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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-02-11 · 6 (11.2.1931) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
6 (11.2.1931)
Date
1931-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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llmversitalskrawalle in Men Anläßlich brr Wahlen zu brn studenrifchen Vertretungen an der Universität Wien >var eS, wie in alten Tageszeitungen berichtet wurde, zu schweren antisemitischen Krawallen in ber Universität gekoinmcn. Wir verössentlichen nachstehend einen Artikel aus dein Wiener jüdischen Btatt „Tie Wahr heit", dem Organ der „Union deutsch-österreichischer Juden", der die Verhältnisse in der Wiener Universität beleuchtet. Tie Red. Der Ruf „Deutschland erwache!" gefolgt von bem „Juda verrecke", erschallt jetzt von der Universität über die Ring straße und ist Auftakt zu den Kammerwahleu der Deutschen Studentenschaft, den ersten, die auf Grund der berüchtigten Studentenordnung des Rektors Gleispach durchgesührt werden. Wie erinnerlich, verfügte dieses im mittelalterlichen Geiste stehende Studentenrecht die Zusammenfassung der Studenten zu Nationen auf Grundlage der Abstammung (!), erklärte aber gleichzeitig die schon bestehende „Deutsche Studentenschaft" zum offiziellen Vertretungskörper aller deutschen Studenten, wobei ihr gegenüber den' anderen zu gründenden Nationen das ausdrückliche Primat zuerkannt wurde. Diese Einheitsfront von klerikalen und nationalistischen Rasseantisemiten er freute sich auch schon vor Erlassung der Studeutenorduung der besonderen Liebe und Fürsorge der akademischen Behörden, so daß die sogenannten Aemter der Deutschen Stu dentenschaft sich in der Universität breitmachten, Wissenschaft liche Betriebe darin aber keinen Platz fanden. Diese Fürsorge der Behörden wurde auch entsprechend belohnt, indem diese Studenten Vorlesungen sprengten und andersgesinnte Hörer verprügelten. Als nun dieser Klüngel von verheizten und unreifen Rowdys, dessen gcstiger Ausdruck der Arierparagraph ist, die offizielle Anerkennung der Universität fand und damit auch der Rassestandpunkt einer bis dahin privaten Vereinigung zum offiziellen erhoben wurde nebenbei ausgerechnet von Herrn WenzeSlauS Gleispach, der von seiner deutschen Abstammung einen mehr als fünfundsiebzigprozentigen Rabatt gewähren müßte , ging ein Sturm der Entrüstung durch die freisinnige Oeffentlichkeit. ES langten Zuschriften von Männern wie Thomas Mann, Stefan Zweig u. a. ein, die mit Recht auf die Uiiwiff'eiischaftlichkeit des Rassestandpunktes verwiesen und auf die Lächerlichkeit, diesen gerqde in einem Lande zu praktizieren, iu dem infolge der politischen Zusammenfassung von verschiedenen Völkern eine jahrhundertealte Vermischung stattgefnnden hatte. Vor allem aber wies Prof. Hupka iu einem glänzenden Artikel die Verfassungswidrigkeil der Studeutenorduung nach. In echt österreichischer Weise fehlte es auch nicht an Beschwichtigungen von seiten der Re gierung gegenüber empörten Vertretern der Wiener Indem schaff, indem angedeutet wurde, daß die Gleispachsche Studentenordnung niemals so in Kraft treten würde (sic!). Sehrinteressant gestaltete sich der EhrenbeleidigungSprozeß des Rektors bst' Universität gegen den Chefredakteur Klebinder, in dem der Angeklagte in treffender Weise erklärte, daß gerade die hervorragendsten Gelehrten der Wiener Universität wie etwa Menger, Nnger, Glaser, Schnitzler, Freud nicht Deutsche im Sinne der Studeutenorduung wären. Mit größter Deutlichkeit drängte sich damals die Ueberzeugung aus, daß.dieser Pseudostolz auf die Abstammung die wissenschaftliche und intellektuelle Minderwertigkeit eines