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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-02-04 · 5 (4.2.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
5 (4.2.1931)
Date
1931-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Antisemikenspiegel 1931 Bon Doris 83 tt tuet. Der erste „Antisemitenspregel" erschien im Jahre 1890. Schon im Jahre 1909 war eine Neuauflage notwendig, die diese kluge und lehrreiche Tatsachen- und Dokumentensammlung als Kampfmittel gegen den Antisemitismus charakterisierte. In dem Vorwort zu dieser um die Jahrhundertwende erschienenen Ausgabe stand zu lesen: „In den verschiedensten Formen ist der Antisemitismus ausgetreten, um seine kultur- und verfassungswidrigen Bestrebungen zur Geltung zu bringen. Der Radau-Antisemitismus, wie er sich früher an verschiedenen Orten breit gemacht hat, mag zum großen Teil überwunden sein — der Antisemitismus selbst keineswegs. Daß dieser heute, wenn auch nicht so lärmend, in noch bedenklicherer Weise als der rohe und plumpe Radau-Antisemitismus auftritt, wird in den nachfolgenden Blättern dargetan werden." Im Jahre 1931 wirten diese im Jahre 1900 geschriebenen und gedruckten Worte wie ein absurder Anachronismus. Denn zu keiner Zeit seit der erst kürzlich, vielleicht etwas inopportun gefeierten Reichsgründung hat ein auch nur anwährend so unbedenklicher, gewissenloser und pöbelhafter Radau-Antisemitismus die deutschen Lande beherrscht, wie gerade setzt, da Deutschland innen- und außenpolitisch mehr denn je der größten Einigkeit seiner Staatsbürger bedürfte. Vier Worte waren es, die dem „Antisemitenspiegel" voll 1890 Geleit und Legitimation verliehen: 1. Als „einziger Artikel" aus dem deutschen Reichsgesetz vom 3. Juli 1869: „Alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des rcligiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgert ichen und staatsbürgerlichen Rechte lverdcn hierdurch aufgehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Teilnahme an der Gemeinde- und Landesvcrtretnng und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntnis unabhängig sein. 2. Aus den vielen beredten Zeichen lauterer Anhänglichkeit, mit denen Ich von nah und fern begrüßt worden bin, entnehme Ich zu Meiner Genugtuung auss Neue die frohe Überzeugung, daß die ganze Nation in aufrichtiger Vaterlandsliebe ohne Rücksicht auf politisches und religiöses Bekenntnis, in der Treue zu Kaiser und Reich fest und innig zusammcnsteht.. . Kaiser Wilhelm der Erste in dem Allerhöchsten Erlaß an den Reichskanzler vom 25. März 1884 aus Anlaß der Kundgebungen zu seinem siebenundachtzigsten Geburtstag. 3. ... „Ich will, daß der seit Jahrhunderten in Meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner alle Meine Untertanen, welcher Religionsgemeinschaft und welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereichen. Ein jeg-' licher unter ihnen steht Meinem Herzen gleich nahe — haben 0 och Alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt..." Kaiser Friedrich der Dritte in dem Allerhöchsten Erlaß au den Reichskanzler vom 12. März 1888 beim Regierungsantritt. 