Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-27 · 48 (27.11.1930) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614101--3803-2621436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zusammenbruch der lleberparlei Einstein» Timendorfer. Aeillin, Rosin und andere kehren ihr den Rücken Nicht aus sachlicher Notwendigkeit entstanden zu den fünf Parteien, die bisher bereits in der Rcpräsentanteiiversarnmlung der Indischen Gemeinde vertreten waren, zu den diesmaligen Wahlen noch f ü n f n e u e P a r t e i e n. Teils war das politische Streben von Sonderlingen, teils der Ehrgeiz Einzelner, teils auch die Assimilation an das im deutschen Leben üppig sprießende Parteiunkraut maßgebend sür die Gründung neuer, selbstverständlich auch bei uns in gleicher Weise wie sonst schädlicher und überslüssiger Splittergruppen. Die Wahl uiuß die Entscheidung bringen zwischen drei Gruppen. Und die einsichtigen Menschen in allen drei Gruppen müssen darauf hinwirken, daß alle drei in gegenseitiger Achtung zun: Wohle des Ganzen Zusammenarbeiten. Wer Zionist ist, der soll seine Stimme der Jüdischen Volkspartei geben, wer orthodox ist, der wähle die Konservative Partei, für den aber, der religiös-liberal und deutsch-jüdisch eingestellt ist, muß die Parole tauten: ich wähle am 30. November die liberale Liste 1. Herrn Dr. Jsmar Freund aber, den führende Männer — wir nennen in diesem Znsammenhaug die Herren Rabbiner Dr. Baerk, Justizrat Lilienthal, Professor Dr. Moritz Türk, Professor Kalischer, Justizrat Bernhard Breslauer — seit Jahren als Störenfried und Schädling des jüdischen Gemeindelebenü charakterisiert haben, hat die Tatsache, daß^die Mittelpartei ihm vor den Wahlen den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, veranlaßt, zum Zwecke der Bekämpfung des ParteilvesenS eine achte Partei zu begründen. W a S w i (! diese a ch t e P artet, Die sogenannte „Ueberpartei"? Was gut an ihr ist, ist nicht neu, und was neu an ihr ist, ist nicht gut. Sie will indisches Gemeinschastsbewußlsein. Wer will das nicht? Sie will friedliche Auseinandersetzung zwischen den Parteien. Sind dazu nicht die Liberalen, bei denen Toleranz einen Teil ihrer Weltanschauung bilde!, weit berufener als .Herr Dr. Freund? Was aber will die Ueberpartei sonst noch? G r u n d sa ü l c> s i g - feit! Nur einige Gretchenfragen: Wie steht die lleberparlei zum ZionismriS? Antwort: Sie weiß es »licht, den» auf ihrer Lifte stehen bekannte Zionisten neben einigen Nichtzionisten. Wie steht die Ueberpartei zur Errichtung jüdischer Schulen, jüdischer Gymnasien usw.? Antwort: Sie weis; es nicht, denn aus ihrer Liste stehen Anhänger und Gegnerjüdischer Schulen im trauten Verein. Wie steht die Uebecpartei zu einem neuen Blockabkommen mit der Jüdischen Volkspartei? Antwort: Sie weiß es nicht, denn auf ihrer Liste finden sich Gegner der bisherigen Zionistenhcrrschaft in der Gemeinde gemeinsam mit den Hauptverteidigern der zionistischen Politiker. Wie steht die Ueberpartei zu den zionistischen Wirtschaftsexperimenten? Auch das weiß sie nicht, denn auf ihrer Liste sind vereint solche, die in Wort und Schrift sich sür derartige zionistische Utopien eingesetzt haben, .mit solchen, die ihnen entgegcnlraten. Hat eine derartige Partei, die sich durch Phrascnhastigkeit statt dirrch Klarstellung ihrer sachlichen Ueberzeugung anszeichnet. einen Sinn? Dennoch gelang es Herrn Dr. Freund, unter den eigenartigsten Vorspiegelungen Persönlichkeiten, deren Name Ruf und Klang hat, für seine Ueberpartei zu gewinnen. Jetzt ist auch dieser Spuk verflogen. .Hier einige