Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 51 (17.12.1930)
- Date
- 1930-12-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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(S8 ist jedoch «ach verschiedenen Anzeichen anzunehmen, daß die Tat um die Zeit der ersten Reichs lagseröfsnuirg liegt. In Hattingen wurden für die Liste!der Nationalsozialisten 2880, für d-ie der Komununisten 2000 und für die der Sozialdemokraten 1600 Stimmen abgegeben, so daß ein gewisser Schluß naheliegt, ivelchen Kreisten die Täter angchören. Es wurde eine hohe Belohnung für die Ermittlung der Täter ausgesetzt, jedoch hat die Polizei bisher keinen Erfolg auf-- zuweisen. Jever i. O. (Jubiläum der Synagoge.) Die hiesige Gemeinde konnte das Jubiläum des fünfzilgjährigen Bestehens ihrer Synagoge unter Teilnahme der Mitglieder und auswärtiger Gäste festlich begehen. Der Synagogenchor umrahmte mit mehreren Gesängen den Festakt, in dessen Mittelpunkt die Predigt des Landesrabbiners Dr. de Haas, Oldenburg, stand. Die eindrucksvoll« Ansprache lehnte sich an das Bibelwort: „Wie ehrfurchtsvoll ist diese Stätte" an. Der Gemcindevorstcher, Herr Gröschler, hatte einleitend nach Begrüßungslvorten die Geschichte der Synagoge vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen lassen, und Lehrer Hartog ermahnt-e zur Erhaltung der alten Gebräuche und Melodien, die mit der Ge-- schichte der Gemeinde eng verwachsen seien. Kassel. (A i b e l a u s st e l l n n g in der Landesbibliot h e t.) _ Die hiesige Landesbibliothek hatte lürzlich anläßlich ihres 350jährigen Bestehens eine interessante Ausstellung wertvoller Bibeln veranstaltet, die von jüdischen und nichtjüdischen Besnchern mit lebhaftem Interesse besichtigt wurden. Ans dem 16. und 17. Jahrhundert waren Werke von Buxtorf, Munster, Athias u. a. als sehmstverte Originalwerke ausgestellt, Josef Athias war Holländer; seine Bibel ist für spätere Rezensionen vorbildlich geworden. Die Zahlenbezifferung der Verse tritt in diesem Werke erstmalig aus. Auch die Bibel des Baseler Professors der Theologie, 'des Ün'K'I)neu fünfter, verdient deshalb besonderes Interesse, weil si,e als ältestes hebräisches Werk mit lateinischer Ucbersetzung gilt, das der von Luiher benutzten Gersonschen Bibel ähnlich ist. Beachtung verdienten u. a. noch neben den polyglotten Bibelausg-aben die 1587 hergestellte Bibel des EliaS Hutter, die typographisch wertvoll ist, eine hebräische Uebecsctzung des Matthäusevangeliums mit lateinischem Kommentar und seltene Handschriften, die teilweise aus Syrien stammen und auf mancherlei Umwegen in den Besitz der Kasseler Landesbibliothek gelangt sind. Tie Bibeln und verwandle sehenswerte Werke wachn von Bibliothekar Dr. Grote in einer Spezialschnft eingehend getvürdigt worden. Zu den kostbaren Schätzen der Hebraica, die in der Landes^ bibliothck aufbewahrt werden, gehört eine seltene Talmudausgabe, dvc im 16. Jahrhundert in der Bombergschen Druckerei i» Venedig entstand und mit der im Britischen Museum vorhandenen hinsichtlich ihrer Reichhaltigkeit und Vollständigkeit verglichen lverden kann. Köln. (Rektor Cob 1 enz 70 Jahre alt.) Am 27. Dezember feiert Bernhard Coblenz, der bekannte Schulmann und allzeit furchtlose Vorkämpfer des religiösen Liberalismus, seinen 70. Geburtstag. Er hat von 1001—1025 die Städtische jüdische Volksschule zu Köln geleitet und diese