Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 44 (29.10.1930)
- Date
- 1930-10-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Kassel. (Todesfall.) Im 70. Lebensjahre verstarb in Berlin, wo er sich einer Operation unterziehen wollte, der Fabrikant Louis Mosbacher. Der Entschlafene erfreute sich in weiten Kreisen großer Beliebtheit, weil sein entgegenkommendes, charaktervolles Wesen, seine Herzensgüte und die Freude an der Arbeit für Arme und Bedrängte ihm die Sympathien vieler verschafften. Mehrere gemeinnützige Organisationen beklagen durch sein Ableben den Verlust eines bewährten Mitarbeiters und Förderers ihrer sozialen Bestrebungen. So Widmen ihm das Borsteheramt der Israeliten, dem er 17 Jahre angehörte, daS Kuratorium des Israelitischen Waisenhauses, in dessen Kuratorium er 33 Jahre wertvolle Tätigkeit ausübte, mehrere Stiftungen, die den Verstorbenen seit ihrer Begründung zu ihren tatkräftigsten Förderern rechneten, herzlich gehaltene Nachrufe und danken ihm für die langjährige selbstlose llntorstützung ihrer Bestrebungen. In Louis Mosbacher ist eiu edler und warmherziger Freund vieler heimgegangen; sein Andenken wird bei vielen, die ihn kannten, unvergessen bleiben. Die Beisetzung des Berstorbenen fand auf dein israelitischen Friedhof Berlin-Weißensoe unter starker Beteiligung statt. Rabbiner Dr. Warschauer sprach in seiner Trauerrede von dem Segen, den der Entschlafene verbreitete, tveil Tüchtigkeit sich in ihm in har^ manischer Weise mit Hcrzensgüte vereinigt habe. 'Landrabbiner Tr. Walter übcrbrachte die letzteir Grüße des Borsteheramtes der Israeliten in Kassel. Köln. (R e p r ä s e n t a u t e n s i tz u n g.) In der Sitzung, die am 20. ds. Mts. stattfand, gedachte der stellvertretende Vorsitzende Rechtsanwalt Jonas in ehrenden Worten des 70. (Geburtstages des Generalkonsuls Baumann. Sodann beschäftigte sich die Repräsentanz mit dem Antrag der ostjüdischen Talmud-Thora-Schute, ihr eine weitere Subvention von 5000 Mark zu bewilligen. Nach eingehender Aussprache wurde gegen die Stimmen der Liberalen ein lieber-’ brüüungskredit von 2000 Mark bewilligt. Nunmehr hat noch der Gemeindevorstand zu entscheiden, ob dieser Beschluß in Kraft treten soll. Köln. (Gedenkfeier für D r. S i m ch o w i tz.) Im Jüdischen Frauenbund veranstaltete mau eine Gedenkfeier für Dr. Simchowitz. Frau Tr. Caro hielt eine wundervolle Gedenkrede, die dem Manne galt, der so manches Mal inmitten des Bundes zu den jüdischen Frauen gesprochen hat. Königsberg i. Pr. (Besetzung des G r o ß e n Rats im zukünftigen Landesverband.) Tie Gemeindekörperschaflc» der Synagogengemeinde Königsberg haben in gemeinschaftlicher Sitzung mit großer Mehrheit beschlossen, als Vertreter im Rat Herrn Gcheimrat Pros. Tr. Falkenheim vorzuschlagen, der die Provinz Ostpreußen auch bisher vertreien hat und der liberalen Richtung angehört. Zu seinem Stellvertreter wurde der zweite Vorsitzende der hiesigen Synagogeiigemeinde, Herr Kaufmann Tally Joachim, gewählt. Ltlilershaitfen. <S y u a g o g e n w c i h e.) Vor kurzem ist hier die Synagoge nach erfolgter Renovierung neu geweiht worden. Einen schönen Schmuck erhielt das Gotteshaus, das durch eine besondere Feier der Oeffentlichteit übergeben wurde, durch die Anbringung von Marmortafeln, die dem Spender der Renovierungskosten, einem Amerikaner, und den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet lvaren. — Hier feierte Gustav Eppsteiner in voller Gesundheit seinen 70. Geburtstag. Dreizehn Jahre hat der Jubilar das Amt des Synagogenrates in der aufgelösten Gemeinde