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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-01-14 · 2 (14.1.1931) · page 8

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/ aufs schwerste gefährden. Wir weisen darauf hin, daß es Vorschläge gibt, die diese Gefahr vermeiden, und zwar durch Einführung einer Schaltwoche. Es wäre wünschenswert, dieser Schaltwoche den Charakter einer „Weltfriedenswoche" zu geben." An die Landesverbände soll das Ersuchen gerichtet werden, Rabbiner in Städten mit Universitäten und anderen Hochschulen mit den Pslichten eines Studentenrabbiners zu betrauen. Aus den Gemeinden Alsfeld. (Synagogen Iubiläum.) Die hiesig« Gemeinde feiert« vor kurzem das 25 jährige Jubiläum ihrer Synagoge. Prooinzial-Rabbiner Dr. Hirschfcld aus Gießen weilte aus diesem Anlaß zur Abhaltung des Festgottesdienstes bezw. der Festprcdigt hier. Der erste Vorsteher Adolf S-teinbevger dankte in der Begrüßungsansprache «Illen, die zur Erbauung und Erhaltung der Synagoge beigctragen hatten. Lehrer Kahn hielt am Freitagabend eine Weiherede, die tiefe» Eindruck auf alle Zuhörer machte. Sabdatmorgcn fand ein besonderer Festgottesdienst statt, der durch Chorgesänge verschönt wurde, in dessen Mittelpunkt die wirkungsvolle Predigt des Provinzial-Rabbiners Dr. Hirschseld, Gießen, stand. Den Gottesdienst sührtc der Hilfsvorbeter Josef Bettmann aus, der seit 30 Jahren dieses Amt ehrenhalber versieht. Am Abend hatten sich die Mitglieder und Gäste zu einem Gemeindeabend versammelt, in dem Lehrer Kahn einen fesselnden Vortrag über die Geschichte der Alssclder Inden hielt. Die Synagoge war zum Jubiläum gründlich aussen und innen renoviert worden. Frauen- und Männervereine hatten außerdem durch Stiften von Decken, Vorhängen für die heilige Lade, eines silbernen Thoraschmuckes und einer stimmungsvollen „ewigen Lampe" zur würdigeren Ausstattung des Gottesdienstes bcigetragen. Berlin. (Curl S o b c r n h e i in 6 0 Jahre.) Am 10. Ja nuar 1931 vollendete Herr Dr. h. e. Curl Sobernheim, ordentliches Vorstandsmitglied der Commerz- und Privatbank, einer der repräsentativsten deutschen Wirtschastsführer und Bankdirektoren Berlins, sein 60. Lebensjahr. Das Haus Sobernheim in der Augsburger Straße spielt im gesellschaftlichen Leben Berlins eine bedeutende; Rolle. Neben den prominenten Vertretern von Diplomatie und Wirtschaft frisst man hier häufig Führer des deutschen Musiklebens, wie Richard Strauß, Mar von Schillings, Fritz Kreisler usw. Das Werk der jüdischen sozialen Fürsorge besitzt in ihm einen Förderer. Dr,' h. c. Curt Sobernheim ist ein Stiefsohn des Generalkonsuls Eugm Latrdau und ein Bruder des bekannten Industriellen Walter Sobern heim und diS Legationsrates Professor Dr. M. Sobernheim. Göttinge«. (Persönliches.) Die Begründerin des Israelitischen Frauenvrreins, Frau Johanna Gräsenberg, beging am 12. Januar ihren 85. Geburtstag. 30 Jahre hat die Jubilarin als erste Vorsitzende den Frauenverein in vorbildlicher Weise geführt und gefördert. Bei ihrem Ausscheiden wurde sie in Anerkennung ihrer Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. Noch heute nimmt die Jubilarin an allen Bestrebungen des Vereins regsten Anteil. '" Kassel. (Todesfall.) Im 73. Lebensjahre verstarb nach law gem Leiden der Möbelsabrikant .Hugo Herrmann. 