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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-01-28 · 4 (28.1.1931) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
4 (28.1.1931)
Date
1931-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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11. Jahrgang Nummer 4 Wisch-Vberale Zeitung » Aus den Gemeinden Verein. (Todesfall.) Am Mütwoch, dem 21. Januar, wurde die im 74. Lebensjahre verschiedene 'Frau Emma Reich, Witwe des ihr vor 20 Jahren im Tod« vorangegangenen Begründers nnd Direktors der israelitischen Taubstummenanstalt, Markus Reich, zu Grabe getragen. Bor der Beerdigung fand in der Aula der Taubstummenanstalt eine ergreifende Trauerfeier statt. Der Raum reichte nicht aus, um alle die erschienenen Leidtragenden, Kinder, Verwandte, Freunde und Verehrer der Verstorbenen, aufnehmen zu können. Die Feier wurde mit Chorgesang eingeleitet, dem die Abfchiedsreden der Herren Rabbiner Dr. Blumenthal, des Vorsitzenden des Vereins Jedide Jlmin (Freunde der Taubstummen) Ludwig Ginsberg, des Taubstummenoberlehrers Moritz Meyer und der Vertreter des Vereins der Taubstummen und der Zöglinge der Anstalt folgten. Von allen wurde in tiefempfundenen Worten di« mehr als fünfzigjährige Tätigkeit der seltenen Frau im Dienste der Lebens^ Ausgabe, die sie und ihr Gatte sich gestellt hatten, geschildert, die mütterliche Liebe für die Zöglinge, das selbstlose Walten für das Wohl und die Erziehung der Pfleglinge, die Tapferkeit bei Ueberwindung der Schwierigkeiten, di« sich oft der Durchführung ihres Werkes, namentlich in den schweren Zeiten des Krieges und der fügenden Jahre, entgegenstellten. Chorgesang beschloß die Feier. Dann setzte sich der gewaltige Trauerzug nach dem jüdischen Friedhof in Bewegung, wo sie an der Seite ihres Gatten beigesetzt wurde. Dortmund. (Verband der Synagogen-Gemeinden Westfalens.) Am 18. Januar tagte der Lerwaltungsausschuß des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Dr. Katzenstein, Bielefeld, im Gemeinde- Hause in Dortmund. Herr Rabbiner Dr. Kronheim, Bielefeld, erstattete den Geschäftsbericht. Die Hauptaufgabe des Verbandes liegt in der Einrichtung und Aufrechterhaltung des Religionsunterrichtes in den leistungsschwachen Gemeinden. Es ist in den Gemeinden: Borgentreich, Cörbecke, Peckelsheim, Bühne, Scherfede-Bonenburg, Willebadessen, Hilchenbach, Madfeld, Warstein, Lichtenau, Pömbsen und Hallenberg der Religionsunterricht subventioniert worden. In enger Verbindung stand der Verband sowohl mit dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Berlin als auch mit den Gemeinden Westfalens. Seit einiger Zeit ist auch «eine Arbeitsgemeinschaft der Provinzialverbände der Synagogen-Gemeinden Preußens zustande gekommen, die zuletzt am 17. August v. I. tagte und wichtige Fragen der Provinzial-Berbände behandelte. Voraussichtlich wird im Juni 1931 eine Tagung des westfälischen Gemeinde-Verbandes stattfinden, der auf ein 40 jähriges Bestehen ^urückblicken darf. Als Ort der Jubiläumstrgung ist in erster Linie Hagen ausersehen. Im Mittelpunkt der Ausschuß-Sitzung stand ein Referat von Herrn Dr. Katzensteiu über die Not der Kleingemeinden. Der Referent gab ein Bild von der trostlosen Lage der kleinen