Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 7 (18.2.1931)
- Date
- 1931-02-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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erstmalig) für alle gleich um 10*/a Uhr ftattfiubcnb, verzcich.- | net sehen. Ich bemerke jedoch, daß hier in Gelsentnchen auf Veranlassung des R.J.F. auch bereits in früheren Jahren am Sonntag Gottesdienst war und zu dem wir unsere Kameraden mit best ein Erfolg eingeladen h atten. Tie Zweckmäßigkeit muß allen Gemeindenorständen und Rabbinern einleuchten. Dieser Sonntag-Gottesdienst zu Ehren unserer im Kriege Gefallenen, der eine Tauer von 40 Minuten nicht zu übersteigen braucht, dient, öffentlich bekannt gegeben, nicht nur unseren Interessen nach äußere sondern auch «ns selbst im Innern. Jeder, gleich welcher religiösen Anschauung, sann ihn fördern; der liberale Jude aber, ganz besonders, wenn er Frontkämpfer gewesen ist, muß diesen Gottesdienst einmal in jedem Jahre an eine^ Sonntag fordern. Hochachtungsvoll Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten e. V. Ortsgruppe Gelsenkrrchen. Leo Gompertz, 1. Vorsitzender. * Schlemihl Ob nicht das Wort Schlemihl eine Verjiddisckmng ist aus: Samuel, Schmuhl, Schlemühl, Schlemiel, wobei sich im Lause der Zeit das aus Spruchbeguemlichkeit eingeschlichen hat. Wer freilich dieser Unglücksmensch gewesen ist, wird dadurch nicht klarer. Aus der Bewe Liberale Peffach-Hagada. Die Liberale Synagoge Norden zu Berlin hat eine moderne Hagada für die Sederabcicde herausgegeben, die von Hermann Falkenberg bearbeitet worden ist. Diese Hagada ist allen beiicu gewidmet, welche die Erinnerung an die Weibe des Scderabends im Herzen bewahrt haben, zu denen aber die herkömnrliche Form nicht mehr spricht, oder die nicht mehr imstande sind, dm Sederabrnd ihrer Jugend in den eigenen Kindern zu erwecken. Sie wendet sich ferner an diejenigen, denen der Sederabend bisher fremd geblieben ist, damit er auch ihnen vertraut uird lieb werde. Wir verweisen auf das Inserat in dieser Nuiirmer. Berlin-Wilmersdorf. Liberaler Verein für die Angelcgenheilen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V„ Bczirksgruppe Wilmersdorf. In der vorigen Nummer ist bei Bekanntgabe des neugewählten Vorstandes der Bezirksgruppe Wilmersdorf versehentlich Frl. Else Aronsohn als Beisitzerin nicht aufzeführt worden. Berlin. Einen Werbe und Geselligkeitsabend, der in jeder Beziehung als gut gelungen bezeichnet werden kann, veranstaltete die BezirkSgruppe Süden (46. Stimmbezirk) des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischetr Gemeinde zu Berlin E. B. am Montag, dem 8. Februar, in Klein's Festsälen, Blücherstraße 61. Der Redakteur Alexander Szauto leitete die Veranstaltung mit einem Ueberblick über die gemeindepolitischen Ereignisse seit den Wahlen am 30. November und über den gegenwärtigen Stand der liberalen Bewegung ein. Sodann hielt Herr Dr. Manfred Swarsensky ein Referat über das Thema: „Die Bedeutung der Religion für die Erziehung". Seine von tiefstem sittlichen Ernst getragenen Ausführungen fanden lebhaften Beifall und führten zu einer angeregten Aussprache, an der sich Herr Tr. Wallenstein, Herr Friedländcr, Herr Dr. Friedrichs und als Vertreter der Jugendlichen Herr Fritz Wolffsky 14. a. beteiligten. Das Problem der Psychologie der Kinder und Jugendlichen des Religionsunterrichtes, der Persönlichkeitsbildung in Schule und Elternhaus wurden eingehend besprochen. Einen besonders stimmungsvollen Charakter erhielt der Abend durch die musikalischen Darbietnngen von Dr. Fritz Salomvnski, der, am Klavier begleitet von Frau Lili Goetz in bunter Reihe ernste und heitere Gesänge zum Bortrag brachte. Der Erfolg der Veranstaltung, die die Teilnehmer im zwanglosen Zusammensein noch lange bis nach Mitternacht vereinigte, zeigte sich in einer großen Anzahl von Neueintritten in den Liberalen Verein. Berlin. Am