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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-01-14 · 2 (14.1.1931) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
2 (14.1.1931)
Date
1931-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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zur Seite, war in der amerikanischen. Organisation jüdischer Frauen und Mädchen „Hadassah" an führender Stelle tätig und hat die Institutionen der Hadassah ungemein gefördert. Nathan Straus war Ehrenbürger der Stadt New Dork. Die gesamte amerikanische Presse würdigt an leitender Stelle die Persönlichkeit und das weltumfassende humanitäre Wirken des Verstorbenen. Die bedeutendsten Vertreter der jüdischen und christlichen Oefsentlichkeit Amerikas, Mitglieder der Regierung und Führer fast aller großen Organisationen, haben den Hinterbliebenen ihr Beileid zum Ausdruck gebracht. Das Kondolenzschreiben des Präsidenten der Bereinigten Staaten, Herbert Hoover, lautet u. a.: Durch den Tod von Nathan Straus ist unserem nationalen Leben eine verehrungswürdige Gestalt entrissen worden, deren Verlust schmerzlich empfunden wird; ein Führer der Judenheit, dessen Vision von hilfsbereiter Menschenfreundlichkeit über alle nationalen und konfessionellen Grenzen hinausging; ein Philrntrop, dessen Wohltaten, insbesondere die für die Kinder, bis in die ferne Zukunft weiter wirken werden. 60. Geburtstag Felix Hl. Marburg Am 14. Januar 1931 vollendet Herr Felix M. Marburg, Präsident des American Joint Distribution Committee und des Administrative Committee der Jewish Agency, sein 69. Lebensjahr. Felix M. Marburg wurde 1871 in Hamburg geboren, ging 1894 nach Amerika, wo er 1900 naturalisiert wurde. Er heiratete Frieda Schiff, die Tochter voll Jacob H. Schiff, und wurde 1896 Teilhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. und Leiter mehrerer großer Gesellschaften. Er wurde eine führende Persönlichkeit in der New Yorker Bankwell und in der amerikanischen Gesellschaft. Felix M. Marburg wandte sich schon bald rzach seiner Uebersiedlung nach New?)orf dem Gebiete der sozialen Fürsorge zu. I« New Port wurde unter der Aegide von Felix M. Marburg der Zusammenschluß aller jüdischen philantropischen Gesellschaften zu einer „Federation os Jewish Charities" vollzogen und dadurch eine durchgreifende Reform des jüdischeli Wohlfahrtswesens in der größten jüdischen Gemeinde der Welt erreicht. Er wurde der erste Vorsitzende der „Federation of Jewish Charities", die unter seiner Leitung bewundernswerte Erfolge erzielt hat. Der „Federation" gehörerr an 21 Krankenhäuser, ferner Waisenhäuser, 'Beratungsstellen und unzählige andere Wohlfahrts?inrichtungen, deren gemeinsames Budget rund 5 Millionen Dollar jährlich beträgt. Gegenwärtig ist Herr Marburg Vorsitzender des Verwaltungsrates der „Federation". Unter seiner Aegide wurde die „Training School for Jewish Social Workers" gegründet. Er ist mit dem „Bureau of Jewish Social Research", welches das Gebiet der sozialen Fürsorge in zahlreichen Städten Amerikas kontrolliert, eng verbunden. Bei der Gründung des „Joint Distribution Committee for Jewish War Sufferers", das für die Bedürfnisse von Millionen Juden in den vom Kriege heimgesuchten Gebieten sorgte, wurde Felix M. Marburg zum Vorsitzenden des Verwa'ltungskomitees gewählt und hat diesen Posten noch jetzt, nach 16 Jahren, inne. Während der Kriegsjahre unterstützte Das J.D.C. die Notleidenden, sättigte die Hungrigen und lieilte die Kranken. Es gründete Kreditgenossenschaften, Vorschußvereine und Zentralbanken. Es bildete junge Männer und Frauen in produktiven Berufen aus und schuf große medizinische Organisationen. In Rußland leitete das J.D.C. unter der Führung von Dr. Joseph Rosen und unter der Mitarbeit der russischen Regierung die Siedlungsbewegung. Dieses Unternehmen trug dazu bei, die zerstörten jüdischen Kolonien wieder aufzubauen und die jüdische Landbevölkerung in Rußland von 15000 Familien i. I. 