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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-12-31 · 53 (31.12.1930) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
53 (31.12.1930)
Date
1930-12-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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! s J l' I-, Mißerfolge treu. „Die ernsthafte» Forscher" sind in unserer Zeit „die einzigen tiefreligiöser: Menschen". So Einstein. Dieses Bekenntnis 1iT nicht so sehr wegen seines Inhaltes bedeutend, denn es erinnert zu sehr an Goethes: „Wer Wissenschaft und Kunst besitzt...", sondern als Bekenntnis des Juden Einstein. Man weiA daß er gern seinen Namen mit der jüdischen Gegenwart verknüpft, für die Palästina-Arbeit, die Ort-Arbeit, die Friedens-Arbeit. Er stellt seine Kunst in den Dienst jüdisch-sozialer Werke, er spielt in der Synagoge. Aber zwischen diesen Dingen und seiner religiösen Einstellung besteht ein Bruch. Und er betont das, wie wir sehen, ganz deutlich. Und unternimmt nichts, diesen Bruch zu überbrücken, behauptet tut Gegenteil, mir kosmischer Religiosität könne man leine Gemeinschaft gründen. ' Und hier können wir ihm nicht mehr folgen. Hier zeigt sich deutlich und wieder einmal, wie jüdischer Liberalismus nicht verstanden hat, solchen Männe::: ,hren Platz im religiösen Judentum zu sichern. Einstein ist ja nicht der einzige. Denn nur der religiöse Liberalismus kann diese Aufgabe leisten. Es braucht kein Bruch zu bestehen, es darf keiner da sein für so Gesinnte. Was ist denn der Inhalt kosmischer Religiosität auch wieder anders als der letzte Sinn und tiefste Quell jüdischer Religion: die Religiosität selbst. Und sie zu retten, zu entdecken, herauszuformen, von allem dogmatischen, auch dein — dogmatischen - Gott, und dann das Judcsein damit zu formen, das ist es, was neureligiöse Frömmigkeit will, das, worin sie den 3iui: ihres Judeseins findet, den Sinn auch aller jüdisch-sozialer Arbeit, aller Betätigung im jüdisch-ethischen Sinn. Bloß diese Dinge herausschälen und in ihnen ausgehen, heißt ihnen den Mutter- und Nährboden nehmen, aus dem sie Hervorgin?;en, aus dem sie gebe Heu, den sie wieder neu befruchten fölen. Alle diese Bestrebungen jetzt, für jüdisches Wissen, sür neue und neueste Formen, für soziale Hilfe — sie verbinden sich für uns immer mit dem großen „Wozu" und „Warum" und verlieren ihren tiefsten Wert, wenn das Wozu und Warum nicht Religiosität zur Antwort erhält. Und diese Antwort muß eben auch den Menschen mit der kosmischen Religiosität, der Seelenreligion, der Herzensfröm.' nngkeit, ohne Dogma und dogmatischeu Gott gegeben werden, so klar, daß sie darin iljr Judentum, wenn es nötig ist, entdecken. Und auch nicht mehr behaupte):, daß damit eine Gemeinschaft unmöglich ist. Sie muß nur gegründet werden, diese „Jüdisch-neureligiöse Gemeinde", gegründet von Männern mit „Sehnsucht", „Hingabe", „stärkstem Gefühl" — und das Judentum, das liberale, das religiös-liberale wird neue starke Kräfte an sich fesseln, Menschen, die keinen Bruch, in ihrem jüdischen Dasein anerkennen, die ganze Inden sein wollen, denen neue und neueste Formen durchaus nicht genügen, sondern nur neue Inhalte, Menschen, die nicht bloß um eine Entwicklung wissen, sondern eine Entwrck lung der Entwicklung auch im liberalen Judentum; Menschen, die sich nicht zu etwas retten müssen, um überhaupt noch Jude zu sein. Jüdisch-neureligiöse Gemeinschaften — es bedarr nur der Gründer. Tie Menschen sind da. Ein Einstein-Interview Be: seiner Ankunft in New Dort' empfing Professor Albert Einsteilt an Boro der „Belgenland" einen Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und äußerte sich ihm gegenüber über seine Auffassung einer Reihe moderner jüdischer Probleme. Der Jrckerviewer stellte zunächst an Professor Einstein folgende Frage: „Welches sind, .Herr Professor, Ihrer Meinung nach die Kräfte, die den modernen Jude:: mit seinem Volke verbinden?" — „Jede menschliche Gemeinschaft", erwiderte Professor Einstein, „wurzelt in gemeinsamer Neberlieferung und verfolgt ein gemeinsames Lebensziel. Dieses bedingt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, zu dessen Entstehung auch Blutsgemeinschaft beitragen mag, doch kann eine nationale Gruppe auch ohne Blutsbande bestehen. So entwickelt sich z. B. allmählich ein nationaler amerikanischer Typus, obwohl das amerikanische Voll nicht einheitlichen Ursprungs ist. Tlie Einheit einer menschlichen Gruppe wird bestimmtdurch ihre gemeinsame historische Vergangenheit, durch eine gewisse psychische Eigenart, die das Volk im Verlauf seiner Worrscber: Schicksale ausgebrldet aal, durch eine gemeinsame Auffassung in Fragen der Ethik und einer: gemeinsamen Lebensweg. Tie Grundlage zu dieser gemeinsamen ethischen Auffassung wird in der Jugend gelegt, daher bleiben ihre charakteristischen Richtlinien das ganze Leben hindurch bestehen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserem jüdischen Volke basiert nicht nur auf unseren religiösen Ueberlieferungen, sondern auch auf einer Reihe anderer Faktoren, deren Vorhandensein wir zwar fühlen, die aber sehr schwer zu definieren sind." — „Glauben Sie, Herr Professor, daß dieses Zusammengehörigkeitsgefühl den Juden irgendwelche sittlichen Verpflichtungen auferlegt?" — „Ich glaube", antwortete Einstein, „daß der Jude danach trachten muß, dieses Gefühl zu einen: Bewußtseinsinhalt zu steigern und sich selbst als integralen Teil seiner Gruppe zu erkennen. Dem Bewußtsein seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Gruppe muß jeder auf iseine eigene Art und Weise Ausdruck verleihen. Es ist das große Verbleust des Zionismus, daß er die jüdische Selbstachtung behoben hat. Aus Grund des Zionismus macht sich eine neue jüdische Solidarität bemerkbar. Indessen kann der Zionismus die wirtschaftliche Judermot nicht lösen, weil Palästina zu klein ist. T>re amerikanische Jüdenheit hat eine große Bedeutung für die Zukunft des Volkes, sie ist wirtschastlich gesicherter und hat im letzten Jahrzehnt weniger als irgend ein anderer Teil des jüdischen Volkes unter politischen Verfolgungen zu leiden gehabt. Welche Rolle die amerikanischen Juoen im jüdischen Geistesleben spielen werden, steht dahin." Aus die Frage, ob seiner Meinung nach die jüdische Jugend die hebräische Sprache erlernen solle, antwortete Einstein: „Sicherlich sollten die Juden eine eigene Sprache haben, doch habe ich mich nicht soweit mit diesem Problem befaßt, um sagen zu können, welche Sprache als „die jüdische Sprache zu gelten hat." Werbt neue Mitglieder! Wichtige Gerichtsbeschlüsse gegen nationalsozialistischen Boykott Das vergangene Weihnachtsfest gab wie in jedem Jahre, so auch diesmal den Nationalsozialister: willkommene Gelegenheit zu unerhörter: Verunglimpfungen und zu den gehässigster: Boytottaufforderunger: gegen jüdische Geschäftsleute. Tie Gerichte schreiten gegen derartige Auswüchse des politischen Kampfes und des Wirtschaftslebens energisch ein. Das Landgericht Bieleseld hat kürzlich durch Beschluß vorn st. Dezember!WO den: Trucker eines Hetzflugblatts und dem Ortsgruppenführer der Nationalsozialisten in Gütersloh die Verbreitung eines derartigen Flugblattes untersagt und die Boykottaussorderung gegen jüdische