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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-01-21 · 3 (21.1.1931) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
3 (21.1.1931)
Date
1931-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Verwandtschaft und den Abstand zwischen Gott und Mensch. Gott ist allgegenwärtig, aber er ist auch transzendental. Biele Menschen mit einer Vorliebe für Immanenz und Pantheismus nehmen Anstoß an bem transzendentalen Gott des Alten Testamentes. Ich finde Gefallen an Ihm. Mir sagt es zu, daß das Alte Testament die Kluft zwischen Gott und Mensch so betont, aber kaum weniger sagt es mir zu, daß das Alte Testament die Prücke oder die Brücken zwischen ihnen so unterstreicht. Der Mensch kann mit Gott verkehren, der Mensch kann Gott Nachfolgen. Denn der Mensch trägt in sich eüvas, das mit dem Göttlichen verwandt ist. Gleichwohl ist die ilitermeßlichkeit des Unterschiedes zwischen beibeu noch mehr grundlegend für das Alte Testament. 5. Der Vollständigkeit halber müßte ich vielleicht, ob gleich schon vorhin davon die Rede war, die Verbindung der ethischen Ideale des Menschen mit Gott in einem besonderen Abschnitt darlegen. Das göttliche Wesen ist einig-einzig, Gott ist der Schöpfer. Er ist Geist tutb nicht Fleisch. Er ist allgegenwärtig, vor allem aber ist Er gerecht. Alle Schwierig keilen^ die die letztere Eigenschaft betreffen, werden ignoriert. Sogar die Probleme und Rätsel in Job sind bloß ethischer, nicht niethaphysischer Natur. Wenn wir von Gott seine moralischen Eigenschaften abziehen, bricht er einfach zusammen. Als ein bloßes Postulat der Theologie ist Iahweh eine armselige und tüchtige Art Gott. Sein ganzer Reichtum, sein ganzes Wesen entfaltet sich in seinem moralischen Charakter. Das Alte Testament erquickt ntich durch die einfache Kühnheit, durch die unerschütterliche Sicherheit seiner Lehre, Daß der einig-einzige Gott gut ist. 6. Vieles kann freilich gegen Iahweh vorgebracht werden. Wer darauf ausgeht, Grund zum Tadel zu suchen, kann davoir die Fülle finden. Er ist parteiisch, er ist oft allzu menschlich, und zwar menschlich, wo der Mensch sich nicht gerade von seiner besten Seite zeigt: allein ich denke, daß diese Fehler nur die historischen Mängel seiner Vorzüge sind. Gerade weil er so menschlich war, hätte er ohne diese Mängel nie seine volle Höhe erreichen kötlncn, ohne seiner Vorzüge und Tugenden verlustig zu gehen. Er wird immer mehr ethisiert und vergeistigt, aber er löst sich nie in eine Abstraktion auf. Cr hört niimuer auf, der persönliche Gott zu sein, mit dein man verkehrt, zu dein man betet. Er bleibt Gott, „ho Theos" wandelt sich nimmer in „to tljeioit", das Göttliche. Und zu d'efein Zug seiner Natur muß man noch die ungeheuer wichtige Tatsache hinzunehmen, daß er schon ziemlich früh am Anfang seiner Laufbahn, es ablehnte, zu erlauben, daß man ihn in materieller Form darstelle, ferner, daß er einen unversöhnlichen, manche werden sagen, einen übertriebenen Krieg gegen jegliche Art von Götzendienst und Bilderanbetung unternahm. Es gibt im Alten Testament Aussprüche betreffend Götzendienst und Bilderanbetung, die noch bis ans den heutigen Tag das Blut jedes Juden aufregen. „Das Ebenbild jeglichen Dings im Himmel und auf Erden: ihr dürft euch nicht davor bücken oder es anbeten." lind dann wieder: „Ihr habt 'eine Stimme gehört, ^rber keine Gestalt gesehen, nur eine Stimme." Ter persönliche Iahweh konnte jo vergeistigt werden, wie man nur wollte, so ver getstigt werden, wie es etwa durch den Verfasser des 139. Psalms geschah. Aber er behielt gleichwohl seine Persönlichleit. Weil er nicht als ein Mensch dargestellt werden durste, uod) in irgend einer materiellen Form oder Ebenbild, darum konnte er persönlich unb vergeistigt