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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-10-15 · 42 (15.10.1930) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
42 (15.10.1930)
Date
1930-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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He l Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die preß, gesetzliche Verantwortung. *:: Sprechsaal Erklärungen. Die am Schlüsse der beiden Sonnabende zu sinkenden Lieder sind metrisch übersetzt und in Noten gesetzt. — Ein Exemplar dieser 92 Jahre alten Hagadah befindet sich im Besitze des Schreibers dieser Zeilen." I. Lewin, Schneidemühl. * Offenbachs Vater ZMi Zuschriften. Am 5. Oktober führte sich Jaques Offenbachs Todestag zum 50. Male. Die Leipziger Oper hat bereits diesen Tag durch eine Aufführung Offenbachscher Muse geehrt; durch seine „Robinsonade", die man neu bearbeitet aufführte, und die viel Beifall fand. Wie alle Schöpfungen dieses Komponisten zeichnet sich dieses Jugendwerk auch durch „aparte, musikalische Erfindungen aus". Kein Wunder, wenn wir wissen, daß er schon in seiner zarten Jugend bei seinem Bater, der Kantor in Köln war, musikalische Luft atmete, wie aus folgendem zu ersehen fein wird. Es dürfte für die jüdische Welt von Interesse sein. Näheres über den Vater des berühmten Operettcnkomponisten zu erfahren. Anläßlich des 150. Geburtstages des Vaters, der eigentlich Isaak Juda E b e r st hieß, veröffentlichte die jugoslawische Monatsschrift der jüdischen Kantoren in ihrer AprilnumMer 1930 folgende biographische Momente: Ter 15 jährige Isaak Juda Eberst verläßt seine Heimat Offenbach und begibt sich auf die Wanderschaft durch die Städte des Rheins, wo er bei einem Buchbinder Aufnahme fand. Ter Zufall brachte es mit sich, daß der Buchbinder, ein Freund der Musik, eine Violine besaß» die in der Werkstatt hing. Jnstinktmäßig fühlte sich der junge Eberst zu dem Instrument hingczogen, und als ihm von seinem Meister die Benutzung der Violine gestattet wurde, begann er, in seinen freien Stunden sich dem Geigenspiel zu widmen und mit einem systematischen Selbstunterricht in Musik epzzusetzen. Später machte er sich als Buchbinder selbständig und war dabei in der Lage, selbst Geigenunterricht zu erteilen. Zudem besaß. Isaak Juda einen wohlklingenden Tenor, so daß dieser Vorzug zusammen mit dem umfangreichen Wissen in hebräischer Literatur und Talmud ihn zum Kantor qualifizierte; um das Jahr 1890 fungiert er als Kantor in Deutz. Das Jahr 1803 bedeutet für ihn ein Wendepunkt: er wird von der bedeutenden Religionsgemeinde in Köln a. Nh. engagiert, wo er als Kantor bis an sein Lebensende verbleibt. Gleichzeitig übt er die Funktion eines Rabbiners aus. Sein persönlicher Charme, sein Humor und sein Können sichern ihm Einfluß in der Gesellschaft, die ihn als den Osseubacher bezeichnet. Dieser Beziehungsname ist so populär, daß er sich gezwungen sieht, seinen Familiennamen Eberst gegen Osfenbach auszutauschen. Zehn Kinder nennt Isaak Juda Offenbach sein eigen: 8 Töchter und 2 Söhne, Jakob, beit späteren Jaques und Julius, den späteren Jules, die als Musiker große Karriere machten. Auch Jakob-Jaques zeigte frühzeitig als Geiger und Liederkomponist, später als Cellist außerordentliches Talent, so daß der Kantor sich entschloß, den Jungen ans Pariser Konservatorium zu bringen. Hier überwand das Genie des Knaben die ersten Hindernisse unter dem Wohlwollen Chorubiuis, des damaligen Konservatormmdirektors, dem Jacques außerordentliches Talent derart imponierte, daß er ihm die ersten Wege ebnete. Später traf auch Julius-Jules, der Geiger, der Schüler des großen Paganini, in Paris ein. In die Zeit der Pariser Studienjahre trifft auch Jaques Begegnung mit der zweiten Pariser Berühmtheit, mit dem Komponisten Halevy, dessen Oper „Die Jüdin" an der Opera Comique zur Erstaufführung kam. Des Kautors