Großsrchsen bekleidet und dafür die Anerkennung des Badischen Oberrates der Israeliten gefunden. Mannheim. (7 «jähriges Jubiläum des Synagogenchors.) Ter Mannheimer Synagogenchor, der in diesem Soinmcr gleichzeitig mit der Hauptsynagoge 7b Jahre bestand, beging dieses Jubiläum erst jetzt mit einem schlichten, aber eindrucksvollen akademischen Festakt im Tempclsaal der August Lamey-Loge. Rektor Greilsamer begrüßte zunächst namens des Synagogeuchors die zahlreich Erschienenen, besonders die Vertreter des Synagogenrates, des Stadt- Rabbinates, der Gemeindevertretung, des „Liederkranz" und des Feiertagschors und zeichnete daun in liebevollen Strichen die Geschichte des Chors. Redner, der aller verdienten Männer des Liederkranz, dabei besonders Max Hallensteins gedachte, schloß mit besten Wünschen für das fernere Wirken des Chores zur Verherrlichung des Gottesdienstes. Rabbiner Dr. Grünewald hielt die Festansprache. Oberrat Hartog, der nachwies, daß der Synagogenchor eigentlich schon neunzig Jahre bestehe, dankte ihm namens des Synagogenrates und überbrachte ihm dessen herzlichste Glückwünsche. Die Grüße des „Liederkranz" übermittelte Rechtsanwalt Dr. Hecht, der dabei auf die stets guten Beziehungen zlvischen beiden Chören hinwies, von denen der „Liederkranz", der ja im Januar das gleiche Jubiläum begehe, der Sohn des Synagogenchores sei. In ebenso herzlichen wie humorgetragenen Worten dankte Herr Hugo Hallenstcin sämtlichen Rednern namens des Jubiläumschores. Wie der Synagogenchor schon vorher unter Leitung von Musikdirektor Thonra in eindrucksvoller Größe Schuberts „Allmacht" bot, so schloß er auch mit dem Chor „Tu .Hirte Israels" den festlichen Akt. Niederemmel. (Weihe einer neuen Synagoge.) Am 10. Oktober tvurde hier die Weihe einer neuen Synagoge vorgenommen. Unter Mnsikklängen bewegte sich der Festzug durch die flaggerigeschmückten Straßen zur Synagoge, wo Bürgermeister Knörr aus Ncumagen nach kurzer Ansprache, in der er die Glückwünsche des Herrn Landrat und der Gemeinde überbrachte, das Gotteshaus öffnete. Nun fand in der dichtbesetzten Synagoge die Feier statt, bei der Oberrabbiner Tr. Altmann aus Trier nach einer eindrucksvollen Predigt die Weihe vornahm. Mit der Verrichtung des Nachmittagsgebetes fand dann der erste Gottesdienst statt. Aus der Jli-Dewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann. Frankfurt a. Main Kückengruppen im 3(1 Das Hauptbedenken von Ilse Wolff gegen Kückengruppen im Jli scheint mir die Furcht zu sein, durch Beeinflussung noch nicht selbständig denkender Menschen die Toleranz, die durch den Liberalismus gefordert wird, zu verletzen. Ich halte diese Anschauung für sehr gesahnlich. Sie gibt unseren Gegnern das Recht, von der Unentschiedenheit und Lauheit des Liberalismus zu sprechen. Gewiß, der Liberalismus fordert von uns die Achtung und Anerkennung anderer, ehrlicher Ueberzeugungen und verpflichtet uns, Menschen mit anderen Anschauungen nicht durch irgendwelche Mittel zu uns hernberzuziehen, aber die Toleranz darf nicht so weit gehen, daß sie uns an der Verbreitung der Idee hindert, die wir für richtig halten. Wenn wir wirklich davon überzeugt sind, daß der jüdische Liberalismus zur Erhaltung des Judentums notwendig ist, dann müssen wir auch versuchen, diese Idee zu verbreiten, wobei wir allerdings in der Anwendung der Mittel tolerant sein müssen, z. B. nicht versuchen dürfen, jemanden, der bereits bündisch organisiert, zu einer Entscheidung gekommen ist, aus seinem Bunde heraus- und in den Jli hineinzukeilen. Wir dürfen aber jemanden, der nicht