werden und bleiben. Ich denke, diese wundervolle Kombination ist eine der größten von den großen Leistungen des Alten Testamentes. tllcl'evictjimtf nn« dem (t-itglilclieit von Binjamin Segel-Wien.) (Schluß folgt) sich die liberalen Führer zu den kontradiktorischen Übenden bereit gefunden haben, die von der Freien Jüdischen hochschule veranstaltet werden. Hier, wo die Erregung des Wahlkampfes nicht mehr in Frage kommt und wo die ganze Art der Veranstaltung darauf rechnen läß^ daß das Publikum geziemende Zurückhaltung bewahren wird, sieht einer kontradiktorischen Auseinandersetzung nichts im Wege. Man darf die Hoffnung aussprechen, baß, Herr Badt und die Jüdische Rundschau nach dem krassen Aügenscheinbeweis, der ihnen von ihren eigenen Parteifreunden gegeben tvorden ist, nunmehr selbst zu der Erkenntnis jelaugen werden, wie verfehlt die Vorwürfe waren, die sie aus Anlaß, des Badischen Vorschlages gegen die liberale Richtung erhoben haben. Zum Judenhaß I. In Deutschland Associated Preß veröffentlicht ein Interview des amerikanischen Journalisten Max Frankel mit Aoblf H:tler. Ttsser errlärt, Deutschtands schwere Lage sei, durch das Mische Kapital verschuldet. Auf Frankels .Emtvand, die jüdrsche Bevörlerung jreUe weniger atS ein Prozent der Einwohner des Reiches dar und könne daher doch läum als eine so grvM Gefahr bezeichnet werden, antwortete Hitler, er rechne zu den Juden einen jeden, der nicht rein! deutsch sei. Die Juden hätten die deutsche Kultur und die deutsche Politit mit ihren Ideen infizrert und Deutsche in Juden verwandelt. Sein Plan sei, alre Juden, die nach dem Weltkrieg eingewandert seien, auszuwe-.sen und den übrigen Juden die Beteiligung an den öffentlichen und an den Regierungsangelegenheiten zu verbieten. Fränkel fügt der Veröffentlichung über dieses! Interview die Bemerkung an, Hitler habe, da der Ausfrager blond sei, offenbar nicht gemerkt, daß! es sich um einen jüd^chen Journalisten handelte. Er schließe mit der Erklärung, er werde den vollen Wortlaut seines Interviews mit Hitler nächste Woche in der Newyork Jewish Tribüne verösjÄttlichen. Im Zusamurenhairg mit den oben wiedergegebenen Aeußerungen Hitlers ist interessant, was Dr. Hans Wehrmann im sozialdemokratischen „Vorwärts" über eine Unterredung berichtet, die er mit dem nationalsozialistischen Minister Franzen in Braunschweig gehabt hat. Auf die Frage, wie es mit dem Antisemitismus stehe, antwortete Franzen: „Ich bin kein Antisemit. Ich habe persönlich gar nichts gegen die Juden. Hitler übrigens auch nicht. Mir ist ein Bollblutjttde tausendmal lieber als ein verbastardiertec Goi. Wir werden ganz einfach die Juden als Fremde behandeln, die sie auch sind. Sie werden, wie jeder Ausländer, unter Fren^- denrecht gestellt. Wir haben unser Programm hierfür schon längst bereit." ' II. In Frankreich Anläßlich der Eröffnung der französischen Kammer hielt der Alterspräsident Deputierter Maurice Sibille eine Rede, in deren Verlauf er auch auf die Jüdenftage in Frankreich zu sprechen kam. Vor 30 Jahren, erklärte Deputierter Sibille, hallten viele Städte Frankreichs von Rufen wie „Nieder mit den Juden!" oder „Nieder mit dem Klerus!"' wider. Im Kriege aber tonnte man sehen, daß! Freidenker, Juden, Katholiken und Protestanten, verbunden durch eine im Schützengraben geborene Freundschaft, Schulter an Schulter ihre Pflicht erfüllten. Nach dem Waffenstillstand wurde es Brauch, daß ehemalige Soldaten bei Feiern zum Gedächtnis ihrer gefallenen Kameraden von der katholischen Kathedrale zur protestantischen Kirche und von da zur Synagoge gingen, um alle Gefallenen, welchen Glaubens immer sie gewesen sein mögen, in gleicher Weise zu ehren. Die religsötsün Vorurteile, die früher in Frankreich bestanden, sind heute verschwunden. III. In