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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-12-11 · 50 (11.12.1930) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ich bin mit Ihnen der Ansicht, daß die Amalgamation nicht zu schnell vorschreiten darf. Ich teile weniger Ihre Ansicht, daß sie die endgültige Lösung bedeutet. T«ie endgültige Lösung wird meines Erachtens sein, daß in einem Lande mit stark gemischter Bevölkerung nach Herl'unft ebensowenig gefragt wird, wie nach Bekenntnis, und ich sede diesen Zustand innerhalb der nächsten Jahrzehnte voraus. In England, vor allem aber in Amerika, ist es cingetreten: er kann sich sehr wohl mit einem gewissen Quantum von gesellschaftlichem Antisemitismus verbinden, der sich dann nur noch aus diejenigen erstreckt, die ilnt provozieren, und der meines Erachtens eher nützlich als schädlich ist... In einem Schreiben an Leutnant Hanns Breisia vom 29. 11. 1919 heißt es: „...Sie lieben das Alte Testament «nd hassen - nein, mißbilligen uns Juden. Sie haben recht, denn wir haben unsere Sendung noch nm,l erfüllt. Wissen Sie, wozu wir in die Wel gekommen sind? Um jedes Menschenantlijz vor den Sinai zu rnfen. Sie wollen nicht bin? Wenn ich Sie nicht rufe, wird Marx Sie rusen. Wenn Marx Sie nicht ruft, wird Spinoza Sie rufen. Wenn Spinoza Sie nicht ruft, wird Ctzristus Sie rufen. Sie wollen sterben um einer alten Weltordnuug willen? Sie werdm leben um einer neuen Weltordnung mitten. Und diese Weltordnuirg ist sehr einfach. Nicht die Edlen sind für die Unedlen verantwortlich, sondern Kol Jisroel, ganz Israel ist für jeden, ja für jeden veranttvortlich. Ganz Israel aber ist 'jeder, der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, das sind Sic und Ihr Oberst und Ihr Bursche und ich und Nur alle. Wir Juden aber haben unsere Sendung nicht erfüllt, deshalb mögen Sie uns verurteilen. Denn wir haben uns der Führung Christi nicht anvertraut, weil wir nur den katholischen und den protestantischen, nicht den lebendigen Christus erblickten. Ter aber wird uns alle sülchen. und einer Führung durch Zeitgenossen bedarf es nicht... Jüdische Verbände, seid sparsam! Der Rat des Preußischen Landesverbandes hat sich durch die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftslage genötigt gesehen, die Ausgaben des Verbandes, soweit sie nicht zwingender Natur sind, nach Möglichkeit einzusch rächten. Ans diesem Grunde sind im laufenden Geschäftsjahr die Subventionen an eine große Anzahl von Organisationen allgemein lierabgesetzt worden, insbesondere konnten Beihilfen, die der Ladnesverband in früheren Jahren für besondere Veranstaltungen einzelner Verbände gewährt hat, in diesem Jahr garnicht oder nur in geringem Ausmaße bewilligt werden. Ter Rat richtet deshalb au alle diejenigen Stellen, die für die Veranstaltung von Tagungen in Frage kommen, die drängende Mahnung, bei der Anberaumung solcher Zusammenkünfte die jetzige große Notlage der jüdischen Gemeinden und Gesamtverbände zu berücksichtigen, und diese Zusammenkünfte entweder auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben oder zum mindesten in einem Rahmen abzuhalten, der einen größeren Kostenaufwand nicht erfordert. Diese Mahnung wendet sich nicht nur an diejenigen Verbände, die Mittel des Landesverbandes in Anspruch nehmen, sondern an sämtliche jüdische Organisationen. Aus