Donnerstag, dein 12. Februar, wurde die Bezirksgruppc Friedenau-Steglitz des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. neu gegründet. In den Vorstand wurden gewählt: als Vorsitzender Lehrer Siegfried Sander, Siegmünd Bereliovitz, Hermann Bukoszer, Max Gusdorf, Frau Rose Hoffmann, Frau Kallmann und Rabbiner Dr. Max Winter. Daran anschließend hielt der Repräsentant der Jüdischen Gemeinde, .Herr Wilhelm Marcus, einen Vortrag über das Thema „Nach den Neuwahlen". An den außerordentlich interessanter» Bor- Versammlungstalender Augsburg. Dienstag, 24. Februar 1931, abends 20.15 <6.15) Uhr, im Trausaal der Augsburger Synagoge: Rabbiner Dr. Caesar Seligmaun (Frankfurt a. M.): „Die Zulnuft des Judentums". (Gemeinsame Veranstaltung der Ortsgruppe Augsburg der „Bereinigung für das liberale Judentum" und des Israelitischen Frauenvereins Augsburg.) Verliu-Nvrdosten. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Norden. Montag, den 23.. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, Metzer Straß« 1 (Wohljahrtsamt Prenzlauer Berg) Mitgliederversammlung. Rach einem Bericht des Vorstandes «nd Neuwahl des Vorstandes dr, Bezirlsgruppe wird Herr Landgrrfchtsrat Dr. Arthur Lilienthal einen Bortrag halten über „Dir Auf? gaben des Liberalismus nach dem Wahlsieg". Freie Aussprache. Alle Mitglieder des Liberalen Brrrins auch anderer Bezirksgruppen sowie durch Mitglieder eingesührtr Gäste sind herzlich geladen. — Unsere Mitglieder bitten wir um regen Besuch und um Einführung von Freunden unserer Sache. Dortmund. Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum. Donners? tag, den 19. Februar 1931, 20.30 Uhr, im Gemeindehause, Märkische Straße 11. Die von uns ausgearbciteten Richtlinien liberaler Gemeindepolitik sotten unter Beachtung Dortminder Verhältnisse besprochen werden, den religiösen Teil hat Herr Rabbiner Dr. Appel, den sozialen Teil Herr Richard Flörsheim und den verwaltungstechnischen Teil Herr Albert Heinemann übernommen. Zu reger Aussprache wird Gelegenheit sein. Versäumen Sie nicht den Besuch der Bvriräge, denen weitere Veranstaltungen nach Ihrem Wunsche folgen sollten. Der Borstand. r";.......s'"j r * r Gottesdienste r *} Beellir-vsten. Liberair Synagoge Osten, Anla Mädchenschule ttaiserstraße 30. Freitag, den 20. Februar, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Mein. Beriin-Norde«. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Atter 182. Freitag, den 20. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Kestend. Literale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8, Aula. Freitag, den 20. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarfenski. ’ Berlin. Jüdische Resvrm-Semelnd«. Gottesdienste am Sonntag, dem 22. Februar. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr: Predigt: Dr. Jelski. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr: Gottesdienst der Jugend. Ansprache Ludwig Herrmann. trag, in dem auch auf die Wahlproteste eingegangen wurde, schloß sich eine rege Debatte, die die Anwesenden noch lange znsammeuhielt. Berlin. Die Bczirksgruppe Neukölln des Liberalen Vereins veranstaltete am Montag, dem 9. Februar, im Restaurant Kottbuser Klause, Kottbuser Damm 90, unter dem Vorsitz von Herrn Dr. Reinsberg eine Versammlung in einem internen Kreise, um eine Aussprache hcrbeizuführen, auf tvelchem Wege die Bezirksgruppe Neukölln crtveitert und vergrößert werden könnte. Herr Landgcrichtsrat Dr. Arthur Lilienthal hatte sich in liebenswürdiger Weise zu einem Vortrag über wichtige Zukunftsfragcn der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt und gab einen objektiven und ausführlichen Bericht über den heutigen Stand der liberalen Sache. Welch großes Interesse der Bortrag hervorgerufen hatte, zeigte die überaus angeregte Diskussion, die manche beachtenswerte Anregung brachte. Der Erfolg des Abends zeigte sich darin, daß einige Mitglieder neu gewonnen wurden. Fraulfurt a. M. (Liberale Aufbauarbeit.