Rußland Der Präsident der Sowjetunion, Joseph Stalin, hat an den Moskauer Jta-Bertreter Herrn Elias Tobenkin, von dem er um Präzisierung seiner Stellung zum Antisemitismus gebeten worden war, folgendes Schreiben gerichtet: „Nationaler und Rassenchauvinismus ist ein Ueberbleibsel der für die Aera des Kannibalismus charakteristischen unmenschlichen Sitten, Antisemitismus seine krasseste Ausdrucksform. Antisemitismus dient den Ausbeutern als Blitzableiter, mit dessen Hilfe sie dem von der Arbeiterschaft geführten Schlag ausweichen wollen. Der Antisemitismus bedeutet für das arbeitende Volk, das er vom rechten Wege ab und in einen Sumpf zu führen sucht, eine Gefahr. Als konsequente Internationalisten sind die Kommunisten überzeugte und unversöhnliche Feinde des Antisemitismus, der in der Sowjetunion als eine dem Sowjetregime feindliche Erscheinung streng verfolgt wird. Nach den Gesetzen der Sowjetunion steht streitbarer Antisemitismus unter Todesstrafe. Antwort der arabischen Executive auf das Weißbuch Tie palästinensisch-arabische Executive hat am 11. Januar dem High Commissioner Sir John Chancellor die Antwort der arabischen Executive aus das von Lord Pasifield herausgegebene Weißbuch zur Weiterleitung an die britische Regierung irr London und an den Völkerbund in Genf überreicht. Tie Antwort besteht hauptsächlich in einer Wiederholung der von den Arabern seit dem Inkrafttreten des Palästina-Mandats mehrmals erhobenen Forderungen und zwar der Forderung nach Zurückziehung der Balfour-Tieklaration und Ausgabe des Mandats mit der Begründung, daß? die Deklaration in Widerspruch steht mit Artikel 22 des Völkerbundsmandats und dem den Arabern gegebenen Versprechen,iyre nationalen und natürlichen Rechte zu respektieren. Ferner verlange die Araber die Einsetzung einer einem gewählten Parlament verantwortlichen Regierung in Palästina. Irl dem Statemerrt der arabischen Executive wird weiter erklärt, daß die Araber es als erste PsiM Großbritanniens erachten ,den Uebergaug von arabischem Boden in die Hände von Nichtarabern zu verhindern und die jüdische Wische “ "1 widerlegt Ministerialdirektor Boöt Von Rechtsanwalt Tr. Ernst Vor der letzten Repräsentantenwahl hat bekanntlich Ministerialdirektor Badt den Vorschlag an Herrn Stern gemacht, man solle die liberalen Versammlungen als kontradiktorische Abende gemeinsam mit den Zionisten abhalten. Diese cigerrlümliche Anregung mußte natürlich von liberaler Seite abge- »ehm werden und zwar nicht deshalb — wie cs die Jüdische Rundschau dargestellt hat —, weil man von liberaler Seite eine geistige Auseinandersetzung mit den Zionisten zu fürchten hätten, sondern deshalb, weil diese Versammlungen ihrer Natur nach einen anderen Inhalt haben als derartige kontradiktorische Auseinandersetzungen. Dre Wählerversammlungen sollen die Wähler über das gesamte Programm der eigenen Partei, über ihre Leistungen und Forderungen auftlären und sollen den Gegensatz der eigenen Richtung zu allen anderen Richtungen darlegen. Mit dieser Aufgabe ist es unvereinbar, daß die Hälfte der Versammlungszeir für die Redner einer anderen Partei in Anspruch genommen wird. Genau dieselbe Forderung wie Herr Badt hätte ja auch nn Vertreter der „Positiv-liberalen" oder der „Ueberpartei" aufstellen können. Bei der Ablehnung des zionistischen Vorschlages mußte aber noch ein anderer Gesichtspunkt ins Gewicht fallen. Bei der Erregung, die gerade bei der Wahlbewegung herrscht und bcr der mangelnden Disziplin der zionistischen Wähler, bestand die Gefahr, daß die Liberalen in ihren eigenen Versammlungen terrorisiert wurden und alle sachlichen Belehrungen von vornherein unmöglich gemacht wurden. Wir haben es ja bei den Wählen erlebt, daß — als einmal crn Liberaler in einer zionistischen Versammlung