Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 45 (5.11.1930)
- Date
- 1930-11-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Alexander Baerwald 2× ep/1032902
- Alsfeld 1× ep/1043994
- Bensheim 1× ep/1044162
- Hermann Cohen 1× ep/1004894
- Isidor Scheftelowitz 1× ep/1024072
- Jakob Klatzkin 1× ep/1011037
- Lesser Ury 1× ep/1025712
- Martin Buber 1× ep/1009258
- Prenzlau 1× ep/1045480
- Samson Raphael Hirsch 1× ep/1002782
- Selig Schachnowitz 1× ep/1035538
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schützt Hab«. Es ist also richtig wenn ich feilst elfte, ba| auch, soweit die Nichtzionisten in der Agency in Frage kommen, daß Weißönch unsere PalSstinaarbeit nicht Lnbern wird. Daß oas aber nicht gleichbedeutend ist mit ^nichts ändern zu wollen an oer bisherigen Tätigkeit", nröchte ich nur nebenbei bemerken. Die Art der Tätigkeit wird sich, wie auch in der Vergangenheit, den jeweiligen Verhältnissen anzupassen haben. Wenn wir für Palästina Geldmittel sammeln und trotz der widrigen WirtschaftSverhältnisse, den Nöten unseres Vaterlandes uni» der besonderen Not der deutschen Juden zu no>cb größeren Opfern ausrufen, als sie bisher gebracht worden sind, so geschieht das, weil Palästina für die Juden eine ganz besondere Bedeutung hat, die nicht dadurch gemindert wiro, daß man in Berlin jede Erwähnung der mit Palästina und Jerusalem verbundenen jüdischen Hoffnungen ans der Liturgie der Synagogen verbannt. Und ich glaube, daß das Wiedererwachen der hebräischen Sprache, dm Erneuerung der jüdischen Kultur und Wissenschaft und die Verbindung jüdischer Religion mit jüdischem Leben, wie sie sich heute schon üt Palästina vollziehen, die Liebe zu Palästina bei den Juden immer mehr zu einer Palast ina- Verbünde u h e i t gestalten wird. So wichtig uns Palästina nt, so wichtig es jedenr Juden sein sollte, oie Liebe zu Palästina darf nicht dazu führen, wie Sie schreiben, alle „ideellen und materiellen" Kräfte aus Palästina zu konzentrieren. Alle Juden sind füreinander verantwortlich, und so müssen wir jede Not im eigenen Lande und insbesondere für die Millionen unserer Brüder im Osten, entwurzelte, geknechtete, mit dem seelischen und materiellen Untergange ringende Juden, offenes Herz und offene Hand haben. In jedem, der seelisch oder materiell darbt und leidet, lieben wir den Bruder und Menschen. Dem Palästiuasiedler aber gilt unsere Liebe nicht nur als Mensch, sondern auch um Palästinas willen und um unserer selbst und unserer Kinder willen. Er arbeitet an der Zukunft des Judentums, also an unserer eigenen Zukunft. Bezeichnend dafür ist, daß gerade aus dem Osten, aus Polen und Rulnänien, wo die jüdische Not doch so unbeschreiblich groß ist, die Einnahinen des Keren Hajessod, bestellend ans unzähligen kleinen und kleinsten Einzelbeträgen, in starker kontinuierlicher Steigerung sind. Bei solcher Verschiedenheit der Grundlagen ist vielleicht eine gemeinschaftliche Samineltätigkeit möglich, me sie kürzlich ja in Amerika, allerdings mit ungünstigem Erfolg für alle Teile, versucht worden ist. Für eine wirkliche Gemeinschaftsarbeit fehlen bei der vollkommenen Verschiedenheit der Verhältnisse aber alle Voraussetzungen. Dagegen natürlich, daß auch in Deutschland ein und dieselbe Person an der Spitze des Palästrnawerks und der Hilfstätigkeit für die Juden im Osten stehen würde, hätte ich grundsätzlich nichts ein zuwenden. Selbstverstäübliche Bedingung dabei ist nur, daß die Person, die sich diesen beiden Aufgaben widmet, für jede von ihnen genügend Zeit aufwenden kann, Ich könnte dieser