Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 46 (12.11.1930)
- Date
- 1930-11-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aste: Dr. Artur Gumbert, Frau Sofie Stern). Die Jüdisch-dcmokralischt Bolkspartei benennt 3 Kandidaten: R.-A. Hans Block, R.-A. Georg Goldstein, Tr. Albert Sutke (für die Ersatzlistc: Benjamin Fische!, Elisabeth Katz). 15 der 21 Kandidaten gehörten bereits dem früheren Kolleg an. Heidelberg. Verleihung von Prämien an jüdische Frauen Badens.) Der Obcrrat der Israeliten in Baden hat sechs jüdischen Frauen in Anerkennung ihrer Verdienste, die sie sich während einer langen Reihe von Jahren im Dienste der jüdischen Allgemeinheit erworben haben, den Fanny und Michel Wcilschen Tugendpreis verliehen: Frau Berta Drehsuß in Ennnendmgen, Frau Berta Geismar in Konstanz, Frau Lina Gutmann in Karlsruhe, Frau Selma Hamburger in Karlsruhe, Frau Meta Kahn in Ofsenburg und Frau Martha Meyer in Heidelberg. Kassel. (Einheitsliste.) Nach langen und zum Teil recht schwierigen Verhandlungen ist cs gelungen, eine Einheitsliste des 10. Wahlkreises (Kassel und Wiesbaden) für die Wahlen zum Prcuß. Landesverband jüd. Gemeinden auszustellen. Als gewählt gelten: 1. Bankier Ballin (liberal), 2. Fabrikant Julius Löwenthal (konservativ), 3. Lehrer W. Bacher (Jüdische Bolkspartei), 4. Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden (liberal), 5. Kaufmann Bamberger, Homburg (konservativ). Kassel. (Sitzung. des A e l t e st c n - K o l l c g i u m s.) Nach einem früheren Beschluß der Gemcindealtesten soll am Jahrestage des Todes von Franz Rosenzweig eine Gedenkfeier ftattfinden. Unter Zugrundelegung der früheren Beschlüsse werden Gemeindeältester Dr. Rothschild und Landrabbiner Tr. Walter mit den Vorbereitungen für die Feier betraut. Eine Eingabe der Zentralwohlfahrtsstelle veranlaßte den Gemeindeältesten A. Heinemann zum Hinweis, daß mehr Damen und Herren sich in den ehrenamtlichen Dienst der Wohlfahrtspflege stellen müßten. Ein Antrag des Leiters der Israelitischen Volksschule um Beihilfe für eine Chanukahseicr wird in zustimmendem Sinne erledigt. Der öffentlichen Sitzung folgt wieder «ine geheime von längerer Dauer. Kassel. (Schule der jüdischen Jugend.) Vertreter der hier bestehenden Jugendorganisationen haben sich zur Gründung einer Schul« der jüdischen Jugend entschlossen, wie sie in anderen Großgemeinden besteht. Dadurch soll der Zusammenschluß aller schon bestehenden Jugendgruppen und die persönliche wie geistige Annäherung) der Jugendlichen erzielt werden. Die vorbereitenden Verhandlungen, an denen Landrabbiner Dr. Walter und Dr. Rothschild als Vertrete« des Gemeindevorstandes teilnahmcn, sind so weit gediehen, daß mit der baldigen Ausnahme der Kurse und Arbeitsgemeinschaften in religiösen und profanen .Wissensgebieten gerechnet werden kann. Der Gedanke einer Schule der jüdischen Jugend begegnet innerhalb der jugendlichen Kreise lebhaftem Interesse. Bad Kissingen. (Todesfall.) Eine langjährige Gönnerin der hiesigen Israelitischen Kinderheilstätte ist in Frau Rosalia Borg>- mann, Fürth, ihrem Wirkungskreis entzogen worden. Die Verstorbene brachte allen Vorgängen des religiösen Leberts lebhaftes Jnteressy entgegen und erfreute sich wegen ihres lebhaften Wohltätigkeitssinnes Über die Grenzen ihrer Heimatgemeinde hinaus größten Ansehens. kiftaigrderg. (Hauptversammlung des Verbands dir Synagogen gemeinden Ostpreußens.) Nachdem kürzlich die Ausschußtagung des Synagogenverbandes stattgesunden hatte, hielt dieser nunmehr gleichfalls in Königsberg seine außerordentlich gut besuchte Hauptversammlung ab, um neben den konstitutionellen und Borstandssragen