den Gemeinden Aschbach. (Persönliches.) Oberlehrer Abr. Los. Wechsler vollendete vor kurzem sein 70. Lebensjahr und wurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten geehrt. Seit 50 Jahren ist er im Erzieherberuf tätig, und allein 48 Jahre entfallen auf sein Wirken in unserer Gemeinde. Die Volksschule, an der er 40 Jahre beschäftigt war, ist von ihm ins Leben gerufen tvorden. Da auch sein Bader hier schon als Jugendbildner tätig war, ist die Anhänglichkeit an den Sohn, der sich überall großer Beliebtheit erfreut, umso größer und herzlicher. Berlin. (Silberhochzeit.) Am 11. Dezember begeht der Freund unserer liberalen Bewegung, der liberale Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde, Moritz Rosenthal, fern von Berlin mit seiner Gattin das Fest der Silberhochzeit. Moritz Rosenthal ist seit Jahren einer der aktivsten Streiter des liberalen Judentums, sein Eintreten für die Sache hat immer und immer wieder gezeigt, daß er in uneigennützigster Weste sich (für das als recht Erkannte einzusetzen vermag. Ihm zur Silberhochzeit an dieser Stelle vie herzlichsten Glückwünsche darzubrmgen, die ebenso wie ihm auch der Gattin gelten, die stets verständnisvoll sein Wirken begleitet und gefördert hat, ist deshalb nicht nur Ehrenpflicht, sondern Herzensbedürfnis. Möge es beiden vergönnt sein, gemeinsam mit d?m Sohne noch weitere Jahrzehnte fruchtbaren Schaffens zu erleben. Brrlin. (D er Berliner A rch i l e k t en-B e rclit in der Synagoge P r i n z r e g e n t e n st r atze.) Der Berliner Architekten-Verein stattete am Freitag, dem 5. Dezember, dem Neubau der Synagoge Prinzregentenstraße zum zweitenmal unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung seinen Besuch ab. Der Vorsitzende, Herr Oberhofbaurat Schauert, führte zur Begrüßung in seinen einleitenden Worben aus, daß der erste Besuch im September vorigen Jahres mehr dem Studium des Straßcn-bildes, des konstruktiven Aufbaues und der technischen Einzelheiten diente, während nunmehr das serriggestellte Gotteshaus hinsichtlich seiner künstlerischen Raumgestaltung einer Besichtigung unterzogen werben sollte. Um den Mitgliedern des Architekt-en-Bereins, von denen ein größerer Teil doch immerhin synagogalen Bauausgaben ferner steht, die Einfühlung in die vom Erbauer beabsichtigte Raumwirkung zu erleichtern, ging dem erläuternden Vortrag und der Führung durch den Schöpfer des Bauwerkes, GemeindeLaumeister Beer, ein Orgelvorspiel mit Gesang des Oberkantors Wilhelm Friedmann voran. Dreser Bortrag brachte zugleich in überzeugender Weste zum Ausdruck, daß ein rm allgemeinen vom akustischen Standpunkt verpönter Kuppel raum bei zweckmäßiger Auswahl und Behandlung der Baustoffe ooch eine vortreffliche Klangwirkung hcrvorbringen kann. Nach Beendigung der Führung brachte der Vorsitzende des Vereins auch namens der Mitglieder zum Ausdruck, daß insbesondeve der vorgeführte Hauptsynagvgenraum mit allen seinen Einzelheiten außerordentliches Interesse und allseitige Zustimmung gesunden hatte. Im Anschluß hieran fand die Besichtigung einer durch Prof. Salvisberq erbauten protestantischen Kirche statt. Berlin. (Verein der jüdischen Lehrer der Provinz Brandenburg.) Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hielt am Bußtage seine von Mitgliedern und Gästen gilt besuchte Jahresversammlung in Berlin ab. Neben den ideellen, der Hebung des Standes und Berufs dienenden Fragen konnten — tu einet Zeit wie der unserigen — selbstverständlich auch allbe wegende wirtschaftliche Erörterungen nicht ausgeschaltet werden. U. a. appellierte der Vorsitzende (Oberkantor Gnttmann, Potsdam) an die Einsicht der jüdischen Gemeinden und Organisationen, bezüglich der völligen Sonderlage der jüdischen Beamten, die allein schon ein Abstandnehmen von etwaig voreiligen Gehaltskürzungen geboten erscheinen lassen müßte. — Noch Gottesdienste Lerlttt.R»rden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 12. Dezember, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Sonntag, abends 4.30 Uhr, Lhanulah-Feier. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. verltn-vfteu. Liberale Synagoge Osten, Aula 'Mädchenschule Katserstraße 30. Freitag, den 12. Dezember, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Prediger Dr. Andorn. Sonntag, abends 7.30 Uhr, Chanukah-Feier. Predigt: Prediger Dr. Smarsensti. Liberale Synagoge Westend, Leistilowstraße 7-6, Aula. Freitag, den 12. Dezember, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbinev Dr. Klein. Berlin. Jüdisch« Rrsorm-Gemeiadk. Gottesdienste am Sonntag, dem 14. Dezember 1830. Johannisstraße 16: vormittags 19.30 Uhr; Predigt: Dr. Rvsenthal. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Jelski. wären wir, trotz der staatlichen Maßnahmen, lauge_ nicht so weit, daß die Gehalts- und Lohnabbanten einem wirklich fühlbar gesenkten Preisniveau entsprechen. Wobei aber gerade der ohnehin erhebliche M e h r a uf w a n d für den rituellen 5) a u s h a l t ganz besonders in die Waage falle. Abgesehen davon, daß — infolge der vom preußischen Landesverbände jüdischer Gemeinden getroffenen Regelung — gerade d i e unteren Gehälter (frühere Gruppe VII, jetzt IV c) hinter den entsprechenden vom Staate gezahlten Gehältern ohnehin bemerkenswert Zurückbleiben. — Kein Vorurteilsloser verkenne, daß die allgemeinen Zeitnöte auch unsere Gemeinden in ihren Mitgliedern schwer getroffen haben. Niemand, der dies einsieht, werde sich, im geeigneten Momente (!), gerechten! Ausgleiche widecsetzen. Aber aus leider trüber Erfahrung vor noch gar nicht langer Zeit geübter Willkür müsse man beizeiten durch Warnen — Vorbeugen, Darum gelt? cs, nicht erst abzuwarten, 6i»_ Konflikte da seien und immerhin infolge mancher Besserung schon geschwundene Verbitterung wieder neu geweckt werde. Die schnell vergessenden Gemeinden und Organisationen müßten daran erinnert werden, wie sie sich frei von jedem voreiligen Na chahmungsbedürfn i s wußten, als Staat und Kommunen — in wirklich nicht rosiger Zeit — lange, lange schon die Besoldung ihrer Beamten den völlig geänderten Zeitvcrhältnissen angepaßt hätten. Lange hätten da die jüdischen Beamten, obivohl im schwersten Existenzkämpfe stelzend, in treuer Pflichterfüllung dnrchgehalten. Auch dann noch, als das Geld so entwertet war, daß man es förmlich „zum Fenster hinausgetvorscu" habe, sei für sie vielfach noch immer nichts übrig gewesen. Nur durch ihren verzweifelten Kampf vor der breitesten Oeffcntl i ch k e i t seien dann endlich die das Judentum beschämenden Zu stände beseitigt worden. — Daran müsse erinnert und vor abermaliger dem Judentum nur schadender Kurzsichtigkeit uird Kleinlichkeit beizeiten gewarnt werden. Stehe doch der weitaus größte