Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 52 (24.12.1930)
- Date
- 1930-12-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sorgt hat, auch dem Menschen gegenüber nur Gedanken von Weisheit und Liebe hegen kann, selbftwe unfeine Wege für Menschengedanken ost unbegreiflich bleiben mögen. (Siehe den „Liebeswillen" Gottes als Motiv zu seiner Steinigung Hiobs.) Hiob ringt sich denn auch zu der Einsicht durch, daß man auf ein Begreifen der Wege Gottes ein für allemal verzichten müsse und daß trotz allem Schein des Gegenteils ein weiser und gerechter Sinn der Führung Gottes innewohnen könne. Gegenüber den Rätselndes Weltgeschehens, zumal solchen, wie sie Hiob zu bestehen hatte, und wie sie heute millionenfach zu multip lizieren si ub, fti&t es nur schmerzlichen Verzicht aus Erkenntnis. Diesen Verzicht, a u s g e d r ü ck t in i t dem ganzen sittlichen Pathos von Hiobs letzter Red e, sollte inan heutzutage, wo jed erinann sein, eigener Hiob s ch e i n t, möglichst allgemein wirksam verbreiten. In den drei GesprächSgängen, die Hiob mit seinen Freunden und Angreifern Eliphas, Bitdad und Zophar führt, sind in Rede und Widerrede die Probleme des Leidens, der Schuld, der Vergeltungslchre, des Gottesgerichtes oder des auf dem Frommen ruhenden Gottessegens, des Rechtes und der Gerechtigkeit mit dem Höchstausgebot biblischer Dialektik erörtert. Die an vierter Stelle stehenden Reden Elihus dür,en wohl mit Fug als Apokryph angesehen werden, umsomehr, als auch die von diesem Redner ausgeftrochene Meinung, daß Hiob im voraus für die Zweifel gestraft weiden sollte, bereu er sich infolge seiner Heimsuchung und Leiden schuldig machte, der grundsätzlichen Tendenz der ganzen Dichtung widerspricht. Wenn die Exegese vielfach Hiob und seine Freunde als Nichtisraeliten gedacht wissen will, so vermögen wir uns dieser Auffassung nicht anzuschlicßen, da insbesondere am Ausgange der Dichtung Jahve selbst, also der Gott Israels, sich in hinreißendsteit Reden manifestiert. Wer heute unvoreingenommen, insbesondere auch ohne starke religiöse Bindungen, das Buch Hiob liest, wird aus der Lektüre vielleicht die Erkenntnis schöpfen, daß diese biblische Dichtung Heutezeitgemäßerund zeitgenössischer wirkt, als hunoerte und ab er Hunderte sogenannter Zeitromane und Zeitdramen. Die heiligen Bücher haben vielfach schwere, besremoliche und scheinbar unverdiente Schicksale nur innerhalb der nationalen Grenzen, o. h. aus dem Boden des Vollsganzen austragen lassen. Im Buche Hiob ist zum ersten Male der Anfang zu einer Individualisierung gemacht worden. Innerhalb der individuellen Grenzen aber konnte erst das Rätsel von der Ungleichheit in den Schicksalen der Menschen qualvoll durch gelebt nnd durch die S elbst besch ei düng und demütige Unterwerfung unter ein höheres Gesetz (nenne man es Gott, Natur oder Schicksal) gelöst werden. Millionen deutscher Menschen stöhnen heute unter den ihnen auferlegten Qualen, die von Jahr zu Jahr zugenommen haben. Viele Hiobs sind unter ihnen, d. h. viele, denen es dereinst erging wie dem Manne aus dem Lande Uz, von dem geschrieben steht: „Er war unsträflich und rechtschaffen, gottessürchtig und dem Bösen feind. Und es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter geboren, und sein Besitz 'bestand in siebentausend Schafen, dreitausend Kamelen, fünfhundert Joch Rindern, fünfhundert Eselinnen and einem sehr zahlreichen Gesinde, so daß dieser Mann alle Bewohner des Ostens überragte"; und'der doch, nachoem ihm Familie, Habe, Freunde und Gesundheit genommen worden, schmerzvoll erkannte: „EinKriegsdienstistdes Menschen