insbesondere zu den Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Steilung zu nehmen. Der Berbandsvor sicher Arthur Cohn leitete die Tagung. In seinen Begrüßungsworten gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Synagogengemeinde Danzig sich dem Verband angeschlossen habe und auf der Tagung durch ihren Vorsitzenden, Justizrat Dr. Zander, vertreten sei. Sodann wurde in die Beratungen über die Ausstellung eines Wahlausschusses sür die Landesverbandswahlen eingetreten. Seitens eines Teils der Versammlungsteilnehmer wurden Bedenken dagegen vorgebracht, daß der Synagogenverband zu diesen Wahlen durch Ausstellung einer Kandidatenliste Stellung nehme. Die überwältigende Mehrheit entschied jedoch, daß eine solche Stellungnahme nicht gegen die Satzungen verstoße. Nach dieser Abstimmung erstattete der Borsteher einen Bericht über die Landesverbandswahlen. Er gab zunächst einen Ueberblick über Wesen und Verfassung des Landesverbandes, bei dem im allgemeinen aus je zwanzigtausend Juden ein Ratssitz entfalle. Ostpreußen zähle zwar nur elftausend jüdische Einwohner, doch sei nach der Verfassung sür sie ein Ratssitz und vier Abgeordnetensitze sestgelegt mit Rücksicht auf die hier besonders gelagerten Verhältnisse. Sodann nahm er sür den Synagogenverbanh in Anspruch, daß dieser das Mitglied für den Rat stelle.^ Es sei ein objektives Unrecht gegenüber den tteinen Gemeindeir, daß die Großgemeinde Königsberg sür sich den Ratssitz in Anspruch nähme. Demgegenüber wies der Vorsitzende der Königsberger Synagogengemeinde, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Falkenheiin, darauf hin, daß er in seiner Eigenschaft als bisheriges Ratsmitglied sich stets als Vertreter der gesamten Provinzgemeinden gefühlt und betätigt habe. So sei die Ostpreußenhilfe des Landesverbandes bewilligt worden, ohne daß der Verbandsvorsteher den Ratssitz inn« gehabt Hab«. Bei der Besetzung des Ratspostens komme cs auch aus weltanschauliche Fragen an. Tie kommende Laudesvcrbandsversammlung habe über das neue Judengesetz zu entscheiden und es sei von ausschlaggebender Bedeutung, ob in diesem die Aufrechterhaltung der Gemeinden als Religionsgemeinden oder als Volksgemcinden zum Ausdruck komme. Es setzte eine sehr lebhafte Diskussion ein, an der sich eine Reihe von Gemeindevorstehern und Repräsentanten aus der ganzen Provinz sowie andere Verbandsmitgtieder sich beteiligten. Die Abstimmung ergab, daß zweiundachtzig Stimmen für den Berbandsvorsteher Arthur Cohn, der der Jüdischen Bolkspartei angehürt, und sechsundfünszig Stimmen sür den ans liberalem Boden stehenden Gcheimrat Falkenheiin abgegeben wurden. Für die Liste der Abgeordneten wurden als Königsberger Vertreter Waisenhausdircktor Peritz (mittelparteilich), Bankbirektor Hermann Marx (konservativ) und als Provinzvertretcr Rechtsanwalt Dr. Ehrlich, früher Tilsit, jetzt Königsberg, (liberal), sowie Rechtsanwalt Neumann II, Allensteii, (liberal), in Aussicht genommen. Nach einem Mittagessen, zu dem die Königsberger Gemeinde die Teilnehmer eingeladcn hatte, erfobgte die Wiederwahl des Wahlausschusses und seine Ergänzung. Zum Bcrbandsvorsteher wurde Kaufmann Arthur Cohn einstimmig wiedergewählt. In den Ausschuß traten neu ein: Brauereidirektor Hirschfeld, Tilsit, Kaufmann Selbiger, Maricnwerder, Kaufmann Sally Joachim, Königsberg, und Rabbiner Dr. Apt, Allenstein, sowie Frau Adele Nadel, Königsberg, Im Anschluß hieran erstatteten Rechtsanwalt Reumann II, Allenstein, und Kaufmann Rodominsky, Gumbinnen, Referate über die Besteuerungsmöglichkeiten der Synagogengemeinden, in denen sie steuertechnische Wege sür die Erfassung der Gemeinde