Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 41 (8.10.1930)
- Date
- 1930-10-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614094--3744-2621370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10. Jahrgang Nummer 11 Die Juden und die Individualpsychologie Von Lina Frender. In der vorigen Woche tagte in Berlin der 5. Internationale Kongreß für Jndividualpsychologie. Ter Begründer der Jndividualpsychologie, Tr. Alfred Adler, nimmt beim Menschen angeborene organische Minderwertigkeiten an, die iyn veranlassen, nach Sicherungen zu streben. Schon das Kind, dessen Unsicherheit zudem durch das bloße Verhältnis von „klein" und „groß" dem Erwachsenen gegenüber bedingt ist, sucht nach Stützen, um sich zu belpupten, und gerät, bei unverständiger Erziehung, dabei freilich oft aus Abwege, die seine Haltung und seine Einstellung fürs ganze Leben hemmend bestimmen, andererseits aber seine Entwicklung durch das Streben nach bestmöglicher Anpassung fördern können. Ebenso zeigt sich im bestehenden Männerstaate bei der Frau eine Tendenz, der Ueberwertung des männlichen Prinzip durch Kompensation der eigenen Leistungen entgegenzutrtten. Stellen wir also fest, daß das Schwächere, um sich zu behaupten und wennmöglich anzugleichen, ja sogar zu übertresfen, eine besondere Aktivität entwickelt, so dürfen wir wohl den Schluß ziehen, daß diese Richtung von unten nach oben der Weg des Individuums im einzelnen und der Gesellschaft irn allgemeinen sei — der Weg des größten Widerstandes. Adler sieht den Sinn des Lebens in der Erhaltung des Geschlechts. Historisch betrachtet, ist es also wohl zulässig auzunehmen, eine Rasse erhalte sich, so lange sie eben lebensfähig sei. Umgekehrt: eine Rasse sterbe aus, die physisch und psychisch keine Beiträge mehr zum Leben zu liefern habe. Blicken wir von diesem Gesichtspunkt aus z. B. aus das Judentum, das trotz jahrtausendelanger Unterdrückung noch heute als Rasse fortbesteht, dessen ihm eigentümliche Religion noch heute als Ritual und Ethik Gültigkeit hat, dürfen wir die Adlersche individualpsychologische Lehre von der Kompensation (und Ueberkompensation) der Minderwertigkeiten wohl auch'auf die jüdische Rasse in Anwendung bringen. Nehmen wir zuerst die organischen Minderwertigkeiten, von denen Adler ausgelft, und denken wir etwa an den noch heute so wohlbekannten schwächlichen, kleinen jüdischen Typ mit kurzsichtigen Augen und wenig körperlichem Training, so fällt uns sogleich bei einiger Ueberlegung auf, welche hochwertigen Leistungen Vertreter dieses Typs zustande gebracht hüben, Leistungen auf den verschiedensten Gebieten des Geistes, der Wissenschaft und der Kunst, die oft nicht nur im engeren Rahmen des Judentums anerkannt, sondern von der ganzen kultivierten Menschheit gefeiert worden sind. Wenn Adler meint, den Antrieb, die Schwierigkeiten, die durch Organminderwertigkeiten entstehen, zu überwinden, gebe das Streben nach Sicherung, so sind wohl viele Juden fitt das Gelingen ein glänzender Beweis. Hinzu kommt überdies die Minoritätsstellung der unter den anderen Rassen zerstreut lebenden Juden, die das Minderwertigkeitsgefühl noch erhöht und die seelischen Kräfte zur Kompensierung anspornt, so daß, von einem gewissen Gesichtspunkt aus, vielleicht das alte Sprichwort hier Geltung hat: „Wen Gott lieb hat, den züchtigt er!" Gerade die Schwierigkeiten seines Weges und seine bisher so oft mangelhafte körperliche Vorbereitung werden also dem Juden ein Mittel Znm Erstarken, zur Entfaltung seiner Persönlichkeit, zum Schaffen hoher Werte — vielleicht ist er gerade deshalb so unausrottbar, wie ihn seine Feinde nicht wünschen... Vielleicht, wie immer im sozialen Leben, schöpfen