1923 auf ungefähr 50000 Familien i. I. 1929 zu steigern. Ter Gedanke einer großen palästinensischen Universität fand ebenfalls in Felix M. Marburg einen großen Förderer. Er spendete 500000 Dollar für diese Institution. Als Dr. I. L. Magnes, mit dem ihn freundschaftliche Beziehungen verbinden, Kanzler der Universität in Jerusalem wurde, wurde Marburg Mitglied des „Board of Governors". Der Wunsch, die jüdische Religion durch den geistigen Einfluß Palästinas befruchten zu lassen, veranlaßte Herrn und Frau Marburg, zur Gründung des „Institute os Jewish Studies" beizutrageu. Alexander Moszkowski 80 Zähre Am 15. Januar vollendet A l e x a n d e r M o s z k o w s k i sein a ch t z i g st e s L e b e n s j a h r. Moszkowski, beiläufig der Bruder des großen Musikers Moritz Moszkowski, der vor einigen Jahren in Paris sein Leben beendete, gehört mithin ebenfalls zur alten Garde der Berliner Publizistik. Aber es hieße, ihm zu nahe treten, wenn man ihn nur als den allzeit rührigen und betriebsanren Tagesschriststeller kennzeichnen wollte. Er gehört vielmehr zu jenen wenigen universellen G e i st e r n , die mannigfache wissenschaftliche und künstlerische Disziplinen beherrschen. Mathematik, Musik, Technik und Philosophie liegen ihm zunächst am Herzen. Aus diesen Qualifikationen heraus hat sich in ihm folgerichtig wohl auch der beste Kenner Alibert Einsteins herausgebildet, über dessen Theorie er nicht nur ein gemeinverstmwliches Werk zur Einführung und Kommentierung der Einsteinschen Ideen geschrieben hat, dessen Verbreitung sich über die ganze Welt, bis nach Japan, erstreckt, sondern mit dem ihn persönlich auch enge Freundschaftsbeziehungen verknüpfen. Alexander Moszkowski ist 1851 zu Piliea in Polen geboren worden, hat die Gymnasien in Breslau und Dresden absolviert und auf den Universitäten .Heidelbergs und Berlins sein Studium abgeschlossen. Seit 1875 hat er sich in Berlin, zuvörderst als Kuiislschriftsteller und Dramatiker, betätigt, bis er vorübergehend in die Redaktion der Berliner „Wespen" eintrat, um seit dem Jahre 1886 bis zum heutigen Tage als Chefredakteur der „Lustigen Blätter" eine aufrichtige Volkstümlichkeit zu genießeir. Moszkowski's Witz ist von einer unfehlbaren Treffsicherheit und zielt inimc'r in das Herzblatt der Dinge. Besondere Liede hat ec der Biologie und historischen Erforschung des j ü d i s ch e n W i tz e s gewidmet, den er bis zu den tiefsten Wurzeln seiner Entstehungswahrscheinlichkeiten verfolgt hat. Er hat es verstanden, die Neigung zur Selbstpersiflage eines ganzen Stammes als streitbare Wehr und Waffen einer seit Jahrtausenden in die Defensive gedrängten Volksgemeinschaft zu deuten, und hat es sich selbst angelegen sein lassen, die schlagendsten Bonmots seines Stanrmes zu sammeln, die ebenso in ihrer Situationskomik wie auch häufig als charakterologische Symptome verblüffend und von tieferer Bedeutung sind. Auf diesem Gebiet sind seine Sammlungen „D i e u n st e r b l i ch e K i st e", „Der jüdische Witz", „Das Buch der tausend Witze" populär geworden. Es ist, als ob da s I u d e n t u w selbst sich auf den vielen Hundert Seiten dieser Bücher ohne alle M a s k e n und Verkleidungen, in I r o n i e, Nachdenklichkeit und Melancholie, zum ersten Male frei zu entfalten vermag. Aber - wir sagten es schon - Moszkowski ist jeder Beschränkung und Einseitigkeit feind. Wenn er auch mit seinen berühmten Humoresken „Anton Notenquetscher", „Heitere Dichtungen", „Stuß im Jus", „Freibad der Musen", „Meine verstimmte Flöte" und anderen mehr zuvorderst die Gunst des Publikums gewinnen rnochte, so folgten doch Jahr um Jahr anspruchsvollere Satiren wie beispielsweise „Sokrates, der Idiot", die „Ehe im Rückfall", oder auch tiefschürfende Werke wie „Die ewigen Worte", „Der Sprung über den Schatten", „Das Geheimnis der Sprache", die „Welt von der Kehrseite", „Entthronte Gottheiten", „Der Benuspark", „Das Panorama meines Lebens" und andere umfangreiche Wälzer mehr, die