Beweise: 1. Herr Professor Dr. Albert Einstein verbreitet durch die Jüdische Telegraphen-Agentur eine Erklärung, in der es heißt: „Ich habe gesehen, daß aus der Einladung zu einer Kundgebung der Ucberparteitichen Vereinigung für die Gesamtinteressen und die Einheit des Judentums »rein Name unter den Vorstandsmitgliedern dieser Partei figuriert. Ich habe der Überparteilichen Bereinigung sür die lüefamtiuter essen und die Einheit des Judentums mitgeteilt, daß ich dein Vorstände nicht angehören will." 2. Ter frühere Großpräsident der Bne Beiß-Logen, Herr Geheineer Justizrat Beethold Timendorfer, hat Herrn Dr. Freund mitgeteilt, daß er die Aufstellung der überparteilichen Liste mißbilligt und daß die Verwendung seines Namens im Zusammenhang mit der überparteilichen Liste aus einem Mißverständnis beruhen muß. 3. .Herr Dr. Leon Zcitlin, Mitglied des Reichswirt schaftSrateS und des Preußischen Landtages, hat Herrn Tr. Freund gleichfalls schriftlich mitgeteilt, daß er es ablehnt, sich irgendwie an der Ueberpartei zu beteiligen nub daß er Herrn Dr. Freund die Benutzung seines Namens im Zusanrmenhang mit der Ueberpartei verbietet. Er hat hingegen der Liberalen Liste t seinen Namen zur Verfügung gestellt. 1. Herr Eucil Tarn mann (i. Fa. Emil Dammann k Co.) betont, daß er Herrn Dr. Freund niemals eine Unterschrift gegeben hat, und schreibt: „Es ist mir unbegreiflich, wie mein Name unter dem Aufruf von Herrn Dr. Freund erscheint." 5. Herr Professor Rosin erklärt gleichfalls, daß er nichts mit der überparteilichen Liste zu tun hat. Wahlberechtigt ist jeder Jude und jede Jüdin über 21 Jahre. Die Wahl findet am 39. November in der Zeit von 9 bis 6 Uhr statt. Ls wird dringend geraten, vormittags bis 12 Uhr zu wähle;?. Jeder mache fich klar, daß wir ihn, wenn er bereits vormittags zur Wahl erscheint, nicht mehr besuchen zn lassen brauchen und dafür einen anderen Wähler, der sonst vielleicht aurbleiben mivfc1, zum Wählen veranlassen känncn. Erwählt wird in 193 Weh'lokalen, die über ganz Berlin verbreitet sind. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat in dieser Woche jedem Wähler eine Karte zugesaudl, ans der mitgeteitt ist, daß der Empfänge? wahlberechtigt ist und wo sich sein Wah lokal befindet. W r versehentlich eine solche Karte nicht erhalten oder sie verlegt hat, kann trotzdem sein Wahlrecht nusüben. Er handelt vorsichtig, wenn ec einen Ausweis milbriilgj. Für ihre Wähler hat die liberale Partei besondere Aaskttustsslellen eingerichtet, bei denen Sonnabend nachmittag von 5 bis 9 Uhr und Sonntag telefonisch Auskünfte erngeyolt werden können, und zwar: Dichtung und Wahrheit Aus einem Flugblatt der Jüdischen Bolkspartei! „Wann sind eigene Produktions-Gesellschaften der Jü dischen Gemeinde zn schassen versucht worden? Niemals!" Aus der Begründung des zionistischen Gemeindevorsitzendcn zum Etat der Berliner Jüdischen Gemeinde für das Jahr 1930. „Es gib! große Zweige in der Industrie, die ihre Fabrikate mit Hilfe von ungelernten oder nur sehr wenig angelernt cu Arbeitern Herstellen. ES müßte inöglich sein, eine oder mehrere Fabriken ans gcmeicmütziger Basis zu errichten, in denen arbeitsfähige und arpeitswitlige Gcmeindemitglieder lohnende Beschäftigung finden tonnen. Was für Fa brikate hier in Frage kämen, müßten Fachleute entscheiden. ES kann sich nur um Massenartikel handeln, für die Absatzschwierigkeiten uichi bestehen. Ueoerhaupt wäre vor Jnangrissnahme solcher Unternehmungen die Absatzsrage wenigstens in einem erheblichen Umfange zu lösen, da davon die Existenz in erster Linie abhängt. Dadurch, daß die geplanten Unternehmungen aus genossenschaftlicher Basis errichtet tverden, wäre zn erreichen, daß die Arbeitnehmer von allen Tarifeinfchränkungen befreit werden. Sind es doch gerade die Tarisbvstimmnngen, die heute vielfach schon die vierzigjäh 6. Dasselbe gilt für Herrn Max Klein (i. Fa. Max Klein sc Eo.). 