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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-10-01 · 40 (1.10.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
40 (1.10.1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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der jüdische Religionsunterricht schulplanmäßig erteilt werde, und den Schülern Pie Treue zu ihrer Schule ans Herz legend, ermahnte er sie, durch Fleiß ihre Schuldigkeit zu tun und durch ihr Betragen ihrem eigenen und dem Wohle der Schule zu dienen. Die Predigt» hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Herr Oberkantor Sußm-rnn versah die kant oralen Funktionen mit wohldisponierter Stimme, und vermochte auch bei dieser Gelegenheit seinen angenehm klingenden, weichen Bariton zu bester Geltung zu bringen. Einen geradezu erhebenden Eindruck machte es, als aus den Reihen der anwesenden Schüler sämtliche Funktionen bei der Vorlesung aus der Thora ausgeübt wurden. So etwas müßte eigentlich von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Und nicht als Letzter, wenn auch zuletzt genannter, war der Synagogenchor mit im Bunde, der die ihm gestellte Ausgabe ausgezeichnet lüste. Alles in allem war die Ausgestaltung der Feier ein glücklicher Gedanke des Gemeindevorstandes nnd in hohem Maße geeignet, auch dem friedlichen Bewußtsein innerhalb der Konfessionen zu dienen. Gießen. (Todesfall.) Im 87. Lebensjahr starb in Homburg v. d. Höhe, wo er zur Erholung weilte, der ordentliche Universität^ Professor i. R. und Geh. Hofrai Dr. phil., Dr. Phil. nat. h. c. Moritz. Pasch, ein bedeutender Vertreter der mathematischen Wissenschaften und Begründer der neueren Geometrie und der Axianatik. Im Jahre 1875 wurde Dr. Pasch ordentlicher Professor, und in den Jahren 1893—94 war er als einer der ersten jüdischen orderrtltchen Professoren Rektor der hessischen Landcsunivsrsität. Der Verstorbene entstammte einer Breslauer Kaufmannssamilie und genoß den Ruf eines weltbekannten Mathematikers. Die Universitäten in Frankfurt a. M. und Freiburg i. Br. haben den Gelehrten anläßlich des goldenen Doktorjubiläums gleichzeitig ehrenhalber zum Doktor der Natur wissenschasten ernannt. Bei der Beisetzung, die am zweiten Tage des Neujahrsfestes unter Beteiligung zahlreicher Vertreter der Universität stattfand, hielt Provinzialrabbiner Dr. Sander die Gedächtnisrede, die eine Würdigung des Verblichenen darstellte, den man als einen der bedeutendsten und geachtetstrn Gelehrten jüdischen Bekenntnisses ansehen konnte. Professor Dr. Pasch bekleidete auch das Amt des Vorsitzenden der Prüfungskommission für das höhere Lehramt itt dem früheren Großherzogtum Hessen. Kassel. (Besichtigung der Synagoge.) Die drei oberen Klassen der Oberrealschule I besuchten kürzlich am Freitag abend die Hauptsynagoge und wohnten dem Abendgottesdieust bei. Nach Beendigung desselben erläuterte Landrabbiner Dr. Walter den Schülern, die von Professor Ehringhams geführt wurden, die Einrichtnirg des Gotteshauses, die Eigenart der Kultgegenstände und ihre Verwendung. Tie zahlreichen Fragen, die von seiten der Schüler gestellt wurdenließen erkennen, daß die jugendlichen Besucher den ihnen bisher «itp bekannten Dingen lebhaftes Interesse entgegen brachten. Kassel. (U n a e s ü h n t e Beleidigung.) Wenn ein völlischer Anwalt in Bezug auf seinen jüdischen Kollegen in verächtlicher Weise als vom „jüdischen Trick eines jüdischen Anwalts" sprichtj, so ist dies nach Auffassung des hiesigen Landgerichts trotz der ausdrücklich betonten Ehrenkränkung keine strafbare Handlung, weil der § 193 (Wahrung berechtigter Interessen) in Betracht käme. Ter Verteidiger, so begründet das Landgericht sein auffälliges und merk--- würdiges Urteil, habe dem Klienten helfen wollen und sei davon überzeugt gewesen, das „Richtige" getroffen zu haben. Wenn diese Auffassung unwidersprochen bleibt oder sogar verallgemeinert tvird, dann werden jüdische Anwälte noch mancherlei erleben können. Tatbestand in der zur Verhandlung stehenden Streitsache war die Bemerkung des hiesigen nationalsozialistischen R.