Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 53 (31.12.1930)
- Date
- 1930-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fcÄ hat? Er wünschte der Versammlung, daß eine vornehme Bechandlungsart in die Versammlung einziehen möge. Zum Schluß erinnerte er an die Worte unserer Vorväter (Perek Avaus Nr. 18): „Der Bestand der menschlichen Gesellschaft beruht aus drei Dingen, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit." Herr M.: Mögen diese herrlichen Worte überall die gebührende Beachtung finden! Gibt es eine jüdische Philosophie? Von Dr. M. Spanier, Magdeburg. Diese Frage bildete Gegenstand einer Kontroverse aus dem unlängst in Oxford stattgefundenen Internationalen Philosophenkongreß. Professor Gebhardt, der bekannte Spinozaforscher, verneinte sie; Professor Roback war entgegengesetzter Ansicht. Wir schließen uns Professor Gebhardt an. Was versteht man unter Philosophie? Die Definition dieses Begriffs ist höchst unsicher; es ist dies darin begründet, weil die Philosophie in fortlaufender Entwicklung sich befindet, in stetem Werden erscheint und nichts Fertiges, Vollendetes in sich birgt. Eher kann man die grundlegenden Momente ihres Wesens seststellen. Während die Philosophie früher als Magd der Theologie (ancilla theologiae) galt, wird sie heute als Königin der Wissenschaften betrachtet. In der Tat krönt sie alle Einzelwissenschasten, jede Kunst und jede Technik, sie durchflutet das ganze Menschenleben und beherrscht das Denken, Fühlen und Wollen jedes einzelnen Menschen und verhilft ihm zu einer Welt"- und Lebensanschauung — bewußt und unbewußt -- auch ohne Kenntnis der philosophischen Terminologie, die größtenteils der mittelalterlichen Denkart, der Scholastik, entstammt. Die moderne Philosophie fordert als unentbehrliche Voraussetzung alles Strebens nach Wahrheit Abwendung von allen subjektiven Meinungen und engherzigen Voreingenommenheiten: nur dann dringen wir in den Wesenskern der Philosophie, wenn wir lediglich das A l l g e m e i n m e n s ch l i ch e ins Auge fassen. In althergebrachter, von scholastischer Denkart zeugender Weise subsumiert man unter den Begriff Philosophie: ^die Logik, die sich mit den Gesetzen des Denkens beschäftigt, dem Allgemcingültigkeit zuznerkennen ist; die Erk e n n t n i s t h c o r i c, die die Grenzen unseres Erkennens und Wissens fest setzt. Alle menschliche Erkenntnis besteht aus Erfahrung und Vernunfteinsicht (Empirie und Spekulaiion). Den Mittelpunkt der Erfahrungswissenschaften bildet die Psychologie, die Lehre vom Seelenleben. Es erhebt sich die Frage nach dem Wesen der Seele, den Bewußtseinsporgärigen, dem Zusammenhang von Seele und Leib nsw. Die Metaphysik, die sich aus das erstreckt, was jenseits der Erscheiuungswelt liegt. Die Ethik, die die \ Richtschnur unseres sittlichen Handelns bildet. Wir betonen hierbei ausdrücklich, daß wir die Ethik von herzlicher religiöser Beimischung losgelöst wissen wollen. Schließlich die Aesthetik, sie bedeutete zuerst die Lehre von der Sinneserkenntnis, den Wahrnehmungen, später ist sie die Lehre vom Schönen, ist ye Kunstwissenschaft. Wenn auch von jüdischer Kunst die Rede ist, so sei auch hier hervorgehoben, daß jede tendenziöse Färbung dem Begriff Aesthetik fernliegt. Das, was als angenehm und schön arrzusprechen ist, begegnet ja bekanntlich den widersprechendsten Urteilen nach dem alten Wort: de gustibus non est disputandum. Hieraus resultiert auch das oft in die Erscheinung tretende Martyrium unserer Dichter und