Geschäftsleute unter Strafandrohung gestellt. Das fragliche Flugblatt, das die lieberschrift trug: „Sei ein Christ! — Kaufe nicht bei Juden!" warnte die christliche Bevölkerung vor Einkäufen in jüdischen Geschäften und beschimpfte die jüdischen Geschäftsleute als „Christusmörder". Das Oberlandesgcricht Hamm hat in der Beschwerde- Instanz der Zeitschrift „Der Heimatfreund" verboten, zu einem Boykott jüdischer Geschäfte auszusordern. Gegen diesen Beschluß hatten die Redakteure der Zeitschrift Widerspruch erhoben, der vor den: Landgericht Bielefeld zur Verhandlung gelangte. Tie Zeitung hatte inzwischen ihr Erscheinen eingestellt, so das; die eigentliche Streitfrage als erledigt galt und nur noch über die Kosten des Rechtsstreits zu entscheiden war. Diese Kosten wurden den früheren Redakteuren des „Heimatfreundes" auferlegt und in den Urteitsgründen wurde die Be rechtignng der einstweiligen Verfügung erneut bestätigt. Die erste öffentlich-rechtliche Synagogengemeinde in Spanien Zun: ersten Male feit 1492, den: Zeitpunkt der Vertreibung der Juden aus Spanien, konnte sich in Madrid öffentlich eine jüdische Gemeinde zun: Gebet in einem jüdischen Gotreshause, das als solches anerkannt ist, versammeln. Ein Kreis von etwa dreißig Männern hak mit Ge- STRAHL & FALKE BLUMEN-AUS STELLUNG BERLIN W 66 HAUERSTR. 79^ FERNRUF: ZENTRUM 5023 u. 5024 BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IIHIEHDEHORATIONENIII KllnSTLERISCHER flUSFUHRUDÖ nehmigung der Negierung die erste spanische Syuagogenge meiride gegründet. Tie Feierlichkeit selbst spielte sich in schlichten: Rahmen ab. Anwesend war auch ein Vertreter der Madrider Polizeibehörde. Der französische Bankier Bauer, der als finnischer Generalkonsul fungiert, und dessen Familie::- Mitglieder in nahen persönlichen Beziehungen zu König Alfons von Spanien stehen (die Tochter von Bankier Bauer gehört zur Suite der Königin), wurde zun: Präsidenten der Gemeinde gewählt. Seinen Interventionen beim König ist es vor allem zu danken, wenn jetzt nach langen Bemühungen die jüdische Gemeinde anerkannt worden ist, und er war es auch, der einen Erlaß durchsetzte, nach welchem — entgegen den: Willen der kirchlichen Behörden — auf dem Zivilfriedhof von Sevilla ein Feld für südifche Gräber reserviert wurde. Bankier Bauer hat auch die finanziellen Lasten, die aus der Unterhaltung der Synagoge entstehen, übernommen. Nach der Gründungsfeier wurde ein Protokoll und ein vorläufiges Gemeindestatut durch den anwesender: Polizeiosfizier verlesen und unterzeichnet. Der von einem Gemeinde- Mitglied gestellte Antrag auf Anstellung eines Knltnsbeamten wurde aus Mangel an finanziellen Mitteln abgelehnt. — Das Gebäude, in dem sich die Synagoge befindet, liegt im Zentrum der Stadt. Das Bethaus selbst trägt sephardische Prägung, in einem Nebenraum ist eine kleine Bibliothek und eine Sammlung vor: Kultgeräten, aus Privatbesitz und staatlichen Museen stammend, untergebracht worden. (Jta.) Zustizrat Michaelis Placzek 70 Zahre Am 25. Dezember vollendete Justizrat Michaelis Placzek sein 70. Lebensjahr. Geboren in Schwecsenz, siedelte er frühzeitig nach Posen über; die Liebe zu dieser seiner Wahlheimatstadt wurde für sein persönliches Schicksal so entscheidend, daß umgekehrt auch er für die Geschichte der Stadt eine unauslöschliche Bedeutung gewonr:en hat. „Der 70. Geburtstag des Justizrats Michaelis Placzek ist für die Posener ein Feiertag", beginnt der Leit- und Festartikel aus der Feder des bekannten Rechtsanwalts Justizrat Berthold Haase in der dieser Tage erscheinenden Nummer der „Posener Heimatblätter". Zur Charakteristik