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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-02-18 · 7 (18.2.1931) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
7 (18.2.1931)
Date
1931-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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nchllassuiig cim'v öu’ji'r Puiilic uiäiv schcküUcti fiu bic '.Hufftdltmfl von Richliinicn cinor flfn'djtcn uiib stabilen Politik. Die Regierung beadsicinigt, so schnell wie möglich eine Unlcrsuchung anzuftelle», um nnier anderem seftzustelleu, welche Staats- und anderen Ländereien für geschlossene Ansicdlmrg von Juden unter Berücksichtigung der Verpflichtung, die gemäß Artikel t> des Mandats dem Mandatar obliegt, verfügbar sind oder verfügbar gemacht »verden können. Diese Untersuchung loird umfassend sein und sich über alle Landrcserven Palästinas erstrecken. Bei der Durchführnug der Untersuchung tvird vorgesehen werden, das; alle Interessenten, ob Juden oder Araber, die Möglichkeit baden, die von ihnen gewünschten Vorstellungen zu machen . .. Ferner enthielt die Erklärung über die Politik der Regierung kein Verbot der Erwerbung von weiteren Ländereien durch Juden. Weder enthält sie eine solche Behinderung, noch ist eine solche beabi sichtigt. Was in Aussicht genommen tvird, ist solche zeitweilige Kontrolle von Landdispositioncn und Uebcrtragungcn, wie sic not' wendig ist, um die Harmonie und Wirksamkeit des in Aussicht genommenen Plans für die Landansiedlung (Landsettlement) vor Störung zu schützen. Die Regierung fühlt sich verpflichtet, hervor zuhebcn, daß sie als einzige von allen Regierungen, die seit der Uebcrnahme des Mandats für dessen Verwaltung verantivortlich waren, ihre definitive Absicht, eine aktive Enttvicklungspotitik einzuleiten, bekundet hat, von der sie glaubt, daß damit sowohl Inder/ wie Araber greifbarer und dauernder Nutzen ertvachsen lvird. .. . Die Absicht der Regierung scheint so dargestellt worden zu sein, als besage sie, das; „keine fernere Einwanderung von Judcit zuge lassen werden darf, solange als sie irgendeinen Araber daran verhindert, Beschäftigung zu finden". Tie Regierung hat niemals beabsichtigt, eine solche Politik zu verfolgen. Es lag der Regierung daran, zu erklären, daß bei der Regulierung der jüdischen Einwanderung die folgenden Grundsätze Anwendung finden müssen, nämlich: „Es ist wesentlich, Sicherheiten zu schassen, daß die Eintvauderer der palästinensischen Bevölkerung als einer Gesanuhei; nicht zur Last fallen und daß sic nicht irgend einen Teil der gcgentvärilgcn Bevölkerung seiner Beschästigung berauben." (Weis; buch 1922.) Auf der einen Seile muß die Regierung ihrer Beipflichtung eingedenk sein, die jüdische Einwanderung unter äuge mksseucn Bedingungen zu fördern und eine geschlossene AniiedluniZ von Juden auf dem Lande zu erleichtern, aus der anderen Seile hat sie gleichfalls ihrer Pflicht eingedenk zu sei», Sicherheiten zu schaffen, daß den Rechten und der Stellung der nichtjüdischen Gemeinschaften kein Schaden zngcsügt tvird. Wegen dieses anscheinenden .stonfliktes der Pflichten hat die Regierung sich gezwungen gesehen, die Not Wendigkeit der sorgsamen Anwendung des Prinzips der Ausnahme-- j fähsgkeit zu betonen. Dieses Prinzip ist von vitaler Bedeutung für - jeden Platt der Laiidentivicklung, dessen