Gemeinden, und zwar auf Grund von Rundfragen, die an alle westfälischen Gemeinden gerichtet worden sind. Eine Reihe von Gemeinden ist ohne Lehrer, andere haben ihrem jetzigen Lehrer gekündigt, einige Gemeinden sind auch nicht von Nachbarorten aus versorgt, so daß die Kinder ohne jedem Religionsunterricht sind. In einer ganzen Anzahl von Kleingemeinden beträgt die Kultussteuer 30 o/g, in manchen darüber hinaus bis zu 60 o/o. Es wird beschlossen, eine Denkschrift über die Rot der Kleingemeinden auszuarbeiten, die als Grundlage für eine Hilfsaktion dienen soll. Die Ausarbeitung wird Herrn Konrektor Goldschmidt übertragen. Die Behebung der Not der Kleingemeinden wird im Vordergründe des kommenden Geureindetages stehen. Dresden. (Das neue Gesicht des Gemeinderats.) Rach der soeben stattgefundenen Wahl, an der erstmalig Ausländer Mitwirken durften und auf deren Auswirkungen hier noch znrückgekommeu werden wird, setzt sich nunmehr der Vorstand, genau wie vorgesehen, aus 3 Liberalen und 2 Volksparteilern zusammen. Auf Grund des bekannten Halb und Halb-Abkommens waren den Liberalen ferner 7 Sitze als Gemein de verordne t e von vornherein sicher. Dagegen muß die V o l k s p a r t e i, welche damit nur 5 Verordncte durchgebracht hat, drei ihrer Mandate an Volksvereinigung — Mittelpartei abgeben. Das Aufstellen einer eigenen Liste seitens der strengen Orthodoxie hat sich also bezahlt gemacht, und Herr Löwenthal wußte wohl, daß er sich auf die frommen Auslands stützen könne, wenn er besonders ihnen goldene Berge hinsichtlich Wahrung ihrer Belange versprach. Die Volkspartei erntet nicht nur für sich selber schlechten Dank dafür, daß sie es war, die den Ausländern das passive Wahlrecht erstritt; der besonders Hereingefallene ist ihr hinter den Kulissen tätiger Hauptwortsührer Dr. Schornstein, der im sicheren Besitz des zu erringenden Mandats sich so weit unten auf die Einheitsliste setzen ließ, daß er nun seinen Sitz an die „Gegner" abgeben muß und damit nach wie vor trotz des erstrittenen Wahlrechts aus dem Gemeinderat ausgeschlossen bleibt. Alles die Folge einer selbst erzeugten Gegnerschaft, der Zersplitterung im eigenen Lager, der Ueberorthodoxic. Die Wahlbeteiligung betrug 75 ojo. Die Ueberraschung — statt eines kampflos angebotcnen Mandats mit Kampf sogar drei, aber keines im Vorstand! — erklärt sich nicht bloß aus dem auffälligen Fehlen bieler Zionisten, sondern vor allem daraus, daß di« Wähler der Querliste ziemlich vollzählig zur Stelle gewesen sein .dürften; die von ihnen abgegebenen Stimmen machen etwa Vs aller Wahlberechtigten aus. Die Liberalen sind mit etwa 42 o/o der abgegebenen Kimmen ihrer Wahlpflicht durchaus nach Vereinbarung und mindestens in demselben Verhältnis wie die Angehörigen der anderen Parteien nachgekomwen. Gießen. (Persönliches.) Bei den letzten Ergänzungswahlen zum Vorstand der Religionsgemeinde wurde der bisherige Vorsteher Sally Meyerfeld fast einstimmig wiedergewählt. Göppingen. (Rabbiner Dr. Tänzer 60 Jahre alt.) Rabbiner Dr. Tänzer darf am 30. Januar seinen 60. Geburtstag feiern. Seit 23 Jahren steht er im Dienst der württemb-ergischen Religionsgemeinschaft und übt als Rabbiner der Gemeinde Göppingen eine überaus segensreiche Tätigkeit aus. Nicht nur als vorzüglicher ' nnd geistvoller Kanzclreüner ist Dr. Tänzer geschätzt, sondern als ein tüchtiger Lehrer und gewissenhafter, feinfühlender Seelsorger. Darüber hinaus ist er in den weiteren Kreisen seiner Heimatstadt als Gelehrter, besonders auf literarischem und philosophischem Gebiet, bekannt, und seine Vorträge über solche Wisscnskreise werben gern gehört. Vor seinem Eintritt in den Dienst der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs war I. Tänzer als Rabbiner der Gemeinde Hohenems und später in Meran, tätig. Aus jener Zeit stammt eine Arbeit über die Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg, wie sein 1928 erschienenes Buch über die Gemeinden Jebenhausen und Göppingen dem Gebiet seines heutigen Wirkungskreises entnommen ist. Während des Krieges war Dr. Tänzer Armeerabbiner im Osten; er hatte sich der Heeresverwaltung freiwillig zur Verfügung gestellt. Trotz seiner 60 Jahre ist Dr. Tänzer heute noch voll sprudelnder Frische und geistig überaus rege. Hamburg. (Franz Rosen zweig-Gedä chtnis-Stiftung.) In der hiesigen Gemeinde ist die Begründung einer „Franz Rosenzweig-Gedächtnis-Stiftung" erfolgt, deren Aufgabe die Verbreitung der Schriften von Franz Rosenzweig sein soll. Sie will damit das alte Schriftwort verwirklichen, nach dem wir den Großen kein Denkmal errichten, da ihr Wort und ihr Werk ihr GÄächtnis sichern. Die Stiftung wird ihre Tätigkeit zunächst auf Hamburg beschränken, doch desteht die Hoffnung, daß andere Gemeindm ihrem Beispiele folgen werden, und daß später ein Zusammenschluß aller Einrichtungen, die das deutsche Judentum zur Erinnerung an Franz Rosenzweig ins Leben ruft, sich zu feiner „Franz Rosenzweig- Gedächtnis-Gemeinischaft" zusammenschließen tverden. Hördeu-Gerirsbach. (Todesfall.) Im Alter von fast 83 Jahren starb Religionslehrer Sam. Moses. Dr. Lewin aus Offenburg widmete dem Entschlafenen Worte der Anerkennung für die im Amte bewiesene Pflichttreue. Herzliche Abschiedsworte fand Lehrer Grünbaum aus Kruppenheim, während Bürgermeister Schwan die all-gemeine Wertschätzung des Verstorbenen mit den Worten betonte: „Er war nicht nur der Religionslehrer seiner Gemeinde, nein, er war unser aller Berater und Führer." Weitere Gedenkreden hielten noch Kantor Grünfeld aus Baden-Baden und Gemeindevorsteher Hermann Nachmann aus Gernsbach. Kaiserslautern. (Die Vertretung der jüdischen Frontsoldaten von einer R e i chs g r ü n d u n g s s e i c r ferngehaltrn!) Die Kriegskameradschaft und der Stahlhelm! veranstalteten am 18. Januar in Kaiserslautern eine Reichsgründungsfeier. Am 13. Januar erhielt auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Kaiserslautern durch die Kriegskameradschaft eine Einladung zu dieser Feier. Am 17. Januar wurde die Einladung wieder zurückgezogen mit der Begründung, es hätten sich „unüberwindliche Schwierigkeiten" ergeben. Gleichzeitig wurde der Presse die Zurücknahme der Einladung bekanntgegeben. Dieses Vorgehen gegenüber den jüdischen Frontkriegern ist auf eine Forderung der Nationalsozialisten in Kaiserslautern zurückzuführen. Die Ortsgruppe Kaiserslautern des R. j.F. hat die folgende Erklärung veröffentlicht : „Als Bürger der Stadt, als -Kameraden, die im Kriege mit der Waffe an der Front ihre Pflicht erfüllt haben, und dem Andenken an die jüdischen Kameraden Kaiserslauterns, die im Weltkrieg gefallen sind, erklären wir, daß ein (derartig unerhörtes Vorgehen unsere Ehre nicht berührt und sich bei jedem anständigen Menschen von selbst richtet." Kassel. .