Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 53 (31.12.1930)
- Date
- 1930-12-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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' „Heut' meinen Auftrag ich dir übertrage, In beinen Mund ich meine Worte sage: Ausroben sollst bu und zerstören, Einrrihen mußt du und verheeren! Dann will ich mit dem Aufbau dich betreuen, Tollst wieder pflanzen, neuen Samen streuen!" Ich weiß sehr wohl, daß meine Ausführungen nicht immer den Beifall aller Leser gefunden haben und finden, daß manche kein Interesse und Verständnis dasür besitzen, andere auch Henken: „was kann uns der Mann sagen, er ist doch weder Rabbiner, noch Gelehrter, noch Doktor". Aber es gibt auch viele, die dankbar dafür find, wenn ihnen Aufklärungen gegeben werden, die ihnen Anregungen zum Nachdenken bringen. Diese sind es, für die meine Gedanken bestimmt sind, denn sie wollen den gleichen Weg gehen wie ich: sie wollen mit helfen zur Entwicklung des religiösen Liberalismus. * Aus der Jli-Arbeil * Breslau. (Il i - H a up t g r u p p e.) Unsere letzten Veranstaltungen brachten leine Vorträge, sondern sehr wichtige Anssprachen, hauptsächlich über Organisationssragcn. Am 26. November sprachen wir zur Vorbereitung der Wcihestundc ausführlich über die Ziele der Reform-Gcmeiirde. Außerdem wurde unser Chanukah-Fest vorbereitet. — lieber die Weihe stunde am 7. Dezember wurde hier bereits berichtet. — Am 10. Dezember entwickelte uns Erich Vulkan seine Gedanken über die Neugestaltung unserer Arbeit. Aus seinen Vorschlag Hvurden Arbeitsreserate geschossen, d. h. dem Vorstand unterstellte Arbeitskreise, deren Ausgabe sich auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, und die -amit einmal den Vorstand entlasten, vor allem aber auch Mitglieder zu stärkerer Tätigkeit hcranziehen sollen. — Am 17. Dezember berichteten Alfred Fabian und Erich Vulkan über die Arge- Tagung in Berlin. Sie gaben nicht nur einen sachlichen Bericht, säubern schilderten int» stuch die reichen persönlichen Eindrücke, die sie in Berlin gehabt haben. Breslau. (Jl i-Jüng eren -Gruppe.) Wir begnügen uns, an dieser Stelle einen kurzen Uebcrblick über den ersten Teil unserer Winterarbeit zu geben. Die Leitung der Gruppe übernahm Hans Hammer. In einem Referat über „Fragen der Goltesdienstgestaltung" sprach Julian 'Sauer über die Möglichkeiten, den Gottesdienst lebensnah zu. gestalten. — Alire Cohn gal» uns einen geschichtlichen Ueberblick über die Stellung der „Frau im Judentum". Der zweite Teil des Bvrtrags mußte leider verschoben werden. — lieber „Die Arbeiterkulturausstellung Breslau 1030" referierte Hans Hammer unter besonderer Berücksichtigung der sich aus ihr ergebenden prin zipiellen Fragen. — Am 18. November veranstalteten «wir einer sehr erfolgreichen Werbenachmittag, bei dem «eben vielen Einzeldarbietungen ein modernes Hörspiel, von allen. Gruppcnmitglicdern gespielt, aufgeführt wurde. — Heinz Silbermann zeigte uns in einem ausführlichen Vortrag die Widersprüche im Wirtschaftsprogramm des „Nationalsozialismus". — Eine sehr rege Aussprache gab es bei dem aktuellen Referat von Hans M. Danzigcr: „Die Stellung der Jugend zum Religionsunterricht". — Im Anschluß an die Weihestunde sprachen wir auch in der Jüngeren Gruppe über die Reformgemeindc. — Besonders wichtig und aufschlußreich gerade Mr unsere neuen Mitglieder war der Vortrag von Ruth Honigbaum über „Liberales und orthodoxes Judentum".; Breslau. (I li' Iün 4 stcu - G ruppe.) Unsere Veranstaltungen in den letzten Wochen waren mit den Vorbereitungen zum Chaimkah- Fest der Gruppe ausgefüllt. Daneben fand man noch Zeit zur Aussvrache und zum Lesen einiger Bücher. Das Chanukah-Fest