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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-11-05 · 45 (5.11.1930) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
45 (5.11.1930)
Date
1930-11-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Wer diesen Artikel zunächst liest, wird ganz zweifellos in erster Linie die Unterstützung des Jüdischen Nationatheims mit Land herauslesen. Tie englische Regierung bemüht sich «rt Weißbuch jedoch, mit aller Schärfe darauf hinzuweisen, daß gerade dieser Paragraph nicht nur diese eine Verpflich^- tung enthält, sondern auch („in der sicheren Voraussetzung, daß..." usw.) ihre Verpflichtung festlegt. Rechte und Leben der anderen Teile der Bevölkerung nicht zu verschlechtern. Diese eigentlich selbstverständliche Klausel wird zum Angelpunkt des ganzen Weißbuchs. Immer wieder kommt die Regierung zur Begründung ihrer Maßnahmen hierauf zurück. Aber Artikel 6 des Weißbuchs ist ja nicht von gestern und heute, und Engländer und Nichtengländer, insbesondere auch die Zionisten, mußten damit rechnen. Ob freilich so weitgehende praktische Folgerung daraus gezogen werden mußten und dursten, wie dies geschehen ist, muß selbst vom englischen Standpunkt ans bezweifelt werden. Das Weißbuch weist auch die Jewish Agency in ziemlich überlegenem Tone in ihre Schranken, indem es auf Artikel 11 des Mandats verweist und die Klagen der Jewish Agency über Mängel der Verwaltung als unvereinbar erklärt mit Artikel 11 des'Mandats und dem darin befindlichen Satz, daß die Palästina- Verwaltung alle notwendigen Maßregeln ergreifen solle, „um die Interessen der Bevölkerung in Verbindung mit der Entwicklung des Landes zu schützen". Hier ist wieder Nachdruck gelegt auf die Bevölkerung des Landes, womit die Bevölkerung als Ganzes gemeint ist. Tie Regierung erklärt wörtlich und ziemlich schroff folgendes: „Mehr als das, man hat Versuche gemacht, zur Unterstützung der zionistischen Ansprüche da'rzulegen, daß der Hauptinhalt des Mandats die Stellen sind,' welche das Jüdische Nationalheim betreffen, und daß die Stellen, welche sich mit der Sicherung der Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung befassen, offensichtlich nur Erwägungen zweiten Ranges darstellen, die in gewissem Ausmaß den Hauptpunkt des Mandats nur abwandeln und auslegen. Ties ist eine Auffassung, welche die Regierung immer als vollkommen irrig betrachtet bat. Wie schwer auch immer die Aufgabe sein mag, es erscheint ihrer Ansicht nach unmöglich, verträglich mit dem offensichtlichen Zweck des Mandats, zu versuchen, das Problem zu lösen, indem man die eine Mandatsverpslichtnng der anderen unterordnet " Wer zwischen den Zeilen liest, möchte beinahe der ganzen Einleitung entnehmen, daß die jetzige Regierung der früheren eine -Lektion erteilt dahinj daß man die Verpflichtung den Inden gegenüber zu Gunsten der Araber zu ernst und die den Arabern gegenüber zu Gunsten der Juden zu leicht genommen habe. Jedenfalls wird die Palästina-Politik ganz offen als ein Januskopf dargestcllt, der Juden und Arabern gegenüber die gleichen Züge tragen müsse. Und nun kommt nach dem historisch politischen ersten Teil der ungeheuer wichtige praktische zweite Teil. Zunächst wird dargelegt, welche militärischen Sicherungsmaßnahmen England zur Aufrechterhaltung der Ordnung vorzunehmeu gedenke. Das sind die Lehren von .Hebron aus dem Jahre 1929. Auch hier klingt leise das Wort „zu spät" mit an. Dann, kommt die aus den Tageszeitungen bekannte Veröffentlichung über die neue Staatsverfassung Palästinas. Ein gesetzgebender Rat wird dem Hohen Kommissar beigeordnet. Von den 22 Mitgliedern ernennt die Regierung 10, 12 Mitglieder werden gewählt. Tie Juden Palästinas haben bereits einmütig erklärt, daß sie sich an dieser gesetzgebenden Körperschaft nicht beteiligen werden. „Es ist meinem Vater ganz recht, daß ich mir die Finger erfriere, warum kauft er mir keine Handschuhe." Zu diesem ersten