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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-04 · 8-9 (4.3.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
8-9 (4.3.1931)
Date
1931-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Epoche wiederholt, die einen Rießer auf den Plan rief, eiuen Lazarus, muß uns beglücken können, muß den Ehrgeiz in uns wecken, es ihnen gleichzutun. Und können wir es nicht aus eigener Kraft, lehnen wir uns an ihre, fehlt uns das Wort und fehlt uns der Glaube — nehmen wir ihr Wort und ihren Glauben. Es nützt nicht? Es lohnt nicht? Auch Rießer und Lazarus haben die heutige Zeit nicht verhindern können? Nun denn — mehr Leidenschaft, mehr Größe! Der Rießer, der Lazarus wird nie geboren, der dem deutschen Juden die Zeit des Messias, das Leben unter Weiip stock und Feigenbaum beschert. „Außerhalb des Christentums bleiben und innerhalb der Nation zu stehen, ist möglich, aber schwer und gefahrvoll", schrieb Momscn. Und Lazarus entgegnetc: „Möglich, darauf allein kommt es an, schwer — ich gebe es zu, gefahrvoll, ich gebe es zu. Immer war unser Stand in der Geschichte schwer und gefahrvoll." Das ist in der Tat die endgültige Erkenntnis, die der deutsche Jude aus seiner Geschichte zu gewinnen hat, eine Erkenntnis, die ihm nur noch eindringlicher aufleuchtet, je mehr ihm auch jüdische Menschen Hindernisse aus seinem Wege durch die jüdische Geschichte bereiten, ihn immer wieder mit „Problemen" belasten, eine ihm so klare Einsicht verdunkeln möchten, ihn bestimmen wollen, in Dingen, die vor beiden von ganz anderen Voraussetzungen betrachtet tverden — wie die Stellung zum nichtjüdischen Gegner — in einer Linie zu kämpfen, ein so unmögliches Beginnen. Nein äußere Ruhe ist dem deutschen Juden so wenig gegönnt und beschieden wie dem Juden überhaupt. Hub dennoch — immer mehr Leidenschaft, immer mehr Größe und damit immer mehr inneres Glück und immer mehr Liebe zum deutschen Judentum. | * | Sprechsaal | * j; Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die preß, gesetzliche Verantwortung. Zur Verufsumschichiung der deutschen Zuden Bon Wilhelm Langstein, Parchim. Tiefe brennende Frage wird immer mehr iu allen jüdischen Kreisen, die irgendwelches Verantwortungsgefühl für die Zukunft der deutschen Juden besitzen, erwogen. In der heutigen Zeit der unsäglichen wirtschaftlichen Depression halt es ungemein schwer, dafür geeignete Mittel und Wege zu finden. Vo,t vielen selten wird danach gestrebt, die deutschen Juden wieder mehr in die kleinen Städte und aufs Land zu verpflanzen. Ich fürchte aber, daß dies auf sehr große Schwierigkeiten stoßen wird. Was zunächst die Verpflanzung in die Keinen Stäote so kann nach meiner Ansicht nur ein Jude, der in der .Meinstadt lebt, dieses Problem richtig beurteilen. Ich möchte lsierzu die Verhältnisse in den mecklenburgischen Kleinstädten schildern, die ich kenne und beurteilen zu können glaube. In Mecklenburg befand sich vor etwa 50—60 Jahren tu säst jeder Stadt eine blühende, wenn oft auch kleine, jüdische Gemeinde. Es gab Städte von 3000 bis 5000 Einwohner, in denen 50 und mehr jüdische Familien wohnten. Der Getreide-, Woll-, Fell- und Rohproduktenhandel, ebenfalls die Manufrkturgeschäste waren fast ohne christlich« Konkurrenz. Es gab auch einige jüdische Handwerker, hauptsächlich Klernpner urrd Weißgecber, jüdische ortsansässige Arme gab es kaum. Tie Juden, die in Mecklenburg nicht Beamte irgend welcher Art werden konnten, waren doch allgemein geachtet und zum großen Teil beliebt. Sie lebten auch mit der christlichen Umwelt und teilten mit ihnen Freud und Leid. Sre verkehrten mtt den ihnen gesellschaftlich gleichgestellten Christen, die 'Großkauflente und die wenigen Akademiker gehörten eo ipso zur