Bedingung, selbst wenn ich sonst 'Eignung dafür hätte, was ich bezweifle, nicht genügen. Ihr sel>r ergebener Oscar W a s s e r m a n n. Wir glauben, daß sich ein Eingehen auf das Schreiben des Herrn Direktor Wassermann durch die Veröffentlichung des vorstehenden Artikels erübrigt. Züdlsche und nichtjüdische Musik Im Rahmen einer Sonderveranstaltung der Freien Jüd isch en Volkshochschule hielt Alice I a c o b - L o e w e n s o n im gut besuchten Saal der Kaiser-Friedrich-Schule einen musik-wissenschaftlich und kunstästhetisch treMch fundierten Vortrag über das Thema: „Jüdische und nichtjühische Musik". Tie Vortragende ging, wie sie selbst betonte, nicht auf die in b-em Thema zum Ausdruck kommende Problemstellung ein, sondern beschränkte sich darauf, durch Vorführung zahlreicher, geschickt ausgewählter Schallplatten die Herkunft der sog. jüdischen Musik und ihre Verwandtschaft mit der Musik anderer Kulturkreise au praktischen Beispielen aus der Gegenüberstellung von einzelnen Musikstücken möglichst großer Aehnlichikeit äbzuleiten. So ergab sich eine geradezu verblüffende Aehnlichkeit des jüdischen Rezitativs mit dem orientalischen Rezitativ; die vorgeführten amharischen und syrischen Musikstücke zeigten nur unbedeutende Abweichungen von dein jüdischen Rezitativ. Mir scheint der Unterschied darin zu liegen, daß die rein orientalische Musik im rschkenasischen wie im sephardischen Rezitativ durch die Einflüsse der neuen Wahlheimat europäisiert worden ist, wobei me orientalischere Elemente sehr stark erhalten geblieben sind. In gleicher Weise wurde ostjüdische und flavische Volksmusik und schließlich jüdische und nichtjüdische Kuftmusik des Abendlandes gegenübergestellt. Tie Meinung der Vortragenden, daß in dem Gegensatz von Polypihonie und Homophonie der Unterschied zwischen christlicher und jüdischer Musik des Abendlandes offenbar werde, kann ich jedoch nicht teilen. Aus diesem und anderen Gründen kann ich auch nicht der Schlußfolgerung der Vortragenden folgen, daß die jüdische Musik trotz der nachgewiesenen großen Aehulichkeit mit der Musik der jüdischen Umwelten Originalität besitzt. Damit stehen wir vor der Problematik der jüdischen Musik. Sämtliche Schallplatten waren von der Kulturabteitüng des Lindströmkonzerus zur Verfügung gestellt. Man hätte aber einen Vorführungsapparat mit elektrischer Lautverstärkung wählen sollen, der doch für solche Zwecke unerläßlich ist, da nur eine derartige Apparatur das richtige Klangbild zu vermitteln vermag. Es sei noch, vermerkt, daßwie sich bei den mehrstimmigen Chorgesängen zum Nachteil der Wiedergabe herausstellte, der Vorführungsapparat nur mehr als einen ganzen Ton zu hoch eingestellt war. T«r. Sch ildberger. Sendet de« föMgen Beitrag für das 4. Quartal LvSv Es das Postscheck-Konto -er Bereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137069 ei«. :: ¥ : Gottesdienste; 1 Li Freitar Dr. fl Berliu'vsten. berate Synagoge Oste», Aula Mädchenschule flalserstratze 30. 1, den 7. November, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: lei«. Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norde«, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 7. November, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Rabb.- fland. Mehler. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Nestend. Liberale Synagoge Westend, Leistikowstratze 7-8. Freitag, de« 7. November, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensly.? *v Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 9. November. Johannisstr. 