Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 2 (14.1.1931)
- Date
- 1931-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614107-2614109--3857-2621496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V 11. Zahrgmq, nnmwet 2 Wisch-liberale Zeitung Vellage 14. Zavuar 1SS1 Wische volkspartei und Lentralverein Vor den Wahlen zum deutschen Reichstag im September 1930 bildeten zionistische Führer und Führer des E. V. einen „Reichstagswahlausschuß! 1930", der einen Versuch darstellte, die Abwehrarbeit des deutschen Judentums auf „neutraler" Basis zu vollziehen. Tabei fand die Beteiligung der Zionisten auf dem Wege über die Berliner Jüdische Ge^ meinde statt, in der sie den ausschlaggebenden .Einfluß besaßen. Dieser Reichstagswahlausschuß^ der nach dem Wunsche einiger Persönlichkeiten dauernden Bestand haben sollte, ist nunmehr durch den Rücktritt der Zionisten zur Auflösung gelangt. Tiefes Ende kann nicht überraschen. Einmal, weil nach dem Sieg der Liberalen in der Berliner Jüdischen Gemeinde die volksparteilichen Führer den Wunsch haben, sich die Oppositionsstellung zurückzuerobern und insbesondere den Kamps'gegen den C. B. ohne Bindungen irgend welcher Art führen zu können. Daß! sie sich bei der Führung dieses Kampfes meist unter dem Deckmantel der Forderung nach Uebernahme der Abwehrtätigkeit durch die dqzu völlig ungeeigneten jüdischen Gemeinden verbergen, ist besannt. Ein zweiter in der Sache selbst ruhender Grund ist für das Scheitern der sogenannten „Einheitsbestrebungen" noch wesentlicher. Gewiß, kann eine rein negative Abwehrtatigkeit in gewissem Umfange von Zionisten und Teutschjuden gemeinsam vollführ't werden. So weit aber hier positive gedankliche Arbeit vollbracht werden ' mufiv die nicht nur der Abwehr, sondern der positiven Klärung des Verständnisses der Juden zum deutschen Volke dient, offenbart sich zwischen beiden Verhandlungspartnern selbstverständlich eine tiefe Klüst. Während die Zionisten sieb ptn jüdischen Volke bekennen, und ihr Verhältnis zum Deutschen Reich im wesentlichen als das eines loyalen Staatsbürgertums ansehen, bestreiten die C V. er die Existenz eines jüdischen Volkes in der Gegenwart und fühlen sich bei voller Anerkennung der religiösen und historisch-gewordenen Eigenart des deutschen Juden unlöslich dem deutschen Volke verbunden. Daß," diese Differenz nicht nur theoretischer Art ist, sondern die gesamte Praxis des Kampfes für die Gleichberechtigung des Juden in Deutschland beeinflussen muß;, ist evident. Kämpft doch der eine für den Juden in Deutschland, der andere für den jüdischen Deutschen. So kann das Scheitern der „neutralen Spikenorganisation" nicht überraschen. Bedauerlichist, daß auch bei dieser Gelegenheit wieder dokumentiert wird, daß Zionisten die Stellung des Parteiführers und des verantwortlichen Gemeindeleiters nicht auseinander zu halten vermögen, und daß in den C. V- Kreisen die Erkenntnis der Notwendigkeit des Kampfes gegen die zionistischen Bestrebungen im Interesse der Sclbsterhaltung des deutschen Judentums noch nicht Allgemeingut geworden ist. Rur so ist es zu erklären, wenn Dr. Alfred Hirschberg in der C. V.