Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 35 (27.8.1930)
- Date
- 1930-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614088--3699-2621319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BÜJCMEJ&SCIEIAILJ Johannes M. Verweyen: Der neue Mensch und seine Ziele. ' Menschheitsfragen der Gegenwart und der Zukunft. Stuttgart: Walter Hädecke, 1930. Im Verlage von Walter Hädecke ist ein Buch von Prof. Dr. Johannas M. Verweyen erschienen: „Der neue Mensch und seine Ziele“. Die Absicht des Buches ist: ,,die philosophische Entwicklung und Klärung von Ideen, welche in dem Kulturbewußtsein der Gegenwart verwurzelt sind, jedoch ihres zeitlosen Gehaltes wegen auch für den Menschen der Zukunft Geltung beanspruchenSo erörtert Verweyen die Probleme des sozialen Lebens, die Probleme des Erotischen, Körperkultur, Radio, Auto lind Jugendbewegung, so bespricht er die Idee der Modernität, den Fortschrittsglauben, die Bemühung um einen Ausgleich von Natur und Geist, die Idee der Weltlichkeit, den Gegensatz von Glauben und Unglauben, die Idee der Erlösung. Vorsichtig prüfend und wägend stellt er das Wertvolle und Vorwärtsweisende in den Ideen und Errungenschaften der Gegenwart heraus und trennt davon, was'in ihnen übersteigert und schädlich ist. . . ■ Von besonderem Interesse ist vielleicht die Auseinandersetzung mit dem Konflikt von Glauben und Unglauben. „An einer denkwürdigen Stelle von „Dichtung und Wahrheit“ hat .poethe das oft erinnerte Wort geprägt: „Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menscnengeschichte... bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens. Alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, in welcher Gestalt er auch wolle, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt.“ “ Verweyen weist den ungläubigen Freigeist unserer Zeit in seine Schranken. Wunder, Gebet und Offenbarung, so ist seine Meinung, widersprechen nicht der modernen Wissenschaft. Das Recht des Gottesglaubens erscheint ihm unantastbar. Zugleich aber wendet er sich auch gegen den religiösen Dogmatismus, der übersieht, daß seine Formen geschichtlich bedingt sind und. ohne stete Verlebendigung durch den Geist einer neuen Zeit tote Formen bleiben.“ So ist denn auch der Mensch der Zukunft, der neue Mensch, als ein Mensch gesehen, der die wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften seiner Zeit voll und ganz bejaht und der, doch iin tiefsten gläubig und religiös gestimmt, Sachlichkeit und Innerlichkeit vereint. „Vorwärts und — aufwärts ist die Losung...“ Es gilt vor allem, die seelischen Möglichkeiten der Technik zu erkennen, die seelischen Werte, die in ihr schlummern, zu wecken, ihre Welt mit geistig seelischem Gehalt zu erfüllen. Verweyen schließt mit einem Hinweis auf den jungen Inder Krish n amiurt i, dessen Lehre in unseren Tagen mehr und* mehr an Einfluß gewinnt, ln vorbildlicher Weise vereint Krishnamurti in sich: Sachlichkeit, Sinn für das Wesentliche und Bejahung des innerlich-geistig Notwendigen. „Man findet in ihm eine Persönlichkeit, die mit seltener Unbefangenheit in den Spiegel des Lebens und des Menschentums blickt, aufgeschlossen allen neuen wie alten Tatsachen.. Dazu eine „so freie Persönlichkeit, daß...nicht einmal in leisester Form der Autoritätsanspruch sich regt“. Krishnamurti spricht in allem, was er lehrt, „von