Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 35 (27.8.1930)
- Date
- 1930-08-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614088--3697-2621317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Aus der Ili-Vervegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hofsmann, Frankfurt a. Alain Gegen Jli-Kindergruppen In vielen Ilis besteht die Llbsicht, Jiingstengruppen zu gründen, in die Kinder von etwa 10 bis 13 Jahren ausgenommen werden sollen. In manchen Orten ist diese Gründung bereits beschlossen. Tennoch halte ich es für notwendig, noch einmal auf diese Angelegenheit einzugehen. t Tie jüdisch-liberalen Jugeirdvereinigungen sind jüdischpolitische Gruppen, sie wollen für eine bestimmte Richtung des Judentums arbeiten. Sie wollen auch für sie werben. Aber diese Werbung darf sich nur auf Menschen erstrecken, die ihr Verständnis cntgegenbringen könnten. Laß oieses Verständnis b<ü Zehnjährigen und meist auch noch bei Dreizehnjährigen fehlt, ist so klar, daß es auch die Verteidiger der Jüngstengruppen zugeben müssen. Sie schlagen daher vor, diese Jüngstengruppen als Spielgrupjpen, Kindergärten oder ähnliches aufzuziehen. Auch dadurch tvird aber nichts daran geändert, daß man die Kinder für eine liberale Organisation werben will. Es ist unaufrichtig, wenn gesagt wird „wir wollen die Kinder nicht beeinflussen". Entweder wollen wir sie in unsere Reihen ziehen; das ist eine Beeinflussung. Oder wir wollen das nicht, dann haben wir gar kein Interesse an der Einrichtung von Jüngstengruppen. Es ist ferner unaufrichtig, wenn gesagt wird: „Wir wollen nur verhindern, daß die Kinder in eine Jüngstenorganisation eines gegnerischen Lagers gehen". Wir sind keine Rettungsgesellschast für gefährdete Kinder. In einer Fabel erbietet sich ein Wolf, eine Schafherde vor den anderen Wölfen zu bewachLn. „Aber wer sollte dann meine Schafe gegen dich beschützen?" sagt der Schäfer. Wenn andere solche Methoden anwenden, dann liegt der Fehler bei ihnen, da sie es tun, nicht bei uns, da wir es nicht tun. Ter sogenannte Kampf mit gleichen Mitteln ist ein verwerfliches Prinzip. Ferner ist zu berücksichtigen: die liberalen Organisationen haben außenpolitisch nur das Ziel, bei denen zu werben, die zu uns wollen oder wenigstens nicht zu anderen wollen, urrd ferner die Interessen der liberalen Juden zu vertreten, Achtung und Beachtung für das liberale Judentum durchzusetzen. Es ist uns also nicht darum zu tun, möglichst alle Juden zu uns zu ziehen. Ein Kampf um Anhänger in der Art, wie es die Verteidiger der Jüngstengruppe verlangen, liegt also gar nicht im Aufbabenkreis unserer Organisationen. Tenn diese Kinder wißen ja gar nicht, ob sie zu uns, zu einem anderen, überhaupt zu irgend einer Richtung.gehören wollen, weil sie diese weder kennen noch! verstehen. Ich lehne jüdische Sportvereine, jüdische Schulen und Kindergärten ab, aber ich verstehe sie noch, eher als jüdische liberale Kindergärten. Es mag möglich sein, eine solche Gruppe nach jüdischen, auch nach liberalen Grundsätzen zu leiten, aber es ist unmöglich, eine liberale Parteiorganisation daraus zu machen. Was würde man zu einem deutschnationalen oder staatsparteilichen Kindergarten sagen? Wenn etwas gegen die verwerflichen Methoden der Gegenseite unternommen werden soll, dann wende man sich an' die liberalen Eltern, an alle jüdischen Eltern: sie sollen ihre Kinder nicht in jüdisch-politische Organisationen schicken, bevor sie deren Ziele verstehen. Aber man verleite sie nicht dazu, diesen Erziehungsfehler nun zugunsten der anderen Seite zu begehen! Kindergrnppen widersprechen, da sie Kinder vor Erwachen ihres Verständnisses in eine bestimmte Richtung zwingen (an sich können sie natürlich später die Partei wechseln, aber die Macht der Gewohnheit, ein Gefühl der Verpflichtung, Freundschaften, Ueberredungskünste werden das meist verhindern), widersprechen unseren Anschauungen über Gesinnungsfreiheit. Ta die Kinder die Anschauung ihrer Organisation nicht verstehen, also nicht teilen, widersprechen diese Gruppen dem Sinn unserer liberalen Organisation als Gesinnungsgemeinschaft. Ta sie sich, obgleich eine jüdische Organisation, nicht mit den für eine solche gegebenen Trugen befaßen, widersprechen