Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 6 (11.2.1931)
- Date
- 1931-02-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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11. Zahrga»« Hummer 6 Wisch-llberale Zeilmg Beilage 11. Februar 1SS1 | Gerfon Simon j Kommerzienrat Gerson Simon, der frühere Vorsitzende und zuletzt stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, ist am 6. Februar abends in seiner Berliner Wohnung, 72 Jahre alt, verstorben. Er lag seit längerer Zeit an einem schweren Herzleiden darnieder, in der letztell Zeit besserte sich sein Zustand etwas, so daß seine Freunde hofften, daß seine Genesung sich anbahne. Diese Hoffnung trog, der Hingang dieser in Berlin wie im ganzen Reiche hoch angesehenen jüdischen Persönlichkeit hat in weiten Kreisen Trauer hervorgerufen. Gerson Simon gehörte zu den angesehensten und beliebtesten Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens Berlins. Sohn einer bekannten jüdischen Familie des Rheinlands, kam er in verhältnismäßij, jungen Jahren nach der Reichshauptstadt, wo er Inhaber der großen Spitzenfirma Jacob & Richter wurde, die heute nach Aufnahme verwandter Unternehmungen als Aacob & Richter — Siegmund Strauß jr. Vereinigte spitzenffäuser firmiert. Gerson Simon war ein vorbildlicher Kaufmann; von seinen Berufsgenossen hoch verehrt, stand er seit langen Jahren an der Spitze zahlreicher kaufmännischer Organisationen. Im Textil-Großhandelsverband nahm er eine Ehrende Stellung ein. Auch die Regierung hat ihn häufig »n wirtschastspolitischen Dingen zu Rate gezogen. So hat er an den letzten deutsch-italienischen Handelsvertragsverhandlnngen in hervorragender Weise mitgewirkt. Gerson Simon, der sich schon in seiner Jugend im Rheinland intensiv jüdisch betätigt hat, widmete sich seit Jahrzehnten in Berlin öffentlicher Wohlfahrts- und Gemeindekätigkeit. Mehrere Jahre lang gehörte er der Repräsentanz der Berliner Jiwischen Gemeinde an. Vor mehreren Jahren begründete er mit Professor Dr. M. Sobernheim, Rabbiner Dr. Weiße und Frau Eschelbacher die Religiöse Mittelpartei ptr Frieden und Einheit in der Gemeinde. Diese Partei entsandte ihn neuerdings in die Repräsentanz, dann in den Vorhand der Gemeinde, der ihn zum Vorsitzenden der Gemeinde wählte. Nach der Wahl Georg Kareskis zum Vorsitzenden aehörte Gerson Simon dem Vorstand als stellvertretender Vorptzender an. Er vertrat seine Partei auch in der Landes- »ersammlung der preußisch-jüdischen Gemeinden. Nicht nur im Kreise seiner Parteifreunde wird im jüdischen Leben dem Verstorbenen ein dankbares Andenken gewahrt bleiben. Auch all diejenigen, die wie wir oft mit dem Führer einer anderen Partei die Klinge kreuzen mußten, werden ihn als einen ritterlichen Kämpfer, der das Judentum mit Würde zu repräsentieren wußte, in Erinnerung behalten. Schluß der Konferenz der Union _ of American Hebrew Longregalions" An dem aus der 32. Zweijahreskonserenz der Uniono of American Hebrew Eongregations veranstalteten Symposion über „Tie Synagoge, rhre Beziehungen zu modernen Ideen und modernem Leben" beteiligten sich der Vorsitzende dec Executive der Union Ludwig Vögelst ein (New 9)orf), ‘Jüdjtec Horace Stern (Philadelphia) und Edward E. Mayer (Pittd Surgh). Ludwig Vogel st ern sprach über das' Thema „Ter Ausdruck des Judentums im Leben". In der modernen Gesellschaft sei es zu einer Scheidung zwischen Synagoge und sozialer Arbeit, zwischen Religion und Philanthropie gekommen. Diese Scheidung könne auf die Verweltlichung des Lebens im allgemeinen oder darauf znrückgesührt