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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-08-27 · 35 (27.8.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
35 (27.8.1930)
Date
1930-08-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. Jahrgang Nummer 35 MMÄemleAibU Beilage 27. August 1930 Moritz Türk zum Gedöchknis (Zum 27. Auzust 1930.) Von Dr. M. Spanier, Berlin. In den letzten Jahren seines Lebens äußerte Moritz Türk im Freundeskreise wohl einmal, — wenn etwa jeder Abend der Woche für Sitzungen beansprucht wurde: „Was soll all unser Mühen? Was bleibt davon? Nach einigen Jahren weiß man nicht einmal mehr unsern Namen!" In diesem Zusammenhänge sprach er dann wohl auch von seiner Neigung zu wissenschaftlicher Betätigung. Sicher hätte der klug blickende, klar urteilende Mann besonders auf historischem Gebiete Tüchtiges leisten können. Aber seine kraftvollelebensprühende Art drängte doch zu sehr nach der unmittelbaren Betätigung eines die Gegenwart mitgestaltenden Willens, als daß ihm eine stille Forschertätigkeit auf die Dauer hätte Befriedigung gewähren können. Er wäre seiner Begabung nach befähigt gewesen, im öffentlichen politischen Leben — Dr. Kollenscher hat mit Recht am Sarge Türks diese Meinung geäußert — in bedeutender Weise zu wirken, aber er widmete seine ganze Kraft der jüdischen Gemeinde. Wie sehr er hier vermißt wird, nicht nur von seinen Parteifreunden, sondern auch von seinen Gegnern, von denen einer das schöne Wort sprach: „Auch wenn wir ihn bekämpften, war immer eine versteckte Liebe dabei!" — das hat dieses eine Jahr gelehrt. Wie oft ist, unausgesprochen in wehmütiger Scheu, der Gedanke in die Herzen gekommen: Ach, wenn doch Türk da wäre! Wie gern hörte man den Klang der machtvollen Stimme, die klare, schlichte, gedankenvolle Rede und freute sich des jugendlichen Feuers seines Temperaments, das so leuchtend aus seinen dunklen Augen strahlte. Besonders aus dem Gebiete des Schulwesens fehlt uns seine einflußausübende Autorität. Seinen altliberalen politischen Ueberzeugungen nach war er kein Freund konfessioneller Schulen. Aber er fand sich mit den Gegebenheiten ab, und besonders widmete er sein förderndes Interesse den auf eine langjährige Entwicklung zurückblickenden Mittelschulen der Gemeinde. - _ Er war kein Parteipapst. Es flog wohl wie ein Schatten über seine Augen, wenn man in einer Angelegenheit, die er für politisch hielt, anders stimmte als er. Aber er achtete zu sehr das Recht der freien Persönlichkeit, als daß seine freundschaftliche Gesinnung auch nur im geringsten unter dieser Dissonanz gelitten hätte. Und mit welcher Achtung sprach er von seinen Gegnern! Es war eine Freude, ihm zuzuhören, wenn er bei den einen die Kunst der agitatorischen, die Gemüter entflammenden Rede, bei dem andern die vorbildliche Schlagfertigkeit und Orientiertheit aus genauer Aktenkenntnis rühmte. Im persönlichen Umgang wirkte seine bescheidene, heitere Art bezaubernd. Jene falsche Bescheidenheit, unter deren dünnem Firnis Eitelkeit und Arroganz des „Gewählten" für jeden Sehenden erkennbar wird, war ihm nicht eigen. Solcher Bescheidenheit zieht man ein derbes Parneßtum vor, weil es naturgewachsen und oft von grotesker Komik ist. Nein, er kannte die Grenzen seiner Kraft und seiner Bedeutung, er schätzte sich und andere nach dem individuellen und allgemeinen Werte ab und ließ sich nicht durch Aeußerlichkeiten blenden. Nur hatte man das Gefühl, daß er sich selbst der strengste Richter war. Als ich zu seinem siebzigsten Geburtstage, heiter gestimmt durch die Freude an der Eigenart der kraftvollen und liebenswerten Persönlichkeit, ihn in diesen Blättern charakterisierte, schrieb ec mir u. — — — „Wenn ich die Ansprachen abgelehnt habe, so geschah es auch aus einem unausgesprochenen Grunde: ich leide an einer fast krankhaften Sensibilität, die immer dann zum Ausbruch kommt, wenn sie am wenigsten am Platze ist. Wohlgetan hat mir, daß ein leiser Humor durch Ihre Ausführungen hindurchzieht und daß es auch an einigen freundschaftlichen Seitenhieben nicht fehlt. Was Sie von mir sagen und wie Sie mich sehen, das ist für Sie nicht weniger charakteristisch als für mich.