Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 44 (29.10.1930)
- Date
- 1930-10-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Arno Nadel 3× ep/1003519
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iionellcn Kantorengesang ein musikalisches Produkt eigenen Geblüts und typischen Stils haben, das durch die Orgel (leider muß ich dies sagen, trotzdem ich ein nicht zu entwegender Anhänger der Orgel bin) bereits in hohem Maße verwässert worden ist. Das Problem lautet: wirklich traditionellen chasonischen Stil mit der dazu gar nicht geeigneten Orgelbegleitung zu verbinden. Tiefes Problem ist bisher nicht gelöst worden, auch von Sulzer und Lewandowsky nicht. Von diesem Standpunkt aus beurteilt, bringt das Werk „Schire simroh" unter 12 Komponisten, die 40 Nummern beigesteuert haben, einen einzigen (und das ist ein großer Gewinn!), dessen Kompositionen überraschend gelungene Ansätze zu diesem neuen geahnten und ersehnten Stil sind. Dieser Mann ist A r n o N a d e l. Der vielseitige Künstler, der von allen Künsten genascht hat und auf vielen .Hervorragendes leistet, hat als einziger verstanden, ein jüdisches Rezitativ nach den leitereigenen Bedingungen des jüdischen „Steigers" zu notieren und zu harmonisieren. Man betrachte daraufhin die Stellen „w'hauschicnu l'maan sch'mecho" und den Schluß „.... ammau jißroel w'al j'ruscholojim" in seinem „.Haschkiwenu" (Nr. 8), (wo jeder andere, statt mit dem e zu schließen, nach der (europäisch wirkenden) Tonart D-dur zurückgegangen wäre), ferner die ähnliche Schlußbildung nu „W'schomru" (Nr. 17), ferner die vollkommene Aufhebung einer regelmäßigen Takteinteilung im „Adaunoj moloch" (Nr. 6), um eine Liedbildung zu vermeiden und den arythmischen Charakter des jüdischen Rezitativs zu wahren, und man wird sehen: Tas ist echtes, ursprüngliches, mit der Muttermilch eingesogenes Chasonus, wie wir es bisher in Orgel gefangen nicht?gehabt haben. Bei so viel Anerkennung wird man auch agen dürfen, daß Einzelheiten in der Behandlung der Orgel dem Ganzen manchmal noch keine letzte Ausgeglichenheit geben (die Schumann-Romantik im Vorspiel zu „W'schomru" (Nr. 17)!). Ueberdies (aber das kann man dem Komponisten nicht als Schuld anrechnen) scheint Nadel eine schwere heldische Stimme vorgeschwebt zu haben von einem außergewöhnlich großen Umfang, und es wird wohl nicht viele Kantoren geben, die sein „Haschkiweuu" makellos werden ausführen können. Aber Arno Nadel ist der große Gewinn des Buches, der allein seine Herausgabe lohnt. Zwei weitere Männer, die Oberkantoren K o r n i tz e r aus Hamburg und L a m p e l aus Leipzig, die bereits als Kantoren und Komponisten über klangvolle Namen verfügen, sollen nur kurz erwähnt werden, weil sie bereits mit eigenen Werken vor nicht allzülangcr Zeit an die Oessentlichkeit getreten sind, wobei bereits genügend Gelegenheit war, sie zu würdigen. Lampel hat einen Psalm 92, einen Orgel-Kiddnsch für Freitag-Abend und eine Festkeduschah beigesteuert; Kornitzer ist mit einem Haschkiwenu für a capella-Chor (für gehobene Werktage gedacht), einem groß angelegten und durchgeführten Aus- und Einheben und einem Stückchen „Sagen" aus dem Mußaph-Gebet der Hohen Feiertage, einem Kabinetstückchen kantoraler Empfindung, vertreten. Lampel und Kornitzer sind Gegenpole: Während Lampel ein modulatorischer Charakter ist, der aus immer neuen Abweichungen und interessanten harmonischen Effekten Wirkungs- und Steigerungsmöglichkeit zieht (mitunter jedoch gerade dadurch den musikalischen Gedanken