hauptsächlicher jchveä die j Ansiedlung von Juden und dislozierlen Arabern ans dem Lande! sein must. Aus diesem Grunde hat die Regierung daraus bestanden j und ist verpflichtet, darauf zu bestehen, das; die Eintvanderungs bestimmungen der Regierung ordnungsmäßig angetveudel werden müssen. Die Erwägungen in Bezug aus die Grenzen der Ausnahmefähigkeit des Landes dürfen nur von rein ökonomischen Gesichts' punkten aus ausgestellt rverden. Die Regierung hat irgendtvelche Unterbrechung oder Vertzindcrung jüdischer Eintvauderer in irgeird einer der Kategorien wcder vorgcschrieben noch beabsichtigt. Die Praxis der Bestätigung einer Arbeiter Einwanderungsliste (Ladvur Schcdnle) für einlvaiidcrnde Lohnempfänger tvird fortgesetzt werden. In jedem einzelnen Fall werden Arbeiter-Anforderungen berücksichtigt rverden für solche Arbeiten, die von jüdischem oder hauptsächlich jüdischem Kapital abhängig sind und die nicht vorhanden wären oder nicht unternommen worden wären, tvenn nicht jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen würden. Mil Bezug auf die öffentlichen und städtischen Arbeiten, die ans öffentlichen ..Fonds finauziert rverden, ist der Anspruch jüdischer Arbeiter aus einen gehörigen Anteil an der vorhandenen Arbeitsgelegenheit in Betracht zu ziehen, tvobei man die jüdischen I Beiträge zu den öffentlichen Einnahmen in Rechnung zu setzen hat. Was andere Arte» der Beschäftigung betrifft, tvird cs notwendig sein, in jedem Fall die Faktoren zu berücksichtigen, die der Nachfrage nach Arbeitskräften zugrundeliegen, einschließlich des Faktors der Arbeitslosigkeit unter Juden und Arabern. Einwanderer mit Aussicht auf Beschästigung (außer Beschäftigungen von nur ganz vorübergehendem Charakter) dürfen nicht ausgeschlossen »verden, nur aus dem Grunde, weil ihre Beschästigung auf unbeschränkte Zeit nicht garantiert werden kann." Alle diese Regelungen dürften allerdings für die nächste Zukunft kaum von Bedeutung sein. Tenn seit Monaten schon befindet sich die zionistische Organisation in einer Finanzkrise, durch die auch nur die Ausschöpfung des im bisherigen Rahmen möglichen völlig unnröglich ist. Und für die ferne re Zukunft wird die Entscheidung von der L ösung einer Frage abhängen, die in dem jetzigen Briefe M a c d o n a l d s überhaupt nicht berührt wird, nämlich der Einrichtung eines palästinensischen Parlaments. Tie Entscheidung der Zukunft wird dann vielleicht nicht' mchr durch englische Regicrungsdekrete, sondern durch den Willen der Landesöe- Völkern-» g und das panarabische Interesse falten. B. W. Verdammung des Nationalsozialismus durch die bayerischen Bischöfe Die Verordnungsblätter der acht bayerischen Diözesen veröffentlichen Zeinen längeren Artikel, in dem es u. a. heißt: Der Nationalsozialismus enthält in seinem kulturgeschichtlichen Programm eine Irrlehre, weil er darin tvesentliche Lchrpuni'te des katholischen Glaubens ablehnt oder schief ausfaßt, und weil er nach Erklärung seiner Führer eine neue Weltanschauung anstelle des christlichen Glaubens setzen will. Führende Vertreter des Nationalsozialismus stellen die Rasse höher als die Religion. Sie lehnen die Offenbarungen des Alten Testaments und sogar die mosaischen Zehn Gebote ab. Sie lassen den Primat des Papstes nicht gelten und spielen mit dem Gedanken einer dogmenlosen deutschen Nationalkirche. Was