Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 2 (14.1.1931)
- Date
- 1931-01-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sachlichen Gesichtspunkten und nicht im Interesse irgend welcher Lokalgrößen abzugeben. Das hat sich auch in ebenso erfreulicher Weise gezeigt r in dein völligen Mißerfolg der mit großem Lärm ausgemachten „UeberparteilichenVereinigung". Als 1925/26 das jüdische Parteileben um die „Religiöse Mittelpartei" bereichert wurde, beschränkte sich deren Gründer nicht auf die Zusammenfassung und Organisierung der gemäßigt konservativen Wähler, die den Stamm dieser Partei bildeten und bilden. Sie begannen damit, durch Verwischung der gesinnungsmäßigen Grundlagen nach rechts und links Eroberungen machen zu wollen. , Ter Begründer der Ueberparteilichen Vereinigung, aus der Mittelpartei ausgeschieden, nachdem man ihn nicht zum Vorsitzenden derselben gemacht hat, hat diese bedenklichen Methoden weiter ausgebaut. Er hat sich anheischig gemacht, nun auch die Gegensätze zwischen religiösem und nationalem Judentum in Gemeindeleben verwischen zu können und hll gehofft, daß eine seinem persönlichen Geltungsbedürfnis dienende starke Gruppe in die Repräsentantenversammlüng einziehen und dort die ausschlaggebende Stellung zwischen den großen Gesinnungspa rteien einnehmen werde. Er warb die Unterschrift einer größeren Zahl angesehener Gemeindemitglreder, die über die Vorgänge des Gemeindelebens wenig orientiert sind, zum Teil sogar glaubten, ihren Namen lediglich zur Vermeidung des Wahlkampfes herzugeben. Mit Wohlwollen wurde dieses Treiben von der Jüdischen Volkspartei angesehen — bei der guten Disziplin ihrer Anhängerschaft konnte sic hierdurch uur gewinnen, zumal einer ihrer latkräftigsten publizistischen Vertreter, der Leitartikler der Berliner Ausgabe des „Hamburger Faniilienblatts", an hervorragender Stelle auf die Überparteiliche Liste gestellt war. Das Ergebnis: ein Mandat, 3«« der Gesannwählerschast, ist wirklich ein Beweis jür den gesunden Sinn der Gemeindtwählerschast. Mittelpartei und Ueberpartci zusammen tonnten iiur 1100 Stimmen weniger ausbringen als 1926 die Mittelpartei allein; der Prozentsatz der Gesamtwählerzahl betrug nur 5n« gegen llo/o 1926 für die Mittelpartei allein. Dabei ist, wenn man die örtlichen Verhältnisse betrachtet, ungemein bezeichnend, daß die Ueberparteiliche Bereinigung jetzt ihrerseits das geworden ist, was man früher den Liberalen nachgejagt hat: eine Partei, die nur unter den wohlhabenden Bevöllernngs'sreisen Boden hat, eine Notabelnpartei. Denn die Stimmenzahl und der Prozentsatz im Norden, Nordosteu und Osten sind ganz gering. In den einzelnen Stimmbezirken gehen die Stimmziftern der Ueberyartei und Mittelpartenirgends über 7«/« hinaus. Besonders bemerkenswert ist der Wohnungs-Wahlkreis des Listeirführers bec Ueberyartei, der Bezirk 92, Grunewald. Auch hier stehen den 58 Stimmen der Ileberpartei immerhin 632 Stimmen der Liberalen 'ntgegen, und während 1926 die Liberalen im Wahlbezirk Grunewald nur 41 «/o der Wähler hinter sich hatten, ist dieser Prozentsatz jetzt auf ’ßl 1,4> °/o gestiegen. Lebl'ast bedauert wird auch in liberalen Kreisen der Zusammenbruch der alten konservativen Partei, die noch nicht die Hälfte ihrer bisherigen Stnnmenzalll erzielt hat. Es kann angenommen werden, daß die Mehrzahl der diesmal den Konservativen fehlenden Wähler zur Volksvartei übergewanderl ist. In Einzelfällen haben sedoch auch Konservative Urnd noch mehr Mittelparteller) mit antizionistischer Einstellung diesmal die Liberale Partei gewählt, um den Wall gegen den Zionismus zu festigen. Tic Jüdische Volkspartei weist