sie unseren Ansichten über jüdische Organisationen mit allgemeinen Zielen. Sie sind also mit liberaler nung, ja sogar mit irgendeiner aufrechten Gesinnung überhaupt unvereinbar, ein unwürdiges Kampf- und Werbemittel. Ich weist, daß ich wenige bekehren werde. Ich, weiß, daß, wenn ich eine Antwort bekäme, darin alle Gründe, die ich! für mich zurückgewiesen habe und siir uns alle als unpassend ansehe, frisch wieder aufgezählt würden. Ich weise deshalb schon jetzt daraus hin, daß ich durch, zwei-, drei- und mehrmaligen Vortrag bereits abgelehnte Gesichtspunkte nicht plausibler finden werde. Ich habe meiner Meinung .hier Ausdruck gegeben, weil ich es fast als Pflicht betrachte, vor diesem Mißgriff zu warnen, der taktisch verständlich, aber gesinnung-politisch falsch ist. Wir müssen uns merken: eine Aneinanderreihung nur taktischer Maßnahmen ergibt keine politische Linie. Franz Meidner, Breslau. Aus der JN-Arbeil Breslau. (Jüngerengruppe.) Am 26. Juni fand ein gemütliches Beisammensein statt, in dessen Verlauf die Ergebnisse der Dresdener Tagung besprochen wurden. Man kam zu dem Schluß, daß zwar die äußeren Erfolge nicht so groß gewesen seien, wie man erwartet hatte, daß aber Fortschritte innerhalb des Ilis unbedingt zu verzeichnen seien. Besonders hervorgehoben wurde die Weihcstunde der Reformgemeinde, die sehr gut gefallen und tiefen Eindruck gemacht hatte. — Durch die Ferien wurde eine größere Pause hervorgerufcn, in der einige Ausflüge gemacht wurden, über die man an anderen Stelle berichtete. Unser« Arbeit wurde am 13. August mit einem Vortrag von Franz Meidner über „Diktatur und Demokratie" eröffnet. Zuerst stellte er die beiden Extreme Diktatur und Demokratie gegenüber, betonte, daß die heutige Form der Demokratie nicht die Ber-- tvirklichung der Ideale und daß ein System beim Ausbau nicht möglich sei. In der Renaissance herrschte noch der Absolutismus, und im 18. Jahrhundert begann sich die Demokratie in Frankreich zu regen. Einer ihrer geistigen Führer war Rousseau. Fr. Meidner ging dann auf die modernste Verfassung, auf die Bereinigten Staaten über und verglich sie mit der Athens. — Einige Feststellungen über die Weimarer Verfassung schlossen sich an und der Vortrag wurde mit der Feststellung beendet, daß nicht nur das Volk daran, sondern daß. wie zu einer andern Zeit in Frankreich Mirabeau und Lafayette, auch «ölige Schichten daran 'beteiligt seien. Eine Monarchie von Gottes Gnaden sei heute in Deutschland unmöglich geworden. Der Nachmittag! wurde mit der Besprechung einiger Organisationsfragen, die sich durch das Scheiden unseres Führer- Franz Meidner ergeben, beendet. Liegnitz. (Versammlung des I l i.) Am 18. August wurde eine Vollversammlung einberuseii, deren Aufgabe es war, eine ausgedehnte und wirksame Wintcrarbeit vorzubcreiten. Zunächst wurde der Vorstand ergänzt. Er setzt sich jetzt zusammen aus dem 1. Vorsitzenden Herrn Dr. Scheyer und den Beisitzern: Lotte Schmuckler, Margot Kühnberg, Walter Cohn ynd Manfred Haase. Es ist dem Vorstand zur Pflicht gemacht worden, am Anfang eines jeden Monats znsammenzukommcn, um einen festen Arbeitsplan sestzusetzen. Ferner stand auf der Tagesordnung die Werbung für den Jti. Es wurde dazu ausgeführt, daß die bevorstehende Wahl die Menschen erregt habe. Jetzt, wo allen Juden die drohende nationalsozialistische Gefahr vor Augen gerückt sei, wäre der richtige Augenblick, um alle zur Mitarbeit an der Erfüllung der jüdischen Interessen zu gewinnen. Es wurde deshalb ein besonderer Ausschuß eingesetzt, der dcm Jli recht viele neue Kräfte zusühren soll. Manfred .Haase. Magdeburg. (T i s k u s s i o n s a b c n b.) Am 19. Juli fand im Garten eines Mitglieds eine Diskussion über das Referat von Bruno Woyda „Lebensnähe der Religion" statt. Auf der einen Seite wurde die Religion als reiner Glaube hingestellt. Es wurde gesagt, daß wir als Juden zu den einzelnen Fragen nicht anders stehen, wie als Menschen. Bei der Durchführung dieser Forderungen seien keine religiösen, sondern Gemeinschaftsgefühle bestimmend. Aus der anderen Seite meinte man, daß der Unterschied zwischen den Religionen doch nur in dem Glauben an verschiedene Gottheiten be- Ostände, urrd daß man die sittlichen