sich erlaubte, Zwischenrufe zu machen, die Jüdische Rundschau dies mit Entrüstung konstatierte und erklärte, alle anständigen Liberalen würden ein solches Verhalten vemrteilen. Als aber unmittelbar darauf zionistische Wähler eine Diskussion in einer liberalen Kundgebung zu erzwingen versuchten und in turbulenter Weise die Versammlung beunruhigten, war man plötzlich über die Liberalen empört, die eine Diskussion nicht zulassen wollten und Wert darauf legten, in ihren Kundgebungen ihre Wähler sachlich über die Ziele ihrer eigenen Partei zu unterrichten. In ihrer Nummer vom 1. 1. 1931 bringt nun die Jüdische Rundschau eine Veröffentlichung, die in krassester Weise zeigt, wohin wir gekommen wären, wenn wir die liberalen Versammlungen zu kontradiktorischen Abenden nach zionistischem Rezept ausgebildet hätten. Es handelt sich nm einen Brief, den Herr Tr. Aron Gurwitsch unter der Ueberschrift „Ein notwendiges Wort" an die Redaktion der Jüdischen Rundschau richtet und der hier mit einer unwesentlichen Kürzung wiedergegeben sei: „Sehr geehrte Redaktion. Am IO. d. Mts. veranstaltete die Poale Zion einen kontradiktorischen Abend mit den Revisionisten. Ein derartiger Bcr such ist, besonders in der Zeit vor Kongreß Wahlen, im Inter esse der sachlichen Klärung nur ans das Lebhafteste zu begrüßen. Trotz des aufrichtigen Willens zur sachlichen 'Aussprache, der zweifellos bei den Führern der beiden Parteien bestand, kam dieser Versuch leider zum Scheitern, weil die Versammlung mn Schluß ein Bild jener „politischen" Veranstaltungen bot, deren Ausklang man im Polizeibericht zu lesen bekommt. Unabhängig von dem, was die einzelnen Redner aussührten, unabhängig von jeder priirzipietlcn oder sonstigen Stellung zu den beiden Parteien und jeder eigenen Stellung zu prinzipiellen oder tagespotitischen Fragen muß auf die Gefahren für die zionistische Bewegung und ihre Zukunft hingcwiesen Ivcrden, die in einer derartigen Verrohung der politischen Sitten liegen. Diese Gefahren sind nm so größer, als der Lärm und noch Aergcres von junge n Mensch cn ausgiug. , Gerade aus denjenigen, der den Judenstaal will, mußten die Vorträge am Sonnabend abend besonders deprimierend wirten. Die Stärke eines Staates wie jedes politischen Gebildes liegt in der politischen Qualität seiner Bürger. Es ist keine Vorbereitung auf irgendeine politische Leistung hin, wenn man eine Jugend dazu erzieht, oder auch nur dahin kommen läßt, daß sic Meinungen» anderer nicht anzuhören und mit ihnen sich nicht auseinanderzusetzen vermag. Es ist kein Zeichen nationalen Bewußtseins und nationaler Verantwortung, wenn man die Hatikwah dazu miß' braucht, um den politischen (Gegner, der nebenbei auch Zionist ist, niederzuschreicn. Wie sollen Menschen den Ausgaben und Verantwortungen gewachsen sein, die die zionistische und palästinein fische Zukunst an uns alle stellet wird, »nenn sie in ihrer Jugend in dem Glauben mindestens gelassen werden, der Radau sei eine nationale Politik! Emil Schweitzer, Berlin. Bisher haben die besten menschlichen und jüdischen Instinkte den Juden zum Zionismus geführt. Wir durften uns als die Avantgarde des Volkes auf seinem Wege zur Freiheit und in die Zukunft betrachten. Soll das jetzt anders werden? Soll die Bewegung zur Stätte eines Gassengeschreis werden. Mit Sorgen und Grauen denkt man daran, wie das Gesicht der Bewegung in einigen Jahrzehnten aussehen wird, wenn unser Nachwuchs eine zionistische Entwicklung damit beginnt, die Bekundung der Unreife für eine löbliche nationale Tat und für das Zeichen zionistischer Disziplin zu halten." Daß diese Angaben, die Herr Tr. Gurwitsch hier macht, nicht übertrieben sind, geht aus einem redaktionellen Bericht hervor, den die gleiche Nummer der Jüdischen Rundschau über die Versammlung