35 Jahre war der Entschlafene, der sich in Fach- und Bürgerkreisen hohen Ansehens erfreute, im Vorstand der Israelitischen Brüderschaft tätig, die ihn in Anerkennung seines dem Verein geleisteten gemeinnützigen Wirkens zum Ehrenmitglied ernannte und in einem herzlich gehaltenen Nachruf die wirksame Vertretung ihrer Interessen durch den mit großem Wissen und charaktervollem Wesen ausgerüsteten Förderer ihrch Bestrebungen anerkannte. An der Seite seiner ihm im Tode vorausgegangenen Gattin hat der Verblichene im Erbbegräbnis Berlin- Wvißensee seine letzte Ruhestätte gefunden. Bad Kissingen. (Jubiläum und Ehrung.) Eine seltene Feier konnte Herr Stadtrat N. Bretzfelder hier am Neujahrstage begehen. Es jährt sich zum 25. Male der Tag, seit dem Herr Bretzfelder ununterbrochen ehrenamtlich der Stadtverwaltung Bad Kissingen angehört. Vom Jahre 1905 bis Mitte 1919 war er Mitglied des Kollegiums der Gcmeindebevollmächtigteir, von da ab Stadtratsmitglied. Zu Ehren des Jubilars und seines verdienstvollen Wirkens beschloß der Stadtrat in der Sitzung vom 23. Dezember v. I., ihm eine künstlerisch gefertigte Anerkennungsurkunde zu verleihen; ebenso wurde der Vorschlag des Vorsitzenden gebilligt, an den Jubilar Einladung zur Einzeichnung in das Goldene Buch der Stadt ergehen zu lassen. Oberbürgermeister Dr. Pollwein begab sich am Neujahrstage in das Haus Bretzfelder und hielt eine längere ehrende An spräche. Herr Stadtrat Bretzfelder dankte in betvegten Worten dem Vertreter der Stadt für die ehrenvolle Auszeichnung und stellte eine Spende für wohltätige gemeinnützige Zwecke zur Verfügung. Herr Stadtrat Bretzfelder ist seit 28 Jahren Mitglied der Kultusverwaltung und seit 30 Jahren Vorstand des Mänuervereins (Chewra). Der Vereinigung für das liberale Judentum ist er ebenfalls ein langjähriges treues Mitglied, so daß wir ihm auch an dieser Stelle unsere besten Glückwünsche aussprechen. Königsberg i. Pr. (Silberhochzeit.) Am 11. Januar begeht der Kaufmann Sally B o r k o n mit seiner Gattin Martha, geb. Mendelsohn, das Fest der Silberhochzeit. Frau Norton gehört deA Königsberger Ortsgruppcuvorstand der Vereinigung für das liberale Judentum an und vernmltele lange Jahre hindurch das undankbare Amt des Kassenwarts. Herr Borkon steht an sührcuder Stelle im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und ist als der Begründer der Ortsgruppe Königsberg anzusprechen. Wir sprechen dem Silberpaar an dieser Stelle unsere besten Glückwünsche aus. Rordhavsen. /Persönliche s.) Sanitätsrat Dr. Stern, der fast zwanzig Jahre als Vorsitzender der Gemeinde mit vorbildlicher TrÄre und großem Eifer die Geschicke der Gemeinde leitete, trat mit dchn Ende des letzten Jahres von seinem Amte zurück und wurde nach einstimmigem Beschluß des Vorstands und des Repräsentantcn- Kollegiums zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Außerdem wurde ihm in Würdigung seiner Verdienste um die Gemeinde eine von Künstlerhand ausgeführte Adresse überreicht. Worms. (Todesfall.) Hier starb Samuel Guggenhcim, der vor wenigen Monaten seinen 90. Geburtstag feiern konnte. Ein stattliches Trauergefolge gab ihm das letzte Geleit. Rabbiner Dr. Holzer, Dt- Tryfus und Dr. Dienemann, Offenbach, ebenso Herr Kiefer als- Vertreter der Gemeinde hielten an seiner Bahre Ansprachen. Danksagung An die Vereinigung für das Liberale Judentum in Deutschland Berlin SW. 11, Hallesche Straße 1. Sie haben mir durch Ihren Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern, so ganz