-" Nicht lange danach, als er auf seinem Schmerzenslager schlimme Stunden verbrachte, suchte ich ihn durch einen Brief aufzucheitern. Rührend dankbar, wie er immer war, diktierte er eine freundliche Antwort, ließ es sich nicht nehmen, seinen Namen zu unterschreiben, und fügte in kaum lesbarer Schrift eine Zeile hinzu, die an jenen Artikel erinnerte: Wo ist das „energiegestraffte Schreiten" geblieben? Ich bin hier ein hilfloser Greis! Wer seine klare, feste Handschrift, Abbild seiner Art, kannte, mußte erschüttert sein beim Anblick dieser kraftlosen, verworrenen, fiebrigen Schriftzüge, und unwillkürlich bangte man dem Schlimmsten entgegen. Nun birZt ihn schon seit Jahresfrist das Grab. Aber er soll sich doch geirrt haben, wenn er gemeint hat, sein Name sei bald vergessen. In uns allen, die wir ihn kannten und verehrten, lebt sein Gedenken fort, und der Segen, den er gestiftet, indem er in hingckender Treue für die Gemeinde gewirkt hat, verbürgt seines Namens Dauer. Lucien Wolf ~~1 Am Sonnabend, den 23. August, abends, ist Herr Lucien Wols im Alter von 73 Jahren in London verstorben. Lucien Wolfs Name war überall, wo Juden leben, bekannt, er hatte aber auch in der internationalen politischen Welt einen guten Klang. Lucien Wols wurde 1857 in London geboren. Schon sehr früh widmete er sich der jüdischen Publizistik und jüdischen geschichtlichen Studien. Er erwarb sich auf diesen Gebieten einen geachteten Namen. Später wandte er sich der aktiven Politik im Dienste der jüdischen Interessen zu und wurde ein leidenschaftlicher Kämpfer für jüdische Gleichberechtigung in allen Ländern. Auf diesem Gebiete waren ihm mannigfache schöne Erfolge beschieden. Er verstand es, als englischer Jude und als Vertreter der autoritativen jüdischen Körperschaften Englands, den Einfluß der englischen Großmacht auf * die internationale Welt zur Erreichung gleicher Rechte für Juden in osteuropäischen Ländern und im' Orient sowie zum Schutze angegriffener jüdischer Rechte, Ehre und Interessen auszunutzen. Im Namen des Joint Foreign Committee os British Jews, welches als das Organ des Jewish Board der Auglo-Jcwish Association und des Jewish Board of Teputies sich zur Aufgabe gesetzt hat, über jüdische Gteichberechtigung und jüdische Ehre und Interessen in allm Ländern außerhalb Englands zu Wachen, trat Lucien Woif mit den Regierungen jener Länder in Verbindung, in denen die Juden keine oder nur geminderte Staatsbürgerrechte genossen oder deren Gleichberechtigung angegriffen war, oder wo Juden Angriffen seitens einer aufgehetzten Masse ausgesetzt waren und nicht genügenden Schutz von dm Behörden erhielten^ Seit Bestehen des Völkerbundes hat Herr Lucien Wolf das Schwergewicht seiner Tätigkeit nach Gens verlegt. Er oertrat die Anglo-Jewish Association auf der Versailler Konferenz im Jahre 1919 und setzte sich als der Vorsitzende des Komitees der Jüdischen Delegationen mit teilweise gutem Erfolg, für die Erreichung.jüdischer Minderheitenrechte in Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Litauen, Lettland, Estlarid und Griechenland ein. In der späteren Zeit freilich nahm er in der Frage der Wahrung dieser Minderheitenrechte einen viel gemäßigteren Standpunkt ein als die ostjüdischen Vertreter im Komitee der Delegationen, und in pen Fragen des Schutzes der jüdischen Minderheitenrechte in Polen trat er vor wenigm Jahren sogar in einen Gegensatz zu dem Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren und war deshalb in der jüdischen Öffentlichkeit Polens scharfen Angriffen ausgesetzt. Tie von Lucien Wolf im Namen des Joint Foreign Committee dem Jewish Board of Teputies und der Anglo-Jewish Association regelmäßig vorgelegten Berichte über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern gaben einen Einblick in die unermüdliche Tätigkeit dieses Mannes im Dienste des Judentums. Erst vor wenigen Tagen übergab er der Jta seine Korrespondenzen mit der rumänischen Regierung in der Angelegenheit der letzten Judenverfolgungen in Rumänien zur Veröffentlichung. Von 1874 bis 1893 war er Redakteur der Zeitung „Jewish World". 