-A. Dr. Oswald Freister, der seinen Bruder Dr. R. Freister verteidigte, gegen den R.-A. Dr. Blnthenthal aus Frankfurt a. M. während eines Prozesses gegen den Schriftsteller Gläser, des Verfassers von „Seele über Bord", Aussetzung der Verteidigung beantragt hatte. Diesem Antrag war vom Gericht stattgegebcn worden, ein Beweis für die Berechtigung desselben, und trotzdem soll der von Dr. Blütenthal wegen Beleidigung angeklagte Dr. Oswald Freister straffrei ausgchen. Das Urteil hat in nichtantisemitischen Kreisen allgemeines Befremden hervorgerusen. STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN-W 66 £Lr MAUERSTR. 79 FBRNRUF) ZENTRUM S033 u. S02« BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IHNEHDEHORATIOHEH IN HQltSTLERISCHER MISFOHM Znden in deutschen Städten Von Herbert Philippsthal. (Fortsetzung.) Brüirdendnrg (Havel). Die erste Erwähnung der Juden in der Mark geschieht im Jahre 1247. In Beelitz werden die Juden wegen einer Hostienschändung verbrannt. Die erste und älteste Indens ordnung ist von den Markgrafen Otto und Konrad am 4. April 1297 für die Juden in Stendal erlassen. Es wurde den Juden das Bürgerrecht und die Gleichheit mit anderen Wtertancn eingeräumt. Diese Stendaler Judenordnung hatte nur lokale Bedeutung. Die erste urkundliche Erwähnung der Juden in Brandenburg datiert aus dem Jahre 1313, wo ein Jude Jacob in dem Schöffenbuch der Neustadt Brandenburg vorkommt. In einer Urkunde aus dem Jahre 1315 schlichtet Markgraf Johann Streitigkeiten zwischen den Fleischern und den Juden und jetzt Viehschlachten und Fleischverkauf der Juden genau fest. Der Hauptnahrungszweig der Juden in Brandenburg war wie in dem mittelalterlichen Deutschland überhaupt das Geldgeschäft. Im Jahre 1322 besaßen sie bereits eine Synagoge. Markgraf Ludwigs Regierung ist für die Juden in der Mark als recht milde zu bezeichnen. Er bestätigte den Juden in Havelberg, Perleberg, P ritz walk ihre Rechte und versicherte sie seiner besonderen Huld. Das Verhalten Ludwigs findet keinen humanen Untergrund. Es war lediglich politische Klugheit. Den Juden gegenüber galten im Mittelalter nuk Opportunitätsrücksichten. Unter Friedrich II., dem Eisernen, erging am 17. Dezember 1446, au einem Sonnabend, der Befehl, alle Juden der Mar.k gefangen zu setzen, dann zu vertreiben und "ihrer Güter zu berauben. Diese Judenverfolgung vom Jahre 1446 ist für die Stadt Brandenburg deshalb von Bedeutung, weil von hier aus — unerhört für jene Zeit — ein scharfer Protest gegen sie erging. Während der Abwesenheit der Juden, als das Geldgeschäft in christlichen Händen lag, hatten diese ihren Schuldnern weit härter zugesetzt, als es je durch die Juden geschehen war. So wird es begreiflich, daß der Kurfürst schon wenige Jahre nach 'ihrer Vertreibung die Gottesdienste BerNn-Norde«. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 3. Oktober, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabb.»Kand. Mehler. Sonnabend, vormittags 10 Uhr. — Sukkoth, 6. Oktober, abenbs 15 Uhr, und 7. Oktober, vormittags 10 Uhr, Mädcheneinfegnuttg. Rabbiner Dr. Salomonfki. 