seiner Lebensschau und ist weit davon entfernt, aus dem Gesetz seiner Lebensgestaltung ein Gesetz für alle zu machen“. Die Ausführungen Verweyens sind gewiß nicht in allem Einzelnen überzeugend. Im Wesentlichen aber ist, wie ich glaube, die Forderung der Zeit klar erkannt und lebendig gezeichnet. Von besonderem Werte sind zahlreiche geschichtliche Rückblicke, die vor allem mittelalterliche Philosophie und Geisteshaltung in nächster Berührung mit Problemen der Gegenwart zeigen. (So ist von Interesse, wie die „Askese“, die Uebung, des mittelalterlichen Menschen sich mit der Ertüchtigung, dem „Training“, des modernen Sportsmenschen berührt.) Das Ganze ist — erfüllt von liebevollstem Verständnis für die Tendenzen der Gegenwart und zugleich voller Achtung vor der Vergangenheit"— reich an wertvollen Anregungen. Dr. Hans M a r g o 1 i u s. B. Hoff: Von kommenden Dingen. Kedemverlag, Berlin. 104 8. (2 Vorträge über das Judentum.) Darf man fremde Büehertite! einfach übernehmen? Noch dazu, wenn der übernommene Titel von Rathenau stammt und der Verfasser der vorliegenden Schrift Zionist ist. Aber vielleicht gibt der Inhalt seiner Vorträge eine gewisse Berechtigung zu seinem Vorgehen. Die Bedeutung der Kunst für das Judentum, über die sich der erste Vortrag verbreitet, hätte auch Rathenau interessiert und die Betonung des nationalen Welt Judentums nicht minder, wenn er natürlich auch die Grundeinstellung abgelehnt hätte. Eine „Philosophie der jüdischen Kunst“ nennt der Verfasser den 1. Vortrag. Er geht davon aus, daß das Judentum zur Darstellung seiner Geschichte und Ideen seines Rembrand, Beethoven, Shakespeare bedarf. Er behauptet, daß sich schon Samuel bei der Auswahl Sauls von künstlerischen Interessen habe leiten lassen und daß David nur deshalb zum Messiasvorbild gewählt worden sei, weil das Volk den Künstler in ihm spürte. Diese Beispiele sind sicher ganz verfehlt. Aber dem Grundgedanken des Verfassers muß man durchaus zustimmen: die Kunst ist lange bei uns vernachlässigt worden, erst neuerdings empfindet man sie auch als jüdische Angelegenheit. Wenn der Verfasser freilich die Lösung der nationalen Frage von ihr erhofft, so erhoffen wir, nicht die Lösung, aber eine überaus starke Beeinflussung der religiösen Frage. Wir haben uns an anderer Stelle" dieses Blattes über dieses Thema verbreitet und können darauf verweisen. Der Verfasser denkt sich übrigens die Lösung seiner Aufgabe so, daß die Kunst in alle Gebiete eindringen müsse, in die Philosophie, das Leben, sogar ins Gehen und Sprechen und schließlich m den Handel und die Politik. Freilich fehlt es auch hier nicht bei dem Verfasser an komischen Uebertreibungen. Im Konzern sieht er ebenso den Ausdruck künstlerischen Strebens wie im Bündnis politischer Parteien! Das heißt denn doch die rauhe Wirklichkeit im Phantasiebild des Künstlers sehen. Aber, wie gesagt, der Grundgedanke scheint uns recht beachtenswert. MIIMMI Annahme von Bestellungen auf die Züdiich. liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiii Der 2. Vortrag „Das Bildungsproblem der jüdischen Intellektuellen“ wendet sich an die jüdisch-nationalen Studenten. Sie sollen sich prophetischen Weitblick aneignen, die Paradoxien des Lebens bejahen, zum „furchtbaren Ernst“ erziehen, individuell und universell zugleich sein — zugleich Abraham und