4. Dem Vorbild« Meiner erhabenen Ahnherren folgend, rverde Ich es jederzeit als eine Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntnissen in Meinem Lande bei der freien Ausübung ihres Glaubens Meinen Königlichen Schutz angedeihen zu lassen. Kaiser Wilhelm der Zweite in der Landtagsthronrede vom 27. Juni 1888. Wir sehen demnach, daß dieser „Antisemitenspiegel" noch aus dem Zeitalter des Altreichskanzlers Fürsten Bismarck herrührt, der zu häufigen Malen, insbesondere dem Vertreter Rußlands, dem Fürsten Gortschakoff, sowie aus dem Berliner Kongreß von 1878, wo er für die rumänischen Juden eintrat, dem gleichen russischen Staatsmann gegenüber betonte, daß „wahrscheinlich der traurige Zustano der Juden in Rußland gerade dadurch herbeigeführt worden sei, daß sie von der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Gleichberechtigung ferngehalten worden seien". Drei Monarchen von Gottes Gnaden haben sich für die gleichen Grundsätze der religiösen Duldsamkeit erklärt. Der deutschen Republik blieb es Vorbehalten, nach einem verlorenen Kriege und einer gewonnenen Revolution den Antisemitismus zu jenen Exzessen ausarten zu lassen, wie sie heute Gasse aus, Gasse ab toben und johlen, die Freiheit des Bürgers bedrohen, Geist und Kunst gefährden. Und doch stammt der „Antisemitenspiegel" aus der Aera der Ahlwardt, Stöcker, Liebermann von Sonnenberg, des Dreschgrafen, späteren Fürsten Pückler, der agressiven judensresserischen Politik des Freiherrn von Hammerstein, der Staatsbürgerzeitung, des Sch-eiterhaufenbriefes (Stöcker an Hammerstein), der „Judenflinten" (Ahlwardts Anschuldigungen gegen Ludwig urrd Isidor Loewe) und anderer Zeiterscheinungen, die den deutschen Juden die grundsätzliche Vermutung nahelegten, die sich in dem volkstümlichen Worte ausdrückt ,Höcher gehts nimmer". Ach, es ist in den drei Jahrzehnten, in deren Anfang beiläufig auch das Luegerregime in der befreundeten Kaiserstadt Wien und die berüchtigte Affäre Dreysus fiel, allgemach« immer „höcher und höcher" gegangen. Wir wissen — und brauchen es nicht erst aus dem „Antisemitenspiegel" zu erfahren — daß nicht nur die drei Monarchen aus dem Geschlechte der Hohenzollern, sondern auch die drei ersten Kanzler des Deutschen Reiches, Fürst Bismarck, General Caprivi, Fürst von Hohenlohe frei waren von jenem prinzipiellen Antisemitismus, der heutzutage sogenannte Volksführer oder besser gesagt Volksverführer gleichsam erst zu legitimieren scheint. Daß Bismarck von seinem vorurteilsvollen Junkerstandpunkt aus ursprünglich eigentlich zu judenseindlichen Tendenzen neigen mußte, verstand sich von selbst. Der geniale Staatsmann in ihm überwand aber sehr bald die Beschränktheit feiner Kaste und ließ ihn schon in der Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses vom 30. Januar 1872 äußern: „Sobald wir den Staat in konfessionelle Stücke schunden, an welchen jede Konfession ihren verhältnismäßigen Anteil haben muß, so kommt auch noch die ganz beträchtliche Kopfzahl der jüdisch««Bevölkerung in Betracht, deren Mehrheit sich ja durch besondere Befähigung und Intelligenz für Staatsgeschäfte auszeichnet." Auch ließ er s einen Adlatus, den Staatssekretär des Auswärligen, Herrn von Bülow, den Vertretern der Alliance Jsraelite gegenüber, die unter Berufung auf die Toleranz die Fürsprach-e des Reichskanzlers für die Juden der Balkanländer erbeten hatten, kategorisch erklären: „Toleranz ist das unrichtige Wort, meine Herren: nicht Duldung, sondern ungehindert« Ausübung ihrer Rechte werden wir auf dem Kongreß für Ihre Glaubensgenossen fordern." ' Aehnliche Aussprüche des Altreichskanzlers, auf den sich die heutigen Nationalisten ebenso gern wie unrechtmäßig berufen, lassen sich zu Hunderten wiedergeben. Vielleicht erinnern sich gerade diese Herren, die bei jeder Gelegenheit auf Deutschlands größten Staatsmann reknrrieren, ohne seines Wesens je einen Hauch verspürt zu haben, auch der Tatsache, daß ge- Versammlungskalender * Berlin-Friedenau-Steglitz. Liberaler Lettin für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B.» Bezirksgruppe Friedenau-Steglitz. Am Donnerstag, dem 12. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, im Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde, Frieden««, Schmargendorser Straße 3 (am Lauterplatzi, Vortragsabend. Herr Wilhelm Marcus, Repräsentant der Jüdische« Gemeinde, spricht über das Thema: „Rach de« Neuwahlen!" Anschließend daran Konstituierung der Vezirlsgrupp« Friedenau-Steglitz und Wahl des Vorstandes. Alle Mitglieder des Liberalen Vereins und alle Freunde unserer Bestrebungen werden herzlichst zu dieser Bersaiymlung etngeladen. Freie Aussprache. Berlin-Rordoste«. Liberaler Verein für die Angelegeuhrite« der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Nord osten. Dienstag, dev 17. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, in den Unions-Festföle«, Greifswalder Straß« Rr. 221/222, Mitglieder-Bersammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des Borstandes. 2. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Mar Weyl: „Jüdischer Liberalismus". Bor und »ach dem Vortrag gesangliche Darbietungen von Herrn Dberlantor Wilhelm Friedman». — Zn dem Lortrag, der um 8.15 Uhr beginnt, haben Gäste, die Gesinnungsgenossen sind, Zutritt, ebenso die Mitglieder anderer Bezirksgruppen. Unsere Mitglieder bitten wir um regen Besuch und um Einführung von Freunden unserer Sache. Gottesdienste Berltn-Rocdrn. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 6. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Lerlni-Vstr». Liberale Synagoge Osten, Auto Mädchenschule Kaikerstroße 30. Freitag, den 6. Februar, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsenski. Beeil«-Wefterrd. Liberale Synagoge Westend, Leistikowstrahe 7-8, Auta. Freitag, den 6. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Cohn. Berit«. Jüdisch« Rksarm-Gernetad«. Gottesdienste am Sonntag, dem 8. Februar. Jvhauuissrratze 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Lehnrann. rade der Fürst Bismarck seine erbittertsten Kämpfe mit den Konservativen auszutragen hatte, deren Epigonen die heutigen Deutschnationalen sind und daß eben diese Fehden ihm in einem Privatgespräch mit Moritz Busch das gallige Wort aus die Zunge legten: „Die Juden waren in ihrer P o l e m i k Gegen mich u i e s o gemein w i e meine christlichen G e g n e r." Aber es konnte auch geschehen, daß der Fürst bei einem Familiendiner, zu dem auch ein jüdischer Kaufmann geladen war, offiziöse Aeußerungen tat, wie die bei Poschinger in seinen „Neuen Gesprächen und Interviews des Fürsten Bismarck" wiedergegebenen: „Ich mißbillige ganz entschieden den Kampf gegen die Juden, sei es,, daß er sich auf konfessioneller oder gar auf der Grundlage der Abstammung beweg«. Mit gleichem Rechte könnte man eines Tages über Deutsche von polnischer oder französischer Abstammung hersallen wollen und sagen, cs seien keine Deutschen. Daß die Juden mit Vorliebe sich mit Handelsgeschäften befassen, das ist Geschmacksache; durch ihre frühere Ausschließung vou anderen z^erufsarten mag das wohl begründet sein. Aber sicherlich berechtigt es nicht, über ihre größere Wohlhabenheit jene aufreizenden Aeußerungen zu tun, die ich durchaus verwerflich finde, weil sie den Neid und die Mißgunst der Menge erregen. Ich werde niemals daraus eingehen, daß den Juden die ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rechte in irgend einer Weise