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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-05 · 45 (5.11.1930) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
45 (5.11.1930)
Date
1930-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Aufstellung der Listen und die Einrichiung der Wahllokale mindestens $0000 Mark Kosten, die in diesen schweren Zeiten sür bessere Zweck« angewandt werden sollten. Herr Herzberg (Hannover) erklärt, daß der bereits aufgestellten Liste 34 Gemeinden zugestimmt haben und bittet die Anwesenden, ebenfalls ihre Zustimmung zu -eben. Herr Dr. Victor (Wandsbeck) befürchtet die Aufstellung einer besonderen Liste der Poale Zion, die Anhänger in Schleswigs-Holstein haben sollen. Aus der Versammlung heraus werden die Herren der Jüdischen Volkspartei gebeten, im Gesamtintercssc auf diese Gruppe dahin zu wirkm, daß auch von ihrer Seite zur Vermeidung eines Wahlkampfes und unnötiger Kosten keine Sondcrliste aufgestellt wird. Herr Wechsler (Hannover) bedauert, daß Herr Landrabbiner Dr. Freund nicht wieder als Spitzenkandidat der Einheitsliste ausgestellt ist. Seinen Ausführungen schließt sich ein Vertreter der Kleingemeinden an, die in Herrn Dr. Freund eine ganz besondere Stütze ihrer Interessen wissen.. Die Herren werden dahin aufgeklärt, daß Herr Dr. Freund auf sein Mandat verzichtet habe, um die Ausstellung der Einheitsliste zu ermöglichen, da andernfalls die drei in Frage kommenden Parteien nicht paritätisch auf der Einheitsliste verteilt werden können. Nachdem sich noch Herr Jacob-Göttingen zu prinzipiellen Dingen geäußert hat, wird nachfolgende Einheitsliste für den Wahlkrcisverband Hannover—Schleswig Holstein ausgestellt: Dr. Möller-Altona (Konservative), Frau Hanna Cohn-Hannover (Liberale), Dr. Victor-Wandsbeck (Volkspartei), Dr. Cohn Hildesheim (Liberale), Herr Pollack-Emdcn (Konservative), Herr Schneeweiß-Hannover (Bolkspartei). K-l«. (Zu den Wahlen.) Tic Vertreter der verschiedenen Parteien haben in den (letzten Tagen eingehende Verhandlungen über di« Möglichkeiten eines Kompromisses sür die Repräsentantenwahlen geführt. Wie man hört, tvird es auf folgender Grundlage zustandekommen: Es erhalten die Liberalen 10 Hauptsipe und 3 Vertreter, die Bolkspartei 7 Hauptsitze und 2 Vertreter, die Konservativen 3 Hauptsitze und 2 Vertreter, die Mittelpartei 1 Hauptsitz und 1 Vertreter. Die Verhandlungen über den Landesverband find noch nicht abgeschlossen. K-nigsberg. (Aus der Repräsentanz.) In der ersten Repräsentantensitzung im Oktober gedachte der Repräsentantenvorsteher, Waisenhausdirektor Peritz, des Hinscheidcns des Direktors Richard Goldschmidt und sprach dessen Gattin, der Repräsentantin Frau Else Goldschmidt, namens der Versammlung die herzlichste Teilnahme aus. Der Vorsitzende des Gemeivdevorstands, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Falkenheim, gab namens des Vorstands bekannt, daß die in den Vorstand gewählten neuen Mitglieder, Repräsentant Lesser Hirsch und Kaufmann Hans Herrmann, die Bestätigung des Regierungspräsidenten in Königsberg sür das VorstandSamt erhalten haben. Dieser habe auch die Steuersätze i.in Höhe von 21 o/o der reichsgesetzlichen Einkommensteuer und 50 «« der Vermögenssteuer genehmigt. Hiernach begrüßte der Rcpräsentantenvorsteher die bestätigten neuen Mitglieder des Vorstands. Seitens des Vorstands wurde fernerhin mitgeteilt, daß er das Vermächtnis von Frau Margarete Ramm angenommen habe. Die Repräsentanten-- Versammlung stimmte der Annahme zu. Für das in gemeinschaftlicher Sitzung der beiden Gcmeindekörperschasten zu wählende Ratsmitglied sowie für die Mitglieder des Plenums des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurden die Kandidaten nominiert. Als Kandidat für den Ratsposten wurde das jetzige Ratsmitglied, Gcheimrat Professor Falkenheim, in Aussicht genommen und als erster .Stellvertreter Sally Joachim. Der zweite Stellvertreter soll von dem Verband der Synagogengemeindev Ostpreußens vorgeschlagcn werden. In den Ausschuß des Synagogenvcrbands Ostpreußen soll in gemeinschaftlicher Sitzung an Stelle von Kaufmann Sigmund Wolfs Kaufmann Sally Joachim bestimmt werden. Königsberg. (Gemeinsame Sitzung der Gemeindekörperschaften.) Tic gemeinsame Sitzung des Vorstands und der Repräsenlantcnvcrsammlung wurde von Gehcimrat Professor Falkenheim eröffne'.. Ter Vorsitzende gab zunächst einen Bericht über ein Rechtsgutachtcn des Rechtsanwalts Dr. Baum-Berlin in Bezug auf die Kündigungsangelegenheit eines Chorsängers. Aus dem Gutachten ergibt sich die Rechtsgültigleit der vom Vorstand ausgesprochenen Kündigung. Das Gutachten selbst sei der Rcchtskommission als Material zugegangen. — Für den Verband jüdischer Wohlfahrtspflege wurde als weiteres Mitglied bcr Gcmeindekörpcrschastrn neben den Vorstandsmitgliedern Elias Hirsch, Hans Herrmann und Repräsentant Ephraim Piczenik Rcpräscntantenvorsteher Peritz delegier!. — Ter Gemeindcvorsitzende gab einen Bericht über die Ausstellung der vom Synagogenverband Ostpreußen zu benennenden Kandidaten sür Rat und Plenum des Landesverbairdcs preußischer Syuagogengemeinden. Satzungsgemäß stehe der Gemeinde Königsberg eine Vertretung von 51 Stiulmcn zu, die durch 17 Delegierte abgegeben werden sollen. Es wurde beschlossen, den ernannten Vertretern und Ersatzmännern sogleich die Vollmachten des Gemeindevorstands zuzusenden und den Berbandsvorstehcr des Synagogenvcrbandcs Ostpreußen zu ersuchen, ihnen die Tagesordnung zugchen zu lassen. Einem Wunsche des Provinzialverbandes Ostpreußen des Jüdischen Frauenbundes entsprechend, soll für die Wahl einer Frau in den Ausschuß des Verbandes« der Syuagogengemeinden Ostpreußens eingetreten werben. Fernerhin wurde beschlossen, mit Rücksicht ans die Erhöhung der Mitgliederzahl des Verwaltungsausschusses des Verbandes der Syuagogengemeinden Ostpreußens von 20 aus 30 den Antrag zu stellen, die Zahl der Königsbergcr Ausschußmitglieder von 5 auf 7 zu erhöhen und diese mit Frau Adele Nadel und Repräsentant Mar Simon zu besetzen. Nürnberg. (Todesfall.) Rach langem schweren Leiden ist der Lehrer a. T. Max Schloßmann im 78. Lebensjahre gestorben. Er war viele Jahre hindurch an der Tr. Behringerschen Knabenvor-- schule als Lehrer tätig gewesen, und so mancher Leser dieser Zeilen >vird in Tankbarkeil und Verehrung des ausgezeichneten Mannes gedenken, der ihm die Grundzüge des Lesens, Schreibens und Rechnens beigebracht, zugleich aber erzieherisch, ein Vorbild peinlichster Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue, manche goldene Regel auf den Lebensweg mitgegebcn hat. Als ihn zunehmendes Alter zum Aufgeben der Lehrtätigkeit nötigte, übernahm er bei der jüdischen Kultus-« gemeinde den Posten des Sekretärs der gemeindlichen Wohltätig teils-« vereine, den er gleichfalls mit außergewöhnlicher Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit versah, bis ihn schwere Krankheit zwang, sich auch von dieser Tätigkeit zurückzuziehen. Der Tod war ihm schließlich Erlösung von qualvollem Leiden. Polch (Bez. Koblenz). (Todesfall.) Zu einer gewaltigen und imposanten Trauerkundgebung, wie sie der mittelrheinische Bezirk wohl selten erlebt haben dürfte, gestaltete sich am Sonntag, den 19. Oktober, die Beerdigung des verstorbenen ersten Synagogengemeinde- Vorstchers, Herrn Ferdinand Faber. Einem Wunsche des Entschlafenen und seiner Angehörigen entsprechend war der akademische Religionslehrer und