tverden, daß in den großen Städten die philanthropische Arbeit das einzige Band ist, das alle Juden ohne Rücksicht ans die verschiedenen Formen des religiösen Lebens und sogar jene Juden, die überhaupt nicht religiös eingestellt sind, umfaßt. Richter Stern wies darauf hin, daß das Fehlen Desamtjüdischer Lokal -- und Landesorganisationen bewirkt Habe, daß, wertvolle Bewegungen nicht entsprechend gefördert verden und daß durch die rivalisierende Tätigkeit derschiedeuer Organisationen, von denen jede die jüdische Gesamtheit zu repräsentteren behauptet, Verwirrung in die soziale Arbeit gebracht wird. Um diesem Zustaud abzuhelfen, wären Klubs jfii bilden, die die Gesamtheit der Mitglieder einer Synagogengemeinschast umfassen und die Aufgabe haben sollen, die Lehren der Synagoge im Leben zu bewähren. Innerhalb jedes Klubs sollen einzelnen Gruppen Spezialaufgaben, wie Wohlsahrtsarbeit, Erziehungswesen, Erhaltung der religiösen Institutionen, Hilfsarbeit für das Ausland usw. zngewiesen. werden. Ten Schlußportrag im Symposion hielt der Psychiater Dr. Edward Mayer, der über „Die Mission des Judentums im Dienste des modernen sozialen Fortschritts"" sprach. Er schlug die Einsetzung eines „Landesrates für soziale Religion"" vor, den: Kleriker, Soziologen, Psychiater und Psychologen angehören sollen. Diese Fachleute würden die Ausgabe haben, gemeinsam die geeignetsten Mittel zur Bekämpfung der sozialen Schäden ausfindig zu machen. M i l f o r d Stern (Detroit) erstattete den Bericht! der Kommission für Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Er trat für die Herausgabe einer Zeitschrift für jüdische Reform und »ic Errichtung oon Seminaren für soziale Probleme in den jüdischen Zentren Amerikas ein. Das erste derartige Seminar soll im April in Cincinnati eröffnet werden. In der Schlußsitzung wurde eine Protestresolution gegen die Registrierung d-er Ausländer, wie sie in der gegenwärtig im Kongreß zur Beratung stehenden „CMe Bill"" vorgesehen ist: gefaßt. Die Resolution bezeichnet die Bestimmungen der „Eable Bill"" als unamerikanisch und als im Widerspruch stehend zu dem Verwaltung«- und Sttafrecht des Landes. Ter Zwang zur Registrierung stelle den Ausländer aus eine Stufe mit dem Verbrecher. Durch Sonderbeflimmung.'n gegen eine ganze Bevöllerungsschicht werde eine Kluft zwischen dem einen Teil der amerikanischen Bevölkerung und dem anderen geschaffen und der Prozeß der Ungleichung und Amerikanisierung der Einwanderer verzögert. Solche Sondern Bestimmungen widerspreche» a»ch den Mfclifdjen Vorschriften. Tein Präsidenten der Union Ludwig Bogelstein, der demnächst seinen 60. Geburtstag feiert, wurde im Namen der Konferenz oon Ben Alcheimer, einem der Gründer der Union, ein goldener Ehrenpokal überreicht. Die Wahlen in die Executive ergaben nachstehende Resultate: Earl I. Kassenburgh (Boston), Aron Straus (Baltimore), Nathaniel H. Lyons (Brooklyn), Harry Gottlieb (Chikago), H. Sinks und Eugen E. Wolf (Eleveland) und Louis L. Haas (San Francisco). Zum Ehrenmitglied wurde Simeon M. Johnson (Cincinnati) gewählt. Ferner wurden wiedergewählt Henry Beckman (Cincinnati), Milsord Stern (Detroit), Jsadore Wise (Hartford), Gustav A. Efroymcm (Indianapolis), Dr. T-avid M. Edelman (Los Angeles), Al Saltzstein (Milwaukee), Jacob L. Newman (Newark), Adolf S. Ochs, Arthur Hays Sulzberger, Roger W. Straus und Dr. Lee K. Frankel (New Dort), Marcus Aaron (Pittsburgh), Roscoe C. Nelson (Portland-Oregon) und Aaron Waldheim (St. Louis). In seiner Schlußansprache erllärte Präsident Vogelstein, die 