trotz ihrer Gründlichkeit „mit Bedeutung auch gefällig" waren. Es ist unmöglich, in engen: Rahmen die schier unübersehbare Produktion Alexander Moszkowskis nach Verdienst zu würdigen. Als er ungefähr sech sundsiebe uz ig Jahr alt war, hegte er die Absicht, noch fünfzehn Bücher zu schreiben, deren Probleme und Pläne in ihm ruhten und mit deren Gestaltung er sein Lebeuswerk abzuschließeu gedachte. Es ist zu hoffen, daß er dieses großzügige Projekt wenigstens partiell zur Ausführung gebracht hat oder noch bringen darf. Alexander Moszkowski ist nicht nur einer der fruchtbarsten, sondern auch einer der tiefsten und geistreichsten Schriftsteller! seiner Epoche. Dabei von der unermüdlichen Arbeitslust des echten Journalisten, für den jederzeit das Wort Geltung hat: „In Bereitschaft sein ist alles." Noch heule ergreift der Achtzigjährige zu allen Tages- und Streitfragen in dep „Lustigen Blättern", sowie *in großen Zeitungen von Weltruf das Wort. Die Eleganz seines Floretts ist unvergleichlich. Sie ähnelt der der Gascakner Kadetten, und darum darf auch er füglich von sich rühmen: „Und zu meinem Gegner sprech ich: Sieh' Dich vor Denn beim letzten Verse stech' ich." Wenn man noch hinzufügt, daß Moszkowski, der jung gebliebene, temperamentvolle Greis, jedes Buch und jeden Artikel mit eigener Hand schreibt, wird man die inkommensurable Arbeitsleistung dieses Mannes zu würdigen wissen. Moszkowski ist alle Zeit ein aufrechter und kämpferischer Jude gewesen, dessen Persönlichkeit zwar häufig stachligen Witz verriet, aber noch häufiger von liebenswürdiger Ironie überblüht war. Wir wünschen ihm und uns Glück zu dem Ehrentage dieses geistigen Veteranen, der im Herzen ein ewiger Jüngling geblieben ist. „Und wenn es lange währet, so währet es achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen." Beide Bibelworte treffen aus Alexander Moszkowski zu. Wir aber hoffen, daß wir diesem emsigen Streiter des Herrn, der ebensoviel Erquickung wie Belehrung in die Existenzen der Mühseligen und Beladenen getragen hat, auch noch ein ferneres Jahrzehnt hindurch im Geiste werden freudig die Hand drücken dürfen. Möge er sich die innere Musik erhalten, die oft in so rauschenden Akkorden oder in amüsanten Stakkati zu uns gedrungen ist und uns beglückt hat. Doris W i t t n e r. Tagung des Zentralausschusses des Allgemeinen Rabbinerverbandes Am 5. Januar tagte in Leipzig in den Räumen der Leipzig-Loge der Zentralausschuß des „Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland". Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Baeck-Berlin erstattete der Schriftführer Dienemann-Ofsenbach den Geschäftsbericht und gab einen Ueberblick über die im Berichtsjahr vom Vorstand erledigten Aufgaben. Goldmann-Leipzig hielt ein Referat über das Thema: „Spezialaufgaben des Rabbiners und seine Ausbildung für sie". Nach der Debatte fanden die folgenden Thesen Goldmanns Annahme;: ,^Jn der Ausbildung des rabbinischen Nachwuchses sind neben den Hauptgegenständen der Ausbildmrg als Spezialgebiete Pädagogik, Apologetik und soziale Tätigkeit zu betonen. Dies soll dadurch geschehen, daß an den theologischen Lehranstalten Lehrstühle für diese praktischen Aufgaben errichtet werden, deren Inhaber aus der rabbinischen Praxis hervorgehen sollten. Zur Erlangung der Anstellungsfälligkeit ist es wünschenswert, daß jeder Kandidat ein Jahr lang als Hilfsrabbiner in einer großen oder mittleren Gemeinde arbeitä." * * Rosenthal-Köln referierte über die „Kalenderreform" und die der Sabbatheiligung drohenden Gefahren, die mit der Einführung eines Blankotages verbunden sind. Die folgende Erklärung wurde beschlossen, die an die zuständigen Stellen, gesandt wird: „Der Allgemeine Rabbinerverband in Deutschland erklärt zu der Frage der Kalenderreform: Wir begreifen das Interesse weitester Kreise an einer Kalenderreform. Wir sehen uns aber genötigt, mit allem Nachdruck Einspruch zu erheben gegen solche Reformvorschläge, die durch die Einsetzung