LosanfErdcn, den Tagen eines Löhners gleichen seine Lebenslage. Gleich einem Sklaven, der nach Schatten lechzt, und wie ein Löhner, der seines Lohnes harrt, so Hab' ich Monde der Qual beschert erhalten, und Schmerzensnächtc wurden mir zugczähtt. Wenn ich mich niederlege, spreche ich: „Wann wcrd' ich ausstehen?" Es dehnt sich der Abend, und übersatt werde ich des Umhcrwersens bis zum Morgengrauen. Mein Leib umkleidet sich mit Gewürm und erdiger Kruste. meine Haut vernarbt und wird wieder flüssig. Meine Tage stiegen schneller als ein Weberschiff und schwinden hoffnungslos dahin." Unterwerfung unter eine höhere Gewalt (nenne man sie Gott oder Schicksal) ist die einzige und unteilbare Lehre des Buches Hiob. Hiob hat sich vermessen, mit Gott, den er für den Urheber seiner Bedrämpnisse hielt, zu rechten und hat vor dem Richterstuhl des Ewigen Gerechtigkeit geheischt. Bis er eingesehen hat, daß es menschliche Anmaßung ist, Gott zu einem Rechtsstreit hcrauszusordern und er darum in Staub und Asche bereut und erkennt, daß, man auf eist Begreifen der Wege Gottes ein für alle Mal verzichten müsse. Aus ein Begreifen der Wege Gottes, sagt der Fromme. Aus ein Begreifen des unersorschlichen Schicksals, nrag der iinfromme Laie sagen. Weder Gott, noch das Schicksal lassen s i ch b e r a u s f o c b e i* n, sich nach des M e n s ch e n Willen zu de u g e u. Zeder, der heutzutage mit der ernsten Absicht, sich belehren/ nicht bekehren, zu lassen, das Buch Hiob wieder einmal liest, wird daraus die sittliche Forderung ableiten, daß Auflehnung Hochmut bedeutet, Hochmut aber weder dem einzelnen Menschen noch, einem ganzen Volke geziemt.' ES ist an der Zeit — denn es ist Leids genug unter dem Volke — das B uch, Hiob als ein Buck, der Stunde i n Paläste und Hütte n z u tragen. Die Weisheit des Buches Hiob, mag sie um noch so viel Jahrtausende zurückliegen, ist in der heutigen Zeit stärker verankert denn je. Und es wäre wohl nnd nützlich an dem, wenn auch nur einer aus dieser zeitgemäßen Lektüre die Einsicht schöpfen wollte, daß man gegen die noch so schweren sozialen Nöte würdiger kämpft mit Demut als mit Hochmut, und daß in dein Kriege mit Hunger, Krankheit und Ausbeutung die Argumente von Stinkbomben, ILI Berlin Ei nladung zu dem am 8. Januar 1930, abends 8 Ulir, im Vortragssaal der Synagoge Fasanensti aüe, stattfindenden Vortrag von Rabbiner Er.üaecK Jugend und Religion Wir rechnen auf zahlreiches Erscheinen unserer Freunde und Mitglieder weißen Mäusen und Blindschleichen nichts verfangen, weil sie unwürdig sinddes menschlichen Geistes, der beseelt sein soll von dem Odem Gottes. In den Grabreden aller Konfessionen kehrt das Wort wieder: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt in Ewigkeit Amen." Das Wort des Mannes aus dem Lande Uz, als die ersten und schwersten Unglücksschläge ihn trafen. Wenn keine Gesinnung mehr hinter dieser in Tempeln und Kirche:: üblichen, Formel steht, so habe man den Mut, sie wegzulassen und sich nur und alle Zeit auf H ö chstsi ch selbst zu berufen! Man wird durch solche Hoffart weder der Macht Gottes, wie die einen, noch der Macht des Schicksals, wie ' die - anderen sagen, auch nur ein Gran Einbuße tun. Aber der Mensch, dem der Wille zur Unterwerfung unter ein höheres Gesetz ermangelt, wird dann vielleicht seinem eigenen Leiden noch die Selbstgefälligkeit der eigenen Verantwortung zuzngesellen wissen. Bevor jedoch Millionen von Menschen reis sind zu diesem äußersten Grade der Berank Wörtlichkeit, nochmals der Appell: das Buch Hiob, das Buch der Stunde in Paläste und Hütten/' Kirche und Krieg Vortragsabend der Deutschen Liga für Menschenrechte. Es war zweifellos eine ausgezeichnete Idee von der Mutschen Liga für Menschenrechte, einen Vortragsabend mit dem Thema „Kirche und- Krieg" anzusetzen und Vertreter der verschiedenen kirchlichen Bekenntnisse zu Referenten zu bestellen. Das Wort Kirche wird hier natürlich m der allgemeinen Bedeutung genommen: Kirche ist die offizielle Organisation einer Religion nnd der in dieser Religion geeinten Gemeinschaft der Gläubigen. Seit Beginn des sogenannten wissenschaftlichen Zeitalters befindet sich' ja die Religion in einer Krise, von der man aber vielleicht sagen kann, daß fie bis zum Jahre 1914 nur theoretischen Charakter trug. Seitdem aber bei Ausbruch des Weltkrieges der Glaube an die sriedenbringende, menschenvecbrüdernde Kraft der Religion — eine Kraft, die sich doch zu allererst ln dem Werten der Kirchen hätte .zeigen müssen — dadurch so schmählich enttäuscht worden ist, daß nicht nur allerorten Priester die Waffen segneten, sondern daß sogar die Kirchen politisch aufreizend und völkerverhetzend austraten, lvie sich besonders in Belgien und Polen zeigte — seitdem hat die Krise der Religion auch eine eminent praktische Bedeutung gewonnen, die für Deutschland noch besonders erheblich! wurde durcy> das Verhalten weitester Kreise der evangelischen Landeskirche gegenüber den nicht nationalistischen politischen Parteien und dem Pazifismus. Man darf also sagen, baß die Veranstaltung eines Vortragsabends mit dem oben gekennzeichneten Programm sozusagen in der Luft lag. Das zeigte sich auch in dem außerordentlich! starken Besuch!; der Plenarsaal des Reichs.virtschastsrates war derart ÜberMt, baß die Polizei viele Besucher .nieder nach Hause schickte. — Leider war die Ausführung der Idee nicht ganz so gut wie die 'Idee selber; den ersten Fehler machte bereits die Veranstalterin selber, ein zweiter wurde von zwei Referenten gemacht. Es war nämlich außer Vertretern wirklicher Religionsbekenntnisse noch, ein Referent als Vertreter eines sozusagen philosophischwissenschaftlichen Bekenntnisses bestellt worden: Pro,'. Tu Max Deri sprach als Monist, und es ist natürlich voll- Iwronen willkürlich und ungerechtfertigt, gerade nur den Monismus neben die Religionen zu stellen; am besten hatte man nur Vertreter der Religionsgemeinschaften sprechen lassen sollen, wollte man 'aber auch, philosophisch-wissenfck'astliche Bekenntnisgemeinfch asten zu Wort kommen lassen, so hätte nicht der Monismus allein, sondern es hätten noch weitere moderne Weltanschauungsbekenntnisse zugelassen werden müssen. T-ie Gleichstellung des Monismus, und des Monismus allein, mit den Religionsgemeinschaften wurde als ein Fehler in der Programmgestaltung empfunden. Man hatte nun erwartet, daß jeder der vier Redner die Stellung seiner Kirche zum Krieg erörtern und diese theoretisch an Hand des Schrifttums und praktisch an Hand des politischen Verhaltens seiner Kirche darstellen würde. T>as geschah aber lediglich, von zweien der vier Referenten. —- Herr Rabbiner Tr. Leo Baeck sprach nicht, wie man erwarten durfte, über „Judentum und Kriegs. Das Wort Judentum kam in seiner Rede überhaupt nicht vor, sondern er hielt einen ethisch außerordentlich hochstehenden, aber dennoch ganz allgemeinen Vortrag über Kriegsbegeistcrung und Friedensliebe. In dieser Zeit, da der Pazifismus zum Teil Modeschlagwort geworden sei, müsse daran erinnert werden, daß für viele in den engsten Alltagskreis eingespannte Menschen der Krieg eine Befreiung aus der Enge, eine Illusion und also ein Ideal sein könne und dies auch 1914 gewesen ist. Andererseits gäbe