Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 7 (18.2.1931)
- Date
- 1931-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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11. Jahrgang Nummer 7 WM-liberale Zeitung Beilage IS. Februar 1SZ1 Der Anteil der deutschen liberalen Juden am Wischen Leben in Leipzig Eine Richtigstellung Als sich die jüdische Presse im Jahre 1928 auf die Kölner Presse-Ausstellung „Pressa" vorbereitete, durste eine stattliche Zahl von Führern aller religiösen und politischen Richtungen dem „Israelitischen Familienblatt" in Hamburg aus ehrlicher Ueberzengung Anerkennung dafür zollen, daß dieses jüdische Organ eine erfreuliche Neutralität in allen jüdischen Dingen belvahrt hatte. Das ist leider seither an-ders geworden. Wir »vollen in diesem Augenblicke nur von einer einzelnen Veröffentlichung sprechen, bei der diese Erscheinung zutage getreten ist, von ihr aber umso deutlicher, weil sich hier die Einseitigkeit in einer kaum zu überlreffenden Kraßheit zeigt. In Nr. 6 verösferrtlicht das Israelitische Familicnblatt aus der Feder eines Mitarbeiters, G. Jacoby, unter der großen Ueberschrist „Ein Streifzug durch die deutschen Großgemeinden" eine Darstellung der jüdischen Verhältnisse in Leipzig, die es so hinzustellcn versucht, als würde das gesamte jüdische Leben, wie es sich dem Betrachter gegenwärtig zeigt, lediglich uird ausschließlich von der Orthodoxie und dem aus dem Osten zugewanderten Teile der Gemeinde geschaffen, als hätte sich die jüdische Leistung, der jüdische Wille der „ansässigen Leipziger" Juden darauf beschränkt, im Jahre 1855 eine Äemeindesynagoge einzuiveihen, an der, in Klainmern gesetzt, zur Zeit „der bekannte liberale Führer, Dr. F. Goldmann, uird 'Rabbiner G. Cohn amtieren", und als ob nun dainit überhaupt alles gesagt sei, was von seiten der „ansässigen Leipziger" Juden für die Erhaltung des Gemeindelebens und des jirdischen Daseins in allen Ztveigen in Leipzig geschähe. Es wird der Anschein erweckt, als oha Illcs religiöse Leben erst sich habe entfalten können, seitdem Ephraim Carlebach, der jetzt orthodoxer Gemeinderabbiner ist, seine Tätigkeit hier in Leipzig begonnen habe, und im besonderen^ seitdem er 1911 die „Höhere Israelitische Schule" ins Leben gerufen habe. Als ob alle kulturellen und besonders alle Wohlfahrtseinrichtungeil restlos der Tatkraft und dem jüdischen Willen der aus dem Osten zugetvandcrten Gemeiirdemitglieder und ihrer Opferbcrcitschaft zu verdanken sei. Wir möchten uns im voraus gegen den Verdacht verwahren, «ls bestände bei uns auch nur im letzten Winkel unseres Herzens die Absicht, die Leistungen der Orthodoxie und des ostjndischcn Gemeindeteils irgendtvie herabzusetzen. Jeder unbefangene Betrachter der Leipziger jüdischen Verhältnisse »vird ohne den geringsteir Vorbehalt zugestchen, daß von diesem Gcnreindetcile dauernd und in weitestem Ausmaße bedeutsame, aus dein Gcnreindclebcn nicht hin-- rvcgzudenkcnde Einrichtungen geschaffen toorden sind und unterhalte»» »verden. So soll auch in den folgenden Ausführungen kein geringschätziges Urteil erblickt »verden. Aber bei aller Anerkennung dessen, roas von diesem Teile der Geineirrdc für die Verlebendigung jüdischer geistiger ünd ethischer Werte geleistet »vorden ist und geleistet »vird, darf doch