Teil der jüdischen „Beamten" den nichtjüdischen ohnehin auch schon darin nach, daß die Bezüge der letzteren, als Ganzes wenigstens, rechtlich gesichert sind, sowohl hinsichtlich Besoldung, Pension und Hinterbliebenenversorgung. Bei wie vielen auf jüdischer Seite sei das der Fall? Die meisten von ihnen wären bestenfalls nur „A n g e st e l l t e" mit B e a m t e n p f l i ch t e n ohne die entfpre chenden Rechte. Bingen. (Ausstellung „Das jüdische Buch".) Vom jüdischen Jugendverein wurde in Gemeinschaft mit dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur eine Ausstellung jüdischer Bücher und Kultgegenstände veranstaltet. Rabbiner Dr. Bienheim, Darmstadt, sprach einleitend über das Thema: „Vom Geiste der jüdischen Literatur". Auf 12 Tischen waren die Ausstellungsgegenstände (Seder tisch, Sabbatansang und -Ende, /Kunstmappen u. a.) Msgelegt Die großen Werke zeitgenössischer Literatur lagen ebenfalls aus Die Ausstellung tvar so stark besucht, daß sie um einen Tag verlängert wurde. Auch Schulen, Vertreter von Behörden u. a. besichtigten die Ausstellung,, die von Jssi Bayer, dem Lehrer und Kantor der Ge mcinde, angeregt worden war. Bochum. (Synagogenkonzert.) Der Franenverein, der Frauenbund und die Männer-Chewra veranstalteten in der Synagoge ein Wohltätigkeitskonzert, über welches sowohl die Bochumer als auch die auswärtige Presse berichtete. Das Konzert gestaltete sich unter der Mitwirkung der Altistin Lilly Röttgen, des Kantors Erich Mendel und des Organisten Rvsenthal zu einem eindrucksvollen musikalischen Erlebnis. Lilly Röttgen hat ihr wundervolles Organ zu einer der schönsten und pastosen Altstimmen von seltenem Reiz des Timbres vervollkommnet. Musikalische Intelligenz und vollendete Beherrschung der Phrasierungskunst sind rühmenswerte Tugenden der Künstlerin die durch ihre Gesänge von Bach, Dvorak, Händel und Hummel unvergeßliche Momente einer gestaltenden Wiedergabe erreichte. Erich Mendels kultivierter, weicher und m. 'ulationsfähiger Bariton ent faltete sich am schönsten in den hebräischen Gesängen von Naumburg Im „Jissgadal" und „Kiddusch" kamen vor allem die starken technischen Qualitäten des Sängers zur Geltung. Organist Rosen thal war beiden Künstlern ein anpassungsfähiger Begleiter. Buttenwiesen. (Todesfall.) Das langjährige Vorstandsmit glied unserer Gemeinde, I. Lammfromm, ist im Alter von 68 Jahren verstorben. Mit ihm ist ein durch Güte und Menschenfreundlichkeit ausgezeichneter Bürger aus dem Leben geschieden, der sich nicht nur um die jüdische, sondern auch um die politische Gemeinde in mancherlei Hinsicht verdient machte. Dem Feuerlöschwesen seiner Heimat hat er große Dienste geleistet, auch als Herausgeber einer Ortschronik legte er Zeugnis ab von der tiefen Verwurzelung mit der Heimat. Tie Beisetzung des allgemein geachteten Mannes gestaltete sich zu einer würdigen Trancrseier, an der die gesamte Ortsbevölkerung teilnahm. Hauptlehrer Sam hielt eine ergreifende Gedächtnisrede. Goßfelden. (Persönliches.) Der frühere Vorsteher der Gemeinde Goßfelden-Wetter, Herr Josef Lilienstein, beging mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Jubilare sind körperlich und geistig noch sehr rüstig und konnten an ihrem Familienfeste viele Aufmerksamkeiten ihrer Freunde entgegennehmen. Kassel. (Gerechte Sühn e".) Der verantwortliche Redakteur des völkischen „Stadtwächter" in Bielefeld, Konnecke, hatte in der üblichen nationalsozialistischen Hetzmethode allerlei ehrenrührige Anwürse gegen Dr. Gerson, den Leiter des Diätsanatoriums auf Wilhelmshöhe, veröffentlicht und sogar von wirtschaftlichen Schädigungen Bielefelder Bürger durch Dr. Gerson gesprochen. Das Gericht verurteilte den Beleidiger Konnecke zu 500 Mark Geldstrafe, Tragung der Kosten und Publikationsbefugnis und ließ durch den Vorsitzenden in der Urteilsbegründung ausfühven, daß Dr. Gersou vollkommen makellos dastehe. Kleve. (Vertreterversammlung.) Der Provinzialverband rheinischer Gemeinden hatte zu einer Zusammenkunft der Gemeinden am Niederrhein eingeladen. Zweck der Tagung war engere Fühlungnahme der größeren und kleineren Gemeinden, und wenn auch noch nicht alle eingeladenen Gemeinden sich vertreten ließen, so dürste doch der Anfang zu einem Zusammenschluß gemacht sein. Die Absichten des Provinzialverbandes wurden von Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, in einenr ausführlichen Bortrag ausführlich dargelegt. Krefeld. (Aus der Repräsentanten- Versammlung.) In der letzten Sitzung der hiesigen Gemeinde-Vertretung wurden Bewilligungen für die „Statistik der Juden" gewährt. Außerdem wurde auch der Neinen Sondergemeinde, die sich hauptsächlich auS einigen ostjüdischen Familien zusammeusetzt, eine Beihilfe für ihre gottesdienstlichen Einrichtungen zugebilligt. Ein« lange Aussprache entspann sich über den Beitrag zu den Kosten des Landesverbandes. In der Erörterung war man einmütig der Ansicht, daß der Verband in seinen Verwaltungsausgaben sich beschränken müsse, um s» die Verbandsgemeinden zu entlasten. Anforderungen in der jetzigen Höhe seien bei dem voraussichtlich starken Rückgang der Gemeinde- Einnahmen künftig kaum mehr zu tragen. Krefeld. (L c h r e r v e r s a m m l u n g>) Am 30. November hielt der Bezirksverein jüdischer Lehrer vom Niederrhein in Krefeld eine Versammlung ab. Wegen der Wichtigkeit des Hauptberatungsgegenstandes waren auch Vertreter der Gemeinde und der beteiligten Vereine eingeladen tvorden. Lehrer Frohsinn-Moers sprach über „Berufsberatung und Berufsaussichten". Der Schule falle die Beobachtung zu, nach welcher Richtung sich die Neigung der Kinder entwickele. Der Berussmcnsch müsse im Vordergrund der Beratung stehen. Doch müßten die Jugendlichen dahirr beeinflußt werden, im künftigen Beruf nicht bloß eine Erlverbsquelle zu sehen, sondern eine Berufung für das Leben. Dann streifte der Redner kurz die Aussichten in den einzelnen Berufszweigen. Die Aussichten für die Selbständigkeit im eigenen Unternehmen sei äußerst gering gervorden. Gute Ansichten getvährten immer noch gewisse Zweige des Handwerks und der Technik. Es sei nötig, Jugendlich auch solchen Berufen zuzuführen, denen Juden sich weniger betätigten: vornehmlich Gartenbau und Landtvirtschast. Eine sehr rege Aussprache schloß sich an den Bortrag an. Einer der Redner bemerkt, daß man in .solche Berufe als Bahnbrecher die besten jugendlichen Kräfte hineinbringen müsse. Unter den tveitcren Berhandlungsgegenständen ist die Klage hervorzuheben, die wieder über die geringe Berücksichtigung der Lehrerschaft bei dem Abkommen über die Landesverbandswahlen im Düsseldorfer Bezirk geführt wurde. '; Leipzig. (G e m e i n d e s i tz n n g.) Eine am 1. Dezember abgehaltene Gemeindesitzung