großen Teiles dieser Radaustudenten verdecken soll. Jin weiteren Verlauf des Prozesses schloß sich das Gericht dem allgemeinen Bedenken über die Verfassungsmäßigkeit der Studentenordnung an und ver wies dasselbe an den Versassungsgerichtshos zur Ueberprüfung, wo sie noch heute einer Erledigung harrt. An dieser Stelle verdient das Verhalten eines Teiles der jüdischen Studentenschaft, der jüdischnationalen Judäa, festgehalten zu werden, die im Kampfe der freisinnigen Studentenschaft um Durchsetzung des Staatsbürgergrundsatzes im Studentenrecht sich auf die Seite der Antisemiten stellte, indem sie die Gleispachsche Studentenordnung begrüßte, obwohl sie sich hätte bewußt sein müssen, daß sie durch dieselbe zur Studentenschaft zweiter Ordnung würde. Die Studentenordnung der Universität blieb nicht ohne Nachfolger. Der Ruhm des Herrn Gleispach ließ den Rektor der Handelshochschule nicht schlafen und er erließ auch ein Studentenrecht. Aber hier genügte das Eingreifen von Wirtschastskreisen, um diesem Spuk ein Ende zu machen, woraus sich ergibt, daß die Hochschule kein Staat im Staate sein darf, sondern die Oeffentlichkeit, die das Geld gibt, Einfluß nehmen muß und soll, damit der Radaugeist serngehal teu werde. Den Höhepunkt erreich: dieser Studeutenrechtsskaudal der Universität in diesen Tagen, da diese sogenannte Deutsche Studentenschaft aus Anlaß ihrer Kauunerwahlen an die Hörermosaischer Konfession, die in ihrem Nationale sich zum deutschen Volke bekannten, folgendes Schreiben richtete: Deutsche Studentenschaft an der Universität in Wien. Vorprüfungsausschuß. Zahl: Datum 21. Jänner 1931. N. N. Herrn. Fräulein. Wir teilen Ihnen mit, daß gegen Ihre Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft auf Grund § 11 der Wahlordnung Einspruch erhoben wurde. Sie werden hiermit von diesem Einspruch verständigt, mit der Bemerkung, daß Sie dagegen binnen acht Tagen unter Vorlage der Belege an das Schiedsgericht Berufung einlegen können, widrigenfalls Sie aus der Wählerliste g e st r i - ch e n e r s ch e i n e u! Der Vorprüsungsausschuß. Aus eine Frage, lvie diese Belege beschossen sein müssen, erwiderte die Deutsche Studentenschaft: Wien, 21. 1. 1931. Unter einem Beleg für die deutsche Abstammung im Sinne der Zuschrift des Vorprüfungsausschusses von: 21. I. 1931 sind die Taufscheine beider Eltern zu ver stehen, wenn daraufhin kein weiterer Zweifel in die nichtjüdische Abstammung dos Angefochtenen besteht. Im Zweifelsfalle sind auch die Tausscheine der G rostet t e r n beizubringen. Fiir den Vorprüsnugsausschuß gez. Phil. Otto Steiner gestempelt: Deutsche Studentenschaft der Universität Wien, .Mitgtied der „Deutschen Studentenschaft" Auf diese Weise wurden 1209 Hörer österreichischer, zum Teil sogar reichsdeutscher Staatsbürgerschaft, herausrellamiert. Die Deutsche Studentenschaft hat sich dainit auch in ihrer Eigenschaft als offizielle Organisation auf den rassenantisemitischen Standpunkt festgelegt. Gegen diesen Hochschulantisemitismus gilt es itim, den Kampf mit aller Vehemenz zu führen, es gilt auch, daS deutsche Volk, daS jetzt wirtschaftlich und seelisch tief darniederliegt, aufzurütleln und ihm zu zeigen, daß eS einen falschen Weg beschreitet. Deutschland erwache! cand. jur. Max Marl. Niederlage Fricks im Reichsrat Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Zweiger befaßte sich der Reichsrat in seiner öffentlichen Sitzung ^m 6. Februar mit dem Einspruch Thüringens gegen die seitens Preußens und einer Reihe anderer deutscher Bundesstaaten, wie z. B. Baden, Hessen, Anhalt, Bremen, Mecklenburg-Strelitz vorgenommene Einbürgerung von Ausländern. Der thüringische Innenminister Frick hatte seine Einsprüche, die