Punkt ist wenig zu sagen. Nun folgen aber die bedeutsamen und entscheidenden wirtschaftlichen Beschlüsse. Hier muß man nun auch den Simpsonbericht heranziehen, der erheblich schwerer zu verdäuen ist, weil er fast 209 Seiten stark ist und eine ungeheure Menge tatsächlichen Materials zusammenträgt. Ich bin nicht Fachmann genug, um die nationalökonomische Richtigkeit all dieser Einzelpunkte zu kontrollieren. Aber das Eine ist: klar ersichtlich: der geringe Umfang des Landes und die außerordentliche Schwierigkeit seiner Ür- und Fruchtbarmachung, die kaum in Verhältnis steht zu dem darin investierten Kapital an Geld, Arbeit und Idealismus, und ferner, wie wiederholt anerkannt wirb, die gewaltigen Leistungen der jüdischen Bauern und Siedler. Freilich liest sich der Bericht in seiner schonungslosen nüchternen Sprache doch anders als die üblichen Reiseberichte begeisterter Wanderer. Und die schweren Angriffe, die man z. B. gegen Alfred Wieners „kritische Reise durch Palästina" geschleudert, bat, werden nur' dadurch verständlich, daß man gerade die unerwünschte Wahrheit im- : mer am stärksten angreift. Wir begleiten Sir John .Hope - Simpson auf seiner Wanderung durch ganz Palästina. Wenn! man z. B. von dem gepriesenen Tal von Esdraelon den Satz liest: „Es ist ein Fehler, anzunehmen, daß das Tal von Esdraelon eine Wildnis war vor der Ankunft der jüdischen Siedler und daß es heute ein Paradies ist", so sagen derartige gelegentliche Sätze mehr als manche Seiten offizieller Reiseführer. Ganz besonders interessant ist auch ein Passus, der übrigens bezeichnenderweise in dem Auszug in der „Jüdischen Rundschau" nur sehr schamhaft angedeutet ist, nämlich die Gegenüberstellung der Siedlungen der Pica und der zionistischen Siedlungen. Sehr sachlich beschreibt Simpson das gute Verhältnis zwischen Juden und Arabern in den ersten Siedlungen, das auf der gänzlich unpolitischen, rein wirtschaftlich ausbauenden Tätigkeit der Pica beruht. Er stellt dem gegenüber d'e zivuistische Kolonisation, die zahlreiche arabische Familien landlos gemacht und die natürlich auch einen ausgesprochen politischen Beigeschmack gehabt hat. Mit sehr nüchternen Zahlen werden auch hier gelegentlich' zionistische Feststellungen richtiggesiellt. Das alles sind Tatsachen und Feststellungen, an denen kein Mensch vorübergehen kann. Nun aber kommt ein Punkt, der gewissermaßen entscheidend für die englische Regierung und für das Schicksal der künftigen Entwicklung in Palästina wird und den man nur mit deutlichem innerem Widerspruch hinnehmen kann. Auf Seite 16 des Weißbuches vergleicht die englische Regierung arabische und jüdische Ansiedlungswethoden. Sie stellt die primitive Ackerkultur der Fellachen der hochentwickelten jüdischen Siedlungstätigkeit gegenüber und stellt fest, daß die letztere der «rsteren naturgemäß überlegen ist und daß durch sie Araber zu Gunsten der Juden allmählich zurückgedrängt werden. Wörtlich heißt es: „Tie jüdischen Siedler haben jeden Vorteil für sich gehabt, welchen Kapital, Wissen und Organisation gewähren kann. Dem und der Energie der Siedler selbst dankt man den bewundernswerten Fortschritt. Auf der anderen Seite ist die arabische Bevölkerung, die der Vorteile entbehrt, die die jüdischen Siedler genießen, durch den Geburtenüberschuß schnell angeioachsen, während daS für ihren Unters- Halt verfügbare Land um etwa eine Million Danans nahm. Tiefer Landbesitz ist in jüdische Hände übergegangen.' Aus dieser natürlicheil Unterlegenheit der Araber ziohen nun die Engländer den Schluß, daß sie das ganze Schwergewicht ihrer Fürsorge den Arabern zuwenden müssen, gewissermaßen, bis die Araber oen Vorteil eingeholt haben, den jüdische Energie, jüdisches Kapital und jüdisches Wissen vor ihnen voraus haben. Das ist nun allerdings, me man offen bekennen muß, eine überraschende Folgerung. Tie jüdische Bevölkerung Palästinas, und mit ihr die Juden, die hinter ihr stehen, wird dafür gestraft, daß