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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-12 · 46 (12.11.1930) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
46 (12.11.1930)
Date
1930-11-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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drücklich die Erklärung abgegebett, daß die Einreichung nur mit Rücksicht auf das u. E. unrichtige System so früh erfolge, daß aber eine Zurückziehung der Liste geschehen werde, falls die Einigungsverhandlungen zu einem positiven Ergebnis führen. Die Behauptung in dem zionistischen Flugblatt bietet nun aber Anlaßeinmal die unglaublichen Zustände in der Berliner Jüdischen Gemeinde anzuprangern, die sich bei der Einreichung der Liste wieder einmal zeigten. Wir geben aus dem Protokoll, das von dem Ueberbringer der Liste, Herrn Bruno Woyda unmittelbar nach den Vorfällen niedergeschrieben wurde, einige Abschnitte wieder, die das Verhalten des Generalsekretärs der Berliner Jüdischen Gemeinde, Herrn Tr. Meist, beleuchten. „Ich übergab Herrn Tr. Meist die liberale Kandidatenliste mit etwa 300 Unterschriften in einer Mappe und eine zweite Mappe mit den Zustimmungsertlärungeu der Kandidaten. Herr Tr. Meist erklärte mir, daß er bereits seit zwei Tagen die Liste der Jüdischen Volkspartei habe und daß diese sich in seinem Schreibtisch befinde. Er habe sie aber nicht weitergegeben, um die schwebenden Verhandlungen nicht zu erschweren. Meine Bitte, mir die Liste zu zeigen, lehnte Herr Tr. Meist ab; er sagte mir nur auf Befragen, daß die Spitzenkandidaten Klee - Kareski seien und daß die Liste ungefähr 50 Bewerber enthalte. Ich erklärte, daß ich nicht zu erkennen vermöge, mit welchem Recht er eine eingereichte Liste zurückgehalten habe. Eine Störung der Friedensoerhandlungen'wäre keinesfalls die zwingende Folge gewesen, da.ja jederzeit eine Zurücknahme der Listen möglich gewesen wäre. Ich könne eine Liste, die in seinem Schreibtisch liege, nicht als beim Gemeindevorstand eingegangen betrachten. Die liberale Liste sei deshalb die erste, er habe nicht etwa das Recht, nun auch diese in seinem Schreibtisch lagern zu lassen. Herr Tr. Meist erwiderte, daß über den Zeitpunkt der Einreichung beider Listen der Gemeindevorstand entscheiden würde. Ta bei mir völlig klar war, daß Herr Tr. Meist keine offizielle Liste der Volkspartei habe und sein Verhalten in jedem Fall als unkorrekt angesehen werden müßte, begab ich mich sofort im Auto zu dem Aahlleiter, Herrn James Goldschmidt. Ich stellte ihm den Sachverhalt vor und forderte ihn auf, dafür zu sorgen, daß die Angelegenheit mit der Liste der Jüdischen Bolkspartei alsbald klargestellt werde. Herr Goldschmidt machte zunächst den Einwand, daß er zwar amtlicher Wahlkommissar sei, es sich hier jedoch um eine Angelegenheit des Gemeindevorstcmdes handle. Aus meinen Hinweis, daß er ja auch Dezernent für die Wahlangelegenheilen im Gemeindevorstand sei, stellte er seine Bedenken zurück und fragte mich, was er irr der Angelegenheit tun solle. Ich bat ihn, sofort mit mir im Auto zur Gemeinde zu fahren, um festzustellcn, ob die Liste der Jüdischerr Volkspartei dort überhaupt vorhanden fei. Herr Goldschmidt karn meiner Bitte nach. Als Herr Goldschmidt und ich das Zimmer des Herrn Dr. Meist betraten, erklärte dieser sofort, er habe inzwischen mit Herrn Tr. Klee gesprochen und sie seien dahin übereiugekomMen, daß die Liste der Volkspartei nur als ihm zu treuen Händen übergeben zu betrachten gewesen sei, nicht aber als offiziell eingereicht. Er habe inzwischen auch festgestellt, daß die Liste der Volkspartei lückenhaft gewesen sei, und er habe sie deshalb gar nicht mehr da, sondern zurückgeschickt. Es sei also unzweifelhaft, daß die liberale Liste als zuerst eingereicht anzusehett sei. Ich erklärte, daß ich von der Feststellung Kenntnis genommen habe, daß unsere Lifte als zuerst