sich fast nur gegen die jüdischen Ausländer wenden, damit begründet, daß die Einbürgerung von rassenfremden Elementen die Sicherheit des Reiches gefährde. Im ganzen handelt es sich um etwa 400 Einbürgerungsfälle. In einer der vorigen Reichstagssitzungen wäre:: bereits 62 Falle gegen Frick entschieden worden. Jetzt standen 129 weitere Fälle zur Entscheidung. Die erste Gruppe umfaßte 73 Fälle meist jüdischer aus den: Osten eingewanderter Persönlichkeiten, die über 25 Jahre in Deutschland ansässig sind. Die Ausschüsse hatten dem Plennnl empfohlen, den Einspruch Thüringens als unbegründet ^zurückzuweisen. Das Plenuin beschloß demgemäß gegen die Stimmen Thüringens und Braunschweigs und bei Stimmenthaltung des preußischen Provinzialvertreters für Ostpreußen. Es kamen dann 15 Fälle zur Abstimmung, bei denen die Einzubürgernden etwa 20 Jahre in Deutschland ansässig sind. Gemäß der Erypsehlung der Ausschüsse wies das Plenum Thüringens Einspruch ab. - In 14 weiteren Fällen, bei denen es sich um Personen handelt, die etwa 15 Jahre in Deutschland ansässig sind, hatten die Ausschüsse beschlossen, den Einspruch Thüringens als begründet zu erklären. Auf Antrag des preußischen Vertreters, Ministerialdirektors Brecht, wies das Plenum trotzdem den Einspruch Thüringens ab. Mit Preußen stimmten Baden, Hessen, Hamburg, Anhalt, Bremen, Lippe-Detmold, Lübeck, Mecklenburg-Strelitz und Schaumburg-Lippe. - Mit 33 gegen 30 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen wies das Plenum schließlich in 18 Fällen, bei denen die Einzubürgernden etwa 12 Jahre in Deutschland lebten, den Einspruch Thüringens zurück. Damit hat Thüringen in allen bisher behandelten Einbürgerungsfällen eine Niederlage erlitten, und der Versuch Fricks, in diesem Falle eine Mehrheit gegen Preußen zusammenznbringen, um Preußen im Reichsrat im allgemeinen zu isolieren, schlug vollkommen fehl. In der der Abstimmung vorangegangeuen Debatte führte Ministerialdirektor Brecht u. a. aus, der Einspruch Thüringens sei rechtlich unzulässig und sachlich ungerechtfertigt. Man könne nicht alle Fremdstcimmigen allgemein als schädlich für das Slaatswohl hinstellen, :nan müsse den Einzelsall prüfen. Günthers Rassenlehre gehe darauf hinaus, das; vier Fünftel der deutschen Bevölkerung sremdrassig seien, darunter sehr viele oberbaycrische Bauern. Zur Frage der künftige:: Einbürgernngspraxis faßte der Reichsrat eine Entschließung, für die Zukunft eine strengere Handhabung platzgreifen zu lassen, und zwar im Hinblick daraus, daß nach dem Kriege und namentlich während ber Inflationszeit unkontrollierbare Eleniente über die offenen Grenzen, zum Teil illegal, nach Deutschland gekommen seien. ES werde, mit gewissen Ausnahmen, eine zwanzigjährige Auseuthaltsdauer gefordert werden müssen. Unter den durch Beschluß des Reichsrats bestätigten Einbürgerungen handelt es sich u. a. n:n mehrere angesehene Persönlichkeiten, unter ihnen den iu der ganzen Welt bekannten Tennisineister Daniel Prenn, der Jude und in Polen gebürtig iß. volkslrauertag Auch in diesen: Jahre hat der B o l k s b u n d D e u t sch e K r i e g s g r ä b e r s ü r s o r g e, in dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlossen, einen Volkstrauer-- tag zur Ehrung des Andenkens der im Weltkriege gefallenen. Soldaten zu begehen. Dafür ist Sonntag, der 1. Mär- 1931, bestimmt worden. An diesem Tage sollen religiöse und weltliche Gedenkfeiern veranstaltet und Vergnügungen und Lustbarkeiten eingeschränkt werden. Es ist dringend erwünscht, daß^ tp.ie es in früheren Jahren geschehen, die jüdischen Gemeinden an dein genannten Tage einen besonderen Gottesdienst veranstalten. PZo das in kleinen Gemeinde: nicht möglich