armer Sohn stahl sich ins Foyer, um von hier aus ein paar Töne zu erhaschen, als ihn ein eleganter Herr — es war Francois Halevy selbst — aufgriff und von nun ab sein Förderer wurde. Von besonderer BÄeutung wurde die bisher zu wenig gewürdigte Korrespondenz zwischen Halevy und Offenbachs Vater Isaak, der sich bereits einen großen Namen als Kantor, Rabbiner, Kanzelredner und Dichter, als Kenner der Bibel und der Literatur gemacht hatte: ein überaus beachtenswerter Briefwechsel zwischen zwei Persönlichkeiten, die deutlich zeigen, in welcher Richtung sich die damalige Aufklärung bewegte und welchen geistigen Zustand Moses Mendelssohn mitverursacht hatte. Die Mutter stirbt und läßt den Kantor einsa-.r zurück. Der Ruhm des Sohnes wächst, seine Operetten sind das Tagesgespräch von Paris, aus dem Kantorensohn ist eine internationale Berühmtheit geworden. Am 26. April 1859 stirbt Isaak Juda Eberst, der „Offenbacher". Tie Manuskripte von Offenbachs Vater befinden sich im New Bork er Jewish Institute of Religion als Geschenk seiner Enkelinnen Fräulein Jsabella Grünwald und Frau Rendlich. Von besonderem Wert sind darin die sogenannten Niguim l'jomim noroim, die Reden, Sprüche, Poeme und Stücke. Was die Kompositionen ritualer Bestimmung anlangt, folgt Isaak in der Melodre den traditionellen Gebetsmotiven und Melodien, wie sie in den Tempelgesängen seiner Zeit lebendig waren, trägt aber gleichzeitig dem Stil Rechnung, dem das Dreigestirn Mozart—Haydn—Beethoven seinen Stempel aufgedrückt hat. Auf diese Weise ergeben sich zwei Linien: al Komposition, die der traditionellen Gebetsmelodie gerecht wird; b) die synagogale Komposition im Stil des Menuetts, der Gavotte etc., mit den Merkmalen der zeitgenössischen Musik. Ueberaus interessant sind die von ihni komponierten wie gesungenen Un 'saue tokes, Mechalkel-chajim, Kaddisch l'mussaf, Kol nidrej und andere Synagogalgesänge, die zum Teil die Marke Mozarts und Haydns tragen. In der genannten Manuskriptsammlung findet sich auch eine großangelegte Komposition von Jacques Offenbach, betitelt „Viddui" (Bekenntnis) für Jom Kippur, eine dreivierteltaktige Melodie in F-dur, die der Vater stets (ab 1842) <nn Jom Kippur gesungen hat. Schon diese Komposition allein bezeugt des Vaters Einfluß, auf die musikalische Einstellung des Sohnes. Musikdirektor Aron Friedmann, Berlin. * Am 5. Oktober wurde in vielen Zeitungen des 50. Todestages Jaques Offenbachs, des großen und 'berühmten Operettendichters, gedacht. Es wiä vielleicht die Leser dieses Blattes interessieren zu erfahren, daß der Bater Offenbachs, Juda Offenbach, damals Kantor in Köln a. Rh. im Jahre 1838 eine Hagadah herausjgegeben hat, von der Wohl noch sehr wenige Exemplare vorhanden sein mögen. Tie Hagadah schmückt ein sehr schönes Titelblatt, ist mit einer guten, deutschen Uebersetzung versehen und hat als Anhang vortreffliche Die Predigt Wieder wie jn jedem Jahre sind in den Synagogen und Betsäten der jüdischen Gemeinde viele Tausende zusamniengeströml, um religiöse Weihe und Erhebung zu suchen, um ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft zu bekunden. Gegenüber der überwiegenden Mehrheit der Gotteshausbesucher ist hierbei den Rabbinen der Großstadt die einzige, nie im Jahre sich wiederhole,rde Gelegenheit geboten, an ihre Gemeinde heranzukommen. Man kann nicht sagen, daß die Rabbinen diese Möglichkeit voll ansnutzen. Tie Predigt soll Erhebung, Trost, Erziehung und Belehrung bieten, auch mag zugestanden werden, daß gelegentlich mit Fug und Recht eine Uebersicht über Zeitereignisse geboten werden oarf, wenn sie von einer höheren Warte aus in Beziehung zur Religion gebracht und nicht im Tone einer Volks- oder Bezirksvereinsrede gehalten ist. Tie Hörer wollen und müssen aus dem Gotteshanse etwas Positives mit nach Hause nehmen, sei es an ausflammender Begeisterung, sei es an Belehrung, wenn sie befriedigt heimkehren sollen. Es