(In m e mori a m Direktor Karl G o tt he l f t s.) Die Bereinigung für das liberale Judentum hat einen schweren Verlust zu beklagen. Der Führer und eifrige Förderer ihrer Kasseler Ortsgruppe, Direktor Karl Gotthelst, ist nach dreiwöchigem schweren Krankenlager im 44. Lebensjahre dahingerafft worden. Eine rührige, arbeitsfreudige und unermüdlich schaffende Persönlichkeit wurde mit dem Verblichenen der Familie, dem Freundeskreise, dem vom Vater ■■■■■ILI Berlin IAm Donnerstag, d. 5. Februar, abends 8 Uhr, findet in der Fasanenstrasse 79 ein Diskussionsabend unter Leitung von Herrn Dr. Leo Rosenzweig über seinen im Jli mit grossem Interesse aufgenommenen Vortrag-’ „Glaube und Wissen im Judentum“ Der Herr Referent hat sich liebenswürdiger Weise dazu bereit erklärt, den Inhalt seines Referats in kurzen Strichen noch einmal zu skizzieren. übernommenen Geschäftsbetrieb und anderen geschäftlichen und gemeinnützigen Verbänden und Vereinen entrissen. Im Gemeindeleben hat Karl Gotthelft den liberalen. Standpunkt mit Eifer und Energie vertreten; bei allen Gelegenheiten, die seine Mitivirkung erforderlich und wünschenswert erscheinen ließen, war er für die Ausgleichung der Gegensätze und Berücksichtigung des liberalen Gedankens nach besten Kräften tätig. Als Sohn des Bu-chdruckercibesitzers Albert Gotthelst, des Mitinhabers der Firma Gebrüder Gotthelft, wurde Karl Gotthelst 1887 in Kassel geboren. Er besuchte das Friedrichsghmnasium und lernte den Bucht» ruckcreibet rieb im väterlichen Geschäft, in München, Leipzig und Wien kennen. In Wien und London hat er auch als Journalist die Vorkenntnisse für die Leitung des von den Gebrüdern Gotthelst seit fast 80 Jahren hcransgcgeb-enen Kasseler Tageblattes erworbeir. In dieser Stellung und als Direktor der Verlagsanstalt, die vor mehreren Jahren in die Aktien-Gesellschaft für Druck und Verlag (vormals Gebrüder Gotthelft) umgewandclt wurde, nahm der im besten Mannesalter bahingeraffte Sachwalter der Interesse«« seiner Firma mit der ihm eigenen Arbeitsfreudigkeit einen führenden Platz ein. Auch dem Vorstand des Mitteldeutschen Presseverbandes gehörte der Entschlafene an, dessen früher Tod in lveiten Kreisen, namentlich bei denen aber, di-e sein rastloses Streben« beobachten und ivürdigen konnten, lebhafte Trauer und Teilnahme geweckt hat. Sein aufrichtiges, charaktervolles Wesen, bie Lauterkeit seiner Gesinnung sichern ihn: bei allen, die ihm im Leben nahe traten, ein dauerndes Gedenken. Auch die Bereinigung für das liberale Judentum wird ihrem edlen Freunde und treuen Mitarbeiter, dem zielbewußten Verfechter und Förderer ihrer Bestrebungen ein liebevolles, das Grab überdauerndes Andenken bewahren. Ihre herzlichste Teilnahme gilt aber der schwergeprüften Gattin und allm Gliedern der trauernden Familie, die sich in dem Bewußtsein trösten mögen, daß der Wille der Vorsehung einem Leben, das von Arbeit und Pkflicht ausgefüllt wurde, das Ziel setzte, bevor die Kräfte erlahmten, und die geistige Regsamkeit gebrochen war. Möchte unserem