Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 46 (12.11.1930)
- Date
- 1930-11-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Jahrgang Nummer 46 Wisch-liberale Zeitung Beilage 12.5iooembet 1930 Wen in der deutschen Wirtschaft Soeben erscheint ans der Feder von Kurt Zielenziger im Welt-Verlag, Berlin, ein äußerst lesenswertes Buch unrer dem Titel „Inden in der deutschen Wirtschaft". Tas Buch zeigt, wie den Juden der Wandel vom Ghettohändler zum Wirtschastssührer ermöglicht wurde. In 22 Portraits werden bedeutende Wirtschaftsführer des 19. und 20. Jahrhunderts, Bankiers, Industrielle, Reeder, von Rothschild bis Goldschmidt gezeichnet. Wir veröffentlichen aus diesem Buche mit freundlicher Genehmigung des Autors eins der interessantesten Kapitel im Auszug. Tie Red. Ter Gedanke des nationalen Staates wirdin Deutschland aus dem Boden der Territorialstaaten verwirklicht. Mit dem Prinzip der volkswirtschaftlichen und politischen Konzentration versucht der Landesherr alle produktiven Kräfte seines Staates zu höchster Entfaltung zu bringen. Als Merkaniitift verlangt er die volle Individualität seines Staates, die er dem einzelnen versagt. Staats-, Wirtschaft»- und vor allem Bevölkerungspolitik werden dem Einzigen Ziel der höchsten Machtentfaltung des eigenen Staates untergeordnet (vgl. das Buch des Verfassers: „Tie alten deutschen Kameralisten", Jena 1914). In diese Politik werden die Juden bewußt eingereiht. Tie Fürsten rufen sie herbei, um die Finanzierung ihres Landes unabhängig von den Ständen durchzuführen, um die Gelder für die Armeen zu beschaffen und durch sie neue Gewerbezweige ins Leben zu rufen. Sie sollen das Monopol der traditionellen Körperschaften durchbrechen. Aus diesem Grunde nimmt auch! der Große Kurs ü r st vor der Emanzipation in Preußen Juden bereitwillig, in seinem Staate auf. 'Als er zur Regierung kommt, ill die Mark Brandenburg noch, judenrein. Durch das Edikt vom 21. Mai 1671 werden fünfzig Wiener jüdische Familien zuuLrhst für zwanzig Fahre zugelassen, denen der freie Handel mit verschiedenen Produkten und der Kauf oder die Miete von Häusern gestattet wird. In fast allen brandenburgischen Provinzen werden sie der direkten Aufsicht der Regierungen unterstellt. Ten Juden Berenv Levy aus Bonn, der sich auch andern Fürsten gegenüber als ein gewandter Unterhändler bewiesen und ihnen mit Anleihen ausgeholfen hatte, macht der Kurfürst bereits 1650 zum „Befehlshaber und Vorgänger" der Juden von Halberstadt, Minden, Ravensberg, Cleve und Mark. In Ostpreußen sind die Juden stark am Im- und Exporthandel beteiligt. Sie importieren Salz, Tabak, Wein, Zitronen und Porzellan. Seit 1671 ist ihnen der Handel mit Wolle und Tüchern erlaubt, sie handeln auch mit Fellen, Leder und Rauchwaren. Dien Juden David Nathan und Hartwig Daniel erteilt der Große Kurfürst eine Konzession für den Tabakbau in der Mark. „Wenn er in allen Provinzen die Handelstätigkeit der Juden auffallend unterstützte, so tat er es wohl aus der ganz allgemeinen Absicht heraus, durch sie mehr Geld in Urlauf zu bringen, den noch! halb natural wirtschaftlichen Charakter seines! Staates in den modernen geld^- und kreditwirtschaftlichen nmzugeftottcu Ebensosehr war es ihm aber darum zu tun, durch ihre größere kommerzielle Erfahruug