eingereicht angesehen würde. Zu allem klebrigen Stellung zu nehmen behalte ich mir nach Rücksprache mit meinen Parteifreunden vor. Das Verhalten des Herrn Tr. Meist sei eine völlig unstatthafte Verquickung der Tätigkeit eines Partcimannes und eines Gemeindebeamten. . Herr Dr. Meist wollte gern von mir eine Erklärung, daß ich die Angelegenheit als erledigt betrachte, ich lehnte das ab. Er wollte dann für den Falt, daß ich etwas veröffentlichen würde, eine Zusicherung über die Art der Veröffentlichung; auch das lehnte ich ab. Ich erwiderte ihm, daß er ja nach dem Pressegesetz berichtigen könne, wenn er etwas an Meiner Darstellung auszusetzeu habe. Für mich stände fest, daß er als Gemeindebeamter eine Lifte angeblich in Empfang genommen habe, ohne sie an die zuständige General Verlhold von Deimling über Antisemitismus und die Beteiligung der Zuden am Weltkrieg Von Doris Wittner. Der General Berthold von Deimling, vormals kommandurender General in Straßhurg, von Wilhelm N. selbst als „das vornehmste Generalkommando in ganz Deutschland" bezeichnet, im Weltkrieg noch bis zum Jahve 1917 Chef des 132. Infanterie-Regiments, ist eine der markantesten Militarerscheinungen des wilhelminischen Regimes. Der heute im 78. Lebensjahr stehende General hat noch dem greisen Feldmarschall Moltke, neben Bismarck einem der Reichsgrstnder, gegenübergesessen und hat späterhin in seiner militärischen Laufbahn unter dem General von Hülsen-Häseler, dem „Groben Gottlieb", fo.vie im Großen Generalstab unter .Sch'lieffen selbst nicht nur eine harte Schule durch gemacht, sondern ist auch gründlich eingeführt morbett in die Pläne und Prosektc der Clause.vitz und Schliefsen, der beiden größten Militärtheoretiker Deutschlands. Er war einer der sogenannten „starken Männer" Wilhelms des Zweiten, der sich schon im Jahre 1906 nach seinen Kolonialkriegen in Sndwestchrika parlamentarisch mißliebig gemacht 'hatte, und unter dessen Amtsführung überdies noch die 'leidige Zäbernastäre siel, die Militär- und Zivilbevölkerung gegeneinander ausbrachte und das In- und Ausland beunruhigte. Wenn nun aber gerade dieser General, der nichts vergessen, aber viel dazugelernt hat, heute in feinem Mentoiren- >buch „Aus der alten in die neue Zeit" (Ullstein- Verlag A.-G.), das Bedürfnis fühlt, der Oeffentlichkeit Erkenntnisse und Bekenntnisse zu vermitteln, die eine vierzigjährige soldatische Laufbahn und ein zwölfjähriger, nicht minder schwerer Kampf für Demokratie und Friede, gegen Vökkervechetzung und sinnlosen Rassenhaß!, Giftgas und Nevanchegedanken in ihm haben reifen lassen, so erkennen wir in dem Verfasser dieses wahrem Volksbuches den tapferen und streitbaren Krieger wieder, der nur das Schwert mit der Feder vertauscht hat. O6 Deimling von jeher mit jenen „Tropfen demokratischen Oels" gesalbt war, den er seiner süddeutschen Heimat zu danken Stelle weiterzuleiten, und daß diese Liste jetzt nicht vorhauden sei. Er sagte hierauf wörtlich: „Ich berichtige nach der Rücksprache mit Herrn Tr. Klee mich dahin, daß ich die Liste nur zu treuen Händen erhalten hatte." Darauf antwortete ich ihm, daß mir das zeige, daß er selbst nicht wüßte, inwieweit er Gemeindebeamter, inwieweit er Parteimann sei. Ich würde bei einer Veröffentlichung sicher auch mitdrucken, was er in der ersten Unterredung gesagt habe,, und daß und wie er sich nach einer Stunde selbst berichtigt habe." Als danach seftstand, daß die liberale Liste zu den Repräsentantenwahlen die ihr zustehende Nummer 1 tragen würde, und als sie schließlich befürchten mußten, daß noch weitere Listen, vielleicht sogar Listen ostjüdischer Parteien vor der Liste der zionistischen Indischen Volkspartei rangieren könnten, änderten nun plötzlich die Bolksparteiler ihre Taktik. Jetzt beantragten sie im Gemeindevorstand, daß für die Einreichung der Listen das Stärkeoerhältnis der Parteien maßgeblich sein solle. Sv sieht die „sachliche Politik" der Indischen Volkspartei aus. Das Kareski-Demenli Wir baden hier vor kurzem das Interview, das von Herrn Kareski unmittelbar vor den Reichstagswahlen oem „Neuen Wiener Journal" gegeben wurde, eingehend kritisiert. Wir haben es insbesondere als unerhört bezeichnet, daß bei dem Abdruck dieses Interviews die deutschen Juden als „anderSnatwnale Staatsbürger" bezeichnet worden sind. Als die Richtigkeit oes Interviews von dem zionistisch-neutralen Familienblatt abgestritten wurde, haben wir darauf hingewiesen, daß Herr Kareskr das Interview im „Neuen Wiener Journal" nicht dementiert habe. Um eine Klarstellung herbeizusühren, druckten wir das Interview auch in unserer Zeitung ab. Herr Kareski hak nunmehr ein Dementi veröffentlicht. Nicht im „Neuen Wiener Journal" — und zwar aus Pflichtgefühl gegen die jüdischen Interessen. Und auch nicht in unserer Zeitung -- wie er sagt „nach allen Erfahrungen der letzten Jahre". Vielmehr benutzte er dazu das zionistisch-neutrale Farnilicnbtatt, in dem es beißt: „Ich habe das „Neue Wiener Journal" mit dem Interview auch bis beute noch nicht gelesen, unterstelle aber, daß die 'Wiedergabe in dem jüdischen Blatte zutreffend ist. Es handelt sich bei den Vorgängen, die der Veröffentlichung zugrunde liegen, um eine mehrstündige Unterhaltung während eines Ausfluges, in. deren Verlaus alle Fragen, die mit meiner Kandidatur bei den Reich stagswcrblen zusammenlnngen, mehr oder weniger eingehend erörtert worden sind. Es ist ohne weiteres klar, daß eine solche Wiedergabe die Gefahr einer ungenauen und zum Teil sogar irreführenden Darstellung einschließt. Dies urn so mehr, als die völlig anoers gelagerten österreichischen politischen Verhältnisse und auch gewisse in Oesterreich übliche Schlagtvorte auf deutsche Verhältnisse nicht übertragen werden können. Wer auch nur sehr oberflächlich meine politische' Wirksamkeit kennt, müßte sich auch ohne besondere Interpretation sagen können, daß vieles von dem, was das „Interview" enthält, unmöglich von mir gesagt wurde, sondern offenbar für die innerösterreichischen Bedürfnisse zurochtgestutzt ist. Es ist richtig, daß ich in den Ländern mit jüdischer Massensiedlung die Gründung jüdisch-nationaler Parieren für richtig halte. Oder hak vielleicht jemand bisher nicht gewußt, daß ich den Bestrebungen der Juden in Polen, m 'der Tschechoslowakei und in Rumänien ,sich eine parlamentarische Vertretung zu schaffen, mit wärmster Sqinpathic gegenüberstehe? Ich habe jedoch für Deuts chkand besondere jüdische Kandidaten ausd r ü ck lich a b g e l e h n t, und zwar nicht bloß wegen der geographischen Verteilung der Juden, sondern mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, daß es sich für die deutschen Juden bei politischen Wahlen in Deutschland erst vermeint, möge dabei als unerheblich dahingestellt bleiben. In schlichten, aber eben durch ihre Schlichtheit überzeugenden Morten erzählt uns der General sein Leben, übt er Kritik an Führung und Ausgang des Weltkrieges, erhebt er den Anspruch darauf, daß auch ein General nach der furchtbaren Lehre des Weltkrieges seine Gesinnung ändern dürfe, und jetzt sich! in einem langen und interessanten Briefwechsel mit seinem großen Widersacher, dem ihm vormals unterstellten Brigadier Ludendorsf, dem nachmaligen Generalissimus der O.H.L., dem Deimling seine vorzeitige Verabschiedung zu danken hat, auseinanoer. Ter „Sieger von: hererolande", dein einstmals im Reichstag ein „Regime der Soldateska" votgeworsen wurde, der Feldherr, der in den Schlachten vor Verdun uno Upern nicht wich, noch wankte, bekUndet heute — oder vielmehr schon seit einem Dutzend Jahren — die „Z i v i l k u r a g e" seiner inneren Wandlung, die ihn, ohne Verleugnung der Pietät vor Kaiser und Reich, nach dem Zusammenbruch ins demokratische Lager hinüberwechseln und sich für die schwarz-rot-goldene Flagge, sowie für den