Künstler. Dies nur nebstbei. Wir kehren zu unserem Ausgangspunkt Zurück. Es gibt jüdische Philosophen, aber keine jüdische Philosophie. Wir denken nur an die allgemeine Philosophie und nicht an Religio n s Philosophie. Vergegenwärtigen wir uns jüdische Philosophen, die in unserer Zeit gewirkt haben und noch wirken. Professor Moritz Lazarus, gest. 1903, Fortbildner des Herbartischen Denksystems und Begründer der Völkerpsychologie, sicherlich ein begeisterter Jude, schrieb ein großes Werk über das Leben der Seele; vertiefen wir uns in das Werk, so finden wir darin absolut nichts spezifisch Jüdisches. Von seinen Schriften, die dem Judentum gewidmet sind, sehen wir ab. Gehen wir zu Professor Hermann Cohen, gest. 1918, über. Dieser Gelehrte, Begrüirder der Marburger Philosophenschule und des Neukantianismus, ein nahezu fanatischer Jude, hat sein epochales Lehrgebäude in seinem „System der Philosophie" niedergelegt. Es zerfällt in folgende Teile: 1. die Logik der reinen Erkenntnis, 2. Ethik des reinen Willens, 3. Aesthetik des reinen Gefühls. Schon die adjektivische Bestimmung „rein" läßt die Loslösung von allem Konfessionellen etc. erkennen. Es genügt der Hinweis aus dieses Meisterwerk. Professor Walter Kinkel, Gießen, schreibt in seinem Werke: „Hermann Cohen" (Verlag von Strecker n. Schröder, Stuttgart 1924) Seite 96: „Cohens Philosophie ist in ihrem Ursprung Idealismus und so kann denn n.icht ein Begriff, sondern eine Idee ihre Definition zur Bestimm mung bringen: eben die Idee der Menschheit. Es ist ferner das Kulturbewußtsein der Menschheit, welches in der Philosophie sich selbst Rechenschaft geben soll." Schließlich wollen wir auf zwei noch jetzt lebende berühmte Philosophen jüdischer Abstammung Hinweisen, die allerdings dem Judentum gegenüber eine unseres Wissens völlig indifferente Stellung einnehmen: Professor Husserl in Freiburg i. B., der durch seine „Logischen Untersuchungen" bahnbrechend gewirkt hat, und Professor Bergson in Paris, dm der unlängst verstorbene Professor Ludwig Stein als die bedeutendste philosophische Erscheinung Frankreichs nach Descartes bezeichnet hat. Er begründete eine neue Metaphysik, dre — zeitgemäß — biologisch fundiert ist. Man spricht von Bergson's Jntuitionismus, einer auf Anschauung beruhenden Erkenntnis. Beide Philosophen zahlen zu den schöpferischen Geistern unserer Zeit. Wir wiederholen ünsere These: es gibt keine jüdische Philosophie in der von uns anqedeuteten Auffassung. Es wäre erfreulich, wenn sich noch andere über das belegte Thema äußern möchten. Heilige Gebräuche? Von Joseph Kaufs mann, Weißensee. m Än filier „Ethik des Judentums", Seite 194, sagt Prozessor Ta. M. Lazarus: „auch ein Gotteshaus,, eine Gejetzesrolle und selbst der Schrein, worin sie bewahrt ist, den: religiösen Menschen heilig sein; nicht weil sie als herüg erklärt sind; es bevars dieser Erklärung nicht; sondern weil diese äußeren Tange mit der Würde des Inhalts Zusammenhängen, die Hülle desselben bilden; hier iü die Heiligkeit des Aeußeren ein Abglanz des Inneren, dem es drent; es ist Mondlicht, von der Sonne des Heiligen I *:: Gottesdienste :: * 8krtt»-N»rde«« Liberale Synagoge Rvrbea, Schönhauser Aller 162. Freitag, den 2. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst, predigt: Dr. Swarfensti. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. SctlittftOftett. Liberale Synagoge Osten, Aula Mädchenschule üaiserstraße 30. Freitag, den 2. Januar, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Plottke. Bttlio-Westend. Liberale Synagoge Westend, Leistttowstrabe 7-8, Anla. Freitag, den 2. Januar, abends 7,15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Mehler. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, dem 4. Januar. Zohaunisstr. 16: vormittags 10.30 Uhr, Predigt: Dr. Jelsli. Kleiststr. 10: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Karl Rostnthal. selbst erzeugt ........ Werden doch in ähnlicher Weise auch Andenken an historisch beoeutende Personen, an Ereignisse und Schöpfungen vorzüglicher Art hochgeschätzt uno pietätsvoll betrachtet und behauoelt. Der äußere Gegenstand erlangt eine innere Würde wegen seiner unmittelbaren, zwar dinglichen, aber nicht symbolischen Beziehung zur religiösen Gedankenwelt." Das sind schöne, wahre, echt jüdische Gedanken. Aber zu dieser reinen, hohen Auffassumg ist die jetzige Judeuheit nicht gekommen oder vielmehr sie ist schon davon ab gekommen. Es sind die gleichen Gedanken, die die Protzten und die alten Weisen vertraten, die auch den großen Gelehrten aller Zeiten zu eigen waren, die aber die große Masse nicht verstanden hat. Sie hat die Hochschätzung und pietätsvolle Betrachtung in eine materielle Verehrung gewandelt und vergröbert. Diese Vergröberung der „Heiligkeit des Aeußeren" Zeigt sich in vielen unserer religiösen Gebräuche und macht sich auch in unseren Gottesdiensten bemerkbar, namentlich in den althergebrachten, heute noch in den meisten Einheitsgemeinden üblichen. Sie ist vielleicht Erbteil Israels aus Urzeiten, als der reine Gottcsglaube noch nickt ourchge- III Berlin Einladung zu dem am 8. Januar 1930, abends 8 Uhr, im Vortragssaal der Synagoge Fasanenstraße, stattfindenden Vortrag von Rabbiner Dr.Baech Jugend und Religion Wir rechnen auf zahlreiches Erscheinen unserer Freunde und Mitglieder drungen, als das Voll noch nicht srei von Götzenverehrung war, als es noch nicht oen Abglanz von dem Heiligen zu unterscheiden verstand. Vielleicht stammt sie aber auch aus der Uebernahme von Gebräuchen anderer Religionen. Solche fremde Einflüsse zeigten sich in allen Zeiten unserer Religionsgeschichte, vom Uranfang über das Mittelalter bis in die Jetztzeit. So ist z. B. Oie „Jahrzeit" der katholjislchen Kirche entnommen; diese Sitte war in ihrem Kreise schon 200 oder 300 Jahre früher üblich^ bevor sie bei den Juden Eingang fand. Ebenso ist eine andere Sitte bei uu§ eingedrungen, die Verehrung äußerer, für heilig erachteter Auge durch Äußere Handlungen und unter diesen namentlich das Küssen von Symbolen und von für heilig erachteten Gegenständen. Wohl haben schon die Proseten Elia und Hosea gegen das Küssen von Götzenbildern geeifert, aber Sitten, die wir in ähnlicher Beziehung jetzt haben, dürsten erst aus dem Mittelalter stammen, "ich meine das Küssen von als heilig betrachteten Gegenständen. Schon in meiner frühen Jugend war es mir unverständlich, daß ich beim Eintritt in die Wohnung die Mesusa berühren und dann die Fingerspitzen küssen sollte; daß ich beim Beten des dritten Absatzes des Schema, bei dem dreimaligen Aussp-rechen des Wortes „Zizzis" jedesmal die Schaufaden zu küssen hätte. Ein innerer unbewußter Widerstand hinderte mich, es zu tun. Auch die Gebetriemesu habe ich nicht vor dem Anlegen geküßt, ebensowenig küßte ich mein Gebetbuch, bevor ich es ausschlüg oder wenn ich es versehentlich, fallen lassen hatte. Das alles sind Gebräuche, die heute noch weit verbreitet sind und ausgeübt werden, unrichtige Vergröberungen, die dem Gedanken der Heiligkeit nur schaden