Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 5 (4.2.1931)
- Date
- 1931-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Beschluß wurde gutgeheißcn und zugleich ein besonderer Ausschuß eingesetzt, der sich mit den einschlägigen Fragen beschäftigen sott. Schr eingehend wurde die Ausgestaltung und Neuordnung des Religionsunterrichtswesens und die Schaffung von geeigneten Lehrbüchern behandelt. Es wurde allseitig,' anerkannt, daß auf diesem Gebiet grundlegende Aenderungen nötig sind. Der früher von der Arbeitsgemeinschaft eingesetzte Ausschuß wurde beauftragt, seine Arbeit unter Zuziehung von Fachgelehrten sortzusehen, und vor allem auch die allgemeinen Bedingungen und Richtlinien für die Ausarbeitung der Lehrbücher sestzulegen. Anschließend an frühere Beratungen wurden die bisherigen Ergebnisse der von dem Preußischen Landesverband Aur Linderung der jüdischen Mirtschastsnot getrojsenen Maß< nahmen besprochen. Tie Erhaltung des in Marburg bestehenden Heilerziehungsheims, welche aus Mangel an Mitteln gefährdet ist, sott dadurch gewährleistet werden, daß die in der Reichsarbeitsgemeinschast rereinigten Landesverbände sich gemäßen vor einiger Zeit an Ort und Stelle getroffenen Vereinbarungen mit angemessenen Beiträgen beteiligen. Abgesehen von der Behandlung einiaer besonderer Angelegenheiten wurde endlich noch über die schwierigen Verhältnisse in den kleinen Landesverbänden, insbesondere in Oldenburg berate». Der Preußische Landesverband wurde mit den Vorarbeiten für die Errichtung eines Hilfsfonds für notleidende Landesverbände beauftragt und ersucht, die evsorderlicken Schritte sofort einzuleiten. Tie Versammlung, welcher ein außerordentlich reiches Material zur Beschlußfassung unterbreitet war, wurde nach Ivslkindiger Dauer erst in den Abendstunden geschlossen. Abschaffung der gesetzlichen Deschränkungen gegen die Anden in Polen Ein historisches Ereignis für das polnische Judentum. Warschau, 28. Januar. (Jta.) Der polnische Sejm behandelte in seiner gestrigen Sitzung als ersten Punkt der Tagesordnung das Gesetzprojekt betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung. Saal und Galerien waren voll besetzt. Der Referent der juridischen Kommission, Deputierter Jefzke, beantragte die Annahme des Regierungsentwurfes und die Ablehnung der Vorschläge des national-jüdischen Klubs. Es handele sich, sagte er, um ein Gesetzprojekt zur Verwirklichung jener Bestimmung der Verfassung der polnischen Republik, die die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz zum Inhalt hat. Deputierter Dr. Sommerstein, der Sprecher des jüdischer AMs, gab einen Ueberblick über di« bisherigen Bemühungen Kur Abschaffung der gesetzlichen Beschränkungen gegen die J«chen. Alle Anträge, die der jüdische Klub in den drei vorangegangenen Legislaturperioden des polnischen Sejm eingedracht hat, kamen nicht zur endgültigen Erledigung, so daß noch bis zum heutigen Tag mittelalterlich anmutende Beschränkungen der bürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung in Geltung seien. Der Redner begründete die Borützläge des jüdischen Klubs und betonte, haß im Sinne der Konstitution alle jene Beschränkungen, die hinsichtlich der Rafft, Sprache, Nationalität oder des Glaubens einzelner GruMn von Bürgern bestehen, ausnahmslos abgefchafft werden müssen. Der jüdische Klub erhebt darum die Forderung, dach in dem neuen Gesetzprojekt unzweideutig ausgesprochen werden sott, daß alle jene Verordnungen und Vorschriften, die sich auf die erwähnten Beschränkungen stützen, null und nichtig sind. Es handelt sich hier nicht nur um die Erfüllung einer konstitutionellen Pflicht gegenüber der jüdischen Bevölkerung, sondern auch um die Ehre des., polnischen Staates, für den es ein Makel ist, daß alte zarifche und (aus der Zeit der deutschen Okkupation) kaiserliche Gesetze noch m der heutigen Republik