besonders herzlich zu meinem siebzigsten Geburtstag gratuliert und haben mich durch die für mich so ergreifend schöne Festnummer der Jüdisch-liberalen Zeitung so hoch geehrt und mein bescheidenes Wirken im Dienste des Liberalen Judentums wie auch meine unzerreißbare Verbundenheit mit Ihrer — mit unserer — Bereinigung anerkannt, daß es mir ein Herzensbedürfnis ist, jedem Einzelnen von denen, die mir mit solcher Freundschaft genaht und der Vereinigung insgesamt meinE innigsten und herzlichsten Dank auszusprechen. In treuer Verbundenheit Ihr Seligmann. Vereinsnachrichten Freie Jüdische Volkshochschule. Wintervorlesungen 1931. 1. Kontradiktorische Abende: Die Aufgaben einer jüdischen Großgemeinde. R.-A. Heinrich Stern — R.-A. Dr. Alfred Klee. Montag, den 19. Januar, abends 8 Uhr, Logenhaus Kleiststraße 10. Brauchen wir eine jüdische Schule? R.-A. Dr. Max Kollenscher — R.-A. Dr. Walter Breslauer. Montag, den 2. Februar, abends 8 Uhr, Logcnhaus Kleiststraße 10. Deutsch-jüdische und nationaljüdische Anschauung. Dr. Ludtvig Holländer — Äurt Blumenfeld. Montag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, Logenhaus Kleiststraße 10. Im Januar beginnen ferner folgende Kurse: Rabb. Dr. I. Bergmann: Das Judentum in seinen Ideen und Formen. Dr. Leo Rosenzweig: Das Problem der Willensfreiheit im Judentum. Rabb. Dr. I. Bergmann: Ost- und Westjuden. Dr. Ernst Cohn-Wiener: Jüdische führende Persönlichkeiten in der bildenden Kunst, mit Lichtbildern. Sanitätsrat Dr. S. Lachmann: Der Alltag in biblischer Zeit. Rabb. Dr. M. Warschauer: Ein Gang durch die jüdische Geschichte. Dr. Elias Auerbach: Die Anfänge Israels. Die wirtschaftliche Umwälzung. Referenten: Dr. Kurt Zielenziger, Dr. Ludwig Holländer, Frau Dr. Edelheim, Dr. Kreutzberger, Berthold Steinberg. Vorlesungsverzeichnisse sind kostenlos erhältlich in allen jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Hermann Tietz, ^Leipziger Straße, Alexandcrplatz, Frankfurter Allee, Kaufhaus des Westens und im Sekretariat der Freien Jüdischen Volkshochschule, N. 21, Oranienburger Straße 29, Telephon: D2 Weidcndamm 5921 (9—1 Uhr). Schule des Friedens. Hellmuth von Gerlach spricht Mittwoch, den 21. Januar, 8 Uhr abends, über das Thema: „Der Völkerbund in Theorie und Praxis". (Vortragssaal des Synagogengebäudes' Fasanenstraße 79-80.) Die „Schule der Jüdische» Jugend" beginnt ihren neuen Lehrgang am Sonnabend, dem 17. Januar, 8 Uhr abends, in der Aula der Mädchenschule, Kaiserstraße 29-30. Dr. I. N. Steinberg spricht über Form und Inhalt in den jüdischen Kämpfen der Gegenwart Aus dem Arbeitsplan sei ein Zyklus erwähnt, der sehr großes Interesse finden dürfte. In diesem Zyklus soll versucht werden, einen Querschnitt durch die literarische Tradition des Judentums zu geben. Die einzelnen Vorträge haben hervorragende Kenner des betreffenden Gebietes übernommen. Der Zyklus heißt: Das jüdische Kulturerbe, dargcstellt nach seinen wichtigsten Ursprungs-Epochen und literarischen Gattungen. Es sprechen: Oberrabbiner Dr. Josef Carkebach (Altona): Talmud (Der Zaun um das Gesetz), Dr. Chanoch Albeck: Rabbinischc Literatur (Das Leben im Gesetz), Prof. Dr. I. Hcinemann (Breslau): Hellenismus (Jerusalem und Alexandrien), Prof. Dr Julius Guttmann: Philosophie (Glaube und Wissen), Rabbiner Dr. Leo Baeck: Kabbalah (Wissen um Verborgenes), Dr. Aron Steinberg: Chassidismus (Erlösung des Alltags), Dr. Simon (Rawidowitsch: Haskalah (Judentum und neue Welt), Dr. Jchoschuä Guttmann: Ncuhcbräischc Literatur (Die Wiedergeburt). Die Vorträge dieses Zyklus finden vom 27. Januar ab immer Dienstag, 8 Uhr abends, in der Aula der Mädchenschule, Auguststraße 11-13, statt (mit Ausnahme des dritten Vortrages, der am Mittwoch stattsindet. Genauere Angaben der Vorträge erfolgen in der jüdischen Presse. Der Arbeitsplan mit Angabe der weiteren Kurse ist kostenlos erhältlich in den jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Hermann Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplatz und Frankfurter Allee, Kaufhaus des Westens und im Sekretariat der Schule der Jüdischen Jugend, N. 21, Oranienburger Straße 29, Weidendamm D 2 5921 (8—4 Uhr). Dortmund: Religionswissenschaftlich« Borträge halten in der Syna goge am 11., 18. und 25. Januar die Herren Dr. Jacob-Dortmund, Dienemann-Offenbach und Eschelbacher-Düsseldorf. »M MM»| Aus der Ai-Bewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft sübisch-tiberater Iugeudveretue De«tschlaabs Borst heuder: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. IRota Lin ernstes Wort an die jüdische Zugend Es ist in letzter Zeit überaus viel von der Notwendigkeit der Aufklärung unserer nichijüdischen Volksgenossen geschrie den und gesprochen worden, daß ich es nicht unterlassen'möchte, besonders darauf hinzuweisen, daß diese Aufklärung schon im Kreise der Jugend beginnen muß. Laßt uns dahin arbeiten, der jungen Generation der deutschen Judenheit ein leichteres Leben und besseres Verstehen mit ihren christlichen Volksgenossen zu verschaffen! Der größte Teil der Pionierarbeit, die Männer wie Moses Mendelssohn und Gabriel Rießer geleistet haben, bestand darin, daß sie den verblendeten und unaufgeklärten Massen erst die Augen geöffnet haben. Nehmen wir uns ihre Methode zum Vorbild! Zweck kann eine derartige Aufklärung nur dann haben, wenn sie von solchen Personen vorgenommen wird, die zugleich stolze Deutsche und bewußteJuden sind. Uns muß unser Judentum, als unsere Religion, ebenso heilig sein, wie unser Deutschtum; wenn das aufrichtige Bekenntnis zum angestammten Glauben fehlt, ist es mir unklar, was unter „Verteidigung unseres Deutschtums als Juden" vertändelt werden soll! Allen Eltern möchte ich raten, und der Jugend besonders ans Herz legen, sich dessen bewußt zu sein, daß wir viel eher Verständnis bei Andersdenkenden erreichen, wenn wir uns nicht unserer jüdischen Religion schämen, sondern uns ihrer rühmen! Jugend, an Euch wende ich mich! Zeigt Euern andersgläubigen Schulkameraden die Poesie und die Schönheit unseres jüdischen Gottesdienstes; zeigt ihnen Synagogen von innen! Eignet Euch auch Kenntnis vom Judentum an, damit wir Ihnen von der Größe unserer Religion künden könnt! Arbeitet darauf hin, Euch selbst einmal Klarheit darüber zu verschaffen, was das „Wesentliche" des Judentums aik'smacht. Lernt die große Idee erkennen, für die unsere Ahnen als Märtyrer ihres Glaubens gefallen sind. Dann erst seid Ihr imstande, denen, die uns den Gott der Rache vorwerfen, zu entgegnen, daß das Judentum den Satz geprägt hat:;,Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", und daß sich dieses Wort im 3. Buche Mose, 19. Kap., Vers 18, finden läßt, daß die jüdischen Propheten, jene großen Lehter der Menschheit, für soziale Gerechtigkeit, Liebe und Frieden in der Welt eintraten, und nicht Haß