32. Zweijahreskonferenz d-er Union of American Hebrew Kongregation bilde einen Glanzpunkt in der Geschichte der Organisation. Bei der Konstituierung d-er Executive wurden die Flinktionen folgendermaßen verteilt: Ludwig Vogelstein, Präsident; Julius Rosenwald, I. Marcus Rauch, Maurice D. Rosenberg und Jacob Mack, Vizepräsidenten; Rabbi Georg Zepcn, Schriftführer und Rabbi Jacob D. Schivartz, zweiter Schriftführer. In der Schlußsitzung der Konferenz des Landesverbandes der Tempelschwesterschasten fanden die Wahlen in die Leitung des Verbandes statt, die folgendes Resultat ergaben: Frau Abraham Simon (Washington), Ehrenpräsidentin; Frau Maurice Steinjeld (St. Louis), Präsidentin; Frau Henry Nathan (Buffalo), erste Vizepräsidentin; Frau Adolphe Rosenberg (Cincinnati), zweite Vizepräsidentin; Frau Albert I May (New York), dritte Vizepräsidentin; Frau David Lefkowitz (Dallas), vierte Vizepräsidentin; Frau Josef M Herman (Boston), Schatzmeisterin; Frau Joses Stolz (Ehikago),'stellvertretende Schatzmeisterin und Helen Straus (Eincinnati), Sekretärin der Executive. Spinozas Ahnen In Heft 24 der Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung (Schriftleitung: Dr. Arthur (M* litzer, Berlin W9, Potsdamer Straße 5) veröffentlicht Arturo Bab, Rivera, Mitteilungen über Spinozas Ahnen: „Baruch Spinoza wurde zwar in Amsterdam am 24. November 1632 geboren, war aber wie die große Mehrzahl der holländischen Israeliten spanischer Abstammung. Ein spanischer Gelehrter, Fernandez Alonso, berichtet in seinem Buche über die Juden von Orense, einer in der spanischen Provinz Galizia gelegenen Stadt, auch über die Vorfahren des großen Philosophen. Laut Alonso gab es im 16. Jahrhundert in Galizia eine angesehene jüdische Familie!namens Espinosa, die teils in Orense, teils in ihrer ursprünglichen Heimat, dem Städtchen Espino (Departement Verin, Sprengel Viriserre) ansässig war. Der Orenser Zweig beugt« sich zwangsweise unter dm Kirchenkuppeln und verschwägerte sich u. a. mit dem Marquis Boveda de Limia, der den Beinamen Espinosa annahm. Der ursprüngliche Teil der Familie blieb aber trotz der Verfolgungen dem Judentumtreu, und es gelang Miguel de Espinosa von Espino nach Amsterdam zu flüchten, wo ihm sein Sohn Baruch geboren wurde. Espino ist der Weißdorn. Der Name bedeutet daher „aus der Weißdornstadt"". Die Aenderungen desselben in den Niederlanden lassen sich auf folgende Weise leicht erklären: Die Spanier können im Anlaut kein „sp" oder „st"" aussprechen und sagen daher z. B. „Esparta"" für Spart« und „Estrasburgo"" für Straßburg. In Holland wurde daher wohl auch das „e"" in Espinosa für überflüssig gehalten und gestrichen. Ferner ist ein weiches „s"" in der kastilianischen Sprache unbekannt, sondern wird stets scharf, ähnlich dem deutschen „ß"", ausgesprochen, so daß es in der Schrift durch „z"" ersetzt wurde. Unter den Spaniern und Welschamerikanern ist die ursprüngliche Namensform noch heute nicht unselten. So hieß z. B. der vor einigen Jahren gestorbene Erzbischof Argmtiniens Espinosa (und der jetzige spanische Botschafter in Berlin Dr. Fernando Espinosa de los Monteros)."" Aus der Ili-Vewegung r Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Redaktion: Dr. Ellen Littmann, Berlin Liberales Zudentum in Holland Nachstehend bringen wir einen kurzen Bericht über liberales Judentum in Hollan-d. Der Bericht stammt von einem Bekannten eines unserer Jli-Mitglieder. Er läßt deutlich erkennen, wie schtver die liberale Bewegung dort Fuß zu fassen vermag, obgleich der größte Teil der in den