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. flleiststr. 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. : *! Aus den Gemeinden jii Berlin. (Gründung einer Iuugjüdischen Fr rede nsg e m e in s cha s t.) Wir werden um Veröffentlichung nachstehenden Aufrufes gebeten: An die jüdische Jugend! Drei Momente von zwingender Kraft gebieten heute der jüdischen Jugend, sich in aktiver Weise für den Frieden cinzusetzen. Das oberste: Der Friedensgedanke der jüdischen Lehre, die uns auferlegte Sendung, zu der heute beginnenden Verwirklichung dieses Gedairkens mit allen Kräften beizntragen. Das zweite: Die Lehre des Weltkrieges. Unrichtig die Behauptung, daß wir den Weltkrieg nicht mitgemachr haben. Noch stehen wir mitten in ihm. Gegen Deutschland besonders wird er mit den rücksichtslosesten Mitteln weitergeführt. Niemand wird von diesem Wirtschaftskriege furchtbarer betroffen als die Jugend, die ihr Arot nicht finden kann, die keine Zukunft vor sich sieht. Die Härten des heutigen Wirtschaftssystems, dessen Reform die geschichtliche Aufgabe unseres Geschlechtes ist, haben sich unter der Wirkung des Krieges in katastrophaler Weise verschärft. Wir haberi die Entsetzlichkeit des Krieges kennen gelernt: Die Verkrüppelung Unzähliger, den Fall der Besten; die Zerstörung der Kulturwerte, der Wirtschaftskräfte, der Existenzgrundlagen: die moralische Untcrhöhlung breiter Volksschichten. Wir wissen, daß der kommende Luft- und Gaskrieg, zu dein alle Staaten rüsten, unser Geschlecht, gleichzeitig aber Europa verruchten lvird. Jhnr vorzubeugen, inuß das Ziel unserer Anstrengungen sein. Das dritte: Die Lehre der jüngsten Zeit. Eine Auswirkung des Krieges, die sich speziell gegen uns Juden kehrt, ist das Anschwellen der antisemitischen Bewegung. Das Judentum ist der Friede. Das Aufstammen der Gewalttriebe ist unvereinbar mit dem Frieden; die Ailti-Friedens-Bervegung lvird naturgemäß zur antijüdischen. Nur durch Förderung der Strömungen, die den inneren und äußeren Frieden anstreben, können wir sie überwinden. Unter der* Einwirkung dieser Momente haben wir uns zu einer ..Jungjüdischen Friedensgemeinschast" zusammengeschlossen. Wie wir unsere Aufgabe ausfassen und zu löten versuchen wollen, sagt unsere programmatische Erklärung. Brüder und Schwestern! Euch Allen ruien wir zu: Schließt Euch uns au! Was um gemeinsam mit Euch erreichen wollen, läßt sich im Rahmen der vorhandenen Jugendbünde und Studentenkorporationen nicht durchführen. Unsere Arbeit ist so umfassend und so lebenswichtig, daß sie einer eigenen Organisation bedarf. Eine jungjüdische Friedensbewegung muß entstehen. Jeder junge jüdische Mensch, der offene Augen hat für unsere Zeit, wo immer er auch stehen mag, wird sich in diese Bewegung einreihen, ähnlich wie er auch einer sozialen Partei oder einer Sportvereini-gung angehört, obwohl er hündisch organisiert ist. In diesem Sinne rufen wir jeden Einzelnen ails. Meldet Euch als Vertrauensmänner! Bildet überall Stützpunkte der Jüdischen Friedensgemeinschaft! Setzt Euch ohne Verzug mit uns in Verbindung, damit die Früchte unserer Arbeit baldigst reifen. I. A.: Dr. Joachim Schendel. 