sein fällte, wäre doch beim Sabbatgottesdienst am 2 8. Februar 1931 eine Gefallen en-Gedächtnisseier einzuschieben und darauf hinzuweisen, daß, am Sonntag, den 1. März, dem Ernst des Tages durch Beschränkung der öffentlichen Lustbarkeiten Rechnung getragen wird. Wann kamen die ersten Anden nach Amerika? Das amerikanische Judentum feiert den 275. Geburtstag der ersten jüdischen Gemeinde. Von C a r p e n t e r. Mitten in der schweren Wirtschaftskrise der Vereinigten Staaten von Nordamerika, die insbesondere weite Kreise des jüdischen Mittelstandes geradezu pauperisiert hat, feiert das amerikanische Judentum den 275. Geburtstag der ersten nordamerikanischen jüdischen Siedlung, aus der sich die heutige jüdische Viermillionenbevölkerung Amerikas entwickelt hat, die auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens der Vereinigten Staaten zu hervorragender Bedeutung gelangt ist. In das Jahr 1655 fällt die Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in Boston, was freilich nicht ausschließt, daß schon in früherer Zeit einzelne jüdische Familien sich auf dem weiten Territorium Amerikas niedergelassen haben. Daß schon Christoph Columbus aus seiner ersten Flotte, die den: neuen Erdteil zustrebte, zwei Juden mitgenonunen hatte, dürste allgemein bekannt sein. Es waren dies die damals namhaften jüdischen Aerzte Bernal und Marco, beide Marannen (Judcuchristen), die an der Entdeckung Amerikas einen immerhin nicht zu unterschätzenden Anteil hatten. Die eigentliche Einwanderung von Juden in die Neue Welt beginnt jedoch erst etwa anderthalb Jahrhunderte später und der erste Jude, der sich in Amerika dauernd niedergelassen hat, erscheint in den Archiven der Stadt Boston im Jahre 1648. Er war als der SchisfSherr Jsaac Abrahams aus Holland bekannt, der gleich nach seiner Ankunft einen Bootsverkaus an die Genreinde getätigt hatte. Ein Jahr später begegnen wir schon einem zweiten Juden, dem Handelsagenten Salomon Frank, der den holländischen jüdischen Kaufmann Emanuel Ferraro in Boston vertrat. Frank wollte die Bürgerschaft der Stadt erwerben, doch die Bostoner Stadtväter verweigerten ihm dies und beschlossen, dem Juden im Verlaufe von zehn Wochen sechs Schilling wöchentlich aus der Stadtkasse auszuzahlen, bis er das nötige Geld verdienen wird, um die Rückreise nach Holland antreten zu können. In demselben Jahre taucht in Boston noch ein dritter Jude aus, der jedoch später, wegen Störung der Sonntagsruhe, stadtverwiesen wurde. Er fuhr nämlich an einem Sonntag in seinem Vehikel mitten durch die Stadt — ein Vergehen, das ihm die strenggläubigen, frommen Pari- | inner nicht verzeihen konnten. Sein Glaubensgenosse, Roland Gideon, „der Jude", wurde im Jahre 1674 öffentlich ausgepeitscht, da er aus Versehen in eine Versammlung der Quäker geriet, die die intoleranten Puritaner mit den schärfsten Mitteln bekämpften. So klein und unansehnlich die Zahl der Juden in Neu- England um jene Zeit auch war, so waren sie doch schon das Objekt des Bekehrungseifers eines frommen, fanatischen Priesters, der die Wiederkehr Christi noch unbedingt mit eigenen Augen sehen wollte. Diese schien ihm aber nicht möglich, solange nicht alle Juden der Welt den christlichen Glauben angenommen haben. Der fromme Priester starb, ohne sein Lebensideal erreicht zu haben. Nicht mehr als zwei Juden vermochte er der alleinseligmachenden Kirche zuzuführen: einen gewissen Simons aus Deutschland und den „Rabbiner" aus Amsterdam Jehudah Muuisch, den ersten Professor für Hebräisch an der Harvard Universität, die damals allerdings nichts anderes als ein Priesterseminar war. Die Zöglinge des Priesterseminars waren verpflichtet, viermal wöchentlich die Vorlesungen