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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-27 · 48 (27.11.1930) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Zionistische Atopien „Jüdische Fabriken." In der deutschen Volkswirtschaft sind, dahin muß unser Streben gehen, konfessionelle, rassische und ähnliche Gedaukengänge als wirtschastsscindlich zu beseitigen. Gelingt es, diesem Grundsatz zur Anerkennung -n verhelfen und die Wirtschaftsnot, in der sich das ganze deutsche Volk befindet, zu lindern, so wird auch die Wie.schcchsuot der deutschen Juden gemildert sein. Tie Indische Gemeinde soll und kann in der jetzigen schweren Zeit aus einigen Wegen helfend eingrcifen. Zu diesem Zwecke verlangen wir Produktive WrblsahrtSpstege durch a) S!re iihi'.fc für den uctl'ibT.bni ji d s Heu Mittelstand, stand, Erhaltung linb Wiedccansb.ru von Existenzen aller Berns: gruppen, b) Stärkung des Mittelstandes durch Gcineindeaufträgc, c) Förderung aller Bestrebungen, die zu einer gesunden Bernssschichimig sühnen, insb s nd.'re auch Förderung jüdischer LicdlnngSbestrebuugcu, d) Ansban des Arbeitsnachweises zur verbesserten Arbeitsbeschaffung unter Beteiligung der Arbeitnehmerschaft an seiner Berlvaltnng. Völlig ablvegi.g aber wäre es, wol te die Gemeinde nunmehr aus der Not eine Tugend machen und die zionistischen Pläne verwirklichen, die nicht die Rettung, sondern den Untergang der denächen Inden im Gefolge haben müssen. In der Begründung .*nni dreck «irrigen Etat der Berliner Jüdi sehen Gerneinde wird beispielsweise tatsächlich nicht mehr und nickt tvcniger vorgesthlageu, als von der Jüdischen Gemeinde aus indnstrie'le Unternehmungen zu gründen. Wörtlich heißt es: ,,Es gibt spaße Zweige In der Industrie, die ihre Fabrikate i;iii .^i!fe von ungclc>nlen odw nur sehr wenig angelernten Arbeitern Herstellen. Es mußte möglich sein, eine oder mehrere Fabrikeil ans geineinnnchgee Basis zu midi!cu, in denen arbeitsfähige und aro ilswitiige Gelneindcnri'.snirdce leidende B gch'isi -'>.ng finden können. Was für Fabrilale vier in Frage k.'inrnr. müßten Fachleute entscheiden. Es kann peh nur um Maftenarlikel handeln, für die Bw'aln h.ounift''ite.i nichl bestehen. Neberhav.pt toure ver J,,u.« s im!;:ne solcher Unternehmungen die Abs.stcha'e lee.n >ei ,n et -,t'm e Hb ecken Umfange zu lösen, da davon die Enden', in erster Linie abhangt. Dadurch, dost, eie geplanten Uttternchmungen auf genossenschaftlicher Basis errichtet werden, wäre zu erreichen, daß die Arbeitnehmer von allen Tarisciushränkungen befreit werden. Lind es doch gerade die Tarifbcstimmungen, die heute rie,stach schon die vierzigsährigen voll arbeitsfähigen Menscheil arocilslos machen. Aiifgabe der Gemeinde wäre es, die J'.'.iliaiioc für die Errichtung solcher Fabriken zu ergreifen und das Kapital dafür zu beschaffen. Tie Fabriken selbst müßten so gestaltet tverden, daß sie sich im wesciitlichen selbst nnterhaUen linb auch im stände sind, die relativ mästioen Zi'-s'n, die die Gemeinde zu zahlen hat, dieser zu ersehen. Für eine solche Ausgabe die testenden jüdischen Kreise großer Unternehmungen als Fachberater und als Abnehmer zil gewinnen, wird schwer, aber bei energischem Willen erreichbar sein." Wenn irgendwo, so gilt hier dal Wort, daß mau den Teufel mit Beelzebub anszutrribe». versucht. Es ist wohl übcrslüssig, den Dilettantismus dieser ganzen A u s f n h r u n g e n noch ini Einzelnen aufzuzeigen. Auch davvn soll reicht die Rede sein, dast mau hier soziale Arbeit leisten wich die damit beginnt, dast man sich' von tariflichen Die Erste Weltkonferenz liberaler Juden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gr ünduiiaes Versammlung der World Union for Progressive Judaism L oiidon, 10. 