und ZwietrcW gepredigt haben! Ich selbst habe als Primaner mit christlichen Schulkameraden einen jüdischen Gottesdienst besucht. Wenn ich wenig erreicht habe, eines ist mir gelungen: Tie Vorstellung, die sie sich vom jüdischen Kult gemacht hatten, mußten sie korrigieren! Wenn wir Antizionisten gegen jüdische Schulen eintreten, dann doch zu einem guten Teil aus dem Grunde, damit Ihr, jüdische Jugend, in verstärktem Maße Fühlung nehmen sollt mit Euern christlichen Kameraden. Zeigt Ihnen, daß Ihr ebenso gute Deutsche seid wie sie; beweist ihnen aber, daß man dabei auch stolz zum Judentum halten kann! Das imponiert mehr, als wenn Ihr tut, als ob jüdische Religion garnicht für Euch existiert! Die Schulen sind heute leider oft Brutstätten des Antisemitismus. Versucht, die Seuche im Keim zu ersticken. Tut das Eure, indem Ihr Euch Mühe gebt, durch Euer persönliches Auftreten das Ansehen des deutschen Judentums zu heben. Helft, daß sich derartige Vorgänge, wie wir, die gegenwärtige Generation, sie an unfern Hochschulen erleben, an denen uns jüdischen Deutschen unser gutes Recht streitig zu machen versucht wird, nicht wiederholen, wenn Ihr dereinst die Schule verlaßt! Mit Worten Gabriel Rießers möchte ich schließen: der Geist, der aus ihnen spricht, beseele Euch, deutsch-jüdische Jugend!: „Laßt uns nicht ermüden, solange wir Kraft haben. Der Glaube an die Macht und an den endlichen Sieg des Guten und Rechten in der Welt ist unser Messiasglaube. Laßt uns fest an ihm halten!" Gerhard Graf, sind. phil. et theol. Aus der Ili-Arbeit * Berlin. (Jugend und Religion.) Der Berliner Jli hatte am 8. Januar zu dem zweiten in diesem Winter für die größere Oefsentlichkeit bestimmten Vortragsabend Herrn Rabbiner 6r. Baeck um ein Referat über „Jugend und Religion" gebeten. Herr Dr. Baeck gab zunächst eine Definition der „Jugend". Wir bezeichnen damit im allgemeinen das Alter von 13 bis 30 Jahrein Welche Moment« sind aber in diesen Jahren von entscheidendem Einfluß aus den Menschen? Di« Kindheit ist die Zeit des Pantheismus, denn „Alles ist Eines, und Eins ist Alles". Wie dem Kinde die Ferne zur Nähe wird, so rückt ihm m der .Phantasie die Nähe in die Ferne." Diese Einheit der sinnlichen Wahrnehmung wird durch den in der Zeit der Reife, der Pubertät, erwa chenoen Intellekt zerstört. Der Mensch erlebt nun nichts mehr unmittelbar, weil alle Eindrücke durch den Intellekt gebrochen werden. Der sich immer stärker entwickelnde Intellekt führt zu einer Bewußtseinsspaltung, zu dem Leben der Tatsächlichkeit und der Welt der Gedanken. Ta aber der Intellekt keine Grenzen kennt, wird diese Phase der Entwicklung zu der Zeit ,dcs Superlativs. Während Mann und Frau das Gefühl der Nützlichkeit, das Gefühl ihres- Platzes in der Well besitzen und in ihr ruhen, ist die .Jugend bemüht, die Wirklichkeit nach den Idealen (des Superlativen, des Guten) zu formen. Wie man auch andererseits sagen kann, wie >vci: jemand über den Umkreis seines Daseins hinaus zu sehen vermag, soviel ist ihm von seiner Jugend verblieben. Dieses Hinneigeitz zu den Extremen ist für die jüdische Jugend besonders charakteristisch. Es ist das seelische und geistige Erbe des Juden, daß er des Ideals wegen Jude blieb. Hinzu tritt die stacke Betonung des Intellekts, denn die Juden sind das Volk des unermüdlichen Fragens. Sie sind deshalb auch nie unmittelbar mit der Natur verbunden. Nach einem alten