eines Blankotages Geltung und Heilighaltung des Sabbats ches die Sklaven gebracht wurden, um zu sehen, ob sich unter den verschleppten Sklaven Juden befanden. Manchmal gerieten bekannte Persönlichkeiten rn die Gefangenschaft; so wurde 1725 ein Schiff gekapert, auf dem sich Jacob Fouseca, ein Bruder Daniels Fonseca, des spätereil Freundes von Voltaire, der zuerst ein Maranenpriefter war und später nach seiner Rückkehr zum Judentum Arzt des Großveziers in Konftantinopel wurde, befand. Fonsecaweigerte sich, Lösegeld zu zahlen, und er wurde schließlich auf Drängen der französischen Regierung auf Vorstellung seines Bruders freigelassen. Der Agent des Venetianer Vereins versah die gefangenen Juden bei ihrem Eintreffen mit den notwendigen Mitteln. Die jüdischen Gefangenen wurden in einer besonderen Abteilung des Gefängnisses unterge'bracht. Bei der ersten Gelegenheit wurde nach Venedig berichtet, wieviel Juden eingetroffen sind, und was für ihre Freisetzung notwendig äst. Da die Juden immer als reich galten, wurde für sie mehr Lösegeld verlangt als für die anderen, und gewöhnlich wurde für einen Juden mehr gezahlt als für einen Mohammedaner. Die Depntados mußten sich oft gegen die Erpressungsforderungen der Sklavenbesitzer wehren, die über die üblichen Preise für Sklaven hinansgingen. So wurde für einen gewissen Aron Afia aus Rhodos, der 1693 als Sklave nach der Insel kam, 600 Dukaten verlangt. Sein Besitzer hielt ihn in Ketten und drohte ihn auf die Galeeren zu schicken. Garsin schrieb nach Venedig in Verzweiflung, die Besitzer des armen Sklaven wollen nicht glauben, daß er in Wirklichkeit ein armer Mensch ist. „Wir sind nicht in der Lage", antworteten die Deputados, „solche enormen Ausgaben zu leisten. Wenn der Preis nicht heruntergesetzt wird, müssen die armen Kerle in der Sklaverei sterben und die Eigentümer werden ihr Kapital verlieren." 1702 erwarb ein Spekulant vier jüdische Sklaven, drei Männer und eine Frau, alle im Alter von 60 Jahren, für 350, 304, 299 und 72- Dukaten. „Es wundert uns", schreiben daraus die Depntados, „daß sie zu solchen unerhörten Preisen gekauft werden konnten. Sie können sicher sein, daß sie ihr ganzes Leben lang in den Händen ihrer Besitzer bleiben werden, denn unsere Mittel reichen nicht aus, um ihren Loskauf selbst zu 60 Dukaten zu verwirklichen. Es wäre gut, wenn Sie unsere Worte bekannt machen würden, damit niemand mehr in Zukunft solche hohen Preise bezahle." .Im nächsten Jahr, 1703, schrei ben sie wieder: „Obwohl es uns schwer ist, die Leiden zu sehen, welche diese unglücklichen Elenden erdulden, können wir doch nicht zu ihrer Erlösung mehr beitragen, als wir früher geboten haben, wegen der schlechten Zeiten und der Geschäftsstockung. Ihre Herren sollten ihre übertriebenen Forderungen mäßigen, denn wenn sie das nicht tun, werden sie gewiß alles verlieren, da die Sklaven unvermeidlich infolge ihrer Leiden sterben werden." Gewöhnlich dauerte die Zeit, bis die Loskaufprozedur vollendet war, ziemlich lange. So mußte ein gewisser Isaac Esicrit fünf Jahre warten, bis er 1716 für 100 Dukaten losgekauft wurde. Bei manchen dauerte es noch länger. Auf diese Weise befand sich auf Malta eine wirkliche jüdische Gemeinde, aus Sklaven bestehend. Die Behörden erlaubten den jüdischen Sklaven einen eigenen Friedhof und Synagoge zu besitzen. Manchmal versuchten die Sklavenbesitzer, ihre jüdischen Sklaven zu zwingen, am Sabbat oder sonstigen jüdischen Feiertagen zu arbeiten. Die Depntados schrieben daraus, sie seien unfähig, das zu verstehen, denn die Herren der Sklaven kauften ja nur die Körper ihrer Sklaven, nicht aber deren Seelen. Am 3. März 1673 schrieben sie daher an die jüdische Gemeinde in Rom mit der Bitte, sie möchte in diesem Zentrum der katholischen Welt versuchen, diesem Uebel ein Ende zu setzen. Das scheint in der Tat geschehen zu sein, denn 1675 erließ der Inquisitor von Malta ein Verbot, jüdische Sklaven zu Zwingen, an ihren religiösen Feiertagen zu arbeiten. Die Agenten der Venetianer Deputados auf Malta bemühten sich auch, obwohl sie keine Juden waren, die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Sklaven möglichst zu befriedigen. So mietete er einen Raum im „Bagno", der für eine Synagoge geeignet war. In der ersten Zeit wurde dieser Raum nur an den hohen Feiertagen benutzt, später auch an den Sabbaten. 