beitrüge wiesen. Schließlich gab der bisherige Kassensührer, Kaufmann Sigmund Wolfs, den Kassenbericht. Leipzig. (Ausspracheabend über „Ter religiöse Liberalismus".) Zur Zeit veranstaltet die zionistische Bereinigung Leipzig und die nationaljüdischc Arbeitsgemeinschaft Leipzig eine Vortragsreihe, die der Klärung schwebender jüdischer Problems dienen soll. Der erste Abend beschäftigte sich mit dem religiösen Liberalismus. Rabbiner Tr. Elk, Stettin, hielt den einleitenden Vortrag. Nach einer Abgrenzung des Begriffs gegen die Orthodoxie einerseits, den Subjektivismus andererseits, untersuchte der Redner die Lage des liberalen Judentums und k.r n in seiner Kritik zu dem Ergebnis, daß der religiöse Liberalismus in einen Zustand der Stagnation gelangt sei, daß seine Entwicklung nottvendig dahin, führen mußte, weil er aus rationalistischen Gedankengängen heraus sich in einen christlich-wirtschaftlichen Kulturkreis gestellt und dabei den Lebenszusammenhang mit dem Judentum g,-opfert habe. Die durch den jüdischen Nationalismus hervorgerufene Belebung jüdisch-kultureller Werte übe auch beachtlichen Einfluß aus die liberale Idee; das nationale Leben, das sich in Palästina entwickle, der geistige Nationalismus eines Achad Haam und die dadurch entstehende Bewegung seien allein .geeignet, dem Liberalismus eine Zukunft zu sichern, da sie den Lebenszusammenhang wieder Herstellen und die im Liberalismus wirkenden religiösen Kräfte zum Ausbau neuer religiöser Haltung aus dem Boden des Judentums heraus lebendig machen würden. — An den Bortrag schloß sich eine äußerst rege Aussprache, in der Vertreter der verschiedensten Richtungen zu den Ausführungen und den angeschnittenen Fragen Stellung nahmen. Die national gerichteten, orthodoxen Redner erkannten in den Gedankcngängen des Vortrags die Anfänge einer Entwicklung zürn Volljudentum in jüdisch-religiöser und jüdisch-nationaler Hinsicht und fanden so einen gewissen gemeinsamen Boden auch mit den liberalen Gedanken. Durchaus verständnislos gegenüber dem liberalen Gedanken äußerte sich der orthodoxe Rabbiner Dr. Carlcbach, der dem> Liberalismus jeden religiösen Wert absprach, da jüdische Religiosität lediglich im jüdisch-rituellen Gesetz bestehe. Bon liberaler Seite sprachen die beiden liberalen Gcmeinderabbiner. Herr Rabbiner Di. Goldman«, betonte, daß dem nationalen Judentum als solchem, jüdische Werte nicht zuzusprechen seien; Judentum ohne jüdische Religiosität verliere seinen eigentlichen Sinn. Herr Rabbiner Cohn trat insbesondere der irreführenden Darstellung des liberalen Juden-- tnms durch den Redner entgegen, in dem sehr beachtliche religiöse Werte ruhen, bi.e sich im Laufe der Entwicklung und gerade im neuesten Stadium wiederum aufweisen ließen. — Es ist aus mehr als einem Grunde bemerkenswert, daß der religiöse Liberalismus in nationalen Kreisen Gegenstand der Erörterung ist; man hat dort den Begriff eines Jungliberalismus geprägt, den man dem alten Liberalismus entgegenstellt. Tie Vorgänge sind ivert, von uns mit größter Aufmerksamkeit verfolgt zu werden. tyimafen*. (fßürfönlidjeä.) Zum Nachfolger des verstorbenen Bezirksrabbiners Dr. Eugen Meyer wurde Rabbiner Dr. Dagobert Nellhaus, zur Zeit Stadtrabbiner in Hirschberg (Riesengebirge), zum Bezirksrabbiner des Rabbinatsbezirks Pirmasens gewählt. Der neu gewählte Bezirksrabbiner wird sein Amt voraussichtlich am 1. April 1931 antreten. Plauen i. Bvgkl. (Tie Juden Plauens und des Vogtlandes im.Mittelalter.) Ter „Verein sür Vogtländische Geschichte" eröffnet« die Reihe seiner Wintervorträge mit einem Bortrag des Stadtarchivars Dr. Pietsch über: „Tie Juden Plauens und des Vogtlandes