verkümmert werden." Desgleichen äußerte der Fürst einem süddeutschen Politiker gegenüber, der bei einem Aufenthalt in Kissingen zur fürstlichen Tafel zugezogen wurde: „Er — Bismarck — halte die Beimischung des jüdischen Elementes zu dem germanischen für nützlich. Es stecke in dem Juden etwas drin, was wir nicht hätten. Sie gäben der Bevölkerung, namentlich der großen Städte, ein Mousseux, das sonst fehlen würde, Antriebe und Beioeglichkeiten, die sonst kaum in dem Maße vorhanden wären. Und dann sähe er auch, abgesehen von allen Erwägungen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, keinen Weg, aus dem die Ziele der Antisemiten zu verwirklichen wären. Was könne man überhaupt machen? Maßregeln wie die Bartholomäusnacht oder die Sizilianische Vesper würden die Antisemiten kaum selbst in Vorschlag zu bringen wagen. Ausweisen können wir die Juden auch nicht, ohne unseren Nationalwohlstand schwer zu schädigen. Andere Maßregeln, wie etwa die Ausschließung der Juden von .richterlichen und anderen Staatsstellen, würde das Uebel, das die Antisemiten beseitigen zu müssen glauben, nur verschärfen; denn dann würde sich diese jüdische Intelligenz, welcher sich die staatliche Karriere verschlösse, auch noch auf diejenigen Gebiete werfen, auf denen das Uebergeivicht der Juden von den Antisemiten schon jetzt als unerträglich bezeichnet iverde, nämlich auf die geschäftlichen... ." Man will dem Fürsten Bismarck gewiß nicht zu nahe treten, wenn man derartige Aussprüche von ihm heute den Herren Hugenberg und Westarp, geschweige denn den Herren Hitler und Goebbels, Frick und Franzen gegenüberstellt. Wer den Juden von heute wäre vielleicht zu empfehlen, als eine blanke Wehr und Waffen gegen Hakenkreuzlertum und Rassenschnüffelei, gegen verbogenen Nationalismus und verlogenenn National-Sozialismus, gegen jene gesamte Demagogie, die uns den herrlichen Zeiten des „Tritten Reichs" entgegenzuführen bestrebt ist, ein Analogon zu dem Antisemitenspiegel von 1890, bzw. 1900 ins Leben zu ruzen. Geschichtskenntnis, Quellenstudium und vornehme Sachlichkeit haben damals dazugejührt, in einem nicht eben umfangreichen Bande nicht nur die Geschichte der Juden selbst, ihre heiligen Schriften Thora und Talmud, sowie auch die Schicksale des Volkes Israel in der Diaspora zu beleuchten, Urteile hervorragender Antisemiten über Christentum, Altes und Neues Testament (um nur Paul von Lagarde und Heinrich von Treitschke zu nennen) zu zitieren, den zeitgenössischen Ritualmordtragödien aufs exakteste nachzugehen, sondern jedes Für und Wider die Judenheit in grellem Schein unter „Jupiterlampen", würde man heute sagen, aufzudecken. Wenn die Juden immer wieder als Wucherer oder Schacherer angeprangert wurden, so wußte ein deutscher Recktshistoriker nachzuweisen, daß erst das spätere Mittelalter den Juden vom Grundbesitz, vom ehrbaren Handel und allen anständigen Gewerben aüsschloßl und ihn mithin zwang, sich denk Wucher und Schacher zuzutvenden, um sein Leben zu fristen. Gleichzeitig erfolgte der Hinweis, in wie entsetzlicher Weise im Römerrerche der Wucher betrieben wurde und zwar von Mitgliedern der beiden vornehmsten Stände, den Senatoren und Rittern. So nachzulesen schon,.! in der: Annalen des Tacitus, der berichtet, ba^j unter TiberiuS der ganze Senat in Auftegung geriet, da eine Geldkrise der Regierung zum Einschreiten veranlrßte »ab kein Mitglied des Senats von der Schuld wucherischer Geld, geschäste frei war. Ebenso aus den 'Briefen Ciceros zu erfahren, daß der jüngere Brutus aus