- Ueber dieses Thema veranstaltete der Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben in Frankfurt a. M. am 29. Januar 1931 im Empfangssaal der Westcndsynagoge einen Ausspracheabend, der eine lebhafte Beteiligung aufwies. Herr Rabbiner Dr. Arnold Lazarus umriß im einleitenden Referat in tief durchdachter und klar kennzeichnender Darstellung die Grundlagen, auf denen heute jüdische Arbeit aufzubauerr ist: wir leben in einer Zeit, in der der religiöse Gctdankc von Politik und Wirtschaft in den Hintergrund gedrängt ist, in der der gesellschaftliche Grundstein der Religionsgemeinschaft, die Familie, ins Wanken geraten ist. Wir leben in einer Großgemeinde, deren Mitglieder für den Einzelnen unübersehbar geworden sind, im westeuropäischen Judentum, das im Gegensatz zu dem des Ostens im Wesentlichen Jdeengemeinschaft, nicht Lebensgemeinschaft ist. Innerhalb dieser Gemeinschaft zeigt sich zweierlei: Der Gedanke ein»r Bolksgemeindr wird von ihrer Niehrheit entschieden abgclehnt, wie das Berliner Wahlresultat zeigte — der Charakter als Religions-- gemeinde ist ihre Wesensgrundlage. Innerhalb der religiösen Richtungen ist der liberale Anteil in stetigem Anwachsen. Diese Lage verpflichtet den Liberalismus zu jüdischer Aktivierung. Das.Judentum ist Gemcinschaftsrcligiou und wendet sich Zugleich an das Individuum, in seinen Gotteshäusern findet man sich zusammen zum Gebet und zum Lernen. Wir haben erreicht, daß heute fast 100 .Prozent aller jüdischen Schüler unserer Gemeinde am jüdischen Religionsunterricht teilnehmen, aber nur ein Teil von ihnen tritt in *bic jüdischen Jugendgemeinschaften ein und ein noch kleinerer Teil von diesen nimmt später am jüdischen Gemeindeleben teil. Die Zahl von diesen zu vervielfachen ist die Aufgabe, an der zu arbeiten wir uns zum Ziel setzen. Wie diese Arbeit auszusehen hat, das war der Inhalt einer äußerst fruchtbaren Diskussion Unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn San.-Rat Dr. Albert Ettlinger, an der sich die Herren Bluth, Artur Astheimer, Dr. Hugo .Hoffmann, Erwin Bacr, Rabbiner Dr. Scligmann, Alex Jakobsohn, Zahnarzt Dr. Alfred Strauß, Dr. Joses Scherer und R.-A. Dr. Richard Merzbach beieiligten. Die Versammlung wählte eine kleine Kommission, hie die Auswertung der reichen Anregungen in Angriff nehmen soll. Sie soll ihre Aufgabe möglichst schnell vornehmen, so bei dem großen Interesse, das die angeschnittenen Einzclfragen erweckten, die Versammlung lvünschte, recht bald wieder zusammen zu kommen, um im Plenum die Arbeit fortzusetzen. Bor Beginn der Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in zu .Herzen gehenden Worten des 70. Geburtstages von Herrn Rabbiner Dr. Seligmaun. Die Versammlung bereitete diesem ihrem Führer in liberaler jüdischer Aufbauarbeit eine Ovation, der er, sichtlich gerührt, dankte. Vereinsnachrichten Frauengruppen des Central-Bereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V., Landesverband Groß-Berlin. Literarischer Abendkursus von Frau Johanna Mchcr. Frau Meyer »vird literarische Dokumente deutsch-jüdischer Weltanschauung in ihren Borträgen behandeln und ausgewählte Stellen rezilieren. Die Vorträge dienen der Vertiefung des C. V.-Gedankens. Die Teilnahme ist kostenlos. Vortragsabende: für die westlichen Gruppen Synagoge Prinzregentenstraße: Montag, 9., 23. Februar, 2„ 9.., 16. März 1931, für die östlichen Gruppen Gemeindehaus Rosenstraße: Montag, 23., 30. März, 13„ 27. April 1931. Themen: 1. Der Jude im Lichte nichtjüdischer Dichter. 2. Die Gestalten des Alten Testaments in der deutschen Literatur. 3. Vom literarischen Schassen der deutsch-jüdischen Frau. 1. Deutsch-jüdische Hclden in Epik und Drama. 5. Unser Kampf ums Recht im modernen Schrifttum. Die Zusendung der Einlaßkarten erfolgt nach Anmeldung bei Frau Margarete Fried, Leiterin der C. B.