Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 44 (29.10.1930)
- Date
- 1930-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Jahrgang ttutntnet 44 Wisch-liberale Zeitung Beilage 29. 0«ober 1SZ0 Umschau Hosral Dr. Michael Kolzmann gestorben. Im 70. Lebensjahre verstarb in Wien Hofrat Dr. Michael Holzmann, Bibliograph von europäischem Ruf, Verfasser des mehrbändigen „Deutschen Anonymen-Lexikons". Er wirkte Jahrzehnte lang an der Wiener Universitätsbibliothek. Auch auf. jüdischwissenschaftlichem Gebiete leistete er Hervorragendes. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien widmete dem hervorragenden Gelehrten ein Ehrengrab aus dem Neuen Israelitischen Friedhof. In unserer Zeitung hat er wiederholt durch Aufsätze auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiet mitgearbeitet. Das offizielle vatikanische Organ gegen Nationalsozialismus. „Observatore Romano", das offizielle Organ des Vatikans, schreibt über die Verordnung des Bischofs von Mainz gegen den Nationalsozialismus: „Das Verbot stützt sich darauf, daß das Programm der Nationalsozialisten Grundsätze enthält, die mit den Lehren und mit den Grundsätzen der katholischen Kirche unvereinbar sind. Auch ist es bekannt, daß die nationalsozialistischen Redner in öffentlichen Versammlungen verkünden, baß, ihre Politik „gegen Juda und Rom" gerichtet ist. „Was uns am meisten wundert — schließt „Observatore Romano" — ist, wie die Verbreiter des Wotankultes verlangen können, daß sich um ihre Standarte mit dem Smrnenrad und dem Hakenkreuz gerade die Anhänger des Kreuzes und Christi scharen, der die Götter aus dem heidnischen Olymp verjagt hat." Ein Hirtenbrief der österreichische» Bischöfe gegen den Nationalsozialismus. Fürsterzbischof Dr. Pisst und die übrigen österreichischen Bischöfe haben in einem gemeinsamen Hirtenbrief gegen den Nationalsozialismus Stellung genommen, den sie als heidnischen, überhitzten Nationalismus brandmarken. Infolge dieses Hirtenbriefes und des bekannten vatikanischen Erlasses gegen die Hitlerbewegung ist es zu einer Entfremdung zwischen christlichsozialen und nationalsozialistischen Hennwehranbängern gekommen. Insbesondere bestehen Differenzen zwischen den beiden Gruppen in der Frage, ob Täuflinge als vollberechtigte Dentschchristen betrachtet werden sollen. Friedhvfsschändung nun auch in Oesterreich. Wie die Chewra Kadischa aus Loeben berichtet, ist diese als ein Zentrum der Heimwehrbewegung bekannte obersteirische Industriestadt seit einigen Tagen der Schauplatz wüster Hakenkreuzexzesse. Nun haben die Exzesse in einer Friedhofsschändung ihre würdige Fortsetzung bekommen. In der Nacht vom 20. auf den 21. d. M. wurden die auf der Vorderseite der im Jahre 1929 eingeweihteu neuen Zevemonienhalle in einer Höhe von vier Metern angebrachten hebräischen Metallbuchstaben entwendet. Die Leitung der Chewra Kadischa hat die Anzeige an die Polizei erstattet, die die notwendigen Erhebungen in die Wege geleitet hat. Mahraun Wechselt wiederum seinen Standpunkt in der Judenfrage. Ter Austritt des Jungdeutschen Ordens aus der Deutschen Staatspartei wird von der Oeffentlichtcit als eine Fahnenflucht gewertet. Das Ersuchen der aus der Reichstagssraktion der Staatspartei ausgetretenen sechs Jungoo- Abgeordneten an die Reichstagsverwaltung, ihnen Plätze zwischen der Deutschen Volkspartei und den Deutsch nationalen zuzuweisen, wird sehr mißMig beurteilt. Ter Führer des Jungdo und der Volksnationalen Reichsvereinigung Arthur Mähraun sieht sich nach den letzten Ereignissen veranlaßt, in der Judenftage abermals einen neuen Standpunkt einzunehmen. Die Tageszeitung „Der Jungdeutsch«" (Nr. 240) veröffentlicht eine Rede Mährauns im Beethoven-Saal zu Hannover. Der die Judenftage betreffende Teil