'Kurt Jacobowitz. Dr. Manfred Swarsensky. Hansi Borchardt. Heinz Kalweit. Erwin Lewin. Erwin Scheftelowitz. Herbert Selig. Robert Zion. Adresse für Zuschriften: Geschäftsstelle der „Jungjüdischen Friedensgemeinschast". Berlin SO. 16, Michaelkirchstraße 12 (Kurt Jacobowitz). Berlin. (Ein eigenes Heim für d i e Kunstsamm - lung der Jüdischen Gemeinde?) Die Jüdische Telegraphen- Agentur meldet: Die Kunstsammlung der Jüdischen Gem-einde in Berlin hat in den letzten Monaten durch Neuerwerbungen und Schenkungen einen derartigen Zuwachs erhalten, daß die in der Oranienburger Straße 29 befindlichen Räume für die Aufstellung nicht mehr ausreichen. Es ist deshalb auch schon ein neues Gebäude zur Unterbringung der Museumsschätze in Aussicht genommen. Erst in den neuen Räumen wird man einen Ueberblick über die kürzlich erworbenen palästinensischen Ausgrabungen interessanter Ton- und Glasgefäße, die reiche Münzsammlung und die mannigfaltigen Kultusgeräte gewinnen können. An Werken moderner Künstler sind besonders zwei der bedeutendsten Gemälde von Lesser Ury hervorzuheben: das von der Pressa 1928 bekannte Monumentalbild „Der sterbende Moses" und ein Selbstbildnis von 1930. Max Liebermaim ist mit einem Porträt des Chirurgen James Israel, Pissarro mit einem feinen Aquarell vertreten. Den berühmten holländischen Meister Josef Israels stellt ein Bildnis von I. Moscheles dar. Zwei Gemälde von Josef Oppenheimer (Bildnis Kareski) und zahlreichen jüngeren, in Paris tätigen Künstlern ergänzen die Reihe dieser Neuerwerbungen. Berlin. (Todesfall.) Frau Recha Warschauer, die Gattin des Rabbiners Dr. M. Warschauer, des großen Berliner Kanzelredners, ist am 29. Oktober einem tragischen Unglücksfall zum Opfer gefallen. Frau Warschauer war mit ihren beiden Schwestern, Frckw Amalie Jacobsohn und Frau Bernhard, sowie deren Tochter, Frau Buchholz, im Auto zu ihrer vierten Schwester, Frau Marcuse, die ihren 60. Geburtstag feierte, nach Prenzlau gefahren. Auf der Rückfahrt verunglückte der Wagen. Frau Dr. Warschauer war sofort tot, während ihre beiden Schwestern schwer verletzt wurden. Berlin. (Baurat Alexander Baerwald gestorben.) Der berühmte Architekt Alexander Baerwald, der eine große Reihe öffentlicher Prachtbauten in Berlin geschaffen hat und seit 1912 in Palästina lebt und dort das Haisaer Technikum mit hebräischer Realschule und eine Reihe anderer großer Bauten, geschaffen hat, ist am 28. Oktober in Jerusalem im Alter von 63 .Jahren verstorben Alexander Baerwald wurde 1877 in Berlin geboren. 1906 erhielt er die Schinkel-Medaille für den Entwurf eines Architektenmuseums. Er. nahm durch Jahrzehnte, dem früheren Ministerium für öffentliche Arbeiten zugehörig, Anteil an zahlreichen bedeutsamen Staatsbank« Berlins, so besonders an dem komplizierten Neubau der ehemals) Königlichen Bibliothek Unter den Linden. Er nahm dann Mm Staatsdienst Urlaub, um nach Palästina gehen zu können üßd dort eine Reihe große Baupläne zu verwirklichen. Am 1. Januar 1931 sollte Baerwald neuerdings sein Berliner Amt übernehmen. Das. Ableben Baerwalds hat unter der palästinensischen Judenheit Trauer hervorgerufen. Darmstadt. (Tagung des Israelitischen Lehrervereins.) Hier fand kürzlich die Hauptversammlung des Israelitischen Lehrervereins im Bolksstaat Hessen statt. Der zlveite Vorsitzende des Vorstandes der israelitischen Rejigionsgemeinde, Rechtsanwalt Joseph, und Rabbiner Dr. Bienheim begrüßten die hessischen Lehrer. Dann sprach in öffentlicher Versammlung Lehrer Beyer. Bingen, über: „Methodisches Neuland". Dem hebräischen Unterricht will der Referent, dessen Ausführungen großen Beifall fanden, durch eine neue Schreibmcthode schnelle Förderung verschafseir. Lehrer Kahn, Alsfeld, erstattete in der Mitgliederversammlung den Geschäftsbericht. Nach Erstattung des Kassenberichts wurde durch die dann vorgenommene Neuwahl der bisherige Vorstand wiedergewählt. Lehrer Müller, Bensheim, trat als Rechner neu in den Vorstand ein. 