größte aller deutsch-jüdischen Schule»« zu Ruf und Ansehen emporgefnhrt. Daneben entfaltete der Jubilar auf rillen Gebieten des jüdischen Lebens eine außerordientlich fruchtbringende Tätigkeit. Seine besondere Liebe hat immer der liberalen Bewegung gegolten, ihr war er und ist er heute noch ein hingebungsvoller Förderer und ein hervorragender geistiger Wegbereiter. Rektor Coblenz gehört seit Jahren dem Vorstand der Kölner Vereinigung für das liberale Judentum sowie dem Vorstand der „Gemeinschaft" an. Wir wünschen diesem stets tapferen und gütigen Manne, auf den stolz zu sein das Judentum allen Grund hat, noch viele Jahre ungetrübten Lebensglücks und ungebrochener Schaffensfreude. Langsdorf. (Persönliches.) In voller Gesundheit beging der ehemalige Vorsteher der Gemeinde, Hermann Klippstein, seinen 85. Geburtstag. Dreißig Jahre hat er die Interessen der Gemeinde mit Umsicht und Eifer vertreten, und mehr als 60 Jahre ist er ehrenamtlich als Vorbeter tätig gewesen. Von vielen Seiten ivurde der Jubilar geehrt und mit Aufmerksamkeiten erfreut. Plauen i. Bogtl. (R e p r ä s e n t a n t e II w a h l e n.) Am 7. Dezember 1930 fanden die Neuwahlen für 7 turnusmäßig ausscheidende Gemeinderatsmitglieder statt. Zufolge lebhaft betriebener Agitation war die Wahlbeteiligung stärker als in vergangenen Jahren. Die Israelitische Religionsgemeinde ist eine Bezirksgemeinde. Es haben sich an der Wahl etwa 65 <v0 der im Bezirk wohnenden Wahlberechtigte» beteiligt. Bon den in der Stadt Plauen wohnhaften Wahlberechtigten machten sogar 87 «ö von ihrem Wahlrechte Gebrauch. Gewählt wurden die Herren Markus Pohoryles, T. Rovinsky, Adolf Heymann-Oelsnitz i. B., Ernst Goldberg, Gustav Silberstein, I. Mylewski, 'Adolf Langgut; die beiden Letzteren als Stellvertreter. Die Mehrzahl der Gewählten gehören der liberalen Richtung an. Der Gemeinderat sietzt sich für 1931 nunmehr zusammen aus 12 Gemcindevcrocdneten und zwei Stellvertretern. — Bon den 12 Gemeindeverordnet«» besitzen 9 die deutsche Staatsangehörigkeit, von den Stellvertretern «einer. Nach der religiösen Einstellung der Gemeinderatsmitglieder herrscht die liberale Richtung, wie bisher, vor. — Unter der liberalen Leitung der Gemeinde wurde ein besonderer konservativer Gottesdienst neben einem schon seit Jahren unter Aufsicht der Gemeinde bestehenden chassidischcn Gottesdienst eingerichtet. Recklinghausen. (Einweihung eines Jugendheims.) Das neue Jugend- und Gemeindehaus ist kürzlich seiner Bestimmung übergeben worden. Die Feier trug ein schlichtes, aber eindrucksvolles Gepräge. Neben dem bauleitenden Architekten, dem Bauunternehmer, dem Vorstand und den Repräsentanten der Gemeinde nahmen Vertreter der Behörden an der Einweihungsfeier teil. Sanitätsrat Dr. Schoenholz, der Vorsitzende der Gemeinde, nahm den Schlüssel des Jugendheims vom Architekten Schwieters entgegen und dankte allen, die zum Bau des Hauses helfend mitgewirkt hatten. Stadtschulrat Ar. Hellcrmann überbrachte die Grüße und Wünsche der städtischen Behörde. Prediger Horwitz dankte den Behörden, die den Bau unterstützt batten, insbesondere dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, der größere finanzielle Mittel beveitgeftellt hatte. Ec wies auch auf den Zweck des Heims hin, die geistigen Kräfte aller Besucher zu wecken und sie im Dienste der Religion zum Heile für Volk und Vaterland zu stärken. Der