des Jubilars sei aus diesem Aufsatz folgender Abschnitt hier zitiert: „Die hingebungsvolle Liebe zu seiner Heimatstadt war Inhalt seines Lebens. In der Geschichte der Stadt Posen hat er sich durch seine Tätigkeit für das öffentliche Wohl ein dauerndes Denkmal gesetzt. Mehr als ein Vierteljahrhundert hat er als der einflußreichste Stadtverordnete seine reiche Begabung und seine unverwüstliche Arbeitskraft irr den Dienst der kommunalen Selbstverwaltung gestellt. Hier war er so recht in seinem Element. Es waren die Zeiten, in denen die Tätigkeit für die Gemeinde noch Freude machte und Erfolg versprach. Michaelis Placzek kann von sich sagen, daß der ungewöhnliche Aufschwung, den die Stadt Posen in den letzten dreißig Jahren vor dem Zusammenbruch genommen hat, auch auf seiner vorwärtstreibenden, anregenden und rastlosen Mitarbeit beruhte. Als er im Jahre 1909 zum Stadtverordneterworsteher gewählt wurde, ein Amt, das er 10 Jahre ununterbrochen verwaltete, wurde dies als die wohlverdiente Anerkennung seiner erfolggekrönten Arbeit allgemein gewürdigt. Die Anerkennung ist ihm auch von den polnischer: Mitbürgern nicht versagt worden, ein Zeichen der Wertschätzung eines Mannes, dessen Person und Leistung schließlich auch den Gegnern Achtung abgewann. Lange, nachdem er mit dem größten Teil der deutschen Bevölkerung die Heimat hatte verlassen müssen — erst vor einigen Jahren — hat die polnische Stadtverwaltung sein Porträt malen lassen und auch seinem Bild den gebührenden Platz in dem Posener Rathaus gegeben. Diese polnische Ehrung eines mutigen deutschen Bekenners ist einzigartig." » „Kennzeichnend für seine- Persönlichkeit ist die freiheitliche Gesinnung", heißt es an anderer Stelle des Aufsatzes. Diese Gesinnung ließ Placzek, der ein persönlicher Freund Eugen Richters war, zum Mitbegründer und Organisator der liberalen Partei werden. In der Posener Stadtverordnetenversammlung, der er seit 1891 angehörte, war er der Fraktiorrssührer seiner Partei, bis er 1908 Stadtverordnetenvorsteher wurde. Dieses Amt behielt er bis zum Umsturz 1918. Als damals die Polen die Stadtverwaltung an sich rissen, protestierte er und sah sich bald darauf genötigt, sein Arnt niederzulegen. Ec wurde Mitbegründer des Deutschen Volksrates, der sich damals im Gegensatz zum Polnischen Volksrat bildete (bekanntlich gründeten die Zionisten unter Führung des Rechtsanwalts Kolleufcher einen „Jüdischen Volksrat", der sich im Streit zwischen Deutschen und Polen „neutral" erklärte). Placzeks tätige Verteidigung des Deutschturns trug ihm viele Verdächtigungen und schwere Leiden ei::; dreimal wurde er von den Polen interniert, davon ein mal in dem von den Russen wegen sairitärer Unzulänglichkeit geschlossenen ehemaligen Kriegsgefangenenlager Szczy'piorno! Placzeks Freisinn war auch für seine jüdische Betätigung bestimmend. Als Freund unseres inzwischen verstorbenen Felix Kämpfer war er Anhänger des liberalen Judentums: das jüdische Mädchenhein: in Posen hat er ins Leben gerufen; dem Verband zur Förderung des Handwerks unter den Juden und dem Hilfsverein der deutschen Juden gehörte er als Mitbegründer und Vorstandsmitglied an; in der Bne Briß'Loge spielt er noch heute eine führende Rolle. Unvergessen ist sein Eintreten für die jüdischen Kaufleute aus den Grenzorten der Provinz Posen, die aus der: Märkten allerlei Schikanen ausgesetzt waren und denen er stets zu ihrem Recht verhals. Seit Jahren lebt der Jubilar nun als Anwalt in Berlin, wo er aus die ihm oft angeboteue össentliche Wirksamkeit stets verzichtet hat, weil er glaubte, die Zeit brauche jüngere Kräfte. Ten zahlreichen