sie für das Lalld mehr getan hat als die Araber, hinter denen doch schließlich die ungeheure Macht der panarabischen Bewegung gestanden hat und stebr, und die auch das ihre hätte tun müssen, um die uralten Methoden der Fellachen zu modernisieren und Kapital und Arbeitskraft in das Land hineinzustecken. Hier, wird man also sagen können, ist der Bogen überspannt. Würde England hier „fair Play" walten lassen, so - das liest man deutlich aus dem Bericht heraus, — würden allmählich die Juden die Araber zurückdrängen. „Kalnpf ums Dasein" ist eine Entdeckung des Engländers Darwin, und es ist uns aus der englischen Koloniälgeschichte sonn nicht bekannt, daß man Eingeborene schwächerer Nationen zu Gunsten der überwiegenden Kultur geschont hätte (siehe Burenkricg). Hier bat aber die englische Regierung ein ganz drakonisches Mittel zur Besserung der arabischen Lebensverhältnisse angewandt, sie verbietet einfach den Uebergang von weiterem Land in jüdische Hände, indem sie behauptet, daß die zionistische Exekutive noch genügend Land für eine mäßige Einwanderung in Reserve habe. Hier ist es eben ganz deutlich die gesamtmglische Politik, die die Schlußfolgerung diktiert. . Freilich, das muß man zugeben, haben die palästinensischen Inden den Engländern manches Stichwort gegeben. Es ist schon darauf hinaewiesen worden, daß der Vergleich zwischen den Siedlungen der Pica und den zionistischen Siedlungen nicht zu Gunsten der Letzteren ausfätlt. Es wäre sehr bedauerlich, wenn, was im Simpson-Bericht anqeoentet ist, die Pica Siedler durch beit Zwang der zionistischen Siedler von ib.rer bisherigen Politik gegenüber den Arabern abgebracht werden würden. Dann aber, und jetzt kommt ein b ei anders interessanter Punkt, spielt die Arbeiterfrage eine entscheidende Rolle, und hier wird die Sache auch dadurch interessant, weit Sozialisten zu Sozialisten sprechen. Di? englische Arbeiterregierung steht bekanntlich auf dem Standpunkt der zweiten Internationale. Tie palästinensischen Sozialisten dagegen haben eine scharf nationale, ja nationalistische Arbeiterpolitik betrieben. Kein Jude, kein jüdischer Siedler, kein jüdischer Fabrikant, darf nach den mteressan-- ten Darlegungen des Berichts, die alle durch entsprechendes Vcweismatcrial belegt werden, nichtjüdische, insbesondere arabische, Angestellte und Arbeiter beschäftigen. Infolgedessen herrscht große arabische Arbeitslosigkeit. Und jetzt .weder die grausame Schlußfolgerung der englischen Regierung: Wir haben für Araber und Juden gleichmäßig zu sorgen, es gibt keine besondere jüdische, es gibt keine besondere arabische Arbeitslosigkeit, es gibt nur Arbeitslosigkeit in Palästina als Ganzes; so lange diese Arbeitslosigkeit andauert, wird die Einwanderung gestoppt. Wenn vorher gesagt werben mußte, daß der Schlag gegen die Länderwertung ein wirtschaftlich nicht gerechtfertigter, rein politischer Akt ist, muß hier allerdings gerechterweise erklärt werden, daß die Juden das Eingreifen Englands durch ihren Boykott arabischer Arbeit selbst mit heraufbeschworen haben. Wir haben also heute das groteske Schauspiel vor uns — und darin haben natürlich die jüdischen Geldgeber vollkommen recht —, daß die indischen Kapitalien und jüdische Atbeit dazu ausgewandt werden sollen, um arabische Arbeitslosigkeit zu verhindern. Das klrngt beute natürlich völlig sinnlos, aber Palästina und die Gesamtjudenbeit erntet die Früchte der einseitigen Arbeiterpolitik der allmächtigen jüdischen Arbeiterorganisation, der von ’Xrm Parteigenossen Macdonald eine reckt deutliche und nur zu fühlbare Lektion erteilt wird. Auf den in der Jüdisch-liberalen Zeitung in der vergangenen Woche veröffentlichten „Offenen Brief' des Vorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern, hat -Herr Direktor Oscar Wassermann folgende Antwort publiziert: Hochgeehrter Herr Rechtsanwalt, Sie haben als Außenstehender und daher kaum richtig Informierter durch Ihren Brief