Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 36 (3.9.1930)
- Date
- 1930-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Jahrgang Nummer 36 Beilage 3. September 1930 FMchKberÄeZeidtlV wmmgmmmummmtmmmmmmmmmmmmmmmmtmmmmammmmaammmmammBsu Umschau Litlmp der zionistischen Attions-Komrtees. In dcr^ vergangenen Woche tagte in Berlin das zionistische Aktions- Komitee, das sich eingehend mit der politischen Lage in Palästina befaßte und die Budget-Fragen des zionistischen Palästina-Aujbaus erörterte. Bei der Tagung kam es zu scharfen Auseinandersetzungen über das ja noch in weiter Ferne. liegende Problem, ob Palästina nach den zionistischen Wünschen ein Iudenstaat oder ein binativnaler Staat mit nationaljüdi scher .Heimstätte werden soll. Tie Verhandlungen brachten die für internationale Zionistische Tagungen nachgerade charakreristische Weizuian.i Krise mit sich, die selbstverständlich) durch daS Verbleibe:! von Weizmann als Führer der zionistischen Bewegung gelöst wurde. Trotz aller Differenzen bei der Tagung über" politische Zweckmäßigkeitsfragen zeigte sich, daß die zionistische Bewegung aus den Ereignissen in Palästina herzlich wenig geleistet hat, und daß der nationaljüdische Geist der verschiedenen Richtungen sich nur in Nuancierungen, nicht aber grundsätzlich unterscheidet. .Hierfür kennzeichnend ist der Beschulst über hebräische Erziehungsarbeit im Galuth und die politische Resolution. Ter Beschluß über Erziehungsarbeit lautet: DaS A. C. begrüßt die Erklärung der Exekutive über die beabsichtigte Errichtung eines Departements für hebräische Erziehungsarbeit im Galuth und nimmt den Bericht der Exekutive über die Ausführung der betreffenden Beschlüsse des XVI. Kongresses zur Kenntnis. Tas A. E. spricht gleichzeitig die .Erwartung aus, daß das Departement als eine Zentralstelle für eine planmäßige, konstruktive hebräische Kulturarbeit im Galuth ausgebaut wird, und beauftragt die Exekutive, die Budgetierungs-Möglichkeiten für ein solches Departement zu prüfen und, falls möglich, ausfindig zu machen. Tie zionistischen Landes- und Sonoerverbände werden aufgefordert, ihre ernste Sorge der hebräischen Erziehungsarbeit zu widmen, die Bestrebungen der auf diesem Gebiete arbeitenden Institutionen zu fördern und sich um den Ausbau bzw. um die Schaffung von Institutionen zu bemühen, die sich die Pflege und die Verbreitung der hebräischen. Sprache und Kultur zur Ausgabe stellen. Tie politische Resolution besagt: Bezüglich des angekündigtcn Programmes der englischen Negierung erwartet das A. E., daß die englische Regierung, das von der Erekutisve der Jewish Agency gemäß Artikel 4 des Palästina-Mandates eingereichte Memorandum über die Entwicklung des Jüdischen Rationalheims in Erwägung ziehen und ein konstruktives Programm empfehlen wird, welches entsprechend dem Geist und dem Buchstaben des Mandates darauf gerichtet sein wird, die Errichtung des Indischen NationalheimS zu sichern und zu beschleunigen. DaS A. C. erklärt, daß die zionistische Organisation bereit ist, in vollem Umfange mit der Maudatarmacht bei der Ausarbeitung eines solchen Programms zusammenznarbeiicn. Zu den Beschlüssen der Mandatskommission und ihrer Tagung vom 3. bis 21. Juli 1939 erklärt das A. E., daß es in ihnen eine 'von internationales Stelle kommende moralische und