12. Juli 1926 Preis: Im Buchhandel Alk. 1.80 für Mitglieder der Vereinigung, die bei uns direkt bestellen Mk. 1.- Mguiü für das üDeraie Judemum El Berlin SW 11, Hallesche Straße 1 Festsetzungen befreit. Aber darauf must wohl mngewiescn werden, daß man bei derartigen Unternehmungen unzweifelhaft mit der einen Hand Menschen Arbeit geben wird — und aus der anderen Seite bestehende Existenzen vernichten wird. Deshalb kann gar nicht eindringlich genug vor der Beschreitung eines derartigen Weges gewarnt werden. Nicht nur, weil hier der Jüdischen Gemeinde Aufgaben gestellt werden, die weit außerhalb ihres Ausgabenkreises liegen, sondern vor allein, weil das zu einer Stärkung autijndischcr Bestrebungen im Wirtschaftsleben mit Notwendigkeit führen musst. Wenn jüdische G e m e i n d e n in D e u t s ch l a n d Fabriken errichten w e r d e n, in d e n c n nur Inden Beschäftigung finden, wenn sic auf jüdische W i r t s ch a f t s k r e i s e e i n w i r k e n, ihren Bedarf in diesen „jüdischen F a b r i k e n" zu decken, so muß die Folge die wirtschaftliche E n t w u x 5 c I u 1t der Juden in Deutschland sein. Das Ledigenheim. Die Errichtung eines jüdischen Ledigenheims ist in der Gemeindeverwaltung lange diskutiert worden. Es hatte zunächst den Anschein, als sollte es sich hierbei um eine Wohlfahrtseiurichtung handeln, und da die Liberalen jeden zeit- I und sachgemäßen Ausbau des Wohlsahrtswesens stets zu für-! dcrn bereit sind, so standen sie den: Projekt nicht ablehnend gegenüber. Inzwischen hat sich jedoch ergeben, daß etwas ganz anderes als eine WohlsahrtSeinrick'tnng geplant ist, und die Liberalen haben daher die Durchführung des Projektes durch Ablebnung zunächst verhindert. Geplant ist ein .Heim, bei dein die Insassen eine Zimmermicte bezahlen, die übrigens recht hoch bemessen werden svlllc. Man erk arte, hierdurch die Gemeinde, die Geldgeberin der Ledigenheim G. m. b. H., entlasten zu wollen. In einer Zeit, wo unzählige Frauen des verarmten jüdüchen Mittelstandes ihre Existenz mit Zimmervermietung erhalten, wäre cs geradezu ein Verbrechen, diesen wirtschaftlich Schwachen von Gemeinde wegen eine Konkurrenz zu schäften. Und warnen wi'l man diese Konkurrenz schaffen? Um wieder einmal möglichst viel? Inden von der Umwelt ab zv.schließen, um sie umso besser für die Zwecke der Partei und des jüdischen Nationalismus beeinflussen zu können. Und schließlich entbehrt das Projekt durchaus nicht finanzieller Gefahren für die Gemeinde. ES ist wie jeder, dem die Verhältnisse ans dem Wohnnnasmarkc bekannt sind, weiß, ein spekulatives Unternehmen. Ta die Gemeinde die Ledigenheim G. nt. b. H. tt i ch t würde in K o n k n r S g e h c n lassen k ö n n c n u tt b wollen, s v würde der ni i i S i ch c r h c i t zu erwartende finanzielle F e h l s ch l a g des Unternehmens die S t e u e r z a h - l e r mit erheblichen Sn m ne e n b c l a st e n. „PoMv-liberal" So nenn: sich eine kleine Splitterpartei, die sich bei der Kandidatenliste der großen liberalen Partei nicht hinreichend berücksichtigt fühlt. Wer strht ans der liberalen Liste 1? Die Rabbiner Dr. Wehl, Dr. Galliner, Dr. Lehmann. Sind sie etwa negativ-liberal? Die Führer im Kampf gegen den Nationals o z i a l i s m u s Justizrat Dr. Brodnitz, Dr. Ludwig Holländer, Dr. Bruno Weil. Dr. S. London u. a. Sind sie etlva negativ-liberal? Die Leiter jüdischer H i l s s t ä t i g k e i t Dr. h. e. James Simon, Wilhelm Graetz, Dr. h. c. Wilhelm Klcemaun u. a. Sind sie etwa negativ-liberal? Die Helfer des jüdischen M i t t c l st a n d c s Wilhelm Marcus, Louis Wolfs, Robert Gutheim u. a. Sind sie etwa negativ-liberal? Die Streiter für religiös-liberales Judentum R.