die Minderheiten ihre Fruchtbarkeit aus dem ständigen Training, zu dem die Ueberzahl ihrer Gegner, ohne es zu wollen, sie zwingt. Vielleicht danken wir diesem Druck, den die Umwelt ausübt, die hochwertigen Leistungen und die Höchstleistungen innerhalb des Judentums — wie, um nur einzelne anzuführen, etwa in der Wissenschaft die Werke Einsteins, in der Kunst die Bilder Liebermanns, in der Dichtung die Bücher Wassermanns, im Theaterwesen die Szenen Reinhardts, in der Schauspielkunst die Gestalten Pallenbergs und in jener Wissenschaft von der Seele, der Tiefenpsychologie, die ja dem Juden besonders eignet durch den Umstand, daß die jüdische Seele dem Leiden besonders preisgegeben ist, die Lehren Freuds und Adlers — die ja gerade zur Gesundung der menschlichen Seele den Weg weisen wollen... Umschau Philipp Hals mann begnadigt. Ter Bundespräsident Oesterreichs, Professor Miklas, hat den Begnadigungsakt für Philipp Halsmann unterzeichnet; der Akt wurde anläßlich des Jom Kippur-Feiertages amtlich publiziert. Die Begnadigung Halsmanns war der letzte Akt des zurückgetretenen Kabinetts Schober. Mil der Begnadigung und Freilassung .Philipp Halsmanns hat die „österreichische Dreyfus-Asfäre" eine menschlich befriedigende Lösung gesunden, indem wenigstens die körperlichen Qualen eines jahrelang unschuldig schwere Kerkerstrafe Erduldenden beendet sind. Die rechtliche Seite des Falles harrt noch der Lösung und allgemein wird gehofft, daß es den Freunden Philipp Halsmanns und den Freunden des Rechtes doch noch gelingen wird, eine endgültige Rehabilitierung Halsmanns, an dessen Unschuld kein Vorurteilsfreier mehr zweifelt, zu erreichen. Philipp Halsmann, ein aus Riga stammender Hörer der Technischen Hochschule in Dresden, wurde vor etwa zwei Jahren von einem Schwurgericht in Innsbruck wegen angeblicher Ermordung seines Vaters, des Rigaer Zahnarztes Mordechai Halsmann, zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Schon damals erregte Dieses Urteil Aufsehen, weil es auf Grund ganz lückenhafter und miteinander in keiner Weise übereinstiiw mender Indizien gefällt worden war. Philipp Halsmann befand sich! mit seinem Vater auf einer Sommerwanderung in den Tiroler Bergen. Er schritt voraus) der Vater ging weit hinterher nach. Plötzlich hörte Philipp einen Schrei und glaubte, als er sich umwandte, zu sehen, wie sein Vater vom schmalen Gratweg abstürzt. Er lief zur vermeintlichen Unfallstelle zurück und fand seinen Vater, der kein Lebens- Wisch-liberale Zeitung Beilage 8. Oktober 1930 Paul pincus 70 Zahre Der 7. Oktober dieses Jahres, an dem Herr Paul Pincus das biblische Alter erreicht, ist in erster Linie ein Fest für die „Jüdische Reform gemeinde zu Berlin", deren Erster Vorsitzender Herr Pincus seit dem 19. August 1821 ist. Schon im Jahre 1927, als Herr Pincus das Jubiläum seiner 25 jährigen Zugehörigkeit zur Verwaltung der Resormgemeinde beging, wurde er auf Grund seiner besonderen Verdienste, die er sich in schwerer Kriegs- und noch viel schwerer Inflationszeit um die Resormgemeinde erworben hat, von dieser zum Ehrenmitglied ernannt. Heute werden in einer Sondernummer des Mitteilungsblattes der Jüdischen Reformgemeinde diese Verdienste in Festartikeln von Amtsgerichtsrat Michaelis, Sanitätsrat Peyser, Rechtsanwalt Galliner, Bruno Woyda und den drei Predigern Dres. Jelski, Lehmann und Rosenthal eingehend gewürdigt. Wesentlich seiner Arbeit ist es zu danken, daß durch Erlangung der Rechtsfähigkeit und Abschluß eines neuen Vertrages mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Reformgemeinde aus dm schweren Krisenjahren des Krieges und der Nachkriegszeit gestärkt und gefestigt hervorging, ihm ist auch der