organisiert, noch nicht entschieden in seiner Ansicht ist, im Jli zu der Idee des jüdischen Liberalismus beeinflussen. Was wollen wir denn im Jli? Wir wollen unsere Leute zu jüdisch-liberalen Menschen machen, d. h. beeinflussen, erziehen. Zu einer Idee erziehen will ich in der Hauptsache denjenigen, der noch unentschieden ist und der aus eigenen! Antriebe nicht zu der Idee kommen wird, die ich für richtig halte. Diese Aufgabe bezieht sich aus Kinder unter und über 15 Jahren, und besonders auf Kinder aus indifferentem Hause. Man muß sich nur darüber klar werden, daß die Gruppenarbeit dem Alter der Gruppenkinder entsprechend ganz verschieden aussehen muß, und, soll sie nicht zu einer leeren Rederei werden, dem Verständnis der Kinder angepaßt werden muß. Ich halte es für unmöglich nach der Erfahrung in den Berliner Kückengruppen (zwischen 9 und 13 Jahren), mit Kindern über jüdisch-politische Fragen zu sprechen, weil dazu eine sachliche Kenntnis gehört, die Kinder nie haben können, und dadurch die Gefahr einer leeren Phrasendrescherei über diese Tinge gegeben wird. Anders liegt es beider Frage der religiösen Erziehung. Ich meine, man kann gar nicht früh genug anfangen, in Kindern das religiöse Empfinden zu wecken, eine Aufgabe, die ja eigentlich die Familie erfüllen sollte, was sie leider nur zu selten, tut. Wir sollten es uns zu einer wichtigen Aufgabe machen, Kinder in Jligruppen aufzunehmen, denen wir, wenn auch nur teilweise, das ersetzen, was ihnen das häusliche Lebeu und auch meistens die Religionsstunde nicht gibt. Wir müssen versuchen, ihnen jüdische Feste, die in ihrem Elternhause unbeachtet vorübergehen, die sie bestenfalls aus der Religionsstunde der Erzäh-- lung nach kennen, wieder lebendig zu machen, sie mit in den Gottesdienst zu nehmen, ihr Interesse am Religionsunterricht, am Hebräischlernen das oft durch häuslichen Einfluß sehrgering ist, zu wecken, mit ihnen Bibelgeschichten und jüdische Erzählungen zu lesen und zu besprechen und auf diese Weise versuchen, jüdisches Denken und Empfinden in ihnen zu wecken. All das ist im Sinne des liberalen Judentums und ohne verantwortungslose Beeinflussung möglich, sofern man die Politik solange beiseite läßt, bis sich die Gruppenkinder das nötige Wissen zu einer solchen Entscheidung "ungeeignet haben können. Sicher ist plabei eins: Diese Art von Arbeit ist nur in einer Gruppe möglich, zu der sich die Kinder hingezogen fühlen, zu der sie gerne kommen, und wo sie alles, was'sie sonst im Elternhause, in der Schule, in ihrem Freundeskreise beschäftigt, besprechen können. Sie müssen wissen, daß sie Kameraden in der Gruppe haben, die mit ihnen nicht nur arbeiten, sondern auch vergnügt sein wollen. In einer solchen Kückengruppe muß gespielt und gesungen werden. Gemeinsame kleine Arbeiten und Basteleien, ganz besonders aber gemeinsame Wanderungen geben dem Führer wie nichts anderes Gelegenheit, erzieherisch auf die Kinder einzuwirken. Eine solche Art von Gcuppenarbeit ist wohl in keiner Weise mit der eines Kindergartens zu vergleichen, wie sie sich Ilse Wolfs vorstellig Mau wird mir wohl entgegenhalten, daß die Kinder oft aus dem Jli gehen werden, noch bevor sie sich eine feststehende Meinung haben bilden können. Ich glaube aber, daß auch dann die Arbeit in der Gruppe nicht vergeblich war, denn der geistige Einflußder in der Gruppe auf sie gewirkt hat, wird auch nach ihrem Austritt bei ihrer Entwickelung noch weiter wirken. Ich glaube deshalb, bafr der Jli nicht nur die Berechtigung, sondern sogar die Verpflichtung hat, Kückengruppen einzurichten. Hilde