nicht das, was von dem liberalen und deutschen Teile der Gemeinde geschehen ist, mit Stillschweigen Übergänge»» »verden, darf doch nicht der Glaube crlveckt »verden, als hätte sich dieser Teil vom jüdischen Leben völlig losgesagt. So aber geht G. Jacoby in seiner Darstellung der Leipziger jüdischen Verhältnisse in majorem gloriam der Orthodoxie und des ostjüdischen Teils der Gemeinde vor. Dagegen muß in aller Ocffentlichkeit um so energischer Verwahrung eingelegt »verden, eben weil dieses „Israelitische Familienblatt" im Ruse der Neutralität staird und ui weiten Kreisen noch iinmcr steht und dieses falsche Bild der Leipziger Verhältnisse als eine unparteiliche Schilderung Verbreitung finden »vird. Denn nur »venige tvifsen, »ver hinter dem Pseudonym G. Jacoby sich birgt, »vissen, daß dieser jugendliche Mitrcdakteur des Familienblattes, ein Leipziger Kind, nicht ans Unrenirtnis, sondern aus tendenziöser Färbung der Dinge ein Bild gezeichnet hat, das offensichtlich ganz beioußt die Lichter auf der eiiren Seite ganz stark »ufträgt, u»n auf der audcrcir Seite nicht einmal zarte Andeutungen von Licht anzubringen. Aus der Fülle des cntgegenzuhallenden Materials seien hier einige der »vescntlichen Momente hervorgehoben. Die kurze historische Uebcrsicht des umfangreichen Aussatzes, deren kleine Unrichtigkeiten »vir hier übergehen, schließt mit dem Hinweise darauf, daß 1855 die feierliche Weihe der ersten Leipziger Gcmeindesynagoge stattsinden konnte, „dainit aber ist der ganze jugendliche Kraftstrom der Gemeinde der ansässigen Leipziger verpufft. Um Neues zu errichten, den Wirkungskreis auszudehnen, über die Synagoge hinailszngreifeii, dazu fehlt cs an Interesse, Geld und an .. . Mens ch e Hätte der Autor die Festschrift „Aus Geschichte und Leben der Juden in Leipzig", die im „Israelitische»» Familienblatt" in gleicher Einseitigkeit vor kurzein eine sehr eigenartige Besprechung erfahren hat, die aber der Autor jetzt, sowcit cs ihm genehm »oar, ausgiebig benutzt hat, gewissenhafter ausgeschöpft, so hätte er als eine außerordentlich bedeutsame Leisturrg dieser „ansässigen Leipziger" Juden verzeichnen müssen, daß im Jahre 1869, wesentlich durch Leipziger führende liberale Juden propagiert uird vorbereitet, ein israelitischer Gemeindetag abgehalten wurde mit dein Zwecke der Gründung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes; daß diese bis 1918 ungemein wichtige Einrichtung des deutschen Gesamtjudentums viele Jahre in Leipzig ihren Sitz hatte, von Leipziger Persönlichkeiten geleitet wurde und in bett Reihen der „ansässigen Leipziger" Inder» tatkräftige Förderer besessen hat; daß im gleichen Jahre, im engen Zusammenhänge damit, auch die erste jüdische Synode in Leipzig abgehalten wurde, die für das religiöse Lebe»» der deutsche»» Juden außerordentlich wichtige Beratungen gepflogen hat. Alle diese Veranstaltungen von weittragender Bedeutung hätten nicht gerade in Leipzig abgehalten werden können, wenn nicht die Mitglieder der Leipziger Gemeinde begeisterte Hilfe geleistet hätten. Es darf ferner darauf hingeiviesen werden, daß eine Jahrzehnte hindurch außerordentlich wichtige Institution, die „Deutsch-israelitische Darlehnskasse für Frauen «nd Jungfraue n", deren Wirksamkeit sich nicht auf Leipzig beschränkt, sondern über ganz