Glückwünschen, die den: verdienten Manne in diesen Tagen ausgesprochen werden und die Zeug nis davon ablegen, daß sein Wirken und seine Persönlichkeit unvergessen sind, schließen wir uns herzlich an. Zum Rücktritt von Geheimrat Julius Stern Vor: Georg Jacobowitz und Regierungsrat M a r c u s e. Äkachdem die alte Repräsentantenvcrsainmlung kürzlich ihre letzte Sitzung abgehaltcn hat, hat ihr bisheriger Vorsitzender, Herr Geheimrat Tr. Julius Stern, sich entschlossen, atle seine Acmter in der Gemeinde und in der übrigen jüdischen OesfenNichkeit niederzulegen. Aus Anlaß dieses Ereignisses hat zwischen .Herrn Reg.- und Baurat Marc u s e und Herrn Baumeister Georg Jacobowitz ein Telephongespräch stattgesunden, welches infolge eines glücklichen Zufalls hier festgehalteu werden kann. Herr I.: Ich fand die Chanukkah-Feier recht erhebend und habe mich gefreut, daß der Vorstand der Synagoge Fasanenstraße es unternimmt, der Jugend Ideale vorznsühren, für die unsere Väter gelebt haben. Besonders in der jetzigen Zeit haben wir Männer dieser Art sehr nötig. Die Alten, .Herren, die wir ihrer Gesinnung wegen geschätzt haben, verschwinden mehr und mehr. So habe ich gehört, und weiß nicht, ob es Ihnen bekannt ist, daß riuser alter Freund, Herr Geh. Tanitätsrat Stern, sich von: jüdisch-politischen Leben zurückgezogen hat. Herr M.: Sie haben vollkommen recht. Wenn ich noch an die Zeit meiner Tätigkeit im Vorstand denke, so waren die Mitglieder damals alles Männer, die in der Kraft ihres Lebens stehend, ihre freie Zeit in größtem Ausmaße dem jüdischen Gemeiudelebei: gewidmet haben und sicher nicht einer der Schlechtesten von diesen, war unser alter Freund Stern. Herr I.: Ja, ich weiß, Herr Geheimrat Stern und Herr Badt haben sich zuletzt etwas verärgert vor: der Liberaler: Partei zurückgezogen. Ich glaube, cs war weder ein Verschulden dieser beiden hochgeschätzten Männer, noch der Liberalen Partei, sondern die Zeitnmstände haben dazu geführt. Herr M.: Lieber Jacobowitz, Sie haben recht, denn damals begann in der Repräsentantenversammlung und im Gemeindeleben eine Tonart, die wir vorher nicht kannten und derentwegen wir auch den Platz geräumt haben. Damals sind, durch diesen Ton unangenehm berührt, viele von der Liberaler: Partei in die Mittelparte: übergegangen, weit sie hofften, aus diese Weise Frieden zu schassen und' dadurch den vornehmen Ton wieder herbeizuführen. Aber ganz bestimmt blieb Herr Geheimrat Stern einer der Unseren, und alle Verhandlungen, die ich der: Vorzug hatte, im Gemeindewesen mit ihm zu führen, zeugten von dem vornehmen Charakter und der zuverlässigen jüdischen Wesensart des .Herrn Geheimrats Stern. Herr I.: Ich freue mich, daß Sie .Herrn Stern ebenso schätzen wie ich. Ich stehe ihn: nicht nur religiös nahe, sondern unsere liberaler: Ueberzeugungen stimmen auch überein. Er hat dies jetzt dadurch bewiesen, daß er seiner: Austritt aus der Mittelpariei angemeldet hat. Würden viele Sterne über der Gemeinde scheinen wie Herr Geheimrat Stern, so würde es um die Zukunft unserer jüdischen Religionsgemeinde sicher sehr wohl bestellt sein. Herr M.: So bedauerlich es ist, daß er seine Aemter niedergelegt hat, darf man wohl hoffen, daß er mit seiner Erfahrung und seinem Rate stets, wenn notig, zur Stelle sein wird. Bei seiner rüstiger: Art ist zu hoffen, daß ihm noch viele Jahre beschieden sind und er nicht anfhörer: wird, so lange er lebt, ein Herz für die Jüdische Gen:einde zu haben. Herr I.: Haben Sie gehört, in welch vornehmer Art er die letzte Repräsentantenversammlung geleitet und geschlos-

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