1885 veröffentlichte er eine großangetegte Monographie über Moses Montefiore, zusammen mit Josef Jacob verfaßte er eine Biographie der Geschichte der Juden in England. Er schrieb ferner ein Buch über Manasse bm Israel. Er war Mitarbeiter der Encyctopaedia Britannisca und Mitbegründer und Präsident der Indischen Historischen Gesellschaft. Nachdenkliches zu den kommenden jüdischen Gememdewahlen Die R e l i g i o n s gemeinoen sollen zu V o l f s gemeinden umgewandelt werden. Die Kanzeln, ehemals heilige Stätten, von denen die Antwort der Religion aus alle Fragen unseres vielfältigen Lebens ausgehen sollte, werden Stätten politischer Agitation und des Parteisangs. Darum können wir nicht staunen oder verwundert sein, wenn Herr Tr. Kollenscher, Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, bei dec Einführung eines nach Berlin berufenen Rabbiners u. a. folgendes ausführte: „Mit der starken inneren Einheit der Gemeinde wirs die allgemeine jüdische Solidarität wachsen. Vor Ihnen, der Sie die Verbindung mit unsern Brüdern aus anderen Ländern in sich tragen, dürfen wir erwarten, daß sie alle Gegensätze, die leider durchs äusere Umstände, durch äußerjüdische Entwicklungen veranlaßt, immer noch vorhanden sind, Überdrücken und unterdrücken werden. Nur dadurch kann es möglich werden, daß unsere Gemeinde sich als ein Glied der gesamten Judenheit fühlt, mitverantwortlich für jedes jüdische Schicksal und mittätiq an den großen und größten Aufgaben, zu denen unsere Generation berufen ist:: zum Ausbau unseres Voltes und unseres Landes." Wir müssen dazu nur feststelten. daß es immerhin neu ist und traurig i ntecessant, daß die wesentlichste Arbeit eines Rabbiners darin gesehen wird, die Juden reif zu den großen und größten Aufgaben der Judenheit zu machen, zu Aufgaben, die nach der Ansicht eines führenden Gemeindezionisten dein Aufbau unseres Voltes und unseres Landes geilen. Wobei unter „unserm Voll" nicht etwa das deutsche, und unter „unserm Land" nicht etwa Deutschland verstanden wird, sondern ein imaginäres jüdisches Volk und ein noch imaginäreres jüdisches Land. Dann dürfen wir aber auch nicht darüber staunen oder verwundert sein, wenn ein Kanzclredner an dem höchsten jüdischen Feiertag, der die Menschen zum Frieden und zur Versöhnung vorbereiten soll, von der Kanzel deü größten Teil der deutschen Judenheit beschimpft, weil er offen und eindeutig die Kluft gesprengt hat, der ihn von den Angehörigen eines jüdischen Volkes und eines jüdischen Landes trennt. Und wir dürfen dann auch nicht darüber staunen oder verwundert sein, wenn der zionistische Karlsbader Rabbiner Dr. Ziegler kürzlich seine Freitagabend-Predigt ganz dem Palästina-Ansbau widmete und u. a., wie wir der „Jüdischen Rundschau" entnehmen, folgendes ausführte: „Das jüdische Volk könne sich nur in seinem Urlauoe voll entfalten und sich von oen Schlacken des Galuth befreien. Wenn auch Palästina nur einen Bruch-- teil des jüdischen Volkes ausnehmen wird, den Segen dieser Arbeit werden alle Juden, ja die ganze Menschhleit genießen. Das jüdische Volk weroe nur in seinem eigenen Lande seine ursprüngliche Schaffenskraft wieder erlangen. Er schloß mit einem Appell an die Zuhörer, sie mögen ihren Kindern als eine heilige Lehre und als ein hohes sittliches Gebot einprägen, den Ausbau Erez- Jsraels mit allen Kräften zu fördern." Es ist eine heilige Pflicht und eine hohe sittliche Aufgabe, unsere Kinder vor dieser jüdischen Volkserziehung, die sie unseren deutschen Volksgenossen entsrenidLn muß, zu bewahren. Es ist unsere größte Aufgabe, unsere Kinder mit den ethischen und geistigen Werten des Judemtums bekannt zu machen, Werten, die an keine Form, an kein Volk und kein Land gebunden sind. Am 30. November finden die jüdischen Gemeinbewahlen in ganz Preußen statt. Sie werden zeigen, ob der Begriff eines jüdischen Volkes oder die Kraft des geistigen, religiösen Judentums mächtiger ist. Seit 1888 war er Mitglied und seit 1917 Sekretär des Joint Foreign Committee, das er bei den Tagungen des Völkerbundes, des Flüchtlingskomitees, der Vereinigung jüdischer Organisationen, Paris, der Conference Permanente pour la Protection des Migrants, des Beratungskomitees für die russischen Flüchtlinge in Genf und der Jca vertrat. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden war er ein treuer Freund. In den letzten Jahren seines Lebens war er fast vollständig erblindet. * j Aus den Gemeinden j * ü .’ Breslau. (Todesfal l.) Durch den Tod des Direktor Sigfrid Haendlcr Hut der Liberale Verein unserer Synagogengcmeinde einen sehr schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene war ein aufrichtiger Freund und Anhänger des religiösen Liberalismus. Er gehörte dem Vorstand unseres Vereins an und hat bis Zuletzt unsere Bestrebungen mit Rat und Tat unterstützt. Duisburg. (Todesfall.) Nach längerem Leiden ist Konrektor i. R. Rudolf Nußbaum im 67. Lebensjahr verschieden. lieber 30 Jahre hat der Entschlafene, der zuerst als Lehrer und Prediger in Wittlich an der Mosel tätig war, als Religionslehrer, Prediger, Sekretär und Rendant der jüdischen Gemeinde in Duisburg gewirkt und dabcr, wie es die Vielseitigkeit seiner Betätigung beweist, ungetvöhnliche Arbeits- und Tatkraft gezeigt. Bis kurz vor seinem Tode leistete er ersprießliche und segensreiche Arbeit. Der Dank der Gemeinde und das freundliche Gedenken seiner Amtsgenosseu, in deren Mitte er eine geschätzte und gern gesehene Persönlichkeit war, bleiben ihm über das Grab hinaus gesichert. Friedrichstadt (Eider). (Todesfall.) Im 78. Lebensjahre ist der verdiente Vorsitzende unserer Gemeinde Herr Levy in die Ewigkeit abberufen worden. Seine Sorge galt bis ins hohe Alter dem Wohl der Gemeinde. Auch in nichtjüdischcn Kreisen erfreute sich der Entschlafene hohen Ansehens und großer Beliebtheit. Die Trauer um diesen edlen Menschen und hilfsbereiten Mitbürger ist doher allgemein. Köln. (D r. Frank 50 Fahre alt.) Am 21. ds. Mts. vollendete Dr. Heinz Frank sein 50. Lebensjahr. In ihm besitzt nicht nur die Kölner Gemeinde, sondern auch die gesamte deutsche Judenheit einen hervorragenden Führer. Ein Sohn des unvergeßlichen Kölner Rabbiners und großen Gelehrten Dr. Abraham Frank, hat er sich ein jüdisches Wissen crivorbea, das weit hinausreicht über das Maß dessen, was dem Nichtthcolvgen im allgemeinen zu erreichen möglich ist. Dr. Frank wußte seine Kenntnisse glanzvoll in den Dienst des religiösen Fortschritts zu stellen, dessen Förderung er sich seit langen Jahren als Mitglied der Gcmcinücvertvaltung, der Kölner Liberalem Vereinigung, des Vorstandes der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, sowie der Liberalen Fraktion im Preußischen Landesverband widmet. Das Bewußtsein inniger Vcrknüpftheit mit der deutschen Heimat und ihrer Kultur ließ Dr. Frank zum eifervollen Streiter im C.-V. werden. Die deutsche Jugend darf stolz sein aus diesen aufrechten, unerschrockenen, eigenwilligen, rastlos grübelnden, und mit sich selbst und für die Gesamtheit kämpfenden Menschen. „Steht auch .Herr Dr. Frank z. Zt. nicht an der Spitze unserer Ortsgruppe, so ist er doch neben unserem Vorsitzenden ihr geistiger Führer. Das kommt schon daher, daß er, der aus tiefem Born jüdischen Wissens schöpfen kann, ein Mann ist, dem unsere Ideale Lebenselement sind. Er ist deshalb auch Wortführer der liberalen Sache sowohl im Gemeindevorstand als auch in der Fraktion. Auch in den Repräsen-- tanteiisitzungen vermag er stets mit Klarheit und Schärfe die liberalen' Belange herauszustellen, so daß es ihm nicht selten gelingt, das