7. Oktober, abends 7.15 Uhr» Gottesdienst. Predigt: Dr. Platte; 8. Oktober» vormittags 10 Ahr, Predigt: Dr. Andorn. LerliN'Westend. Liberale Synagoge Westend (Leistikowstratze 7-8)c Freitag, 3. Oktober, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin-vsten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstraße 29-30). Freitag, 3. Oktober, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensky. — Sukkothgottesdienst Montag, 6. Oktober, abends 7.30 Uhr; Predigt: Dr. Hermann Cohn. Berlin. Jüdische ReforM'Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 5. Oktober. Johannisstratze 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraße 10: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rofenthal. Königsberg. (Todesfall.) Hier verstarb im hohen Alter das Ehrenmitglied der alten Synagoge, Herr Isidor Simon. Isidor Simon wirkte in den Jahren 1918 bis 1921 als Vorsitzender des Vorstands der alten Synagoge. Mit ihm ist eine Persönlichkeit von großem talmudischen und weltlichen Wissen dahingegangen. Sein Hinscheiden erregt weit über den Kreis der Angehörigen der alten Synagoge hinaus tiefstes Bedauern. Königsberg. (Julie Beer gestorben.) In hohem Alter verstarb in Halle an der Saale, wo sie zuletzt ihren Wohnsitz hatte, Frau Julie Beer, die, eine überzeugte Jüdin, sich in erheblicher Weise in Königsberg in der deutschen Frauenbewegung ausgezeichnet hatte. Mit der Verewigten ist eine Philanthropiu von hohem sozialen Verantwortungsgefühl dahingegangen, die sich schöpferisch auf den verschiedensten Gebieten der Charitas hervorgetan hat. Im Jahre 1906 begründete sie in Königsberg zusammen mit einigen änderen Frauen die Zentrale für Jugendfürsorge, der zwei Jahre später auch die Jugendgerichtshilfe angegliedert wurde. Desgleichen ist der Ausschuß für Armen- und Waisenpslege ihr Werk, so daß sie der Verein der Armen- und Waisenpflegerinnen zu seiner Vorsitzenden machte. Ter Kriegsausbruch stellte die Königs berger Frauenbewegung infolge der ostprcußischen Flüchtlingsfürsorge wie der allgemeinen Kriegs- Wohlfahrtspflege vor schwere Ausgaben. Der Vaterländische Fraucnverein übertrug ihr hierbei die Leitung seiner gesamten Kriegswohhfahrtsarbeit. Dabei blieb Frau Beer oft bescheiden im Hintergründe und als sie ein Büchlein über die Wohlfahrtseinrichtungen Königsbergs herausgab, unterließ sie es, sich als dessen Autorin zu bezeichnen. Als sie von Königsberg schied, wurden Ihr seitens der Frauenwie der Wohlfahrtsverbände ganz besondere Ehrungen zuteil. Worms. (Die Ansgrabungen auf dem jüdischen Friedhof.) Unter dem israelitischen Friedhof zu Worms wurde ein unterirdischer, einst zur Wormser Stadtbcsestigung gehörender Gang aufgefunden. Damk der Initiative des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde in Worms ist der Zugang zu diesem unterirdischen Wehrbau, der einst das Innere mit dem äußeren Andreastor verband, freigelegt worden. Das Interessanteste dieses etwa aus dem 15. bis 16. Jahrhundert stammenden Ganges ist ein Bodenbelag. Es sind jüdische Grabsteine, teilweise sehr hohen Alters. Da sie mit der Schrift nach unten lagen, ist diese Verhältnis-, mäßig gut erhalten. Einer der ältesten Steine datiert von 1305 und ist deshalb von kulturhistorischer Bedeutung, weil es der Grabstein des Rabbi Elieser ist. Er war, wie die Inschrift erzählt, ein bedeutender Gelehrter. Ein Stein aus dem Jahre 1645 bringt in der innigen, bilderreichen Sprache seiner Inschrift bemerkenswerte Einzelheiten aus dem Leben einer Cipore Güttin, Frau des Rabbiners Abraham Walch. Grabsteine von 1541, 1556 und 1562 kamen ans Licht mit teilweise sehr schönen, reichverzierten Buchstaben und Ornamenten. Tann wieder solche, deren Schriftcharakter in das 12. und 13. Jahrhundert weist. Alle Steine werden sorgfältig in Stand gesetzt, und ans dem alten Friedhof an gesonderter Stelle aufgestellt werden. Ter unterirdische' Gang unter dein alten Friedhof wird wieder zugänglich gemacht und mit einer Treppenanlage versehen. STOliWERCi^ iDoh iSch macke nd L nahrhaft. Aus der Bewegung Hörde. (Liberales Judentum und Emanzipation.) Der hiesige Jugendbund hatte vor einigen Tagen einen Gemeindcabend veranstaltet, in dem Frau Hete Vorreuter-Tortmund über „Liberales Judentum und Emanzipation" sprach. Ausgehend