Jesaias. Er verlangt den jüdischen Uebermenschen, die jüdische Ueberpartei. Es ist Sacke derer, die es artgeht, sich mit diesen Forderungen des Verfassers auseinanderzusetzen. Wenn er aber auch hier auf die Bibel zurückgreift und als Logik der jüdischen Prophetie nicht das Entweder-oder, sondern das Entweder und oder bezeichnet, so muß man das noch schärfer zurückweisen als die Beispiele aus der Kunst. Das Große an den Propheten, ihr Leiden und ihr Triumph, war ihre großartige Einseitigkeit, aber nicht — das Allerweltskompromiß. Rabbiner Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Auge um Auge. Eine Untersuchung zum alten und neuen Testament. Von B. Jacob. 1929. Philo-Verlag, Berlin. 144 Seiten; broschiert. Seit uralten Zeiten behaftet man das Judentum mit dem „Gott der Rache“ und läßt das Christentum im Glorienschein der Liebe erglänzen. Die rücksichtslose Vergeltungstheorie der Gesetzgebung des „Bundesbuchs“ im Exodus [21, 23 ff], im „Priesterkodex“ [Leviticus 24, 19, 20] und in den Bestimmungen des Deuteronomium (19, 21] will man unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit aus dem nackten Text der in Klammern bezeichneten Pentateuchsätze herleiten. Während man sonst gerade in Dingen des Rechts die Psyche das letzte Wort reden läßt, geht man — haßerfüllt — an diesem ganz selbstverständlichen Grundsatz in unserem Fall kaltblütig vorüber. Rabbiner Dr. Benno Jacob, ein stets hervorragender und erfolgreicher Kämpfer für unsere gute Sache, hat in vorliegender Arbeit sowohl mit der glühenden Begeisterung eines Apologeten ersten Ranges wie mit der unerbittlichen klaren Wissenschaftlichkeit seiner kritischen Feder das „ius talionis“ beleuchtet und in schlagenden Beweisen die Anklage wegen der gegen uns ausgesprochenen Durchführung einer unmoralischen Vergeltungslehre unzweideutig zurückgewiesen. Auf Jacobs Auseinandersetzung mit der „Bergpredigt“ weise ich besonders hin. Es sollte kein Lehrer in Israel das Werk ungelesen lassen, um wahres Licht in der außerjüdischen Welt über die „Talion“ zu verbreiten. Aber auch der Laie müßte zu Jacobs Arbeit greifen. Er wird sich sicher den Weg durch die interessante Lektüre bahnen. — Und dem Nichtjuden werden die Darlegungen Perspektiven zu einer Verständigung mit einer unschuldig angegriffenen Masse eröffnen. Rabbiner Dr. Arthur R o s e n t h a 1, Berlin-Lichteiibcrg. Schalom Asch, Warschau. Roman. Paul Zsolnay-Verlag, Berlin-Wien-Leipzig 1930. Autorisierte Uebertragung von Siegfried Schmitz. „Warschau“ bildet den zweiten Teil der Trilogie „Sintflut“. Während der Dichter in ihrem ersten Teil, „Petersburg“, mit der Zauberkraft seiner reifen Kunst ein glänzendes Kultur- und Sittenbild entrollt, läßt er diesem Gesellschafts- und Sittenroman im vorliegenden Werk, das von Schmitz vorzüglich eingedeutscht ist, den Roman des arbeitenden Volkes folgen, .in dem das Warschau der unmittelbaren Vorkriegszeit mit seinen jüdischen Arbeitern und Handwerkern, mit seiner alten und neuen jüdischen Welt in plastischer Anschaulichkeit und spannender Wirkung vor uns entsteht. War es in „Petersburg“ das bunt schillernde Milieu des Reichtums, das gleißende Gold, das mit verführerischer Gewalt eine wurmstichige Gesellschaft an den Rand des Abgrundes zerrt, so ist es in „Warschau“ die Hölle der Armut und Not, die ihren gefahrdrohenden Schlund aufreißt. Man braucht nur das Kapitel: Der 1. Mai zu lesen, eine lebendige, farbenprächtige und eindrucksvolle Schilderung, die man mit fliegenden Pulsen verfolgt, um deutlich zu erkennen, daß hier eine Welt vom Fieber geschüttelt wird, die für die Sintflut reif geworden ist. „Eine Sintflut, eine Sintflut wird über die Welt kommen und alles hinwegschwemmen! Gründlich wird sie alles hinwegschwemmen!