am 21. Dember hatte für uns besondere Bedentuug, da es die erste größere ranstaltung war, mit der sich die Gruppe au die Oeffentlichkeit :gte. Nach der Lichterweihc hielt Erich Vulkan die Bcgrüßungs- . spräche. Aus dem reichhaltigen Programm sei besonders das ausrestlich von Mitgliedern der Jüngsten Gruppe gespielte Chanukah- ^.Zspiel hervorgehoben. Im Verlauf der Veranstaltung würdigte Herr Rechtsanwalt Spitz in herzlichen Worten die Arbeit der Gruppe. Das IN-Programm LerN». Semeinsa«« VermestiUv»-« D-isaerstag, de» 8. Januar, abends 8 Ahe, »m vortragsfaol der SyKagoge Fasanenstraße. Referat: Rodhiner Dr. Le» Bseck: Jugend »ud Religion. A eitere» gruppe: Donnerstag, den 15. Januar, abends 8 Uhr, bei Ellen Littmann, Reue Kantstratze 6. Thema: Moses Mendelssohn. Paukow-Ostea. Mittwoch, den 14. Januar, abends 8.15 Uhr, bei Ilse Cohn, Schönhauser Allee 132. Thema: Grundlagen der Philosophie. O1i»a trat NkU'Lharlotteabvrs. Montag, den 5. Januar, abends 8 Uhr, bei Eva und Adolf Marcuse, Friedenau, Taunrisftratze 23. Thema: Die Mehrwerlstheorie. Hermsdorf. Ausflug am Sonntag, dem 4. Januar; näheres wird in der Kruppe besprochen. Hermsdorf (KSfengruppe). Donnerstag, den 8. Januar, nachmittags 6 Uhr, Heimabend im Heim, Albrrchtstraße 10. Breslav. Hanptgruppe: Mittwoch, den 7. Januar, 20.15 Uhr, Jugendheim: Bortrag von Fran Paula Ollendorff: „Große Pcrfönlichleiten im Sinne der Religion". Jiingeren-Gruppe: Dienstag, den 6. Januar, 16.30 Uhr, Jügrndheim: „Das neue Buch". Jiingsten-Gruppe: Montag, den 5. Januar, 16 Uhr, im Jugendheim. ★ BÜCHERSCHAU * Salomon Dembitzer: „Bummler und Bettler“. Axia-Verlag- Bertin. Dieser Salomon Dembitzer scheint ein merkwürdiger Kaiuz zu sein. Von Beruf oder Berufung könnte er ebenso gut ein amerikanischer Milliardär wie ein ostjüdischer Hausierer sein. Vielleicht auch besteht eine Personalunion beider, insofern dieser erst m jenem ward. Jedenfalls kennt er sich aus in der Skala menschlicher Abstufungen vom kosmopolitischen Müßiggänger an bis zum profesionellen Bettler und hat die Relativität aller menschlichen Begrenzungen, insbesondere aber der Beziehungen der Menschen untereinander sehr wohl erkannt, so daß für ihn die Bummler der großen Welt und die Bettler verrufener Viertel ziemlich gleiche Straßen ziehen und mitsammen durch das Ziel einer letzten und endgültigen Resignation gehen. Unter allen Umständen aber weiß er unter beiden Kategorien, sofern er sie nicht gar miteinander verschmelzen Und ineinander aufgehen läßt, interessante Typen auszuwählen und zu gestallten. Alle meistert er sie: den millionenschweren Vaganten, der aus lauter Ueberfluß und Ueberdmß des Lebens zum Misanthropen und Philanthropen gleichzeitig wird, indem er sein Geld ohne Ansehen der Personen und Zwecke unachtsam über die Erde streut, den philosophischen Bettler und Trunkenbold, der wohl dereinst auch auf den Höhen der Menschheit wandelte, und der die salomonische Weisheit des Wortes „Alles ist eitel und hascht nach dem Wind“ restlos in sich aufgenommen hat und verkörpert, die namenlosen Niemande, die in anonymen Hotelzimmern sterben, der eine, ein Hoi m lieh er Krö»ue, mit Millionen werten in den Taschen, im Palace Hotel, aber auch in letzter Stunde einsam, nur von fremden Hotelgästen und Angestellten betreut, der andere ein echter "Bettler, Professional der Armut von der Wiege bis ztira Grabe, in einem Hafen« Wirtshaus, wieder nur zwischen Fremden dah-imscheidend.. . und uiaqft die Fräuen. Die Frauen sind .bei Dembitzer ein Kapitel für sich und wohl nicht eben das Uninteressanteste. Die Männer bei Dembitzer handeln fast alle .mehr oder weniger nach dem Worte: „Die Welt verachten, Sich selbst verachten, verachten, daß man verachtet wird.