in ihrer Presse mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß sie 9 500 Stimmen gegeirüber 1926 gewonnen hat. Tie schwere Niederlage, die der Ausgang der Wahlen für das Nationaljudentnm bedeutet, läßt sich auf diese Weise freilich nicht sortleugnen. Aber auf der anderen Seite wollen auch wir die ernste Bedeutung dieses Stimmenzuwachses der Volkspartei nicht in Abrede stellen. Zwar ist es zweifellos, daß es sich bei einem Teil dieses Zuwachses um Wähler handelt, die von der Propaganda der Volkspartei, bei der das Bekenntnis zum Nationaljudentum sorgfältig vermieden wurde, eingesangen worden sind. Mancher hat sich von den angeblichen Erfolgen der zionistischen Gemeindeverwaltung verblenden lassen, mancher hat wohl gar geglaubt, das die Zionisten das Wohlfahrtswesen der Gemeinde reformiert haben, wie im krassen Gegensatz zu den Tatsachen propagandistisch behauchtet worden vt Aber ein anderer Teil des Stimmenzuwachses der Zionisten geht doch aus zwei andere Quellen zurück: auf die Stimmen des herangewachsenen zionistischen Nachwuchses und auf die Vermehrung der ostjüdischen Stimmen. In letzterer Hinsicht hat der Unterzeichnete den Eindruck, daß insbesondere die bereits „arrivierten" ostjüdischen Kreise des Berliner Westens diesmal infolge der sehr stark das deutsche Judentum betonenden Propaganda der Liberalen sich an der Wahl beteiligt und für die Volksparter ihre Stimmen abgegeben haben. Wenn man die einzelnen Stadtbezirke auf der Tabelle betrachtet, muß! man zweckmäßig die Stimmenzahlen der Volkspartei, der Konservativen und der Poale Zion zusammenzählen, um die gleiche Bevölkerungsgruppe für beide Wahlen zusammenzufassen. Tut man dies, so ergibt sich insgesamt z. B. für Zentrum und inneren Norden, für den Nordosten und' für den Osten ein zum Teil weseutllcher Rückgang in der prozentualen Beteiligung an der GesamtwählerzaU (67 : 73r/z; 331/2:43; 44:49 0/0). Dagegen verbleibt etwa in Wilmersdorf für die Gesamtheit dieser Gruppe,t prozentual ein kleiner Gewinn (271/2:26°/b). Es sind auch im Gegensatz noch zur letzten Wahl unter den Stimmbezirken nur ganz wenige zu finden, in denen der Anteil der Jüdischen Volkspartip an der Gesamtstimmenzahl wesentlich unter 20o/o zmüäbleibt. Auf der andern Seite ist die Zahl der Wahlbezirke mit hohen zionistischen St-mmenzMen zurückgegangen. Immerhin haben z. B. noch die Wahlbezirke Bezirk 7b Dragonerstraße 75 >/o „ 8 Grenadierstraße 73 «y0 „ 6 Gotmannsträße 67i/2<y<>' „ 7a Alte Schönhauserstraße 62 u.«avolksparteiliche Stimmen; aber in diesen Gegenden konnte es allerdings schon als erheblicher Erfolg der Tätigkeit der Sendet den fälligen Beitrag für das 1. Quartal 1931 auf das Postfche<k'Ko«to der Bereinigung für daliberale Judentum Berlin Nr. >137099 ei«. Gottesdienste :: * »erlitt»»«!™. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 16. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: De. Plottk«. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. BeriiU'Often. Liberale Synagoge Oste«, Aoia MSdchenschate kaiserstrabt 30. Freitag, ben 16. Januar, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt^ Prediger Rabbiner Kantvrowsly. »erlitt «Selten!. Liberale Synagoge Westend, Leistilowstratze 7-6. Aula. Freitag, den 16. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Prediget Dr. Swarseilfty. »etlta. Jüdische Rriorm'vemeiab« Gottesdienste am Sonntag, dem 18. Januar. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Jelski. Kleiststraße 10: vor. mittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Liberalen bewertet werden, daß cs gelungen ist, 79, bzw. 173, bzw. 215, bzw. 158 Stimmen, d. h. von 12«/« in der Tragonerstraße bis zu immerhin 24«/« in der Alten Schönhauserstraße auf unsere Liste zu vereinigen. Tas Gesamtergebnis ist gewiß ein Erfreuliches. Der Stimmenzuwachs der Liberalen ist nicht nur durch Zerschmetterung der Splitterparteien erfochten. Auch die Jüdische Volkspartei ist gehemmt; die verbündete Poale Zion sogar wesentlich geschwächt. (Bei'der Poale Zion prägt sich übrigens besonders stark aus, daß die recht »erheblichen Sinnmenverluste im Osten und Norden zum Teil durch Stimmengewinne im Westen ausgeglichen werden.) Aber dre Einzelergebnisse des Wahlkampfes mahnen einmal zu verstärkter Organisativnstätigkeit, insbesondere auch Jugendarbeit, und zum andern dazu, daß von liberaler Seite den vstjüdischen Gemeindemitgliedern in ganz anderer W'e'sr als bisher vor Augen geführt werden mußdaß die selbstverständliche und gegenüber einem agressiven Nationalismus gebotene Betonung der deutsch-jüdisch kulturellen Grundlage des jüdischen Gemeindelebens keineswegs ihre Spitze gegen sie richtet. Nach statistischen Erhebungen, die gerade in der letzten Zeit veröffentlicht worden sind, soll die Zahl derjenigen Gememdewähler, die nicht deutscher Reichsange,. Hörigkeit sind, rund 31 000 betragen habe. Ta die Gesamtwahlbeteiligung etwa 60«;o ausmacht, und da unbedingt die Wahlbeteiligung der ostjüdischen Kreise e'ine größere gewesen ist, so wird man mit 21000 bis 22 000 ostjüdischer Stimmen zu rechnen haben. So wie die Tinge leider l-egen, wird man diese Stimmen fast reotlos unter den insgesamt 29 178 der Volkspartei, Poale Zion und Konservativen Partei zu suchen haben. Aus dieser zahlenmäßigen Feststellung ergibt sich aus der einen Seite die Bedeutungslosigkeit des rei'chsdeutschen Zionismus, auf der andern die Wichtigkeit der Tatsache, daß es den Zionisten immer noch gelingt, zum Teil durch liberale Versäumnisse und Fehler, die ostjüdischen Wähler als eisernen Bestand ihrer Partei um ihre Fahne zu versammele obwohl als Vertreter der Partei mit wenigen Ausnahmen ausschließlich deutsche Zionisten herausgestellt werden. Muk zur Konsequenz Zuschriften an die Redaktion. Der in voriger Woche im Sprechsaal unserer Zeitung unter dem Titel „Mut zur Konsequenz" veröffentlichte Aus satz des Herrn Fritz Rosenthal hat eine auffallende Anzahl Zuschriften an die Redaktion dieser Zeitung im Gefolge gehabt. Zustimmungen und Ablehnungen zeugen von dm: Interesse, dem das von Herrn Fritz Rosenthal angeschnittene Problem in weiten Kreisen begegnet. Wir veröffentlichen heute einige der uns zugegangenen Zuschriften. Selbstverständlich identifizieren wir uns nicht mit den einzelnen Gedankengängen der Zuschriften. Wir behalten uns eine eigene Stellungnahme zu den erörterten Problemen vor. Tie Red. I. Ich habe den Artikel des Herrn Rosenthal mit gewissem Erstaunen gelesen und könnte eigentlich auf jede feiner Ausführungen eine Entgegnung finden. Ich will mich aber aus einige besonders wichtige Dinge beschränken. Herr Rosenthal schreibt: „Wir wollen keine jüdischen Arbeitsnachweise", er glaubt dies im Namen eines Teiles der liberalen Wähler zu sagen. Die jüdischen Arbeitsnachweise sind aber eine neutrale Angelegenheit, über die die Wähler keiner Partei zu entscheiden haben, sondern einzig und allein diejenigen, die die jüdischen Arbeitsnachweise in Anspruch nehmen. Herr Rosenthal scheint sich in der glücklichen Lage zu befinden, noch nie einen Arbeitsnachweis in Anspruch genommen zu haben, sonst würde er nicht so völlig ahnungslos sein. Er braucht sich aber über die Tätigkeit der jüdischen Arbeitsnachweise nur in der vorigen Nummer der Jüdisch-liberalen