Deutschland, Berlin. ★ Aus der Ili-Arbett ★ Berlin. (Sukkaus-Feier des Jli-Berlin.) Die Veranstaltung des Berliner Jli hat von allen Sukkaus-Feiern, an denen ich teilnahm, den stärksten Eindruck auf mich gemacht. Vielleicht weil sie nur von Jugendlichen vorbereitet und ansgeführt worden war, vielleicht weil sie einen ganz eignen Charakter hatte. Der erste Teil der Feier tvurde mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Herr, Deine Güte reicht so tveit. . eingeleitet. Auf den danach voir Helmut Gatliner vorgelesenen 73. Psalm folgte das zweistimmig gesungene Hallet. Nach dem Kiddusch sangen mit wiederum alle gemeinsam Schir hamalaus. Im zweiten Teil stand die Ansprache von Anni Jacobsohn. Sie sprach über den Sinn des Lebens. Ihre Auffassung war eine sehr ideale, vielleicht die idealste: Das Ringen und Suchen nach dem Guten, das Gott-Suchen und -Finden in der Ausübung des Guten. Gutes zu geben und Gutes auszuüben, liegt nicht gerade darin ein Gedanke unseres Sukkaus-Festes, unseres Ernledank- und Freudenfestes-?! Mag man auch zunächst diese Ausfassung nicht teilen, tveil sie etwas verschwommen klingt, und eher den Sinn des Lebens in der Nächstenliebe, in der Hilfsbereitschaft: sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, erblicken, so tvird man doch gewahr werden, daß in all diesen Biegungen der Wille zum Guten ist. Und so hat denn nach meiner Auffassung Anni Recht, wenn sic sagt: Der Glaube an den Sinn des Lebens kann nur der Glaube an das Gute sein. Denn Gott suchen, ist nach dem Gutcir streben, Gott finden heißt, das Gute tun. — Heinz Kellermann, der mit zwei Gedichten diese Ansprache umrahmte, ließ die Feier mit den Worten Walther Rathenaus ausklingen: „Nicht um Römerglück zu tocrben, siehst Tu uns're Heere schreiten: Laß uns siegen, las; uns sterben, Tein der Kranz der Ewigkeit." Ilse Wygodzinski. Lirgnitz. (R e f o r m b e w c g u n g , ihr Wesen und Wirk c n.) Montag, den 20. Oktober, referierte Walter Cohn über die Reformbewegung, ihr Wesen und Wirken. Der Vortrag bot eine willkommene Gelegenheit zur Auseinandersetzung über das Reformjuden-- tum. Nach einem heftigen und langdauernden Meinungsstreit kam man allgemein zu der Ansicht, daß mit die Grundideen der Reformbetvcgung nicht anerkennen können. Trotzdem geben wir zu, daß wir liberale Juden wichtige Anregungen und Lehren ans der Enttvicklung und dem Wesen dieser Bewegung ziehen können. Ratibor. (Generalversammlung.) Wegen der in unserer Gemeinde gegen den Jli und die Person unseres 1. Vorsitzenden erhobenen Vortvürse saheir wir uns gezwungen, für den 23. Oktober eine Generalversammlung einzuberufen, um zu erweisen, ob der Jli mit dem Verhalten des Vorstandes einverstanden sei. Nach dem von Franz Pick erstatteten Kassenbericht gab Dr. Weber einen Tätigkeitsbericht, aus dem neben unseren alle 14 Tage stattsindcndcn Abenden ein Vortrag von Herrn Dr. Hoffmann, ein Purimball und die kürzlich veranstaltete religiöse Weihestunde besonders erwähnt seien. Bezüglich letzterer gab Dr. Weber die Erklärung ab, daß er mit der übrigens im Jun.i d. I. vom gesamten Jli, beschlossenen Veranstaltung lediglich den Zweck verfolgt habe, sie dem Jli und dem dafür interessierten Teile der Gemeinde vorzuführen. Daraufhin wurde er in geheimer Wahl einstimmig zum 1. Vorsitzenden wiedergewählt. Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurden Fräulein Fränkel als 2. Vorsitzende, Franz Pick als Kassierer und 2. Schriftführer, Peter Berliner als Beisitzer. 