“ Die Frauen aber, gleichviel ob die Gattin des reichen amerikanischen Seidenfabrikanten oder die slawische. Blumenverkäuferin, von ,Pren.. »Nam und Art“ niemand, keiner weiß, oder aber die käuflichen Dienerinnen der Liebe, ohne merkliche Wesens* unterschiede: animalisch, vegetativ, jedenfalls kaum zu der Gattung des „homo sapiens“ gehörig. Triebwesen, jenseits von Gut und Böse. Vielleicht schreibt sich der nihilistische, leicht anarchistische Zug, der allen Gestalten Dembitzers das charakteristische Gepräge gibt, von der Erfahrung her, die in seinem Buche zwischen den Geschlechtern obwaltet. Etwas Sehnsüchtiges, Gläubiges, Greifendes bei den Männern: etwas Weichendes, Fliehendes, Zerflatterndes und Zerfließe des bei den Frauen. Der Rest ist Schweigen. Abentetfer, Sturz ins Chaos bei den Frauen, endgültiger Verzicht, lautlose* Entsagung bei den Männern;. Und, am Ende steht ein Reigen „schweigender Bettler“ uni das schöne Wort von Kurt Münzer zu gebrauchen mit erschöpften und todestraurigen Augen vor uns, auf allen Lippen die ewige Frage: cui bono? Salomon Dembitzer hat in einem kleinen Buch ein Großes vollbracht: er hat all' jenen, denen kein Gott gab, zu sagen, was sie leiden, die feurigen Zungen seiner eigenen aus Menschenliebe und Gotteskindschaft geborenen Beredsamkeit geliehen. Und er hat uns reicher gemacht, indem er uns das Wissen um all jene schenkte, von denen der Belgier Maeterlinck geschrieben hat: „Das Schweigen ist der Schatz des Armen.“ Doris W i 11 n e r. Literarische Vornotizen. Ein neues Werk der Akademie: Die Statistik der Deutschen Juden. Von Professor Dr. Heinrich Silbergleit. Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums fährt trotz der Schwierigkeiten der "Wirtschaftskrise fort, der Oeffentlichkeit die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten darzubieten. Nach den bekannten Publikationen aus der Geschichte, der Philosophie und der Literatur der Juden erschien soeben im Akademie-Verlag das erste Werk ihrer Sektion für .Statistik, das von allen bevölkerungs- oder kulturpolitisch Interessierten seit langem sehn liehst erwartet wird. „Die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reiche“, I. Freistaat Preußen, lautet der Titel des stattlichen Großquartbandes, der Professor Dr. Heinrich Silbergleit, Direktor a. D. des statistischen Amtes der Stadt Berlin und Mitglied des Internationalen Statistischen Instituts, zum Verfasser hat. Die amtlichen Materialien des Preußischen Statistischen Landesamtes liegen dem Werke zugrunde. Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden, die Gemeinde Berlin und andere Großgemeinden haben erhebliche Opfer für die Zusammenstellung dieser Materialien gebracht, die größten allerdings die Akademie selbst mit der redaktionellen und publizistischen Leistung. Vereinsnachrichten Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise, Berlin N. 24, Auguststraße 17. Unsere. Sprechstunden: Auguststraße 17, Telephon' D 2 Weidendamm 5936: Änaben: Dienstag und Freitag von 10—1 Uhr; Mädchen: Montag und Donnerstag von 10—1 Uhr. Fasaueustraße 79, Synagogengcbäude, Telephon: I 1 Bismarck 714: Knaben und Mädchen: Donnerstag von 3—6 Uhr. Für Schüler Auguststraße 17: Enaben und Mädchen: Montag, Dienstag, Mittwoch nachmittags von —5 Uhr. Wir suchen noch Handwerkslehrstelleu! Jüdische Arbeitgeber meldet jede frei werdende Lehrstelle der jüdisch!.'», Berufsberatung. Arbeitsgemeinschaft jüdischer Arbeitsnachweise, Abteilung: Berufsberatung, Berlin N. 24, Auguststraße 17. Telephon: D 2. Weidendamm 5936. Religiöse Vortragsfolge Am Sonntag, den 4. Januar, vormittags 1V(2 Uhr spricht im Ingeniums, Kleiststrasse 10, Herr