Zeitung unter „Presseabend des Berliner Jüdischen Wohlfahrtsamts" zu unterrichten. Ich glaube aber im Namen aller derjenigen zu sprechen, die die jüdischen Arbeitsnachweise in Anspruch nehmen, wenn ich sage: „Wir wollen nicht nur jüdische Arbeitsnachweise, sondern wir wollen auch, daß die jüdischen Arbeitgeber sich nur an die jüdischen Arbeitsnachweise wenden." Dann würden nicht nur wir in dieser schweren Zeit leichter Arbeit finden, sondern die sehr aufreibende Arbeit der Angestellten, der Arbeitsnachweise würde auch erleichtert werden. Weiß Herr Rosenthal nicht, wie unsozial er denkt, wenn er jüdische Organisationen für Wohltätigkeit bejaht, nicht aber solche für Arbeitsvermittlung? Jeder Jude hat doch genau so wie jeder Mensch in erster Reihe das Recht auf Arbeit, und erst wenn jede Arbeitsvermittlung scheitert oder Krankheit und Alter eintreten, das Recht auf Wohltätigkeit. Daß es nicht nur nationaljüdische, sondern auch deutschjüdische Sportvereine und Jugendbünde gibt, scheint Herr Rosenthal auch nicht zu wissen. Herr Rosenthal will jung sein, aber wenn für ihn das Judentum nur die Idee von Menschlichkeit und Nächstenliebe ist, so schmeckt das doch sehr nach 19. Jahrhundert, abgesehen davon, daß das Christentum doch auch die Idee von Menschlichkeit und Nächstevliebe hat. Auf die weiteren Ausführungen von Herrn Rosenthal betr. jüdische Schulen, Mischehe, Assimilation usw. wird hvf- ‘ fentlich noch von berufener Seite geantwortet werden. Ilse Münzer, Berlin. II. Die Ausführungen in Nr. 1 Ihres Blattes vom 7. Ja- , nuar 1931 „Mut zur Konsequenz" dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Recht hat der Verfasser, wenn er sagt: „Viel ist über den Sieg geschrieben worden, sehr viel, was den Kern neuer Niederlagen bei der nächsten Wahl in sich birgt." Dazu gehört sicherlich auch seine Darlegung. Was ist penn ihr Kernpunkt? Kampf bis auis Messer gegen den Zionismus, nur keine Verständigung, Verwerfung jedes Zusammenschlusses rein jüdischer Volksteile, lediglich Assimilation. Mich schreckt das Wort Assimilation nicht, trotchem es in jetziger Zeit einen üblen Beigeschmack chat. Jawohll Assimilieren wir uns dem deutschen Geist, der deutschen Kultur, der deutschen Gesellschaft! Assimilieren wir uns aber ■ auch die Glaubensgenossen, denen noch aus der Jahrhunderte . langen Zeit des Ghettos Gewohnheiten und aufgezwungme ' Gedankengänge anhaften, die nicht mehr in die heutige Zeit hineinpassen. Assimilieren wir uns auch die Glaubensgenossen, die aus fremden Ländern hereinkommend die ihnen , dort gewordene Prägung nicht im Handumdrehen ablegen können. Ich bin überzeugt, daß nach dem Verschwinden der ' jetzigen Generation, unter denen noch viele sind, die die ihnen lieb gewordenen Sitten und Gewohnheiten des elterlichen und großelterlichen Hauses aus der Zeit, in der erst die Gleichste!- ' lung mit der Umgebung erkämpft und erstritten wurde, nut; ungern missen, die richtige Assimilation vorhanden sein wird. Das Gleiche wird auch von den Nachfahren der aus den östlichen Ländern Eingewanderten gelten. Warum der innere Kampf und Streit? Ist die Gesinnung zu rechtfertigest.:.v, „Wenn ich nur als gleichstehend anerkannt werde, stört efc.