7. Ebenso erklären die Herren Benno Becher und Leo Steinitz, die dein Kreise der Besucher des Fricdenstempels nahestehen, daß sie mit aller Entschiedenheit füc die Wahl der liberalen Liste 1 und nicht etwa für die Ueberpartei des Herrn Dr. Freund eintreten werden. Diese wenigen Beispiele mögen genügen. Nach dem 39. November wird sich zeigen, daß die Ueberpartei tatsächlich nur aus einem Mann besteht, nämlich aus Herrn Dr. Freund. Und dieser hat wahrlich auch eine Partei für sich allein nötig. Wie dann das „überparteiliche" Wirken ausseheir wird, das wissen alle Eingeweihten schon heute. ES wird — wie die Gesnmttätigkeit des Herrn Dr. Freund in den letzten Jahren — Helsersdienst sein für die zionistischen Gemeindepolitiker. Wer aber will, baß nicht durch Phrasen, sondern nach Ueberzeugungen am 30. November die Entscheidung fällt, der wähle als deutscher liberaler Jude die liberale List* i; füc Norden und Zentrum: Falkeuberg, Lottumstr. 22 Weidendamm lD2f 9991. Osten: Louis Wolfs, Große Frankfurter Straße Nr. 89 Königftadt (E 3) 2490. Süden: Dr. Hans Feilchenfeld, Belle-Alliance-Platz 5 Dönhoff <« 3951. Westen, Schönebera» Wilmersdorf: Dr. Walter Breslauer, Rajsauifche Straße 9-19, vh'and G2) 8922. Eharkottettburq: Dr. Alfred Caro, Ahorn-Allee 29 Westend (G3> 369. Nordwesten: Benno Sakiugc?, Jaqowstraße 29. Hausr (C5) 4369. Niemand braucht daher der Wahl wegen Unkenntnis seines Wahllokals fern;w bleiben. Die Stimmabgabe erfolgt wie bei den Reichslagswahlen durch Ankreuzung der gewünschten Liste ans den amtlichen Stimmzetteln. Die amtlichen Stimmzettel werden im Wahllokal ausgegeben, und zwar je einer füc di: Nepräfentankenwahl und die Landesverbandswahl. Es achte daher jeder darauf, auf beiden Stimmzetteln bei der List: 1 ein Kreuz zu machen, so wie wir es hier nuten im Bilde zeigen. rigen voll arbeitsfähigen Menschen arbeitslos machen. Aufgab e d e r Gemeinde wäre es, dieJnitiativefur d i e E r ri ch t u n g solcher Fabriken zu ergreifen und das Kapital dafür zu beschaffen. Die Fabriken selbst müßten so gestaltet werden, daß sie sich im ttn* sentlichen setbst unterhalten und auch imstande sind, die te-» lativ mäßigen Zinsen, die die Gemeinde zu zahlen hat, dieser zu ersetzen. Für eine solche Aufgabe die leitenden jüdischen Kreise großer Unternehmungen als Fachberater und als Abnehmer zn gewinnen, wird schwer, aber bei energischem Willen erreichbar sein." Lin offenes Wort Anr 30. März 1030 erklärte auf denr Landesverbandstag der zionistische Verbandstagsabgeordnete Fett wörtlich folgendes: „Wir werden es nicht dazu fouuueu lassen, daß Sie die jüdische Gemeinde z u e i n e r R e l i g i o n s g e m e i n d e degradieren." (Lt. stenographischem Bericht, abgedruckt im Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, 8. Jahrgang, Nr. 3, vom 1. Juli 1939, S. 20.) e Bann, wo. wie wird gewählt linM jffig Diese neue schöne Abteilung'"ist der Anziehungspunkt aller Hausfrauen! Nach dem ersten Besuch werden auch Sie zu unseren ständigen Kunden gehören! Täglich preiswerte Lebensmittel I KAUFHAUS: •WESTENS K Freitag und Sonnabend besondere Ausnahme-Preise KOSCHER Fleisch. Wurstwaren, Geflügel zu Tagespreisen DAS HAUS DIR auAUTÄTS WAR RN

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.