Pazifismus und Plftlosemitismus entsetzen hieß. Er hat dafür von seinen Standesgenossen Anfeindung, ja Aochtung geerntet. Aehnlich dem Reichspräsidenten von Hindenburg stellt auch Generäl von Deimling die Pflicht gegenüber dem Vaterlande — gleichviel unter welcher Staatsform — höher als einen sturen Militarismus. Es mag ihn das Wissen schmerzen, daß „das deutsche Heer, wohl an Schulung »no Kampfkraft das beste, das die Kriegsgeschichte kennt, sich in der Schicksalsstundc Teutsch-- lands verbluten mußte, ohne einen Feldherrn zu haben." Er weiß aber aus der Geschichte, daß auch Moltke nach der Schlacht von Königgrätz als Sieger in Wien entziehen wollte. „Da kam aber Bismarck und brach ihn: den SiegeswUtcn mit Rücksicht auf das Staatswohl, das höher ist als alle Strategie." Uns interessiert in den Denkwürdigkeiten des Generals besonders, was er über Die ftorfe antisemitische Welle zu sagen weiß, die während des Krieges durch! die deutschen Lande ging, und die ihn als altem Soldaten verpflichteten, für die jüdischen Frontkameraden einzutreten. Deimling spricht zuerst von der politischen Mordatmosphäre, der Rat Henau und Erzberger unterlagen, und der Scheidemann nur durch einen Glückszufall entging. Er tu zweiter Linie um eine jüdische Entscheioung handelt, während sie in erster Linie ihre politische, kulturelle und soziale Anschauung vom deutschen öffentlichen Leben zum Ausdruck zu bringen haben. Infolgedessen ist auch die Frage, ob die nationalen Rechte der jüdischen Minderheit bei dem Zentrum Verständnis fitrden würden, überhaupt nicht gestellt worden, so daß eine Antwort auf diese Frage von mir gar nicht gegeben werden konnte. Wäre oie Frage gestellt worden, so hätte ich hier, wie in outzenden anderen Falten darauf hingewiesen, daß die Juden in Deutschland nationale Minderheitsrechte nicht für sich beanspruche n. Erörtert wurde vielmehr lediglich die Frage der Berücksichtigung anderer jüdischer Forderungen, die fkfy insbesondere auf das Gebiet der Schule erstrecken. In diesem Zusammenhang habe ich allerdings daraus hingewiesen, daß. oas Zentrum schon vor dem Kriege auch denjenigen Gruppen gegenüber, die, wie die Elsässer, die Polen, die Dänen, nationale Minderheitsrechte beanspruchten, weitgehendstes VeMndnis und Förderung entgegengebracht hat. Um wieviel mehr dürfe matt beim Zen- Irunt Verständttis für Forderungen erlangen, die mit nationalen Minderheitsrechten nichts zu tun haben, sondern sich lediglich ans ein Gebiet erstrcckett, aus dem .oir, wie insbesondere in der Frage der jüdischen Schule, mit dem 'Zentrum völlig gleichlaufende Interessen haben. Ebenso mißverständlich sino auch meine Darlegungen über die Staatspartei und über die Sozialdemokratie wiedergcgeben. Ueber die Staatspartei kann ich mir trotzdem wohl eine Auseinandersetzung ersparen. Was die Sozialdemokratie betrifft, so habe ich oem Wiener Berichterstatter gegenüber dasselbe gesagt, was ich auch bei zahlreichen Gelegenheiten in Deutschland bereits ausgeführt habe, nämlich, daß ich ein grundsätzlicher Gegner der sozialdemoiratischen Wirtschastsauffassung bin und in den letzten Monaten auch die aktuelle Politik der deutschen Sozialdemokratie für wenig glücklich gehalten habe. Daß ich die deutsche Sozialdemokratie, der eine Konsolidierung der deutschen Verhältnisse nach dem Kriege zu einem erheblichen Maße zu verdanken ist, nicht als eine Umsturzpartei angesprochen habe, dürfte sich für jeden, der guten Willens ist, von selbst verstehen. Allerdings verstehe ich es durchaus und habe darüber keinen Zweifel gelassen, daß ich als Jude eine viel schärfere antisozialdemokratische Haltung bekunden würde, meint ich etwa eine von Herrn Austerlitz und der Wiener Arbeiterzeitung geführte Sozialdemokratie in Deutschland mir gegenüber sehen würde. Eine Berichtigung im „Neuen Wiener Journal" zu bringen, verbietet sich für mich aus jüdischem