg, dem Sitze des Barons Wilhelm Earl von Rothschild, geborene Baronin Edmund de Rothschild in Paris hat der Gemeinde für ihre Umbanzwecke einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt, so daß also die Bauarbeiten in der allernächsten Zeit angesangen werden können. Die Spenderin hat an ihre (habe aber die Bedingung geknüpft, daß ant Aeußern deö alten Vankhauscs nichts verändert werden darf. Nach Ansicht der Kenner liegt sür einen Eingriff in die architektonischen Teile des Gebäudes auch kein zureichender Grund vor. Die beiden um die Ecke Fahrgasse- Börnstraße gelegten Fassaden der klassizistischen Auffassung des frühen 19. Jahrhunderts zeigen einfache und schmucklose Gliederung, die nur im Erdgeschoß etwas reicher bedacht ist: der ganze Ban tritt in seiner fast einsamen Größe an dieser belebten Stelle sehr vorteilhaft hervor. Das Bankhaus wurde in den Jahren 1810—1812 errich:ei. Es steht aus dem Grnnd und Boden, der den Eingangspunkt sür die alte Judengasse, die heutige Börnestraße, bildete. Amschel Mayer Rothschild hat den Umzug in das neue Hans an der Fahrgasse im Spätherbst 1812 wahrscheinlich nicht mehr erlebt. Tie Israelitische Gemeinde will in den beiden Rothschildhäusern neue Räume für die Gemeindeverwaltung schaffen, die Bibliothek durch einen Lesesaal erweitern, Sitzungszimmer gewinnen und auch das Mnsenin, dessen Grundstock Erinnerungsstücke an Familie Rothschild bilden, vergrößern. Man will dabei die Pielät wallen lassen, die Frankfurt dem Hanse Rothschild schuldet, dein es neben anderem auch einen Teil seines Aufstiegs und seines Glanzes im 18. und 19. Jahrhundert zn danken hat. Gelftlt'ifchcn. (R e p r ä s e n t an r c n >v a h!.. Die am 10. No »entbot- 1980 gewählten Mitglieder der (Gemeinde Vertretung wurden am 25. Februar 1931 durch den Wablk-emmissar durch .Handschlag an Eidcsstatt verpflicht.! und in ihr Amt ein geführt, nachdem der Regierungspräsident in Münster die Walt! deft-ftigl und den ringe - legren Einspruch znrtrckgewiesen har. Dir wgegen den gurnckgewiescnm Einspruch eingelegte Beschwerde wurde vom- Oberpräsi deuten ebenfalls zttrückgewieien. Es sind so.ni. gemäht! die Redräscnlauten Hanog Hehmann, Rentner, ZeppellinaUee 18, Elvatd Stern, Kauf mann, Al-ermartt IS T h-eodar Feen-et, Kansmanu, Arm in strafte 3, Julius Lerne, Kausmann, Wi-te-indsteaße ll, Julius Schönenderg, Kanf-.nann, Wannerftfaße 1!9, und als Repräsmranten Stellvertreter ' Karl Loeb, Kaufmann, Wildenbruchstraße 22.! Kelserrürchrn. (8! c p r ä s e n t a n t e n Sitzung.) In der letz-! trn Sitzung des Repräsentailte.-! -Kol! eg in ms am 23. Februar standen I nur wenige Punlte zur Beratung. Dem Jugendverein lvurde sür I das »eite Jugendheim eine Lubvention von RM. l>0.— bewilligt.! Bei Besprechung dieses Punktes der Tagesordnung machte der Vor- I steher des Repräsenta» -.en-Kotlegi-nnrs Rechtsanwalt Back ans die besonders gelungene Vernnstallung der hiesigen Ortsgruppe des Reichs- I bnndes jüdischer Fronlsoldaten ansmer'sam. Er betonte, das; das | Bekenntnis der Veranstalter der Vannerweih-e zu unserer jüdischen ' Religion, zu unserem deutschen Valerlande und zur Notgemeinschast : des dcnrschcn Volkes, den nachhaltenden Eindruck auf alle Teilnehmer, nicht nur ans die jüdischen, gemacht habe. Es sei zu hoffen, daß i insbesondere auch die deutsch jüdische Jugend immer mehr erkenne. daß die Wurzeln unserer Kraft, für Gegentvart und Zukunft, gleichmäßig tief in unserer Religüon und in unserem Vaterlande verankert sei. Rechtsanwalt Back beantragt, dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten schriftlich den besonderen Dank und Anerkennung auszusprechen und daß der Dank nicht nur dnn Vaterlande gebühre, sondern auch jedem einzelnen Mitgliede. Der Antrag wurde einstimmi-g ango-- nommcn und der Vorstand schloß sich dem Anträge voll und ganz an. In Anerkennung der vom Reick-sbimd jüdischer Frontsoldaten ge-- leisteten Tätigkeit sür die gesamte Gemeinde lvurde der aus Sparsamkeitsgründen bereits gestrichene Betrag von RM. 50.