muß aber offen gesagt werden, daß das in den allerseltensten Fällen zutrifft. Meist wird in banalen, oberflächlichen, durchaus nicht sorgfältig ansgearbeiteten Predigten immer wieder von Wohltätigkeit, von dem notwendigen Aufbau von Palästina gesprochen, aber es werden wenig neue Gedanken, neue religiöse Anregung vorgetragen. Wie wichtig wäre es, über die Lehren des Judentums zu sprechen, einiges aus der Geschichte Israels zu sagen, was alles leider so vielen ganz unbekannt oder nur wenig bekannt ist. Wie wenig zum Bewußtsein z. B. ist vielen gekommen, einen wie hohen sittlichen Wert die jüdische Lehre von der messianischen Zeit hat, die ein jeder mit herbeizusühren berufen ist, gegenüber einem Messias, der in der Vergangenheit für alle, die an ihn glauben, sich geopfert hat. Nicht genügend erfaßt ist von weiten Kreisen, wie wesentlich die Lehre ist von der direkten Beziehung des Menschen zu seinem Gotte ohne jeden Vermittler. Warum s-ckl nicht scharf betont werden, wie lebendig sich das Judentum durch seine Entwicklungssähigkeit erhalten hat, wie sie aus der Lehre Abrahams über Mose zu den Propheten gradlinig fortgeschritten. Solche und weitere Themen würden in Fülle den Rabbinen zur Verfügung stehen und ihnen den Tank der aufmerksamen Gemeinde empfingen. Es ist erstaunlich, wie selten Herren, von denen wir durch ihre ausgezeichneten Arbeiten wohl über ihr umfangreiches Wissen und Können unterrichtet sind, aus der Kanzel von ihrem Wissen uns mitteilen. Sollte die Voraussetzung einer geringen Fassungskraft des Publikums sie dazu veranlassen, so würde sie das Urteil der Mehrzahl, das ihnen bcfcmnt gemacht werden sollte, von ihrer irrigen Einschätzung abbringen. Daß das hier Gesagte nicht ettva allgemein für alle zutrifft, darf wohl nicht erst hervorgehoben werden. Auch soll hier keinerlei Kränkung gegen einen einzelnen Rabbiner ausgesprochen werden; darum ist ängstlich vermieden, durch irgend eine Andeutung oder Redewendung, wie es sehr leicht geschehen könnte, aus eine bestimmte Person hinzuweisen. Daß wir auch Predigten in dem gewünschten Sinne zu hören bekommen, mag an einem sehr verehrten Namen ausdrücklich hervorgehoben werden. Tie Kanzelreden von Tr. Baeck stehen stets ans hoher geistiger Stufe; sie sind immer stilistisch und inhaltlich sorgfältigst durchgearbeitet, wenn sie auch zuweilen allerdings zu abstrakt und dadurch geistig nicht gut geschulten Zuhörern etwas schwer verständlich sind. Aber' es ist immer besser, die Zuhörer zu sich heraufznziehen, als gar so tief zu ihnen hinabzusteigen. Dabei mag noch auf andere Reden hingewiesen werden, die auch ein zahlreiches Publikum haben. Das sind die Traueransprachen bei Beerdigungen. Es ist so oft gesagt worden, wie aufreibend und wertlos die zeitraubende Betätigung der Rabbinen in Weißensee ist, wo oft am gleichen Tage drei bis vier Herren ihren Tag opfern müssen. Jn der Großstadt besteht nur in ganz seltenen Fällen eine persönliche Beziehung des Rabbiner zur Trauerfamilie resp. zu dem Verstorbenen. Die Herren sind also fast ausnahmslos auf die Angaben der Angehörigen angewiesen, die nicht immer das richtige Bild des Verstorbenen geben, so daß.gar manche unbeabsichtigte Entgleisung nicht zu vermeiden ist;, auch ist der allgemeine Teil einer solchen Leichenrede immer wieder in Form und Inhalt sich wiederholend, denn unmöglich kann der Redner deM Tode 290 mal im Jahre neue Gedanken abgewinnen. Wir wollen es vermeiden, hier die zahlreichen Scherze zu bringen, die, sich aus den eben angeführten Gründen sich ergebend, in Berlin seit Jahren kursieren. Tie Zeit, die hier verwandt wird, sollte den Rabbinern zum freien Studium und zu dem so sehr notwendigen Unterricht an den höheren Schulen für die reifere Jugend zur Verfügung bleiben. Draußen mag entweder abwechselnd einer der Herren in regelmäßigem Turnus bei Beerdigungen bereit sein — abgesehen von Ausnahme fällen, in denen wirklich persönliche Beziehungen bestehen — oder es mag in Weißensee ein besonders für diesen Zweck angestellter Prediger fungieren. S.