-Zeitung die Antwort auf das Schreiben der Volksparteiler unter dem Titel „Bon der deutschen Juden- Zwietracht" überschreibt und dabei zu folgendem eigenartigen Ergebnis gelangt: „Es ist dem Centralverein schmerzlich, immer von neuem in den innerjüdischen Streit hineingezogen und, während er im schärfsten politischen Kampfe steht, in seiner moralischen Stoßkraft geschwächt zu werden.... Es ist ein verantwortungsloses Spiel, aus Parteiinteresse der kämpfenden Front die Waffen zu zerbrechen." Es will uns scheinen, daß der C. V. wird erkennen müssen, daß nichts die Auseinandersetzung zwischen zionistischer und deutsch-jüdischer Ideologie seine Tätigkeit erschwerten, sondern das Vorhandensein der zionistischen Ideologie. Will der C. V. mit Erfolg seine Tätigkeit vollbringen, so darf das Abrücken von den Zionisten und das „Hineinziehen in den innerjüdischen Streit" nicht „schmerzlich" sein, es muß für ihn vielmehr auf Grund innerer Notwendigkeit zu einer Selbstverständlichkeit werden. Aus dem Hineinziehen in den innerjüdischen Streit muß eine bewußte Führung im innerjüdischen Streit werden. Daß diese Dinge nicht nur von antizionistischer jüdischer Seite in diesen! Sinn betrachtet werden, zeigt wohl ein Hinweis auf Nichtjuden wie Hellpach, Gerlach oder Müller-Claudius. Das Scheitern des „Reichstagswahlausschusses 1930" sollte deshalb nicht nur als ein einmaliger organisatorischer Fehlschlag gewertet werden, sondern der Beginn einer durch, falsches Solidaritätsgefühl und völlig unangebrachte Sentimentalität nicht getrübten ständigen zur zionistischen Ideologie Stellung nehmenden C. V.-Tätigkeit sein. Das Schreiben der Jüdischen Volkspartei hat folgenden Wortlaut: An bk Herren Teilnehmer der zwischenparteilichen Besprechungen zu Händen des Herrn Kammergerichtsrats Wolfs, Charlottenburg. Sehr geehrte Herren! Die politische Entwicklung der letzten Wochen hat der Jüdischen Volkspartei die Verpflichtung anserlegt, ihre grundsätzliche Einstellung zur Frage der Einheitsfront der deutschen Juden und die praktischen Folgerungen ans ihr einer Nachprüfung zu unterziehen. Von unseren Reihen war in der Zeit der Vorbereitung der Reichstagswahlen die Anregung eines innerjüdischen Burgfriedens ntzd eines innerlich geschlossenen und organisatorisch vereinigten Vorgehens nach außen ausgegangen. Dem C. V. ist cs zuzuschreiben, vaß aus dieser Anregung nichts iveiter geworden ist als „Reichstagswahlkomitee 1930", das weder eine innere Befriedung gebracht noch irgend eine Stoßkraft nach außen besessen hat, das sich außerdem selbst nur eine Lebensdauer bis zum 14. September 1930 gesetzt und damit in völliger Verkennung der sachlichen und zeitlichen Notwendig-' keiten von .diesem Tage an das deutsche Judentum wieder seinem Schicksale überlassen hat. Wir haben unsererseits innerhalb des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin trotz des Fehlschlages unserer ersten Bemühungen den Antrag gestellt, in gemeinschaftlicher Arbeit aller dazu berufenen Stellen die zur Erhaltung der staatsbürgerlichen und staatswissenschasüichen Rechte der Inden notwendigen Arbeiten zu leisten. Zwar jst aus Vertretern der Berliner Jüdischen Gemeinde, des Preußischen Landesverbandes und des C. B. ein Komitee gebildet worden. Dieses Komitee aber, das nur Bedeutung hätte gewinnen können, wenn es an verantwortungsvoller und oberster Stelle in die politische Entwicklung hätte entscheidend und führend eingreifen können, hat sich, dem Einfluß des C. V. folgend, selbst zu einer Stellq degradiert, an der die Teilnehmer aus dem Bereiche ihrer Plana und Arbeiten einige, die ihnen gerade passend erschienen, rein informatorisch vorgetragen haben. Zu gleicher Zeit, /während dis Unterhaltungen geführt wurden, haben C. V. und seine maßgeblichen Mitglieder es nicht unterlassen, verschärfend in die innerjüdisehen Kämpfe emzugreifen und nach Inhalt und Form ihrer Angriffe gegen Juden hen gemeinsamen Feinden Stoff und