1685 erhielten die jüdischen Sklaven auch einen Ofen zum Backen von Mazzoth. Sank die Zahl der Sklaven unter 10, welche zur Verrichtung des Gottesdienstes notwendig sind, so brachte der Agent die Thorarolle und die anderen hebräischen Bücher in Verwahrung. Die Sterblichkeit auf Malta, welches wegen seines Fiebers berüchtigt war. war groß; daher wandten sich die Sklaven an die Depntados nach Venedig mit der Bitte, einen jüdischen Friedhof zu besorgen. Ende 1675 erhielt auch Garsin den Auftrag, einen Platz für den Frioedhof zu erwerben für einen Preis, der nicht höher als 50 Dukaten sein sollte. Unter den verschiedenen Gefangenen wurden manchmal auch hervorragende jüdische Gelehrte auf Malta verschlagen. Einer der bekanntesten ist Jacob le Beth Levi (Jacob ben Israel der Levite), ein in Morea geborener Jude, welcher den Koran ins Hebräische übersetzt hat. Er starb 1634 als Rabbiner von Zante, nachdem er eine Zeitlang in der „LSwnvhölle und Gefängnishaus" von Malta, wie er sich ausdrückte, zubringen mußte. Mehr als ein Gefangener wird in den Dokumenten der Depntados mit Rabbi oder Chacham angeredet. 1666 gerieten einige Rabbiner aus Jerusalem in Gefangenschaft und Sklaverei nach Malta, als sie auf der Reise waren, um die frohe Botschaft von der messianischen Erscheunung Sabbatai Zevis zu bringen. Sehr lauge lebte auf der Insel ein gewisser Moses Azulai, aller Wahrscheinlichkeit nach Mitglied einer bekannten jüdisch-marokkanischen Familie von Gelehrten und Mystikern. Er kam auf die Insel 1671, sein Herr behandelte ihn sehr milde, so daß er sich über sein Schicksal nicht beklagte und sich nicht bemühte, losgekauft zu werden. Er widmete sich ganz der Sorge für die anderen jüdische!: Sklaven. Auf seine Veranlassung wurden nach Malta eine Reihe hebräischer Bücher geschickt, fo Midrasch Tanhuma, ein ewiger Kalender (Sefer Jburim), auch ein Buch über Traumdeutungen (Pitron Hallmot). Als aber im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Sklaven zeitweise sehr zurückging, fo daß schließlich Azulai der einzige restliche jüdische Sklave geblieben war, wandte er sich nach Venedig mit der Bitte um Loskauf. Garsin erhielt darauf von den Deputados den Auftrag, für die Freisetzung von Azulai bis zu 150 Reale zu zahlen. Garsin wurde gleichzeitig instruiert, was er nach der Abreise Azulais, da auf der Insel keine Juden mehr da sein werden, mit der Thorarolle, den Synagogenschlüsseln, dein Mazzothofeu usw. tun sott. Bevor aber die Loskaufsoperation durchgeführt werden konnte, starb Azulai auf der Insel 1696. Es gab ein sicheres Mittel, sich von der Sklaverei zu befreien, nämlich zum Christentum überzutreteu. Aber diese Uebertritte geschahen selten. Es läßt sich nicht genau feststellen, wann die jüdische Sklavengemeinde aus Malta zu bestehen aufgehört hat. Noch 1752 zahlten die Deputados von Venedig für den Loskauf eines gewissen Daniel de Beirjrmin Silva und seiner Frau Judith 200 Dukaten. Noch später, 1768, schickte die jüdische Gemeinde von London nach Livorno 80 Pfund als Beitrag zum Loskauf einer Gruppe von 14 jüdischen Gefangenen auf Malta. In den letzten Jahren ihrer Herrschaft wurden die Ritter toleranter, es wurde einigen jüdische«; Kaufleuten gestattet, sich auf Malta niederzulassen, auch einig« freigelassene jüdische Sklaven durften als freie Einwohner auf Malta weiterleben. Diese bildeten den Kern der spätere» jüdischen Gemeinde auf Malta, nachdem unter französischer Herrschaft am 15. Mai 1800 die Sklaverei auf Malta ausgehoben wurde. Dr. I. Lewin. k

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