im Mittelalter". Sei es nun, daß die Erörterung jüdischer Dinge gegenwärtig allgemein besonders interessiert, sei es auch, daß über die Judengemeinden des Bogtlandes wenig Material besteht und man sich von den Forschungsarbeiten des Herrn Tr. Pietsch aufschlußreiche Darlegungen erhoffte, jedenfalls war der Besuch ein sehr erheblicher. Auch seitens der jüdischen Gemeindemitglieder war der Ankündigung des Vortrages größte Aufmerksamkeit geschenkt worden und auch diese waren, wenn auch nicht sehr zahlreich, vertreten. Keiner hatte aber ahnen können, was in jahrelanger Forschertätigkeit Herr Dr. Pietsch zusammengetragen hatte und was er uns in äußerst anschaulicher Form vortrug. Biele, seiner Quellen sind erstmalig hier bekannt geworden. Das Vogtland, das im Mittelalter ein einheitliches Gebilde war und erst später in 4 Kleinstaaten hineingeteilt wurde, umfaßte die Judengemeinden von Hof, Plauen, Schleiz, Weida und Gera. So kehren auch in den Quellenbüchern immer diese Städtevereinigungen wieder. Gegen 1330 lassen sich urkundlich in Plauen die ersten jüdischen Bewohner feststellen und bis zu 1483 zieht sich eine Kette von urkundlichen Unterlagen über die Ansässigkeit von Juden in den obigeu Gemeinden hin, um daun plötzlich abzureißen. Bon 1500 bis ins 19. Jahrhundert wohnten dann — urkundlich — keine Juden in Planen Ein Teil des Vogtlandcs wurde 1374 an den Burggrasen Friedrich von Nürnberg verkauft, und zwar war das die Hofer Gegend, Dieser Fürst stellte seinen Juden besondere Vorrechte zu, so daß eine Abwanderung der Plaucner Juden nach Hos, eben dieser Vorrechte willen, zu verzeichnen ist. Diese Vorrechte scheinen umfangreicher geivesen zu sein als die, die 1361 der Kaiser Karl IV. den böhmischen Juden gewahrte, und die auch für Plauen zutrafen, das zu jener Zeit auch böhmisch war. Noch heute zeigt das alte Plaucner Stadtstatut den Wortlaut jenes Schutzbrieses, der den Juden „alle Rechte an Klage und Buße im Weichbild der Stadt wie allen Christen" zuerkennt. Die heutige Jüdengasse stellt den Platz dar, wo dhedem der jüdische Friedhof war, und der Vortragende glaubt, wenn einmal auf diesem Boden neu gebaut wird, daß noch erhebliche Ausgrabungcn zu erwarten sein dürsten. Dem reichen Beifall folgte eine kurze Diskussion, in der unser Prediger Herr Hermann seine Mitarbeit zur Verfügung stellt und in der der Gemeindevorsteher Herr Dr. Goldderg seinem besonderen Dank Ausdruck gab und mitteilte, daß die loertvollen Forschungen des Herrn Dr. Pietsch in den Jahrbüchern des „Vereins für Jüdische Geschichte" in Berlin veröffentlicht roerden sollen. — Anschließend zeigte der Archivar iw Stadtarchiv die alten Urkunden, denen er sein Wissen entnommen hat und man konnte mit Erstaunen seststellen, wie viel und wie wertvolle Urkunden im Stadtarchiv ausbewahrt werden. Tilsit. (Friebhofsschänöung.) In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober drangen bisher unerkannt gebliebene Täter in den Friedhof der jüdischen Gemeinde von Tilsit (Ostpreußen) ein und richteten ungeheure Zerstörungen an. Nicht lveniger als 8 Grabsteine wurden umgeworfen. Es kann sich hier nicht um einen leichtsinnigen Streich von Schulkindern handeln, da solch« niemals in der Lage gewesen wären, die schweren Steine umzustürzen; man yimmt darum an, daß es sich, um durch die andauernde judenfeindliche Agitation der Nationalsozialisten politisch verhetzte Kreise handelt, die zu suchen Untaten angereizt wurden. Die Tilsiter Kriminalpolizei ist eifrig bemüht, die Täter zu ermitteln, für deren Ergreifung eine Belohnung von mehreren hundert Mark ausgesetzt wurde. Es ist dies die 95. Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland in den letzten Jahren. Trebnitz. (F r iedhos ss >chändung.) Der jüdische Friedhof auf dem Psarrbcrg zwischen Trebnitz und Obernigk wurde bgn. bisher unerkannten Tätern geschändet. 34 Grabsteine tvurden umgeworsen, andere mit Hakenkreuzen bemalt. Die Fenster der Leichenhalle wurden eingeschlagen und die Wärche mit Aufschriften „Heilt Hitler, Juda verrecke!" beschmiert. Di« jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark sür Ergreifung der Täter ausgesetzt. * BÜCHERSCHAU ★ Dr. P. J. Kohn: Rabbfnischer Humor aus alter und neuer Zeit. Eine Sammlung von Anekdoten und „guten Wörtchen“. Zweite vermehrte Auflage. Frankfurt a. M. 1930. (J. Katiffmaim.) Aus dem Talmudstudium stammen diese scharf pointierten „guten Wörtchen“, die dem frohen Spiel des Geistes an den Dingen der profanen Wirklichkeit freien Lauf lassen. Kritik an den Zuständen des jüdischen Lebens im allgemeinen wie an menschlichen Schwächen der Einzelnen wirf in Formen geübt, wie sie für die talmudischen Erörterungen geberäuchlich sind. Diese spitzen, oft spitzigen Anekdoten, zu Hunderten als „Wörtchen“ der berühmtesten rabbinischea Talmudlehrer neuerer und neuester Zeit bekannt, richten sich auf alle Beziehungen des jüdischen Lebens, auf Rabbiner und Bachurim, auf den Gelehrten und den Am haarezr Männer und Frauen, Reiche und Arme, Alltag und Feste. Der Ursprung dieser Geschichtchen in den Köpfen der nach traditioneller Art am Talmud Interessierten verschont mit seinem Spott auch nicht den liberalen Juden und weiß bisweilen mit beißender Schärfe den Wandel im religiösen Leben zu treffen, der durch die Kultreformen des 19. Jahrhunderts eingetreten ist. Nimmt man diese Stücke als das» was sie sein sollen, als Erheiterung des Gemütes durch die Freude am Scharfsinn, dann lacht man mit den Lachenden, auch wenn man (weiß, daß die Kritik nicht trifft,, daß sie nur eben geistvoll genannt werden darf. Wer mit der Methode des „Lernens“ vertraut ist, wird unter diesem Gesichtspunkt manche frohe Stunde an dem Buche verbringen^ dafür spricht auch schon der Umstand, daß das Buch in zweiter Auflage erscheinen konnte. Gustav Cohn, Leipzig. Franz Rosenzweig. Eine Gedenkschrift. Im Auftrag des Vorstands der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M» berausgegeben von Dr. Eugen Mayer. Frankfurt a. M. 1930. Die Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. und der rührige Herausgeber dieser Gedenkschrift verdienen aufrichtigen Dank für dieses auch sie ehrende Zeugnis ehrfürchtiger Verehrung für einen wahrhaft Großen. Die Gedenkhefte des Frankfurter Israelitischen Gemeindeblattes, in denen die hier vereinigten Beiträge zuerst veröffentlicht waren, sind vergriffen; sie dürften auch, als Teile eines Organes mit im wesentlichen lokaler Verbreitung, nicht so sehr ihre Aufgabe haben erfüllen können wie diese auch in ihrer äußeren Form würdige Sammlung. Hinzu kommt, daß einige Erweiterungen und Berichtigungen vorgenommen werden konnten, und auch Leo Baecks Gedenkrede festgehalten ist. In der Reihe der Gedenkschriften, die dem allzufrüh Vollendeten gewidmet sind, füllt diese einen besonderen Platz: die große Zahl der einzelnen Beiträge (mehr als zwanzig),, die in gedrängter Kürze, Jeder von einem anderen Blickpunkte aus andere Seiten ins Licht rücken, tragen ungewöhnlich viele Einzelzüge zusammen und lassen den Menschen und sein Werk, seinen Geist und sein Schicksal so lebendig vor uns erstehen wie kaum sonst. Aus der Fülle der Gedanken seien an dieser Stelle besonders Ernst Simons „Bemerkungen zu Rosenzweigs Stellung zur Tradition“ hervorgehoben, die in dem Satze