Deutschland ansgewirkt hat, wiederum der Initiative des „jugendlichen Kraftstroms der Gemeinde der ansässigen Leipziger" sein Entstehen uird seine Organisation verdankt hat. Es braucht nicht betont zu werden, daß diese Leipziger Juden auch im Kampfe um die Gleichberechtigung der Juden immer am Platze getvesen smd; daß sic für die Wiederbelebung von Geschichte und Literatur rege Tätigkeit entfaltet haben, als die Bewegung der „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" ins Leben gerufen wurde. Nicht minder tatkräftig haben sich diese „ansässigen Leipziger" Juden in bezug auf Wohlsahrtseinrichtungen bewährt. Schon im Jahre 1840 wurde von ihnen ein Verein „J'schuat Achim" zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studierender zu Leipzig begründet. 1861 trat der Verein „Meudölssohnstiftung" ins Leben, der gleichfalls die Unterstützung von Studierendender Universität und der anderen Hochschulen zum Zwecke hat und noch heute besteht. Noch früher wurde die „Gesellschaft der Freunde" begründet, die neben edler Geselligkeit vorzugsweise Aufgaben auf dem Gebiete der Wohltätigkeit pstegte und ebenfalls, unter Jnnehaltung der alten Zweckbestimmung, heule noch b esteht. Auch der „Israelitische Frauenverein", der seit 1853 heute noch besteht, hatte sich ursprünglich die Hilfe für „Greise, Kranke, auszustattende Bräute, Kinder, Säug.,sage oder Wöchnerinnen" zum Ziele gesetzt uird trotz der »veiten Ausdehnung seines Betäli gungsfcldcs allezeit Bcdeuteirdes geleistet. Wir erwähnen diese wenigen Tatsachen, die, unter Berücksichti gung, daß es sich iir jenen Zeiten uin eine kleine Gemeinde handelte, als vollgültige Beweise reichen jüdischen Willens zu »verten sind, und die im übrigen noch zu vermehren »vären, »tm daran zu zeigen, mit wenig berechtigt die Behauptung ist, daß die „ansässigen Leipziger" Juden es seit der Errichtung der Synagoge an Initiative für das jüdische Leben haben fehlen lasse»». Dazu kommt, daß diese selben „ansässigen Leipziger" Juden — man kann »vohl sagen Jahr für Jahr — Stiftungen zu Wohlsahrtszweckeu begründet haben, die bis zum Ende des Krieges eiiren Gesamtstiftungsbctrag von mehr als 1 Millioir Mark dargcstellt und den verschiedensten Zweigen gemeinnütziger jüdischer Aufgaben gedient haben, darunter mehrere, die, jede für sich, bcu Betrag von 100 OOO Mark überschritten. Danach erübrigt sich die Frage zu stellen, mit »velchcm Recht der Autor den „ansässigen Leipziger" Juden nachsagen zu dürfen glaubt, es fehlte ihnen an Interesse u»rd an Geld, uird schließlich darf auch nicht übersehen »verden, daß die Zahl der ersten „ansässigen Leipziger" Juden sich im Laufe der Zeit (nicht ctiva ausschließlich durch Einbürgerung von aus dein Osten zngeivairderten Juden) auf et»va 3500 Seelen vermehrt hat. Zu diesen mit Tatsachen belegten Beanstandungen der Darstellung tritt nun aber die noch weit ernstere, daß die Darstellung, die G. Jacoby von den Leipziger jüdischen Dingen gibt, Mittclchen der Journalistik anwcndet, um das von den Liberalen Geleistete im Einzelnen nicht unerwähnt zu lassen, aber es iir ein falsches Licht zu rücken, als ob die Einrichtungen der Orthodoxie und dem aus dem Osten zugetvandcrten Teile der Gemeinde zu verdanken seien. Im Mittelpunkt der ganzen Schilderung »vird der Gedanke