des jüdischen Professors, des „Rabbiners", anzuhören. Später gelang es jedoch dem Missionar Mudher, ihn zur Taufe zu bekehren, worauf sein Gehalt erhöht wurde und die Zahl seiner .Hörer zusehends abnahm. Die ersten deutschen Juden kamen nach Arnerika gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Der „Pionier" war ein gewisser Jsaac Wulf, eit, tüchtiger Handwerksmann, dessen Beispiel später zahlreiche andere deutsche Juden nachahrnten. Sie befaßten sich zunächst mit bem kleinen Hausierhandel, zogen mit ihren Waren durch die Städtchen und Dörfer des Landes und kehrten Freitag abends heim, u:n den Sabbat feiern zu können. Die eingewanderten Juden waren von den „Bodenständigen" nicht immer gern gesehen. D:e Puritaner, die sich oft genug für die einzigen legitimen Erben der Lehre Moses ausgaben, haben auf Judenverfolgungen doch nicht ganz verzichten wollen, die zumeist die Form von Ausweisungen annahmen. Einer der Ausgewiesenen, namens Jsaac Moses, „vergalt" ihnen diese Grausa:nkeit später damit, daß er während der Befreiungskriege der hungernden Stadt die Hälfte seines riesigen Getreidelagers schenkte. Ebenso verproviantierte er auch die Armee der Befreiungskämpfer mit Lebensmitteln aus seinen Depots. Später allerdings erhielt der Name des deutschen Juden Jsaac Moses einen Ehrenplatz im goldenen Buche der großen amerikanischen Patrioten. Konzert der Mischen Orchestervereinigung Die Jüdische Orchestervereinigung, ein aus jüdischen Mnsikdilettanten besteheitdes Orchester, macht es sich zur Aufgabe, klassisch-symphonische und jüdische Musik zu pflege«. Sie will insbesondere jüdischen Komponisten mit „betont jüdischem Schaffen" den Weg in die Oeffentlichkeit bahnen und damit die jüdische Musik zu einer neuen Blüte entgegenführe«. Erscheint uns zwar diese Ankündigung nicht durchaus klar und irrtumssrei, so ist es dennoch zu begrüßen, wenn die Jüdische Orchestervereinigung sich bemüht, von ihrem Tätigkeitsfeld her einen Beitrag zum Problem der jüdischen Musik zu liefern. Das Programm des kürzlich! in der Hochschule für Musik stattgefundenen Konzerts enthielt allerdings vorerst nur symphonische Musik der Klassik und Romantik wie Goldmarks Symphonie in Es-dur, die bekannte Laichliche Hochzeit, das Violinkonzert von Beethoven, mit ausgeglichenem, schlackenreinem Ton (abzüglich einiger Unebenheiten) von dem sehr begabten Russen Sascha Pernes stilvoll gespielt, und Webers Oberon-Ouvertüre. Die beiden hebräischen Gesänge, die anstelle des plötzlich erkrankten Oberkantors Nenmann vom Friedenstempel Oberkantor Gollanin mit Erwin Jospe an der Orgel ohne Vorbereitung, aber nichtsdestoweniger in bekannt hochwertiger musikalischer Ausführung sang, paßten doch! nicht recht in den Rahmen dieses Programms und schienen dort 'nur zwangsmäßig untergebracht zu sein. Gollanin errang sich denn auch mit dem meisterhaften Vortrag eines deutschen und eines schwedischen Volksliedes den sttirmischsten, wohlverdienten Beifall des Abends. Das Orchester bewältigte die keineswegs einfachen Aufgaben, die das Programm stellte, recht wacker. Wer die Schwierigkeiten eines aus Dilettanten zusammengesetzten Orchesters kennt, kann dem Dirigenten Leo Kopf für seine erzieherische Leistung nur hohes'Lob aussprechen. Wenn auch insbesondere in der Oberon-Ouvertüre der Ueb erschwang des Blechs hätte etwas eingedämmt werden können, so sei anderseits die sehr zurückhaltende, auf ein echtes piano gestellte Orchesterbegleitung des Violinkonzerts als rühmenswerte Leistung anerkannt. Der reiche Beifall zeigte dem Orchester, mit welchem Interesse seine Leistungen verfolgt werden. Dr. H. Schi tdb erg er.

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