können. Ein anderes Küssen, das öffentlich, oft auch in liberalen Synagogen geschieht, muß besonders erwähnt werden^ Viele der zur Tora Aufgerüsenen berühren den Anfang des Abschnittes, der ihnen vorgelesen werden soll, mit den Schausäden, küssen diese und sagen dann den Segensspruch. Und wenn beim Aus- und Einheben die Torarolle umhevgetragen wird, berühren viele sie mit den Fingerspitzen und küssen diese, zum Zeichen der Verehrung. Am Simchat Tora strecken sich, nach jedem Umzug die Hände nach jeder Torarolle und das Küsten scheint kein Ende nehmen zu »vollen. Auch der Vorhang vor dem Torafchrein wird geküßt, selbst zuweilen auch, von Rabbinern. Welche Ursache kann dieses Küsten haben? Wird es durch spontan hervorrdringende religiöse Gefühle, durch inbrünstiges Suchen noch inniger Verbindung mit Gott hervorgebracht? Nur solche Herzensbedürfnisse könnten daAv für lies religiös, aber naiv empfindende Gemüter eine Erklärung geben, und die sind selten. Einst habe ich. einen alten Herrn, der einen besonderen Eifer in solchem Küssen zeigte, gefragt, weshalb dieser Gebrauch geübt werde. Seine Antwort lautete: „Amorez, weil Moses es uns besohlen hat." Tiefe Grundangäbe hatte ich nicht erwartet, ich schwieg; aber ich dachte: „wer ist wohl der Amhaarez, du oder ich?" Eine weitere Verkennung der „Heiligkeit" liegt in der Art unserer Gottesdienste, wenn auch die liberalen Gebet-, bücher schon vieles verbessert haben: in der immer noch zu großen Anhäufung der Gebete, namentlich an oen hohen Feiertagen, und in heut gedankenlosen Hersagen unverstandener Worte. Beides widerspricht den Anordnungen btftc Profeten und der alte Wncisen. Schon Jesaia (29. 11— lSty hat seiner Zeit vorgehalteu: Einem Buch gleich, das versiegelt, Ist euch alles, was ihr seht; Gibt mau's dem, der lesekundig, Spricht er: „weis; nicht, was drin steht." Gibt man's einem, der zu lesen Das Äeschriebne nicht versteht. Spricht: „lies doch aus diesem Buche:" Sagt er: „weiß nicht, was da steht." So spricht Gott: „weil dieses Volk wich Nur mit Mund und Lippen ehrt, Aber sich im Innern Herzen. Doch von mir hat abgekehrt; Was sie mir zur Ehre tuen. Und was Gottesdienst sie neunen, Nur als nachgespcochnc Worte, ' - Nur als Mcnscheasatzung kennen Wenn Jesaia unsere heutigen Gottesdienste, namentlich die Frühgottesdienste an Sabbaten und Wochentagen, besuchen könnte, würde er erstauirt sein, daß sich seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden noch nichts geändert hat. Bei den Früh- und Wochengottesdiensten wird ein großes Quantum hebräischer Worte in einer Schnelligl'eit herunter „gesagt", die jedes Fühlen und Denken, jeve Andacht ausichließt. Man lacht über die Gebetmühlen der Lamas in Tibet, in denen tausendemale der eine Spruch: „om mani padne hum" (Das Kleinod im Lotus, Amen) sichtbar wird. Aber der' Lama, der die Mühle oreht, hat dabei Zeit, seinen religiösen Gedanken nachzuhängen, was er als Buahist 'wohl auch tun wird. Wir aber haben bei den erwähnten Gottesdiensten dafür keine Zeit, wir sprechen Worte, die nur Lippenwerk sind, die nicht aus andächtigem Herzen kommen — denn tu der Eile wird uns ja nicht klar, was wir sagen — die nur nachgesprochene Menschensatzung sind. Die Mischna verordnet im Traktat Berachot: „Ein Gebet ohne Andacht ist lvie ein Mrpcr ohne Seele, ist kein Gebet; wer nicht gesammelten Geistes ist, soll nicht bete».; man sott nicht laut beten; soll das Gebet nicht verlängern; soll mit Verständnis des Inhalts und mit Sammlung der Gedanken