der Nationalsozialismus Christentnrn nennt, ist nicht mehr Christentum Christi. Ten katholischer, Geistlichen ist streng verboten, an der nationalsozialistischen Bewegung in irgendeiner Weise mitzuarbeiten. Tie Teilnahme * von Nationalsozialisten an gottesdienstlichen Veranstaltungen in geschlossener! Kolonnen in Uniform ist und bleibt verboten. Kultusminister Grimme gegen Schaffung eines rassischen Studentenrechts Kultusminister Tr. Grimme erklärte im Hansbaltsausschust des Preußischen Landtages zu der von beutschnationaler Seite gestellterr Forderung, wieder ein Studerücnrecht zu schassen, daß es an sich begrüßenswert wäre, die Studentenstimst der einzelnen Hochschulen wieder in einer auf Wahlen beruhenden Vertretung zusainruenzusassen. Selbstverständliche Voraussetzung sei aber die Zugrundelegung des staatsbürgerlicbeu nr'.d uicln erwa Sie des rassischen oder 'völkischen Prinzips. Bandes-Hauptversammlung des R.j.F. in Berlin Am 15. Februar 1031 fand in Berlin die diesjährige Bundeshauptversammlimg des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten E. B. statt. Die Versammlung war von Delegierten aus allen Teilet; des Reiches und von allen Landesverbänden beschickt. Ter eigentlichen Tagung ging am Sonnabend eine Veranstaltung voraus, in welcher die Landesverbandsvorsitzen den sich eingcherrd über die augenblickliche Lage in Deutschland unterhielten und in welcher insbesondere die Frage der jüdischer; Berufsumschichtung ui;d der jüdischer; ländlichen Siedlung in Deutschland beharrdelt wurde. Es zeigte sich bei dieser Tagung eine warme Sympathie für das Bestreben, die Inden aus ihren einseitigen wirtschaftlichen Positionen in der Großstadt zu lösen und zu einer t'.euen Verbundenheit mit Berufsgattungen zu bringen, denen sie aus historischen Gründen entfremdet worden sind. Tie wirtschaftliche Situation der Gegenwart wurde in der Debatte ausgiebig gewürdigt, die ein neues Schlaglicht auf den weit vorgeschrittenen Zusammenbruch des jüdischen Mittelstandes in Deutschland warf. Es wurde beschlossen, weite Kreise des deutschen Judentums für die Frage der Berufsumschichtung und der ländlichen Siedlung zu interessieren, weil die geschwächte Wirtschaftskraft gerade der Angehörigen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldater; es hinderte, in dein Maße der schon begonnenen Werke für jüdische Siedlung Unterstützung zu gewähren, wie es der lebhafte Wunsch der Versammlungsteilnehmer war. Aus der eigentlicher! Tagung ain 15. 2. sind besonders das Referat des Bundesvorsitzenden, Tr. Leo Löwenstein, Berlin, und das Referat von Dr. Urias, Hamburg, hervorzuheben. Ter BnndeSvorsitzende kennzcichnete eindeutig das politisch neutrale Programm und die Arbeit des Bundes, der sich zur Aufgabe gesetzt hat, zu einer Befriedigung der politischen und geistigen Atmosphäre Deutschlands seinen Teil beizutragen und an dem Abbau der demagogischen Hetze mit allen Kräften zu wirken. Das Referat von Dr. Urias, Hamburg, schilderte eingehend die Gefahren, denen angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse das ganze deutsche Volk augenblicklich ausgesetzt ist, und brachte in Ergänzung zu den AuSsührunge» des BundeSvorsitzenden Gedanken zur Verwirklichung der Ausgaben des Bundes. An die Referate Mos; sich eine rege und umfassende Diskussion, aus der iitfr besondere