städtischen Haute volee. Ein gewisser „Rischus" war wohl vereinzelt vorhanden, besonders in Beamtenkreisen, nicht aber im Bürgertum und bestimmt nicht nn Fürstenhause. Es gab keine Sonntagsruhe, der Sonntag war vielmehr der Hauptgeschaftstag, daher waren fast alle jüdischen Geschäfte am Sabbat geschlossen, man besuchte regelmäßig die Synagoge, auch die nicht so Frommen und die Jugend. Natürlich beschäftigten die jüdischen Firmen fast nur jüdisches Personal. V ersammlungskalender Berttir-Halenfee-GmneVald. Liberaler verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin L. B., Bezirksgruppe Halenfee-Krunewald. Am Donnerstag, dem 5. März, abends 8 Uhr, Mitglieder-versammlung in der Konditorei Leon, Kurfürstendamm 155-56, 1. Stock. Zweck der Mitgliederversammlung ist Neuwahl des Vorstandes der Bezirksgruppe. Anschließend daran Lvrlrag der Herr« Landgerichtsrats Dr. Martin Lesser: „Nach den Wahlen". Freie Aussprache. Z» dem Vortrag, der um 8.30 Uhr beginnt, haben Gäste, die Gesinnungsgenossen sind, Zutritt, ebenso Mitglieder anderer Bezirksgruppen. Unsere Mitglieder bitten wir um regen Besuch und um Einführung von Freunden unserer Sache. Nach dem Bortrag geselliges Beisammensein. Berlin. Purim-Genreindeadend der „Liberalen Synagoge Osten" am Sonnabend, dem 7. März 1931, abends 8.15 Uhr, iu der Aula der Mädchenschule, Kaiserstraße 30, unter gütiger Mitwirkung der Damen Frau Erna Alerander (Alt), Frau Erna Feld (Rezitation), Fräulein Rose Kaiser (Sopran), der Herren Prediger Dr. Manfred Swarfensky, Friedrich Lichtenstein (Tenor), Werver Grünwald (Violine), Alfred Lvewy (Harmonium) sowie des verstärlteu Chors der Liberalen Synagoge „Osten", Dir. Herr Martin Epstein. Gottesdienste Berlin-Osten. Liberal« Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, Aula der Mädchenschule. Freitag, den 6. Mär;, abends 7.30 Ahr, Gottesdienst.. Predigt: Prediger Dr. Andorn. Berlin-Rerden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 6. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Prediger Dr. Swarsensli. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Westend. Liberal« Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8, Aula. Freitag, den 6. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Platte. Berlin. Jüdische Nefoem-Gemetnvr. Gpttesdienfte am Sonntag, dem 8. März. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosrnthal. Tie Verhältnisse wurden aber andere. Tie wohlhabend gewordenen Juden zogen in die Großstadt, oder doch die Kinder derselben, ließen sich z. T. auch taufen. Tie Gelegenheit, in der Großstadt leichter Geld zu verdienen, lockte so manche, dorthin zu gehen, auch wohl der Antisemitismus der Stöckerzeit, der auch hier ein weniger harmonisches Verhältnis zwischen Christen und Juden bewirkte, wenigstens in gesellschaftlicher Beziehung. Tie Gemeinden wurden kleiner, christliche Geschäftsleute setzten sich mehr an die Stelle der Juden. ES kam hinzu, daß z. B. der Getreidehandel mehr und mehr unlohnenb wurde, der Wollhandel fast ganz aufhortc, ebenso der Fellhandel, letztere beiden Branchen durch das Aufkommen der Wollversteigerungen und der Häuteverwertungen. Das Manufakturgeschäst leidet, wenn auch noch nicht so sehr, unter der Konkurrenz großer Kaufhäuser, wie Karstadt, Ramelow u. a. Jüdische Handwerker gibt es kaum noch im Lande, wohl aber in den relativ größeren Städten einige jüdische Aerzte und Rechtsanwälte. Im ganzen Lande bestehen noch vier Gemeinden, die sich einen Beamten halten können, es leben hier noch etwa 1000 jüdische Seelen, die Zahl geht aber dauernd zurück, selbst die zugewanderten Oftjuden gehen vielfach wieder fort. Wie es, besonders ber den herrschenden antisemitischen Strömung, gelingen soll, hier noch Juden eine