grundlegende Neuaufbau des Stiftungswesms zn danken. Unter den vielen sozialen Aufgaben der Reformgemeinde fördert er, der selber als Kaufmann viele und weite Reisen gemacht hat, besonders die Ermöglichung von Ferimreisen für solche Mmschm, die sich aus ihren eigenen kleinm Einkünften derartige Reisen nicht leisten könnten. — Es wäre aber verfehlt, zu glauben, daß der Jubilar nur aus materiellem oder organisatorischem Gebiete sich betätigt habe. Nächst Herrn Hans Lachmann-Mosse ist es vor allem er, der die Einführung der neuen Liturgie '(1927) und die Schaffung des Schallplattmwerkes ermöglicht und damit der inneren Wirkenswie der äußeren Werbemöglichkeit der Resormgemeinde ganz neue Wege, ja vielleicht ganz neue Quellen erschlossen hat. Aus alledem geht hervor, daß Herr Pincus stets für den Fortschritt innerhalb der Reform, für die Reform der Reform, eingetreten ist, und das ist gut so, denn eine Bewegung, die die Entwicklung des Judentums zum Grundprinzip hat, kann diese Entwicklung niemals als beendet ansehen, am allerwenigsten in dieser Zeit von 1914 an, die uns eine Wandlung und Entwicklung auf allen Gebietm der Kultur und des Lebens gebracht hat. Mit diesen Gedankengängen ist die Betrachtung des engeren Kreises der Resormgemeinde eigentlich schon verlassen und auf den Gesamtliberalismus hingelenkt. Einsichtige Naturen haben wohl nie eine andere Auffassung gehabt, als daß die Reform eine Flügelpartei des Gesamtliberalismus ist und zu diesem so soft und unlöslich hinzugehört, wie eben jede „Partei" Teil des Ganzen ist. Aber doch war e3 so, daß — nach einem Wort auf der Breslauer Rabbineyversammlung vom Jahre 1846 — die Ehe zwischen Gosamtliberalismus und Reform geschieden war und geschieden blieb bis 1928: erst auf der Berliner Weltkonserenz des liberalen Judentums konnte Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, der Vorsitzende der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands", unter dem- Jubel der Versammlung feststellen, daß diese Ehe nunmehr wieder erneuert worden sei. Während die Reform sich stets als „jüdisch-liberal" betrachtet hat und auch kooperatives Mitglied des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" war, haben eigentlich erst seit jenem glücklichen Tage des Jahres 1928 weitere Kreise des Gesamtliberalismus erkannt, daß die Richtung „Reform" ebenso und gleichberechtigt zu uns gehört wie etwa die Richtung „Falkenberg". Von da an datiert die aktive Fühlung zwischen der „Vereinigung für das liberale Judentum" urrd der Resormgemeinde, die dann tt. a. dazu führte, daß auf der Breslauer Hauptvevsammlung am 1. Februar dieses Jahres die Liberale Beveinigung Herrn Paul Pincus in ihren Gesamtvorstand wählte. Widrige Verhältnisse haben verhindert, daß Herr Pincus in den seither verflossenen acht Monaten sich in dieser Eigenfschaft hätte betätigen können; aber auch dieser Zeitpunkt wird kommen, und seine stets versöhnliche Natur, seine Fähigkeit, schwierige Situationen glücklich zu lösen (nicht: sie zu verkleistern), sein mit weiser Mäßigung gepaarter FvrtschrittKwille sind auch in unserem Kreise so bekannt uud so hoch geschätzt, daß wir viel von seiner Mitarbeit für uns erwarten. Noch einmal: dieser Zeitpunkt wird kommen. Heute aber vereinigen wir uns mit unseren Freunden von der Reformgemeinde zu einem herzlichen Glück- und Segenswunsch für diesen ganz einzigartigen Mann, dessen Harchtwert wohl darin liegt, daß seine tief innerliche Religiosität —, die ihn allerschwerste Schicksalsprüsungen mannhaft tragen läßt, — nach außen in höchst aktive Kraft, in stets glückliche Arbeit sich umsetzt. Aus jüdischer Religiosität gütig und sieghaft: das ist uns unser hochverehrter