rechtliche Bestätigung der Notwendigkeit einer aktiven „dynamischen" Betätigung der Mandatarmacht zur Entwicklung Palästinas erblicke, um entsprechend dem Artikel 2 des Mandates solche Bedingungen politischer, ökonomischer und administrativer Natur in Palästina zu schassen, die die Errichtung des jüdischen nationalen .Heimes sichern. Professor Eduard Meyer gestorben. Professor Eduard Meyer, der in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannte Geschichtsforscher, ist im Alter von 75 Jahren in Berlin verstorben. Im Rahmen seiner Forschungen aus dem Gebiete der Geschichte des Altertums hat sich Eduard Meyer, der chripliche Historiker, auch mit der Erforschung der Geschichte de-s alten Israel, der Entstehung des Judentums und der Beziehung zwischen Judentum und Christentum bei Entstehung dcs^ Christentums beschäftigt. Er verösfentiichte 1896 „Tie Entstehung des JudenUtmö", 1996 in Verbindung mit B. Luther „Tie Israeliten und ihre Rachbarstälnme'J in seinem großen Werte „Ursprung und Anfänge des Christentums" gab er eine Darstellung der Geschichte des alten Israel und beleuchtete namentlich die politischen und kütturellen Einflüsse alter Völker des vorderen Orients ans die Entwicklung Israels. In dem Judentum sah Meyer, wie die gesamte christliche Theologie, eine Vorstufe des Christentums, ohne dessen eigenem Wert immer gerecht zu werden. Er besuchte wiederholt Palästina und hielt 1927 eine Gastvorlesung an der Universität Jerusalem. Nach seiner Rückkehr nach Berlin i hielt er aus Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung j vor einem jüdischen Publikum einen Vortrag über das neue! Leben im alten Lande. Im allgemeinen stand er dem Wesen der Juden und des Judentums ablehnend gegenüber.! Der erste We.lksngrest der Schomre Schaöbos. Am Sonn- I tag. peil 24. Anguß, IO1- Uhr vormittags-, wurde in der | Singakademie zu Berlin der erste Weltkongreß des Verbandes der Schomre SAabbos eröffnet. Es hatten sich zu demselben mehrere hundert Telegiette uno Gäste ans ,ast alten Ländern oer Welt cingesunden. — Seminardozent Tr. Samuel Grünberg, der Präsident des Weltoerbandes -Schomre Schabbes, begrüßte die Führer oes religiösen Juden.:;--«», die Vertreter der Reichs-, Staats- und Skadtbeyördcn, die Vertreter der französischenn und der italienischen BalschaF, sowie mehrere Gesanotschasten auswärtiger Regierungen, die Vertreter der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Organisationen des Im und Auslandes und gedachte insbesondere der Jüdischen Gemeinde Berlin, die durch die Gewährung eines namhaften speziellen Kongreßbeitrages sich die Schomre Schabtos zu besonderem Tunt verpflichtete Präsident Tv. Grünberg entwickelte sodann Idee, Ziele und Organisation oes Schomre Schabtos, die darin wurzeln, die Juden, die in unserer Zeit noch den Sonnabend als Sabbat, als heiligen Ruhetag ausgestalten wollen, in ihren Bemühungen zu unterstützen. Herr Legatiousrat Professor Sobernheim lrrünschut im Namen der Reichsregierung und der Preußischen Staatsregierung dem Kongreß einen ersprießlichen Verlauf. Herr James Gowschmidt spricht im Namen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Rabbiner Tr. Meier Hildesheimer übermittelt die Grüße der israelitischen Sonagogengemeinoe Adaß Jisroel zu Berlin, des Preußischen Lanoesvrbandes