Cypern Geld zu 48 °/r auslieh. Als Eides heiser für das Judentum werden die größten deu 1 sch en G ei st er wie Luther, Herder, Kant, Goethe, Fichte, Feuerbach und a. m. herangezogeu. Und, entgegen dem Kernproblem des Antisemitismus von damals' wie von heute, das in dem Juden immer eknen Fremden sehen will, wird auf die Morallehre! des Men Testamente» hingewiesen, in der schon Moses die Nächstenliebe anbe-, stehlt (die als» 'kein Postulat des Neuen Testamentes ist) und in der immer wieder gemahnt „Wie der Eingeborene fet euch der Fremdling, der bei euch weilt und du sollst ihn lieben wie dich selbst". Tie mosaische Vorschrift „einerlei. Recht sn dir und dem Fremdling" wird für und für geboten, insbesondere unter Erinnerung daran, daß auch bet Israelit dereinst Fremdling gewesen sei in Aegypten. Schwer in Einklang zu bringen ist diese Nächstenöder Fremdenlehre des Alten Testamentes mit den RassenhaUiedern und Haßgebeten der heutigen, sich Politiker dünkenden Marktschreiber des öffentlichen Lebens, die im Namen und unter Berufung aus den „Gott der Liebe" und seine Evangelien die Masse dazu aufzuhetzer; trachte«, alle 'ftenrdstämmigen und nicht reinrassigen Mitbürger und Volksgenossen (viele dieser neuen Propheten spotten damit ihrer selbst und wissen nicht wie-, restlos zu vertilgen. Ter wahrlich nicht „philosemitisch" gesinnte König m Grillparzers „Jüdin von Toledo" sagt: „Ich selber lieb' es nicht, dies Volk, doch weiß ich, Was sie verunziert, es ist unser Werk; W i r l ä h vre n sie und grollen, wenn sie hi n k e u." Wir hinken nicht, hoffen auch, nicht gelähnrt zu werden. Aber cs wird noch manch heiliger Zorn und Eifer dazugebören, jene rückschrittlichen Fanatiker in Schach zu halten, die es wagen, nicht etwa nur die deutschen Juden zu beleidigen, sondern die deutsche Kultur zu schänden. Und darum:, wo bleibt das Buch der Z e i t: ein Antisemitenspiegel von 1931. Ans den Gemeinden Danzig. (3 u 6 i I ä u m.) Am 1. Februar war das fünfundztvanzigjährige Amtsjubiläum des Herrn Oberkantors Jacob Meisel, der sich in der hiesigen Gemeinde größter Wertschätzuirg als Sänger und ebenso großer persönlicher Beliebtheit erfreut. Meisel war s. Zt. ein Schüler des Kammersängers Alexander Heinemann sowie, was das Kantorat anbetrisft, von Frommermann und Musikdirektor Aron Fri-edmann. Er ist in den letzten Jahren über den Rahmen der Gemeinde Danzig hinaus bekannt geworden durch mehrere preis-, gekrönte synagogale Kompositionen, deren einige auch in Berliner Synagogen von Chor und Kantor gesungen werden. — Vorstand und Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Danzig sprachen dem Jubilgr ihre. Glückwünsche und Anerkennung aus, und auch wir wollen unserem liberalen Gesinnungsfreunde Meisel an döeseir Stelle gratulieren. Fiostenoalde. (Todesfall.) Vor einigen Tagen ist nach längerem, schweren Leiden der Kaufmann Georg Buvgheim verstorba». Er spielte eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben unserer Stadt. Herr Burgheim war eifriges Mitglied des „Central-Dereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und hat sein Judentum in der Oeffentlichkeit stets nicht nur bekundet, sondern auch mit sachlicher Würde energisch vertreten. Lange Jahre hindurch war er Mitglied der bürgerlichen Fraktion der Stadtverordneten-Bersammlung. Ferner wirkte er in der Stille, aber dafür um so segensreicher im Vorstand de» Bürgerlichen Bereinigung, als Vertrauensmann im HilfSwerk der Vaterländischen Bereinigung, insbesondere bei der Durchführung