Gefühle aller Menschen, gleich welcher Religion sie angehören, als religiös bezeichnen kann. Am Sonntag, 10. August, fand bei guter Beteiligung ein Radausflng in die Letzlingcr .Heide statt. Ferner wurde die Abhaltung einer Weihestunde der Jugendgemeiwschast der Reformgcmeinde beschlossen. Diese findet nunmehr am 7. September statt. Das Jli-Programm Berlin. Pankow-Osten. Dienstag, den 2. September, um 8 Uhr abends, bei Alice Wreschrnsli, Elbinger Straße 46. Thema: Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude. Steglitz. Heimabend am Dienstag, den 2. September, 7 Uhr abends, bei Hilde Deutschland, Heinrich Seidelstraße 6. Thema: Colin Roß: Well ans der Waage. Bom 4.—10. Oktober ist eine Herbstfahrt geplant. Führung: Julius Stern, Heinz Lewinsohn. Anmeldungen und Anfragen bei Julius Stern, Lankwitz, Corneliusstraße 22. Kosten etwa 25,— Marl. Anträge auf Zuschuß an Martin Elaß. Sonnabend, Sonntag, den 30. und 31. August, Nachtfahrt. Führung: Marlin Glaß. Tressen 19 Uhr Stettiner Borortbahnhos. Anmeldungen an Martin Glaß. Breslau. JLngeren-Gruppe: Dienstag, den 2. September, 16.30 Uhr, Jugendheim: Vortrag von Fredy Afchkowitz: „Lessing, Lebe« und Werke. — Hanptgruppe: Mittwoch, den 3. Deptember, 20.15 Uhr, Jugendheim: Vortrag von Franz Meidner: „Deutsche und jüdische BevSlkerungssragen im Lichte der Statistik." Liegnitz. Montag, den 1. September, abends 8 Uhr, spricht Franz Meidner, Breslau, im Sitzungssaal der Synagogengemeinde in der Bäckerstraße über: „Diktatur und Demokratie". Ratibor. Mittwoch, den 3. September, referiert Franz Pick über das Thema: „Wir Juden und die politischen Parteien. — Gedanken zur Reichstagswahl." AlleTa^e isl Kein Sonnlaö, aber: alle Tage gib Vs CM. im Klee! S £ C. M. im Klee BIENENHONIG das reine und reifste Naturprodukt. Nahrhaft, gesund und bekömmlich. netto 9 Pfd. 11.70 netto 5 Pfd. 7.00 netto 3X3 Pfd. 12.40 netto 2X3 Pfd. 8.50 netto 1X3 Pfd. 4.50 Nachnahme. Frei Haus. CHR. MARTENSEN, MARNE i. HOLST. Postfach A 170 Der Kartenverkauf für die Synagoge Kottbuser Ufer findet bis auf weiteres statt: Sonntags: im Synagogengebäude, Kottbuser Ufer 48- 50, von 9—12 Uhr. Wochentags: Oranienburger Str. 29 (Plätzebüro) von 9—12 Uhr. Vorstand der Jüdischen Gemeinde. maierarbeiten Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Treppenfluren und Fassaden. Robert Gulhaim Berlin W 50 Kulmbacher Strasse 7 B 5 Barbarossa 6260 Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. verm. kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, LfltzowstraSe 44, Telefon: Lfltzow 960-61 V CAFE AM ZOO Stellengesuche Bilanzsichere Buchhalterin bestempfohlen, sucht stundenweise od. Halbtagsbeschäftigung. Bleibtreu 3298 Wo bietet sich rührigem jungen Herrn ausbaufähige Position am liebsten propagandistischer oder Organisator. Art? Gefl. Zuschriften erbet, unt. E. Q. 95 a. d. Expedit, ds. Bl. Vermietungen Buchhalterin (Anfängerin) sucht satmatlreie Stellung Offerten unter E. W. an die Geschäftsstelle dies. Zeitg. erb. Nebenverdienst gleich welcher Art, sucht 19 jähr. Hilft W6fl6ll, Grossbeeren Str. 82 Berate als wissenschaftlich gediegener Fachmann Dr. jur. rer. pol. Staatswissenschaften. BP.JSRlnVltZ, Schlüterstrasse 54 pt. Zoozimmer Küchenbenutzung auch preiswerte Pension. Wilk, BudapesterStr. 15 Gut möbliertes Erkerzimmer zu vermietenMk. 45.- mit Morgenkaffee zu vermieten. Heymann» Karlshorst, Dorotheastr. 23 III. Abgeschlossene möblierte FüMzimmeruiohnuno nahe Nollendorfplatz, hochparterre, renoviert, Warmwasser. Kurfürst 8173. Verschiedenes Briefmarken! Tausch, kauft, gebe Lettland. Ralmond Hazenffiiss Jncukalus, Lettland Billige Woche für Oberhemden, Herrenhüte M 490 T h e O I, Weinbergsweg 27 (Rosenthalerplatz) Gute alte Konzertgeioe verkauft billig Hirsch, 0 27 Raupachstr 6. Tel. Alex 5171 Klavierlehrerin staatl. gepr. erteilt Unterricht. Irmgard Lehrer, Nümbergerpiatz 4 Hausverwaltung “ür Heisezeit übernimmt m. Ia Referenzen und bekanntem Erfolge " Bruno Kantorowicz Charlottenburg, Schillerstr. 5 Verlag: vereinIgMeg für da» liberale Judentum «. B , Berlin LW. 11. — Verantwortlicher fBebattevr: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SA. 29. — Druck: Hermann Wegner fr Co., Berlin-Martendorf.