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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-08-13 · 33 (13.8.1930) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
33 (13.8.1930)
Date
1930-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Wie ftehk Mahraun zum Judentum? Meine Stellung zum Judentum Bon Artur Mahraun. Verschiedene Zeitungen verösfentlichten einen Brief, in dem ich einem besorgten Freunde die Versicherung abgab, daß, sich die Voltsuativnale Rejchsvereinigung selbstverständlich! energisch gegen alle diejenigen Juden zur Wehr setzen werde, weiche an oen Grundsätzen u n s e r e r ch r i st l i ch e n uno d e u t s ch e n Kultur rütteln wollen. Andere Zeitungen bezeichnen das Vorhandensein des sogenannten A r i e r p a r a g r apH en, der eine der Grundlagen des Jungdeutschen Ordens iü, als Antisemitismus. Der Jungde utsche Orden läßt an dieser Grundlage seiner M it g l i eo s ch a s t nicht rütteln. Er erkennt im staatsbürgerlichen Leben, wie viele seiner Verlautbarungen seit Jahren beweisen, den jüdischen Staatsbürgern die volle ü aa t s b ü r g erlich e Gleichberechtigung zu. Wir geben aber teinein das Rocht, in Wesen und Form unserer jungdeutschen Gem-einschastsbildung hrneiuzureoen. Wir erkennen genau so, wie wir für uns das Recht oer Gemeinschaftsbildung nach unseren Gesetzen fordern, auch jeoem andern das gleich Recht zu. Ebenso wie wir in der Bildung von jüdischen Vereinigungen hündischer, politischer oder tnltureller Natur keinerlei Angriff auf uns sehen, so verlangen wir auch, daß das Judentum in unseren völkischen Grundlagen» keinen Angriff auf sich sieht. Unser Kamps gilt allen beiten, welche an den Grundlagen der christlichen und deutschen Kultur rütteln, einerlei ob sie Juden sind oder nicht. In unserem staatsbürgerlichen Dienst an Staat und Voll kennen wir nur eine einzige Gemeinschaft mit den deutschen Staatsbürgern, welche unseren Ideen vom sozialen und nationalen deutschen Volksstaat vorbehaltlos zu stimmen. Tie gegen mich gerichteten Angriffe begrüße rch, weil sich auf diese Weise die Gelegenheit ergibt, einmal m aller Oeftentlichkeit die Frage zu klären, ob das deutsche Judentum ein Recht hat, deutsche Gemeinschaften, welche sich nach rassischen Vorbedingungen zusammengesunden haben und die über diese eigene Einstellung hinweg gemeinsam mit allen deutsch en Staatsbürgern ohne jede rassische Vorbedingungung positiv in der Polllik zusanrmenarbeiten wollen, als antisemitisch zu bezeichnen. Unbeschadet unserer völkischen Gesinnung bekämpfen wir schon aus Gründen der nationalen Einheit und Befriedung des deutschen Volles den demagogischen Antisemitismus unserer Zeit. Mussolini b e z e i ch n e t e den A n t i s e m i - tismus als eine Barbarei. Er nannte den Faschismus erhaben über den Antisemitismus, weil der Faschismus die höchste Stufe der Kultur sei. Unser Kampf für den deutschen Volksjstaat erstrebt die Vollendung der deutschen Volkseinheit und die Bereinigung aller Gegensätzlichkeiten, welche das deutsche Volk mit haß und Zwietracht erfüllen. In dem Antisemitismus,, wie er sich heute in Deutschland darstellt, sehe ich ebenso ein Minderwertigkeitsgefühl, wie ich dasselbe in einem gewissen Antiger manismus gewisser jüdischer Kreise erblicke. Ich bin fest überzeugt, daß nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung eine 'staatsbürgerliche Bereinigung "erfolgen kann und bin der Ansicht. daß angesehene Juden zu dieser Auffassung Stellung nehmen müssen. Lin Lommeular der Frankfurter Zeitung Unter der Uebcrschrift „Mahraun und das Judentum" befaßt sich die „Frankfurter Zeitung" mit Mahrauils im „Jungdeutschen" erschienenen Aufsatz „Meine Stellung zum Judentum" und führt aus: Herrn Mahrauns Artikel charälterisiert sich durch eine glatte Absage an den Antisemitismus. Noch mehr, er kündigt ihm Kampf an. Nur: der Jungdeutsche Orden hat in seinen Satzungen einen Paragraphen, der ihm ausschließlich die Ausnahme von Ariern gestaltet. Hier entsteht eine Atmosphäre, in der oie Klarheit des praktischen Programms im Nebel erscheint. Mahraun wird zugeben müssen, daß' daraus Mißverständnisse aufsteigen können. Gerade wir Deutschen mit unserem metaphysischen Zuge meinen oft, es müsse alles aus einem Gusse, alles aus einer letzten und einzigen Quelle geschöpft fein. Freilich! iü dieser metaphisische Zug auch in der Geistigkeit des Judentums, da sogar stärker ausgeprägt. Und so scheinen die Gegensätze sich erst recht entzünden zu müssen. Unsere Deutsch-Amerikaner, fährt die „Frankfurter Zeitung" fort, empfinden ihren Zusammenhang mit uns und sind drüben vorzügliche Staatsbürger. Tie deutschen Minderheiten, die der Krieg von uns gerissen hat, wollen ihr Deutschtum bewahren, ohne ihrem Staate gegenüber illoyal zu werden. Uno ifl es nicht auch jüdische Fähigkeit, sich der eigenen Abstammung oder der besonderen Religionsgemeinschaft und zugleich dem Volte verbunden zu fühlen, mit dem man lebt, in 'dessen Kultur man verwebt ist? Es gab Zeiten, in denen es oen Katholiken in Deutschland sehr schwer gemacht wurde, oeutsch und katholisch zu sein. Sie haben es vermocht und heute wagt niemand mehr, sie undeutsch zu nennen, wenn sie nach Rom blicken. Betrachten wir die Abkömmlinge der Hugenotten als minderwertige Deutsche, wenn sie ihren französischen Ursprung nicht vergessen? Tie Zeitung meint, oer Arierparagraph sei die Grundlage seiner (Mahrauns) Gemeinschaft, die in der unendlichen Verwirrung der ersten Nachlriegsjahre entstand. Mahraun glaubte damals, seine Altersgenossen nur mit einer Art Wiedererweckung mittelalterlichen deutschen Ordensgeistes aus dem allgemeinen Nihilismus wieder zu einer Bejahung der Gegenwart sammeln zu können. Er hat aber seine Geso-lgschuft langsam an oie reale Politik herangesührt. Das ist das wichtigste. Unklar bleibt er, schließt die „Frankfurter Zeitung", wenn er vom Antigermanismus gewisser jüdischer Kreise spricht. Es ist nicht zu bestreiten, daß es Juden gibt, die am liebsten unter sich an einem Tisch sitzen. Man kann dafür eine psychologische Erklärung finden in der ganzen Situation, in die die Juden versetzt sind. Aber das alles wird politisch nicht wichtig, jedenfalls nicht agitatorisch rvie der Antisemitismus. Es wird lein Programm daraus. Uno wenn Mahraun noch sagt, sein Kampf gelte allen, oie an den Grundlagen der christlichen und deutschen Kultur rütteln, gleichviel, ob es Ehrist en oder Juden seien, so begibt er sich erst recht in eine Unbestimmtheit, die Mißverständnisse zuläßt. Tie Entscheidung oes Schwächeren bleibt freilich, das er sich im ganzen am das Rassische stützt, in einer Zeit, in der doch alles Rassentheoretische ins Wanten geraten ist. Uno ebenso ist es mit dem Kulturbegrift. Wo ist eine Kultur, die sagen könnte, sie sei ohne jeden fremden Einfluß ganz auf eigenen Boden gewachsen? persönliche Erinnerungen an den Polikiker 2r. Ludwig Haas Juan les Pins, 1. August. Endes doch unerwarter — belehren einen die Nekrologe der ca . , . o , r> V „ Zeitungen, daß man Wieoer einmal um einen Menschen, einen " ' 3 Sbfcträg««-' ferner fteoomn iS i,r dies« ' dt au^ l - uiie, d h . »och idkeiiärmkren West. Uno ei» leichter Frml schüttelt die — ,,^ch war feit Januar fchwer kraut und tefe eoen , * , . . - f