'Die nächstjährige Versammlung soll in Bingen stattsinden. Darmstadt. (Persönliches.) Im benachbarten Griesheim ist die israelitische Gemeinde durch den Tod des Arztes Dr. Heilbrdnnl in tiefe Trauer versetzt worden. Etwa 27 Jahre wirkte der Verblichene, der erst 64 Jahre alt einem tückischen Herzleiden erlag, zum Segen seiner leidenden Mitmenschen, die ihn nicht nur wegen.seiner medizinischen Tüchtigkeit, sondern auch wegen seinen freundlichen, humorvollen Wesens schätzten und liebten. Ein großes Trauergesolge begleitete den Entschlafenen zur letzten Ruhestätte. Rabbiner Dr. Bienheim, Darmstadt, und Dr. Stern, ein Vetter und Studienkollege, hoben' in ihren Ansprachen die hervorragenden Eigenschaften des als Arzt und Menschen allgenrein geachteten Glaubensbruders hervor; auch der Darmstädier Aerztevcrein und die Kollegen des Ortes gedachten seiner in lief empfundenen Worten. Dortmund. (Todesfall.) Hier starb im Alter von 76 Jahren das frühere Vorstandsmitglied der Gemeinde, Herr Siegsrift» Stern. Der Heimgegangene entstaminte einer alten hochangesehenen tvestfälischen Familie, war Mitbegründer und Mitinhaber des Bankhauses Gebr. Stern: vom Jahre 1909 bis 1928 gehörte er dem Vorstand der Sniiagogengenicinde an. Außerordentliche Bescheidenheit, reges Kunstverständnis und ein reicher Wvhltätigkeitssinn zeichneten ihn besonders aus; er gehörte zu den stillen Wohltätern in Gemeinde und Stadt. Bei der Beerdigung, die lrnter großer Teilnahme stattfand, zeichnete Herr Rabbiner Dr. Appel in warmen Worten das Charakterbild des wackeren Mannes. Er ruhe iir Frieden. Frankfurt a. M. a c o b Rosen he im 60 Jahre.) Herr Jacob Rosenheil,r, einer der hervorragendsten Führer der jüdischen Orthodoxie, Präsident der Weltorganisation Agudrs Jisroel, vollendet in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Er ist ein anerkannter Führer der von Samson Raphael Hirsch vor mehr als einem halben Jahrhundert begründeten selbständigen jüdischen Orthodoxie, die in Deutschland in der „Freien Vereinigung für die Interessen ves orthodoxen Judentums", dein „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" (Halberstädter Verband) organisiert ist. Inhaber einer Verlagsfirma, lebt er fast ausschließlich jüdischen Interessen. Seit 1906 ist er Herausgeber der von S. Schachnowitz redigierten Wochenschrflt „Der Israelit". Seine Weltanschauung zeigt sich vornehmlich in seinen Auseinandersetzungen mit Hermann Cohen, Martin Buber, Jakob Klatzkin in der Arbcir „Beiträge zur Orientierung im jüdischen Geistesleben der Gegenwart", in den Schriften „Abrahamitisches oder mosaisches Judentum?", „Aphorismen zur Grundlegung der jüdischen Ethik", „Die Wurzel der Aesthctik", „Der Zusammenschluß der Thorarreuen" u. a. m. Frankfurt «. M. I ubilä u nr.) Der „Israelitische Metzgergesellenverein Frankfurt a. M." hat sein 26 jähriges Besteh«» in der „Frankfurt-Loge" gefeiert, beglückwünscht von den christlichen Kollegen, von Vorstandsmitgliedern der Fleischer-Innung. In schlichter Weis« sprach per jugendliche.,Vorsitzende über die Geschichte des Vereins und berichtete, daß im Jahre 1914 nahezu alle Mitglieder, 66 (jüdische Metzgergesellen aus Frankfurt a. M-, ins Feld zogen, '27 Wd nicht wiedergekehrt, sie ruhen in fremder Erde. Rechtsanwalt Steffen Kann, der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe jüdischer Frontsoldaten, widmete als Kamerad von der Front den toten jüdischen Metzgergescllen Worte des Gedenkens. Geilenkirchen. S e e l c n s e i c r für d i e Opfer der Bergb a u k a t a st r o p h c.) Samstag morgen fand i» der hiesigen Synagoge eine ergreifende Seeleirfeiec für die Opfer der Bergbaukatastrophe statt. Lehrer Frohmann verbreitete sich über das tragische Geschick,, das die Helden der Arbeit betroffen habe, und richtete an die Zuhörer die Bitte, nicht nur der Toten zu gedenken, sondern auch für hie Hinterbliebenen nach besten 'Kräften zu sorgen. i Gleiwitz. (E inweih n n g des jüdischen Berernsha u.