zersplittert), ist Kornitzer der, der es versteht zu „bauen", einen musikalischen Gedanken geschlossen und logisch durchzuführen, wofür der Beweis sein „Aus- und Einhchen" das euren recht umfangreichen Teil des Gottesdienstes einheitlich zusammensaßt und nicht in Einzelteile zersplittert, die musikalisch nichts miteinander zu tun haben. Dem Umfange nach ist mit 11 Nummern am stärksten in dem Werke Kantor Kausfmann-Nürnberg vertreten, der Anspruch darauf erheben kann, gehört zu werden. Kauffmann ist ein Musiker, der in formaler Beziehung anscheinend sehr fleißig an sich gearbeitet hat und allerlei kann. Doch STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN-W 66 SH MAUERSTR. 79 FERNRUF: ZENTRUM S033 u. S02« BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IHHEHDEKORATIONEN It! »TIERISCHER AUSF0HBUK6 Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands iiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiitiiiniiiiimiiiiiiiiiiii ist eine Beurteilung feiner Musiker-Persönlichkeit schwierig, weil sein Schaffen widerspruchsvoll ist; denn es zeigt zu jedem Vorzug cm anderer Stelle den ihm genau entgegengesetzten Mangel. Neben Orgelstellen z. B., von denen man sagen kann, daß es die gekonntesten des ganzen Werkes sind, jinbcit sich andere, die einfach indiskutabel sind (J'hi rozaun und Mim'kaumau in der Festkeduschah), bei denen der Komponist den grundlegenden Unterschied zwischen Orgel und Klavier anscheinend vollkommen vergessen hat. Die Inspiration in chasonischer Beziehung bewegt sich aus der Linie des deutschen KantoratS, ist mit der Arno Nabels nicht zu vergleichen, und auch als solche nicht strotzend vor Erfindung. Groß angelegte Chorsachen, mit guten Ansätzen zu polyphoner und kontrapunktlicher Gestaltung sind eher seine Sache; trotzdem wird sein übergroß angelegter Psalm 92 für die Synagoge wegen seiner übermäßigen Ausdehnung nicht zu gebrauchen sein, allenfalls für Konzertaussührungen. Man hat das Gefühl, daß der Komponist manche der angedeuteten Mängel beim Schassen selbst fühlt, aber der Versuchung nicht widerstehen kann, sie dennoch im Werk zu belassen. Mit allen Mängeln ist Kausfmann in allgemein-musikalischer Beziehung ein Könner, von dem bei weiterer Ausreise für die modern zu gestaltenden Stücke des Gottesdienstes manches zu erwarten ist. Daß manchmal in der Kürze die Würze liegt, beweist der Münchener Chordirigent Ziegler, der mit einer einzigen Piece, „Adaunoj moh odom", einem Trauergesang voll tiefster Empfindung und reifen Könnens, dem Werke einen sehr wertvollen Beitrag geliefert hat, der schon seinerzeit bei seiner Ausführung aus dem Jüdischen Abend der Frankfurter Musikansstellung berechtigtes Aufsehen erregt hat. Der KönigSberger Chordirektor Badrian ist mit 4 Piecen vertreten; darunter einer ansprechenden Keduschah und einem deutschen Rezitativ für den Kantor: „Wie schön sind Deine Zelte, Jakob...", dem man die Absicht anmerkt, den Stil des Oratorium-Rezitativs zu vermeiden, das aber auch keine Lösung darstellt für einen brauchbareTr jüdischen Stil für deutschsprachige Gesänge. Dann lieber eine getragene Arien-Form. Des ferneren sind in dem Werke noch enthalten einige Beiträge von Jakob Katzenftein, einige a-capella-Gesänge von Peissachowitsch, Frankfurt, und von B. Sokosowsky, die halb in russischer Manier, halb im Stil des „M'schorrerim-Gesangs" gehalten sind, — in der Art, sticht auf der Höhe, des großen Rosowski aus Riga —, ferner ein „Adaunoj moloch", ein „J'hi rozaun", ein „Haschkiwenu" und