Freunde die Erde leicht sein! i Kassel. (Sitzung des Aeltesten-Kollegiums.) In der letzten Sitzung wurde zunächst der Bericht der abgeschlossenen Arbeiten des Voranschlags für das Jahr 1931 entgogeugenommen; trotz spontanster Berechnung und Streichung aller nur möglichen Ausgaben wird eine Herabsetzung des Steuersatzes nicht für zulässig gehalten. Unter dieser Beurteilung der Finanzlage der Gemeinde werden mehrere Gesuche von Vereinen und Anstalten um Gewährung von Beihilfen abgelehnt. Das Kollegium nimmt Kenntnis. von einem Bericht des Landeshauptmanns in Hessen über die auf Grund der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 angeordneten Gehaltskürzungen und ihre Auswirkung auf die Pensionsberechnungen. Die Anschaffung des Sammelwerkes „Das Denkmal des Weltkrieges" wird abgelchnt. Der Schule der jüdischen Jugend wird aus ein Gesuch hin geantwortet, daß sie nur in den allerdringendsten Fällen und auch dann nur mit kleinen Beträgen unterstützt «werden kann. Ueber die Legung der Jahresrechnungen und die beabsichtigte Aendernirg in der bisheriger: Handhabung erstattet der Gemeindesekretär Bericht. Das Kollegium stimmt einer Übertragung der Haftpflicht- Versicherung zu und beschließt außerdem, daß in Zukunst die Zeit der öffentlichen Sitzungen durch Anschlag in den Synagogen bekannt gegeben werden soll. Die Besprechung von Gesuchen um S.euerermäßigungen und Steuerstundnngen nimmt einen großen Teil der Sitzung in Anspruch. Landau. (Persönliches.) Der Kantor und Religionslehrer unserer Gemeinde, Herr Willi Steinem, beging am vorletzten Sabbat dös Jubiläum seiner 40 jährigen Amtstätigkeit. Bezirksrabbiner Dr. Seidige 28. Januar 1931 Einstein gedachte beim Morgengottesdieust der segensreichen Arbeit des Jubilars. Ebenso zollte Rabbiner Dr. Einstein dem an diesem' Tage aus dem Amte scheidenden zweiten Kantor und Rechner Sally Rosenberg, der 39 Jahre in der Gemeinde mit vorbildlicher Treu« wirkte, herzlich« Worte des Dankes und der Anerkennung. Mainz. (Tagung für jüdische Kunst pflege.) Beider am 11. Januar 1931 in Mainz zusammengetretenen Arbeitssitzung der Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer wurde der für diese Gemeinschaft lang erstrebte Satzungsenttvurf geschaffen und alle Aufgabe«: und Ziele festgelegt. An dieser Arbeitssitzung nahmen. Vertreter der bisher bestehenden jüdischen Sammlungs- Organisationen in größerer Zahl teil; di« am Erscheinen verhinderten« Organisationen bzw. deren Bevollmächtigte bekundeten durch Briefe und Telegramme ihr Einverständnis mit der satzungsgemäßen Festlegung und Intensivierung der Zusammenarbeit. Der bisherige Vorsitzende, Herr Max Silberberg (Breslau), eröffnete die Sitzung, Herr Kommerzienrat B. A. Mayer (Mainz) begrüßte die Erschienenen namens der Israelitischen Religionsgemeindq Mainz, und Herr Rabbiner Dr. Lev: (Mainz) leitete die Verhandlungen nach Uebernahme der Vorortsarbeit. Ueber folgende Themen wurden Referate gehalten: 1. „Das Programm für die zukünftige Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft" durch Herrn Max Silberberg (Breslau), Korreferent: Dr. Karl Ladenburg (Mainz). 2. „Zusammenarbeiten der jüdischen Museen und Austauschmöglichkeiteu" (in Abwesenheit des Referenten, Herrn Prof. Dr. Jakob Vronner (Wien), gelangte dessen Manuskript zur Verlesung). 