hatte sich erneut mit der Frage des G e m e i n d e w a h l r e ch t s zu befassen. Die jüdische Bolkspartei wollte ihre schon wiederholt vergeblich unternommenen Versuche zu einer Herbeiführung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes wieder anfnehmen. Die Anträge wurden Vonseiten der Volkspartei durch die Verordncten D u b i n e r und T u m p o w s k i begründet. Als wesentliches Moment wurde betont, daß die starke Verbundenheit der Geincindemitglieder sich in einer Aendernng des Wahlrechts auswirken müsse, zumal wir Juden als Minorität nicht-nach außen hin die Forderung um Gerechtigkeit erheben dürsten, wenn nicht auch, in den inneren Angelegenheiten der Grundsatz der Gerechtigkeit ver--' wirllicht sei. Gem.-Ber. Dr. Conrad Goldschmidt verlas als Vertreter der Liberalen eine Erklärung mit dem Hinweis, daß sie nicht nochmals in eine Aussprache einzutreten wünschen. Gem.-Ber. S e l i n g e r (Poale Zion) begrüßte es, daß die Angelegenheit schon jetzt und nicht erst gelegentlich der Wahl zur Aussprache stehe. Er tvies auf die Ausführungen hin, die Prof. Georg Bernhard in einer jüngst von der Ortsgruppe des C.-V. veranstalteten Gemeindeversammlung gemacht habe, die auch in dem Gedanken gipfelten, daß die Kluft ztvischen West- und Ostjuden ausgeglichen werden müsse. Ein Wunsch der Antragsteller, die Angelegenheit in einer Kommission zi, beraten, und die Anregung an die liberalen Verordne ten, wenn sie auch namens ihrer Fraktion nicht sprechen wollten, so doch persönlich sich zu der Frage zu äußern, wurde von dein Gem.-Ver. Dr. Conrad Goldschmidt dahin beantwortet, daß die liberalen Gemeindevertreter keineswegs aus Nichtachtung gegenüber den Wünschen der Antragsteller von einer Debatte Abstand nehmen wollten, sie hätten durchaus Verständnis für die der Gegenseite ami Herzen liegenden Fragen, hätten es aber für unerfreulich gehalten, Dinge, die schon so oft erörtert worden seien, wiederum in langatmiger Debatte auszuspinnen. Sie befürchteten angesichts der örtlichen Berhältnisse eine schlimme Wendung für die Gemeinde, wenn es zum allgemeinen gleichen Wahlrecht komme. Der Antrog auf Aenderung des Wahlrechts, wie auch der auf Einsetzung einer Kommission hierfür wurde mit 20 gegen 10 Stimmen abgelchrrt, — Als zweiter Punkt wurde über einen Antrag der jüdischen Volks» Partei verhandelt, ein jüdisches Jugendheim zu errichten. In der Aussprache stellten die liberaleg Gem.-Ver. Dr. Zander und Aron stein fest, daß seitens des Jugendausschusses schon seit Monaten der Plan der Errichtung eines Jugendheims bearbeitet worden und schon fast bis zur Durchführung gelangt sei. Sie gaben ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß die jüdische Bolkspartei in diesem Stadium mit einein solchen Antrag komme. Namens Vorstandes wies auch Herr Breslauer (Lib.) auf den schon im Oktober gefaßten Borstandsbeschluß hin, der sich mit dem in Bearbeit tung befindlichen Projekt grundsätzlich einverstanden erklärt hat. Es wird beschlossen, dem Beschluß des Geineindevorstandes entsprechend zn verfahren, allerdings bei dem Abschluß des Mietvertrages größte Sorgfait walten zu lassen. — Als dritter Punkt wurde ein Antrag der Volkspartei verhandelt, der den Ausbau der Darlehnsk a s s e bezweckt: Es soll ein weiterer Kredit über Mk. 50 000,— unter Garantie der Gemeinde beschafft werden, die