ein „Min hamezar" von M e is e l-Danzig, die teilweise in Danzig und einer Berliner Gemeindesynagoge vom Publikum gern gehört werden, sowie einige Stücke, die unter der Komponisten-Sozietät Dworzan — Später firmieren. R. Später, ein Nichtjude, hat einen „W'schomru" beige« steuert, und es ist interessant, mit diesem Namen den Kreis der Betrachtung zu schließen und zum Anfangspunkt Arno Nadel zurückzuckehren. Der „W'schomru" des Nichtjuden Später kann mit demselben Recht in der Synagoge gesungen werden wie sämtliche anderen „W'schomrus" dieses oder anderer Werke. Es ist sangbar und dankbar und genau so jüdisch wie die jüdischen „W'schomrus" - ober so nichtjüdisch wie diese. Arno Nadel hätte diesen „W'schomru" auch geschrieben haben können, aber das „Waj'chullu" (Nr. 18) von Nadel hätte Später nicht, nie, auf keinen Fall geschrieben haben können! Da liegt der Hund begraben für die, die eine jüdische Musik prinzipiell ableugnen. Es gibt, in beschränktem Umfang, wenigstens im kantoralen Rezitativgesang, eine jüdische Musik; aber eine Komposition ist nicht dadurch allein schon ein „Schir simroh", daß sie in der Synagoge gesungen wird oder einem jüdischen Text zugrunde liegt oder von einem Juden gefertigt wurde. Es sollte diesen jüdischen Stil auch geben, wo der Rezitativgesang von der Orgel begleitet wird. Ich gebe zu, daß sich Arno Nadel ausschließlich die I Stücke des Gottesdienstes ausgesucht hat, deren traditioneller Stil sestliegt und wo es verhältnismäßig einfach war. Doch hat es bisher keiner so gekonnt, und so gebührt ihm das Verdienst, an einigen prägnanten Beispielen den Weg gezeigt zu haben, dm die Komponisten der Synagoge gehen müssm. Assimilation an die Umwelt —, selbstverständlich, in allen weltlichen Fragen und denen der Praxis des täglichm Lebens; aber innerhalb dieser Assimilation Bewahrung des Besonderen, Typischen innerhalb des Gebietes, auf dem wir anders sind als die Umwelt. Den falschen Weg zeigt das Hymnerp-Buch der West London Synagogue, das man beim Festgottesdienst zur Eröffnung der Weltkonferenz in London gereicht bekam: Aus S. 14 findet man da eine .Hymne „Rechne To-Tay" auf die Melodie des Chorals: „Ein feste Burg ist unser Gott" und auf S. 10 die Hymne „Praise The Lord" — nun»auf welche Melodie? Ausgerechnet auf die der deutschen Nationalhymne „Deutschland, Deutschland über alles". Für mein Empfinden stil- und geschmacklos. Der reichhaltige Inhalt des besprochenen Werkes, das, wie man sieht, jedem, der nicht jahrein, jahraus dieselben abgenutzten Gesänge fingen oder hören will, etwas für seine Bedürfnisse zu bieten vermag, sollte zur Anschaffung anreizen; insbesondere sollten die Gemeinden das Werk ihren Kantoren zur Verfügung stellen und so die Arbeit des Kcnrtorenverbandes unterstützen, der unter großen Mühen und andauernder Zähigkeit die Herausgabe des Werkes betrieb und ermöglichte. Nachwort: Nach Uebcrfendung dieses Artikels au die Redaktion lese ich in diesen Blättern — Duplicität der Ereignisse — die Studie von Oberkantor Zivi, Elberfeld, über „Jüdische Musik", in der cr zu einer vollkommenen Ablehnung des Begriffs „Jüdische Musik" kommt, und ich möchte daher noch in einem kurzen Nachwort aus diese Studie cingehen. Bis auf den Rezitalivgesang des Kantors gehe ich mit Zivi einig, bei diesem jedoch kann zu seiner Charakterbestimmung nach meiner Ansicht nicht allein die historische Methode maßgebend sein. Auch wenn die Tonleitern griechisch-römischen Ursprungs find, haben wir das Recht von jüdischem Stil