gipfeln, daß der große Denker ein liberaler Jude war: wenn R. „zuletzt beinahe wie ein orthodoxer Jude gelebt hat“, so nur, nachdem er in kühnem schöpferischem Anknüpfungen an Altes den Grund zu neuer Tradition gelegt hat. — Wir sollten uns in unseren Kreisen nicht nur aus pietätvollem Gedenken mit Franz Rosenzweigs Gedanken, seinem Leben (dem das Buch eine eingehende Darstellung gibt) und seinem Werke (das hier gleichfalls zusammengesfellt ist) befassen; es würde der Entwicklung liberaler Auffassung manche wertvolle Bereicherung aus solcher Beschäftigung zufließen. Gustav Lohn, Leipzig. Marcus Ehrenpreis. Propheten und Gottesmänner. Mit acht Bildtafeln. 1930, Der Heinebund. Berlin W 57, Pallasstr. 10-11 Zu den biblischen Schriften zurückkehren heißt, sich seines Judentums bewußt werden. Hier finden wir — zumal im klassischen Propheten — den Wesenskern unserer Religion. Wenn auch die „Quel e des Lebens“ am offenbarsten und reinsten im Urtext zu Tage tritt, so müssen wir es trotzdem dankbar begrüßen, wenn weiten Kreisen durch Uebersetzung und Paraphrase das Verständnis für das biblische Altertum erschlossen wird. Der ehrwürdige Verfasser des vor uns liegenden Buches führt uns ldealgestahen wie Mose, Arnos, Jesaja, Jeremia. Hesekiel, Deutero- Jesaja und Esra vor Augen und zu Herzen. Mit lebhafter Begeisterung schildert er diese Helden des Geistes, wobei wir zugleich eine Uebersicht gewinnen über die historische Entwicklung der altjüdischen Zeit mit ihren religiös-ethischen und soziologischen Problemen, die auch in unseren Tagen von großer Bedeutung sind. Unermüdlich betonen die Propheten, daß in einem geordneten Staatswesen als unablässige Notwendigkeit die soziale Gerechtigkeit vorherrschen müsse, während sie alle sittlichsozialen Mißstände mit dem größten Eifer bekämpfen. Durch den Despotismus und die Rechtsbeugung der damaligen „Großen“ wurden die Gottesmänner zu dieser ihrer Stellungnahme gedrängt. Im Gegensatz zu den Mächten im Reiche finden wir unsere Propheten immerauf Seite der Bedrückten. Wir können dem H e i n ebu nd und dem Verfasser von ganzem Herzen dankbar sein für das uns bescherte Werk, das sicherlich allenthalben mit Begeisterung gelesen und mit Hoffnung auf bessere Zeiten erfüllen wird. Das tut uns jetzt ganz besonders not. Mögen unsere Worte nicht ungehört verhallen. Dr. M. Spanier, Magdeburg. Sendet den fälligen Beitrag für das 4. Quartal 1»30 auf das Postscheck-Konto der Bereinigung für das liberal« Judentum Berlin Rr. 1370## ein. Freie JUdisehe Volkshochschule und Jung JOhisehe Friehensgeieinsehait Sonntag, 16.November, lOVaUhr, vorm., Synagoge Prinzregentenstraße 69/70 UibliL Dr.aLeo MECK: Pazifismus liertreierd. J.F.6.: Friede durch die jubbob (Unkostenbeitrag Mk. 0,25). Yerein für Feuerbestattung ln Berlin von 1874, e. Y. Ttm. fcoittnlM# PeaerbeiUttiBf Annahme W SS LOteowrtrafi« 44, Telefon: LOtaow 960-61 WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNST 8. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERL1N-WEISSENSEE Lothringers™, s - telbphon.- wbissenseb ton Malerarbeiten du fön eMncn o-""—"» “ usrafeii mm Wohnungen, Geschäftslokalen, Treppsnfluren und Fassaden. Rodert ‘ Berlin W 50 Kulmbacher Strasse 7 B5 Barbarossa 6260 (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 Preis: im Buchhandel M. 1.80, für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen. M. L— Verenigung Br das liberale Judentum E.V. Berlin SW 11, Hallesche Strasse 1 Verlag: Vereinigung für das liberale Judentum e. Berlin SW. 11. - Verantwortlicher Redakteur: Dipl.°Jng. Bruno Wo-dg, Berlin SW.29. — Druck: Hermann Wegn«r8-Cv., Berlin-Mariendvrf. 8454