es auch eineu Pazifismus der Saturierten. Beides sind falsche Ideale, die besiegt werden müssen durch die Aufstellung des echten Ideals der sozialen Gerechtigkeit, wie es die Religion lehrt. — Pater Straatmann sprach für die katholische Kirche. Er führte aus, daß 'Christus kein politischer Pazifist gewesen sei, d-aß sich auch in den Evangelien für den politischen Pazifismus keine Unterlage findet, daß aber natürlich der Geist des Krieges dem der Evangelien radikal entgegengesetzt ses und daß dementsprechend gerade während des Weltkrieges der Papst Tag und Nacht für die Beendigung des Völkermordensich eingesetzt habe. — Pfarrer Dittmann sprach für den Protestantismus und« nahm ebenfalls die Evangelien zum Ausgangspunkt seiner Ausführungen, verwies aber auch auf die alttestamentlichen Prophetenstellen gegen den Krieg. Er erörterte dann die verschiedenen, teils nationalistischen, teils pazifistischen Strömungen innerhalb der evangelischen Kirche und lehnte Antisemitismus, Nationalismus und Militarismus als unchristlich ab. — Professor Tr. Max Deri hielt wiederum nicht das vom Publikum erwartete Re-- Für das jüdische Kind Aufruf. längerer Zeit schon stehen für jüdische Kinder jüdische Pslegestellen, die von unseren Vertrauenspersonen geprüft sind und dauernd überwacht werden, in ausreichendem Maße zur Verfügung. Trotzdem erhalten wir ost die Meldung, daß jüdische Kinder in christlichen Pflegest el len untergebracht sind. Im Interesse der jüdischen Geineinschast und kraft unserer Verantwortung für verlassene jüdische Kinder bitten wir dringend die jüdischen Gemeinden und Wohlsahrtsinstitutionen, ihre Schützlinge, für die fix sorgen, sofort in jüdische Pflegeftellen zu geben. Für das Kind ist es wichtig, frühzeitig in jüdische Umgebulig zu kommen, da die Eindrücke der Kindheit am nachhaltigsten wirken. Und es ist eine Härte, der von vornherein vorgebengt werden kann, wenn christlichen Pflegoeltern das Kind, das s ie betreut und liebgewonnen haben, nommen wird. Bringet die Kinder deshalb von Anfang an in jüdische Pflege! Wenn das von einer jüdischen Pslegeftelle geforderte Pslegegeld höher ist als der von den Behörden bewilligte Pslcgesatz, muß die Differenz von jüdischer Seite aufgebracht werden. Nur dann kann den verlassenen jüdischen Kindern Aufnahme in einer jüdischen Familie und jüdische Erziehung gewährleistet werden. Die jüdische Gemeinschaft ist heute schwer bedroht. Es ist die Pflicht aller, sie in ihrem Bestände zu erhalten. Opfer dürfen nicht gescheut werden. Wer für verlassene jüdische Kinder sorgt, sichert damit die Zukunft des Judentums. Zentralstelle für jüdisches Pflegestellenwesen und jüdische Adoptionsvermittlung, Jüdischer Frauenbund E.V., Elberfeld. Die Zentrale für jüdisches Pflegestellenwesen und jüdische Adoptionsvermitklung, Elberfeld, hatte die rheinisch-westfälischen VermittlungS- und Vectrauensstellen am Donnerstag, dem 13. November 1930, in die Düsseldorf-Loge zu einem Schulungs-Nachmittag eingeladen. Tie Düsseldorfer Frauen hatten m liebenswürdigster Form die Bewirtung der Gäste übernommen. Aus 15 verschiedenen Städten waren die Vertreterinnen gekommen. Ferner erschien Herr Landesrat Dr. Saarbourg als Vertreter des Landeshauptmanns, Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, .Herr Dr. Berges Frankfurt a. M., und Herr Direktor Plato, Köln. Ganz besonders erfreute die Anwesenheit Bertha Pappenheims. Frau Samuel bemerkte in ihrer Begrüßungsansprache: Wir haben nicht zu einer Besprechung, sondern zu einen: Schulungsnachmittag eingeladen. Wir alle wollen lernen, wollen in Betracht ziehen, die