ihrer zahlreichen Wohlsahrtsmaßnahmen mit der Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit. Burgheim war ferner seit vielen Jahren Vorstand de» Haus- und Grundbesitzervereins und schließlich stand er seit etwa 2 Jahrzehnten an der Spitze des Vereins ehemaliger 52 er (Infanterie« vegiment Kottbus). Seine reiche Erfahrung, seine ruhige, sachliche Art, seine stete Hilfsbereitschaft haben ihm hierselbst viele, viele Freunde geschaffen. Es darf hervorgehoben werden, daß dem Verklärten hier anll Orte, woselbst sich nur wenige jüdische Familien befinden, auch andere Ehrenstellungen zuteil wurden. Es sei nur ertvähnt, die Tätigkeit des Amtsanwaltes während der Kriegszeit; dem Verklärte» wurden s. Zt. auch die verschiedensten Ordensauszeichnungen verliehen. Frankfurt a. M. (Sitzung der Gemeindevertretung.^ Der Spitzenkandidat der Kompromißliste, Herr Dr. Richard Merzbach, eröffnet« die erste Sitzung der neuen Gemeindevertretung am 28. Januar 1931. Es wurden zum 1. Vorsitzenden Dr. Merzbach (lib.), zu stellvertretenden Vorsitzenden N. Fromm (kons.) und Gottein (Bp.), zu Schriftführern Cohen (lib.), Gertich (Bp.) und Feltz Meyer (kons.) durch Akklamation lvicdergewählt. Auch die Wahlen zur Wahlvorschlagskommission, zum Gemeindevorstand und zu de» Kommissionen vollziehen sich glatt. In den Rat deS Landesverbandes werden Justizrat Blau (lib.), als dessen Stellvertreter Rudolf Geiger, ferner Naphati Fromm (kons.) delegiert; die Wahl des konservative» Stellvertreters steht noch aus. Eine größere Aussprache ruft der erneute Beschluß des Gemeinde-Borstandes hervor, die Frauenschule des Philanthropins zu Ostern ds. Js. nicht mehr zu eröffnen. Redner aller Parteien, so Eduard Strauß (lib.), Jul. Simon (Bp.) und Felix Meyer (kons.) setzen sich für die unverminderte Fortführung der Frauenschule aus allgemeinen, kulturellen und aus jüdisch-erzieherischen Gründen ein, zumal nach dem Bericht des Schulrats ihre Erhaltung keine wesentlichen Kosten verursacht. In einstimmig gefaßter Resolution (bei einer Stimmenthaltung) wird der Vorstand ersucht, seinen Beschluß zu revidiere», und die Frauenschule bestehen zu lassen, wie ja auch der unveränderte Bestand des Philanthropins für das nächste Schuljahr bereits vom Vorstand genehmigut ist. Nach längerer Diskussion wird dem Beschluß des Vorstandes, den Wochentagsgottesdienst in Bockenheim bis auf weiteres einzustellen, zugestimmt, ebenso den aus Grund amtlicher Ermächtigung vorzunehmenden Besoldungskürzungen bei den Beamten und Angestellten der Gemeinde, doch soll nachgeprüft werden, ob soziale Härten zu vermeiden seien. Ein konservativer Antrag auf Begründung einer Pressestelle wird durch eine Resolution ersetzt, in der das Büro ersucht wird, Mitteilungen der Presse über Angelegenheiten der Gemeinde aufmerksam zu verfolgen. Ein weiterer Antrag aus Einsetzung einer Kommission zur Verbreitung von Wissen Über Wesen und Bedeutung der Gemeinde wird zurückgezogen, da d«r Vorstand erklärt, bereits in diesem Sinne zu arbttten. Zuml Schluß berichtet die ^reisprüfungskommission von einer Herabsetzung des Fleischpreises bei den unter Aufsicht stehenden Metzgern. I» einer geschlossenen Sitzung wird eine Interpellation über den geplanten Umbau des Gemeindehauses besprochen, für den Frau Baronin Edmond de Rothschild einen größeren Betrag zur Versügungestellt hat. Hannover. (Repräsentantensitzung.) In der öffentlichen Repräsentantensitzung vom 26. Januar erwähnte vor Eintritt

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