Existen.zrnöglichkeit zu schaffen, weiß; ich nicht. Tie ortsansässigen Geschäftsleute und Handwerker (aller Konfessionen) kämpfen schwer um ihr täglich Brot, jeder Beruf ist überfüllt, Die Landwirtschaft, von der oie kleinen Städte leben sollen, liegt darnieder uno ist im übrigen restlos antisemitisch. Hier in Parchim gibt es noch eine Anzahl jüdische Geschäfte, die Familien der Inhaber find z. T. seit 100 und mehr Jahren Wie das Werk Goethes, so wird auch das Tichtungswerk Byrons von den Erlebnissen des Tichters gespeist. Wichtig daneben sind aber jene Geistesquellen, die auf die Gestaltung der Dichtung Einfluß übten. Geht man Liesen Quellen nach, so entdeckt man, daß Byron einen der stärksten und nachhaltigsten Eindrücke von der Bibel, und zwar dem alten Testament empfangen hat. Schon als kleiner Knabe lauschte Byron leidenschaftlich bewegt, wenn ihm seine Erzieherin Mav Gray aus der Bibel vorlas. „Er verstand nicht alle Worte, aber er genoß die fremdartige, furchtbare Poesie des Buches der Bücher." Wenn man ihm am Abend die kranken Füße mit schmerzhaft pressenden Binden umwickelte, pftegte er Psalmen auszusagen: „Er liebte den starken Rhythmus dieser Gesänge. „Zwei vor allen waren ihm besonders lieb, der erste Psalm: „Heil denr Manne, der nicht wandelt nach dem Rate der Gottlosen", und der dreiundzwanzigste: „Gott ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." Tiefe Psalmen konnte er auswendig. Auch die Erzählungen der Bibel, insbesondere die Geschichten vom ersten Menschenpaar, von Kain und Mel, von der Sintflut, beschäftigten viel feinen lebhaften Geist. In der schottischen Schule in Aberdeen, wurde er mit der Heiligen Schrift aufs genaueste vertraut gemacht; seine Vorliebe galt schon damals! allein dem Alten Testament, das er mit acht Jahren bereits vollständig durchgelesen hatte. Aber auch in späteren; Alter bewahrte er seine Vorliebe für die Bibel. Groß« Verehrung brachte er Moses entgegen: Byron bekennt einmal, daß er sich oft tn vcr^weiftungsvollen Stunden, wenn ihm der Glaube an die Menschheit abhanden zu kommen drohte, an der Gestalt des Moses wieder ausrichtete. Wie alle Byron-Biogradhen hebt auch Maurois die Bibelkenntnis Byrons hervor. Er erzählt von einem Religionsgespräch, das Lord Byron mit einem Doktor Kennedy, einem tiesgläubigen Schotten, aus der Insel Jthaka geführt hat. Kennedy staunte über die biblischen Kenntnisse seines Gegners. „Ach ja," sagte Lord Byron, „ich lese die Bibel öfter als sie glauben. Ich habe eine Bibel von meiner Schwester geschenkt bekommen, bte eine ausgezeichnete Frau ist, darin lese ich sehr häufig." Byron gab auch Proben seiner gründlichen Bibelkenntnis: wenn Kennedy im Verlaufe der Unterredung vergeblich eine Bibelftelle suchte, um seine Auslassung zu stützen, fand Byron sie sogleich. Tie Bibel hat aber auch Byrons dichterisches Schaffen vielfach beeinflußt. Anklänge an die Mbel findet man fast in allen seinen Werken; bald ist es hibtischcs Sprach gut, das er dichterisch verwertet, bald sind es Stoffe und Probleme, die er dem Buch der Bücher entlehnt. Schon solche Bibesremrniszenzen beweisen, wie stark und nachhaltig die Eindrücke waren, die Byron von dem ältesten Schriftdenkmal der Menschheit empfing. Mer erst die' „Hebrew Melodies", diese reifen Schöppingen, zeigen den (SinjTu| der Bibel in seiner ganzen Fruchtbarkeit. Tie „Hebräischen Gesänge" sind echt, und mag ihre äußere Form byronisch sein, ihr innerer Gehalt ist biblisch. Tie „Hebrew Melodies", gegen Ende 1814 und Anfang 1815 vollendet, unpassen insgesamt dreiundzwanzig Gesänge. Mit Ausnahme der wenigen rein weltlichen Lieder, die Byron in die Sammlung ausgenommen hat, besitzen fast alle Gedichte biblisch-hebräisches Gepräge. In dem Liede „The harp the