Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 51 (17.12.1930)
- Date
- 1930-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Jahrgang Nummer 51 Wisch-llberale Zeitung Beilage 17. Dezember 193V Nach den Wahlen Zionistische Phantasie« In der Jüdischen Rundschau wird zur Zeit in jeder Woche ein neuer Grund sür den liberalen Wahlsieg entdeckt und im Anschluß daran klargelegt, weshalb die eigentlichen Sieger nicht die Liberalen, sondern die Bolksparteiler sind. In der vorigen Woche war hier schon darauf hingewiesen worden, daß der derzeitige zionistische Vorsitzende der Gemeinde, Herr Kareski, sich dabei zu folgender interessanter Entdeckung verstiegen hatte: „Wenn auch durch das Zur- Urne-Schleppen von völlig ahnungslosen alten Leuten, Äustrittlern und sogar von Getauften der Prozentsatz unserer Sitze in der Repräsentantenversammlung diesmal nicht gesteigert werden konnte, so bedeutet die Wählerziffer einen weiteren Anstieg unseres Einflusses auf die Berliner Judenheit und daher ein weiterer erfolgverheißender Schritt aus dem Wege zur Durchsetzung unserer Forderung." In der folgenden Nummer der Jüdischen Rundschau findet sich nun im Leitartikel eine neue Entdeckung. Wörtlich heißt es da: „Der Wahltag selbst war geradezu eine Orgie der Ostjudenhetze. Viele unserer Freunde, die Rundgänge durch die einzelnen Wahllokale unternommen hatten, kamen mit dem Eindruck zurück, daß sozusagen „ein liberaler Pogrom" auf die Ostjuden vorgenommen wurde." Wir halten es für überflüssig, auf derartige Unsinnigkeiten sachlich einzugehen. Wir wollen hoffen, daß sich die Fieberphantasien zionistischer Kreise bald zerstreuen, und daß dann die Zionisten die Dinge so sehen lernen werden, wie sie sind. Dann werden sie unschwer erkennen können, daß die Mehrheit der Berliner Juden die zionistischen Bestrebungen ablehnt, und sie werden auch nach der Wahlniederlage etwas mehr Würde zu bewahren wissen. Tlamensmißbrauch? . Von der Jüdischen Voikspartei war kurz vor dem Wahltag ein Aufruf der volksparteilichen Liste veröffentlicht worden, der zahlreiche Ueberschristen trug. Nunmehr gehen über das Zustandekommen der Unterschriften die eigenartigsten Gerüchte um. Wir würden die Angelegenheit hier vorerst mit Stillschweigen behandelt haben, wenn uns jetzt nicht Herr Oberkantor Magnus D a v i d s o h n in einer Zuschrift um Veröffentlichung der Feststellung bitten würde, daß er seine Zustimmung zur Unterzeichnung seines Namens unter einen Aufruf nicht gegeben hat. Wir wollen uns einstweilen mit der Wiedergabe dieser Feststellung begnügen in der Erwartung, daß die Jüdische Rundschau, die den mit Namen Unterzeichneten Aufruf veröffentlicht hat, dazu die erforderliche Aufklärung geben wird. Wahlproteste Wie wir aus dem Berliner Polizeipräsidium erfahren, kann zur Zeit eine Bestätigung bex- Wahlergebnisses noch nicht erfolgen, da zahlreiche Proteste gegen die Gültigkeit der Wahl eingegangen sind. Diese unterliegen augenblicklich noch der Prüfung des zuständigen Sachbearbeiters. Da das Wahlergebnis aber eine völlig eindeutige Sprache spricht, ist zu hassen, daß den Protesten nicht stattgegeben werden, und daß die durch die Proteste verursachte Verzögerung nur von kurzer Tauer sein wird. :: * Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Scmiftleiumg iehu gesetzliche söcraasn-iniung. uch cu Brief an die Juden in A. S. A. Grauenhaft ist die Welle der Unzufriedenheit, der Not und der Verzweiflung, die über die Erde geht und alle Teile der Welt, alle Kontinente, alle Kreise der Menschheit ersaßt hat. Die Situation in ihren Merkwürdigkeiten und im Widersinn ihrer Auswirkungen droht nicht nur materiell, sondern darüber hinaus seelisch und moralisch die menschliche Gesellschaft zu zersetzen. Das schlimmste Gespenst der Katastrophe und des Niedergangs, die Arbeitslosigkeit, die Verelendung weiter Volksschichten, eine .Krise der Massen, — wirft alle