gesetzestreuer Synagogen- Nachdenkliches;u den kommenden jüdischen Gemeindewahlen Gelegentlich der Aktions-Komitee Sitzung der zionistischen Organisation (vgl. auch Umschau ds. Bl.) fand in Berlin ein „Großes Meeting" statt. Tie bei diesem Meeting gehaltenen Reden illustrieren deutlich den Weg. den die Zionisten die deutschen Juden führen wollen. Der Führer der Jüdischen Volkspartei Dr. Alfred Klee erzählte nach dem Bericht der Jüdischen Rundschau von den Anfangszeiten des Zionismus' und meinte, daß die Errungenschaften dieser dreißig Jahre den unaufhaltsamen Fortschritt beweise. Wört- I lich heißt es rann in der Rundschau: „Ohne Schwierigkeiten kann der Aufbau einer neuen Heimat (!) nicht vor sich gehen, aber wir werden vor nichts zurückschrecken." Dieses „Vor-nichts-znrückschrecken" bezieht sich wohl allerdings mehr aus die nach Palästina Geführten als auf den in Berlin gebliebenen Führer. In diesem Zusammenhang machte Herr Dr. Klee, nach dem Bericht der Jüdischen Telegraphen-Agentur, auch folgende kuriose Feststellung: „Vor zwanzig Jahren gab es noch kein jüdisches Volk, nur einen Vortrupp: heute haben wir ein Volk, die Balsour-Deklaration, einen wertvollen Jischuw, die hebräische Universität." An bekannte nationale Phrasenyastigteit erinnert es auch, was die Jüdische Rundschau über einen andern der Redner berichtet. Es heißt: Rabbi Meir Berlin brachte in hebräischer Rede die Grüße des Jischuw. Er gedachte der 1 3 7 Toten, die als nationales Symbol ei u e g r o ß c a n - f e n e i r. b e K r a \ t f ü r u n s tz ab c n." Und schließlich glaubte Weizmann in einer Rede fcststellen zu rönnen, näch dem Bericht der Jüdischen Telegraphen- Agentur: „Man merkt heute keinen Unterschied mehr zwischen Zionisten uno Nichtzionisten." Wir hoffen, daß .Herr Weizmann bei den indischen Ge mcindewahlen am 39. November den Unterschied mellen wird. Wir hoffen, daß Herr Tr. Klee -ich dann dem Ausbau einer neuen Hcimat mehr als bisher in Paiästina wird widmen können und die Leitung der Gepchickc der Berliner Judenheil wieder in die .Hände derjenigen gelangt, die in Deutschland ihre Heimat gefunden haben. Und wir hoffen, daß es dann keiner Toten mehr bedürfen wird, „die als nationales Symbol eine große anfeuernde Kraft habe::". gemeinden und des Bundes gesetzcstrcuec jüdischer Gemeinden Deutschlands, Sitz Halberstadt. Rabbiner Tr. Unna-Mannheim bekennt sich namens des traditionell geschestrcuen Rabbinerverbandes, des Oberrates der Israeliten in Baden, des hessischen Gemeindeverbandes und anderer süddeutscher jüdischer Organisationen zu den Grundlagen und dem Arbeitsprogramm des Schomre 2chabl-es.-Berlbandes. Desgleichen Rabbiner Tr. Ansbachcr für den orthodoxen Rabbiner-Verband. Rabbiner Tr. Max Wiener-Berlin spricht namens des sozialen Ausschusses des allgemeinen deutschen Rabbineroerband es und für den liberalen Rabbinerverband, Herr Hertz namens der jüdischen Gemeindeverbände Bayerns und Württembergs uno der Kultusgcmeinde München, Alfred Levy namens des Gkrneindeverbandes von Schleswig-Holstein und der^Hansastädte. Rabbiner Meir-Berlin begrüßt in hebräischer Ansprache den Kongreß namens der zionistischen E.reeutioe, der zionistischen Föderation Misrachi und des Waad Leumi in Jerusalem, Jacob Roseuheim namens der AgudaS Weltorganisation. Herr Bannninger namens