-R. Tr. Wilhelm Feilchenfeld. # Kalenderreform Die Kundgebungen des Weltverbandes Schomre Schabbos richten unsere Aufmerksamkeit einmal auf den Kalender, und zwar auf den bürgerlichen. Dies veranlaßt mich, eine in Gedankensprungweite davon entfernt liegende Frage zu behandeln, den jüdischen Kalender. Allerdings bewegen sich meine Gedanken jn entgegengesetzter Richtung zu dmen des Verbandes Schomre Schabbos, und diese Richtung oder wenigstens mein Standort in ihr liegt wohl schon auf stark ketzerischem Gckiet. Der jüdische Kalender richtet sich nach dem' Mondumlauf. Das Mondjahr mag wohl für ein primitives Volk einfacher fein als das Sonnenjahr, weil Neumond und Vollmond leichter zu beobachten sind als eine Umdrehung der Erde um die Sonne. Zweifellos hat sich aber das Sonnenjahr als das brauchbarere erwiesen. Ter Einfluß, der SonnenumdrLhung auf unsere Erde ist größer als der des Mondumlaufs. Deshalb treten im Sonnenjahr die meisten wichtigen^ in Abständen wiederkehrenden Naturerscheinungen, z. B. Jahreszeiten, mit datumsmäßiger Regelmiißigkeit auf, was im reinen Mondjahr nicht der Fall ist. Ties haben auch die Juden eingesehen, ebenso wie die meisten anderen Kulturvölker, deshalb haben sie durch Einsetzung von Schaltmonaten alle zwei bzw. drei Jahre eine möglichst starke Ungleichung an das Sonnenjähr herbeiführen wollen. Eine Angleichung, die für uns Laien ziemlich unübersichtlich ist. Man kann wohl sagen, vom wissenschaftlichen Standpunkt ist der jüdische Kalender überholt, und seine praktische Bedeutung hat er, auch für den orthodoxen Juden, säst ganz verloren. Er tritt nur noch bet Festen" und Gedenktagen in Erscheinung, i'"t also ein reiner Kultkalender geworden. Ist ein solcher Kultkalender und die durch seine Abweichung vom bürgerlichen Kalender bedingte Schwierigkeit und Unübersichtlichkeit denn notwendig? Ich weiß wohl, daß dieser Kalender bereits in der Bibel (z. B. Mose IV 29 u. besonders III 23) oer-. ankert ist und damit der Orthodoxie zunächst als unabänderlich gilt. Aber das gesamte Judentum hat ja schon einmal durch Einführung des Schaltmonats den Kalender reformiert. Wie wäre es also, wenn wir das kultisch nicht wesentliche, praktisch bedeutungslose, als Zeitrechnung unvollkommene Mondjahr fallen ließen und das Sonnenjahr auch als religiösen Kalender benutzten? Eine Stillegung der Feste, eine Beseitigung vieler Unübersichtlichkeiten und Zwiespältige keilen .väre die begrüßenswerte Folge z. B.: Tie ersten beiden Wol lfahrtsfeste könnten mit dem christlichen Ostern und Pfingsten datumsmähig zusammenfallen, wie sie auch zur Zeit der Entstehung der christlichen Feste zusammengefallen sind. Das Neujahrsfest wäre am 1. Januar, der Versöhnungstag 10 Tage darauf. Mit anderen Festen ließe es sich ähnlich machen. Ich brauche wohl kaum zu betonen, daß es für uns Juden sehr gut wäre, wenn unsere Feste sich im Datum mit denen unserer Umwelt deckten und damit gesetzlich-e Feiertage wären. Ties täte weder unserer Würde Abbruch, noch liefe es dem Sinn der Felle zuwider. Ich weiß wohl, daß an eine Verwirklichung solcher Gedanken überhaupt nicht zu denken ist, vor allem weil hier natürlich eine einheitliche Stellung der Juden nötig wäre (wie sie wohl jetzt im gegnerischen Sinne ungefähr bestehen wird). Aber es erscheint mir angebracht, ab und zu auf solche Möglichkeiten hinzuweisen. So schrecklich nenerungssüchtig ist auch der Vorschlag nicht, weil ja der jüdische Kalender bereits Anstrengungen macht, sich dem Sonnenjahr anzupasserr. Ich gehe iit diesen Anpassungsbestrebungen nur einen Schritt weiter. Auch hat übrigens eine andere Stelle, die wohl nicht als erschreckend neuerungssüchtig gelten kann, der Papst (Gregor XIII), als er sah, daß der julianische Kalender