-Frauenarbeit, Berlin W. 15, Emser Straße 42 (Oliva 5074-76). In Verfolg eines Abkommens über Gastvorlesungen zwischen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und der theologischen Fakultät der Universität Gießen wird Herr Professor Dr. Bertram am 23. und 24. Februar an der Hochschule eine Gastvorlesung über „Die Probleme der Religionsgeschichte der Zeit der Entstehung des Christentums" halten. Der Akademische Verein für jüdische Geschichte u«d Literatur veranstaltet anläßlich seines 48. Stiftungsfestes am Dienstag, dem 24. Februar 1931, 21 Uhr, im großen Saal des Logenhauses, Joachimsthaler Straße 13, einen Festkommers mit Damen (Mimik). Schule der Jüdischen Jugeud, Geschäftsstelle: N. 24, Oranienburger Straße 29, D. 2 Weidcndamm 6921. Rabbiner Dr. L. Baeck spricht im Zyklus „Das jüdische Kulturerbe" über Kabbalah (Wissen um Verborgenes) am Dienstag, dem 17. Februar, abends 8 Uhr, in der Aula der Mädchenschule Auguststraße 11-13. Reichsbund jüdischer Frontsoldateu, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Nord. Montag, den 23. Februar 1931, abends 8 Uhr, spricht in den Festsälen Hackescher Hof, Rosenthaler Straße 40-41, Herr 'Polizeimajor Heinrich über: „Der Nationalsozialismus und seine Bekämpfung". Gäste willkommen! Gesellschaft zur Förderuug der Wissenschaft des Judentums, E. B. Mitgliederversammlung Mittwoch, den 25. Februar d. I., 20 Uhr pünktlich, im Logenhaus, Berlin W. 62, Kleiststraße 10. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung wird Herr Dozent Dr. Harry TorczynerBerlin über das Thema: „Die Bibel und die Literaturen des alten Orients" sprechen. Die Berufsberatuug der Jüdischen Gemeinde, Auguststraße 17 (Weidcndamm 5936, Sprechstunde: Für Mädchen: Moniag und Donnerstag 10—1 Uhr, für Knaben: Dienstag und Freitag 10—1 Uhr, für Schüler: Montag, Dienstag, Mittwoch i/24—5 Uhr, Fasanenstraße: Donnerstag 3—6 Uhr) veranstaltete am Montag, dem 16. Februar 1931, abends 8 Uhr, in der Mädchenschule, Auguststraße 11-13, einen Schülerabend, in dem die Fragen der Berufswahl und der einzelnen Berufe besprochen wurden. Für Mädchen findet ein gleicher Abend am Donnerstag, dem 19. Februar 1931, abends 8 Uhr, ebenfalls in der Mädchenschule, Augustftraßc 11-13, statt. Alle Schüler, die in absehbarer Zeit die Schule verlassen, sind herzlich eingeladen. wvlltem Antrieb sein phantastischer Geist das ausbleibmde Wunder erzwingt oder da sieht, wo die wägende Vernunft es nicht erkennen würde, ist mit meisterhafter, psychologischer Feinfühlig seit vom Dichter begriffen und unmerklich gedeutet. Aus eben diesem Konglomerat erhoffter, herbeigezogencr, gezwungener, verwirrter und wnnderhast gesehener Tatbestände taumelt ein großer Teil der damaligen jüdischen Welt aus seinem Warten auf und sieht das Judenproblem gelöst im palästinaweisenden Sabbatai Zewi. Die Tragik des falschen Propheten ist so gewiß wie die heraufdämmernde Tragik der arg getäuschten Massen. Der alle politische Wirklichkeit verkennende Zionstaumel von Führer und Geführten steht am Ende vor der erneuten Forderung, auf dem Platz, aus dem Israel jeweilig gestellt ist, seine' Ausgabe an sich und an der Menschheit zu erfüllen. Nichts als eine moste mische Sekte, die mit dem Judentum nur noch Len Abschaum fantastischer Mystik gemeinsam hat, ist der Rest der großen Gemütsverwirrung, die Sabbatais Weg, Revolution des Weltganzen zu Gott, erträumt hat. Schicksalhaft war allein die Erweckung zur neuen Erkenntnis der Wirklichkeit. Ob diese Erweckung anhaltend genug war, ob Israel erneut wieder durch den Nebel suggestiver Judenproblemsentwirrungen hindurch muß, bis es ganz zur Erkenntnis gereift ist: „Der Ort auf dem Du stehst, ist heiliger Boden" — —? Kasteins Buch muß Fantasten bedenklich machen! Das Gewissen Frei nach Victor Hugo. Von Max Hayek. Ms Kain, sturmzerzrust, bleich, wirrhaarig, mit seinen Kindern in Tierfellen vor Jehova stoh, kam der