der Rede lautet: „Eine Bewegung, die in einen primitiven Antisemitismus verfällt, kann keine groß« Sendung erfüllen. Schon macht Hitler Versuche, den Antisemitismus aus den Reihen seiner Bewegung zu verbannen. Hitler wird entweder dem Antisemitismus äbschwören — oder er wird kerne Rolle sprelen. So kann es leicht einmal dahin kommen, daß) das völkische Bewußtsein in der jungdeutschen Bewegung der einzige Halt in unserer Rassenbewegung wird. Tie jungdeutsche Lösung in der Judenftage ist eine positive: es komnlt auf ein Bewußtwerden der völkischen Eigenart an. Wir müssen die Minderwertigkeitskomplexe in dieser Frage verlieren. Unser völkisches Bewußtsein wollen wir so pflegen, daß ohne antisemitisch« Reden die Einheit des deutschen Volkskörpers gegenüber dem Judentum gesichert ist. Es ist daran ftstzichalten und zu betonen, daß das Judentum eiKk Rasse ist. Es geht die Juden nichts an, welche Auffassung wir von Rasse haben und wie wir uns völkisch organisieren. Wenn ein Jude uns den Arierparageahhen vorwirft, so ist das für uns antigermanistische Propaganda. In solchem Vorwurf liegt der Versuch einer unzulässigen Beschränkung staatsbürgerlicher Rechte. In einem wahren BolkIstaate würde ein derartiger Versuch den Verlust der Staatsbürgerschaft nach sich ziehen. Tic jungdeutsche Lösung der Judenftage ist die einzig mögliche einer machtpolitischen Bewegung, die eine Sendung in Deutschland erfüllen will." (Jta) Statistik der Kirchenaustritte in Berlin. Auf Grund der bei den Berliner Amtsgerichten abgegebenen Erklärungen vollzogen im Laufe des Jahres 1929 in der Reichshauptstadt 57 640 Personen ihren Austritt aus der Kirche. Davon entfallen auf die evangelische Kirche 50491 Personen (28 897 Männer, 21493 Frauen), auf die römisch-katholische Kirche 6 570 (3823 Männer, 2 746 Frauen), auf die Jüdische Gemeinde 579 (378 Männer, 201 Frauen), auf die sonstigen Religionsgemeinschaften eine Person. Sendet den fälligen Veitrag für das 4. Quartal 1930 auf das Postscheck-Konto der Bereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137 000 ein. Das Betpetlsunglöd bei Aachen Mit Aachen trauert ganz Deutschland. Unendlich viel Leid und Trauer liegt auf uns. Fast nicht fassen konnten wir die Kunde, die uns Extrablätter am Dienstag, dem 21. Oktober, kündeten. 262 Menschen ein Opfer ihres Berufes — 262 Bergleute sind mitten in treuer Berufsarbeit vom Tode überrascht worden. Auch wir Aachener beklagen unter den Opfern einen Glaubensbruder. Am Sonnabend fanden die Beisetzungsfeierlichkeiten statt. Vorerst war eine Trauerkundgebung der Verwaltung. An dieser nahmen die Vertreter des Reiches und der Kirchenbehörden teil. Nachdem die Vertreter des Reiches und Preußens die Herren Minister Dr. Stegerwald und Handelsminister Tr. Schreiber, als Vertreter der katholischen Kirchenbehörde Herr Weihbischof Tr. Sträter, sowie der Vertreter der Rheinischen Evangelischen Landeskirche, Herr Superintendent D. Wolf, gesprochen, sprach Herr Rabbiner Tr. Schönberger: „Hochansehnliche Traueroersamwlung! Im Namen der jüdischen Gemeinden des Rheinlandes und im besonderen ber Shnagogengemeinde Aachen, die unter den toten Bergarbeitern von Alsdorf ein Mitglied ihrer Gemeinschaft betrauert, habe ich die Ehre, einen letzten Scheidegruß, und einen innigen Gruß, der Anteilnahme zu übermitteln. Wir stimmen ein in die allgemeine Klage mit dem biblischen Klageruf: Wie sind die Helden im Kampfe gefallen! Helden der Arbeit rm Leben und Wirtschaftskampf sind die Bergarbeiter alle. Die Toten grüßen, heißt uns zugleich, sich neigen vor allen lebenden Helden der Arbeit im deutschen Volke. Mögen wir alle stark und einig bleiben in der Zeit unseres Unglücks und unserer Not, Helden der Arbeit!" Nach!Dieser Feier setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Es ist Mittag geworden, bis der lange Trauerzug seinen Weg zu der frisch aufgeworfenen Gruft fand, in der die toten Helden der Arbeit zur letzten Ruhe gebettet wurden. Ueber dem Friedhof kreisen die Flugzeuge der akademischen Fliegergruppe Aachen, die lange Trauerwimpel tragen. Es ist ein unendlich wehmütiges, innersten Schmerz aufwühlendes Geschehen, dieses ununterbrochene Bringen per Särge, dieses fortgesetzte Verstauen braver Bergleute in geweihter Erde. Nachdem die beiden Geistlichen der christlichen Glaubeusbekenntnisse gesprochen, ergriff Herr Rabbiner Dr. Schönberger das Wort zu seiner Trauerpredigt. „Hochansehnliche Trauergemeinde! Nie steht der geistliche, nie der von Gott überzeugte Mensch vor einer schwereren Aufgabe, Gottes Wort zu verkünden und Gottgedqsiken in sich festzuhalten, als da, wo die elementare Wucht eines unbegreiflichen furchtbaren Schicksals den Zusammenhang zwischen menschlichen Sittengesetzen und ordnenden Weltgesetzen der Schöpfung auseinanderzureißen droht. Vor dieser schweren seelischen Ausgabe stehen wir in dieser Stunde, da wir die toten Bergarbeiter von Alsdorf zur letzten Ruhe betten. Tag für Tag reihten sie sich ein in den großen Reigen des Wirtschaftslebens, ohne den eine ordnende Kultur nicht möglich ist. Sie waren Kameraden der Arbeit, verbunden durch gemeinsame Gefahr und gemeinsames Werk, verbmrdeu in der Zuversicht des einen Gedankens: Wir fürchten nicht, wenn die .Erde sich umkehrt und die Berge wanken im Herzen des! Meeres der Ewigkeit; der Gott der Heerscharen ist mit uns. Das ist der Geist der Arbeit am Ganzen, das ist der Heldensinn der Bergarbeiter im besonderen, der überall auf dem weiten Erdenrund lebt, wo Menschen im einzelnen für uns wirken und für das ganze Gemeinsame schaffen. Dieser kameradschaftliche Geist heldenhafter Arbeit ist es, der sich in dieser furchtbaren Katastrophe von Alsdorf erneut den Menschen offenbart. Mögen alle Menschenbrüder die Hand sich reichen zur Arbeit am Ganzen, Arme und Reiche, Männer des Geistes und Männer der Tat, Männer der verschiedenen Konfessionen und der verschiedenen Nationen. Das Schicksal zwingt uns zu wissen: Wir sind ja doch nur alle Menschen!" Als Abschluß der Feierlichkeiten spielte die Bergiverkskapelle. Trauerfeiei: in der Synagoge. Zwei Minuten Ruhe hatte der Oberbürgermeister als letzte Ehrung für die Toten von Alsdorf gefordert. — Zwei Minuten stockte — in einer Stadt von 170000 Menschen — jedes Leben. Zwei Minuten lang ehrt Totenstille das große Sterben auch während des Gottesdienstes. Herr Obertantor Alt sprach vor dem Einheben ein Gebet für die Toten von Alsdorf, welches tiefe Bewegung ber den Andächtigen Hervorrieß Ein Trauerspiel der Orgel beschloß diese schlichte Andacht. Am Sonntag daraus wurde der bei der Katastrophe ums Leben gekommene jüdische Bergmann auf dem jüdischen Friedhof in Alsdorf unter ungeheurer Beteiligung aus allen Städten der Umgebung beigesetzt. Oberkantor Alt hob in seiner Traueransprache hervor, daß die Anonymität der Maste durchs diese Sonderveranstaltung nicht au,tzehoben sein soll, daß inan aber wenigstens den gebeugten Eltern in weiter Ferne den Trost bringen wolle, einen jüdischen Menschen auf jüdischer Erve nach der Väter Art und Sitte beigesetzt zu haben. Herr Justizrat Tr. Francken, der Vorsitzende der Gemeinde Aachen, feierte den Verunglückten nicht nur als Helden oer Arbeit, sondern auch als einen, der Dienst am Judentum dadurch geleitet habe, daß. er die Legende zerstören half, daß Juden nicht tätig und willens seien, Schwerarbeit zu verrichten. — Der Vorstand der Synagogengemeinde bewilligte in seiner letzten Sitzung 500 RM. für die Opfer der Alsdorfer Grubenkatästrophe. Rich. Heidelberg