Stellvertreter des Tempelrabbiners, Herr Dr. Alfred Vcis aus Hamburg, herbcigceitt, um dem Verstorbenen, mit dem ihn in seinem früheren Wirkungskreis eine langjährige Freundschaft und Gemeinschaft religiöser Arbeit verband, selbst einen Nachruf zu halten. Der Geistliche schilderte vor der aus vielen Hunderten bestehenden Trauerversammlung, die verschiedenen Bekenntnissen angehörten, in eindrucksvollen und zu Herzen gehenden Worten das Leben des Verstorbenen und zeichnete ihn als Gatten, der in?cht patriarchalischer Weise eine selten harmonische Ehe mit seiner Gattin geführt hat, als Vater, der seine Söhne und Töchter zu brauchbaren und anständigen Menschen erzogen hat und als Gemeindevorsteher, der bis zuletzt in Pflichttreue sein Amt als Führer und Vertreter der Gemeinde und Mitleiter der Bezirks-Chcwrah unermüdlich ausübtc. Er ermahnte die schon selbst in reiferem Alter stehenden Kinder des Verstorbenen, dem Beispiel eines solchen Vaters im Leben nachzueifern und die Gcmeindemitglicder, durch Weiterarbeit in Einigkeit und Frieden nach innen und nach außen das Andenken des Verstorbenen in Ehren z» - halten. Ein großes Gefolge begleitete den Leichenzug zum israelitischen Friedhof nach Mertloch, wo nach Gebet und .nochmaligen Trostworten des Geistlichen der schlichte Sarg zur letzten pkuhe ■ bestattet wurde. Rotenburg. (7 0. Geburtstag.) Der Kreisvorsteher' der jüdischen Gemeinden des Kreises Rotenburg, Jakob Katzcnstein, feierte unter lebhafter Anteilnahme eines großen Bekanntenkreises seinen 70. Geburtstag. Etwa zehn Jahre ist der Jubilar auch Gemeindeältester in Rotenburg gewesen. Tilsit. (Fr i cd Hof sschäud u n g.) Als fünfundneunzigster der jüdischen Friedhöfe wurde der in Tilsit geschändet. In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober drangen bisher unbekannt gebliebene Täter auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde ein und hausten hier wie die Vandalen. Nicht weniger als acht Grabsteine lvurden umgeworsen. Feststeht, daß es sich bei den Tätern keinesfalls um Schulkindev handeln kann, da diese niemals in der Lage gewesen wären, die schwerem Steine umzustürzen. Mit starker Sicherheit ist jedoch anzunehmen, daß es sich um politisch verhetzte Kreise handelt, die durch .die dauernde judengegnerische Agitation der Nationalsozialisten zu solchen Untaten angercizt wurden. Die Tilsiter Kriminalpolizei ist eifrig bemüht, die Täter zu ermitteln. Es ist eine Belohnung von mehreren hundert Mark zur Ergreifung der Täter ausgesetzt. Vlotho (Weser). (Persönliches.) Kaufmann Samson Heynemann, der seit Jahrzehnten als Vorsteher und Hilssvorbeter, ebenso den Gemeinden Oeynhausen und Bünden mit Treue und Hingabe diente, beging letzten Sabbat Tn körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag und wurde ans diesem Anlaß von vielen Seiten geehrt. Wiesbaden. (Aus der Israelitischen K u l t u s g e - m e in de.) Der Gemeindevorstand sah sich genötigt, die Steuerquole von 17 o/o auf 20 o/0 des Staatseinkommensteuersoll zu erhöhen. Größte Sparsamkeit tvird trotzdem vonnöten sein, um das Budget einigermaßen zu balancieren. — Das Jüdische Lehrhaus hat in diesen Tagen sein diesjähriges Winterprogramm an die Gemeindemitglieder versandt. Als Thema steht im Winter zur Behandlung: „Lebensfragen des deutschen Judentums". Als Redner sind gewonnen: Frau Prof. Dr. med. Selma Meyer Düsseldorf über „Bevölkerungspolitische Ausgaben und Probleme der Vererbung — Lebensfragen der jüdischen Familie"; Herr Rabbiner Dr. Dienemann- Ofsenbach: „Strukturwandel im deutschen Judentum und seine geistigen und religiösen Folgen"; Herr Pros. Georg Bernhard-Berlin: „Wirtschaftsfragen"; Herr Prof. Dr. Martin Buber-Heppenheim: „Konfessionen, Parteien und das Judentum"; Herr Rabbiner Dr. Baerwald-Müncheu: „Die Juden in Groß- und Kleinstadt". — Außerdem hält ein eigens aus Breslau berufener Lehrer für modern hebräische Sprache Kurse für Erwachsene und Jugendliche ab, die schon jetzt überaus zahlreich besucht sind. — Die Vereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Wiesbaden, veranstaltete am 15. ds. Mts. einen überaus stark besuchten Ausspracheabend über das Thema: „Wesen der Gemeinde". Referate des Herrn Rabbiner Dr. Lazarus und des Herrn Dir. Dr. Goldstein leiteten den Abend ein, der mit einem starken Bekenntnis zur Einheitsgemcindc abschloß. Worms. (Persönliches.) Anläßlich seines 90. Geburtstages ist Herr Samuel Guggenheim Gegenstand lebhafter und allgemeiner Verehrung gewesen. Das Ministerium in Darmstadt und die Polizei hatten ihre Glückwünsche übermittelt. Bei der Geburtstagsfeier erschienen Deputationen des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde, des Nnterstützungsvercins und anderer Organisationen. Auch der Oberbürgermeister und der Vorsitzende der Handelskammer landen sich als Gralulanten ein. Die glückliche Geburt eines Tö.hlerchens zeigen an Moritz und Herta Schloss geb. Kleemann Berlin W 15 Lietzenburger Str. 48 Verein für Feuerbeutattung in Berlin von 1874, e. V. Term, kowtenlose Prnerb«atattnB| Lehrgänge tor iildischsoziale und Fortbildung für Sozialarbeiter, Rabbiner, Lehrer und in der Ausbildung zu diesen Berufen Stehende veranstaltet von der Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Jaden und der Hochschule für die WissenschaJt des Judentums vom 10. November 1930 bis Mitte März 1931 in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Berlin N 24, Artiiieriestr. 14. Anmeldungen bis 7. November 1930 - Auskünfte - Prospekte bei der Zentralwohlfahrlsstelle, Charlottenburg 2, Kantstr. 158, Tel. Bismarck 1063-1065. 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Kreutzer, Glück ohne Buh. MerzdOrf, Opfer der Marquise. Nabor, Die goldene Venus. Netto, Herbst Neumeyer, Abseite. Panhuys, Dich und keine sonst auf Perasinl, Nachtschatten. Pillerstorff, Jagd und Jäger der Sudeten. GUierl, Der Kapuziner Rasmussen, Die Flucht vor dem Runkel, Stickstoff. Schlicht, Opferlämmer. Schmidt, Haas Heidegg. Schobert, Gib mir Dein Herz. Schubln, Gebrochene Flügel. Thlde, Eltemtlut Turgeniew, Väter und Sühne, llhde, Die Freundschaften For- Vorst, Bekenntnisse einer erfolgreichen Frao. Werner, Adlerfing. WOOP, Schwarzer Bauch. HansThOma als Maler,Graphiker, Kunstgewerbler. Von Jos. Aug. Beringer. 1922. 87 Tafeln in Farbendruck, Nattautotypie, Kupferdruck und 21 Textbilder. Halbleinenband, Grossquartformat. C CA Früher 20,00.jetzt Pom. Zeiten, Schicksale, Mensohen. Von Franz Kuypers. 1927. 538 Seiten. Starker, reich illustrierter Leinenband. Früher 18,00.ietzt 3,80 Kulturgeschichte des deutschen Volkes. Von Rudolf (Juanter. 763Seiten mit 222 Abb ildungen i. Text u. 8 Kunstbeilagen. 5. Aufl. 1924. Eleg. Leineu- Ä QA band. Früher 12,00, jetzt Tausendundein Tag. orientalische Erzählungen. Ausgewählt und eingeleitet von Paul Ernst. Uebertragungen von Fel. P. Greve. (Insel-Verlag.) 1925. 2 Bände von zusammen 15o8 Seiten in einem elegantenLeineui QA band. Früher 16,00, jetzt Elektrotechnik für Alle. Eine volkstümliche Darstellung der Anwendungen der Elektrizität. Von Hans Günther. 13.Auflage. 1925. 597 Seiten mit 746 Bildern im Text- Grosser starker Leinen- O OA band. Früher 18,00, jetzt O.Ov# fetlog: $cxet«k|ttng fftt ho« liberale ^ubtntum t. ttttiis «W U. — Sel-wnvottiichkr Ledatteur: Dipl-Ing. Stunt Wo »da. Berlin SW. 88. — »ruck: Hermann Wegner & «»., »erlin-Mariendorf. 472

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