Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 6 (11.2.1931)
- Date
- 1931-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Gemeinden ch:: Aachen. (V o r st a n d s j n b i l ä u m.) Am 6. Februar waren 25 Jahre vergangen, feit der Vorsitzende des Vorstandes unserer Gemeinde, Herr Justizrat Dr. Francken, dem Vorstände angehört. 1906 wurde der Jubilar von der Repräsentanz zum Mitgliede des Vorstandes gewählt. Sein kluger Rat und insbesondere sein reiches jüdisches Wissen machten ihn bald zu einem so überragenden Mitarbeiter, daß sich seine Kollegen ganz selbstverständlich veranlaßt sahen, ihn nach dem Ableben seines Amtsvorgängers am 14. Januar 1919 zum Vorsitzenden zu wählen. Hingebungsvolle und zielbewußte Tätigkeit kennzeichnen in der rückwirkenden Zeit bis aus den heutigen Tag die stets von äußerstem Gerechtigkeitssinn getragene Arbeit des Jubilars, dem es in erster Linie zu danken ist, toenn das Ansehen unserer Gemeinde sich trotz der von Tag zu Tag mehrenden antisemitischen Verhetzung bei unseren andersdenkenden Mitbürgern erhalten konnte. Ebenfalls gehört Herr Justizral Tr. Francken seit Gründung des Landesverbandes diesem an. Tie liberale Fraktion hat seine besondere Eignung dadurch anerkannt, daß sie ihn zum Haushaltrcserenten bestimmte. Freitag mittag wurde .Herr Juslizrat Dr. Francken in seiner Wohnung geehrt. Herr L- Rosenberg als Vertreter des Vorstandes überbrachte dem Jubilar eine kunstvoll ausgearbcitete Adresse. Herr Landesgerichtsdircktor Dr. Rosenthal sprach im Narncn der Repräsentanz, Herr Rabbiner Dr. Schönberger verlieh dem Jubilar den Chowcr-Titel und überreichte hierbei . ein setbstversertigtes Diplom. Möge der Jubilar im Kreise seiner Familie noch lange Jahre der Aachener Gemeinde vocstehen, ihm zur Freude, unserer Gemeinde und dem Judentum zum Segen. Bocholt. (Todesfall.) Im Tode vereint ivurdeu zivei be tagte Mitglieder unserer Gemeinde. Im Alter von 84 Jahren starb der Netteste unserer Gemeinde, Herr Hcymmin Ostberg, lind wenige Sunden vorher hatte dessen Gattin, Frau Sara Ostbcrg, im Aller von 75 Jahren das Zeitliche gesegnet. Bor etwa vier Jahren war es beiden vergönnt, in Frische die goldene Hochzeit zu begehen. Volt Ergriffenheit und Teilnahme folgte eine anßerordenliich stakt liehe Teilnchmerzahl den Bahren der beiden Verblichenen, die sich in der Stadt großer Beliebtheit erfreuten. Prediger Rußbaum ivür digre in seiner 'Ansprache das innige Zusammenleben der beiden im Tode vereinten Eheleute unb gab der allgemeinen Trauer Ausdruck, die nächst den Angehörigen die ganze Gemeinde empfand. VvchtUN. <H a » p : v e r s a m in l u n g der I ü disch e u W a iv D e r f ii rsvr g e st e t l e s ü r e st f a l e n n » d a n g r e ir z e n d e Bezirke.) Der Vorsitzende, R.-A. Dr. Koppel-Bochum, erössiiete die Hauptversammlung und begrüßte die zahlreich erschienenen Ber ireter der Gemeinden. Er ivies daraus hin, daß die Zusammenarbeit, mit der Exekutive des Verbandes ost>irdischer Orgairisationen, Bezirk Essen, die Tätigkeit der Wandercrfürsorgestetle entlastet habe. Sodann erteilte er der Geschäftsführerin Erna Philipp dar Wort »um Jahresbericht. Liach Annahme des Jahresberichter, jiiv den der Vor iitzende der ltzeschäflsführerin dankte, gab Herr Rofenberg-Vochmn den Kassenbericht. Ter Etat schließr in Einnahme und Ausgabe mit 12 524,70 AM. ab. Er war im vergangenen Jahre nötig, eine