-A. Heinrich Stern, Dr. Joseph Gutmann, Hermann und Bertha Falkenberg u. a. Sind auch sie negativ-liberal? Wählt am 30. November die Liste, die nicht Verärgerung und nicht Eigenbrödcbei kennzeichnet, die nicht mit Zionisten eine Listenverbindung einging, die nicht wie die „Positiv-liberalen" dem Urheber der jetzigen zionistischen Personalvolitik zum Mandat verhilft. Wählt am 30. November die Liste der großen liberalen Partei, die Liste 1. Gebot der Stunde Frau Klara Caro, Vorsitzende der .Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, die bekanntlich schon seit Jahren m dankenswerter Weise Aufklärungsarbeit in Köln durch Shnagogenführungen, Borträge an der Volkshochschule und in Fachorganisationen leistet, veröffentlicht in der testen Nummer der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes" folgende beachtenswerte Anregung. „In der Reichshauptstadt schlägt der Mob die Feu'terscheiben ein. Wir Juden haben schon schlimmeres erlebt und überstanden. Es ist auch jetzt nur die ewige Wiederkehr des einen: daß man für alle Katastrophen und Krisen in der Weltgeschichte uns verantwortlich macht. Ob wir dies je ausrotten können? Ten Pöbel können wir nicht belehren noch uns gegen rohe Gewalt mit gleichen Mitteln wehren. Aber gegen jene lasset uns den Feldzug eröffnen, die da mit Lügen und Entstellungen eine woblorganisierte Hetz- und Wühlarbeit seit Jahren geleistet haben, deren Zeche wir jetzt bezahlen müssen. Zur wirksamen Bekämpfung diejes Antisemitismus gibt es nur einen fruchtbaren Weg. Lasset uns systematische Aufklärungsarbeit leisten. Nicht in großen Massenversammlungen, sondern nur in mühsamer Kleinarbeit können wir Verleumdung und Lüge vernichten. Lasset uns in Schulen und Volkshochschulen, in Universitäten und den zu Fachorgrnisationen zusammengeschlossenen einzelnen Berussgruppen von der Arbeiterin bis zur Akademikerin Aufklärung hineintragen über die geschichtlichen Zusammenhänge unserer geistigen und wirtschaftlichen Struktur, über die Lehren und den Ideengehalt des Judentums. Darum schlage ich vor, eine Kommission für jüdische Aufflärungsarbei: zu organisieren, der sich alle die Schwestern anschliefen mögen, die fähig und gewillt sind, in ihrer Stadt diese Arbeit zu leisten. Schwestern! Nicht nur für uns wollen wir bauen, sondern auch für unserer Kinder bessere Zukunft und glücklichere Lebensmöglichkeiten. Darum helft erfüllen das alte und ewig junge Wort unseres großen Lehrers Hillel: im en ani li, mi li; im lau achschow. emossai. „Wenn ich nickt für mich bin, wer ist für mich? Und wenn nicht jetzt, wenn dann?" Von den Angehörigen unseres leider am 23. ds. Mts. verstorbenen Freundes Pros. D r. Scharfer werden wir um Ausnahme folgender Notiz gebeten: „Der Name des Herrn Professor Moritz Schacher findet sich unter Veröffentlichungen der Deutschen Lifte. Die Ausnahme des Namens beruht jedoch auf e'nem offensichttjchcn Mißverständnis. Herr Prof. Dr. Schacher ist bis zuletzt nicht nur der liberalen Idee treu geblieben, sondern auch der liberalen Organisation, zu deren Begründen: er selbst gehört hat, aufs innigste verbunden gewesen."!?iuSS ROBERTS das amerikanifche Reütaurant am KurfUrflendamm 2.6a Infolge Ablebens des Herrn Rabbiners Dr. I’critz ist die Rabbinerstelie neu zu besetzen. Wir bitten Bewerbungen bis zum 1. Dezember ds. Jahres. Der Vorstand der Synagogengemeinde zu Liegnitz Jablonsky Verein für Feuerbestattung In Berlin von 1874, e. V. verrn. kostenlose Fenerbestattwm# Annahme W 35, LOtzowstraBe 44, Telefon: Ltitxow 960-61 WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNST 8. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERLIN-WEISSENSEE L0THR1NQERSTR. 8 - TELEPHON WEISSENSEE 407 LACKSCHUHOEL ■ erhoffdas Lackfeder Malerarbeiten Renovierung von Wohnungen, Geschäft slokalcn, Trepp^niluren und Fassaden, Robert Gutheim I Berlin W 50 Kulmbaclier Strasse 7

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