der Wiener Kultusgcineinde. Auchverschiedene außerdeutsche Vertreter nahmen das Wort. Ehiey Rabbi Tr. Hertzog ans Dublin (Irland) hält nunmehr sein Referat über „Ter Sabbath als heiligende Krach irr Israel". Er stellt ben Sabbat als Element per Lebensfreude dar und den Kampf um ihn als den Kampf der blutigen Menschheit um die letzten Reste ihres geistägnnoralischcli Teins. Darauf hielt Herr Tr. Paul Sulzberger. Vizepräsident der Schomre Schnbbos ein Referat über „Sabhat und Wirtschaft". Ter Redner kommt zu dem Resultat, daß «die ideale Lösung des Problems nur in Palästina gefunden werden kann. Tas Schlußwort hält Oberratbiner Tr. Josef Carlebach aus Altona. Er bezeichnet den Sabbat als das große „schaar hamisrach", durch das die Gesamtjudenheit den Weg zurückfindet zum Tempel des Judentmus, der von den Propheten gemeint ist als der Tempel der Menschheit. Rabbiner Tr. Rosenthal-Kölw und Rabbiner Tr. Levens:ein Zürich hielten Referate über die „Kalenderreform". Rabbiner Tr. Rosenthal rückt in den Mittelpunkt seiner Darlegungen die religiöse Bedeutung des stabilen Sabbat-Tages. Rabbiner Tr. Lewenstein verbreitet sich über die Einzelheiten der Kalenderreformfrage. Das Wesen der geplanten Reform besteht in der Schaffung eines Blrukozeitraumes mit dem Zweck, daß alljährlich der gleiche Wochentag auf das gleiche Datum fällt. Bis 1925 kristallisierten sich im wesentlichen fünf Vorschläge heraus: 1. Der 365. Tag als Blankotcig, 2. das Jahr zu 13 Monaten ä 26 Tagen mit Blankotag', 3. das Jahr zu 364 Tagen mit Schaltwoche nach jeweils mehreren Jahren. 4. Das Jahr zu 364 Tagen mit periodischen Shaltmonaten. 5. das Jahr zu 365 Tagen mit Ausgleich, zwischen den bisher verschieden lange!!. Monaten. 1928 kam von den Vereinigten Staaten eine mächtige Propaganda für das 13-Mouatssahr mit Blankotag. und heute bestehen zwei ernste Vorschläge: 12-Monatsjahr mit Btankotag und 13-Monatsiahr uns Blankotag. In der Svätabendsitzung referierte Stadtrat Koreiir-Budaprst über „Sonntagsruhe, Kirchen- oder Sozialpolitik". In der Vormittagssitzung vom 25. August erstattete Rabbiner Dr. Ans-bacher (Wiesbadens sein Referat über „Sabbat- Idee und Zeitgeist", in dein er eine ideologische Grundlegung der Sabbat-Bewegung und des Sabbat-Gedankens in dieser Zeit zn gebe:: versuchte. Anschließend referierte Rev. Tw. Bernhard Drachman (New Bor!) über „Die Fünf-Tage- Arbeitswoche als Lösung des Sabbat-Probleins". Der Referent aing Von der These aus. daß geringe Erfolgsaussichten für die Lösung des Sabbat-Problems bestehen, solange dieses lediglich als interne jndst'che Angelegenheit betrachtet wird. Tr. :ned. Henry Keller (New Borkst sprach dann über „Tie medizinische Bedeutung der Fünf-Tage-Arbeitswoche". E. E. Ascher (Amsterdam) berichtete über die Bewegung iir Holland, die dort bereits seit 35 Jahren besteht. Auch die Forderung nach der Fünf Tage Woche ist in Holland nicht unbekannt. Der Verband der Diamantenarbeiter hat - _ nach anfänglicher Gegnerschaft - aus Betreiben seiner jüdischen Mitglieder bereits die Fünf Tage Arbeitswoche zu seiner Forderung erhoben. Am Montag nachmittag fand eine Sitzung statt, bei der! Herr Jakob Rosenhein über die Arbeit des Reichsverbandes Im Kampf gegen die Hitlerianer keine Zerplitterung Alle Stimmen nur der Sozialdemokratische Partei Deutschlands