Nachsorderung zu erheben. Nachdem der .Kassenprüfer, Herr Hühnlein-Bochum, erklärte, daß er die Kasse in Ordnung befunden habe, wurde dein Gesamt Vorstand Entlastung erteilt. Die Fest setzung der Beiträge für 1931 ergab eine rege, jedoch sehr erfreuliche Debatte, indem die Vertreter der Gemeinden, über den Vorschlag des Vorstandes, der 80 Pfg. pro Kopf vorsah, hinausgingen, getragen von dem Verantwortungsgefühl, daß gerade in der Zeit der wirtschaftliche» Not den Wanderarmen der Weg zu Arbeit und Brot geebnet werden müsse. Ter Vorsitzende teilte Init, daß man sich im vergangenen Jahre bemüht habe, so sparsam wie möglich zu wirtschaften. Die Aufwendungen betrugen im Durchschnitt 1929 für den einzelnen Durchw anderer 10,83 RM., 1930 nur 6,87 RM. Der weitgehendste Antrag, 1931 1 RM. zu erheben, wurde einstimmig unter der Voraussetzung angenommen, daß daS 4. Quartal in Höhe von 25 Pfg. nur erhoben wird, wenn es nottvendig ist. Der Punkt „Verschiedenes" brachte das Problem des Verhältnisses von Großgcmemdcn und Kleingemeindcn zur Wandererfürsorge durch Bezirksrabbiner Dr. Köhler-Borken zur Diskussion. Es wurde von allen Seiten anerkannt, daß gerade der Anschluß der kleinen Ge-« meinden an die Wanderersürsorgestelle von besonderer Wichtigkeit ist. um Heu berufsmäßigen Wanderern entgegenzutreten, so daß dadurch die einzelnen Gemeindemitglieder entlastet werden. Die Vertreter der Gemeinden berichteten übereinstimmend, tvelch gute Erfahrungen man mit der Wanderfiirsorgestelle gemacht habe, daß die Hausbcttelei fast ganz unterbunden sei, daß nur die Fürsorgestelle den Wanderern die notwendige Hilfe leisten könne. Der Vorsitzende richtete noch einmal die dringende Bitte an die Delegierten, in ihren Gemeinden immer wieder daraus hinzuwirken, daß die einzelnen Gemeindemitglieder jede Unterstützung ablehnen und die Durchwanderer an die örtlichen Absertigungsstellen verweisen oder zur Zentrale nach Bochum schicken. Die private Unterstützung der Wanderer mache die Arbeit der Durchwandererstelle illusorisch. R.-A Dr. Koppel schloß die Hauptversammlung mit Worten des Dankes für die rcge Mitarbeit der Vertreter der Gemeinden. Bochum. (A m t s j u b i l ä u m.) Ter Seelsorger der Synagogengemeinde, Rabbiner Dr. David, konnte am 1. Februar aus eine 30 jährige Amtstätigkeit in Bochum zurückblicken. Die erhebende Feier, die anläßlich deS 25 jährigen Amts- und Ortsjubiläums stattfand und die zahlreichen Ehrungen, die dem Jubilar von allen Seiten zuteil wurden, sind rroch lebhaft im Gedächtnis der Teilnehmer. Nach dem Tode des Predigers im Jahre 1900 berief die Synagogengemeinde 1901 als eine der ersten Gemeinden des Ruhrgebiets Herrn Rabbiner Dr. David als Seelsorger. lieber den Kreis der jüdischen Gemeinde hinaus hat sich Rabbiner Dr. David durch sein vorbildliches Wirken auch die Achtung der christlichen Mitbürger der Stadt erworben. Mögen dem Jubilar noch viele Jahre erfolgreichen Schaffens in bisheriger Gesundheit und Frische vergönnt' sein. Darmstadt. (Auslösung des Asta.) Ter Finanzausschuß des hessischen Landtags befaßte sich heute mit dem demokratischen Antrag, die Regierung zu ersuchen, den Studentcn-Ausschuß (Asta) an der Universität Gießen aufzulösen, »veil dieser Ausschuß die mit der Verfassung nicht zu vereinbarende Forderung ausgestellt hat, den „Numerus clausus für Studierende der jüdischen Rasse" einzuführen. Bon den demokratischen