Abstimmungsergebnis in unscrcur Sinne zu beeinflussen. Seiner Initiative und seinem Scharfblick ist cs in erster Linie zu verdanken, wenn es gelungen ist, die Kultustrennung in unserer Gemeinde endlich herbeizuführen und auch den Vertrag mit der Gemeinschaft in einem für alle Teile befriedigendem Sinne unter Dach und Fach zu bringen. So kommt es, daß viele in ihm bei seiner jugendlichen Frische, die er sich bewahrt hat, den kommenden Führer in der Gemeinde sehen. Tie Bereinigung für das liberale Judentum der Shnagogengemeinde Köln und nicht minder unsere Gesamtvercinigung für das liberale Judentum, dessem Vorstand er seit langem angehört, nehmen deshalb gerne Anlvß, diesem Führer der deutschen Judenheit zu seinem 50. Geburtstag herzliche Glückwünsche darzubringcn, hoffend, daß er noch recht lange tvic bisher segensreich wirken möge." Leer. (Persönliches.) Das Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, das 30 Jahre an seinen religiösen Interessen lebhaften Anteil nahm, Herr M. Roseboom, beging seinen 00. Geburtstag und wurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten beglückwünscht und geehrt. Marremoerder. (Neue Synagoge.) In Marienwerder wurde am 10. August eine neue Synagoge ciugeweiht. Der Entwurf zu dem Vau wurde von dem Architekten Joses Weiß gemacht. Zur Einweihungsseier waren Vertreter der Marienwerder Behörden, des Synagogenverbandes Ostpreußen und des nordostdeutschcn Rabbinerverbandes u. a. anwesend. Nach einer Ansprache von .Herrn Rabbiner Dr. Ncufeld, Elbing, hielt Herr Prediger Roseuberg die Festprcdigt. Ofsenburg. (P c r s ö n l i ch e s.) Ein um das badische Judentum verdientes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Louis Weil, beging unter lebhafter Teilnahme seiner Freunde den 60. Geburtstag. Der Jubilar, der seine Kräfte stets gern in den Dienst der Allgemeinheit stellte, ist seit vielen Jahren Mitglied der badischen Synode und Bezirksältester des Rabbinatsbezirkes Offenburg. Stuttgart. (Zum Ableben des Bezirksrabbiners D r. K r o n e r.) Die Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs widmet dem vor kurzem in Badenweiler verstorbenen Bezirksrabbiner von Oberdors-Bopsingcn Dr. Hermann Kroner einen tiefempfundenen Nachruf. Dr. Kroner wurde am 21. März 1870 in Münster i. W. geboren, wo damals sein Vater, der spätere Stuttgarter Oberkirchcnrat Dr. Theodor Kroner, als Leiter der Lehrevbildungsanstalt und als Gemeiirderabbiner wirkte. Durch seine Ausgaben und Bearbeitungen der medizinischen Schriften des MaimonideH hat sich Dr. Hermann Kroner einen großen Ruf erworben. Durch Kroner wurde die Bedeutung des Maimonides für die Geschichte der Medizin erschlossen. Die Bestattung fand in Oberdorf statt, am offenen Grabe sprachen Stadlrabbiner Dr. Rieger, der Präsident des Israelitischen Oberrats Ministerialrat Dr. Hirsch, Rabbiner Dr. Tänzer u. a. m. Worms. (Völkischer Terror.) In dem kleinen rheinhessischcn Orte Dolgesheim hat sich in voriger Woche ein Drama abgespieltdas die Brutalität und die skrupellose Roheit nationalsozialistischer Horden ins grelle Licht rückt. Der Weinkommissionär Frank, ein Glaubensgenosse und Führer des Reichsbanners, wurde in seinem Haus von völkischen Banden belagert und mit seiner Familie mit dem Tode bedroht. Tor und Fenster des Hauses waren zerstört, die Insassen der Wohnung mußten sich auf den Dachboden flüchten und dort verbarrikadieren. Da die Gendarmerie die wüsten Horden nicht in Schach halten konnten, mußte ein Uebersallkommando aus Mainz herbeigeholt werden. Beamte des Landeskriminalamtes kamen außerdem gleichzeitig an, um die erforderlichen Untersuchungen cinzulciten. Zwölf Nationalsozialisten wurden verhaftet und in das Amtsgefängnis Oppenheim eingelieftrt. Die bedrohte Familie hat ihren Wohnsitz aufgeben und unter dem Schutz der Polizei ihr Hab und Gut in einen Möbelwagen verladen müssen, um 'in Worms eine neue Heimat zu suchen.

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