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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-27 · 48 (27.11.1930) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3M|tcn fiat Mitte! Wollen wir in den Ländern der Zerstreuung als national geschlossenes Gemeinwesen fortbestehen, wollen wir in der Vielheit der Reiche uns als Einheit erklären und nationale Rechte beanspruchen, so müssen wir gegen die Fürsprache dieser unserer Beschützer Einspruch erheben und ihnen ein Bekenntnis entgegensetzen, das etwa lautet: Wir sind allerorten der Landesnation gegenüber Volkstremde und wollen unbeugsam in unserer Fremdartigkeit verharren, das heißt unsere Eigenart wahren. Wohl haben wir viel von unserer Sonderheit eingebüßt und verheißungsvollen Anschluß an die Landesnation gefunden. Wohl hat sieb unser Blut mit dem ihrigen auf den Schlachticldern vermischt Wohl sind wir zu einem guten Teil in der frcmdnationalen Kulturgemeinschaft eingebürgert, in ihre Geschichte und Schicksale eingewoben, in ihrer Sprache, Literatur, Kunst verwurzelt, in das Gefüge ihrer nationalen Interessen und Zwecke, Strebungen und Hoffnungen eingestellt. Wir sehen es aber als unseren Fluch an, nicht als eine Segnung. Wir beklagen diesen Anschluß, diese Taufe des Blutes, diese Einbürgerung, dieses Verwobensein, diese Verwurzelung und Verknüpfung. Diese Bande sind uns Fesseln, die uns entehren. Wir freuen uns nicht unseres gerühmten Anteils an fremdnationaler Geisteskultur. Er bedeutet uns vielmehr eine Anklage gegen uns: daß wir unsere schöpferischen Kräfte unserem Volkstum entzogen und einem fremden Geiste dienstbar machten. Er ist uns ein Denkmal unserer nationalen Schmach, Zeuge unseres Verbrechens: daß wir Raub am eigenen Volke begingen. Je größer dieser Anteil am Fremdgut, je größer der Gewinn der Völker an uns, an unseren Intelligenzen und Talenten, um. 104 so größer unsere nationale Versündigung, um so größer unsere Verschuldung an unserem eigenen Volk. Und '.vir wollen diese Schmach von uns abwenden, diesem Verbrechen Einhalt gebieten. Wir wollen unsere Verschmelzung mit der Landesnation behindern, die Bande1 der Aosimiiatio-i losen, die Fesseln der Glemhbcrcchiigung abschüt.tchi, aus der iremdnationaien Gemeinschaft austreten, gleichsam ausburgern, unsere in fremde Sprachen und Literaturen verirrten Wurzeln av-graben und ihrem nationalen Nährboden zuführen, die fremden Wirkungsstätten verlassen und unsere eigenen Felder bestellen; wir wollen nicht mehr fremden Landern als Dünger-dienen; wir '.vollen nicht mehr unsere großen Volkssöhne verschenken, unsere Kräfte und Säfte von anderen Nationen ausbeuten lassen. Wir wollen nicht mehr über die Brücken der Emanzipation gehen, die ihr und wir selbst für unseren nationalen Untergang gebaut, wir wollen nicht das Brückengeld erlegen. Wir wollten lieber den alten Leibzoll der Ausnahmestellung als den neuen Seelenzoll der Gleichmachung entrichten. Lieber Juden ohne Gleichberechtigung, als Gleichberechtigung ofcne Juden. Wir erklären uns als ein Volk über alle Reichsgrenzen, als Einheit über alle Vielheit unserer Wohnländer, mithin als Volk im Volke. Wir sind unentwegt entschlossen, unser nationales Anderssein, also unser nationales Fremdsein inmitten der Wirtsvölker, zu schützen und zu stänken. Wir Nationaljuden verkennen daher nicht die Tragik dieses eigenartigen Konfliktes, die Logik und die Rechtmäßigkcit eines nationalen Antagonismus zwischen der Landesnation und uns, die wir Fremdkörner in ihr sind und bleiben woher Dies sind 2 Seiten ans dem Werk des zionistischen Theoretikers Jakob Siahkin «Probleme des modernen Judentums" So rechtfertigen Zionisten die nationalsozialistischen Forderungen! Soziale Aufgaben der Religionsgemeinde ^cut Wilhelm M areu s. Tie ciuscheidende Frage in diesem Wahlkampfe lautet, ob man im Nahmen einer Religionsgemeinde alle die sozialen "in Haben erjüHon kann, die eine BolkSgemeinde sich als Ziel iKjuiu Hat. Unsere Lugner versnchen auü der Ta Fache, das; wir den »amps um die Religionsgemeinde führen zu folgern, das; das Programm der liberalen Partei die Erfüllung sozialer Ausgaben nicht vorsieht. Ich ioill gier nicht untersuchen, inwieweit von der zio nislischen „Indisch-.n Beltrpartet" beabsichtigt ist, die sozialen Ausgaben mit naOone! jüdischen Ausgaben in Verbindung zu bringen, sondern ich möchte bei meinen Ausführungen inich daraus beschränken, den Nachweis zu erbringen, das; die Aufgaben einer Religionsgemeinde freien Raum für die Erfüllung sozialer Arbeiten lassen. Der Begriff Religionsgemeinde ist nicht mit dem Begriff einer Kultusgemeinde zu verwechseln. Es mag zugegeben werden, das; iw der Vorkriegszeit die Verpflichtung zu sozialer Tätigkeit einer jü dischen Gemeinde wesentlich anders beurteilt wurde, als es heute der Fall ist. Mit der Demokratisierung des ganzen Staatslebens ist aber selbstverständlich eine solche auch in der jüdischen