finstere Mann gegen Abend zum Fuß eines Berges, der sich m einer großen Ebene erhvb. Kains wegmüdes Weib unb' die Söhne des Mörders, die außer Mein waren, sagten zu Kain: „Komin, legen wir «ns hin! Schlafen wir!" Und sie legten sich hin und schliefen. \ Mer Kain schlief nicht. Er lag sinnend am Fnß-edes Berges. i Als er den Kops hob, gewahrte er ganz hinten am nächtlichen Horizont, im Dunkel, ein weit offenes Auge, dessen Blick aus dem Schatten hervor M aus ihn ge-, heftet war. „Ich bin zu nahe!" stöhnte Kain. „Ich bin zn nahe!" Und Zittern befiel ihn. Tann erhob er sich, weckte seine schlummernden Söhne, sein wegmüdes Weib und floh, floh weiter, floh in die Unendlichkeit. Er wanderte dreißig Tage und dreißig Nächte. Stumm und bleich schritt er dahin und jedes Geräusch ließ ihn erheben. Er schritt rastlos, ruchlos, schlaflos. Er schritt wie einer, der etwas verbergen muß, wie einer, der Furcht hat,! um sich zn blicken. In dem Laube, das Assur hieß, erreichte er endlich das Ufer des Meeres. „Mir wollen vier haltmachen!" sagte er. „Diese Zustucht ist sicher. Wir wollen hier bleiben. Wir sind an die Grenze der Welt gekommen." Aber als er sich niederließ> sah er am bleigrauen Himmel das Auge, das er schon kannte, das Auge, das ihn anstarrte. Weit hinten am Horizont war es zu sehen. Und Kain erzitterte wieder. Grauen befiel ihn. „Verbergt mich!" schrie er. „Verbergt mich!" Und die Söhne Kains sahen den rauhen Vater zittern. Zu Jabal, dem Vater derer, die in tiefster Wüste in Zelten aus Häuten wohnen, zn Jabal sprach Kain: „Richte das Matt deines Zeltes gegen diese Seite!" Und Jabal richtete die flatternde Mauer gegen diese Seite. Und als man sie mit bleiernen Stücken befestigt hatte, sagte Zilla, die.Monde, die schön «war wie die Morgenröte: „Nun siehst du nichts mehr, Vater!" Aber Kain antworte in düsterer Verzweiflung: „Ich sehe dieS Auge noch immer! Ich sehe eS noch immer!" Jubal, der Vater derer, die durch Städte ziehen, Hörner blasen und Trommeln rühren, Jnbal n'ef: „Ich könnte dir eine Mauer anfrichten, hoch und undurchschaubar!" Und Kain sprach: „Tue es!" Und Jubal baute eine Mauer aus Bronze, hoch und undurchschaubar. Und Kain verbarg sich hinter dieser Mauer. Und das Auge sah ihn an, das Auge, vor dessen Blick er fliehen wollte. Und Enoch sagte: „Wir müssen eine Stadt mit Türmen bauen, eine Feste, so schrecklich, daß keiner wagen soll, sich ihr zu nähern!" Und Tubalkcnn, der Vater der Schmiede, baute eine Stadt, ungeheuerlich, übermenschlich. Während er baute, jagten seine Brüder die Söhne den Enos und die Söhne des Seth aus der Ebene. Kam ein Mensch vorbei, stachen sie ilpn die Augen ans. Wurde es Abend, schoflen sie Pfeile gegen die Sterne. Mauern aus Granit standen nun, wo früher Zelte aus Häuten gestandenhatten. Ein Band von Erz schmiedete Stein an Stein. Tie Stadt glich einer Stadt der Hölle. Die Schatten der Türme senkten Nacht über das Land: Die Mauern machten sie ftorf tote bie Berge. Und auf dem Tore der Stadt war zu lesen: Gott dar;' nicht in diese Stadt! Und als die Stadt nun erbaut war und ihre Mauern als unzugängliche Zuflucht Kain und seine Söhne unrschlossen, brachten sie den Mann, der Abel erschlagen hatte, in die Mitte der Stadt in einen Turm aus Granit. Und Kain blreb finster und scheu. Und Zilla, die Monde, die schön war w'e die Morgenröte, Zilla fragte in Angst: „O mein Vater — das Auge — ist es noch da?" Und Kain antwortete der Tochter: „Unter der Erde will ich wohnen, Tochter, wie ein einsamer Mann in seinem Grabe wohnt. Sieht mein Auge nicht mehr, dann sehe ich kein Auge mehr!" Und sie gruben ein geräumiges Grabgewölbe! und Kam sprach: „Es ist guk!" Dann stieg er hinab in das nachtdnnAe Gewölbe. Doch als er nun unten auf dem Stuhle saß und daS Gewölbe über ihm geschlossen wurde — siehe, ba war das Auge vor ihm/ das große, weit offene Auge — und blickte ihn an. Fest, nicht abzuweisen.