ungenau war, eine Reform vorgenommen und sogar auf einmal 10 Tage übersprungen. Man muß sich förmlich anstrengen, das Wort vom päpstlichen Sein als der Papst zu unterdrücken. J>ch weiß neben der vorläufigen Undurchführbarkeit natürlich auch, daß es beute wichtigere Fragen gibt als die Kalenderrejorm. Aber wenn man Tagungen über Tagungen zusammenrnft, um zu beraten, was man tun soll, wenn ein Kalender eingesührt wird, in dem einmal im Jahr der Sonnabend erst der achte Tag nach dem voran gegangenen Sonnabend ist, wenn ferner christliche Kreise gegen dieselbe Kalenderreform protestieren, weil dadurch der Beschluß des Konzils zu Nicäa (325 n. Ehr. Geb.) über den Tag des Osterfestes zu Fall käme, dann kann ich auch für eine etwas weiter gehende Aenderung ejntreten, zumal wenn ich einsche, daß ihre Verwirklichung keine Lebensfrage des Judentums und in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Franz M e i d n e r, Breslau. * Welkverband Schomre Schabbos Oesfentliche Kundgebung der Ortsgruppe Breslau. Als wir im Vorstand des hiesigen Liberalen Vereins vor 2 Jahren über die Einführung von Gottesdiensten an werkfreien Tagen debattierten, machte einer oer Anwesenden folgende Ausführungen. „D er d u r ch d i e Bedingungen des Wirtschaftslebens in feiner Bedeutung stark herabgeminderte Sabbat werde noch viel mehr und stärker gefährdet werden, w e n n die geplante Kalenderreform erst e i n m a l zur Wirklichkeit geworden. Schon deshalb müsse man Vorbeugen, d. h. durch Einführung v o u Gottesdiensten an werk freien Tagen bie j ü - d i s ch e Menschheit b e nt Religiösen wieder z uführen." (Und damals war von der ü-T age-Woche mit 2 Ruhetagen noch nicht die Rede.) Inzwischen hat nun die Hypothese einer Kalenderreform so viel mehr an Wirklichkeit gewonnen, bafr der Weltverband Schomre Schabbos sich zu größeren Kundgebungen entschlossen hat, wie hier, in Breslau am 28. September abgchaltene verlief im wesentlichen ähnlich wie die Berliner, in ruhiger und würdiger Art. Ter Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Herr Tr. Freyhan eröffnete die von ungefähr 300 Teilnehmern besuchte Versammlung und wies auf die Bedeutung der Bewegung 'hin. Nach Ansprachen der Herren Gemejnderabviner Dr. Ho ff mann und Tr. Vogelstein ergriff der Referent, Herr Professor Lieben aus Prag das Wort zu gleichen oder doch ähnlichen Ausführungen wie in Beclln. Er verhehlte keineswegs, daß die Zurücksetzung der Sabbatrnhe bei den Juden in der Hauptsache von den wirtschaftlichen Verhältnissen diktiert werde. Um diesem Uebelstand abzuchelfen, empfahl der Redner (wenn wir ihn richtig verstanden haben), die Einführung von besonderen Gesetzesbestimmungen (ähnlich wie in Holland) für die strenggläubigen Juden. Nach diesem Gesetz dürften dann die am Sabbat geschlossenen Betriebs am Sonntag geöffnet sein. Abgesehen davon, daß in Deutschland sich tvchl keine Regierung zu einer solchen Maßnahme bereit finden würde, dürfte auch die übergroße Mehrzahl der deutschen Juden schon aus rein wirtschaftlichen Gründen für eine derartige Aenderung der Sonntagsruhe nicht zu haben sein. Eine bedeutende Verschärftrng der Gefahr für ein wirkliches Weiterbestehen des Sabbats erblickte der Redner natürlich: in der Kalenderreform, deren drei vorgeschlagene Urteil durch die Einführung eines alljährlichen SchalttaM den Sabbattag immer verschieben würden. Er forderte daher zu einem Protest gegen alle derartigen Kalenderrejiormlen aus. Herr Prozessor Lieben sprach in so fließender und andere religiöse Richtungen wenig angreifender Art, daß auch Gegner seiner Anschauungen durchaus nicht nnangenchm berührt wurden. Tr. Freyhan gab nach.' Schluß des unter allgemeinem Beifall endenden Referates bekannt, daß eine Resolution der Versammlung gegen die Reform deÄ Kalenders von der Versammlung ergehen sollte und forderte

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