Rahhiner Dr. Lazarus-Wiesbaden über Einkanlsvereinignnjg von © 111* 11 f sichert den angeschlossenen Waren- und Kaufhäusern, Textilgeschäften und Einheitspreisgeschäften höchste Leistungsfähigkeit. I- Möglichkeit zur Umstellung Vor und nach dem Vortrage: Chorgesang. Eintritt frei. Vorstand der Jüdischen Gemeinde und zur {wruiidmig neuer Existenz gegeben. An der Knaben- und der Mädchenmittelschule der jüdischen Gemeinde sind die Bektorstellen zum 1. April 1931 zu besetzen. Für die Leitung der Mädchenmittelschule kommen auch Lehrerinnen in Frage. Bewerber, die im Schuldienst größerer Anstalten Erfahrungen besitzen, wollen ihre Meldung mit ausführlichem Lebenslauf und Zeugnissen bis zum 15.1.31 an uns einsenden. Berlin, den 23. Dezember 1930, vorst. dar ionischen aemeinde zu Berlin. Verein fir Feuerbestattung tu Berlin von 1874, e. V. WM. kMteslM« FMMrfc««tottue AnaaboM W JS, LMjawttaal« «4, Triefe«: LBm« riO-M WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNST 8. WEISS Anfragen unter Nr. 3358 an die Expedition dieser Zeitung Aufruf! Helfende Menschenprtieht veranlaßt die Unterzeichneten dieses Aufrufes, sämtlich christlich, evangelischer Konfession, einem unverschuldet ins Unglück geratenen jüdischen Mitbürger, tüchtigem Kaufmann ans alter hiesiger familie, durch einen Appell um edle Spenden an gutbemittelte Menschen Insbesondere jüdischen Glaubens hemnzutreten und helfend zur Seite so stehen, nm ihm seine Existens zu erhalten bzw. wieder aufzubauen, Nach Einsicht und Prüfung der Unterlagen hat der Genannte nicht allein unverschuldet hohe Verluste erlitten, sondern einer geradezu unglaublichen Zinsbelastung sein und seiner Ehefrau Vermögen fast restlos geopfert. Er steht z. Zt. mit seinen Gläubigern in Vergleichsverhandlungen. Wir kennen den Fleiß, die Arheitsfreudigkeit, Tüchtigkeit und Sparsamkeit des betreffenden allgemein geachteten Ehepaares, und deshalb wollen wir mit unserer Bitte an die öffentliche Wohltätigkeit die Solidarität mit unserem jüdischen Mitbürger gana besonders hervorheben. Wir bitten daher alle diejenigen, die unseren Appell unterstützen wollen, Gaben auf das Postscheckkonto des Herrn Oberlehrer O. Dauber, Odenbach, anter Nr. 6087 beim Postscheckamt Ludwigshafen a. Rhein mit der Bezeichnung „Nothilfe“ gtitigst einvasenden und werden von hier aus die Beträge an den jüdischen Mitbürger ausgehändigt und den Spendern selbst durch diesen gedankt. Odenbacll, im November 1930. GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERUN-WEISSENSEE LOTHRINQERSTR. 8 - TELEPHON: WBISSENSEE 407 Der I. Bürgermeister: gez. W&ll&uer. Die Schulleitung: Der ev. Ortepfarrer: ge». O. Dauber. gez. Pfr. Wolfram. Malerarbeiten Renovierung von Wohnungen, Gresehäftslokalen, Treppenfluren und Fassaden. Robert Gutheim Berlin W 50 Kulmbacher Strasse 7 Bo Barbarossa 6260 Den bedeutendsten internationalen HODSPOSSDIl ORti HUSSt8liDAStHI Akademische sprächen-Dienst Berlin KW 7. Friedrichs«*. ISO ll (EcKeDormwMtr.) Fernsprecher: A 4 Zentrum 5457 j Bürozeit: 9—21 Uhr seine bewährten uebersetzer und Dolmetscher für 44 Fremdspracucn zur Verfügung. Leiter: lg»« L FlOCrShClm Erste in- und ausländische Referenzen aus Wissenschaft, Industrie, Politik u. Handel. ue&ersetzungen, sprachzirkel und EfnzeMinterricM Sciirilienreilieil.imrfüniDiinn mr aas liDerale Jüdenimn tl>. Grundlagen nod Ziele des reiyi-lilmleo Judentums von Dr. Joseph Norden-Elberfeld Preis Mk. 0.7S Bestellungen beim Verlag der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ Berlin SW 11 . Hallesche Strasse 1 an». ~ Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstraße 124 Julius Simon Kunstu. 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