Redner ließ seine begeistert anfgrnommenen Worte in ein Hoch auf die Stadt Recklinghausen ausklingen. Amtsgerichtsrat Dr. Stern sprach für den Jugendverein, und Sanitätsrat Dr. Lvivenstcin gedachte in pietätvoller Weise der Verdienste des verewigten Rechtsanwalts Bachrach. Die Herren Max Burin und I. Heumann richteten noch Worte des Dankes an alle, die beim Bau mitgearbeitet hatten. Das .Heim macht auf alle Besucher einen durch aus befriedigenden und erfreulichen Eindruck. Stuttgart. (R c p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Das Jsraekiti'cht' Vorstcheramt tagte am 10. Dezember in öffentlicher Sitzung. Referent der Finanzkommission Karl Levy berichtete über die Arbeit dieser Kommission. Zuwendungen, die eine ganze Anzahl von Vereinen jährlich durch die Israelitische Gemeinde bezieht, wurden in Höhe von von 50 Mark bis 500 Mark zur Bewilligung dem Plenum vorgeschlagen und von diesem bewilligt. Desgleichen »vnrde die Anschaffung einer Adressiermaschine in Höhe von 750 Mark, die auch den ortsansässigen Vereinen zur Benutzung zur Verfügung steht, genehmigt. Kostenvoranschläge für einige dringende bauliche Veränderungen bei d«?r Synagoge wurden eingcholt und sollen zur Ausführung kommen. Die Gemeinde tvill nunmehr ihre Aufwcrtnngsschulden tilgen, ihr wurde bei sofortiger Regelung vonsciten der Sparkasse ein Zinserlaß von 1,3 o/o gewährt. Bezüglich des Etats für 1930 wurde zunächst die dreifache Vermögenssteuer neben der einfachen Einkommbusteuer be schlossen. Da bei nochmaliger scharfer Durcharbeitung des Voranschlags des Etats für 1930 eine Ersparnis von etwa 10- bis 12 00!) Mark zu erhoffen ist, glaubt die Finanzkoinmission, daß man mit einer Steuerberechnung von 3 o/g auskominen wird, hierzu käme dann »»och die La»»besun»lage von 41/4 °/o, so daß die Steucrzcttel mit 7hß <y« auszuschreiben wären. Da man innerhalb der Gemeinde über die Verwendung der Steuern, speziell der Landcsumlage, nicht recht im Bilde ist, soll von sachverständiger Seite in der Gemeindezeitung über die Steuerfrage referiert loerden. Der Israelitische Oberrat hat in seiner letzten Sitzung den Vorfteherämtern die Genrhmiguiig 'erteilt, bei ihren Beamten und Angestellten die staatlich zulässige Kürzung in Kraft treten zu lasten. Es soll allen Angestellten formell auf den » 31. Januar 1931 gekündigt und mit ihnen ein neues BertragSverhältnis geschaffen lverden. Bei diesen Kürzungen handelt es sich auch bei Lehrern und Rabbinern um persönliche Zulagen, die sie von der örtlichen Gemeinde erhalten. Referent in dieser Angelegenheit war Dr. Tänzer. Das Borsteheramt beschloß, die Kürzung eintreten zu lassen, und zwar bei den Beträgen, die über 1500 Mark ausmachen, Herr Eduard Werl, Abgeordneter der Landesversammlung, referierte zum Schluß über die Verhandlungen der am 7. Dezember stattgehabten Landesversammlung. Aus der Bewegung Dortmund. (V e r e i n s t ä t i g k e i t.) In der diesivöchigen gut besuchten Lereinsversammlung gab der Vorsitzende Herr Arthur Rosenberg zunächst einen kurzen Ueberblick über die Tätigkeit im abgelaufenen Sommerhalbjahre. Er gedachte vor allem der Vorbereitung für die Wahlen zu dem Preußischen Landesverbände und »nie unsere Ortsgruppe als Vorort von Westfalen im Vordergründe tätig sein mußte. Glücklichertvcise sind wir vom eigentlichen Wahlkampf verschont geblieben; das Kompromiß hat zwar nicht alte