Antragstellern ivurde erklärt, ihr Antrag habe mit der vor wenigen Tagen erfolgten Neuwahl des Asta mit einer absoluten nationalsozialistischen Mehrheit nichts zu tun. Immerhin zeigen die Wahlen, daß man bei ber Studentenschaft von der staatsfeindlichen Betätigung nicht ablassen wolle. Das Recht der Erhebung von Zwangsbeiträgen, mit denen staatsfeindliche Umtriebe bezahlt würden, müsse beseitigt werden. Bon den Sozialdemokraten wurde ebenfalls schärfstes Vorgehen gegen die antistaatliche Tätigkeit des Asta gefordert. Von der Polkspartei wurde bedauert, daß eine gebildete Jugend sich in Antisemitismus ergehe. Auch vom Zentrum wurde .betont, daß die Studentenschaft ihre Befugnisse überschritten habe. Wenn es so weiter geht, müsse die Selbstverwaltung aufgehoben werden. Bon der Volksrechtspartei wurde schärfste Mißbilligung ber Vorgänge in der Studentenschaft ausgesprochen. Der Kultusminister Dr. Adelung stellte mit Genugtuung die einmütige Mißbilligung und Ablehnung der Gießener Vorgänge durch den Ausschuß fest. Die zu Tage getretenen Bestrebungen können nicht geduldet werden. Es müsse ernstlich erwogen werden, ob die bestehende Selbstverwaltung noch aufrecht erhalten werden könne. Eine Abführung von Zwangsheiträgen an die deutsche Studentenschaft sei verboten. Die Stubentenzeitung könne in der bisherigen Weise nicht erscheinen. Nachdem alle Parteien anerkannt hatten, daß .ein einheitlicher Beschluß wünschenswert sei, wurde die Sitzung zwecks Formulierung ★ Vrrsammlungskalender Berlin-Friedenau-Steglih. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. Bezirksgruppe Friedenau-Steglitz. Am Donnerstag, dem 12. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, im Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde, Friedenau, Schmargendorfrr Straße 3 (am Lauierplatzs, Vortragsabend. Herr Wilhelm Marens, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde, spricht über das Thema: „Rach den Reu» mahlen!" Anschließend daran Konstituierung der Bezirksgrnppe Friedenau-Steglitz und Wahl des Borstandes. Alle Mitglieder des Liberalen Vereins und alle Freunde unserer Bestrebungen werden herzlichst zu dieser Versammlung eiNLeladen. Freie Aussprache. Berlin-Nordosten. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V.» Bezirksgruppe Nordosten. Dienstag, den 17. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, in den llnions-Festsälen, Greifswalder Straße Nr. 221/222, Mitgliedrr-Bersammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Mar Weyl: „Jüdischer Liberalismus". Vor und nach dem Vortrag gesangliche Darbietungen von Herrn Dberkantor Wilhelm Fried marin. — Zu dem Vortrag, der um 8.15 Uhr beginnt, haben Gäste, die Gesinnungsgenossen sind, Zutriit, ebenso die Mitglieder anderer Bezirksgruppen. Unsere Mitglieder bitte« wir'um regen Besuch und um Einführung von Freunden unserer Sache. 1 Gottesdienste Berttn-Nocdett. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 13. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsli. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Verlin-Vsten. Liberal« Synagoge Osten. Aula Mädchenschule Kaiserstraße 38. Freitag, den 13. Februar, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabb.-Kaiid. Metzler. Berlitt-Weftend. Liberal« Synagoge Westend. Lttstilowstraß« 7-8, Aula. Freitag, den 13. Februar, abends 7.15 Ul;r, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin. Jüdische Reform-Semeivbe. Gottesdienste am Sonntag, dem 15. Februar. Joitzannisstratze 16: vormittags 10.30 Ufjc; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraße 19: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. eines Antrags unterbrochen. Nach Wiederbeginn ivurde folgender Ausschußaiitrag einstimmig angenommen: „Auf Grund eingehender Verhandlung im Finanzausschuß hat sich die Regierung bereit erklärt, die Vorgänge in dem Gießener Astcz weiter zu untersuchen und im Falle sich eine Ueberschreitung seiner Befugnisse ergibt, die gebotenen Maßnahmen zu -ergreifen. Tie Regierung wird nach Abschluß der Untersuchung dem Landtag berichten." Franlsurt a. M. (Todesfall.) Auf dem Wege zur Universität, wo er eine Vorlesung halten sollte, verstarb plötzlich an Herz-- schlag der große jüdische Gelehrte Professor Joseph Horowitz im Alter von 57 Jahren. Der Verstorbene genoß als Orientalist Weltruf. Er wurde 1874 in Lauenburg ''(Pomhnern) als Sohn des Rabbiners Marcus Horowitz, des späteren Frankfurter Rabbiners, Begründers und Leiters des Rabbinervcrbandes iu Deutschland, der in der gesamten orthodoxen Welt einen Ruf als halachische Autorität besaß, geboren. 1902 habilitierte sich Joseph Horowitz an dep Universität Berlin, nahm 1906 einen Ruf als Professor des Ara^- bischen an das Muhammedail Anglo Oriental College in Aligarh (British Indienan, bekleidete seit 1909 in Indien daneben das Amt eines Governement Epigraphist sor Moslem Jnscriptions, : ivurde 1914 an die ncubegründete Universität Frankfurt a. M. berufen und bekleidete seit 1915 dort die ordentliche ^Professur für semitische.» Philologie. Er gilt als der beste Kenner des Korair in der nicht-- mohammedanischen Welt, er gab eine Reihe Untersuchungen über den Koran heraus. Sein hauptsächliches Forschungsgebiet bildete die Literatur- und Kulturgeschichte des Islam. Ec arbeitete an der von der Berliner Akademie der Wissenschaften unter Eduard Sachaus Leitung veranstalteten Ausgabe der Schriften Jbn Saads mit. Während seines Aufenthaltes in Indien hat er sich besonders mit der Erforschung indo-moslemitischer Inschriften befaßt. In früheren Jahren (bereiste er zu Forschungszwecke» Aegypten, Syrien, Palästina und andere Länder des Orients. Seit Begründung der Universität in Jerusalem gehört er ihrem Kuratorium als Mitglied an und ist auch Leiter des Orientologischen Instituts dieser sUniversität. — Horowitz genoß auch in der moslemitischen Gclehrtenwelt große Verehrung, mehrere mvslemitische Gelehrte in Indien und im mittleren Orient gehörten zu seinen Schülern. Gießen. (Persönliches.) Am 28. Januar beging der Vorsteher der Israelitischen Religionsgemcinde, Herr Moritz Strauß, in voller Körper- und Geistessrische seinen 75. Geburtstag. Die Gemeinde verdankt dem Jubilar die Erhaltung und Förderung ihrer Institutionen und ließ es an seinem Ehrentage an sichtbaren Zeichen der Wertschätzung und Verehrung nicht fehlen. Hamburg. (Sitzung des R e p r ä s c n t a n t k tt k o l l e g i - ums.) Das Budgetjahr der Gemeinde beginnt am 1. April. Im Februar muß aber bereits dem Finanzamt die Stcuer>iuole aufgegeben werden, die vom Finanzamt für die Gemeinde einzuzichen ist. Ter Voranschlag für 1931/1932 konnte, obwohl die Vudgetkommission mit den Vorarbeiten bereits vor längerer Zeit begonnen hat, noch nicht sertiggestellr werden. Soviel hatten aber die vorbereitenden