Darlehnssumme soll auf bis Mk. 2500,— erhöht und die Darlehnskasse vom Für-'« sorgeamt der Gemeinde völlig losgelöst werben. Der Antrag wird dem Finanzausschuß überwiesen. Die Schwierigkeiten, die sich der Erledigung entgcgenstellen, bestehen darin, 'daß einerseits Gemeindemittel für diesen Zweck nicht in Anspruch genommen werden sollen, andererseits aber auch der Gemeindekredit nicht überspannt werden darf; durch verschiedene große Darlehnsschulden ist er schon stark in Anspruch genommen. Nach Erledigung dieser drei Anträge der jüdischen Bolkspartei verliest Herr T u m p o w s k i, als deren Wortführer, eine Erklärung, wonach die Mitglieder der Volkspartei wegen der nichtssagenden Art, in welcher die liberale Fraktion die Frage der Wahlrechtsänderung abtun zu können geglaubt hat, aus Protest die Sitzung verlassen. Ihm schließt sich der Vertreter der Poale Zion, Herr Gelinget, an. Dagegen verblieben die Mitglieder der demokratisch-orthodoxen Fraktion im Verhandlungssaal. Ein« Reih» weiterer Punkte wurden alsdann reibungslos erledigt. Schneidemühl, (Tagung in der Grenzmark.) Unter Leitung des Bezirksrabbiners Dr. Roscnzweig fand hier die Viertel-- jahrstagung der Kantoren und Religionslehrer der Grenzmark Posen- Westpreußen statt. Das Thema, welches behandelt wurde, lautete: Methodik und Praxis des hebräischen Unterrichts. Lehrer Moses- Schn-eidemühl hielt eine Lehrprobe mit den Kindern der Unterabteilung, Rabbiner Dr. Rosenzweig mit den Kindern der Oberabteilung. Allgemeine Behandlung der Lehrprobe und Aussprache über einzelne Punkte, sowie Intensivierung, Verlebendigung und Einfügung in andere Unterrichtsfächer der entsprechenden Abteilung bildeten den Gegenstand der Aussprache, die für alle Anwesenden sehr anregend und belehrend verlief. Hieran schlossen sich Standcsfragen und Informationen für die Teilnehmer. Außer den Kantoren und Religionslehrern der Grenzmark nahmen an der Tagung als Gäste Rabbiner Berlinger-Schönlanke, sowie Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde teil, welche es sich nicht nehmen ließen, die anwesenden Herreil in üblicher Weise zu bewirten. Stuttgart. (Tagung der Israelitischen Landes ver-- s a m m l u n g.) Die Israelitische Landesversammlung Württembergs hielt am 7. Dezember d. I. in den Räumen des Wirtschastsministerinms in Stuttgart ihre diesjährige Tagung ab. Den Vorsitz führte der zweite Vizepräsident Siegfried Kahn, Cannstatt, da der Präsident selbst erkrankt ist. Ehe man in die Verhandlungen eintrat, wurde der Toten der letzten Amtsperiode gedacht. Es waren dieses der verstorbene Bezirksrabbiner Dr. Kroner, Oberdorf, Max Dreyfuß, Ludwigsburg, Simon Weil, Rexingen. Nachdem dieser Ehrung Genüge geleistet war, auch der Präsident einige Begrüßungswort« an den in diesem Jahre zum ersten Mal als Präsidenten des Jsrae-e litischen Oberrates walkenden Ministerialrat Dr. Hirsch gerichtet hatte, begann man mit der tatsächlichen Arbeit. Ministerialrat Dr. Otü> Hirsch erstattete für den Oberrat dm Tätigkeitsbericht. Es ist durch das Entgegenkommen des Innenministeriums dem Israelitischen Oberrat gelungen, Bayern bei Beschaffung von rituellem Fleisch dienlich zu sein. .Die Kalenderfrage beschäftigte ebenfalls den Oberrailt sehr intensiv, und er hofft, durch die von ihm angeregten Bor-

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