Kreise befriedigt: aber das liegt ja im Wesen aller derartigen Vereinbarung/.'»». Jedenfalls ist der Wahlaussall in Berlin mit Freuden zu begrüßen, Die bis jetzt vorliegende»» Zahlen lverden bekanntgegeben. — Der zweite F r e i t a g a b e n d G o t t e s d i e n st in unserer Gemeinde hat überall großen Anklang gefunden, die Besucherzahl ist regelmäßig im Steigen begriffen. — Es fckgen dann noch einige Kundgebungen lokaler, auch persönlicher Katar aus dem Mitgliederkreife. — Der angekündigte Vortrag des Herrn Dr. S. Braun aus Köln über „Religiosität in unserer Zeit" mußt« aussallen, da Herr Dr. Braun erkrankt ist. Dafür war in letzter Stunde Frau Rabbiner Dr. Appel eingetreten und hielt ein außerordentlich schönes, interessantes, nach Form und Inhalt abgerundetes Referat über die „Liberale Weltkonferenz" in London, an der sie an der Seite ihres Gatten teilgenommen hat. Durch hier und da eingestreute humorvolle Stich- und Scherzworte (die Reisegesellschaft, Reichtum der englischen Juden, Luxuswohnung des Londoner Rabbiners u. a.) und die Schilderung des begeisternden religiös-liberalen Gedankens bri allen Teilnehmern der Konferenz fesselte die Rednerin ihm Zuhörerschaft von Anfang bis zum Schlüsse. Hier richtete sie eine besondere Mahnung an die Frauen, die als Trägerinnen religiösen Lebens und Wirkens in Haus und Gemeinde unbedingt mehr leisten müssen und können, als dies bisher geschehen ist. Möchten diese trefflichen Worte nicht nur gehört, sondern auch befolgt lverden! Reicher Beisa« lohnte die Ausführungen. — Sodann berichtete unser treues und rastlos wirkendes Mitglied, Herr Konrektor a. D. Goldschmidt, das soeben wieder in den Preußischen Landesverband neu gewählt worden ist, über den Ausfall der Wahlen in Berlin, die in beiden Körperschaften einen Sieg der Liberalen brachte. Aber tzie neue Führung verpflichtet auch zu neuer Arbeit und Tätigkeit, wofür jedes einzelne Mitglied mitverantwortlich ist. — Unsere Ortsgruppe kann mil dem Verlaufe dieses Abends jedenfalls sehr zufrieden sein. Aus der Ili-Bewegung DeratifroortL: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereiue Deutschlaub» Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmaun. Frankfurt a. Alain Delegierlentagung der Arge Borbericht. Am 13. und 14. Dezember faisb in Berlin eine außerordentliche Delegier tentagung der Ar^e (Arbeitsgemeinschaft indisch-liberaler Jugendvereine) statt, die im Wesentlicherl den Fragen der Organisation sowie der Arbeitsgestaltung in den der Arge angeschlossenen Vereinen gewidmet war. Es wurden neue Satzungen beschlossen, die der iunerjüdischen Arbeit der einzelnen Jlis in ideologischer Hinsicht die Richtung weisen sollen, und die die Aufgaben und Ziele der Arge selbst festlegen. Auch der Vorstand wurde neu gewählt. Zuin ersten Vorsitzenden der Arge wurde Herr Dr. Hugo Hoffmann wiedergewühlt. Die Aussprache über das Ziel und die Methode der Arbeit in den einzelnen Jlis war sicher für alle anregend, zeigte sie doch, daß — trotz aller Unterschiede der Methoden - alle Jlivertreter darin einig waren, eine Gemeinschaft derer sein zu sollen, die sich wieder lernend um das Judentum bemühen. Wenn auch nicht alle Punkte des vorgesehenen Programms beraten werden konnten, so ist doch in der kurzen Zeit konzentrierte Arbeit geleistet worden. Ein eingehender Bericht über den Verlauf der Tagung erscheint in