Beratungen innerhalb des Vorstandes und der Budgetkommission ergeben, daß man mit der bisherigen Steuerquote von 10 °o für das kommende Finanzjahr nicht auskommen werde. Der Vorstand hat daher beim Repräsentantenkollegium den Antrag gestellt, den Steuersatz auf 12 o;0 der Einkommensteuer zu normieren. Diese Erhöhung vernotwendigr sich, wie der Gemeindevorsteher Herr Jacob Hcckscher in der Sitzung des R.K. vom 4. Februar ausführte, weil das laufende Geschäftsjahr bereits mit einem Defizit von zirka RM. 60 000,— abschließen werde und weil mit einem erheblich reduzierten Steueraufkommen im kommenden Finanzjahr gerechnet werden müsse. Herr Dr. Fränkel (lib.) referierte namens der Budgetkommissiou und empfahl die Annahme des Antrags. Er knüpfte hieran das Ersuchen an den Gemeindevorstand, in Zukunft die vorbereitenden Arbeiten zum Budget so rechtzeitig beginnen zu lassen, daß mit dem Antrag auf Festsetzung der Steuerquote der Voranschlag bereits vorliege, damit man über die voraussichtliche Bndgetgestaltung schon in diesem Zeitpunkt orientiert sei. Herr Dr. Fränkel gab weiter die von Herrn Dr. Kalmus (Zion.) unterstützte Anregung, daß der Gemeindevorstand cm Mitglied aus seiner Mitte mit der Ausgabe betrauen möge, die gesamte Finanzgebarung der Gemeinde ständig zu überwachen. Ausgabe dieses Kommissars müßte es sein, zu prüfen, wo Einsparungen und Einnahmeerhöhungen zu erzielen seien. Sicher seien bei den von den Gemeindeinstitutiorren vorzunehmenden Einkäufen durch eine 'Zentralisierung des Einkaufs bedeutende Einsparungen zu erreichen. Die Vertreter aller Parteien erklärten sich mit einer Steuerquole von 12 einverstanden. Der Antrag des Vorstandes wurde Demgemäß angenommen, und es wurde weiter beschlossen, die Anregung Dr. Fränkel und Dr. Kalmus an den Gemeindeoorstaird weiterzuleiten. An einen Antrag betreffend Nachbewiltigung von RM. 1850,— an den liberalen jüdischen Schulvercin schloß sich eine kurze Aussprache über die Schulpolitik der Gemeinde. Herr Dr. Lötvenberg (lib.) und Herr Dr. Fränkel (lib.) berichteten, daß die Zahl der öffentlichen Schulen, an denen jüdischer Religionsunterricht erteilt tvcrde, sich inzwischen vermehrt habe, daß der Unterricht von drei liberalen und drei orthodoxen Lehrkräften erteilt werde. Die weitere Erörterung, an der sich Herr Dr. Wohlgemuth (konserv.), Herr Dr. Kalmus (Zion.) und Herr Dr. Meyer (konserv.) beteiligten, ließ den Wunsch auskommen, den gesamten Fragenkomplex betreffend die Schulpolitik einmal besonders zu erörtern. Es folgten sodann 2 sehr interessante Kommissionsberichte. Frau Dr. Mcyer-Wedell (lib.) referierte über die Umgestaltung des Kleinkinderheinis Wilhelmshöhe, SKescm Heim ist jetzt ein Landheim für die jüdische Jugend angegliedert ivorden. Eine Einweihnngsseier fand vor kurzem in. Gegenwart behördlicher Vertreter statt. Die Neueinrichtung wurde aus Anregung der Referentin durchgeführt, weil die Erhaltung des Hauses in dem bisherigen Rahmen wegen der erheblichen Zuschüsse, die die Gemeinde hätte fortlaufend geben müssen, in Frage gestellt war. Außerdem kam man mit der Einrichtung eines Landheimcs den Bedürfnissen der jüdischen Jugend entgegen. Die bisher gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, daß der Betrieb im Klcinkindcrhcim durch die Angliederung des Land-» Heimes in keiner Weise gestört wird und daß irgendtvelche Zuschüsse seitens der Gemeinde in