und ihren frischen Unternehmermut seine bedächtigen, seßhaften und selbst zuffiedeneu Untertanen mit fortzureißen, sie als Lehrer für sie auszunutzen" (Selma Stern, Ter preußische Staat und die Juden, 1. Teil, Berlin 1925). Tiefe Politik der milden Behandlung der Juden wird zunächst von Friedrich I. fortgesetzt. Er erteilt 1703 dem Salomon Jsaac die Erlaubnis, eine Manufaktur in Strikkereren anzulegen. Ein Jahr später erscheint das Generälprivileg für die tzalleschen Juden, das die Niederlassung von Juden in Halle fördern soll, „das mildeste, wohlwollendste und freiheitlichste aller Judenedikte der Zeit" (Selma Stern). Es bewirkt, daß> sich in Halle eine Reihe der reichsten Juden ansiedeln. In Ostpreußen erhalten Juden die Konzession für die Litzenmacherei. Diese merkantilistische Politik begünstigt die Einwanderung der Juden aus allen möglichen Ländern. Berlin zählt 1707 schon über hundert jüdische Familien. Meist leben sie vom Handel, denn sie dürfen auch jetzt nur die Handwerksberuse ergreifen, auf die die Zünfte keinen Wert legen. In Mark und Cleve gibt es Glasmacher, Branntweinbrenner in Berlin, Bielefeld und Ostpreußen, Pelzfärber in Königsberg, Knopfmacher in Frankfurt a. d. O., daneben in verschiedenen Städten auch Schneider, Sattler, Mützenmacher, Perlsticker und Buchdnicker. Jo Berlin findet man besonders Graveure, unter ihnen auch einen Hofpetschierstecher. Bedeutendere Fabrikgründungen durch Inden treten erft unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich! dem Großen in Preußen in die Erscheinung, hauptsächlich im Textil- und Seidengewerbe. Im Jahre 1730 erhält Hirsch David eine Subvention für seine Samtmanusakiur in Potsdam. Aber alle diese Manufakturen bleiben Ausnahmen. Tas revidiertde Generaljudenreglement Friedrich des Großen vom 17. April 1750 unterwirft die Juden besonders strengen Vorschrift, ten. Tie 1769 von ihm eingeführte Porzellanabnahmeverpflichtung ist ein typisches Merkmal des merkantilistischen Regimes. Denn der große König, der den Juden viel lveniger gewogen ist als seine Vorgänger, hält sie für geeignet, um sie durch! die drückendsten Maßnahmen zu zwingen, diese Lievlingsschöpfung seiner Wirtschaftspolitik zu fördern. Wenn auch nicht in das Ghetto eingesperrt, bleiben die Inden in Preußen in ihrer Mehrzahl genau so verachtet und abgesondert wie in andern deutschen Ländern. In steter Sorge um die Erneuerung der Schutz- und Geleitbriefe sind sie ständige Objekte besonderer Gesetze, immer gewärtig, durch eine Laune des Herrschers Heim und Habe wieder zu verlieren. Stärker als durch das Gewerbe und die Manufakturen, größer als durch den Handel ist der Einfluß, den die Juden durch Geld- und Kreditgeschäfte vor ihrer Emanzipation auf das Wirtschaftsleben gewinnen. „Mit der sicheren Witterung, die sie für oas Neue, für das Morgen hatten, spürten sie die äußere Umschichtung der Welt, den Ersatz der Geburt und Würde durch« das Geld. Sie hatten es erfahren; m Unsicherheit, Rechtlosigkeit, Fährnis gab es einen einzigen Schild zwischen lauter wankendem, versagendem Grund, ein einziges festes: Geld. Ten Juden mit Geld hielten die Wächter nicht an den Toren des Ghettos, der Jude mit Geld Berliner Kundgebungen am " '., dem 17. November 1930, abends $ Ahr Kammersäle, Teltower Straße 1-4 R e f e r e n t e n: Dr. Kurt Fleischer George Goetz!