Monarch minstrel swevt" feiert Byron die königliche Harfe, die dem heiligen Sänger aus dem Throne erklungen: das Gedicht erinnert zum Teil an die hebräische Legende von der von selbst klingenden und singenden Harfe Davids. Das Gedicht Jephtas Tochter lehnt an die Erzählung von „Jephtas Gelübde im Buch der Richter, Kap. 11, an. Das Gedicht „Saul" („Thou Wh oje spell can raise the dead") beruht auf der Geschichte vorn Weibe in Endor, das den Geist des Propheten Samuel herausbeschwört (1. Samnelis, Kap. 28). „Sauls Gesang vor seiner letzten Schlacht" liegt 1. Samuelis, Kap. 31, zugrunde. Das Gedicht „Alles fft eitel" („Fame, wisdom, lode and Power were mine") ist eine echt Byronsche Paraphrase zu Pred. Salomo, Kap. 1. Das „Gesicht des Belsazar" („The King was on his throne") hält sich genau an die Schilderung iw Buche Daniel. Und so bieten auch die andern Gedichte hier ansässig, aber auch sie müssen! schwer um ihre Existenz kämpfen. Wie soll da Platz für fremde Juden vorharrden. sein? Vom religiösen Standpunkt kommt noch hinzu, daß bekanntermaßen Juden, die nicht in einer Gemeinde wohnen, allermeist» dem Judentum verloren gehen, beftinrmt aber ihre Nachkommen. ES wird durch oie israelitische Landesgemeinde allev- dings für religiösen Unterricht durch Wanderlehrer gesorgt, aber das ersetzt doch nicht das Leben in einer Geineinde. Tic an solchem Neinen Platze woynenden paar Familien, würden ganz isoliert stehen, wie dies seit dem Ueberhanlbnehmen der antisemitischen Welle sogar bei den noch vorhandenen alteingesessenen Juden leider der FE ist. Dagegen würde nach meiner Ansicht in den Kreisstädten, wie z. B. hier in Parchim, die Niederlassungsmöglichkeil für einige Fachärzte vorhanden sein. Nach der von mir gemachten Erfahrung scheint aber bei den jungen Aerzten keine Neigung vorhanden zu sein, in die Kleinstadt zu gehen. Ich habe z. B. schon seit Jahren durch die Großloge, den Central verein usw. versucht, einen jüdischen Hals-, Ohren- und Rasenfacharzt hierher zu ziehen, aber vergebens. Dabei würden die Verhältnisse hier für einen solchen besonders günstig liegen, ebenfalls für einen Augenarzt. Ueberhaupt, das sagen mir meine Bekannten immer wieder, daß sich kein tüchtiges jüdisches Personal für die Klei»- und Mittelstadt findet. Die jüdische Jugend will zum allergrößten Teil nicht aus der Großstadt heraus! Nack allen diesen Erwägungen muß ich sagen, daß es in den mecklenburgischen Kleinstädten keine Exiftenzmöglichkeit für zuziehende Juden geben dürfte. In anderen Gegenden Deutschlands, in denen noch Juden in den kleinen Städten wohnen, mag es ja möglich sein, für weitere Juden Platz zu schaffen. Nun zur Unterbringung auf dem Lande. Ich bemerke, daß ich von der Landwirtschaft nichts aus eigener Erfahrung kenne, höre aber hier in der kleinen Stadt doch so manches darüber. Zunächst gilt auch hierfür, daß unmöglich einzelne Juden auf dem Lande angesiedelt werden könnten. Sie würden in der gänzlich anders gearteten und geistig tiefstehenden, dabei antisemitisch verseuchten Umgebung seelisch zugrunde gehen. Es müßten dann schon geschlossene jüdische Siedlungen geschaffen werden, groß genug, um eine, wenn auch kleine, Gemeinde bilden zu können. Die katholische Kirche hat hier im Lande schon verschiedene derartige geschlossene Siedlungen geschaffen, worüber sich natürlich Nazis und die lutherischen „Frommen" genug erbosen. Nur weiß ich nicht, ob sich in der jetzigen Zeit aus jüdischen Streifen genügend Kapital beschaffen lassen wird, um diesen Versuch zu machen, das Land anzuiausen, für Siedlungen herzurichten und den Siedlern über die ersten schweren Jahre hinwegzuhelfen. Ferner aber bezweifle ich, ob es genügend deutsche jüdische Männer und Frauen gibt, die siedeln wollen. Es