beten und soll sein Gebet nicht durch Gespräche unterbrechend In den Sprüchen der Väter steht (Abot 2): „Sei eifrig lim Schema-Lesen und im Gebet, und wenn du betest, mache dem Gebet nicht zu einer festen Pflicht, sondern zu einer Tat der Liebd und der Ergebung vor dem Allgegenwärtigen; denn cs heißti: „denn gnädig nnd barmherzig ist er, langmütig und gnadenreich unv gibt bösen Beschluß auf. Sei du kein Bösewicht vor dir selbst:." Und wie beten wir in unfern Gottesdiensten? Rabbi Elieser, der den letzten Ausspruch getan, wErde wohl sagen: wie Bösewichter! Ein Midrasch berichtet: Einst hatten zwei Rabbinen eine» größeren Spaziergang unternommen. Als sie auf dem Rückwege waren, sahen sie, daß in ihrem.Wohnorte ein Feuer ausgebro-chm war. Der eine warf sich nieder und betete: y,* Gott, gib doch, daß es nicht mein Haus ist, das in Flamme« steht!" Der andere verwies ihm streng sein unsinniges Gebiet, da man doch Gott nicht anflehen dürfe, etwas Geschehenes rückgängig zu machen. Das war die allgemeine Auffassung der alten Weisen. Bösewichter sind wir aber auch noch in anderer Beziehung. Nicht nur im Gottesdienst verstoßen wir durch unser gedankenloses häufiges Aussprechen des .Namen Gottes gegen die Gefühle der Würde und Heiligkeit, gegen das Verbot, den Namen Gottes unnütz auszusprechen, sondern auch täglich im Leben innerhalb und außerhalb des Hauses. Bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit haben wir das Wort „Gott" im Munde. Manche Menschen beginnen fast jeden Satz in der Unterhaltung mit „Gott". „Ach Gott, ich habe das ganz vergessen." „Ach Gott, laß mich in Ruhe." „Gott behüte. " „Gott mag wissen." „Gott sei gedankt, ich habe meinen Schirm nicht vergessen." „Gnade Gott, wenn du das noch einmal tust." „Gott sei's geklagt." „Um Gottes willen, da kommt ein Auto." „O Gott, wie schön." „So Gott will." „Gott im Himmel!" „Gottes Wunder!" „Gott straf mich." „In Gottes Namen tu, was du Lust hast." „Gott der Gerechte." „Dein Wort in Gottes Ohr!" „Barnbherziger Gott!" — Und mancher Leser wird sagen: „Herrgott noch einmal! Schweig doch endlich füll!" Oder wird über den Schwätzer, der ihm solche Dinge vorträgt, mitleidig und erhaben lächeln: „Ach Gott, laß doch den alten Kopf reden, ich habe andere Sachen zu tun!" Schlechte Gewohnheiten, schlechte Erbschaften aus Ghettozeiten, alte Unsitten und Gebräuche, die mit Religion nichts zu tun haben, die im Gegenteil dem wahren religiösen Gefühle widersprechen, müssen kvir aufgeben. Wir sind 'nun einmal ein „hartnäckiges Volk" seit jeher, wir haben jedoch langsam schon manches gelernt. Wir haben aber noch recht viel zu lernen, haben noch einen langen Weg vor unA bis wir einen nennenswerten Schritt zur Erfüllung der Aufgabe des' Judentums weiter gegangen sein werden. Jesaia (55, 8 und 9) sagt: „Denn weine Gedanken, spricht der Herr, Sind nicht so, wie ihr euch denket; Nicht schreite ich Meinen Weg daher, Wie ihr eure Schritte lenket. So weit vom Himmel die Erde ist, Ist fern mein Pfad eurem Wege; So weit auch von eurem Denken ist Der Gedanke, den ich hege." Es gibt keinen Stillstand in der WA1. Jedes Zeitalter schafft Neues, muß es schaffen. Man darf nicht die Hände m den Schoß logen und in falscher Beschaulichkeit das Hergebrachte als das Gegebene und Unabänderliche betrachten. Man müß streben und wirken, muß das Verdorrte und Abgestorbene ausschneiden, in Rücksicht auf neues Blühen und kräftigeres Wachstum, in Rücksicht auf die Zukunst! Darin sah schon Jeremia (1. 10) seine Aufgabe: