Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 36 (3.9.1930)
- Date
- 1930-09-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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für Stellenvermittlung referierte. Danach wurde die Tiskussion über die Durchführung der Fünf-Tage-Arbeitswoche fortgesetzt. In der Vornnttagsjitzung des dritten Konferenz tag es referiert E. A. Genachowsky, Antwerpen, über „Sabbath und Jugend". Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer berichtet über die Lage der Ju-enheit Südafrikas im allgemeinen und die Situation des Sabbathproblems im besonderen. Nach verschiedenen Ansprachen werden die Berichte von der Arbeit der sozial-pädagogischen Kommission und der Finanz- und Wirtschafts-Kommission gegeben und verschiedene Resolutionen angenommen, auf die wir noch zurückkommen werden. Das Präsidium wird gewählt, dessen Vorsitzender Dozent Tr. Samuel Grünberg ist. Ferner wird eine Permanenzkommission, eine Finanz- und eine wirtschaftspolitische Kommission gebildet. Nach der 2. Weltkonferenz Vestnnltches und Kritisches. Bon Dr. S. Samuel (Essen). Wir veröffentlichen den nachstehenden Artikel, ohne uns seinen Inhalt zu eigen zu machen. Wir bemerken insbesondere, daß die Schlußausführungen im Gegensatz zu der Auffassung des Präsidiums des Liberalen Weltverbandcs stehen. Die Red. Beginnen wir mit dem Bekenntnis, daß auch diesmal die Wallfahrt nach London ein wahres Hochgefühl in uns ausgelöst, unser Vertrauen in die Zukunft des Judentums gestärkt, unfern liberalen Standort unterbaut und gefestigt hat. Zu dieser Wirkung haben mehr.selbst, als . die wohlgesetzten oder die temperamentvollen, aus. den Debatten erwachsenen Reden von der ersten klugen unseres Präsidenten Claude Mont es iore bis zu der prophetisch-inspirierten von Dr. Leo Baeck, die ans 2 Weltteilen zusammengeströmten Menschen beigetragen. In ihnen allen trat ein hochgespannter Witte, eine ans gespeicherte Eltergie zutage, das Letzte und Tiefste des Judentums: seinen objektiven Gottesglauben und seine seelische Verbundenheit mit Gott im Gebet und im Lebensdienst gegenüber allen gegnerischen Strömungen oder schicksalhaften Erlebnissen zn sichern. Sie alle beherrschte das große Verantwortungsgefühl, in der gewonnenen Freiheit gegenüber der Tradition doch die Gemeinschaftsziele der Religion und des Judentums nicht aus den Augen zu verlieren, sondern sie klarer ins Licht zu setzen und sich als positive Mitarbeiter für sie zu bewahren. Die Wege, die hier einzuschlagen sind, können nicht überall die gleichen sein. Gerade unsere Weltkonferenzen beleuchhen grell die Unterschiede in der geistigen, politischen und sozialen Haltung unserer Glaubensbrüder in den weiten Grenzen des Erdballs. Hier setzt die Arbeit des Einzelnen ein, und sie entscheidet erst darüber, ob und wie die Ideen der großen Aussprache fruchtbar gemacht werden können. Und sie sollte nicht aufgeschoben werden, selbst in unseren deutschen Gemeinden nicht, wie mißlich hier auch die Nöte des Tages sein mögen. Die Aufregungen des Wahlkampfes dieses Sommers werden vorübergehen, gewisse religiöse Entscheidungen werden folgen. Da die Ferienzeit gerade an Kur- und Badeorten Juden aller Richtungen zusammenführte, begannen wir an dem von uns gewählten, nicht unbedeutenden, westdeutschen Kurplatz, der stark von Holländern und Engländern, aber auch von Glaubensgenossen östlicher .Herkunft besucht wird, unsere Beobachtungen und führten absichtlich einen lebhafteren Meinungsaustausch herbei. Noch erfüllt von den Londoner Eindrücken, war hier vieles geeignet, uns zu ernüchtern, mindestens den weiten Abstand zu offenbaren, der uns noch von einer Verständigung mit soviel extrem anders Gerichteten trennt. Die Rede kam auf das Gebet. Meine Partner waren, genau wie ihre Vorfahren vor 150 Jahren, fest davon durchdrungen, daß jede Abweichung von der Gebetsordnung Esras, des Sofar ein unerhörtes Verbrechen sei. Die mildeste Ansicht ging dahin, daß einmal hier und dort eine klein gedruckte Zeile nicht mitgebetet werden müsse: sie aber „zu streichen", sei ein Sakrileg. Wir wissen, daß Gelehrte dieser Richtung darüber anders denken und sich auch (lvie z. B. Abr. Berliner) offen darüber ausgesprochen haben; praktische Bedeutung hat ihre Ansicht nicht erlangt. Sogar für das Gebet um die Wohlfahrt des (seit 900 Jahren nicht mehr Vorhand eneitt Exilsfürsten von Babel wurde eine Lanze eingelegt, und das Wort von der sancta simplicitas kam uns mehr als einmal in den Sinn. Ernster zu nehmen war die Behauptung eines wohlunterrichteten Holländers, daß die Ausschaltung der Opfergebete ein Vergehen gegen die Thora selber sei, weil diese die Opfer als „elvige Satzung" eingesetzt, und gegen die Propheten, die ihre Wiedereinführung mit klaren Worten verkündet hätten. Alle liberalen Gtt>etbücher seien allein aus diesem Grunde zü verwerfen, daß sie die einstige Erneuerung des Tempelkultus ansschalteten. Der Hmtneis darauf, daß das neue deutsche Einheitsgebetbuch das Erbarmen Gottes üder „sein Heiligtum^ erbitte, das einst ein Bethaus genannt werden solle für alle Völker, wurde als unstatthafte Vergeistigung zurückgewiesen; die Opfer, auch die Tieropfer, wurden zurückverlangt. Wir waren unversehens in einen Streit um den Glauben geraten; denn beweisen konnte niemand seine These. Unsere liberale Darlegung, das Gebet sei an die Stelle der Opfer getreten und werde diesen Rang in aller Zukunft behalten, wurde dogmatisch dahin umgebogen, daß erst das Gebet von den Opfern als vollgiltiger Ersatz der Darbringung anzusehen fei, weil eine Anzahl von religiösen Vergehen und Verfehlungen allein durch bestimmte Opfer gesühnt werden könne (ein uralter, wenngleich nickt einleuchtender Gesichtspunkt). Es half nichts, auf die Milderung der Sitten hinzuweifen, die das Töten von Tieren an heiliger Stätte nicht mehr dulden würde; den prophetischen Eiferworten gegen das üppige, aber innerlich gottlose Opferwesen wurden Motte der Anerkennnng und der Aneiferung entgegengehalten; — es blieb eine Sache der Gläubigkeit. Und hier zeigte sich der grundsätzliche Abstand: mein Amsterdamer Gegner nannte meinen Glauben Unglauben, weil er nicht gegen den Schein und gegen, die Einwürfe der Vernunft ftandlnelte. Ich ließ feiner treuen Gläubigkeit volle Gerechtigkeit rviderfahren und suchte sie nicht etwa zu erschüttern. Aber sie schien mir nicht fern zu sein von dem Motte: credo, quia absurdum. Wenn sich viele unserer Liberalen, nicht erst einer modernen „strengeren" Richtung zuliebe, sondern aus tiefstem Herzensdrang, ans Erziehung und Erfahrung heraus, in den Fragen der Sabbatheiligung, oder der Speisegesetze, oder üer Ehevorschriften. stärker zur Tradition hingezogm fühlen, und ihr auch im Leben, ohne ihre törichten Uebettreibungen und Überspitzungen mitzumachen, Rechnung tragen, so werden sie damit auf der Gegenseite grundsätzlich nicht die geringste Anerkennung finden. Es tönt ihnen dott immer die gleiche Forderung ttsttgegen: Alles oder nichts. Grundsätzlich fragte inan auch uns immer wieder: ja; aber wo rst die Grenze? Auch das Wort von dem kleinsten, losen Sternchen, das den stärksten Bau lockern könne, fehlte nicht, und am Ende der Ueberlegung, daß einmal ein ganzes Gehege von Zaunvorschttften fallen könnte, stand die entsetzte Frage: was bleibt dann noch vom Judentum übrig?! Und doch ist dies nur grundsätzlich so. Unter den Strengfrommen begegneten uns auch solche, die persönlich unser Streben nach einem andern Schwerpunkt im Judentum begriffen, vielleicht sogar billigten, sich selbst aber nicht berufen fühlten, einen gleichen Weg zu gehen. Die innere Anerkennung, die einzelne auch offen zum Ausdruck brachten, beruhte vielleicht auf einem religiösen Maßhalten, dessen ckir uns befleißigten. Wollen wrr Bettrauen bssi den religiösen Gegnern gewinnen, so können wir es nicht, wenn wir gegen den Sabbat gleichgültig, gegen die Speisegesetze interesselos sind, öder jüdische Trauertage zu Freudentagen nmstempeln. Wir dürfen getrost die edlen, schönen Formen des Judentums, wie Heinr. Stern treffend ausführte, um der Form willen üben, sofern sie noch heute (wie so manche Weihezeremonien) den erhabenen Gehalt der Idee zu verkörpern vermögen. Ich gestehe es, daß ich diese Fühlung mit den Gegnern nicht verlieren möchte, und lieber freiwilliger, harmloser Bindung mich unterziehe, um chm das Heraustreten ans seiner Isolierung, die Ueberw'indnng seines Fremdgefühls und Andersseins zu erleichtern. Ein wichtiges Aktivum der Konferenz war der Beschluß in der E h e r ech t ss ra g e. Wir haben es hier mit einer Resolution von glücklicher Formulierung und unangreifbarer Folgerichtigkeit zu tun, die in alle Sprachen, vor allem auch in die hebräische übertragen und überallhin bis nach Osteuropa und dem Orient verbreitet werden sollte. Sie wird ihre Wirkung aber nur ausüben, wenn 'sie nicht bloßer, ideologischer Grundsatz bleibt. Fettig zur Anwendung ist sie nur inbetreff der Schwagerehe(Chaliza); weiteres muß mit der gleichen Entschiedenheit folgen, zunächst in bestimmten Vorschlägen, die wissenschaftlich begründet, zu einer neuen Rechtslage führen werden. Dagegen könnten wir nicht erwarten, daß die Forderung Claude Montesiores nach einer Art von N eu - C h a ss idi s m ns draußen auf Verständnis stoßen sollte. Der „Israelit" insbesondere nimmt das Wort zum Anlaß einer heftigen Polemik, in deren Verlauf er von einer Verfälschung der Wirklichkeit redet, weil weder der ältere, noch der neuere Chassidismus jemals liberal in Ansehung der Tradition geweseit sei. Da der Verfasser aber auch Gelehrte, wie S. A. Horodetzki und Mart. Bub er, der gleichen „Verfälschung" zeiht, so sielst man deutlich, wohin er zielt; ec will vergessen machen, daß das Positive und Charakteristische am Chassidismus immerhin seine Verinnerlichung und stärkere Unmittelbarkeit gewesen ist. Es ist klar, das; Montesiore auf diese zielte und keinem Mistizismus das Wort reden wollte. Wie dem auch sei, man wird auch heute noch darüber streiten, ob gerade der Chassidismus den Weg ins Freie Lahnen könnte, da er an die Stelle einer gesetzmäßigen Autorität eine dynastisch-vererbbare Bevormundung durch sogenannte Gerechte oder Heilige setzte, also sozusagen vom studierten Mediziner zum Wunderdoktor abwanderte. Auf diesem Wege werden wir ihm nicht folgen. Nicht als Ketzerei wird man es hoffentlich in diesen Blättern empfinden, wenn wir endlich die Entscheidung der Konferenz in dem Rededuell Iss ermann ustd Sch ul - man behufs Zulassung oder Nichtzulassung von Diskussionen über die zionistische Frage für keine endgültige halten. Es bedurfte für diese unsere Ansicht nicht der fulminanten 'Predigt von Dr. Ziegler in Karlsbad gegen unfern Beschluß; aber wir sehen in den sehr beachtlichen Darlegungen von Dr. Wiener (Jüd. Rundschau Nr. 66 vom 22. 8. 30) eine Bestätigung unserer eignen Meinung. Die erfolgte Abstimmung besagt garnichts über die Frage, ob zionistische und liberal-religiöse Gedankengänge vereinbar seien oder nicht? Die Tatsache, daß es hervorragende, jüdische Menschen gibt, die beiden Richtungen ohne inneren Widerspruch huldigen, beweist ja die Vereinbarkeit. Der Beschluß, Diskussionen über Zion und jüdischen Nationalismus auch ferner auszuschließen, ist aber insoweit ein Wetturteil, als diese Fragen nicht als fundamental oder richtunggebend für den liberal-religiösen Juden angesehen werden, um die er sich also mühen und zur Klarheit kommen müsse. Wenn die gleichen Fragen andern, und zwar Hunderttausenden von Juden durchaus als fundamental und richtunggebend erscheinen, darf dann eine sachlich-gründliche Erörterung (wohl gemerkt, eine Erörterung, ohne Resolutionen oder bindende Beschlüsse) in alle Ewigkeit von unfern Tagungen verbannt sein? Sollte die Weltunion zu dieser harten Praxis gelangen, dann wird sie sich den ohnehin schwierigen Weg zu den Massen des Ostens gänzlich verlegen und bald in einer splendid isolation angebracht sein. — Nein, Dr. Wiener hat'Recht darin, mit dem Feldgeschrei „Wir sind ein Volk" hier, und „wir sind eine religiöse Gemeinschaft" dott, kommen wir nicht mehr aus. Jeder fühlt, daß man dem Judentum mit diesen beiden Gegensätzen nicht vollkommen gerecht wird. Wir sind jedenfalls in bestimmtem Sinne ein Volk, nämlich ein Religionsvolk, und wollten wir zählen, wie oft wir uns in unfern neuen, liberalen Gebetbüchern ein „Volk" nennen, es käme eine erkleckliche Ziffer heraus. Edmond Fl e g nannte uns sogar eine „Familie", und wenn deutsche Klassiker das verfemte Wort Nation auf uns anwandten, so bleiben sie dennoch Klassiker. Was wir ablehnen ist, baß man üntz weltlich-völkische UÜberheblichkeit und gefährlichen Nationaldünkel mit seinen Aspirationen einimpfe; aber davon wenden sich moderne Nationaljuden ebenso ab, wie sie sich den religiösen Gütern nähern, die uns Liberalen das Judentum so verehrungswürdig machen. Ist es taktisch klug, die eigne Plattform so zu verengen, daß liberale Zionisten bei uns nicht über Gegenstände zu Worte kommen können, die ihnen am Herzen liegen, und sich damit in andere Vereinigungen abgedrängt sehen, wo ihr Liberalismus sich nicht entfalten kann? Wäre es nicht wahrhaft liberal, alle uns nahestehenden Ziostisten (es gibt ja auch orthodoxe) besonders willkommen zu heißen? Was sie zu Zionisten macht, ist ihr Streben, den Juden in seiner Ganzheit und aus jedem Lager.und Lande mit allen seinen Nöten und Gegebenheiten zu erfassen — und das kann ihn uns nicht entfremden. Hüten wir uns, die Religion zu einem Sondergebiet der Seele und einem Erlebnis für einige Feierstunden zu machen. Es könnte, nicht ausbleiben, daß wir ihr damit alle Eigenkraft entzögen, die ihr aus ihrer tiefen Sonderart als Judentum auf den Weg gegcken ist. Liberales Judentum sollte allen Juden offenst eh en, die an die fortschreitende Kraft seiner Ideen ebenso poie an den Wandel und 'Emporstieg seiner Menschen glauben, er sei polnischer Chassid oder palästinensischer Chaluz. — Wir vertrauen den Gedanken der Konferenz von 1930; aber wir sehen dennoch reicheren und umfassenderen eintt künftigen entgegen. Aus der Ili-Arbeit Breslau. (Jli-Hauptgruppe.) Am 13. August sprach in einem Heimabend „Gedanken zum Verfassungstag" als erster Referent Kurt Haase. Er gab einen Ueberblick über die Entstehung der Weimarer Verfassung und hob ihre Bedeutung durch einen Vergleich zur alten Verfassung hervor. Dabei zeigte er den großen Fortschritt, den bei einer Gesamtbetrachtung die neue Verfassung darstellt. Danach, behandelte Hans M. Danziger die Bedeutung des Parlamentarismus und wies besonders darauf hin, daß gerade in der heutigen Zeit die Parlamente aller Länder schwierige nationale und internationale Aufgaben zu lösen hätten, und daß jeder einzelne bemüht sein sollte, sich uns Grund seiner staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Die Aussprache beschäftigte sich u. a. mit den wichtigsten Argumenten, die von Gegnern der Verfassung erhoben werden. Am 27. August fand im Rahmen eines gemütlichen Abends eine Zeitungsschau statt, in der Franz Meidner aktuelle Fragen aus jüdischen und Tageszeitungen zur Debatte stellte. — Die Arbeitsgemeinschaft: „Die Inden in ihrer Umwelt" beschäftigte sich am 18. August mit dem Problem' der jüdischen Schule. Am 25. August, dem letzten Abend der Arbeitsgemeinschaft, erörterte man die verschiedeneu Möglichkeiten in der Haltung des Juden zur Tagespolitik. Sodann warf man abschließend einen Rückblick auf den Verlauf der Arbeitsgemeinschaft und knüpfte daran noch einige kritische Betrachtungen. Frankfurt a. M. (Heimabend.) Aus Anlaß des Todes Rudolf Sündermanns, mit dem uns ein ehemals eifriges Mitglied in jungen Jahren entrissen wurde, veranstalteten wir am letzten Dienstag im Rahmen unseres Heimabends eine schlichte Gedenkfeier für diesen, unseren Freund, zu der wir auch Angehörige Sündermanns geladen hatteir. Die harmonisch verlaufene Stunde ward umrahmt von Schallplattenmnsik und mehreren gut vorgetragenen Gedichten über den Tod in der Jugend. In der Gedenkrede führte Herr .Hochheimer aus, wie tief es uns ergriffen hak, daß ans unseren Reihen, aus den Reihen der Jugend ein junger Mensch hinweggerafft worden ist. Er führte aus, wie sehr sich Sündermann zur Zeit, als er noch bei voller Gesundheit Vorstandsmitglied der hiesigen Ortsgruppe war, für die liberale Jugendbewegung eingesetzt halte, und wie er es verstanden hatte, im Jli-Kreise sich treue Freunde und Freundschaf! zu erringen. Wie stets in Fällen tragischer Ereignisse, drängte sich auch uns die ewige Frage nach dem Schicksal, nach dem „Warum" und damit nach dem göttlichen Willen auf. So benutzten wir im Anschluß an diese Feier den vor einiger Zeit von Herrn Rabbiner Dm Gottschalk veröffentlichten Artikel: „Vom persönlichen Gott" als Unterlage zu einer ebenso lebhaften wie interessanren Diskussion. Es sind Fragen nach den letzten tiefsten Dingen, Fragen nach chem Sinn der Welt und damit auch nach dem Wert der Religion und Religiosität, Fragen, die immer wieder aufgeworfen