3. „Die Errichtung eines photographischen Archives" durch Herrn Max Silberberg (Breslau). Korreferent: Herr Theodor Harburger (München). 4. „Die evtl. Einrichtung einer die Arbeitsgemeinschaft betreffenden Zeitschrift" durch Herrn Rabbiner Dr. S. Lev: (Mainz). 5. „Ein evtl. Engagement eines Herrn, welcher sich von Fall zu Fall für Forschungs- und andere Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung stellen soll", durch Herrn I. Reiliug (Mainz). — lieber die Organisation des Kuratoriums zum Schutze jüdischer Denkmäler in Lemberg und dessen bisher geleistete Arbeit berichtete Herr Dipl.-Architekt Teitelbaum (Lemberg). Auf Grund lebhafter Diskussionen zu den einzelnen Referaten wurde der Satzungsentwurf für die Arbeitsgemeinschaft, der Berte ilungsplan für die einzelnen Bezirke der Museen und die Richtlinien für die inneren Arbeiten geschaffen. Zur Inangriffnahme der weiteren Arbeiten wurden folgende Kommissionen eingesetzt: 1. ein Aktionsausschuß für die kunst- und kulturhistorische Arbeit, bestehend aus: den Herren Max Silberberg (Breslau), Rabbiner Dr. Levi (Mainz) und Felix Perle (Breslau). 2. Ein Werbe-Finanzausschuß, bestehend aus den Herren Max Silberberg (Breslau), Komm.-Rat Mayer (Mainz), Dr. Leonhard Filda (Mainz) (und Dr. Felix Kauffmann (Frankfurt a. M.). 3. Eine Kommission zur Schaffung eines photographischen Bildarchivs, bestehend aus Frau Dipl.-Archüektin Rahel Wischnitzer-Bernstein (Berlin) und den Herren Max Silberberg (Breslau), I. Reiling (Mainz), Prof. Dr. Erwin Hintze (Breslau), Professor Dr. Glaser (Berlin), Dr. Otto Werthei:ner (Berlin), Dr. Karl Schwarz (Berlin). Ferner wurde eine 4. Kommission zwecks Verbreitung der Aufgaben und Ziele der Arbeitsgemeinschaft mittels einer Werbeschrift, die Proben aus verschiedenen Tätigkeitsgebieten enthalten soll, eingesetzt; dieser Kommission gehören die Herren Felix Perle (Breslau) uni> Dr. Karl Ladenburg (Mainz) an. In die Sitzung war eine gemeinsame Besichtigung des jüdischen. Museums, Mainz, cingefügt. Führungen durch weitere Sehenswürdigkeiten in Mainz, Worms und Frankfurt a. M. schlossen die Tagung. Plaue« i. L. (G e m e i n d c r a t s s i tz u n g.) Am 15. Januar 1931 fand die erste Gcmeinderatssitzung nach den Wahlen statt. Die b neugewählten Gemeinderäte wurden vom Vorsitzenden begrüßt und durch Handschlag auf ihr Amt verpflichtet. Dem nach 18 jähriger Zugehörigkeit zum Gemeinderat ausscheidenden Herrn Rechtsanwalt Max Löffler wurde in warmen Worten der Dank der ganzen Gemeint» für die vorbildliche Führung seines Amtes ausgesprochen und ihm als Erinnerungsgabe ein Lederalbum überreicht, das in Photographien den Werdegang unserer neuen Synagoge zeigt. In das durch dieses Ausscheiden freigewovdene Amt wurde Herr Jacob Goldmann gewählt. Anschließend gab der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Dr. Goldberg die wichtigsten Eingänge bekannt, aus denen zunächst eine Eingabe des Jugendringes erwähnenswert ist. Der Jugendring ist der Ortsausschuß aller jüdischen Jugendvereine. Der Jugendrir^ beansprucht «inen Sitz im Gemeinderat. Es ist ihm mitgeteilt worden, daß die Satzungen der Gemeinde der Erfüllung dieses Wunsches «ntgegenstehen. In der