- mich nicht, wenn anderen Fußtritte zuteil werden." Man suche ■* jeder Isolierung entgegenzuarbeiten; man strebe danach, mit den Mitbewohnern in Verkehr zu kommen, in die Vereinigung gen einzutreten, damit die anderen erkennen, daß die Juden/ nicht das sind, was die Nazis behaupten. Aber man demütige sich nicht. Wenn man unwürdigem Verhalten ausgesetzt ist, unberechtigter: Abweisungen und Demütigungen, dann ex*,/,' übrigt nur, sich den Kreisen anzuschließen, wo dies nickt zu befürchten ist. In der heutigen Zeitströmung sind jüdische.... Vereine (ganz abgesehen von den religiösen, wohltätigen und/ dergl.) nicht zu entbehren. Ein großer Teil der Jugend würde sonst den Wohltaten des Sports nicht teilhaftig werden und dergl. mehr. Aber alles mit Maß. Ein Kampf gegen diese aus der Not der Zeit eutstandenen Gebilde kann nur Schaden anrichten. Also was nun? Kein Kampf, sondern Verständigung! Sucht die Zionisten und ihre Mitläufer zu überzeugen, daß ihr jetziges Bestreben nach möglichster Iso- / lierung kein Vorteil, sondern nur Nachteil für das Judentum ist. Aber seht sie als irrende Menschen, nicht als Feinde an. ■ Wir Juden haben eine Geschichte von fast drei Jahrtausenden hinter uns. Biele unserer Glaubensgenossen haben Hervorragendes geleistet. Wir haben alle Ursache, daraus stolz r zu sein und uns als Juden zu bekennen. Aber der edle Mensch' bewährt sich auch darin, daß er zu seiner Familie hält, zu seinem Stamme, zu seinen Glaubensgenossen und sich nicht von ihnen trennt, weil einzelne ihm nicht zusagen, „well er sich durch das Vorhandensein dieses oder jenes in seinem Fortkommen behindert fühlt." Um konsequent die Assintilifatiou zu fördern, wäre ein solches Verhalten allerdings berechtigt. Deshalb sage ich, es ist verfehlt, zu fordern: Mut 1 zur Konsequenz! Wer so konsequent ist, daß er, um das genannte Ziel zu erreichen, keine Bedenken trägt, Teile der Judenheit, die vielfach gerade eine ideale Gesinnung gleitet, von den anderen zu trennen, der habe auch die Konsequenz, sich gänzlich von der Gemeinde zu lösen. Der Verlust wäre zu verschmerzen. Sehr geehrter Herr Rosenthal! Ich bin überzeugt, daß Ihr Notschrei gerade aus dem Gefühl Ihrer Verbundenheit / mit dem Judentum stammt, daß Sie gerade, um die Ethik der , heutigen Judenheit zu heben, sich so stark gegen die Bestrebungen wenden, welche der Gesamtheit nur schädlich sein können. Aber bedenken Sie, daß in diesen Dingen nicht die Schärfe des Kampfes, sondern nur die Ueberlegenheit des Geistes den Sieg erringen kann, und zwar nicht durch Vernichtung des Gegners, sondern durch Beibringen der Uebeo zeugung von der Verfehltheit seiner Stellung. B. Mareuse, Regierungsu. Baurat III. Den Artikel von Fritz Rosenthal im Sprechsaal der jüdisch-liberalen Zeitung" vom 7. d. Mts. kann ich voll und . ganz unterschreiben. Ich, der ich die .Mißwirtschaft der national - jüdischen Mehrheit aus nächster Nähe kennen lernte, sehe mit schwerem . Herzen, wie sich auch jetzt wieder liberale Führer von den, Volksparteilern übertölpeln lassen. Dieser Politik, die keim ist, kann ich kein Verständnis entgegenbringen. Wir jungen liberalen Berliner Juden haben Tag uitbü Nacht gearbeitet, um dm liberalen Wahlsieg sicherzustellen. Wir haben gearbeitet, weit über unsere Kraft, nicht, damit Herr X. oder Herr A. Vorstandsmitglied oder Repräsentant FREIE JÜDISCHE VOLKSHOCHSCHILE Beginn der Wintervorlesungen Montag, den 19. Janfiar, abends 8 Uhr, Logenhaus Kleiststraße 10 Erster kontradiktorischer Abend: Die. Aufgaben einer jüdischen Großgemeiiuje R.-A. Heinrich Stern — R.-A. Dr. Alfred Klee (Weitere Abehde — R.-A. Dr. Max Kollenscher / R.-A. Dr. Walter Breslanbr. / Dr. Ludwig Holländer / Kurt Blntnenfeld — am 2. und 16. Februar, Logenhaus Kleiststraße 10) Hörergebphr Mk, 2.— und Mk. 1, — . Vorlesungsverzeichnisse kostenlos in allen jüdischen Buchhandlungen bei Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplat», Frankfurter Allee, iw K. d. \V. und im Sekretariat, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29, Telephon: Weidendamm D 2 5921