in Geltung seien. Deputiere* Sommerstein erklärte, auch wenn der Sejm die Regierungsvorlage annimmt, werden die Juden ihren Kamps fortsetzen nach der Richtung, daß alle Vorschriften der Konstitution bezüglich der Rechte der Juden als Bürger und als einer Minderheit verwirklicht werden. Bis jetzt sind mehrere Bestimmungen der Konstitution, die sich aus das Schulwesen, die religiösen Gemeinden, das Recht auf Arbeit beziehen, leider mit Bezug auf die Juden auf dem Papier geblftben. Die Inden fordern die Anerkennung ihrer Reichte, der jüdische Klub wird seinen Kampf so lange fortsetzen, bis diese Rechte durchgeführt sein werden. In der darauffolgenden Aussprache forderte der Natio- «akdemokrat Jaszwinsky die Rückverweisung des Gesetzes an den Ausschuß. Der Geistliche Czau (Regierungspartei) begrüßte das Projekt, das nicht nur die Beschränkungen gegen die Juden, sondern auch diejenigen gegen die katholische Kirche aushebt. Der jüdische Deputierte der Regierungspartei, Minzderg, dankte der Regierung dafür, daß sie das Projekt dem Sejm unterbreitet hat. Bei der Abstimmung wird das Regierungsprojekt mit großer Mehrheit angenommen. Die Vorschläge des jüdischen Klubs werden abgelehnt. Angenommen wird nur der Vorscklag. der die Gleichberechtigung der hebräischen und der riddischen Sprache im öffentlichen Leben ausspricht. August Rohling, der Nestor der deutschen Antisemiten, gestorben Im Alter von 92 Jahren verstarb heute in Wien Professor August Rohling, der älteste unter den Führern des Antisemitismus in Deutschland, wohl der erste, der es unternahm, den Antisemitismus „wissenschaftlich" zu fundieren und so Ideal und Vorbild aller antisemitischen Falscher von heute geworden ist. August Rohling wurde 1839 in Neukirchen geboren, wurde später Theologieprviessor an der Universität Münster und 1881 an die Prager deutsche Universität berufen. Schon in Münster begann er eine hetzerische antisemitische Tätigkeit. 1871 ließ er dort seinen berüchtigt gewordenen „Talmudjuden" erscheinen. Tie Schrift wurde in Zehntausenden von Exemplaren verbreitet, ein Neudruck erschien 1924. Ter „Talmudjude" ist ein Pamphlet, das den Nachweis erbringen w'll, daß „der Jude oon Reiigions' wegen die Andersgläi^- bigen physisch und moralisch, heimlich oder vsfen ft verderben befugt ist". Ter vor einigen Jahren verstorbene einstige Abgeordnete des österreichisch-n Reichstags Tr. Joses Bloch, damals Rabbiner in der Wiener Vorstadtgeme'nde Floridsdorf, stellte öffentlich die Behauptung aus, daß Rohling nicht in der Lage ist, auch nur eine Seite des Talmuds zu übersetzen und daß! er die Gerichte durch falsche Angaben hintergegangen habe. Im Verlause der von ihm gegen Bloch angestrengten Prozesse erklärte sich Rohling bereit, vor dsin Gerichtshof in Lemberg zu beeiden, daß die jüdische Religion den Ritualmord kenne. Bloch veröffentlichte in der Tagespresse Erklärungen, in denen er Rohling des Meineids und der Lüge bezichtigte. Es kam daraufhin wieder zu einem Prozeß, in dem die angesehensten Orientalisten, wie Noeldeke Wünsche, Franz Delitzsch, gegen Rohling als Gutachter aujtraten und ihm Ignoranz und bewußte Fälschungen nachwiesen. Unmittelbar vor der Schlustperhandlung des durch zwei Jahre sich hinziehenden Prozesses trat Rohling von der Anklage zurück und war damit vor aller Welt als Ignorant und Meineidiger gebrandinarkt. Das Unterrichtsministerium legte ihm daraujhin nahe, aus seine Professur zu verzichten. Nach längerem Sträuben mußte sich Rohling schließlich dazu verstehen, seine akademische Würde niederzulegen. Er betätigte sich dann noch viele Jahre lang in der antisemitischen Bewegung Oesterreichs und Deutschlands. Ungeachtet der Ergebnisse des Prozesses gegen Tr. Bloch, die für Rohling vernichtend waren, lieiern Rohlings Schriften bis heute den Antisemiten das „wissenschaftliche" Rüstzeug gegen die