gehört dazu eine groß« Umstellung des üblichen Lebens der deutschen Juden, eiue Unmenge Arbeitsfähigkeit und Arbeitswillens zum Berufe eines Landwirts. Denn das muß klar gesagt werden: Rentabel sind nur noch solche Landstellen, die ohne oder doch fast ohne fremdes Lohnpersonal bewirtschaftet werden. Natürlich sollte das, was in Palästina unter so viel schwereren Bedingungen geht, auch hier gehen, aber leicht ist es nicht! Eine große Energie wird dazu gehören. Es würden nach meiner Ansicht mittelgroße Landstetten zu bilden sein, auf denen Milchwirtschaft, Gemüse- und Obstbau in der Hauptsache betrieben wird. Ich bezweifle aber die Möglichkeit der Durchführung sowohl aus geldlichen wie aus personellen Bedenken. Es sollte mich aber sehr freue», wenn ich durch die Tat eines Besseren belehrt würde. Dann wäre in solchen Siedlungen auch für jüdische Handwerker und Klein-Kaufleute Platz vorhanden. Eine weit leichtere Möglichkeit zur Unterbringung der jüdischen Jugend wäre zu erreichen, wenn alle jüdischen Betriebe allmählich mehr jüdisches Personal einstetten würden. Ein mir bekannter jüdischer Großbetrieb z. B. stellt seit längeren Jahren bevorzugt jüdische Lehrlinge ein, die, wen» sie sich bewähren, in den Werken avancieren und schließlich eine Lebensstellung bekommen können. So etwas müßte sich auch anderswo ermöglichen lassen, wenn der gute Wille dazu Vorhand m ist. Natürlich müßte eine solche Umstellung vorsichtig erfolgen, damit nicht durch Erwerbsloswerden der christlichen Angestellten der Antisemitismus dieser Kreise noch vergrößert wird. Durch die Depression der Wirtschaft werden ja leider zur Zeit viele Angestellte aller Art abgebaut. ES werden aber wieder bessere Zeiten kommen, dann könnte ein biblische Stoffe in byronisch-poetischem Gewände. Im ganze» sind dre ,Hebrew Melodies" ein herrlicher Liederkranz, aus echten Saronsrosen gewunden. Außer den Hebräischen Gesängen besitzen wir von Byron zwc, dramatische Dichtungen, die biblische Stoffe behandeln: „Kain" und „Himmel und Erde". In Kain gestaltete Byron eine Art biblischen Prometheus. Don Kindheit an, so schreibt Maurois, war Byron wie besessen von dem Thema des ersten Gezeichneten. In Kain bemühte er sich, seinem leidenschaftlichen Protest gegen die Existenz des Bösen in der Schöpfung in Form eines Dramas Ausdruck zu geben. Das 1821 entstandene Drama „Kain" — der Dichter nennt es „Ein Mysterium" — ist ein biblisches Problemstück, darin sich der düstere Pessimismus des Tichters ausspricht. In der Schlußszene, wo der Engel des Herrn erscheint, um dem Brudermörder das Zeichen auf die Stirne zu setzen, ist der Dialog wörtlich aus 1. B. M. Kav. 4’ V. 0—16, übernommen. „Kain" hat nach seinem Erscheinen gewaltiges Aufsehen erregt; das Drama wurde von orthodoxen Kreisen heftig angegriffen und von den Geistesgrößen der Zest als ein unnachahmliches Meisterwerk gepnesen. Sloffverwandt m't „Kain" ist die dramat'sche Dichtung „Himmel und Erde". Es ist ein Sintflut-Drama, zu welchem der Dichter angeregt wurde durch die merkwürdige Stelle in 'Genesis, Kap. 6, V. 2: „Da sahen die Kinder Gottes nach den Töchtern des Menschen, wie sie schön waren, und nahmen zu We-'bern, welche sie wollten." Auch in diesem Stück bricht der Pessimismus des Tichters hervor: er schwelgt in den Schrecknissen der herannahenden Sintflut. Am Schluß °der dritten Szene steht man die Wasser steigen. Menschen in der furchtbaren Strömung versinken und die Arche Noahs auf den Wassern schwimmen. Im Gegensatz znm „Kain" hatte die dramatische Dichtung „Himmel und Erde" nach ihrem Erscheinen einen unbestrittenen Erfolg. Goethe hat dem Wecke vor allen andern ernsten Tichtungen Byrons den Vorzug gegeben. ' l '

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