Vernunft über den Hausen. Parolen mit den wahnwitzigsten Inhalten erschüttern und erfüllen die Tage. Es ist nichts mehr zu verlieren, - und darum wird mit der Oberflächlichkeit eines unübersehbaren Zusammenbruchs alles riskiert. In Deutschland tobt sich die Orgie des NaLionalsozialismns ans, jene Erscheinung, die in den Inden und in allein, was auch nur irgendwie mit Judentum zusammenhängt, den tiefsten Urgrund für das Elend sieht. Der deutsche Jude, den der wirtschaftliche Niedergang unbarmherzig und hart getrosten hat, - er gehörte zum überwiegenden Teile dem Mittelstand an, der nicht mehr existiert, findet sich vor einem Scherbenhaufen. Anwürse und Verdächtigungen unsachlichster und beschämendster Art prasseln aus ihn herab. Nicht den verzweifelten Massen, die hinter den Schlag- Worten ihrer Führer herlausen, ist die Schuld an dem Tiefstand dieser allgemeinen Verhetzung zuzuschieben. Die latente Not gehört zu den Faktoren, die blind, ungerecht, irre machen. Der lauteste Kampfruf der Massen gilt der Auflehnung gegen die Tribute, — jene Zahlungen, die in die Milliarden gehen, die auf Jahrzehnte hinaus festgelegt und unter dem Namen „Reparationen" im Munde der Gegenwart sind. „Die Juden" seien die Urheber dieser Tribute.... Und die amerikanische Hochfinanz stecke hinter diesen Zahlungsplänen.... Ten bizarren Anschauungen und' wirtschastspolitischen Stümpereien der deutschen Hitlerianer folgen wir nicht im geringsten, und der sogenannten Rücksichtnahme auf die Radaumethoden jener Anbeter der Gewaltprinzipien sind wir keinen Augenblick verdächtig, — wenn wir trotzdem jetzt in aller Eindeutigkeit die religiös eingestellten Juden der U.S.A. zu einem Schritt ausfordern, der allen in Frage kommenden Instanzen des Reparationsproblems die Augen öffnet und sagen soll: Das Judentum der Welt verwirft heute, zwölf Jahre nach dem größten aller Kriege, d i e unerbittlichen Zahlungseintreibungen, die Milliarden und Milliarden, - und außerdem diese finanziellen Lasten, die Generationen tragen sollen, die weder am Ansbruch des Krieges, noch am Geiste seiner Führung, noch an seinem Ausgang die mindeste Schuld tragen! Die Menschenmassen, die Proletarier in allen Staaten verkommen in ihrer Not, - und da ruft das religiöse Judentum sein Nein hin aus! Von den Völkern darf nicht länger der letzte Groschen erpreßt werden! Warum wir uns gerade an die Juden in U.S.A. wenden? Nicht etwa, weil wir im Jargon unserer National sozialisten — glauben, daß die Juden in U.S.A. die „Eintreiber" der Tribute seien oder gar den „Nutzen" der Tri bute hätten! Nein! — Aber Amerika ist das Land, dem die ganze Welt verschuldet ist, und auf dessen Gesten die Augen aller Erdteile gerichtet sind, warten und warten... Die Inden in U.S.A. besitzen ihre großartigen religiösen, sozialen, ethischen Verbände und Organisationen. Sie stellen ein wertvolles Element im kulturellen Leben Amerikas dar. Sie dürfen, sie müssen daher die Initiative zu dem ersten Ruf nach Streichung einer unmoralischen Zahlungsmethode finden, die — wenn auch nicht allein — doch zumindest einen großen Teil der Ursachen unserer gegenwärtigen materiellen und ideellen Zerrüttung ohne Zweifel enthält. Die Reparationsfrage ist nicht mehr eine politische, noch weniger eine wirtschaftliche allein, — sie ist eine ethische! Und da unsere Ethik ihre letzten Zusammenhänge im Jude- Sein hat, so ist diese aktuelle Frage eine religiöse! Die Religion hat zu fordern, daß über allen sogenannten Notwendigkeiten und über den viel gepriesenen Realitäten die Verwirklichung der Gerechtigkeit, des Friedens und der Wahrheit sichtbar wird. Ohne diese rückhaltlose Erkenntnis und ohne das daraus ausgenommene Bekenntnis wird der Weg immer weiter in den Abgrund fuhren! I. Raphael. Eine Kundgebung des Landesverbandes In der Zeit wirtschaftlicher Not undl größter Sorge um die Zukunft richtet sich'der Blick des Inden über die