Freund Paul Pincus. George Goetz. zeichen von sich gab, am Fuße des Grates neben einer Wasserlache liegen. Er legte den Körper zurecht und holte Hilfe herbei. Als pr mit einer Hilfsmannschaft zurückkam, hatte der Körper Mordeachai Halsmanns eine andere Lage. Tie Mordkommission hat bei Untersuchung der Leiche sestgestellt, daß der Schädel des Toten so schwere Verletzungen aufwies, daß sie unmöglich von einem Absturz, sondern bestimmt von Schlägen mit einem schweren Schlaginstrument herrühren konnten. Tie Geldbeträge, die der Ermordete bei sich> haben mußte, wurden weder in seinen Kleidern, noch bei Philipp Halsmann vorgefundeu. Noch bevor dieser Befund vorlag, wurde Philipp Halsmann als des Mordes verdächtig festgenommen. Obwohl erst eine geraume Weile nach seiner Festnahme der wertlosere Teil des geraubten Geldes in der Nähe des Tatortes unter einem Stein versteckt aufgefunden wurde und man annehmen durfte, daß der reuige wirkliche Mörder dieses Zeichen gab, damit nicht ein Unschuldiger leide, wurde Philipp Halsmann vom Innsbrucker Schwurgericht wegen Vatermordes zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, wobei das Gericht in seiner Begründung offen ließ, ob es sich um einen Raubmord, Bersicherungsmord pder Rachemord handelte; es fehlte eben jedes stichhaltige Motiv. Schon die Atmosphäre des ersten Schwurgerichtssaales war antisemitisch verseucht. Tie Jndizienzeugen — Tatzeugen waren ja nicht vorhanden — mokierten sch über das Gehaben der „Juden" Halsmann, die ständig in Streit miteinander lagen. Später wurde sestgestellt, daß von Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn gar keine Rede sein konnte. Auch andere Zeugenaussagen wurden durch eine spätere Untersuchung als „voreingenommen" festgestellt, es konnten auch alle für den Mord angenommenen Motive als vollkommen grundlos hingestellt werden. Das einzige etwas schwerwiegendere Indizium war, daß Philipp Halsmann an einen „Unfall" glaubte, während die Mordkommission zweifelsfrei eine Mordtat feststellen konnte. Dieser Widerspruch konnte später dadurch geklärt werden, daß Philipp Halsmann, der hochgradig kurzsichtig ist, dazu noch eine falsche Brille trug, einer Gesichtstäuschung unterlag, indem der Schrei des von einem Wegelagerer überfallenen Vaters in ihm, der einige hundert Schritte von der Talstelle entfernt war, die Vorstellung erweckte, daß sein Vater abstürzt. Es stellte sich später heraus, daß der Untersuchungsrichter und die ersten vernommenen Zeugen vom ersten Augenblick an bereit waren, einen „jüdischen" Vatermord anzunehmen, die Untersuchung schloß jede gndere Möglichkeit rundweg aus. Philipp Halsmann wurde schweren moralischen Torturen ausgesetzt, man behandelte ihn vom ersten Augenblick an als überführten Vatermörder. Ein Jahr nach dem ersten Urteil hob der Oberste Gerichtshof in Wien das Urteil aus, verwies aber trotz des Protestes der Verteidiger Halsmanns, der vor der antisemitischen Atmosphäre Innsbrucks warnte, den Fall neuerdings an das Innsbrucker Schwurgericht. Das zweite Schwurgericht aber, in dem eine nicht minder radau-antisemitische Atmosphäre herrschte, die noch von einem antisemitischen Straßenterror unterstützt war, hat sich zu einem völligen Freispruch Halsmanns nicht auffchwingen können, sondern es verurteilte ihm den „Vatermörder", zu nur vier Jahren Kerkers, wobei es xinen , Affektmord" annahm, ohne freilich hierfür irgend ein Motiv angeben zu können. Gs nahm seine Zuflucht zur grüMich mißverstandenen Freud'schen Psychoanalyse und gebrauchte nebenhin das Wort „Oedypus-Komplex". Dieses zweite Schuldurteil wurde von niemandem in der Wett verstanden und von allen vorurteilsfreien Menschen getadelt. Der