Juden. Sein treuester Schüler in Deutschland ist der Leipziger ,.Hammer"-Herausgeber Fritsch. Robling war vor einer Reihe von Jahren in den Hintergrund getreten, er lebte in Salzburg und \n Wien. In den letzten Jaliren war er schwachsinnig geworden. Er starb in Not und Elend. Der Weg der jüdischen Zugend Bon Eugen Roth. Es ist außerordentlich schwierig, bei der augenblicklichen Verworrenheit der materiellen und geistigen Grundlagen, einen Bevölkerungsteil, eine bestimmte Schicht oder gar einen ffeinen Ausschnitt eines Volksteiles richtig zu beurteilen. Dies hindert nicht, daß noch zu keiner Zeit so vieles über die Jugend geredet und geschrieben wurde wie iu den letzten zehn Jahren. Wollte man all das znsammenstellen, was über den mutmaßlichen Weg geschrieben worden ist, den die Jugend gehen wird, die den Krieg nicht aktiv milgemacht, sondern die in Krieg und Inflation groß geworden ist, so würde man ganze Zimmer damit füllen können. Und doch, die Unklarheit über die geistige Verfassung dieser Jugend ist unvermindert. Die Schwierigkeiten des richtiqen Erkennens verdoppeln sich noch bei dem Versuch, die Richtung zu erkennen, in der sich die jüdische Jugend in Deutschland fortbewegt. Es hat an geistvollen Versuchen, die Wegsvur zu erkennen, nicht gefehlt. Doch, wie alles heute im jüdischen Leben Deutschlands, geschah auch dies immer im Banne bestimmter jüdisch-politischer Grundsätze mit der unverkennbaren Absicht iub—iiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHmiiimwimwuiMiii—mmnwuiwiiiniwwwii rern berufenen Menschen Ausschau zu halten. Man darf nicht in den Fehler verfallen, das Verdienst in der Organisation zu sehen. Man erfaßt in der ,Organisation viel leichter die Mittelmäßigen als die Guten, da bekanntlich jeder geistig interessierte Mensch schwerer zum Beitritt rn einen Verein zu bewegen ist, als ein lediglich auf Abwechslung und Unterhaltung bedachter. Wenn man also vom Weg der jüdischen Jugend spricht so muß man sich zwar auf die wertvollen Kräfte, die die Organisationen gesammelt haben, stützen, muß aber aus jenem großen Bassin der Unbekannten neue unverbrauchte und unvoreingenommene Menschen heraussuchen. Denn schließlich sind es nicht die Vereine, die das Gesicht und dm Weg einer Gemeinschaft bestimmen, sondern es ist der Geist, der die Menschen beseelt, welcher die Zukunft eines Volkes und auch einer Konfession bestinunt. Man muß es vor allem auch einmal unternehmen, an diejenigen Menschen heranzukommen, die heute voller Unzufriedenheit mit dem jüdischen Bürgertum unserer Tage bei den sozialistischen und kommunistischen Verbänden ein Tätigkeitsfeld sich gesucht haben. Gewiß, die Anziehungskraft, die das deutsche Judentum in seiner heutigen Gestalt ausüben kann, ist für den jungm Menschen nicht sehr groß. Der Partei- und Kastengeist, der in andern Schichten des deutschm Volkes sich so lähmend breit gemacht hat, hat auch die Juden ergriffen. Und die Front der Vernünftigen, die sich in Dmtschland so langsam zu bilden beginnt, sollte bald eine Front der vernünstigm Juden im jüdischen Leben zur Folge haben. Damit, daß.auf den Kandidatenlisten der eine oder andere „bewährte Führer der Jugend" erscheint, ist dem Witten der Jugend nicht Genüge getan. Abgesehen davon, daß dieser Führer dann meist seine Jugendlichkeit durch lange Führertötigkeit verloren hat und sich bereits als Prominenter fühlt. Der Weg der jüdischen Jugend führt hinweg vom Judentum und wird so lange hinweg vom Judentum führen, bis man erkannt hat, daß man, wie es den Liberalen bei den Berliner Wahlen erstmalig gelungen ist, an die weiten Kreise des zwar jüdisch interessierten, aber jüdischen Organisationen abholden Teiles der jüdischen Bevölkerung herankommen muß. Es sind nicht die schlechtesten Kreise, die abseits von dem eifrigen Getriebe der Vereine und Bünde stehen, und es sind viele darunter, die darauf warten, für ihr Judentum sich betätigen zu können. Der Berliner Wahlkampf gibt den Fingerzeig dafür, wie man es machen soll. Der Erfolg der Liberalen ist auch der Erfolg der abseits Stehenden, an die mehr als bisher herangegangen werden muß. Der Weg der jüdischen Jugend wird wieder zum Judentum führen, wenn man ihr die Chance gibt, der Brückenbauer zu fein zwischen den Organisationen einerseits und der breiten Masse der nicht Erfaßten andererseits. r* Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schriftlettmra KAaMtz Mt gesetzliche Beantwortung. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung »ei alle« Postämtern Deutschlands der Propaganda für die eigene Weltanschauung. Besonders die Zionisten sind seit jeher Meister darin gewesen, chre eigene Anschauung als die jugendliche und als dir jüdisch« propagieren und andere Auffassungen vom Judentum als die ihrige, für deren Jugendlichkeit lediglich chr Alter von 30 Jahren spricht, als alt und assimilatorisch zu kernozeichnen. Dem gegenüber soll einmal versucht werdm, aus der Kenntnis der Einstellung vieler jüdischer junger Menschen, die wirkliche Wegrichtung der jüdischen Jugend aufzi^eigen. Die organisatorische Erfassung der jüdischen Jugend bildet nur einen notdürftigen Anhaltspunkt. Die Zahl der von jüdischen Jugendorganisationen erfaßten Jugendlichen dürfte höchstens 18000 Menschen betragen, wobei noch berücksichtigt werden muß, daß ein erheblicher Teil der als Mitglieder dieser Organisationen geführten Personen das jugendliche Alter bereits überschritten hat, oder lediglich in den Listen der Organisationen existiert. Bon diesen 18 006 eingeschriebenen Organisierten entfallen etwa 10000 aus den Verband der jüdischen Jugendverein« Deutschlands, etwa 3000 auf die deutsch-jüdischen und liberalen und etwa ebensoviel auf die zionistischen, der Rest auf die orthodoxen Jugendorganisationen. Errechnet man die Zahl der jüdischen Jugendlichen zwischen 16 und 28 Jahren mit etm 75 000, so ergibt sich, daß etwa der fünfte Teil nur organisatorisch erfaßt ist. Der große unsichere Faktor in der jüdischen Zukunft Deutschlands ist die große Zahl der nicht Erfaßten. Es wäre völlig verfehlt, alle diejenigen, die in eine der bestehenden Jugendorganisationen nicht hineinwollen und nicht Hineinpassen, als jüdisch uninteressiert zu bezeichnen. Gewiß ist die Zahl der jungen Leute, die ihre Freizeit lediglich dem Vergnügen und der sogenannten lauten Geselligkeit widmen, auch bei uns sehr erheblich. Aber man braucht nur mal etwa in Berlin, wo bekanntlich alle jüdischen Jugendorganisationen ein kümmerliches Leben führen, in Vorträge oder Versammlungen bedeutender Redner und ernst zu nehmender Persönlichkeiten zu gehen, um sestzustellen, wie groß die Zahl der Jugendlichen bei diesen Veranstaltungen ist. Es muß also doch wohl so sein, daß bei dem Organisieren — man organisiert im jüdischen Leben Deutschlands überhaupt viel zu viel — schwere psychologische Fehler gemacht werden. Der Schrei nach dem Führer, dem starken Mann, dem Diktator, ist jetzt sehr aktuell. Man kommt manchmal in Versuchung, daran zu denken, wie schön es wäre, das jüdische Leben Deutschlands mal durch solch einen Mann mit dem starken Besen auskehren zu lassen. Die Wahlen der Berliner Repräsentantenversammlung, so erfreulich der Ausgang an sich ist, haben mit Erschrecken die Führerlosigkeft des jüdischen Deutschlands gezeigt. Es soll damit nicht die Auferstehung eines jüdischen Hitler ersehnt werdm. Aber es soll doch einmal erflsthaft der Versuch gemacht werden, und es scheint mir, daß gerade die Liberalen, als führende jüdische Richtung Deutschlands, dazu berufen sind, über den Rahmen der Organisierten hinaus, nach geeigneten zu Füh- Die Politik auf der Reise Wen nicht Winter oder Gonwensehnsucht im Winter in die Berge und den Süden geführt Hut. pflegt bei Beginn der Mgeren Tage Pläne für die Sonmierreift zu machen. Bei dieser so angenehmen Beschäftigung muß der jüd^che vqttsche zu seinem Bedauern feststellen, daß viele der schönste« StfSt unseres Vaterlandes ihm dank der Ausbreitung des Nation»H«»iariS-- nms verschlossen sind. Aber auch dort, wo es Pensionen und Gasthäuser gibt, d«M Wirte .