vier Pfähle seiner eigenen Familick und seiner Berufsarbeit hinaus ans die kleinen Gemeinden und deren ungeheure, dem Großstädter gar nicht zum Bewußtsein kommenden Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung von Gottesdienst und Religionsunterricht. Dank der Unterstützung aus Mitteln des preußischen Staates und der Opferfreudigkeit der dem Verbände angeschlossenen Großgemeinöen dursten wir bisher die kleinen Gemeinden in der sicheren Obhut des Landesverbandes geborgen wissen. Ten Lehrern dieser kleinen Gemeinden wurde durch! die gleiche Freigebigkeit des Landesverbandes der Besuch! von Bezirks- und Provinziallklhrerkonferenzen ermöglicht, Einrichtungen, die sie geistig förderten und durch die Stärkung des Gemeinsinns zu geduldigem Ansharren auf ihrem ach so wenig beneidenswerten Posten ermutigten. Tie Tagung war für diese Herren häufig der einzige Lichtblick im Kreislauf: ihrer mühevollen Jahre. Angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Not, welche die Gemeinden zur Herabsetzung ihrer Beamtengehalter zwingt, mußte erwartet werden, daß der Landesverband die Zuschüsse an die Kleingemeinden und die Beihilfen zu ben Lehrcrtagungen erhöht — es ist genug an der Verarmung: warum sollen Gemeinden und Lehrer nun auch der geistigen Not preisgegeben werden? Statt dessen richtet der Rat - lies: der Berbandsd'rektor — „an alle diejenigen Stellen, die sür die Veranstaltung von Tagungen in Frage kommen", d. h. die Lehrer verbände — denn nur diese können gemeint sein, da Frauenbund, Großloae, Ort, Ose und Hilfsverein hierzu keine Zuschüsse aus fremden Mitteln erbitten - die dringende Mahnung, diese Tagungen zu nnterlaison oder „auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben". „Jüdische Verbände seid sparsam!" Als der Staat seiner Beamtenschaft das Notocher des socksvrozentiacn Gehaltsabbaues auferlcgte, verzichteten die höchsten Beamten sofort freiwillig ans zwanzig Prozent ihrer Bczüech. Ueber ein ähnliches Opfer beim Landesverband verkantet nichts! Ter Hera Verbandsdirektor, von der Berliner Gemeinde zur Geschäftsführung des' Landesverbandes „beurlaubt", — hat bisl jetzt noch nicht den Willen kundgegeben,' auf zwanzig Prozent seines ansehnlichen Gehalts (man spricht von 2t 000 Mark!) i?u verzichten. Ebenso denkt er nicht daran, die Diäten der Ratsmitglieder (die ganz ungerechtfertigt sind für die in Berlin wohnenden Herren!) aust. znhcken bzw. bedeutend herabznsetzen. Das Argument von vielen Beamten jüdischen Glaubens, das der rituelle Haushalt größere Aufwendungen erfordert als der ihrer christlichen Kollegen derselben Gehaltsstufe, ist nicht stichhaltig, denn erstens führen viele Berwaltnngsbeamten keinen Tostberen Haushalt, schon deshalb nicht, weil sie in — Mischehen leben. Was vorn Landesverbände gilt, trifft auch auf die Großgemeinden zu. Tie durch den Gehaltsabbau erzielten Summen müssen der Ausrichtung zusammengebrochener Existenzen, der Arbeitslosenfiirsorge, Mittelstands- und Altershilse nutzbar gemacht werden. Aus der Herabsetzung der Oberbeamtengehälter werden ganz erkleckliche Beträge einkommen! Man hüte sich aber, mit der Gehaltskürzung etwa bei den Leich,enträgern und Handwerkern anzufangen! Bei der zu erwartenden Neuorientierung wird die Gemeindeverwaltung den „Doppelverdienern" unter den Oberbeamten etwas schärfer auf die Finger sehen, Extrazulagen nicht mehr Einzelnen, sondern — wenn überhaupt ™ dann allen Funktionären der betr. Kategorie gewähren. Wer sie besitzt, dem darf sie aber untei' keinen Umständen genommen werden: denn sie ist in dem Falle, an den ich' denke, vor allen Würdigen dein Würdigsten zuteil geworden. Also, lieber Landesverband: bitte keine Mahnung zum Sparen, sondern 'Herabsetzung dep großen Gehälter und Beseitigung der Diäten! Dafür erhöhte Beihilfen an Kteingemeinden und ihre Lehrer! Professor Tr. Eugen Wolde. Aus den Gemeinden Berlin. (R ep rä f c n t a nt e n v ers a m m l u ng.) Am vergangenen Sonntag trat die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeind« voraussichtlich zum letzten Male in der alten Zusammensetzung zur Beratung zusammen. Durch eine interfraktionelle Vereinbarung war verabredet, die mit den Wahlen in Verbindung stehenden Fragen nicht zu erörtern, sondern der neuen Repräsentanlenchrsammlung zu überlassen. Nachdem R.