die Mitteilungen vor; Max Eisenkraemer, Berlin, hervorzuheben sind, der sich bemühte, den besonderen Grundlagen und Erscheinungsformen des Nationalsozialismus gerecht zu werden und die von dieser Bewegung drohenden Gofahrenmmnente in objektiver Weise darzustellen. Die Summe der geleisteten Arbeit ergibt sich aus der Tatsache, daß gegei; Schluß der Tagung über 25 Anträge abgestimmt werden mußte, die sämtlich der Stärkung der Grundgedanken des Bundes gewidmet waren. Die Beschlußfassungen der Tagung sichern den; Wirken des Bundes eine breitere Basis und werden eine Verstärkung seines Kampfes gegen die Beleidigungen der jüdischen Frontsoldaten durch die antisemitische Hetze herbeisühren. Insbesondere sollen die Arbeiten zur Herausgabe eines auf amtlichem Material gestützten Gedenkbuches der im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten des deutschen Heeres beschleunigt werden. Die Vorarbeiten haben ergeben, daß die bisher errechnete Zahl von 12000 jüdischen Gefallenen wahrscheinlich noch zu niedrig gegriffen ist. Auch die positiven Ziele des Bundes, z. B. der Gedanke drr jüdischen Berufsumschichtung und der jüdischen Siedlung auf deutschem Boden, wurden durch Beschlüsse der Tagung kräftig gefördert. Die Neuwahl des engeren Burldesvorstandes ergab die einstimmige Wiederwahl des Bundesvorsitzenden. An die Stelle des stellvertretenden Bundesvorsitzenden, Dr. Heinrich Elkeles, Berlin, der wegen Arbeitsüberlastung sein Amt nioderlegen mußte und dem der Bundesvorsitzende herzliche Worte des Dankes für die von ihm geleistete Arbeit widmete, trat Justizrat Max Chodziesner, Berlin, der bisherige 2. Stellvertreter des Vorsitzenden. Zum 2. Stellvertreter des Bundesvorsitzenden wurde Arnold Stein-Berlin, gewählt. Der übrige (engere) Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Walter Callmann, Mar Eisenkraemer, Albert Grünpeter, Direktor Siegmund Hirsch, Dr. S. London, R.-A. Dr. Kurt Jacob, Jakob Ledermann, R.-A. Bruno Kleyfs, Prof. Dr. Paul Rosenstein. Für diesr- Rubrik übernimmt die 8thriftlettung lediglich die prch. gejetzliche Verunlnuntung. Synagogale Feiern am Voltstrauerkag Gelsenkirchen, 12. Februar 1931. An die Vereinigung für das liberale Judentum E. B. Berlin In einer Notiz in Nr. 6 der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 11. Februar wird u. a. zur Veranstaltung von Gottesdiensten am diesjährigen Vollstrauettag anfgesordert, und es tvird gesagt, wo in kleineren Gemeinden ein Sondero itesdienst am eigentlichen Bolkstrauertag, Sonntag, 1. März, nicht möglich sein sollte, da müßte beim Sabbat-- gottcsdienst arn 28. Februar eine Gefallenen-Gedächtni'feter ein geschoben werden. Demgegenüber, meine ich, es muß ln allen Gegendert dafür gesorgt werden, daß ein Sonder-Gottesdienst am Sonntag vormittag, also am eigentlichen Tage stattfindet, und zwar in engster Fühlungnahme mit der jeweiligen Ortsgruppe des R.J.F., der seine Mitglieder und Freunde veranlassen muß, geschlossen an der Feier teitzunchmen. Eine derartige Teilnahme ist aus wirtschaftlichen Gründen am Samstag unmöglich und gerade die Kreise, die für die Veranstaltung das größte Interesse haben und auch nach dem Gottesdienst geschlossen zur Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge geführt werden sollten, schien in einem SamstagsMottesdienst fast ganz. Ich gebe Ihnen