vertreten, daß erst mit der Begründmrg des Talmud Thora-Vereins (1901) „die ersten Kulturinstitutionen crridjict sind, das Signal zum Gründen gegeben ist", und daß weiterhin erst die Höhere Israelitische Schule, die den orthodoxen Standpunkt einnimmt, das Reservoir für das jüdische Leben Leipzigs bildet. In Beziehung zur Orthodoxie und zur Höheren Israelitischen Schule werden nun säintliche Einrichtungen gebracht. Das gilt besonders kraß für die Jugcirdvereine. Ter Autor geht „durch das Leipziger jüdische Jugendheim und liest an den Türen im Korridor: Jungjüdischcr Klub, Bar kochba, Kameraden, Jungjüdischer Wanderbund, Kadimah, Jngcndbund „Franz Rosenziveig", Zeire Misrachi und findet außerdem Esra, Hechaluz, Jüdischer Jugendbund, Jüdischer Arbciter-Turn- und Sportverein, Jüdische Arbeiterjugend, Indische Arbeiter-Kommune und Agudas jisroel Jugendgruppe. Für sie alle ist das Reservoir die jüdische Schute. . Sollte der Autor »virklich nicht wissen, daß der deutsch-jüdische Wanderbund „Kameraden" »vohl kaum ein einziges Mitglied aus der Reihe der ehemaligen Zöglinge der .Höheren Israelitischen Schule besitzt, daß er sich vielmehr aus Schülern der öffentlichen höheren Lehranstalten zusammcnsetzt und den liberalen Kreisen angehört? Sollte ihm unbekannt sein, daß der Jüdische Jngcndbund „Franz Rosenztveig" sich zum großen Teile aus jugendlichen Angestellten, die außerhalb Leipzigs die Schule besucht haben, und aus Jugendlichen, die aus Leipziger Volksschulen hervorgegangcn sind, zusammcnsetzt? Daß die Mitglieder der Jüdischen Arbeiterjugend, des Jüdischen Arbeiter-Turnvereins und der Jüdischen Arbeiter-Kommune »vohl schwerlich Schüler der Höheren Israelitischen Schule getvesen sein dürften, daß dem Bar kochba zum »vcnigstcn ein sehr erheblicher Teil von Mitgliedern angehört, der aus öffentlichen Volksschulen hervorgegangen ist. — Nicht ganz so kraß, aber für den in die Verhältnisse nicht cingctveihten Leser deutlich genug soll und muß bei den anderen Ztveigen des Verciirslebens der Eindruck hervorgerusen werden, als ob sie alle durchaus voir den» jüdischen Leben der Orthodoxen und ostjüdischen Gemeindeinitgliedcr ihren Ursprung hcrleiten. Jedenfalls wird es geflissentlich vermieden zu betonen, daß der W o h l t ä t i g k e i t s v e r e i»» der Tatkraft von „ansässigen Leipziger" Juden sein Entstehen verdankt. Im Jahre 1897 begründete Alphons Jacobson einen Kinderhort, bald danach eine Speiseanstatt, 1899 ein Altersheim, 1900 das K i »r d e r h o l u n g sheim in Dürren b erg, für »velchc vier ^Einrichtungen der Wohltätigkeitsvcrein Sorge trägt. Dieser Verein »vird fast ausschließlich von „ansässigen Leipziger" Inden geleitet und erhalten, und erst in den letzten Jahren sind zu den langjährigen Förderen! auch einige ostjüdische getreten. Geflissentlich verschwiegen wird, daß die Tatkraft von vorwiegeud liberalen „ansässigen Leipziger" Juden im Jahre 1905 das Kinderheim der Leipzig- Loge geschaffen hat, daß Vortviegend „ansässige Leipziger" Juden 1915 den Israelitischen Kindergarten ins Leben gerufen haben und daß alle die eben genannte»» Einrichtungen im wesentlichen darauf hinziclcn, das Zusammeirtvtrkei» der „ansässigen Leipziger" Juden mit den aus dem Osten zugewandertcn hcrbeizuführen. Wir vermeiden es absichtlich, restlos