der nächsten Nummer. E. L. Aus der Ai-Arbeit Breslau. (Religiös« Weihestunde des I l i.) Der tiefe Eindruck, den die religiöse Weihestunde anläßlich der Dresdener Jli Tagung hinterließ, hatte auch uns veranlaßt, die Jugendgemeinschaft der Berliner Reformgemeinde um die Durchführung eines derartigen Gottesdienstes in Breslau zu bitten. Nach den Berichten über die Veranstaltung der Weihestunde in anderen Orten erübrigt es sich, hier nochmals die Frage der Berechtigung solcher Weihestunden zu erörtern. Der Erfolg gab uns, die wir die Veranstaltung angesetzt hatten, recht. So waren denn 500 Personen unserer Einladung für Sonntag, den 7. Dezember, gefolgt, die den großen Saal der Gesellschaft der Fueundg füllten. Größte Andacht herrschte während der ganzer: Dauer der Veranstaltung. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die durch das Schallplattenwerk der Berliner Reformgemeinde erzielte Wirkung der gottesdienstlichen; Klänge. Hier ist die Wirklichkeit in einem Grade erreicht, den nur der zu beurteilen vernrag, der einmal diefle Klänge ganz auf sich wirken ließ. Die gesamten gottesdienstlichen Funktionen einschließlich der Vorlesung aus der Thora lvurden von den Mitgliedern der Jugendgemeinschaft in einer Weise ausgeübt, der man den tiefen religiösen Ernst und die Hingabe an die gestellte Aufgabe anmerkte. Die Ansprache hielt Heinz Kellermann-Berlin. Er ging davon aus, daß jede Zeit ihren eigenen Charakter hat und sich jeweils, ihr Ideal selbst schafft. Wenn man die heutige Zeit charakterisieret würde, so darf mau nicht bei der übliche» Auffassung von einem „Zeitalter der Maschine" stehen bleiben, sondern muß im Gegensatz hierzu das Vorhandensein von Idealen stärker betorren. Denn diese müssen gerade vom modernen Menschen unserer Tage erstrebt werden, wenn er sich überhaupt seines Menschentums bewußt bleiben will. Diese Ideale sind: Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe. Freiheit bedeutet nicht schrankenlose Willkür des einzelnen, sondern freiwillige Bindung an die Gemeinschaft, die erst damit ihren Sinn als Mittler zur Verwirklichung der Menschheitsausgaben erhält. Ties« Gemeinschaft freiwillig sich bindender Menschen wird nur ermöglicht durch einen Aufbau, der als Voraussetzung für die Gleichheit die Gerechtigkeit anfieht. Aber auch Freiheit und Gerechtigkeit erhalten ihren Sinn durch eine von religiösem Geist erfüllte Liebe. Freiheit, Gerechtigkeit, STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN W 66 MAUERSTR. 79 Liebe; das sind Forderungen, die in Zukunft uns leiten sollen, denen wir aber auch in unserer Zeit mit ganzer Kraft dienen müsse-,:. Im Gebet ließ Ktellermann die Ansprache ausklingen, die mit ihrer lebensnahen Bktrachtungstveise und ihrem inneren, tiefreligiösen Pathos eitlen starken Eindruck bei den Andächtigen hinterließ. Wir hoffen, die hier nur skizzierte Ansprache bald in vollem Wortlaut abgedruckt zu sehen. Der Dank und die Anerkennung seitens der Besucher unserer Weihestunde haben uitä bewiesen, daß wir den richtigen Weg gegangen sind, lvenn >vir alle Wirkungsmöglichkeiten des religiös-liberalen Judentums benutzen, um jüdische Menschen zu festigen und zu gewinnen. Daß uns selbst die beiden Tage, die ivir mit unseren Freunden von der Jugendgememschaft verbringen durften, noch lange in Erinnerung bleiben »«erden, erklärt sich aus ihrer Herzlichkeit. und