Zukunft voraussichtlich vollkommen entbehrt werden können. — Der Vorsitzende des Kollegiums, Herr Alfred Lisscr, dankte der Rednerin für die ausgezeichnete Lösung, die durch ihre Anregung erzielt worden sei. Herr Jsaaksen (WirtschastSpartci) erstattete den Bericht des sozialpolitischen Ausschusses. Dieser hat als erste Aufgabe die Kredit- Hilfe für den gewerblichen Mittelstand in Angriff genommen. Mit der Hamburger Ban! von 1926 ist eine Verbindung hergestellt mit dein Ziel der Gewährung von Darlehen an Angehörige des Mittelstandes. Es wird jetzt die Frage erörtert, ob die Gemeinde nicht dm Rahmen der Kreditempfänger ausdehnen könne auf solche Gemeindemitglieder, welche von der Bank keine Darlehen erhalten können, weil sie keine geeigneten Sicherheiten zu g?ben vermögen. —- Es sei geplant, das bestehende Borschußinstitut zu einem solchen Kredituntecnehmen mit Hilfe von Mitteln, die aufgebracht werden müßten, ninzugestaltcn. — In der Besprechung wünschte .Herr Dr. Marx (Zion.) die Aus dehnung des Aufgabengebietes dieser Kommission durch Jnangrifs nähme des Problems der jüdischen Arbeitgeber und jüdischen Arbeitslosen. Dieses Problem sei zlvar schon in anderen Kommissionen behandelt, müßte aber vom sozialpolitischen Ausschuß umfassend bc arbeitet werden. Zu diesem Zwecke ivurde dieser Ausschuß um drei Personen vermehrt, und zwar lvurden aus dein Kollegium in ihn iveiter entsandt: Herr Dr. Mark (Zion.), Frau Bauer (lib.! und Herr Dr. Löweuberg (lib.). Ein Antrag der Volkspartei, wonach die Ziisammensetznng des Gemcindevorstandes sich nach der Stärke der Parteien richten soll, ivurde vertagt. ' Es Fand alsdann noch die Wahl von drei Mitgliedern des Gemeindcvorstandcs statt. Herr Aby S. Marburg wurde wicdergewühlt; anstelle des wegen Ablaufs seiner Wahlperiode ausscheidenden Herrn Jacob Heckscher wurde Herr Herbert Oettingcr und für den wegen Krankheit ausscheidenden Herrn D. Frischmann .Herr Direktor Engel gewählt. Königsberg. (A u s den G e m c i n d e. k ö r p e r s ch a f t e n.) In der letzten Repräsentantenversammlung sprach der Repräsentanten- Vorsteher, Waisenhausdircktor P e r i tz, der Repräsentantin Frau Else Goldschmidt das Beileid der Versammlung zum Heimgang ihres Gatten ans. Sodann begrüßte er den erneut in die Versammlung eingetretenen Kaufmann Arthur F ü r st als Repräsentanten, der bereits früher 15 Jahre hindurch ununterbrochen in der Versammlung gewirkt hatte und nun in einen freigewordenen Repräsentanten- Posten wieder einrückt. Die Versammlung faßte den Beschluß, an den Wochlfahrtsvcrband hcranzutreten, damit dieser die Vertreter der Gemeindekörperschaften kooptiere. Zu Verhandlungen zwecks Zusammenlegung der Alten Synagoge mit der konservativen Gemeinde- Synagoge Ad aß Jisroel wählte die Repräsentantenversammlung ihre Mitglieder Max Simon und Paul Gr o n ow s k i. Zum Mitglied der musikalischen Kommission wurde das Gemeindemitglied, Frau R a b o w--W o hl g e m u t h und zum Mitglied der Schcchit-- tah-Kominission der Repräsentant P i c z e n i k gewählt. An die öffentliche Sitzung schloß sich eine geheime an. — Der Vorstand der Synagogengemeinde beschloß, dem Vorschlag des Synagogen Verbandes Ostpreußen, dessen Verbandsvorsteher Arthur Cohn (Jüdische Volkspartei) als ostpreußisches Mitglied für den großen Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vorgeschlagcn war, nicht beizutreten, sondern