-A. Dr. Klee die Sitzung mit Nachrufen aus Prof. Schäfer und Frau Rabb. Warschauer und mit Begrüßungen der Mcpräsentanten Roscnthal zu seiner silbernen Hochzeit und Studiendirektor Gutmann zu seinem 66. Geburtstag eröfsnet und insbesondere die Persönlichkeit des Repräsentanten Herrn Pincus gewürdigt hat, der seit 25 Jahren ununterbrochen der Rcpräsentantenversammlung an- '' gehört, übernahm Gcheimrat Dr. I. Stem den Vorsitz, woraufhin die Versammlung einige Bewilligungen vornahm und die Beschluß-- sassung über andere vertagte. Im Mittelpunkt der Eröricrungen stand die Frage, durch welche Schritte die Gemeinde die wachsende Not unter der Berliner Judenheit lindern können. Es wurden zahlreiche Vorschläge gemacht, durch die insbesondere leerstehende Räume für Wohlsahrtszwecke zur Verfügung gestellt werden sollen. Ein Antrag Marcus, einen besonderen Notstandsausschuß einzusetzen und dem Wohlsahrtsamt weitere 50 000,— Mark sowie der Darlehnskasse weitere 20 000,— Mark zu bewilligen, fand einstimmige Annahme. Auf verschiedene Anfragen aus Kreisen der volksparteilichen Fraktion erklärte Herr Rechtsanwalt Stern, daß auch in Zukunft niemals Menschen, die im Ausland geboren sind, von der Jüdischen Gemeinde anders als die in Deutschland geborenen behandelt werden sollen. Zum Schluß ergriff der Vorsitzende, Geheimrat Dr. Julius Stern, das Wort, um sich nach ununterbrochener 30 jähriger Wirksamkeit teils als Vorsitzender des Vorstandes, teils als Vorsitzender der Landesversammlung, von den beiden Gremien zu verabschieden. Er nannte in Ehrfurcht die Namen seiner Amtsvorgänger und zeichnete ein Bild des Gemeindelebens in früheren Jahrzehnten. In dieser glücklicheren Vergangenheit war die Atmosphäre auch in der Gemeindcstube eine friedlichere. Er, der sein Lieben dem Dienste an der Menschheit gewidmet hat, konnte sich zu Parteigeist nie verstehen. Der Geist der jüdischen Gemeinschaft müsse der allein vorherrschende hier werden. Er hoffe auf die neue Jugend. Geheimrat Stern dankte den Repräsentanten sür kollegiale Mitarbeit und schloß mit dem Leitsatz aus der Mischna: „Die Welt ist gegründet auf Wahrheit, Recht, Friede." , Heinrich Stern würdigte die Leistungen derer, die nicht mehr in die Rcpräsentantcnversammlung zurückkehren, so u. a. die von M. A. Loeb, Frau Hamburger, Rabbiner Weiße und Frau Eschelbacher, Persönlichketten, deren Wirken in diesem Hause nur ein Teil ihrer jüdischen Wirksamkeit ist, und die ihre nun frei werdenden Kräfte der Gemeindte auf anderen Gebieten widmen werden. Zum Schluß nahm er bewegt Abschied von Emil Pincus und Gcheimrat I. Stern, die den Jüngeren stets als Vorbild dienen rverden. Dr. Klee huldigte den ehrwürdigen Gestalten Jnlius Stern und Emil Pincus. Emil Pincus nahm dann seinerseits Abschied von den Repräsentanten. Dir. Kareski sprach im Namen des Vorstandes Worte des Grußes an die Patriarchen dieser Versammlung und sagte ihnen Dank sür das Beispiel, welches sie. gegeben. Wir stehen, schloß er, am Ende eines Wahlkampfes. Es gelte jetzt, arme und zermürbte Menschen zu stützen und die Gemeinde hinüberzuretten in eine hellere Zukunft. Berlin. (K o n z e r t.) Die bekannte Sängerin Mirjam Janowski sang in ihrem Konzert im Hochschulsaal mit schöner Stimme und ausgefeiltem Vortrag eine Reihe jüdischer Volkslieder, von denen insbesondere die des in Amerika lebenden Dirigenten und Komponistsen Leo Low als Produkte eines feinsinnigen Musikers hervorzuheben sind. Max Janowski begleitete verständnisvoll und delikat. Dresden. (2 5 Jahre Dienst an der Gemeinde.) Die inner- und außerberusliche Beliebtheit San.