zu sprechen, weil dieser Stil uns heute jüdisch erscheint und jüdisch gilt, jedenfalls anders ist, als beispielsweise der der Kirchenmusik. Die Tonleiter allein macht doch noch nicht den Charakter der Musik: mit denselben Dur- und Molltonleitern der abendländischen Musik machen die Russen russische, die Italiener italienische Musik usw. Mozart ist anders als Wagner, und dieser anders als Strawinski). Wenn ich Merkmale dieser in beschränktem Umfange vorhandenen jüdischen Musik ongeben soll, so möchte ich als .Hauptpunkte erwähnen: den Rezitativcharakter des jüdischen. Chasonus, die mit ihm verbundene Arithmetik, die nur vokal und als Melodie vorhandene Substanz (Melodie nicht im inhaltlichen Sinne eines bestimmten Melos gemeint, sondern im rein formalen des linearen Ablaufs des Musikgeschehens; daher die Verwässerung durch die Harmonisierung), und endlich das Vorhandensein von kleineren Abständen als halben Stufen von Ton zu Ton; wahrscheinlich Dritteltöne, die für ein geübtes Ohr deutlich im „Sagen" eines wirklichen Chasans zu vernehmen sind. Diese Eigentümlichkeit, wie auch einzelne andere: Koloraturen, Glottisschläge beim Tonansatz ufw. sind in unserer heutigen Notensprache überhaupt nicht notierbar, so daß. eine in Noten vorhandene Komposition nicht restlos den Charakter der Komposition wiedergeben kann, es vielmehr immer dem ausführenden Kantor überlassen bleiben muß, eine Rezitativ-Komposition in der Ausführung zu einer typisch jüdischen zu vollenden. Das sind alles Merkmale, die von der Tonleiter ganz unabhängig sind, und darum meine ich, daß man trotz, der historischen Forschungen nach der Authentizität des Tonsfystems von einer jüdischen Musik in diesem Falle sprechen kann. Den bedeutendsten internationalen KOngPGSSBil IMÜ AQSStBllUIUKU! Akademische'sprächen-Dienst Berlin HW 7, FrledrlChSlr. 150II (ECKE Doroneenstr.) Fernsprecher: A 4 Zentrum 5457 / Bürozeit: 9—21 Uhr seine bewährten uebersetzer und Dolmetscher tür aa Fremdsprachen zur Verfügung. Leiter: ignaz E. Floershelm Erste in- und ausländische Referenzen aus Wissenschaft, Industrie. Politik u. Handel, uebersetzungen, sprachzimei und Einzel-Unterricht maierarbeiten Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, 0* Gebt uns Treppsnfluren und Fassaden. Familien- Robert Gutheim Anzeigeni Berlin W 50 Kulmbacher Strasse 7 im kommenden Wintersemester beginnt am Sonntag, den 2. November, 11 Vs Uhr, im Logenhaus, Kleiststraße 10, mit einem Vortrage von Herrn nu. Dr. Franz owenkaner über: „Die psychologischen Grundlagen der Religiosität“ Vor und nach dem Vortrage: Chorgesang. uorstand der jomschen aemeinde. Eintritt frei. Verein für Feuerbestattung; In Berlin von 1874, e. V. venn. kosten i«se VeaerbeRtattn»* Annahme W 35, LfltiowstraB* 44, Telefon: Lfltxow 940-41 B5 Barbarossa 6260 Gewissenhafter uchEiiK-UEitrricnt IM chic u. preiswert. Cornelius 3526 Münchener Str. 9 Lateinisch, Französisch. Griechisch, sowie in sonstigen Fächern des humanistischen Gymnasium wird einzeln und in Gruppen zu mäßigen Honorar erteilt Gefl. Zuschriften erbeten unt. Ka La 33 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. C. M. IM KLEE BIENENHONIG Läßt Euch von uns belehren, werdet Ihr immer mit Freuden verzehren.Wie l selten ein Honig so edel und rein, I kann nur dieser Bienenhonig sein. J netto 9 Pfd. 11.70 netto 5 Pfd. 7.00 netto 3X3 Pfd. 12.40 netto 2X3 Pfd. 8.50 netto 1X3 Pfd. 4.50 Nachnahme. Frei Haus. JCHR. MARTENSEN, MARNE i. 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