dein Verständnis, das »vir für unsere Ansichten bei »hnen fanden. Erich Vulkan. Ratibor. (Vortragsabend.) Mitttvoch, den 10. Dezember 1930, Vortragsabend: Chassidismus. Herr Dr. Weber begrüßte die Anwesenden und gab in kurzen Worten seiner Freude über den Erfolg der Liberalen bei den stattgcfundenen Wahlen Ausdruck. Franz Pick erklärte sich bereit, unseren Jli auf der Delegierten-Tagung in Berlin zu vertreten. Danach erteilte Herr Dr. Weber Fräulein Anni Fränkol zu ihrem Referat „Chassidismus" das Wort. Kurz auf die Vorgeschichte und den Ursprung des Chassidismus eingehend, sprach die Vortragende sprach die Vortragende von seinem Gründer, Rabbi Israel den Elieser. Das Wesen des Baal Schem Meister des göttlichen Namens — so ivurde er wegen seines frommen Lebens- Wandels genannt — stand im scharfen Gegensatz zn dem der anderen Tatinudisten. Mit treffenden, anschaulichen Worten legte die Referenten Zkveck, Ziel und Wesen des Chassidismus dar und schilderte im »veiteren Verlauf ihres fesselnden Vortrags seinen Niedbrg-ang. — Wir alle hatten den Wunsch, uns noch weiter mit dem interessanten Thema zu beschäftigen und lasen die Einführung zu Martin Bubers Legende des Baal Schem. Hilde Kohn. j* : Das Ili-Programm Brrtt«. Gemeinsame Veranstaltung. Sonntag, den 21. Dezember, Fahrt nach Neubabelsberg. Treffe» 9 Uhr Potsdamer Fernbahnhof, Freitreppe, 10 Ahr Bahnhof Reubabelsberg. Führung: Martin Glaß. Parüow-Osten. Freitag, 19. Dezember, Freitagabend-Chanukkah-Feier bei Betty Markus, Tile-Wardenbergstraße 20, Portal 1. Gruppe Westen. Sonntag, 21. Dezember 1930, Chanulkahseier -ei Helmut Galliner, Sybelstraßr 19, 8 Uhr abends pünktlich. Oliva und Neu-Charlottenburg. Mittwoch, den 17. Dezember, abends 8 Uhr, bei Eva und Adolf Marcuse, Friedenau, Taunusstraß« 23. The,na: Das kommunistische Manifest. Steglitz. Dienstag, den 23. Dezember, abends 8 Uhr, Heimabend bei Eva Eraetz, Dahiern, Am Erlenbufch 4. Hermsdors. Mittwoch, den 24. Dezember, abends 8 Uhr, Heimabend bei Ellen Jacoby, Frohnau, Franziskanrra»eg 8. Thema: Liberalismus. Hermsdvrf (Kükengruppef. Donnerstag, den 18. Dezember, nachmittags 6 Uhr, im Heim. Albrechistrahe 10. Donnerstag, den 30. Dezember, nachmittags 6 Uhr, tm Heim, Albrechtstraße 10. Berlin. Sonnabend, den 20. Dezember, Chanuttah-Ball der Jugeudgemeinfchast der Jüdischen Rcsormgemcinde im Logenhaus, Emfer- Straße 13. Beginn 8.30 Uhr. Karten zum Preise von 0,50 Mark für Mitglieder der Jugrndgemeinschast, 1,— Marl für Mitglieder anderer Jugendorganisationen, 2,— Mark für Kaste im Büro der Reformgrmeinde, Johannisstraße 16. täglich von 9—1 Uhr. Gäste willkommen! Berlin-Westend. Chanulkah-Kinder-Feier der liberale« Synagoge Westend Sounabevd, 20. Dezember, 4 Uhr, im „Karolinger Garten", Kaiserdamm 45, für Mitglieder. FERNRUF: ZENTRUM S023 u. 5024 BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK iHflENDEKORATIOHEN ID «ODSTLEmSCHER AU8FOHROD6 Vereinsnachrichten Der „Synagogenverein Levetzowftraße" veranstaltet am Sonntqg, dem 21. d. M., abends 8 Uhr, m der Synagoge Levetzowftraße zum Besten der Mittelstandsküche ein Konzert unter Mitwirkung des Oberkantors Friedmann, der Sopranistin Frau Paula Guttmann sowie des verstärkten Synagogenchors. Reichrbuud jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Nord. Silvesterball in den Gesamträumen des Landesausstellungsparks, Alt-Moabit 4-10.