werden und deren letzte Beantwortung nicht mehr im Wissen, sondern nur noch' im Empfinden liegt. Wohl sind die Erscheinungen der Natur so vollkommen im Kleinsten und Größten, daß sic nicht ohne einen waltenden und schaffenden Geist denkbar ist, und doch — der Glaube au einen Gott, an die Allmacht ist nicht mit dem Verstand zu erfassen, Religion überwältigt 'den Menschen. Wie uns ein Kunstwerk, Musik und Theater überwältigen, wenn sie wahrhaft künstlerisch, das heißt aber göttlich sind, so erhebt uns auch — und noch viel unmittelbarer — die Natur und läßt uns in Erkeirntnis unserer Kleinheit! und unserer Nichtigkeit vor der göttlichen Allmacht beben und zugleich dankbar sein. Wer so die Religion empfindet, der erkennt auch die Nichtigkeit der .Fragen üach dem „Warum", der wird nie, auch in tiefster Not nicht, an seinem Gott verzweifeln. Nicht ein persönlicher Gott, kein Dogma, sondern die eindringliche Sprache der Natur, der Harmonie der göttlichen Allmacht ist es, die den primitivsten Menschen wie die größten Geister Religion empfinden lehrt. Arthur Ästhcimer. * Das Jli-Programm * Berlin- Sonntag, den 7. September: Fahrt nach dem Fahrlander See gemeinsam mit der Jüd. Kameradschaft. Führung: Manfred Schwarz. Treffen 9 Uhr Bhf. Börse, Noroausgang (Am Zwirngrabens. Wer später zilfteigt, aber doch Fahrpreisermäßigung haben will, muß sich vorher bei Manfred Schwarz, Jagowftraße 43. anmelden. (Zug ab Börse 9.34 Uhr, ab Charlottenburg 9.50 Uhr, an Wannsee 10.08 Uhr.s Aelterengruppe. Heimabend Mittwoch, den 10. September, 8.15 Uhr, bei Manfred Schwarz. Thema: Ueber das Gesetz. Pankow-Osten. Dienstag, den 9. September, bei Ilse Cohn, Schönhauser Allee 132. Thema: Wassermann, Mein Weg als Deutscher und Jude. Oliva und Reu-Charlotteaburg. Donnerstag, den 4. September» abends 8 Uhr, bei Hildegard- Bach, Schöneberg, Kufsteiner Straße 13. Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 10. September, 20.15 Uhr, Jugendheim: Bortrag von Erich Vulkan: „Reichstagswahlen und Abwehrfrage." _ Jüngeren-Gruppe: Dienstag, den 9. September, 16.30 Uhr, Jugendheim: Gemütlicher Heimnachmittag. — Gemeinsame Ber.- anstaltung beider Gruppen: Sonntag, den 7. September: Treffen mit dem Liegnitzer Jli in Maftfch (Wanderung nach Leubuss. Treffpunkt!: 7 Uhr Haupteingang des Hauptbahnhofs. (Sonntagsfahrkarte nach Maltfch selbst lösen.) Fraukfutt <l M. Menstag, dev 9. September, Abschiedsfeier für Herrn Rabbiner Dr. Evttschalk. Voraussichtlich am Samstag, den 13. September, findet ei« gemeinsames Abschiedsfest mit dem Haüptsynagogenoerein anläßlich des Wegzugs von Rabbiner Dr. Eottschalk statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Liegnih. Treffahrt mit dem Breslauer IN! Sonntag, den 7. September» gemeinsame Fahrt bis Malisch. Dort Zusammentressen mit de» Breslauern und Wanderung nach Leubus. Anmeldung und Auskunft bis zum 5. September bei Lotte Schmucklrr. Magdeburg. Am Sowntag, 7. September, 11.30 Uhr, findet in den Raume» der Mendelsfohnloge eine „Religiöse Weihestunde", veranstaltet vo» der Jugendgrmeinschast der Reformgemeinde Berlin, statt. Ratibor. Besonderer Umstünde halber findet unser 1. Vortragsabend nicht, wie bereits angelündigt würbe, am Mittwoch, den 3.. sondern am Mittwoch, den 10. September» statt. An diesem Abend, zu dem «ur ordentliche Mitglieder geladen werden, spricht F. Pick über: „Win Jude« und die politischen Parteien."