-Rat Dr. Emil Zimmermanns, eines Vertreters der Altliberalen, rechtfertigte es, dieses sein „Dienstjubiläum" in einer besonderen F e st s i tz n n g des ®e.- meinderats zu begehen. Hierbei wurde ihm nicht nur unter Ueberreichung eines Bildes mit herzlichen Worten der Dank ausgesprochen, den ihm die Gemeinde sür die unermüdliche Arbeit schuldet, der sich San.-Rat Zimmermann seit langem zu ihrem Wöhle unterzieht, sondern auch der Hoffnung Ausdruck gegeben, die bewährte Kraft des Gefeierten in der neuen Periode noch viele Jahne der Leitung der Gemeinde erhalten zu sehen. San.-Rat Zimmermann gehört seit 1925 dem V o r st a n d an und tritt seitdem als Leiter des unter heutigen Verhältnissen außerordentlich schwierigen F i n a n z d e z e r n a t s im Gemeindcrat hervor. Hamburg. (R c p r ä s e n l a n t c n - K o l l c g i u m.) Die von dem bekannten Dichter und Pädagogen Dr. Jacob Löwenbcrg im Jahre 1802 übernommene und bis zu seinem Tode geleitete Rcalschuhe für Mädchen wird jetzt aufgelöst. Herr Dr. Ernst Läwcnberg, der die Schule nach dem Tode seines Vaters übernommen hatte, wird als Studienrat wieder an die Lichtwarck-Schule zurückgehen. Zwischen ihm und dem Vorstand der Gemeinde haben Verhandlungen stattgefunden, die den Zweck vcrsvlgten, die jüdischen Schülerinnen der Löwenbergschen Schule in die Mädchenschule der Gemeinde zu üfterführen. Die Gemeinde soll das Grundstück der Löwenbergschen Schule zunächst mietweise übernehmen. Die Gemeinde wird dann dorthin die Grundschulklassen verlegen. Der Vorstand hat dem Kollegium die in Aussicht genommenen Vertragsbestimmungen vorgelcgt, welche die Billigung des Kollegiums fanden. — Des Weiteren wurde die Verlegung der Bibliothek und Lesehalle, die unter der Leitung des Herrn Pros. Markon stehen und mit den ihr bisher im Gemeindehaus zugewiesenen Räumen nicht mehr auskommt, erörtert. Der Vorstand schlägt vor, der Bibliothek ein Stockwerk in einem der Gemeinde gehörigen Etagenhaus einzuränmen. Es handelt sich um ein Grundstück, das als Ganzes sür die Unterbringung des Pflegeheims in Betracht kam. Aus die hiergegen jedoch vom Repräsentantcn-Kollcgium geäußerten Bedenken ist dieses Projekt endgültig fallengelassen, so daß die Bibliothek in die zurzeit leerstehenden Parterreräume des Grundstücks übcrsiedeln kann. Die Räume sind groß genug, um auch das Büro der Kommission für die Fremd mp fl ege auszunehmen. Die für die notwendigen Renovationen erforderlichen Ausgaben wurden bewilligt. — Erwähnt sei, daß Herr Prof. Markon in diesem Winter eine Reihe von wissenschaftlichen Vorträgen, die die Gemeinde veranstaltet, hält. Der erste Zyklus behandelte die Strömungen im Judentum zur Zeit der Entstehung des Christentums. Die Vorträge fanden eine zahlreiche Zuhörerschaft: ein Beweis dafür, daß ein Bedürfnis für jüdisch-wissenschaftliche Borträge in der Gemeinde vorhanden ist. Ehe-- mals hat es in der Gemeinde einen wissenschaftlichen Verein gegeben, der sich dieser Ausgabe widmete. Dieser Verein ist aber vor Jahren eingegangen und nicht wieder ins Leben gerufen. Umso begrüßenswerter ist es, daß nunmehr derartige Borträge von der Gemeinde veranstaltet werden. — In dem jetzt beendeten Zyklus hat Herr Prof. Markon ein lebhaftes Bild über die Strömungen zurzeit des beginnenden Christen-- tums gegeben, das Wesen der drei Parteien, der Pharisäer, ller Saduzäer und der Essäer, anschaulich geschildert und die vorgetragenen Ansichten durch ein reiches Quellenmaterial begründet. Hattingen. (Friedhossschändung.) Aus.dem alten jüdischen Friedhof in Hattingen a. d. Ruhr, der im Mittelpunkt der Stadt gelegen ist, wurden 14 Grabsteine teils umgeworfen, teils voll« ständig zertrümmert. Es handelt sich um einen alten Friedhof, der seltener aufgesucht lvird, so daß der Zeitpunkt dieser Tat nicht feststeht.