die Ausrechnung durchzuführen, bei der gegenübergestellt werden soll, was an Einrichtungen seitens der meist liberal gerichteten reichsangchörjgen und von seiten der orthodoxen und ostjüdischen Gcmcindemitglieder geschaffen »vorden ist und geleistet wird. Wir fühlen uns nicht in Verlegenheit, wenn wir eine solche Aufrechnung tatsächlich vornehmen sollten. Wir haben in den vorstehenden Ausführungei» gen»»g der Beweise erbracht. Die Scheidung müssen wir aber vornehmen, »veil uns die Gesamttendenz jener Schilderung der Leipziger Verhältnisse dazu gezwungen hat. Wir müssen uns dagegen verwahren, das Bild der Leipziger Gemeinde so dargestellt zu sehen, als ob der liberale deutsche Teil zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken sei, als ob sein Anteil am Gemcindeleben mit ei»»em Nebensatz, als ob die Tätigkeit der liberalen Gemeinderabbiuec mit einem in Klammer»» gesetzten Hinweise abgetan »verden dürste. Es ist nicht unsere Schuld, wenn diese Einseitigkeit uns dazu nötigt, eine Scheidung zu betonen, die von unserer Seite keineswegs gerne hcrvorgehoben »vird. Wie auch G. Jacoby zum Schlüsse zugcsteht, herrscht gegenwärtig in der Gemeinde durchaus die Tendenz, die bis in die neueste Zeit hinein bestehenden Gegensätzlichkeiten auszugleichen. Der Versuch, die Bedeutung des liberalen deutschen Gemeindetcils herabzusctzcn, muß einem solchen Verständigungswilten Abbruch tun. Dies umso mehr, als gerade die Darlegungen Jacobys über das Verhalten des nichtliberalcn deutschen Gemeindeteils beiveisen, daß die Schuld an den Gegensätzlichkeiten keinestvegs aus Seiten der deutschen Juden zu suchen ist. Will man einer Verständigung dienen, so fördere man vor allein den Gcmeinschaftswillen. Die liberalen deutschen Juden »verden dafür gerne bereit sein, wenn auf der anderer» Seite der Anschluß ausrichtig gewünscht »vird, in der Form, daß, bei aller Verschiedenheit religiöser und politischer Denkuilgsart, das Gemeinsame innerhalb der Gemeinde betont, nicht aber daß nicht genug das Auseinanderreißende der Besonderheit in den Vordergrund gestellt wird. Rabbiner Gustav Cohn, Leipzig. Werbi neue Mitglieder! ü*j Aus den Gemeinden ch Fürstenau. (Persönliches.) Der Vorsitzende hiesiger Gemeinde und ihrer Filialen Freren uird Lengerich, Herr B. Süßkind, beging mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Die Erhaltung des Gottesdienstes und Schaffung des jüdischen Friedhofes sind dem Jubilar zu verdanken, dem zu seinem Ehejubiläum manche Ehrungen bereitet »vurden. Gelseukirchrn. (W a h l e i n s p r u ch.) Bekanntlich »oar gegen die Wahlen zur Repräsentanten-Bersammlung vom 16. November 1930 beim Regierungspräsidenten in Münster Einspruch erhoben »vorden. Inzwischen hat der Herr Regierungs-Präsident als zuständige Instanz diesen Einspruch zurückgeivicsen und die Wahl für gültig erklärt. Wie uns »veiter bekannt geivorden, ist gegen die Entscheidung des Regierungs-Präsidenten erneut Einspruch erhoben. Hadamar. (Jubiläum des jüdischen F r a u e n v e r - eins.) Das vierzigjährige Bestehen des Israelitischen Frauenvereins Ivurde vor» den Beteiligten durch eine schlichte Feier begangen. Lehrer und Kantor- Hartogsohn überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und betonte das segensreiche Wirken des Vereins. Eine gemütliche