Gemeindcstube eingetreten. Sehen wir von den früheren Armen und Wohlfahrtsmaßnahmen, der Errichtung von jüdischen Hitfswerken wie Krankenhäusern, Altersheimen, Hospitälern und den Unterstützungen ab, so bleibt eine Reihe von Hilfsmaßnahmen Polizeivizepräsident Dr. Bernhard Weiß in unseren Kundgebungen vom 10. November: „Machen Sie es nicht wie der Bernhard Weiß von 1926, der der Wahl ferngeblieben ist; sondern machen Sie es wie der Bernhard Weiß von 193«: Gehen Sie zur Wahl, und wählen Sie die liberale Liste Listei übrig, die in einer modernen uird sozialen Religionsgememde zu erfüllen sind. Diese Arbeit wird ausgehen müssen von einem großzügigen Hilfswerk für oen jüdischen Mittelstand. ES würde zu weit führen, wenn ich in denr Rahmen dieses Artikels die historische und wirtschaftliche Entwicklung de- -rutschen Judentums behandeln wollte, zumal diese Frage im letzten Jahrzehnt von vielen maßgebenden Kreisen, besoickers von mir und meinen Freunden, ausführlich behandelt, worden ist. Die Tatsache der Verarmung weiter Schichten der Judenheit braucht nicht erst bewiesen zu werden. 2Wir wissen, daß diese Massen nicht nur die Träger der kleinen Gemeinden gewesen sind, sondern den größten Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung auch der Großgemeindeil ausmachen. Schon daraus ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, diese Massen im Interesse der Gemeinschaft zu erhalten. Zu diesen Kreisen gehört nicht nur die große Zahl der Intellektuellen, Handwerker, Kleinkanfleute, sondern zu ihnen gesellt sich auch das große Heer der kleinen Angestellten und Arbeiter, die alle infolge des wirtschaftlichen Niäerganges aus ihrer Lebensbahn herausgeworfen wurden und allmählich proletarisiert werden. Welche Aufgaben hat nun die jüdische Gemeinde für diese Schichten zu erfüllen? Wir müssen uns von vornherein darüber klar sein, das; diese Maßnahmen nur eine Ergänzung der staatlichen oder kommnnLlen Verpflichtungen darstellen können, und das; keine wie^lmmer geartete jüdische Gemeinschaft in der Lage sein wird, die in Gärung befindlichen ökonomischen Verhältnisse mit den vorhandenen Mitteln zu beseitigen. Ich betrachte den großzügigen Ausbau der von mir und sozialen..Krsuilden gegründeten Dartehns kasfe und des Kreditvereins als dringend notwendig, nur so Tausenden von Menschen die Existenz zu erhalten und zu verhüten, daß sie zu Wohlfahrtsempfängern gestempelt werden. Ferner muß der Arbeitsnachweis nach jeder Richtung ansgebaut und unterstützt werden, um diejenigen Kreise itt Arbeit zu bringen, die infolge ihres Judeseins ans dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet worden sind. Als selbstverständlich muß verlangt werden, daß die Gemeindeverwaltung die Arbeiten an jüdische Unternehmer vergibt, und das; in ihrer Verwaltung jüdische Arbeiter verwandt werden. Wogegen wir uns entschieden wenden müssen, ist die gerade von der Voikspartci propagierte Idee, durch Errichtung eigener Produktionswerkstätten einer Anzahl jüdischer Arbeitsloser Beschäftigung zu geben. Abgesehen davon, das; wir im Interesse der Erhaltung des fchwerringcndcn jüdischen Mittel standes nicht auf Kosten der Allgemeinheit Konkurrenzunternehmen züchten dürfen, wissen wir aus Erfahrung, das; alle derartigen Unternehmungen nur durch ungeheure Zu schlisse der öffentlichen Verwaltung, also mit Mitteln der Steuerzahler, erhalten werben lvnncn. Tiefe Untcrriehinungcn sind im Konkurrenzkampf gegen die rationalisierte deuhche Industrie mit ihre in Mangel an Kapital und Arbeitskräften, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Deshalb müssen wir diese Einrichtungen aus das allerentschiedenste ablehnen. Die Zusammensetzung der liberalen Kandidatenliste für die neue Rcpräsentantenversammlung bürgt, da alle sozialen Schichten in ihr vertreten sind, — der inbuflvieilr Unter nehmer, der Akademiker und der Grostkansmnnn, der Hand Werker, der Bearnte und der Angestellte — dafür, das; der soziale Geist in der neuen Gemeindevertretung ansrechr er halten bleiot. Sotten alle sozialen Ausgaben einer jüdischen Gemeinde erfüllt werden, und zwar ohne Verbind!', eg mit zionististhem Geist, so muß jeder Liberale seine Pflicht tun und mit 30. November die Liste wählen, die ihre Versprechungen!tiIr: L i st e 1: Liberale P artei. Wählt liberal 2 Stimmzettel im Wahllokal ankreuzen l'iir die K€k|>räsentantenwahlen des* Berliner Jüdischen Gemeinde Für die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden 1 liberale Partei Dr. h. c. Wilhelm Kleemann, R.-A. Heinrich Stern, Bertha Falkenberg, Wilhelm Marcus X 2 J üili sehe Volk spart ei (Zionisten) usw. Splitterparteien s 1 | richtige Hierher das Zeichen 1 liberale Partei Leo Wolff, R.-A. Heinrich Stern, J.-R. Brodnitz, Minna Schwarz. X s Jüdische Volkspartei (Zionisten) 3 nsw. Splitterpartei en Die richtige Wahl Hierher das Zeichen

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