>r. Salli London I>r. Manfred Hey er Sophiensäle. Sophien-Straße 17-18 Referenten: Dr. Ilja Goldmann Ludwig Herrmann Wilhelm Harens Moritz Rosenthal Martin Schneider Concordiasäle. Andreas-Straße 64 Referenten: Dr Reinrieh Flkeles Hermann Falkenberg Hartin Sobotker Louis Wolff Bürger-Säle Neukölln, Bergstraße 147 Referenten: Dr. Max Hayer Fitei Rockmaeher Deutsches Haus, Karlshorst <Am Bahnhof) Referent: Direktor Dr. Gutmann Gemeindehaus in Oranienburg Referent: E. Ehren reich 3u diesen Kundgebungen ist der Zutritt für Freunde unserer Bewegung ohne Eintrittskarten gestattet Vachfaal, Lühowstraße 76 Programm: 1. Präludium Es-Dur Orgelsolo: Paul Mania 2. Begrüßungsansprache 3. Die Allmacht Paula Lindberg 4. Largo sostenuto aus dem Streichquartett E-Moll Berliner Streichquartett (Ortenberg, Feinland, Bkumberg, Nowogrudsky). 5. Ansprache 6. a) Menuett aus dem IX. Orgelkonzert b) Capriccio Es-Tur Orgelsolo: Paul Mania 7. Ansprache 8. a) Arien aus dem Elias Weh ihnen, daß sie von mir »veichen Sei Ml dem Herrn und warte auf ihn b) Arioso „Dank sei Dir, Herr" Paula Lindberg 9. 1. Satz aus dem Streichquartett E-Moll Op. 59,2 Berliner Streichquartett 10. Ansprache 11. Chaconne mit Variationen Orgelsolo: Paul Mania Zu diesen drei Kundgebungen ist Marmorsaal, Zoologischer Garten Programm: 1. Ouvertüre zur Oper „Iphigenie in Aulis" Chr. W. Gluck Berliner Sinfonie-Orchester, Dirigent: Dr. Hermann Schildberger 2. Begrüßungsansprache 3. Arie aus dem Oratorium Elias: „Cs ist genug" Felix Mendelssohn-Bartholdy Opernsänger Fritz Lechner, mit Orchesterbegleitung 4. Ansprache 5. VII. Symphonie, 2. Satz Ludwig van Beethoven Berliner Sinfonie-Orchester, Dirigent: Dr. Hermann Schildberger 6. Ansprache 7. a) Gebet (Herr schicke, was du willst) Kaisersaal Zoologischer Garten P r o g r a m m: 1. Andante aus dem E-Moll-Trio Menbelssohn-Bartholdy Prof. Mayer-Mahr, Alfred Wittenberg, Eva Heinitz 2. Begrüßungsansprache 3. Fcsthymne zgehm Oberkantor Wilhelm Fricdmann 4. Ansprache 5. Arie aus Elias: Höre Israel Mendelssohn-Bartholdy Arie aus Aida: Ms Sieger kehre heim Berdi Opernsängerin Frieda Wolf 6. Ansprache 7. Erster Satz aus dem B-Dur-Trio Beethoven Prof. Mayer-Mahr, Alfred Wittenberg, Eva Heinitz 8. Ansprache 9. Arie aus Elias: So ihr mich von ganzem Herzen suchet Mendelssohn-Bartholdy Oberkantor Wilhelm Friedmann 10. Ansprache 11. Andante aus dem G-Dur-Trio Haydn Prof. Mayer-Mahr, Alfred Wittenberg, Eva Heinitz Paul Mania Franz Schubert Smetana F. Händel F. Handel Mendelssohn- Bartholdy G. F. Händel Ludwig v. Beethoven Karg—Elert d) Arioso Opernsänger Fritz Lechner 8. Ansprache 9. Nocturno aus dem Sommernachtstraum Berliner Sinfonie-Orchester, Dirigent: Dr. Hermann Schildberger 10. Die Allmacht Opernsänger Fritz Lechner. 11. Ansprache 12. Krönungsmarsch aus der Oper „Der Prophet" Berliner Sinfonie-Orchester, Dirigent: Dr. Hermann Schildberger. der Zutritt nur gegen Eintrittskarten gestattet, die noch in Hallesches Ufer 22, schriftlich anzuforder» sn Hugo Wolf 8. F. Händel Felix Mendelssohn-Bartholdy Franz Schubert Giacomo Meyerbeer Der Konzertflügel ist von der Firma C. Bechstei'n zur Verfügung gestellt. sehr begrenzter Zahl beim Liberalen Verein (Wahlbüro), SW 1.1, 92