- ses.) In einem neuen Gewände zeigt sich das jüdische Vereinshaüs am Wilhelmsplatz, das am letzten Sonnabend eingeweiht wurde. Unter der Leitung von Architekten Birkmann hat Baumeister Reich mit den heimischen Handwerkern die Restaurations- und Gcsellschastsj räume vollständig erneuert und einen schönen dekorativ wirksames j größere Saal geschaffen, so daß hier eine Stätte gastlicher Art der jüdischen Gemeinde gegeben ist. Der Verein zur Förderung des Judentums Gl-eiwitz hat unter der rührigen Leitung seines Vorsitzenden Paul Cohn sich der Sache recht warm angenommen. : Zahlreiche Gäste hatten sich eingefunden und nach der religiösen i Weihe durch Rabbiner Dr. Ochs begrüßte der Vorsitzende Paul Cohn und gab einen geschichtlichen Rückblick über die Entstehung 'des jüdischen Vereinshauses, um dann die Notwendigkeit des Ausbaues und der Erweiterung dieses Heims zu erläutern. Mit der Idee hat der Verein zur Förderung des Judentums bei der jüdischen Gemeinschaft einen guten Anklang gefunden und Dank der Opserfreudigksit konnte der Plan verwirklicht werden. Es können nun hier auch Vortrags- und Gcsettschaftsabende stattsinden. Er dankte allen Förderern und hoffte, daß sich das Unternehmen weiter gut sortentlvickeln möge. Die Glückwünsche des Gemeindevorstandes und der Repräsentantenversammlnng übermittelte Justiz rat Stadtältester Kochrnann,, worauf das Heim seiner Bestimmung durch Fabrikdirektor Mar Kleczewski übergeben wurde. " , Grevenbach. (F r i ed ho fs s ch ä uü u ng.,> Auf dem Friedhof der Filialgemeinde WewelingHoven, >vo früher eine stattliche Gemeinde bestand und jetzt nur noch zwei jüdische Familien wohüen, sind mehrere Grabsteine umgestürzt und gänzlich zertrümmert worden. In dem Orte sind erst in diesen Tagen mehrere nationalsozialistische Versammlungen veranstaltet worden. Polizeiliche Ermittlungen sind eingeleitet, jedoch bis jetzt ergebnislos geblieben. Halle a. s. (Todesfall.) Wenige Tage nach Vollendung ihres 80. Lebensjahres ist Frau Adele Müller, geb. Fiorino, verschieden. Als stellvertretende Vorsitzende des Israelitischen Frauenvrreins hat sie sich um die sozialen nnd religiösen Vorgänge innerhalb der Gemeinde verdient gemacht. Darum erfreute sie sich in weiten Kreisen großer Beliebtheit, was anläßlich ihrer Beisetzung durch die starke Beteiligung an der Trauerseier zutage trat. Rabbiner Dr. Kahlberg widmete der Entschlafenen einen herzlichen Nachruf und hob ihr gemeinnütziges Wirken hervor. Hannover; (Einheitsliste zum Preußischen Landesverband im Wahlkreis Hannover—Schleswig- Holstein.) Am Sonntag vormittag fand eine Versammlung der Vertreter zahlreicher Gemeinden der Provinzen Hannover und Schleswig-Holstein statt. Zweck war die Aufstellung einer Einheitsliste für die am 30. November stattfindenden Wahlen zum Preußisch«! Landesverband. — Herr Kommerzienrat Berliner als Leiter her Versammlung im hannoverschen Gemeindehaus betonte eingangs, daß die Aufstellung, der Listen keine Sache der Synagogengemeinde Hannover sei,, sondern lediglich seinen persönlichen Bestrebungen entspräche, die Km Interesse aller die Aufstellung einer Einheitsliste zum Ziele haben. Wütde keine Einheitsliste Zustandekommen, so verursache» die