“ Diese Sintflut, der Weltkrieg, wirft schon ihre Schatten voraus. In der Fülle der Gestalten, die Asch mit Meisterhand vor uns hinstellt, begegnen wir einigen Bekannten aus „Petersburg“: dem Vorsteher jener Judengemeinde, der das Verhängnis der Vertreibung drohte, weil die Regierung ihre Stadt plötzlich in ein Dorf umgewandelt und angeordnet hatte, daß die Juden, die in Dörfern nicht wohnen durften, den Ort zu verlassen hätten; dem jungen Millionärssohn, der, allem Reichtum entsagend und der Stimme des Blutes folgend, ins Volk gegangen war, um mit ihm zu leben, zu leiden und zu hungern; ein sympathischer, wenn auch ein schwankender und ungefestigter Mensch, der, anfangs ein glühender Anhänger des Zionismus, bald auf den Weg der Sozialrevolutionäre gedrängt wird, die unter ständiger Lebensgefahr den Umsturz vorbereiten; und nicht zuletzt Rachel Leje, der Frau des Lehrers Hurvvitz, der verehrungswürdigen Vertreterin echt jüdischer Mütterlichkeit, die alle Sorgen der anderen mitträgt und in allen Nöten Rat weiß und schafft. Selber vom Leid des Lebens gezeichnet — war doch ihr ältester Sohn, ein Philologiestudent, die Hoffnung der Familie, als politischer Verbrecher in Haft genommen worden —, hat sie für alle „Gezeichneten“ das Herz einer liebevollen und unermüdlich hilfsbereiten Mutter. „Kummer und Sorgen hatten nicht vermocht, ihre stolze Haltung zu brechen. W i e ein Soldat aus der Armee der Mütter“, sagt der Dichter so schön von ihr, schritt sie „dahin, der seine Pflicht und seinen Wert kennt. Ihr ganzes Wesen strömte Mut. Energie und Selbstvertrauen aus; cs war, als hätte sie ihr Schicksal zum Kampfe herausgefordert. Je schwerer ihr Leben wurde, desto stärker wurde sie, desto leichter nahm Wie dieser jüdischen Mutter, so gilt den jüdischen Müttern überhaupt der begeisterte Lobgesang des Dichters. Darin steht Schalom Asch heut einzig da. Keiner weiß wie er in so ergreifenden Tönen das Hohelied der jüdischen Mutter zu singen, die sich selbst aufopfert, die alles Leid der Welt geduldig trägt, um das Leben derer zu beschützen, die sie mit ihrem Herzblut genährt hat. Darum lieben wir den Dichter und empfehlen auch seinen neuen Roman, wenn auch nicht aus diesem Grunde allein, der gebildeten jüdischen Leserwelt. Er verdient, daß sich eine große Gemeinde um ihn schart, denn er hat ihr etwas zu sagen. Prof. Dr. Golinski. Michael Gorlm, Märchen u Städte. Heinr. Zucker, Poet von heute. Verlag Waldemar Hoffmann, Berlin. Zwei schmale Bande (49 Seiten und 39 Seiten) junger Poeten. Sie schildern kleine Erlebnisse und die großen Städte, ln neuer Frömmigkeit stehen sie vor Lokomotiven und Abendhimmel und fühlen Gott. Zucker ist der Stärkere. Aber auch Gorlin läßt hier und da („Morgendämmerung“ — „Abendgebet“) aufhorchen. Rabb. Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Durch Welt und Zeit. Jüd. Jugendbuch von Siegfried Abeies. Jos. Belf Verlag, Wien. Wenn aiuch Kinder das Vielerlei lieben, so ist dies Jugendbuch doch durch sein Allzuviel und durch seine geringe Einheitlichkeit verwirrend. Selbst der Erwachsene muß sich erst diurchfinden und sich zurechtlegen, daß dies „Steigt ein!“ .eines jeden zweiten Kapitels eine Aufforderung bedeutet, mitzufahren in das von dem Verfasser konstruierte Gedankenluftschiff. (Aber — verlangen nicht Kinder von heute, in wirkliche Luftschiffe eingeladen zu werden?) Im Uebrigen ist dies Buch auf eine unterhaltsame Art belehrend, sowohl im Technisch-Spielerischen, wie in den Dingen des jüdischen Wissens. So dürfte es jüdische Kinder interessieren, daß es ein Jude war, der das Automobil erfand, daß Handwerker, gerade; Handwerker, in der Bibel nie anders genannt werden wie „weise Männer“, und dergL. Dinge mehr. Und es mag ferner zum Nachdenken und zum Nachforschen anregen, wenn erzählt wird, daß in dem einen Land den Juden nachgesagt wird, sie wären nur für den Kaiufmannsstand tauglich, und dem anderen Land, sie eigneten sich nur für das Handwerk. Sehr ansprechend sind die eingestreuten, alten jüdischen Märchen und Sagen. So wird erzählt, daß alle edlen Gewächse nicht Pflanzenkönig werden wollten, weil ihnen dann nicht mehr Zeit bliebe, Gott zu dienen. Bis sich schließlich nur der gewöhnliche Dornbusch dazu bereit finden ließ, und auch sogleich begann mit seiner Macht zu drohen. Auch andere tiefe Sagen und Legenden sind entsprechend nahe gebracht. Aber dem Bildmaterial und der Ausstattung wäre mehr Niveau zu wünschen gewesen. Clem. Krämer. „Im Dienste der Verheißung“ nennt Dr. Nathan Birnbaum seine im Verlag des Israelit (Hermon-Verlag Frankfurt a. M.) erschienene kleine Schrift, die sich zwar an diejenigen, die seiner religiösen Ueberzeugung sind (orthodox) vornehmlich wendet, die aber in ihrer kritischen Einstellung auch anders gerichteten viel zu sagen hat. In der festen Stellung seines auch innerhalb der Orthodoxie gesonderten (weil philosophisch-kritischen) Standpunktes, gibt Dr. Birnbaum ein so aufrichtiges Bild des „modernen“ Juden, der in der Fortschrittsneurose aller Art befangen, den Wesensgehalt des Judentums verkennt, daß wir in seinem Büchlein eine ebenso zutreffende Kritik des liberalen Juden, wie des zionistischen, wie des orthodoxen finden. Diese Kritik aber ist fruchtbar! Sie zeigt überzeugend, wohin das Judentum gelangt, wenn es nicht das, was es heute sein muß, „Beispielsvolk“, auch wirklich ist. Scheitern muß das Judentum an der „Unmöglichkeit“ zweier Mittelpunkte in einem Lebenskreise (Zionismus), an dem religiösen Subjektivismus (Orthodoxie) und an dem Angleichungswahn (Liberalismus). Demgegenüber liegt im Begriff „heiliges Volk“ der Weg und das Ziel des Judentums eingeschlossen. Die außerordentlich interessante Broschüre verdient in allen Kreisen des Judentums Beachtung. Rabbiner Dr. Davin Schönberger. „Der jüdische Robinson“ von Dr. M. Ascher (Imprimerse Fred. Bach, Bex-les-Bains, Suisse). Bin Buch, das der Verfasser mit Recht und Grund seinen Schülern und Schülerinnen widmet. Es ist in wahrem Sinne des Wortes ein Jugendbuch, ln das Schicksal und Erleben eines jungen Juden, dessen orthodox-jüdische Erziehung im Elternhaus seine Lebensauffassung bestimmt, werden Fragen und Wissensinhalte des Judentums geschickt verwoben. Das Buch ist mit viel Schwung geschrieben und der