1. Schriftführerin wurde Hilde Cohn. Gegen die wegen der Weihestunde erhobenen Vorivürfe beschloß der Jli geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Auf die Vorstandswahl folgte eine Diskussion über unsere Weihestunde und den Gedanken der Reformgemeinde, die sich — erfreulicherweise! — bis 1112 Uhr ausdehnte. Obwohl sehr verschiedene Ansichten laut wurden, war man sich doch soweit einig, daß eine mäßige Reform, wenn auch nicht in der Art der Reformgemeinde, unbedingt notwendig sei, daß man überlebte Formen durch neue ersetzen müsse, würdig und angemessen unserer neuen Zeit. Wenn es auch gewiß schöner wäre, alle alten Traditionen zu bewahren, so sei es doch angesichts des zunehmenden Jndifferentismrts unerläßlich notwendig, vieles zu ändern, um den Fortbestand unserer Religion zu sichern, um den Judentums willen. Franz Pick. >! Das Ai-Programm *****...«mm... »erlitt. Oliva nnl Rev-Lhariottenburg. Mittwoch, den 29. Oktober, abends 8 Uhr, bei Adolf Marcuse, Friedenau, Taunusstraße 23. Gemeinsame Veranstaltung. Mittwoch, de» 12. Rooember, abends 8 Uhr, Rosenstraße 2-4: Gemeindepolitischek Abend. Referat: Dr. A. Lilienthak. Breslau. Hauptgruppr: Mittwoch, den 12. November, 29.15 Uhr, Jugendheim: Vortrag von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Hermann Vogelstein: „Vom jüdischen Gebet". — Arbeitsgemeinschaften und Studienkreise: Um 29.15 Uhr im Jugendheim: Montag, den 3. November. Die Grundlagen und Aufgaben des religiös-liberalen Judentums; Alfred Berger. Montag den 3. November: Hebräisch für Anfänger; Leitung: Albert Wesel. Mittwoch, den 5. November: Judentum und Christentum; Leitung: Martin Schreiber. Donnerstag, den 6. November: Die Entwicklungsgeschichte des deutschen Judentums seit der Emanzipation; Leitung: Wolfs Davidsohn. — Jüngeren-Gruppe: Dienstag, den 4. November, 16.30 Uhr, Jugendheim: Referat von Hans Hammer: „Die ArbeiterkulturaussteUung Breslau 1939". — Jüngstrn-Gruppe: Montag, den 3. November, 16 Uhr, Jugendheim. Köln. Jugendgruppt der Gemeinschaft. Die nächste Zusammenkunft findet am Mittwoch, den 5. November, abends um 8 Uhr, im Hause von Herrn Dr. Gottschalk, Trajansttaße 33, statt. Hans Frank und Kurt Bing werden iinen Ueberblick über das Buch Kvhelet geben. Anschließend erfolgen eine Besprechung des Bortragsthemas und jüdischer Tagessragen. Liegnitz. Am Montag, den 3. November, spricht Herr Dr. Scheyec über: „Die Todesstrafe, eine ethische und juristische Betrachtung", im Gemeindehaus in der Bäckerstraße, abends 8.15 Uhr. Magdeburg. Dienstag, 4. November 1930, abends 3.15 Uhr, im Vereinszimmer der MendelsfAhnloge: „Aktuelles". Literarische Notizen Die „Posener Heimatblätter“, das Organ des Verbandes Posener Heimatvereine, haben soeben den vierten Jahrgang beendet. Er enthielt u. a. folgende g össere Aufsätze: Die Posener Juden als Soldaten; Gedanken über jüdische Kunst in alter Zeit; Befürchtungen für die Rechte der jüdischen Gemeinden in den jetzt polnischen Gebieten. Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst; Lehrbuch der israelitischen Religion für Proselyten. Mit Beiträgen waren vertreten: Arthur Kronthal, Dr. Max Golde, Dr. Jacobson-Waidmannslust, Heinrich Kurtzig, Rabbiner Dr. Kurt Wilhelm-Brauuschweig, Sanitätsrat Dr. Strass- Der Jüdische Frauenbund, hat für das Jahr 1930/31 einen neuen Kalender erscheinen lassen, der sowohl als Umlegeblock als auch als Abreiß-Kalender zu gebrauchen ist. Die Ausführung ist besonders praktisch, weil die Bilder und Kalenderblätter auf getrennten Blocks angebracht sind, sodass das Bild die ganze Woche sichtbar ist. Der Kalender kostet als Abreisskalender Mk. 2.50, der Umlegeblock kostet Mk. 2.