in ein Verfahren eingegrisfen, das bisher nur in erster Instanz entschieden ist. Die Verhandlungen im englischen Parlament stehen noch aus, und die Verordnungen der Palästina-Regierung sind noch nicht erlassen. Ich wollte Ihnen daher nicht, wenigstens jetzt nicht, in der Oeffentlichkeit antworten. Da die Rücksicht auf Ihre Person eine Antwort auf Ihren Brief aber in jedem Falle erforderte, habe ich Ihnen den Grund einer öffentlichen Nichtbeantwortung mitgeteilt. Inzwischen mehren sich, auch aus meinen Freundeskreisen, die Stimmen, die eine öffentliche Erwiderung von mir verlangen, und so sehe ich mich sehr gegen meineit' Wunsch veranlaßt, sachlich auf Ihr Schreiben zu antworten, noch ehe ich Abschlichendes zu sagen vermag. Zunächst beschweren Sie sich darüber, daß ich unbefugt, wie schon früher einmal, im Namen „der Juden" gesprochen habe. Ich könnte mich aus den sehr weisen Baron Edmond de Rothschild berufen, der gerade jetzt in einem Briefe an Professor Weizmann schreibt: „Die Juden der ganzen Welt sind in einem Zustande der Bestürzung, und üfy teile ihren Schmerz." Soweit bin ich gar nicht gegangen. Ich habe in meiner Erklärung die der Jewish Agency nicht angeschlvssencn Juden dreimal erwähnt. Erstens glaubte ich, sagen zu dürfen, daß sie von der Verlautbarung der englischen Regierung s ehr enttäuscht seien; zweitens habe ich behauptet, daß sie sich von einem (selbstverständlich im Bewußtsein, das Richtige zu tun) gefaßten Vorsatz durch Schwierigkeiten, die man ihnen in den Weg legt, nicht abbringen lassen wollen, und drittens, daß das neue Weißbuch auch bei ihnen nicht Mit aller schonungslosen Deutlichkeit stehen wir also heute vor zwei Tatsachen: Neues Land wird vorläufig in jüdische Hände reicht übergehen, die Einwartderung wird gestoppt, solange die bisherige Arbeitslosigkeit auch der Araber andauert. Das kann heißen: „für unabsehbare Zeit", es braucht es aber nicht zu heißen. Wo liegt der Schlüssel zur Besserung? Daß die Zionisten ihn heute schon in die Hand nehmen, das zu glauben bin ich nicht imstaitde. Tie Wunde brennt noch zu heftig. Weltanschauung zu revidieren, dazu ist dann am wenigsten die Stunde, wenn man das Gefühl des erlittenen Unrechts mit sich herumträgt. Wohl aber liegt der Schlüssel bei bcu Nichtzionisten. M. E. müssen die nichtzionistifchen Mitglieder der Agency aus den Dokumenten der englischen Regierung zum mindesten eine Lehre ziehen. Es ist gewiß möglich, daß eine andere Regierung die jetzige in gewissen Punkten desavouiert und daß bezüglich der Einwanderung und des Landerwerbs die Zügel wieder gelockert werden. Ich. sage osten, daß ich das sogar herzlich wünsche. Tas eine aber muß. man doch aus diesen Vorgängen gelernt haben: wie England in dem Mandatstext einmal beu einen Satz betont und einmal den anderen, so sind Inden und Araber in Palästina für sie nicht Gegenstand jüdischer und nicht Gegenstand arabischer, sondern ausschließlich Gegenstand englischer Politik. Man braucht gewiß nicht damit zu rechnen, daß der Schlagbannt in Palästina dauernd heruntergelassen wird, aber inan soll lernen, oas. es ein Fehler ist, auf eine dauernde sichere Förderung des jüdischen Aufbauwerks durch England zu rechnen. Ein ferneres ergib: sich zwingend aus den Ermittlungen Englands: Ungestört vom politischen Hin und Her wird die Entwicklung uur gehen, wenn nicht das zionistische Siedlungsprinztt« durchgreift, sondern das Prinzip der Piea-Siedlungen, das beißt die unpolitische Siedlung und nicht die zionistische nationale. Es ist, wie gesagt, zu früh, den Zionisten znzrr.