einliegend ein Programm? der hiesigen Ortsgruppe des Votksbundes Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge, iit welchem Sie unter I. die Gottesdienste (in diesem Jahre Sprechsaal Die nächste Ausgabe wird am 4. Marz als Doppelnummer erscheinen. Vereinigung für das liberale Judentum E. B. Jiddischer Liederabend von Leo Gollanin Interessant — und deshalb auch den Nichtjuden interessierend ist nun einmal das jüdische Volkslied, das aus vier heterogenen Elementen zusammengesetzt, dennoch eine gute Mischung geworden ist. Wenn es auch in noch so weltlichem Gewände erscheint, so ist es doch nur ein Absenker des synagogalen Gesanges und es kreuzen sich an dieser Stelle — ein seltener Fall — orientalische und abendländische, gleichzeitig aber auch geistliche und weltliche Musik. Welche Bedeutung dieser „jüdischen Musik" zukommt, soll bei anderer Gelegenheit ausgesührt werden, hier steht nur ein meisterhafter Interpret des jüdischen Volksliedes zur Erörterung — Leo Gollanin. Wo so viele gegensätzliche Kunstarten zusammenwirken, da kann es nur wenige Künstler geben, die eine vollkommene Synthese finden — Gollanin gehört zu diesen wenigen. Ihm steht vor allem eine starke Musikalität, prall von Vitalität und musikalischer Intelligenz in gleicher Weise, und hohe technische Gesangskuust zur Verfügung. Gewisse Schwächen des Organs (der Kampf mit der Höhe und gelegentliche Neigung zum Detonieren) Werder; ja stets — ein Beweis für das große Format dieses Vollkünstlers — von der musikalische Gestaltungskraft, der Tiefe des Erlebnisses und der Wärme des Vortrages überdeckt. Aber hier kommen Gollanin nicht nur all diese Vorzüge zustatter;, die wir an ihm als Kantor längst schätzen gelernt haben — er vermag auch die Lebenssülle und Beschwingtheit seiner Frohnatur, seinen saftigen Humor im Volkslied zur Aeußerung zu bringen, damit den Grundzug der eigenen Persönlichkeit in sein künstlerisches Gestalten einzuschalten. So werden ' alle Lieder beinahe schon zu dramatischen Gebilden der jeweils tragischen oder komischen Sphäre; so lebensvoll bewegt, mit Kraftäußerungen geladen und allerfeinster Pointierungskunst dargestellt sind sie. Ido Gollanin begleitete die Lieder verständnisvoll am Flügel. Fürdie den Abend abschließende Gruppe chassidischer Tanz- und Trinklieder setzte sich ihr Bearbeiter James Roth> st ein persönlich als erfolgreicher Begleiter ein. Gollanin selbst wurde mit Begeisterung gefeiert. Dr. Schildberger. Sabbatai Zewi Von Rabbiner Tr. Schönberger, Aachen. Immer bleiben welterschütternde Persönlichkeiten im Brennpunkt unseres Interesses, selbst, wo sie sich als ein Weltirrtum herausstellten. Vielleicht sind die Jrrtümer dec Geschichte aus dem Wege zur weisen Fortentwicklung des Ganzen notwendig, vielleicht gilt auch für die Weltgeschichte das Lcssingwort: „Tie durch Irrtum zur Wahrheit reisen, sind die Weisen, die im Irrtum verharren, sind die Narren." Ter Weg des Judentums oon der mittelalterlichen Erlösungsschwärmerei zur gegenwärtigen Idee sozialen Weltansbaus, ja auch der ganz im ökonomischen haftende gegerrwärttgr Zionsgedanke ist 'undenlbar ohne den Jrrtumsweg des Messias von Jsmir Sabbatai Zewi. Aber nicht nur uul dieser Folgen Wlllen ist Sabbatais Persönlichkeit immer wieder Gegenstand dichterischer Ausschöpsung und Deutung geworden. Sabbatai Zewi