Aachen. Aus den Gemeinden Berlin. (Eröffnung eines Mittelstandshelms des Jüdischen Frauenbundes.) Am Sonntag, den 26. Oktober, wurde in Berlin-Grunewald das Olga Stern-Haus des Jüdischen Frauenbundes, »velches dank einer großzügigen Stiftung des Herrn Direktor I. Stern zum 'Andenken an seine verstorbene Gattin errichtet werden konnte, seiner Bestimmung übergeben. Die Eröffnungsfeier fand vor einer großen Zahl geladener Gäste statt und wurde von einer Ansprache des Herrn Direktor I. Stern eingeleitet, der nach einer kurzen Würdigung des Wirkens seiner verstorbenen Gattin den Mitgliedern des Jüdischen Frauenbundes für ihre hingebungsvoll« Arbeit bei der Einrichtung des neuen Heims dankte. Rabbiner Dr. Leo Beck hielt die Weiherede, in der er, ausgehend von der durch das Großstadtleben bedingten Gefährdung von Individualität, wahrem Menschentum und lebendigen menschlichen Beziehungen, den Wunsch aussprach, -aß das neue Heim nicht nur eine Stätte gemeinsamen Wohnens, sondern auch wirklichen, beziehungsvollen Zusammenlebens »verden möge. Kammxrgcrichtsrat Leo Wolfs überbrachte die Glückwünsche des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und dankte dem Jüdischen Frauenbund für seine vorbildliche soziale Tätigkeit, die eine wertvolle Unterstützung der Arbeit, die die Gemeinde selbst zu leisten habe, darstelle. N«nnens der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sprach Frau Lina Wagner- Tauber, narnens des Hauptvorstandes des Jüdischen Frauenbundes Frau Paula Ollendvrfs, die in einer ergreifenden Rede dem Stifter den Dank des Frauenbundes aussprach. Für den Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes sprach dessen Präsidentin Frau Berta Falkenberg und schließlich Frau Jacvbi für das Kuratorium des Olga Stern-Hauses. An die Feier, welche von musikalischen Darbietungen (Frl. Rosen, Frau Marcus, Frau Friedmann und Kantor John) eingerahmt war, schloß sich ein Rundgang durch das von Herrn Architekten Heinrich Borchard mit außerordentlichem Geschick aus einer ehemaligen Privatvilla umgcstaltete Haus. 30 Einzelzimmer, diele mit. Balkons und Veranden, Hroße Wohndiele, Speise- und Gesellschaftszimmer, alles ist hell, heiter und behaglich ausgestattet, Schönheit und Zweckmäßigkeit des Werkes erweckte allseitige Bewundedie Wirtschastsanlagen bis ins Kleinste praktisch durchdacht. Die rung. Allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, daß diese neue Stätte vorbildlicher Mittelstandsfürsorg«, die ans sozialem Verantwortungsgefühl und Opserwillen entstanden ist, Nachahmung finden möchte. Berlin. (Ausstellung moderner Kultgeräte.) Am 8. November d. I. wird in den Räumen des ehemaligen Kunstgewerbemuseums in der Prinz Albrecht-Straße zu Berlin eine Ausstellung modernen Kultgerätes eröffnet, die vom Kunstdienst in Dresden in Gemeinschaft mit den staatlichen Kunstgewerbeschulen, den protestantischen und katholischen Kirchenbehörden und der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde Berlin veranstaltet wird. In bisher noch nie gebotenem Umfange wird diese Schau einen Uebcrblick über die in der Sakralkunst bestehenden Bestrebungen zur Neugestaltung des Knltgerätes in modern-künstlerischem Sinne geben und an Hand des Gezeigten den Beweis erbringen, daß wir heute eine Neubelebung künstlerischer Ausdrucksformen auf diesem Gebiete erleben. Die Bestrebungen, die für alle Konfessionen in gleicher Weise gelten, machen sich in den letzten Jahren auch bei uns Juden in immer stärkerem Maße bemerkbar. Man baut mck>erne Synagogen, d. h. man verwirft die ellektisch verwendeten Bausormen und versucht mit Mitteln der modernen Baukunst Andachtsräume zu gestalten, die der Verinnerlichung dienen. In gleichem Sinne geht man auch an die Gestaltung des