«insichtig und geschäftstüchtig genug sind, jüdischen Kästen nicht den Eintritt zu verwehren, kann der Anftnthalt «chr ungemütlich tverden, da die Mehrzahl der Gäste fast auSschlkßlrch!kn rechts stehenden Parteien angehö«. Mir reisende Ehepaare, Familien, zu zweien reisende« FreAUb«, d-re sich an ihrem eigenen Umgang genügen lassen, wird die Tatsache n»cht allzu sehr ins Gewicht fallen, von den Lbrtgen Gästengeschnitten zu werden. Andrrs ist es bei den vielen allein reisenden Frauen. Selbst wenn man nicht di« Absicht hat, Reisebekanntschaften zu machen, ist es nicht angenehm, £<*£, ja Woche» lang m einer Pension zu leben, deren Gaste sich so abweisend verhalt«,, daß es unmöglich ist, einmal an einem Regentage oder bei TM ein paar Worte zu wechseln, oder gelegentlich einen Anschluß -u einem Ausflug zu flrchen. Man wird es daher den jüdischen Frauen nicht vrr-rnbm, wenn sie es nach ein paar iu Deutschland gemachten Erfahrungen Vorzieher, ins Ausland» beispi-els weise in die Schweiz zu fahre«, wo man ein derartiges Abschließen nicht kennt. Hier findet tzn allgemeinen noch heute, über politische Unterschiede .hinwvz, «in ungezwungener Berkehr statt. Möglicherweise liegt dies daran. böfc die im Ausland reisenden Deutschen einen weiteren Gcsichvskr«M haben und nicht ausschließlich den rechts gerichteten Partei« angehören. Nun kann den Juden geantwortet »vevden, daß es ja überaA gute jüdische Hotels und Pensionen gibt. Hierzu tvird erobert werden, daß alle diese Gaststätten rituelle Küche führen, orthodox sind und meistens zionistische Tendenzen verfolgen. Aus alle» diesen Gründen sind sie für die liberalen deutsche Juden nicht geeignet, welch« auch auf der Reise mit Menschen zusammensei« wolle«, die ihre Sprache sprechen und ihrer Bildungsschicht entstamme«. Es wäre daher zu erwägen, Pensionen zu schaffen, die von gebildeten jüdischen Menschen geleitet würden, in denen wir liberale« Juden sicher sein können, ohne Rücksicht auf die religiöse Einstellung des Einzelnen, Menschen unserer Gesinnung — «S si«d hoffentlich auch Andersgläubige darunter — zu treffen, mit kne» wir ohne Gefahr, unserer Abstammung wegen boykottiert §a werden, retten können. Hierzu ist erforderlich, daß es kein rituelle» Essen, sondern eine gute ortsübliche Kost gibt, daß kein «Ligiöser Zwang vorhanden ist, und das HauS nicht öffentlich als jüdisch» Pension" gekennzeichnet ist. Es gibt so viel« jüdische Frauen aus früher wohlhabende», gebildeten Kreisen, die sich heute in der Großstadt kümmerlich «kt Vermieten durchschlagen müssen. Sie könnten wahrscheinlich in einer Sommer- und Winterpension in schön gelegener Lage ein gute- Auskommen haben, wenn an geeigneten Stellen, beispielsweise in dieser Zeitung für genügende Bekanntmachung gesorgt würde. Bei dem großen Zusammenhalte, der glücklicherweise auch heute noch im- Judentume vorhanden ist, sollte es an Erfolgen nicht fehlen, selbst wenn es ein trauriges Zeichen der geit ist, daß bk Spaltung in unserem Volke so groß geworden ist, daß wir, Jm Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe", gezwungen find, hier zur Selbsthilfe zu greifen. Else Ephraim, Beekn. Toleranz I» allen jüdischen Zeitungen, und es erscheinen deren eine ganze Anzahl, kann man von Friedhofsschändungen, von' Synagogenbesvdelungen, vom Kamps gegen das Judentum lesen, und dann wieder von Abwehrkämpsen, di« unsere Vereine und Bev» bände führen müssen; aber „Hand aufs Herz", wir selbst, wir Juden, die wir jeder einzeln« den für die Allgemeinheit