die Repräsentantenversammlung zu ersuchen, einem Vorschlag zuzustiinmen, der dahin geht, daß das bisherige Ratsmitglied, der Vorsitzende der Königsberger Gemeinde, Geheimrat Professor Dr. Falken heim, der auf liberalem Boden steht, wicdcrgewählt wird. Als Ersatzleute sollen der stellvertre lende Vorsitzende der Königsberger Gemeinde, Sally Joachim, und der stellvertretende Vorsitzende der Synagogcngemeinde Elbing, Max Friedtand, vorgeschlagen werden. Königsberg. (Ehrungen für Geheimrat Falkenheim.) Ungeheuer groß ivar die Zahl der Ehrungen, die dem verdienstvollen RatSmitglicd des Preußischen Landesverbandes der Synagogcngemcinden nnd Vorsitzenden der Gemeinde Königsberg, Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Hugo Falken he im, aus Anlaß seines goldenen Doktorjubiläums zuteil wurden. Neben telegraphischen Glückwünschen des Kultusministers Dr. Grimme, des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen Dr. h. c. Siehr, des Oberbürgermeisters der Stadt Königsberg Dr. Dr. h. c. L o h m e y e r sowie schriftlichen Glückwünschen des Univcrsitätskurators Dr. Hoffman n und vielen anderen gingen dem Jubilar eine große Reihe persönlicher Glückwünsche zu. Die Aerzte, Schwestern- und Patientcnschaft des katholischen St. Elisabeth-Krankenhauses, dessen In ncre Abteilung Geheimrat Falkenheim leitet, veranstaltete im Kran kenhaus eine besondere Feier, die vom Chor der Grauen Schivestern musikalisch umrahmt wurde. Nach einer Ansprache des Vertreters der Patientenschaft übermittelte namens der Leitung und »amens der Aerzleschaft Professor Ehrhardt die herzlichsten Glückwünsche. Bald danach erschien in der Wohnung des Jubilars eine Deputation, bestehend aus Seiner Magnifizenz dem Rektor der Königsbergejr Albertus-Universität Professor Dr. Mitscherlich, und den De kauen der medizinischen, evangelisch-theologischen, philosophischen und rechts- und staatswisscnschaftlichen Fakultäten zusammen mit ^einer Anzahl Professoren und Dozenten. Der Rektor würdigte die großen Verdienste Falkcnheims um die Wissenschaft nnd die medizinische Fakultät, nrsbesondere auch seine Verdienste um die Schaffung der Universitäts-Kinderklinik, und überreichte eine Glückwunschadresse, während der Dekan der medizinischen Fakultät das erneuerte Doktordiplorn überreichte. Späterhin erschien eine Deputation i>cs Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens unter Führung des Landesverbandsvorsitzenden Sanitätsrat Dr. P o l l n o w, um ihrem Ehrenmitglied, Hauptvorstandsmitglied und Vorsitzenden der Ortsgruppe Königsberg die Glückwünsche zu überbringen. Für die evangelischsozialen Organisationen und für die jüdischen Hilfsorganisationen erschienen zur Gratulationscour Generalsuperintendcnt G e u n r i ch und Gemeinderabbincr Dr. Le Win. Abends gedachte gelegentlich einer Vorstandssitzung der Synagogengemcinde deren stellvertretender Vorsitzender, Kaufmann Sally Joachim, -der Verdienste Falkenhcims und sprach ihm die herzlichsten Glückwünsche der Gemeinde, aus. Geheimrat Falkenheim dankte auf alle Ansprachen sehr gerührt. Künzelsau. (Persönliches.) Die langjährige Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau Sofie Furchheinier, ist verschieden und unter starker Beteiligung der Ortseingesessenm zu Grabe getragen worden. Die Verblichene hat 25 Jahre gemeinnützig gewirkt und sich dadurch die Sympathie aller erworben. Lehrer Goldstern