Zusammenkunft folgte der offiziellen Feier. — Hier hat sich eine Ortsgruppe des R.J.F. gebildet, nachdem Dr. Walter Stern aus Mainz dazu die Anregung gab. Der Vorstand der auch die Frontkämpfer von Frickhofen und Langendernbach umfassenden Ortsgruppe besteht aus den Herren Adolf Neuhaus, Hermann Honi, Emanuel Liebmann, Hadainar, und Roscnthal, Frickhofen. Hofgeismar. (Persönliche s.) Nachdem der bisherige Gemeindcälteste Louis Hcilbrunn für den verstorbenen Herrn S. Rosenbauin zum Krcisvorsteher der jüdische»» Gemei»rdcn des Kreises Hofgeismar ernannt ivurde, ist an feinet: Stelle Herr Hermann Heilbrunn zum Gemeindcältesten bestimmt worden. Krrf. (Persönliches.) Das Vorstandsmitglied der Gemeinde, Herr I. Kahn, beging seinen 70. Geburtstag und »vurde seitens der Gemeinde durch eine Feier und Ueberreichung eiires Geschenks geehrt. Der zweite Vorsitzende, Herr Josef Hayum, beleuchtete die Verdienste des Jubilars, der auch als Vorbeter der Gemeinde »vertvolle Dienste leistete. In einem feierlichen, durch Chorgcsang verschönten Gottesdienst am Sabbatmorgen bekundete die Geincinde ihrem Führer und Vorbeter besonders herzliche Verehrung. Königsberg. (Ans den G e m c i n d e k ö r p e r sch a f t e n.) Ter Vorstand und die Repräsentantcnversammlung der Shnagogengemeinde hielten am Dienstag, dem 10. Februar, eine gemeinsame Sitzung ab. Die Repräsentantenvcrsammlung stiinmte dem Vorschlag des Vorstandes zu, für die Ratswahl zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zum Ratsinitglied das bisherige Mitglied des Rates, der» Gemeindevorsitzenden, Geheimrat Professor Dr. F alle u h c i in, zuin ersten Stellvertreter den stellvertretenden Vorsitzenden der Synagogciigemeinde Königsberg, Kaufmann Sally Joachim, und zum zweiten Stellvertreter Kaufmann F r i e d l a n d (Elbing) (dcir gcschästsführenden Vorsitzenden der Synagogcngcmcinde Elbing), auf die Vorschlagsliste zu setzen. Für den Vorschlag stiininten in der Repräsentanz die Angehörigen sänrtlicher Parteien mit Ausnahme der Repräsentanten der Jüdischen Volkspartei: sie gaben weiße Zettel ab. Sodann erstattete das bisherige ostpreußische Ratsmitglied, Gehcimrat Professor Dr. F a l k e n h e i m, einen eingehenden Bericht über die letzte Sitzung des Rats in der abgelauscnen Legislaturperiode. Der Rcpräscntantenvorstcher, Waisenhausdirektor P er iß, sprach Geheimrat Falkenheim den Dank der Versammlung für die im Interesse der ostprcußischen Gerneinden geleistete Tätigkeit im. Rat aus. Es entspann sich sodann eine Debatte über die Austritte einiger großer Steuerzahler aus der Gemeinde. Die Versammlung stiinrnte den Verträgen mit Kultusbeamten in der von» Vorstand vvrgeschlagencn Form zu. Darauf machte der Rcpräscntantenvorsteher geschäftliche Mitteilungen. Seitens der Kantloge ist ein Arbeitsnachweis eingerichtet »vorden, der als allgemein-jüdische Arbcits- Hilfe für die gesamte Gemeinde Königsberg gedacht ist. Dieser Arbcilsnachtvcis soll auch mit Berufsberatung und Wirtschaftshilfe verbunden sein. Den Antrag der Beamtenschaft der Gemeinde auf Wiedereinführung der Wirtschastsbcihilfe für rituelle Beköstigung in .Höhe der früheren Bezüge wurde dem Vorstand zur wohlivolleudeu Berücksichtigung überwiesen. In den Wohlfahrtsausschuß Ivurde neben dem Vorstandsmitglied Hans Hcrrmann