Kultgerätes für den öffentlichen und privaten Gottesdienst. Man schafft Geräte, die, nicht nur in Edelmaterial ausgeführt, bereits in ihrer Form die Funktion zum Ausdrucke bringen. Man vermeidet überladene Symbolik, will vielmehr Klarheit und Einfachheit. Die besten Künstler und Kunstgerverbler bemühen sich, Neues, dem Form- und Ausdrucksempfinden unserer Zeit Entsprechendes zu schaffen. Die Ausstellung, die von namhaften Künstlern des In- und Auslandes beschickt wird, sucht das gesamte erreichbare Material zu erfassen und wird daher eine bedeutsame Kundgebung sein, deren Anregungen sich weiterhin auswirken werden. Berlin. (Todesfall.) Dr. Johannes Stanjek, der langjährige Redakteur der „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", ist in diesen Tagen im Alter von 67 Jahren verstorben. Stanjek, der ursprünglich katholische Theologie studiert hatte, wandte sich später der Journalistik zu, war bei der „Berliner Volkszeitung" tätig und kam dann als schriftstellerischer Leiter iv den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Er galt als hervorragender Kenner der Geschichte und ber Psyche der führenden Persönlichkeiten des Antisemitismus, er »var es auch, ber die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion" Äs plumpen Schwindel entlarvt hatte. Stanjek hat im Kampfe gegen den Antisemitismus tvertvollste Waffen geliefert, die ihre dauernde Wirksamkeit behalten. Elberfeld. (R ep r ä sc n t a n ten w a h l.) Nachdem der Ober- Präsident der Rheinprovinz den Antrag auf Erteilung des aktiven und passiven Wahlrechts an die Frauen unserer Gemeinde genehmigt hat, sind zunächst zum Zwecke einer Neuordnung der Repräsentanten-Bersammluug Wahlen ausgeschrieben worden, für die auf Grund eiirer von den Parteien ausgestellten Einheitsliste zmni Sonntag, den 26. Oktober, Termin vorgesehen war. Da nur ein Wahlvorschlag eingelaufen war, konnte die Wahlhandlung stillschweigend als erledigt betrachtet werben. Gewählt sind: 10 Liberale, 7 Mitglieder der jüdisch-demokratischen Bereinigung einschließlich mehrerer Bolksparteiler, 2 Konservative und 2 Vertreter der Ostjuden. In Verfolg dessen wird auch die Neuwahl des Gemeindevorstandes demnächst stattfinden. Köttingen. (Persönl i ch e s.) Nach 42 jähriger Tätigkeit als Beamter der hiesigen Gemeinde verläßt Herr Louis Wolpert seinen bisherigen Wirkungskreis. Die Gemeind« ließ ihm durch ihren Vorsitzenden Hermann Jacob als Ausdruck des Dankes für die in schwerer Zeit geleisteten Dienste ein Ehrengeschenk überreichen. Beim Gottesdienst am letzten Tage des Hüttensestes sprach auch Rabbiner Dr. Fiukelscherer dem Scheidenden Dank und Anerkennung für sein segensreiches Wirken aus. Zum Nachfolger Wolperts ist Herr Adolf Taustein bestimmt worden. Kassel. (Sitzung des Aeltesten -Kollegiums.) In der letzten Sitzung bildete die Debatte über die Renovierungsarbeiten im Gemeindehausc den Hauptgegenstand der Beratungen. Reg.-Baumeister Sichel gab über die Notwendigkeit und die Art der auszuführenden Arbeiten die erforderlichen Aufschlüsse. Für die Baukommission, die sich wiederholt mit dem Projekt und den Einzelheiten der Renovierung beschäftigte, berichtete Herr Gemeindeältester Ballin. Nach ausführlicher Aussprache wird beschlossen, die Arbeiten in der von Reg.-Baumeister <Ächel vorgeschlagenen Weise ausfühven zu lassen und auch di« Dampfheizung in die der Jugend zugewiesenen Räume des dritten Stockes weiterführen zu lassen. Nach Bewilligung der Kosten, die durch die Einrichtung des Filialgottesdicnstes entstanden waren, wird auf eine von Dr. Hallo wegen Drucklegung der Geschichte der Kasseler jüdischen Gemeinde die Beschlußfassung der Kommission in Aussicht gestellt. In geheimer Sitzung wird noch über Steuerangelegenheiten beraten.