Dichter Jacob Wassermann richtete ein offenes Schreiben an den Bundespräsidenten Miklas, in welchem er zum Ausdruck brachte, daß der Präsident selbst, wie er wisse, von der vollkommenen Unschuld Halsmanns überzeugt sei und darum seinen Augenblick dulden dürfe, daß ein Unschuldiger unter einem so schweren Verdacht leide. Ter Gegendruck der antisemitischen Presse und des antisemitischen Teiles der öffentlichen Meinung war aber so stark, daß sich die Regierung zu einem Schritt zugunsten Halsmanns nicht entschließen konnte. Inzwischen hatten sich die Sympathien aller Aufgeklärten in der Welt Philipp Halsmann zugewendet, der menschliche Vornehmheit und Größe an den Tag legte itnfc seine Mutter und Schwester, die keinen Augenblick an seiner Unschuld zweifelten, Gwie seine an den Sieg des Rechtes verzweifelnden Freunde tröstete. Erst vor wenigen Wochen erschienen im Buchhandel die Briefe Halsmanns an seine Freunde, die eine hohe Menschlichkeit und einen starken, reinen Intellekt verraten und auch in Menschen, die mit den Einzelheiten des Falles nicht vertraut sind, das Bewußtsein festigen, daß Philipp Halsmann unmöglich seinen Vater, zu dem er in gutem kindlichem Verhältnis stand, ermorden konnte. Tie Familie Halsmanns hat ihr ganzes kleines Vermögen geopfert, um die Unschuld Philipps erweisen zu können und steht heute vollkommen mittellos da. Ein Ersatz für die unschuldig erlittene Haft und die immensen Kosten des Doppelprozesses wird erst in Betracht kommen, wenn die Unschuld Halsmanns durch ein Gericht ausgesprochen werden wird. Katholizismus und Nationalsozialismus unvereinbar. Der Bischof von Mainz, Dr. Hugo, hat an die Geistlichen seiner Diözese folgende Anweisungen erlassen: 1. Jedem Katholiken ist es verboten, eingeschriebenes Mitglied der Hitler-Partei zu sein. 2. Mitgliedern der Hitler-Partei ist es nicht gestattet, korporativ an katholischen Beerdigungen oder sonstigen kirch?- lichen Veranstaltungen teilzunehmen. 3. Solange ein Katholik eingeschriebenes Mitglied der Hitler-Partei ist, kann er nicht zu den Sakramenten zugelassen werden. Das Generalvikariat der Mainzer Diözese erklärt, daß ein eingeschriebenes Mitglied einer Partei selbstverständlich alle Programmpunkte dieser Partei sich zn eigen mache. Nun enthalte aber das Programm der Partei Hitlers Leitsätze, die mit den Grundsätzen und den Lehren der katholischen Kirche unvereinbar seien. Stahlhelm sticht jn Synagoge. In Frankfurt a. M. flüchteten am Montag abend Stahlhelmleute, die von Kommunisten verfolgt wurden, in die Synagoge und baten die Juden, die znm Gottesdienst versammelt waren, um Schutz, der ihnen auch gewährt wurde. Eine Gruppe von 40 Stahlhelmleuten aus Schleswig- Holstein, die am Koblenzer Stahlhelmtag teilgenonunen Hütten und auf der Rückfahrt in einer Frankfurter Apfelweinwirtschaft ausreichend eingekehrt war, wurde, als sie das Lokal verließ, von etwa 100 Kommunisten verfolgt. Es kam zu einer schweren Schlägerei, in deren Verlauf zwei Stahlhelmer verletzt wurden. Ein Teil der Stahlhelmer flüchtete in die Synagoge. Es entstand dott zunächst große Unruhe; als man aber den Sachverhalt hötte, wurden die Stahlhelmer von dem Pförtner in einen Seitenraum geführt und dort versteckt. Schließlich eilte das Uebersallkommando mit zwei Autos herbei und befreite die Stahlhelmer. Ein Kommunist wurde verhaftet. Frick verbittet „Zwei Welten". Das thüringische Ministerium des Innern hat nach § 4 des Lichtspielgesetzes vom 12. Mai 1920 den Widerruf des Bildstreifens „Zwei Welten" beantragt. Bis zur Entscheidung des Widerrufs wird die Vorführung des Bildstreifens in Theatern auf Grundder Paragraphen 27, Afsatz 1, und 32 der Landesverwaltungs-