Pftichtgefirbl, angesichts der unglücklichen Lage, in der sich durch die dortige Par'teikonstellatiou das österreichische Judentum befindet. Was ich auch immer erklärt t'ätte, würde geeignet gewesen sein, die Schwierigkeiten für die öfterreichifdictt Inden in diesem Moment zu vergrößern, und schließlich sollte es in so kritischst Zeiten wie den gegeitw'ärtiacn immerhin doch jüdische Politiker geben, die es vorzie'hen, lieber falsche Mitteilungen in die Welt gehen zu lassen, wenn das nur durch Schädigung jüdischer Jnteressen verhindert werdett kam,. Eitte Richtigstellung in dein erwähnten jüdischen Blatt dagegen kommt nach allen Erfahrungen der letzten Jahre für mich nicht in Frage. Ich kann Richtigstellungen ttur dort veröffentlichen, wo ich mindestens das Gefühl haben kann, daß man wenigstens den Wunsch hat, der Wahrheit zu dienen. Ich habe in den letzten Wochen in der nationalsozialistischen Presse so verlogene Mitteilungen über mich gefunden, daß ich gegen offenbare Tatarennachrichten etwas abgestumpft bin." Ins Hochdeutsche übertragen bedeutet das: 1. .Herr Karesk' bestreitet nicht, die jüdischen Deutschen als andersnationale Staatsbürger bezeichnet zu haben. 2. Herr Kareski hat zwar nicht die Frage erörtert, ob die nationalen Rechte der jüdischen Minderheit beim Zentrum Verständnis finden würden, sondern er hat im Zusammenhang mit der Frage der Berücksichtigung jüdischer Forderungen insbesondere auf dem Gebiete der Schule „allerdings daraus erwähnt den bitteren Groll der Massen gegen die sögenanntett „Geheimbünde". ,,Diese Geheiniorganisaiione», wie Orgesch, Oberland, Roßbach, Consul, Schwarze Reichswehr und andere, waren militärisch ausgezogene Verbände. Ihren Kern bildeten ehemalige Militärs, deren Existenz durch deu Zusammenbruch entwurzelt war und die nicht die Energie hatten, sich auf einen bürgerlichen Beruf umzustellen. Sie nwllten lieber so eine Art von Landsknechtleben führen uno waren innerlich vielleicht davon überzeugt, einem edlen patriotischen Zweck zu dienen. Sie warfen die Schuld an dem ganzen Elend nicht auf den verlorenen Krieg, sondern aus die Republik, auf dr- „Novemöervcrbrecher" und aus die Juden. M a n bezichtigte die jüdischen Kriegsteilnehmer der Drückebergerei. U eberall seien sie zu scheu gewesen, nur nicht im S ch ü tz e n g r a b e n. Nun habe ich als Kommandierender General die Erfahrung gemacht, daß die jüdischen Soldaten und Offiziere ihre Pflicht und Schuldigkeit genau so getan haben, w ie ihre Kameraden von anderen Konfessionen. Manchem Juden konnte ich das Eiserne Kreuz übergeben, e i n i g e n sogar das der E r st en Klasse. Es war nicht schwer, die V or w ü r fe zu entkräften, denn die Statistik redete eine zu deutliche Sprache. Danach haben achtzigtausend jüdische Soldaten an der Front gestanden, von denen Z w ö l f t a u s e n d aus den Schlachtfeldern geblieben sind. Etwa f ü n f u n d d r e i ß i g t a u s e n d haben Kriegsauszeichnungen erhalten, dreiund - z w a n z i g t a u s en d sind befördert worden, darunter zweitausend zu Offizieren. Im Flugdienst >v a r e n viele Hunderte jüdischer Soldaten. Auch der mit denr Pour le Merite ausgezeichnete und gefallene Jagdflieger Leutnant Frankl war ein Jude. Im ganzen haben die deutschen Juden das gleiche Blutopfer für das Vaterland dargebracht »nie die anderen Konfessionen. .Mir selbst ist der Fallbekannt, daßeinejüdischeWitwevier 'Söhne im Felde hatte, von denen drei sieten. Sie reklr" mierte darauf den vierten für eine Verwendung hinter der Front. Bevor ihr Antrag zur Ansführung kommen konnte, fiel auch dieser vierte und letzte Sohn. Die Judenhasser mögen sich einmal klar machen, was in der Seele einer solchen Mutter vorgeht, wenn sie immer und immer wieder hören muß, die Juden seien Drückeberger geweste n." Das Zeugnis eines Haudegens von altem Schrot uttd Korn,

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