Massenzum Kampfe gegen die gesamte Judenheit zu liefern. Wir halten es bei dieser Entwicklung und nach diesen Vorgängen mit unserem Pflichtbewußtsein und Verantwortungsgefühl nicht mehr für vereinbar, uns an Beratungen zu beteiligen, die ebenso innerlich leer toie nach außen gefährlich sind, weil sic die klare; Verantwortlichkeit zu verschleiern geeignet sind. Wir »vollen der jüdischen Gesamtheit nicht Vortäuschen, daß ihre Interessen von einer zentralen, jüdisch-parteipolitisch unabhängigen Stelle vertreten würden, während >vir in Wahrheit wissen, daß diese Stelle weder Wunsch noch Willen zu einer inneren Befriedung und gemeinschaftlicher Vertretung nach außen hat, noch die Kraft zu einer wirksamen' Aktion besitzt. Aus diesen Gründen sahen wir uns veranlaßt, unsere Vertreter aus dem Komitee abzuberufen. Dieser Schritt bedeutet in keinem Falle eine Ausgabe unserer Bemühungen um innere Befriedung und gemeinsame Arbeit zum Schutz und Trutz nach außen. Wir haben uns der Notwendigkeit der Erfüllung dieser Aufgabe nicht nur nie entzogen, sondern stets die Initiative dazu gegeben. Das deutsche Judentum wird uns' immer bereit finden, an wirklich ernster verantwortungsvoller und verantwortungsbewußter Stelle in gesamtjüdischcr Arbeit mitzuwirken. Möge die gleiche Einsicht sich auch bei anderen Gruppen und Organisationen durchsetzen. Wir werden es an Versuchen der Feststellung, ob sie eingekehrt ist, zu geeigneter Zeit an den maßgeblichen Stellen nicht fehlen lassen. In der Stunde aber gebieten uns politische Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit den hiermit vollzogenen Schritt und seine Bekanntgabe in der jüdischen Oeffentlichkeit. Mit vorzüglicher Hochachtung, ergebenst i. A.: Kollenscher. Kareski. In einem langen Aufsatz antwortet Dr. Alsred Hirschberg auf dieses Schreiben u. a.: „.. . Die Herren Kareski und Kollenscher hätten klug daran getan, sich bei Kurt Blumenfeld über die Entstehungsgeschichte des Reichstagswahlausschusses 1930 und aus den Akten, die bei der Jüdischen Gemeinde liegen, über seine Tätigkeit zu informieren. Die Richtlinien für den Ausschuß wurden in völliger llebereinstimmung zwischen C. B. und Zionistischer Vereinigung vorbereitet und Jugendgemeinschaft der jüdischen Reformgemeinde Berlin Am Donnerstag, den 15. Januar, abends 8 Uhr, im MOSSE-HAUS, Leipziger Platz 15. DEBATTEN-ABEND über: Interkonfessionelle und konfessionelle Friedensarbeit Referenten: Frau Elisabeth Lewln-Bihler und Herr Kurt Jacobowiti GÄSTE WILLKOMMEN! der Antrag, der die Befristung des Ausschusses zum 14. Septymbeq feststelltc, stammt von Dr. Nahum Goldmann, dem Vertreter der Zionistischen Vereinigung. Die finanzielle Werbung des Ausschusses nach der zionistischen Seite hin schloß mit einem beschämenden Ergebnis, und die wenigen von zionistischen Einzelpersönlichkeitcn einlaufenden Beträge waren zu einem großen Teile der Initiative eines der Agency -nahestehenden jüngeren Vorstandsmitgliedes des C. V. zu danken. Dr. Hirschberg zieht aus dieser Feststellung den Schluß ,chaß es den Freunden der Herren Kollenscher und Kareski gar nicht darauf ankam, ein sogenanntes neutrales Gremium zu besitzen, dem sic bedenkenlos ihre Mittel zuführen könnten, sondern, daß ihr Ziel die Ausschaltung des C. V. aus seiner Führerstellung war und ist. Und weiterhin, daß die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden und auch zahlreiche jüdische Gemeinden im C. V. ihre berufene und unterstützungsivürdige politische Vertretung erblicken, der sic ein Vielfaches der Mittel zusührtcn, die der Reichstagswahlrusschuß, diese „neutrale Spitzenorganisation", erhalten hat. Jedenfalls, schreibt Tr. Hirschberg weiter, hat das Experiment des Reichstagswahlausschusses ein positives Ergebnis gehabt: Es zeigte, daß der C. V., so wie er ist, ansreicht. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden, die positiv arbeiten will, hat zum C. B. Vertrauen. Auch das jähe Ende des Ausschusses ist in der> Hauptsache auf einen Beschluß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zurückzuführen, der die Meinung vertrat, daß grundsätzlich die Gemeinden und Landesverbände Träger ches Abwehrkampfes sein sollen. Im übrigen, meint Dr. Hirschberg, habett die Herren Kollenscher und Kareski nicht als Vertreter der Zionistischen Bereinigung oder der Jüdischen Volkspartei, sondern als Vorstandsmitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Berlin an den Besprechungen teilgenommen. Die Schaffung einer mit diktatorischen Vollmachten versehenen Vertretung sei von vornherein xübgelehnt und lediglich informatorische Besprechungen seien verabredet worden.!" Reichskonfereu; des Verbandes ostjüdischer Organisationen Der Verband ostjüdischer Organisationen Deutschlands hielt in der vergangenen Woche in Hannover seine 6. Reichskonferenz ab. Die Konferenz erwies erneut, daß diese Organisation keineswegs als neutral anzusprechen ist, sondern sich als jüdisch-national bezeichnet und auf dieser Grundlage auch, die Gemeindepolitik zu führen wünscht. Daß sich hieraus Konsequenzen insbesondere auch hinsichtlich der Berliner Jüdischen Gemeinde ergeben müssen, die bisher eine nicht unbeträchtliche Subvention an den Verband leistete, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Zum „Präsidenten der Executive des Verbandes" wurde Herr Benzion Fett gewählt, der ja bekanntlich als Vertreter der Jüdischen Volkspartei im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden den Standpunkt vertrat, man dürfe die Jüdischen Gemeinden nicht zu Religionsgemeinden „degradieren". In den angenommenen Resolutionen heißt es: , Der Verband ostjüdischer Organisationen ist eine überparteiliche jüdisch-nationale Organisation und führt auf dieser Grundlage eine selbständige Gemeindepolitik. Abmachungen mit anderen Parteien oder Gruppierungen sind nur dann zwi lässig, wenn: die Partei oder Gruppierung den Verband als selbständigen und gleichberechtigten Verhandlungspartner anerkannt hat und seinen Forderungen zustimmt; wenn eine Abmachung vorher die Zustimmung der Executive gefunden hat. Die Reichskonferenz fordert die Leitung des Verbandes auf, dahin zu wirken, daß Parteien oder Gruppierungen, mit denen Bündnisse abgeschlossen werden, der Verbandsleitung gegenüber die Verpflichtung übernehmen, im Rahmen der Beschlüsse der Reichskonferenz zu handeln. Die Reichskonferenz spricht allen im Kamps um die Gleichberechtigung stehenden Gruppen ihre vollste Sympathie aus und verspricht feierlichst, diesen Kampf mit allen Mitteln zu unterstützen. Die VI. Reichskonferenz sieht als eines der wirksamsten Mittel zur Linderung der Not die organisierte Selbsthilfe au und empfiehlt, um dein Verarmungsprozeß entgegenzuarbeitcn, die Schaffung jüdischer Darlehenskassen und Kreditgenossenschaften. Die Konferenz, ersucht die jüdischen Gemeinden, Landesverbände und jüdischen Körperschaften, durch baldigste Zurverfügungstellung von Geldmitteln die Gründung von Darlehens- und Kreditgenossenschaften zu ermöglichen; bestehende Kreditinstitute nach Möglichkeit zusammenz »schließen und damit Mitglieder schwächer