anschließenden Aussprache wurde von mehreren Rednern die Reformbedürftigkeit der Satzung«:: der Gemeinde betont. Anträge wurden jedoch nicht gestellt. Der Vorsitzende gibt dann weiter Kenntnis von zwei erngefandten Artikeln im Hamburger Israel. Familienblatt und in dem Leipziger Familienblatt. In beiden Artikeln werden von Sachkenntnis unbeschwerte, völlig unberechtigte Angriffe gegen die Gemeinde Plauen und ihre Leitung erhoben. Es wird der Gemeindeleitung vorgeworfen, daß sie kein Interesse an der Mitarbeit der Mitglieder habe. Dabei ist gerade in Plauen, trotz der überwiegend liberalen Majorität, sowohl «in ehassidischer Gottesdienst im eignen, von der Gemeinde bezahlten Betraum eingerichtet worden und außerdem noch ein konservativer Gottesdienst im Gemeindesaal. Wir kennen bisher in Plauen keine iunerjüdischen Kämpfe und sind stolz darauf und hoffen, daß uns solche auch ferner erspart bleiben. Der jetzige Vorstand verwahrt sich entschieden gegen die Tendenz jener Artikel, die ihm Autokratie vorwerfen. Gerade dieser Vorstand hat die Gemeindearbeit in Dezernate «ingeteitt, um eine größere Anzahl Mitarbeiter zu haben und nicht alle Arbeit selbst erledigen zu müssen. Es wird nochmals ein jedes Gemeiudemitglieü zur Mitarbeit aufgefordert. Der nationalsozialistische „Freihcitskampf" hat in einer seiner letzten Nummern die für die Schüler der höheren Lehranstalten veranstalteten Führungen durch die Synagoge kritisiert und dabei «ine Reihe unwahrer Behauptungen ausgestellt und den Prediger der Gemeinde beleidigt. Die Sache wird die Gerichte noch beschäftigen. Von interessierter Seite ist der Vorschlag gemacht worden, unsere regelmäßigen Gemeinderundschreiben zu einer Gemeindezeitung zu erweitern. Unverbiiwliche Vorverhandlungen sind im Gange. Nunmehr begründet der Kassierer Herr Löwenthal, den Vorstandsantrag, das Defizit, das sich für 1930 ergeben hat, durch einen einmaligen Steuerzuschlag zur Einkommensteuer 1929 auszu^ gleichen. Dieses Defizit ist darauf zurückzuführen, daß das Stcuerist zirka 25 o/0 hinter dem Stcuersoll infolge der Wirtschaftslage zurückgeblieben ist. Nach langer und eingehender Debatte wurde beschlossen, tineu einmaligen Zuschlag von '2i/2 o/0 bet Einkommensteuer von 1929 zu erheben, gewissermaßen ein Gemeindenotopfer! Die orthodox eingestellten Mitglieder der Gemeinde fordern für ihre Bedürfnisse die Subventionierung für einen Dajan uird einen Aufseher beim Fleischverkauf. Diese Forderungen wurden nach längerer Aussprache anerkannt. Auch mit dieser Bewilligung hat die vorherrschende liberale Richtung bei den Gemeindeverordneten bewiesen, daß sie für konservative Bedürfnisse in unserer Gemeinde durchaus Verständnis hat. Potsdam. (7 0. Geburtstag.) Wir fteuen uns, einem Manne zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 1. Februar unsere herzlichsten Glückwünsche aussprechen zu können. Es ist der Justizrat Raphael Josephsohn in Potsdam. Seit 20 Jahren steht er an der Spitze der hiesigen Gemeinde. Larvge Jahre gehörte er der Stadtverordneten-Versammlung an, überall bemüht, auch die Interessen der Gemeinde wahrzunehmen. Das Vertrauen seiner Berufskollegen wählte ihn zum Vorsitzenden der Anwaltskammer, wie er

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