bringt und dem ich folgendes entnehme : „Es sprach dann wieder ein Vertreter der Revisionisten und nach ihm Liebenstein vom Hechaluz. Auch bei den vorigen Rednern fehlte es nicht an Zwischenrufen. Die Versammlung konnte aber verhältnismäßig in Ordnung weitergeführt werden. Als aber Liebenstein die von den Revisionisten im August 1929 inspirierte unglückselige Kotel Maarawi-Demonstration erwähnte, veranstalteten die Revisionisten einen derartigen Lärm, daß die Versammlung geschlossen werden mußte. Dieser erste Versuch einer allein geistigen Auseinandersetzung mit den Revisionisten seitens des sozialistischeir Zionismus gelang also nur zum Teil." Man sieht also: sogar, wenn die Zionisten unter sich sind, sind sie nicht in der Lage, ihre eigenen Meinungsverschiedenheiten in sachlicher und würdiger Weise bei einem kontradiktorischen Abend zu klären. Ich habe niemals den Zionisten die plumpe Argumentation entgegengehalten, daß die Tatsache ihrer inneren Meinungsverschiedenheiten schon an sich etwas gegen den Zionismus beweise. Ich habe es im Gegenteil als einen Vorzug der zionistischen Richtung bezeichnet, daß man sich dort nicht scheut, auch über interne Gegensätze in aller Offenheit und Klarheit zu verhandeln. Wenn aber innerhalb einer Partei selbst anstatt der geistigen Auseinandersetzung schließlich ein Kampf mit niedrigsten Mitteln tritt, dann kann diese Partei nicht mehr verlangen, daß sie als würdiger Gegner anerkannt und geachtet wird. Wenn die Revisionisten sogar ihre eigenen zionistischen Parteifreunde nur niederzubrüllen verstehen, so kann man sich vorstellen, wie sich diese Herren erst verhalten hätten, wenn wir sie zn solchen kontradiktorischen Abenden in unseren Versammlungen zugelassen hätten. Tenn schließlich sollte man meine)!, daß die .Herren Badt oder Oskar Cohn immer noch mehr Hoffnung haben dürfen, von Herrn Lichtheim und seinen Freunden anständig behandelt zu werden als Herr Woyda oder .Herr Moritz Rosenthal. Eine nette Ergänzung dieser Erwägung bildet übrigens ein Brief, den gleichfalls in der Jüdischen Rundschau vom 13. 1. 1931 der Revisionist Leopold Gold über das Verhalten der radikalen Richtung der Zionisten veröffentlicht. Radikale und Revisionisten stehen sich doch wahrhaftig innerhalb der zionistischen Partei nahe genug und man sollte meinen, daß wenigstens diese Gruppen in der Lage sein könnten, illre Auseinandersetzungen in würdiger Weise auszutragen. Trotzdem beschwert sich Herr Gold bitter darüber, daß der bekannte Führer der radikalen Richtung, Herr Tr. Nahm», Goldmann, die anwesenden Revisionisten in einer Versammlung ohne jeden Grund mit den) Ausdruck „dumme Bengels" beschimpft hat. Ehe Herr Badt also in Zukunft an uns Liberale beit Vorstblag ergehen läßt, bei Wählerversammlungen kontradiktorischc Abende mit Len Zionisten zu veranstalten, muß er zunächst einmal die erzieherische Arbeit bei seinen revisionistischen und radikalen Parteigenossen erfolgreich durchführen Herr Badt selbst wird von uns nicht gut verlangen können, daß wir kontradiktorische Auseinandersetzungen mit dem radikalen Herrn Nahnm Goldmann führen, der die Vertreter einer ihm immerhin nahe stehenden Richtung des Zionismus auf Gruud einzelner Differenzen mit Ausdrücken wie „dumme Bengels" zu widerlegen sucht und er wird ebensowenig von uns verlangen, daß. wir revisionistische Lärmmacher und Radauhelden auch noch eigens in unsere Versammlungen einladen. Daß im übrigen die liberalen Führer einer kontradiktorischen Auseinandersetzung dann nicht aus dem Wege gehen, wenn sie darauf rechrnen können, daß ,auch von zionistischer Seite nur ein anständiges und ruhiges Publikum an den Versammlungen teilnehmen wird, beweist die Tatsache, daß 36

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