die Repräsentantin Frau Winter hincingcwählt. Königsberg. (SO. Geburtstag Siegfried AlexaII ' d e r.) Der Kaufmann Siegfried A l e x a n d e r, der Scniorches der bcdcnicndeu Königsberger Firma Alexairder & Echternach, konnte kürzlich seinen 80. Geburtstag unter allgemeiner Teilnahme feiern. Siegfried Alexander hat nicht nur seine Firma zu großem Ansehen gebracht, sondern fyat jederzeit auch am Wohle der Allgemeinheit tcilgeiroMinen. So wirkte er mehr als ein Jahrzehnt in der Königsberger Stadtverordnetenversammlung, und die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen »vissen ihm Dank für seine stets hingebungsvolle Tätigkeit. An seinem Jubeltage ließ Siegfried Alexander zweihundert der ärmsten Leute Königsbergs durch die Heilsarmee speisen. Auch »vurden diese durch Lieder des Gesangchors u»»d durch Konzertstücke der Kapelle der .Heilsarmee erfreut. Dein Jubilar ginge»» eine große Reihe von Ehrungen zu, so insbesondere auch hurch die Handels- und Jndustriekammcr zu Königsberg uird den Königsberger Einzclhandelsverband Ostpreußen. .Rinteln. (Neuer G e me i »r d e ä l t e st e r.) In der Leitmrg der hiesigen Synagogengemeinde ist insofern ein Wechsel eingetreten, als Herr Georg Loeb für den ausgeschiedencn Herrn Albert Blank zum Vorsteher der Gemeinde gewählt wurde. Soest. (Todesfall.) Die älteste Bürgerin der Stadt, Frau Amalie Stern, starb im Alter von 93 Jahren und »vurde von einem außergcivöhnlich stattlichen Traucrgesolge zu Grabe geleitet. Bis iir ihre letzten Lebcnstagc erfreute sich die Greisin einer seltene»» körperlichen und geistigen Frische. Lehrer Katzenstcin hielt eine tiescmpsundenei Gedächtnisrede, die auf die Trauervcrsammlung nachhaltigen Eindruck machte. Stuttgart. (Plenarsitzung des Israelitischen Borstehcramtcs.) Am 8. Februar fand eine öffentliche Sitzung des Israelitischen Vorsteheramtes statt. Zur Beratung stand als erster Punkt Gehaltskürzungen. Die Israelitische Gemeinde nimmt auch bei ihren Beamten und Angestellten Kürzungen der Gehälter und Zulagen vor, und zwar in Höhe von 6 o/0 bezw. 3 o/0 hei Gehältern unter 3600 Mk. Diese Kürzungen beziehen sich auch auf die Gehälter des Synagogenchors. Der stellvertretende Gemeindepfleger Dr. Martin Cohn wurde für den am 31. März d. I. in den Ruhestand tretenden Gemeiirdepflcger auf 5 Jahre zum Gemeindepsleger gewählt. Die Fürsorgerin Frl. Weizseldcr »vurde mit Wirkung vom 30. 6. 1930 mit sechswöchentlicher Kündigung bei der Gemeinde angestcllt. Diejenige» Gcmeindeangestellten und Beamten, die zur Zahlung der Arbeitsloseuversicheruug verpflicht sind, jedoch durch die Höhe ihres Gehaltes auch einen sechsprozcntigen Abzug erleiden müssen, sollen insofern etwas durch die Gemeinde entschädigt werden, als die Gemeind« sich bereit erklärt, das »vcitere 1 o/o Erhöhung bei der Versicherung auf sich zu nehmen. Da bei zwei BeanAen die Gehaltszulagen eine besondere Vereinbarung hatten, wurde deren Beschwerde »vegen Gehaltskürzung dem Israelitischen Oberrat übergeben. Rabbiner Dr. Auerbach ist neben kirchlichen Funktionen zu einer größeren Anzahl Schulstunden verpflichtet. Da oft Schuldienst und Friedhossdienst zeitlich kollidieren, soll der Israelitische Oberrat ersucht »verden, eine Regelung zu treffen, durch die beiden Funktione»» gebührend Rechnung getragen