— mit einstimmigem Beschluß nachbewilligt. Kassel. (Sitzung der G k m e i n d c ä l t t st e n.) Den Acltestcn lag in ihrer letzten Sitzung die Beftätigung des Etats durch das Borstcheramt der Israeliten vor. Wie im vorigen Jahr werden von der Gemeinde 11 Prozent Stenern erhoben tverden. Das Vorsteheramt gibt anheim, ob nicht Beiträge an auslvärtige Vereine gestrichen und Verlvaltungskosten der Zeittralivohlsahrtsstelle cingespart werden können. Im Zusammenl)ang damit >var der Bericht Dr. Kugelmanns von Interesse, der an der Besprechung der großen und mittleren Gemeinden innerhalb des Preußischen Landesverbands in Berlin teilgenommen hatte. Von 800 000 Mark Steuern der beteiligten Gemeinden waren nur 300 000 Mark eingegangen. Ter Steuersatz in hiesiger Gemeinde lvurde als verhältnismäßig günstig bezeichnet, obgleich man hier durch Gesetz an die Einkommensteuer gebunden ist, während in anderen Gemeinden auch Vermögens- und Grundsteuern zur Veranlagung benutzt tverden und trotzdem höhere Gemeindesteuern aufgebracht werden müssen. Das Kollegium beschloß die Verwendung einer 200 Mark Spende durch Verteilung an die Zentralwohl fahrtsstelle und den Armenverein. Dem ostjüdischm Minjan sind laut Etat 1000 Mark bewilligt worden, deren Auszahlung nach dem Wunsche der Beteiligten beschlossen lvird. Es lvird Vorsorge getroffen, daß die Sieuermitteilicngen geheim gehalten und die Steuerakien nur dem zuständigen Dezernenten und seinem Vertreter zugänglich gemacht tverden sollen. Auf besondere Beschwerde hin wird verfügt, daß die Plätze in der Synagoge Rosenstraße den Erwachsenen Vorbehalten bleiben und in den Hanptftäildcii nicht von Kindern eingenommen werden sollen. Mehrere Gesuche, die von Wohlsahrtsvereinen und einzelnen Bittstellern eingegangen sind, müssen toegen der finanziellen Anspannung abgelehnt >verden. Es lvird davon Kenntnis genommen, daß der Regierungs Präsident eine Percinsachung der Rechnungslegung genehmigt hat. Als Kandidaten für die Ratswahl zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in Berlin werden nominiert: Justizrat Marxheimer, Wiesbaden; als erster Ersatzmann soll Rechtsanwalt Dr. David Goldschmidt, Kassel, als zweiter Ersatzmann Krcisvorsteher Schloß, Gensungen, treten. Die Gemeinde hat dem Mitglied H. Nußbaum anläßlich seines 80. Geburtstages herzliche Glückwünsche aussprcchcn lassen. Das Gesuch eines Gemeindemitgliedcs, das aus Gewissensbcdenien austreten, aber die orthodoxe Synagoge Rosenstraße tveiter besuchen will, wird abgelehnt. Der reichhaltigen Tagesordnung der öffentlichen Sitzung folgte noch eine geheime von längerer Dauer: Personal und Stellerfragen standen »nieder zur Debatte. Kirn. (B o r st a n d s >v a h t.) Bei der kürzlich erfolgten Vor-- staiidswaht wurden die Herren F. Schmelzer, E. Frank und A. Moritz gelvählt. — Die Ehewra Kadischah hielt ihre Jahresversammlung ab; der bisherige Vorstand »vmrde wiedergetvählt. Für B. Moritz, der ans Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl ablehnte, »ourde B. Allmeyer in den Vorstand gewählt. Lehrer Elter hielt dann einen Bortrag über: „Die Bedeutung der Mischna und Gemara für die Erhaltung des Judentums". Köln. (Eine dramatisch belvegte Repräsentan-- rensitzung.) Es ist in diesem Blatt über die Obstruktion berichtet »vordeu, die die Wahl des Rechlsanlvalts Dr. Heinrich Frank zum Vorsitzenden der Kölner Synagogntgemeinde unmöglich machen sollte. Die nichtliberalen Fraktionen waren der zur Vorstandswahl einbernfenen Repräsentantenversammlung ferngeblieben; diese war nicht beschlußfähig und mußte auffliegen. Mittlerweile fanden hinter den Kullissen neue Einigungsberhaudlungen statt. Die Liberalen hielten an der Kandidatur Dr. Franks fest, die Gegner gaben schließlich nach, und am vergangenen Donnerstagabend konnte endlich der Vorstand gewählt tverden. — Diese Repräsentantenversammlung stand unter dem Zeichen einer Protestaktion orthodox-ostjüdisch-zionistischer Kreise, zu der ein Flugblatt, voll scharfer