holländischen Großstädten wohnenden Juden liberal eingestellt ist. Der Unterzeichnete bittet alle diejenigen, die Beziehungen zu liberalen Juden in Holland haben, ihm deren Adresse zu übermitteln, damit auf diese Weise auch zu Holland, wie zu anderen Staaten, Verbindungen ange knüpft werden können. Dr. Hofsmann, Frankfurt a. M. In Holland kanu man von einer liberalen Judenheit, wie Sie in Deutschland besteht, nicht sprechen. Die meisten holländischen Juden sind religiösen Fragen gegenüber sehr indifferent. Die Assimilation ist sehr fortgeschritten, so wurden im Jahre 1929 in Rotterdam ca. 50 Prozent Mischehen festgestellt. Wenn auch die meisten Juden dem jüdischen Gemeinwesen in irgendeiner Weise noch nahestehen (Hochzeiten, Beerdigungen, Steuerzahlungen etc.), so interessieren sie sich nicht für die Anschauungen, die in den von ihnen erhaltenen Gemeinden gelten. Die jüdischen Gemeinden in Holland sind ohne Ausnahme orthodox, bis jetzt besteht keine einzige Orgel-Synagoge. Verschiedene große Gemeinden haben noch nicht einmal einen Männerchor, geschweige denn gemischten oder Damen-Chor. Der ganze Gottesdienst wird in hebräischer Sprache abgehalten, nichts wird gekürzt, nur die Predigt wird in der Landessprache gehalten. In letzter Zeit aber regt sich anscheinend mehr Interesse für diese Fragen. So war es möglich, daß zu einem Vortrag von Lady Montagu aus England im Jahre 1929 im Hang ein zahlreiches Publikum erschienen war. Vor einem Monat kam Rabbiner Dr. Lasker aus Amerika nach Holland, um Propaganda für das liberale Judentum zu machen. Ein Probe-Gottesdienst hat an einem Freitagabend abend stattgefunden. Es wurde ein Komite gebildet, dessen Sekretär Herr Rechtsanwalt A. Loeb, Rynstraat 32, den Haag, ist. Dem Komite sollen auch andere, prominente Juden angehören. Wie zu erwarten war, haben die holländischenj orthodoxen) Rabbiner scharf Stellung dagegen genommen und insbesondere erklärt, daß die Ideologie des Liberalismus niemals in Uebereinstimmung zu bringen ist mit den Anschauungen des offiziellen holländischen Judentums. Auch die Tagespresse hat sich dieser Frage benrächtigt und diverse Aufsätze dieses Sinnes publiziert, u. c». vom Haager Oberrabbiner Maarsen. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, daß es zur Gründung einer liberalen Gemeinde kommen wird, umsomehr, als sich in den letzten Jahren viele deutsche Juden in Holland niedergelassen hrben, die zumeist in ihrer Heimat nur ein liberales jüdisches Leben kennen gelernt haben. Aus der Jli-Arbeit * Berlin. (Jugendgemeinschaft de r Reform gem e i n d e.) Als erster Redner unserer soeben ang«kündigten Vortragsreihe: „Der Einfluß jüdischer Persönlichkeiten auf die Gegenwart" sprach der Pressechef der Stadt Berlin, Herr Dr. Zielenziger, über das Thema: „Jüdische Köpfe in der deutschen Wirtschaft". Der Vortragende gab uns nicht nur einen Einblick in den Einfluß des heutigen jüdischen Unternehmertums auf allen Zweigen der Wirtschaft, sondern er zeigt« zugleich die historisch« Entwickblng und das Eindringen des deutschen Juden in die Wirtschaft und damit die Grundlagen für die inneren Zusammenhänge der heutigen Situation. Dabei wurde der Ausstieg und das Blühen der HLnsec Rothschild, Bleichröder und Mendelssohn höchst anschaulich geschildert; hcrvorzuheben ist der vom 'Redner geführte ^Nachweis, daß da» „Entre Billet für die deutsche Wirtschaft" die Emanzipation gewesen ist, da der Einfluß auf die deutsche Wirtschaft erst mit de«l Aufgehen in die deutsche Kultur entstehen konnte. Eingehende Beachtung fanden noch: Jacob Goldschmidt, die Bankierfamilicn Marburg, Karl Melchior und Emil Rathenau. Zwei Merkmale hob der Vortragende hervor: die Juden waren und sind in der deutschen Wirtschaft nicht, wie oft behauptet ivird, dominierend, sic sind lediglich an der Leitung des führenden Wirtschastsunternehmrvs, allerdings in hervorragendem Maße, beteiligt. Ferner ist es unrichtig, mit Professor Sombart anzunchmen, daß die Entwicklung jedes Juden vom Kommis, nicht aber vom Techniker ausgehe. Mit Recht wies Dr. Zielenziger darauf hin, daß ja die gesamte oberschlesische Schiverindustrie von Juden geschaffen worden, und daß die Bedeutung Emil Rathenaus ebensosehr in seiner konstruktiven Begabung wie in seinem kaufmännischen Genie zu suchen sei — war doch Rathenau Diplom-Ingenieur und hat gerade als Konstrukteur längere Zeit gearbeitet und noch Rathenans Nachfolger Felix Deutsch ist ebeus«- sehr Techniker wie Kaufmann. — Die überzeugenden, von einer tiefen Kenntnis per Mater«» zeugenden interessanten Ausführungen des Redners lösten bei den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen starken Beifall «ns. Am 29. Januar fand im Mosse-Haus am Leipziger Platz ei« Pczitationsabend des Schauspielers Gad Shelaso statt. Nach einigen einleitenden Worten von Herrn Rabbiner Dr. Lehmann begann Herr Shelaso seine Borträga „Aus alter und neuer jüdischer Dichtung" mit der Rezitation des ersten Kapitels der Genesis. Gr begann, wie er sagte, mit voller Absicht gerade mit diesem Schristabschnitt, denn so, wie das Wort „Bereschit" von dem hebräischen Wort für das Haupt abgeleitet sei, so sei auch dieses Kapitel das Haupt der heiligen Schrift, die Grundlage jeglicher Literatur. Al» nächstes rezitierte Herr Shelaso einen Psalm in hebräischer Sprache. Cr erzählte, daß er diesen Psalm niemals gelesen hätte, sondern ihn nur so rezitieren könne, wie er ihn von seinem chassidiskhem Großvater gehört hätte. Dieses Rezitativ war durch seine Eigenart, dadurch, daß dies eine Form war, in der wir alle noch kaum ei*roatf einen Psalm hatten vortragen hören, wahrscheinlich ein unvergeßlicher Eindruck. Es folgte dann eine Rezitation aus dem Buche Hiob und Wiederum ein hebräisch vorgetragener Psalm. Der zweite Teil des Abends war moderneren Dichtungen gewidmet. Gad Shelaso rezitierte Christian Morgensterns „Werwoh", las das bekannte Märchen »oon der „Prinzessin auf der Erbse" «nt trug zum Schluß einen Teil des „Schwalbenbuchs" von Toller vor. Die geschickte Zusammenstellung des Aeltesten mit dem sten und die faszinierende, mitreißende Art des Vortrags machten den Abend zu einem wahren Erlebnis, für das wir Herrn Shelaso auf das herzlichste dankbar sein können. Liegnitz. Am Montag, dem 26. Januar, hatten wir Herrn Dr. Schildberger, Berlin, als Gastrcferent. Er sprach über „Die liberal« Richtung im Judentum" und schilderte mit besonderer Begeisterung die Stellung der Reformbewegung im liberalen Judentum. Herr Dr. Schildberger hob mit Recht hervor, daß die Reforimgemeinde die aktivste Gruppe im Liberalismus ist und daß das liberale Judentum, insbesondere in Berlin, ihr viel zu verdanken habe. Grundgedanke und Ziel der Reform war und ist es stets, tvahr« Gesicht des Judentums als geistiger und geistvoller Religion zu schützen. In der Diskussion konnten die Behauptungen vo« Herrn Dr. Schildberger nicht widerlegt werden. Trotzdem stellte «# sich heraus, daß die Abneigung gegen die Reform so tief eingewurzelt — worden — ist, daß die wenigsten die Ideologie der Reform als begründet anerkannten. Manfred Haase. Werbt neue Mitglieder!