interessiert einfach als weltenerregeuder Mensch des Irrtums. Im Jrr-- tinu dunkler Mystik waren d-e Juden seiner Zeit, gezwungen und ungewollt, besangen. „Ihr Glaube hatte keinen Ort, ihr Volkstum hatte keinen Ort. Sie lebten Gegenwatt mit den Mitteln der Vergangenheit, sie hatten nicht aufgehört im Orient zu leben, s'e begriffen das Münder als einen Bestandteil 'ihres alltäglichen Lebens. So lebten sie 'ihre Zeit und ihre Er'nnerungen... und es erfüllte sich an ihnen das Gesetz der Ueberdehnung von Zeit." Mit diesen Worten gibt Joseph Kastein die enlleitende Fundierung seines Versuches, mit geschichtlichen Mitteln die Gestalt „Sabbatai Zewis, des Messias von Jsmir" zu deuten (das Buch erscheint im Ernst Rowohlt Verlag, geb. SRI. 6.50, Leinenrand RM. 10.—). Mit glücklicher Hand skizziert Kastein vorerst die „Sinngebung" jener Zeit, aus der heraus allem der falsche Messias glaubhaft wird. Der Dichter folgt in seiner Schriftstellerart zweifellos dem Vorbild Emil Ludwigs, dessen Bedeutung ja gerade in der dichterischen Verbindung von philologischer Gründlichkeit mit psychologischer EinsÜhlsamker't besteht. Auch kennzeichnend ‘.pt es vielleicht, daß das Buch Martin Buber „dem wittenden Menschen" zugeeignet ist. In Buber hat der Mystizismus der vergangenen Epoche und die Wirklichkeitssattheit der Gegenwart zu einer neuen RichtunoSdiagonate geführt, die „d-ie Gemeinsamkeit der Formen des Erlebens und der Formen/ das Erlebte auszusprechen" (Martin Buber: „Vorn Geist des Judentums") zu entern neuen Mythos der Wirklichkeit hinführt. Jbm das Buch widmen heißt zugleich sich zu seiner Sinngebung bekennen: „Tie messianische Welt bedeutet die Ueberwindung der Vielheit der realen Verhältnisse, das Aufschließen der einen Wahrheit, die dem Menschen sich zuteilt in der Gestalt seiner vielfältigen, brüchigen, doch wirtlichen Verhältnisse." — Sabbatat Zewi wird denn auch als' Irrweg zu dieser Wahrheit von Kastein gesehen. Schon die Jugend mit ihrer Formung vorn Lehrhaus der Ieschibah aus ist 'entscheidend für den Pathos des Werdenden. Seine geistige Reizbarkeit und Empfänglichkeit für Affekte, verbunden mit dem Instinkt für Effekte ttejben ihn zusarnmen mit Millen und Moment in jene Ebene der Farrtasie, m der Wirklichkeit und Schein zu einem Inhalt verschmelzen. zur Mystik. Er tritt in die Welt der Kabala ein, die gerade, in jener Notzeit sich nicht mehr mit Theorie begnügen will und kann, die den Messias in nächste Zeit, in festgesetzte Tage hoffend, bannt. Der bußfertige,^ sühnende Mensch bringt den Messias herbei, ja wer weiß, ob er nicht zu solcher Reinheit kommen kann, daß er selbst Gottes unmittelbares Wettzeng zu werden fähig ist. In dieser Auffassung ruht zweifellos die Ethik der jüdischen Mystik auch der verworrendsten Epoche. Es 'rk 'das eine Größe des Jüdenturns, geboren aus denr Gedanken der nronotheistisch geformten Wellordnung, daß auch Vernichtung und Aufrichtung des Weltganzen nicht zu denken ist 'ohne die Tat in Unreinheit oder in Reinheit. Sabbatai nimmt die Buße auf sich, nimmt den Weg zur Reinheit auf sich, während sein Ehrgeiz und sein schon, sichtbarer Ruhnt ihm zuflüstern: „Du bist der Messias warte auf Dein Zeichen." Wie nun aus wunderbarer Verkettung von allgemeinem Schicksal, persönlicher Eitelkeit und unge-

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