Angriffe gegen Dr. Frank, .aufgerusen hatte. Am Aufgang zum Sitzuitgssaal 'Jtaut-c sich eine Menge meist jugendlicher Leute, denen zunächst ein von der Bertvaltnng bestellter Schupomann den Zutritt verwehrte. M-an gab — zum ersten Mal seit Bestehen der Synagogengemeinde — Eintrittskarten aus; rasch füllte sich der Saat, und am Ende durften auch die Protestler einziehen. In wenigen Minuten waren alle Plätze im Zuschauerrauut besetzt und viele Neugierige mußten stehend den Verhandlungen folgen. — Generalkonsul Baumann richtet vor Eintritt in die Tagesordnung Worte »värmften Dankes an die auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausscheidenden Mitglieder; zuvörderst an das bisherige Oberhaupt der Gemeinde, Herrn Emit Bbumenau, sodann an den greisen Herrn Moritz Falkenstein und an .Herrn Aaron Hofmann. Ein kurzes herzliches Abschiedswort der drei Männer, die die Entlvicklung der Gemeinde in vielen arbeitsreichen Jahren haben fördern Helsen, beschließt eine bedeutungsvolle Zeitspanne in der Geschichte der ältesten deutschen Judensiedelung. Herr Baumann wendet sich, in die Tagesordnung eintretend, scharf gegen den Versuch, durch eine außerhalb des Repräsentantenkollegiums in Szene gesetzte Protestaktion die Erlediginig einer reinen Verwaltungsmaßnahrne zu stören. Er bedauert insbesondere, daß ein Mitglied des Kollegiilms (Dr. Leibolvitz) das Flugblatt mitunterzeichnet habe und kündigt strengste Handhabung des Hausrechts hki Störungsversu-chen an. Seine Worte verfehlen ihre Wirkung nicht, und die Verhandlungen können unbehirtdert ihren Fortgang nehmen, nachdem auch Rechtsanloalt Jonas, der Führer der zionistischen Fraktion, die Flugblattpropaganda nachdrücklich verurteilt hat. Nach lveiteren Erklärungen durch denselben Redner und Herrn St-einitz von der Mittelpartei zur Wahl selbst, »vendel sich Herr Dr. Leibowätz (Misrachi) erregt gegen die Absicht, Dr. Frank zum Gemcindevorsinenden zu wählen. Zinn Zeichen des Protestes verläßt er die Sitzung. Zugleich erhebt sich im Zuschatierraum Rechtsanwalt Dr. (hidion und fordert seine Gesinnungsgenossen aus, sich dem Protest anziischließen: unter Absingen der Halikwa und Werfen einer SlinkbontlK verlassen die Protestler den Saal. Nun endlich kann als Negierungskommissar Herr Emil Blumenau die Wahlhandlung beginnen. Es loerden mit Zetteln die sieben Hauptmitglieder und durch Zuruf die drei Stellvertreter gewählt. Der znkünstige Vorstand lvird siel) ans jolgendeii Herren zilsammenseüeii: Dr. Öskar Eliel (lib.), De. Heinrich Frank (l-i0.),. Earl Kaiserblüth (lib.j, Dr. Meno Lissaner (kons.), Dr. Siegmnnd Klein (kons.). Jnstizral Bodenheimer (Voilsparl.) und Jacob Schnelling (Misr.T --- Konsul Bendix (lib..), Dr. Jsa.tc (lib.) und Studienrat 'Wolfs (Volkspart.).. — In der unmittelbar nach dieser Sitzung anberanntten zlvcilen lvird .Herr Rechksanlvalt Dr. Eliel in den Rat des Preußischen Landesverbandes geloählr. Den zlveiten Vertreter wird der neue Vorstand ans Vorschlag der Repräsentanz später lvählen. Köln. (K o 11 ft i t u i e r u n g d e s B o r st a » d e s.) Am 23. Februar trat der inzwischen von der Regierung genehmigte Vorstand der Synagogengemeinde zur ersten Sitzung zusammen. Rechtsanloalt De. F rank (lib.) lvurde e i n st i m nt i g znm Vorsitzenden gewählt. Der Vorstand wählte dann Sie Vorsitzenden der beiden Kulknskommissiouen: Dr. Jsaac sür die liberale und Dr. Klein sür die konservative. Konsul Bend ix übernahm den Borsiß der Finanzkommission. Ter uengewählle Gemeindevorsitzende hielt, wie uns mitgeteilt lvird, eiue Programmrede, die der Presse zugängig gemacht tverden »vird. Köln. (E»nil Blume na n.) Herr Emil Blumenau, der de»r Vorsitz im Gemeindevorstand uunmehr niedergelegt hat ltub auch nicht mehr in den Vorstand zurnck.zulchrcn gedenkl, gehörte ihm seit mehr als 25 Jahren an. Vorsitzender war er seit ll Jahren. Von Herrn Blumenau durfte Herr Baumann mit Reckst in seinen Abschiedsworten sagen, daß er sich viel Freunde und reiches Vertrauen in allen