gestellter Gemeinden zu unterstützen; zur Erleichterung der Kreditbeschaffung nicht nur die Bürgschaft dritter, sondern auch die Zession von Aufträgen, sowie Uebereignung von Gegenständen aller Art als Sicherheit entgegenzunehmen. Die VI. Reichskonferenz lenkt die Aufmerksamkeit der breiten jüdischen Oeffentlichkeit des Auslandes aus den in Deutschland bei der Östjudenheit herrschenden Berelendungsprozeß, macht darauf aufmerksam, daß durch die Auswanderung keine Sanierung, sondern lediglich eine Verschleppung der Not erfolgt ist, und appelliert an die jüdische Oeffentlichkeit im Auslande, ihr die weitestgehende Hilfe angedeihen zu lassen. Die Reichskonferenz protestiert gegen das Weißbuch der englischen Regierung, das die dem jüdischen Volke international verbrieften Rechte auf Palästina verletzt. Die Konferenz erkennt die Wichtigkeit des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts an, das sich mit Sammlungs- und Forschungsarbeit über das Leben der jüdischen Massen in Vergangenheit und Gegenwart besonders in Osteuropa befaßt, und beauftragt die Berbandsleitung, diese Tätigkeit zu unterstützen. Die Konferenz fordert alle ihre Gruppenvertreter auf,, nach dem Beispiel der jüdischen Gemeinden in Berlin, Wien, Hamburg usw. auch in ihren Gemeinden Subventionen für das Institut durchzusetzen. Jüdisches Erwachen in Polen Wir haben wiederholt in dieser Zeitung den Standpunkt vertreten, daß auch für die Inden Osteuropas aus die Dauer nicht die Erhaltung als jüdisch-nationale Minderheit, sondern die Durchführung der Emanzipation, die den Weg der Inden in Westeuropa kennzeichnet, notwendig werden wird. Neuerdings mehren sich die Zeichen dafür, daß auch von den osteuropäischen Inden selbst diese Notwendigkeit empfunden wird. So versuchen, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet, seit einiger Zeit in Polen Juden assimilatorischer Richtung eine organisierte jüdisch-assimilatorische Bewegung ins Leben zu rufen. Vor kurzem hat in Warschau eine vom assimilatorischen Akademikervcrband einberufme zweitägige Konferenz unter dem Vorsitz von Prof. Dickstein stattgefunden, in der Beratungen über die Propagierung des assimilatorischen Gedankens abgehalten wurden. In einer Reihe von Referaten wurde darauf hingewiesen, daß der assimilatorische Gedanke noch niemals in Polen so fest Wurzel gefaßt habe wie heute. Zahlreiche jüdische Familien, in denen bis vor kurzem nur jiddisch gesprochen wurde, gebrauchen heute die polnische Sprache als Umgangssprache und lesen polnische Zeitungen. Die. jiddische Presse stehe vor dem Untergang. Die Assimilation sei soweit vorgeschritten, daß viele ehemalige Leser von in polnischer Sprache geschriebenen jüdischl-nationalen Zeitungen zum regelmäßigen Bezug rein polnischer Zeitungen übergegangen sind. In jüdischen Stadtvierteln höre man immer weniger jiddisch sprechen; jüdische Eltern schicken ihre Kinder in polnische Schulen. Die Konferenz beschloß, den Kampf um die vollständige Assimilation der Juden in Polen fortzusetzen. Gegenüber den auf der Konferenz zutage getretene Anschauungen wird von Seiten der Jüdisch-Nationalen in Polen darauf hingewiesen, daß noch niemals soviel jüdische Zeitungen in Warschau und in Polen im allgemeinen erschienen sind wie gerade jetzt. Es sei zwar richtig, daß die Auflageziffer der jüdischen Blätter zurückgegangen ist, dies, sei jedoch auf die Wirtschaftskrise zurückzusühren, die vielen bisherigen Lesern dm Wetterbezug ihrer Zeitung unmöglich gemacht hat. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands üi