in Frage kommenden sozialen Gesichtspunkte, die juristischen Gesetze, wollen für uns die ärztlichen Erkenntnisse auswerten, wollen auch lernen aus der Erfahrung. Wie stark der Wunsch ist, nicht stehen zu bleiben, sondern zu lernen und neue Wege zu suchen, bewies die große Teilnehmerzahl und die lebhafte Aussprache, bewies aber in erster Linie unsere verehrte Bertha Pappenheim, die die Reise von Frankfurt nicht gescheut hatte, um prinzipielle Fragen, die sie bedrückten, zur Aussprache und möglichst zur Klärung zu bringen. Zuerst nahm die Fürsorgerin der Zentrale, Fräulein Schiss, das Wort zu ihrem Referat: Einzelerfahrungen im jüdischen Pflegestellenwesen. Das Angebot an Pflegestellen ist größer als die Nachfrage. Es liegen Pflegekindermeldungen fast nur aus Rheinland nnd Westfalen vor, während Adoptivkindermeldungen aus dem ganzen Reich einlausen. Es liegt daher ein Antrag vor, die Verbindung mit den Landesjugendämtern im Reich durch die Provinzialverbände des J.F.B. intensiver zu bearbeiten. Die Rednerin ging dann auf die Schwierigkeiten ein, die sich bei Unterbringung der Kinder in Pslegestellen ergeben. Die behördlichen Pfleg esätze sind für die Unterbringung eines Kindes in einem rituell geführten Haushalt zu gering. Es ist schwierig, einen Zuschuß von den zuständigen jüdischen Stellen zu erhalten. Nach der Unterbringung überwacht die Zentrale das weitere Schicksal des Kindes. Ganz ferar „Monismus und Krieg", sondern er warf die Frage auf, warum die Kirchen allezeit mit den kriegführenden Staaten gegangen seien, und setzte sich dabei kritisch mil den .Kirchen auseinander. — Tie Objektivität gebietet es sestzWiellen, daß Tr. Baeck und Dr. Deri besonders starken Beifall fanden, doch darf auch gesagt werden, daß der Versammlungsleiter, der bekannte Schulreformer Dr. Kawerau aus die Programmwidrigkeit der Dr. Terischen Rede hinwies, weil er als letzter Redner gegen die vier anderen polemisiert hatte, die damit nicht gerechnet hatten und auch nicht mehr erwidern konnten. — Zum Schluß referierte Reckt sanwalt Dr. Mfred Apfel über den George Gros--. Prozeß; seine hochinteressanten und temperamentvollen Mitteilungen wurden mit größtem Interesse ausgenommen. ~@rr grift auch auf den Hauptteil der Veranstaltung zurück und bedauerte es, daß keiner der Redner auf das eigentliche Kernproblem eingcgangen sei, auf die Frage nämlich, ob es berechtigt sei, wenn die Allgemeinheit des Volkes empfindet, daß die Religionen während des Weltkrieges versagt haben. — Es steht'zu wünschen, daß dieseZ Thema — vielleicht wieder von der Deutschen Liga für Menschenrechte — zum Gegenstand einer Diskussion gemacht wird; allerdings muß man fragen, ob eine Volksversammlung der geeignete Rahmen für eine derartige Diskussion ist, denn es hat sich an diesem Abend wie so oft gezeigt, daß die Versammlung doch immer nur dann Beifall klatscht, wenn der Redner das sagt, was die Menge hören will. Tie Idee als solche aber war gut, und trotz aller Bedenken im einzelnen wollen wir der Liga dankbar sein, daß sie uns innerhalb ihrer auch sonst so segensvollen Tätigkeit auch diesen Abend schenkte. George Goetz. Licht und Volk Uraufführung einer südifchen Lehrkantote. Am 16. Dezember 1930 fand im überfüllten Musensaal in Mannheim die Uraufführung einer Lehrkantate von Dr. Max Grünewald, Musik von Hugo Adler, statt. Es handelt sich um den Versuch, einen geschichtlichen Stoff in festlichem Rahmen darzustellen und zu verlebendigen. Dem Dichter des außerordentlich wohlklingenden, angenehm untheatralischen uns unfentimentalen Textes ist es gelungen, durch die Neusormung