von dem mit ungeheurer Schärfe geführten Wahlkampf, der der nationalsozialistischen Partei 107 Sitze im neuen Reichstag gebracht habe, wies Rednerin auf die Gefahr hin, die hieraus dem deutschen Judentum in seiner politischen und kulturellen Gleichberechtigung drohe. Stets aber seien die Vorkämpfer für die Emanzipation und für die Durchführung unserer verbrieften Rechte solche Männer und Frauen gewesen, die zugleich für die Erneuerung und die fortschrittliche Entwicklung der jüdischen Religion ihre ganze Kraft eingesetzt haben. In großen Linien ging nun Rednerin auf die Geschichte der Judenemanzipation in Deutschland, sowie auf die damit eng verbundene religiös-liberale Bewegung im vorigen Jahrhundert ein, schilderte die gewaltige Einwirkung Moses Mendelssohns auf die geistige Umwandlung seiner jüdischen Zeitgenossen, die Reformen Israel Jacobsohns auf dem Gebiete des Gottesdienstes, der Konfirmation und .Trauung, und sprach über die Tempelresorm in Hamburg und über die grundlegende Arbeit des wissenschaftlichen Begründers des religiösen Liberalismus, Abraham Geigers. Aber die Rednerin zeigte auch in interessanter Weise, daß auch in alter und ältester Zeit bereits das Judentum seine Formen gewechselt, seinen Gedankeninhalt vertieft und bereichert habe und zu jeder Zeit von der Umwelt beeinflußt morden ist. Ter Prophet der Bibel kämpft schon gegen den Priester für Herzensfrömmigkeit, sittliche Gesinnung und Tat, für das Gottesreich auf Erden im Gegensatz zu Lippendienst und äußerem Ritual. Jochanau den Sakkai setzt an Stelle des Opserdienstes werktätige Menschenliebe und .Herzenszwiesprache mit Gott im Gebet. Alsdann ging Rednerin auf die grundsätzlichen Gegensätze zwischen Liberalismus und Orthodoxie ein, spricht über religiöse Gebräuche und Formen, die, wenn sie geübt werden, nicht mechanische Gewohnheit sein dürfen, sondern wahrhaft religiösem Empfinden entspringen, müssen. Wenn der liberale Jude den Ewigen auch auf anderen Wegen suche als der konservative Glaubensbruder, so ist das Ziel doch dasselbe: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk sein!" Die Jndenheit kann aber nicht durch enge Vorschriften zusammengehalten werden, sondern durch die großen Ewigkeitsgedankenl Israels. Zum Schlüsse ihres Vortrages zeigte die Rednerin die Stellung des liberalen Judentums zur jüdischen Jugendbewegung und zu den geistigen Bestrebungen unserer Tage ans. Das Judentum unserer Zeitz habe die Aufgabe, Humanismus und Versöhnung unter den Völkern zu verbreiten. Wenn auch Nationalismus, Mammonismus und Militarismus die Entwicklung verlangsamen, so können sie sie doch nicht zum Stillstand bringen. Wir religiös Liberalen müssen uns einsetzen für die Aufrichtung des Malchus schomajim, des Gottesreiches schon in dieser Welt. An die mit begeistertem Beifall ausgenommenen lehrreichem Ausführungen entspann sich eine lebhafte Aussprache, an der sich die Herren Wendriner, Nußbaum, Werner Münfterberger, Lehrer Stern und Frau Bach beteiligten. Zahlreiche Fragen, wie Sonntagsgottesdienst, Einführung eines Freitagabend-Spätgottesdienstes für die in Geschäften tätigen jungen Leute, liberales Judentum und Zionismus usw. kamen zur Sprache. Wiederaufnahme verlangte. Die Triebfeder war also allein der geordnete Geldverkehr und ein erträglicher Kredit. Am 10. Oktober 1452 finden wir Juden wieder in Brandenburg. Im Jahre 1490 finden wir zum ersten Mal eine Judeifftraße erwähnt, deren Vorhandensein eine große Anzahl jüdischer Familien voraussetzt. Es gab damals auch einen jüdischen Friedhof in Brandenburg. Das ausgehende 15. Jahrhundert sah die Juden Brandenburgs in einer günstigen Lage. Die Ernte war wieder einmal reif. Sie fand bald ihre Schnitter. Der Hostienschändungsprozeß mit seinen furchtbaren Folgen wurde im Jahre 1510 veranstaltet. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts vernehmen wir wieder von Juden in Brandenburg. Die Christen brachten ihnen krasse Feindseligkeit entgegen. Diese Volksstimmung brach bald grausam hervor. Nachdem Joachim II. in Köpenick eines plötzlichen Todes gestorben war, erhob sich das Gerücht, der Kurfürst sei von seinem jüdischen Münzmeister und Finanzminister L i pp o l d vergiftet worden. Lippold wurde am 23. Januar 1573 gerädert und gevierteilt. Alle märkischen Juden wurden „auf ewige Zeiten" aus dem Lande verwiesen. Die Verbannung währte ungefähr 100 Jahre. Im Jahre 1671 nahm Friedrich Wilhelm, der „Große Kurfürst", 50 Judensamilien aus Wien in der Mark aus. In Brandenburg ließen sich auch einige der österreichischen Exulanten nieder. Der Gründer der jüdischen Gemeinde in Brandenburg ist David Samuel. Im August des Jahres 1696 erscheint er in der Neustadt Brandenburg, als ein Flüchtling vor den Unruhen des Krieges aus „Frankentand". Als im Jahre 1813 das bekannte Jickwnedikt Friedrich Wilhelms III. die politische Gleichstellung sämtlicher Untertanen des preußischen Startes aussprach, erhielten hierdurch in Brandenburg 18 Familien das Staatsbürgerrecht. Im Jahve 1856 zählte die Gemeinde 53, 1870 65, 1900 69, 1905 69 Mitglieder." (Geschichte der Juden in Brandenburg/H. Von Rabbiner Dr. A. Ackermann. Verlag Louis Lamm, Berlin 1906.) Cottbus. „Die älteste Nachricht über den Aufenthalt von Juden in Cottbus stammt aus dem Fahre 1448. Kurfürst Friedrich II. vereignet der Stadt den Juden Jordan und nimmt ihn in seinen Schutz. Bürgermeister und Ratsmannen hatten darum gebeten, weil diese jüdische Familie hier bereits gewohnt hatte, als Cottbus durch Kauf an Brandenburg fiel (1445). Es ist daher handschriftlichen Urkunden Glauben zu schenken, wenn sie berichten, daß Cottbusische Inden in das Verhängnis mit hineingezogen wurden, welches 1510 ihre Glaubensgenossen in Brandenburg betroffen hatte, als sie alle, soweit sie nicht den Feuertod erlitten, das Gebiet des Kurfürsten verlassen mußten. Nach einer aus dem Jahre 1531 stammenden Nachricht war damals wieder eine ansehnliche Zahl in der Stadt ansässig. Bald nach dieser Zeit mußten sie wohl wieder zum Wanderstab greisen. Es werden alle Hebel vom Magistrat und der Bürgerschaft in Bewegung gesetzt, um einer jüdischen Niederlassung vorzubeugen. 1740 verstand es aber die Witwe Kayla Israel Pinkussin, von Friedrich Wilhelm I. eine Konzession aus Cottbus zn erhalten. Sie stammte aus Frankfurt an der Oder und war kinderlose Witwe; später (1748) heiratete sie ihren Landsmann Liebmann Gottschalk, ein Mitglied der berühmten) alten Frankfurter Buchdruckersamiliel Aus einem Verzeichnis aus dem Jahre 1752 geht hervor, daß damals 14 Juden in Cottbus lebten, und zwar 3 Familien. Diese drei Judenfamilien erhielten erst 1781 durch den Zuzng des Benjamin David Ascher, genannt Cohn, einen Zuwachs. Cohn, aus Königsberg, in der Neumark 'stammend, hatte bei seinem Bruder Hirschel in Berlin die Fischbeinreißerei erlernt und war nach C. gekommen, um die zweite Tochter des M. I. Pinkus zu heiraten und auf ihren Schutzvrief die Konzession zur Errichtung einer Fischbeinreißerei zu erwerben. Schon nach wenigen Jahren hatte das Geschäft einen ungewöhnlichen Umfang angenommen. Cohns Nachkvmmen traten zum Christentum über. In den .Jahren, da Cottbus zu Sachsen gehörte (1806—1812), hatten sich in der Stadt wieder drei Judensamilien niedergelassen. Lebhafte Handelsbeziehungen bestanden frühzeitig zwischen den Juden aus der Provinz Posen und den Wollhändlern und Tuchfabrikanten in Cottbus. So kommt es, daß alte 'diese Neuzugezogenen von dort stammten." (Geschichte der Juden in Cottbus. Bon Rabbiner Dr. Pofner. Verlag Albert Heine, Cottbus. Datum?) (Fortsetzung folgt.) ,

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