Satz <des Talmuds: zu wem die Offenbarung des Buches sprechen soll, der darf sich nicht der Offenbarung der Natur hingeben. Hier liegen aber auch zugleich die Gefahren begründet^ der die Entwicklung der jüdischen Jugend ausgesetzt ist. Denn bia bei ihr bedeutend früher cinsctzende und im schnelleren Tempo vor sich« gehende Entwicklung bedingt, daß sie eh-cr in der Zeit der „Nützlichkeit" kommt und ihre Intelligenz sich früher verbraucht, weil sie z. T. Selbstzweck >var. Welche Bedeutung ergibt sich nun aus dieser Geistcsheltung der Jugend für die Religion? Religion ist Sinu für das Geheimnis. Das Kind lebt im Religiösen, tveil es im Geheimnis ist. Jeder Mensch ist sich selbst Geheimnis. Alle entscheidenden Erlebnisse sind im Geheimen. Das Geheimnis der Religion hat jedoch sein Gebietendes, sein: Du sollst! Idealismus an sich kann zerstörend wirken, kann egoistisch werden, deshalb braucht der Idealist mus das korrektive Element des Gebotes. Jugend und Religion! Der extreme Idealismus der Jugend muß sich mit dem Korrektiven des Gebotes verbinden. In diesem Gebot ist die aufbauende Kraft der Religion und hierin ist ihre Notwendigkeit sür die Jugend begründet. .Helmut Galt i ne r. * Das Ai-Programm * Berlin. Sonntag, den 18. Januar, Fahrt nach Schmöckwitz. Treffen 9 Uhr Bahnhof Aleranderplatz. Führung: Irma Krndrrmann. Aeltereagruppe: Donnerstag, den 15. Januar, abends 8 Uhr, bei Ellen fttttmann, Reue Kantstraße 6. Thema: Moses Mendelssohn. Pankow-Osten. Mittwoch, den 14. Januar, abends 8.15 Uhr, bei Ilse Lohn» Schönhauser Allee 132. Thema: Grundlage« der Philosophie. Oliva »ad Ren-Lharlottenburg. Montag, den 19. Januar, abends 8 Uhr, bei Hildegard Bach^ Kufstein« Straße 13. Thema: Gustav Landauer. Westen. Heimabend am Montag, den 19. Januar, abends 8 Uhr, der Helmuth Galliner, Sybelstraße 19. Thema: Jeremias. Hermsdorf (Külengruppef. Donnerstag, den 22. Januar, nachmittags 6 Uhr, Heimabend im Heim, Albrechtstraße 10. Hermsdorf. Der Heimabend am 17. Januar fallt aus. Am Mittwoch, dem 21. Januar, abends 8 Uhr, findet im Heim, A!br«Mraße 19, der bunte Abend statt. Berlin. Jngendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeiude. Mittwoch, den 14. Januar, abends 8 Ahr, im Sitzungszimmer Johannirstraße 16„ Beginn eines Collegium Musieum unter Leitung des Herr» Dr. Schildberger. Thema: I. S. Bach. Donnerstag, den 15. Januar» abends 8 Uhr, im Mvfse-Haus, Leipziger Platz 15, Debatte-Abend über interkonfessionelle nnd konfessionelle Frirdensarbeit. Referenten: Frau Elisabeth Lewin-Bihler nnd Herr Kurt Jacobowitz. Breslau. Jüngeren.Gruppe: Dienstag, den 29. Januar, 29 Uhr: Bvrtrag von Ulrich Steuer: Die Idee der Jüdische« Reformbemegung in ihrenr geschichtlichen Werde«. Jüngsten-Grupp«: Montag, den 19. Jauuar, 16 Uhr, im Jugendheim. Arbeitsgemeinschaften und Studienkreise siehe Programm. Frankfurt a. M. Dienstag, den 13. Januar: Vortrag von Rabb. Dr. Salzberger: Gottesbegriff und Religiosität". Dienstag, den 29. Januar: Zwiegespräch ovn Arthur Astheimer und RenL Metz: „Schule und Religionsunterricht". Dienstag, de« 27. Januar: Zwiegespräch von R.-A. Dr. Julius Simon und Dr. tz. Strauch: „Indent««, eine Volks- Kultur- oder Religionrgemeinschast". Lieguitz. „Das Arbeitsfeld des Liegnitzer Jli". Montag, den 19. Januar 1939, abends 8.15 Ahr, im Si^tngsfaal des Gemeiudehans«. ff-

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