-mit Metallunterlage Mk. 3.— —. Der Inhalt des Kalenders steht wiederum unter einem einheitlichen Gesichtspunkt. Die 51 Abbildungen zeigen Architektur, Plastik, Kunstgewerbe vom Altertum bis zur Niteuze. Veretnsnachrichtev Tie „Ort"-Geselischast zur Förderung des Handwerks, der Industrie und der Landwirtschaft unter den Juden, Abt. Deutschland e. B., veranstaltet am Sonnabend, den 8. November 1930, abends 8 Uhr, in der neuen Synagoge, Prinzregmtcnstraße, ein großes öffentliches Konzert, dessen Reinertrag für die berufliche Umschichtung eristenzlos gewordener Juden bestimmt ist. Sowohl der Zweck wie das hohe künstlerische Niveau des Konzertes dürften sicherlich in den weitesten Kreisen der Berliner Judenheit das größte Interesse für diese Veranstaltung ivachrusen. Das Programm des Konzertes ist dem würdigen Rahmen i>es Hauses angepaßt und bringt in seinem allgemeinen Teil klassische Meisterwerke von Vivaldi, Händel, Mozart, in seinem jüdischen Teil eine Reihe der bedeutendsten Schöpfungen der synagogalen Musik von Sulzer, Birnbaum, Arno Nadel, Lewandowsky. Die Mittoirkun-g von Emanuel -Lift, des stimmgewaltigen ersten Bassisten der Staatsoper, des bekannten Kantors und Oratoriensängers Leo Äollanin, des hervorragenden Geigers Prof. Josef Wolfsthal, des vortrefflichen Dirigenten Michael Taube mit seinem berühmten Kammerorchester und des ausgezeichneten Chordirigenten Alexander Weinbaum mit seinem glänzend geschulten gemischten Chor sichert dem Zuhörer eine Fülle von musikalischen Genüssen erlesenster Art. Es ist zu erwarten, daß der Besuch des Konzertes der gesellschaftlichen und künstlerischen Bedeutung der Veranstaltung entsprechen wird. Karten von 1,50 Mk. an sind bei Bote & Bock, Werthem, Tietz und im Büro der „Ort"-Gesellschaft, Bülowstraße 90, zu erhalten, am Tage des Konzertes von 6 Uhr abends ab auch in der Synagoge Prinzregentenstraße. Lehrgänge für jüdisch-soziale Ausbildung und Fortbildung für Sozialarbeiter, Rabbiner, 'Lehrer und in der Ausbildung zu diesen Berufen Stehende, veranstaltet von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden und der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. 2. Lehrgang Winter 1930/31. Themen: Jüdische Religionsgemeinschaft und Wohlfahrtspflege, Einführung in die jüdische Wohlfahrtspflege und jüdische Sozialpolitik, Gesundheitsfürsorge für die jüdische Jugend, Arbeitsgemeinschaft für jüdische Erziehnngsfragen, Soziologische und sozialpsychologische Grundlagen der Wohlfahrtspflege, Einführung in die allgemeine Soziaiarbeit. Dauer des Lehrgangs: 10. November 1930 bis Mitte März 1931. Ort: Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N. 24, Artillerieftraße 14. Anmeldungen, Auskünfte, Lehrpläne bei der Aentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Telefon: Bismarck 1063—1065. Ortsgruppe Köln des Jüdischrn Frauenbundes. Dienstag, den 4. November, nachmittags 4.30 Uhr, im Clubraum der Loge Diskussionsnachmittag über di« Sommerschule des J.F.B. Thema: „Die Lebeusgestaltung der jüdischen Frau in Beruf und Ehe" (Bcrussproblematik, Stellungnahme zum § 218). Reserentin: Frau Hedwig Muschkatblatt. Kurse: Montag, den 10. November und Montag, den 24. November, 5—6 Uhr, Sitzungssaal II, Roonstraße 50: „Die geistige und kulturelle Struktur des Judentums von der spanischen Periode bis Moses Mendelssohn". (Herr Studienrat Wolfs.) Don- Pnerstag, den 6. November und Donnerstag, den 20. November: Bibclkursus, Lektüre des 2. Buch Moses. (Studienrat Dr. Schlesinger.) 5—6 Uhr, Sitzungssaal II, Roonstraße 50.