moderne jüdische Robinson/einsam inmitten des Vielen und des Allzuviel des Tages, die Wunder der Gotteswelt neu erlebend, wird zum unmerklichen Lehrer des jungen Lesers. Das Buch erinnert an die Reiseschilderungen Seltna Lagerlöfs Und verdient, der jüdischen Jugend in die Hand gegeben zu werden. Rabbiner Dr. Davin Schönberger. Literarische Notizen Alarm der Leipziger Feuerwehr für den „Großen Brockhaus“. Wie wir erfahren, wird Ende Juli der 6. Band des „Großen 'Brockhaus“ erschienen. Das Werk ist nicht nur deshalb bedeutsam, weil es dem Menschen von heute zuverlässig jede gewünschte Auskunft aus Wissen und Leben erteilt, sondern auch weil es durch die starke Illustrierung ein unerschöpfliches Bilderwerk unserer Zeit ist. Die Beschaffung von Bildvorlagen für den „Großen Brockhaus“ ist besonders schwierig, weil nur solche Bilder gebracht werden, die ein wahrheitsgetreues Abbild der vielgestaltigen LebenserscheinLingen geben. Oft eignet sich unter 100 Bildern eines Gegenstandes nur eins für die Aufnahme in das Werk. Die Herbeischaffung der Vorlagen ist gleichsam eine aufregende, wundervolle Jagd nach dem Leben selbst. Um zum Beispiel die Abbildungen für die Tafeln „Feuerlöschwesen“' zu beschaffen, wurde vor kurzem in Leipzig ein Probealarm der Feuerwehr abgehalten, um dem Zeichner des Verlags Gelegenheit zu lebenswahren Darstellungen zu geben. Dieser eine Fall zeigt, wie sehr der „Große Brockhaus“ Wert auf enge Verbundenheit mit dem Leben legt. Man darf daher dem neuen Band wieder mit Spannung entgegensehen. Der seltene, wohl seit Friedensschluß einzigartige Fall, daß das Buch eines Deutschen über eine wichtige französische Staatsangelegenheit von einem angesehenen französischen Verlag angekauft und ins Französische übersetzt wird, ist jetzt eingetreten. Die Librairie Gallimard in Paris (Verlag der „Nouvelle Revue Franqaise“) hat das im Verlag von Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald, erschienene Buch des Berliner Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus“, das im ln- und Ausland das größte Aufsehen erregt hat, weil es zum ersten Male die Dreyfus - Affäre von der deutschen Seite aus im Zusammenhang gesehen dargestellt hat, für Frankreich angekauft und wird es in diesen Tagen in französischer Sprache erscheinen lassen. — Verhandlungen über die Uebertragung ins Englische, Holländische, Ungarische, Polnische und Tschechische schweben Aus der Bewegung Berlin. (L i b e r a t e 2 » n a g o t) e C ft e u.) Vor einem Jahre wurde die Wviinbauit des 2t)na<iogcnöfrein» „Liberale Synagoge Osten" vollzogen, der sich der Organisation „Liberale Synagoge Berlin" cm» fdiiofj. Einige Monate nach der Gründung richtete der Verein eineu Gottesdienst, nadi dem Ritus der drei bestehenden liberalen Synagogen Norden, Wilmersdorf, Westens, ein. Anläßlich des einjährigen Bestehens findet am Freitag, den 6. September, ein F-eflgottesdienst irr der Aula der Mädche' schule, Kaiserstraße 29-30, statt. lereinsnachrichlen Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet am Mittmoch, den 3. September, abends 8 Ilhr, eine groß« öffentliche Wahlkundgebung in den Spichernfälen, Spichernstraße 3. Es sprechen die Herren: Major Hauff, Deutsche Staatspartei, Erich Kutlner, M. d. L-, S.P.D., Felix Keller mann, Zentrum, Dr. Alfred Wiener, R. j. F. muitiitmtmtmiiiimiitiiiti