- muten, dies schon jetzt zu erkennen, obwohl ich der Ansicht bin, daß sie, je früher sie sich die Binde von den An gen reißen, desto weniger Enttäuschungen und Rückschläge auch in ihrer eigenen Bewegung erleben werden. Wohl aber haben die m'chtzionistischen Palästinafreunde jetzt die unabweisbare Pflicht, zu erklären, daß. eine gemeinsame Arbeit nnr möglich ist, wenn Entpolitisierung des Palästttrawerks in cnergischer Weise gefördert wird und wenn man ans arabetfreundlichen Worten auch zu Taten übergeht. Wir haben hier weder Recht noch Lust, Anwalt der Araber zu sein, wohl aber um der Inden Palästinas willen müssen die Mitarbeiter in der Aecney ihren Einfluß dalnu geltend machen, daß m ber sozialen und sozialistischen Politik den Arabern gegenüber eine gründliche Aenderung eintritt. Es müssen also nach unserem Dafürhalten jetzt in der Agency die Wirtschaftler und nicht die Politiker das Wort nehmen, wenn überhaupt noch an eine gemeinsame gedeihliche Znkunstsarbeit gedacht werden kann. Welch andere Folgerungen außerhalb Palästinas aüs den weltgeschichtlichen. Dokumenten, die hier besprochen sind, gezogen werden sollen, habe ich in meinem Brief an Oscar Wassermann dargelegt. Tiefen Brief 'hat inan mir sehr verdacht. Das habe ich erwartet, es wird mich nicht bindern, zu sprechen, wo und wann micfi mein Gewissen dazu treibt. Ich habe diesen Brief und diesen Artikel ja nicht geschrieben ans Schadenfreude, aus Kritik um der Kritik willen, sondern einzig und allein aus dein Grunde, weil ich bedauere, daß eine falsche, von reinen Theoremen diktierte Politik der deutschen Zionisten uns von einem wichtigen Gemeinschaftswerk ausgeschlossen hat und weil sich nun zeigt, daß das Gemeinschaftswerk durch diese Politik nicht gefördert, ein unheilbarer Zwiespalt aber in die Kreise gememsckiaftsbewußter und arbeitswilliger Juden getragen worden ist. Ich wollte zeigen, daß es einen Weg gibt und geben muß, der auch aus dem ernsten und zum Teil höchst unerfreulichen Dokument, daS uns britische Staatskunst bescheoen hat, herausleuchtet, ein Weg, der nicht nur für Palästina, sondern für Die gesamte Judenheit ein wabrer Weg zum! Frieden sein kann. an Heinrich Stern ohne Widerhall bleiben wird. Tie Richtigkeit dieser letzten Annahme haben Sie ja durch Ihren Brief erwiesen. Wünschen Sie nun von mir eine Berichtigung dahingehend, daß es Juden gibt, für die die Erklärung der englischen Regierung nicht enttäuschend ist, und die sich durch Schwierigkeiten von reiflich erwogenen Vorsätzen abbringen lassen wollen? ' Würde das englische Weißhuch sich aus die Feststellung beschränken, daß Palästina für alle Juden ein Zentrum sem solle, an welchem die Judenheit als Ganzes aus Gründen der Religion und der Abstammung ein Interesse nehmen und auf das sie stolz sein kann, so hätte dieses Weißbuch sicherlich bei niemand Entrüstung ausgelöst. Sein übriger Inhalt ist es, der nicht nur bei Juden, sondern auch bei den namhaftesten englischen politischen Führern, wie: Baldwin, Chamberlain, Churchill, Amery, Lloyd George, Smnts und anderen Widerspruch findet, die es gegen den Geist der Balfou ^Deklaration und des . Mandats verstoßend ansehen, oaß die gegenwärtige englische Regierung den jüdischen Aufbau in Palästina von einem Unternehmen internationaler Bedeutung zu einem lokalen Problem berabwürdigen will. Hier liegt der entscheidende Punkt. Ter Bericht Sir John lHope Simpsons behauptet nicht, daß Palästina bestenfalls noch! für 2000V Familien, also 100000 Juden, Platz bietet, sondern meint, und das ist nur eine Schätzung, zu der er auf Gruno der gegenwärtigen Verhältnisse, also ohne Berücksichtigung von BewässernngA- Möglichkeiten und anderen technischen Fortschritten, rommk daß rröch 100000 Juden in der Landwirtschaft Betätigung finden können. Da hei einer normalen Berussschichtung die landwirtschaftliche Bevölkerung nur *4 bis höchstens Vs ausmacht, bietet das Land auch-, wenn man die Simpsons che Schätzung zugrunde legen Witt, noch für hunderttausende jüdische Einwanderer Platz. Tas stimmt aber vMommen überein mit der Zister, die ich selbst in öffentlicher Erklärung (Unser Werk % von 1930) als Maximum der. im Laufe einiger Tezennien möglichen jüdischen Einwanderung ge- Die Antwort von Oskar Wassermann

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