u . . . v die Mitteilung von Ihrem üü, Geburtstag: ich gratulier- ' U-beuebe>lde», -clbu unter der m.barmrbcrrra alutenden M nachträglich herzlichft und wünsche weiter alles Gute. In Freundschaft . Ludwig Haas." Das war der letzte Grus; des großen deutschen Menschen und aufrechten Demokraten Dr. Ludwig Haas, dessen Tod ganz Deutschland heute beklagt: ein Gruß, der mich justament in der bizarrsten, tollsten, abenteuerlichsten Menschensiedlung der heißen, blauen Mittelmecrzone erreichte. Man wird lässig hier in diesem meridionälen Klima, wo stetig blauer Himmel und stetig blaues Wasser Nerven und Sinne schmeichlerisch einlullen und das eigene Ich jede Verbindung mit den Menschen und Interessen des Alltags gern vergessen machen. Unwillkürlich verschiebt man auf morgen, aus übermorgen, was heute zu run, wenn auch nicht gerade Pflicht, so doch vielleicht Notwendigkeit wäre. Gruß und Glückwunsch eines bedeutenden Menschen? Gewiß, man hätte sofort, in den darauffolgenden Tagen mindestens, danken und sich nach dem Befinden des Gratulanten erkundigen sollen. Sollen. Müssen. Ganz gewiß. Aber die grandiose Sinnlosigkeit der ewig anbrandenden und ewig zurückrollenden Wellenberge betäubte, überfchrie Gewissen und Gewissenhaftigkeit. Zudem: der eigene Geburtslag lag schon um Monate zurück. Ter Glückwunsch war verspätet — allerdings durch force majeure verzögert — erfolgt; aber jedes Zeitgefühl verflüchtigte sich in dieser heißen, von Sonnenatomen gesättigten Atmosphäre ohnedies. So verschob man, verschob man — von einem glückhaften Tag zum andern — bis zu einem Termin, der — vielleicht schon zu spät gewesen sein mag. Tie Trauerkunde in der Presse ließ jäh aufschrecken und eines Atemzuges Tauer bestürzt in sich hineinsinnen, ob der Tankesgruß wohl einen annoch Lebenden getroffen haben mochte. Ja, ja, ja — man hatte es gewußt, daß Ludwig Haas, einer der charaktervollsten und gütigsten Führer der deutschen Republik, ein deutscher Idealist von Format (trotzdem er als guter Jude unter den „ArierParagraphen" der deutschen Rechtsparteien gefallen wärest seit langem leidend war. Aber man hatte doch nicht gewußt oder nicht zu wissen gewagt, daß man es mit einem vollends Gezeichneten, einem Moriturus „sans Phrase" zu tun hatte. Und nun — jählings, letzten elbst unter der unbarmherzig glutenden Mittelmeersonne. Ich bin zu Ludwig .Haas zuerst in nähere Beziehungen getreten anläßlich der 1919 zu Weimar tagenden deutschen Nationalversammlung. Er war damals Staatspräsident oder Ministerpräsident oder Staatsrat oder sonst irgend etwas Hochmögendes in seinem badischen „Musterländle", dessen volkstümliche Mundart er mit einem eigentümlichen weichen Charme zu sprechen pilegte. Fast alle Länder hatten ja nach der Liquidation des Krieges und der Revolution ihre besten Köpfe in den Dienst der — Restauration, des Wiederaufbaus" gestellt. Und in denr liberaler gesinnten Südwesten Deutschlands waren es selbstverständlich die demokratischen Intellektuellen, die zuvörderst — und zum Besten des neu zu errichtenden Staates — ministrabel wurden. Ludwig Haas, der geschulte, schlagkräftige Wvokat, hatte auch als verantwortlicher Staatsmann etwas von jenem hinreißenden Schwung und jener inneren Leuchtkrafl, die vor ihm seinen Landsmann und Stammesgenossen, den großen Sozialistenführer Ludwig Frank, geeignet hatte. Es war, wie in Ludwig Frank, so auch in Ludwig .Haas, immer etwas von einer F a n f a r e, die zum Sturm bläst und heilige Flammeir entfacht. Ludwig .Haas verstand es, als Minister wie als Parlamentarier, nicht nur zu überzeugen, sondern auch mitzureißen. Es war eben das: der göttliche Funke glühte in ihm. Lange nach den Tagen von Weimar, wo seine staatsnrännische Klugheit sich um die Wiedergeburt von Reich, Staat und Ländern mühte (er war nicht Unitarist wie etwa Hugo Preuß, sondern bestenfalls Förderalist, wenn nicht gar Partikularist im guten, im besten Sinn des Wortes); lange nach dieser Aera gemeinsamen Hangens und Bangens um die deutsche Zukunft hatte ich Gelegenheit, Ludwig Haas auf einem anderen Boden wieder zu begegnen und durch Wochen hindurch näherzutreten. Es war im großen Schwurgerichtssaal des Kriminalgerichts in Moabit. Cause celebre! Verhandlung gegen die beiden jungen zaristischen Verschwörer, die während eines Konzertes in der Berliner Philharmonie gegen die Urheber der ersten (bürgerlichen) russischen Revolution, die Professoren Juden in deutschen Städten Von Herbert Philippsthal. (3. Fortsetzung.) Halberstadt. „Ohne Zweifel haben bei der Entstehung der Städte in Ostsachsen jüdische Elemente eine erhebliche Rolle gespielt. Auch die Geschichte der Juden von Halberstadt reicht weit in das Mittelalter zurück. Es fehlen jedoch Nachrichten über die erste Ansiedlung, ein Mangel, den wir nicht nur in Haliberstadt, sondern bei fast allen jüdischen Gemeinden Deutschlands beobachten. Tie älteste Nachricht über Halberstädter Juden, die uns im Wortlaut erhalten ist, ist ein Schutzbrief, dm der Rat und die Bürgerschaft Halberstadts in Gemeinschaft mit dem Bischof den Juden am 26. Oktober 1261 ausgestellt hat.Auch währerrd der folgenden Jahrhunderte scheint der Haupterwerbszweig der Judm in Halberstadt der Geldhandel gewesen zu sein." „Ueberblickm wir nun die gesamte Geschichte der Juden in Halberstadt bis zum 30 jährigen Kriege, so kann man nicht sagen, daß sie irgendwie aus dem Rahmen der allgemeinen Geschicke der deutschen Judmschaft herausfällt. Von größeren Katastrophen, etwa Judenmetzeleien zur Zeit des Schwarzen Todes, scheint die Gemeinde verschont geblieben zu sein, und erst mit dem ausgehenden 16. Jahrhundert fallt sie der damals unter den Landesherren und in dm (Stabten häufigen Judenfeindschast zum Opfer. Die Judmschaft muß im Bistum Halberstadt sowohl wie in der Grafschaft Wemigerode eine Ausweisung über sich ergehen lassen. Andererseits erfahren wir, daß der Reichtum der Vorlande des Harzes an mehr als einem Orte Judm ein Auskommen gewährte; ihr Geldbesitz wird häufig in Anspruch genommen." „Schon im Anfang des 17. Jahrhunderts habm sich wieder Juden in Halberstadt niedergelassen. Eine Nachricht aus dem Jahre 1633, als .die Stadt von dm Schwedm besetzt war, erzählt uns von vier Juden daselbst. Von diesen batten zwei Juden Schutzbriefe erhalten, die ihnen indessen 1632 abhanden kamen, als sie von Soldaten ausgeplündert wurden. Die anderen beidm Judm warm arme Tagelöhner, die kümmerlich durch Handarbeit ihren Unterhalt suchten, ihre Steuer bezahlten und genau wie die Bürger die Wache versahen. Die kleine Gemeinde nahm zu. Tenn kaum gehn Jahre später finden wir in Halberstadt zwölf Judmfamilien, die im Schutze des Erzherzogs Wilhelm von Oesterreich stehen. Woher diese Juden kamen, ist mit Sicherheit nicht zu sagen. Es kann angenommen werden, daß sie sich nach ihrer Vertreibung (1594) auf das platte Land oder in die kleineren, anderen Herrm gehörigen Städte in der Umgebung Halberstadts begebm batten, um bei der ersten günstigen Gelegeicheit in die Stadt zurückzuwandern. Nachdem dann Halberstadt durch den westfälischen Frieden an Brandenburg gefallen war, hatten die Juden an dem Großen Kurfürsten einen ständigen Beschützer, der sie gegen die Anfeindungen der Bevölkerung und Stadtverwaltung verteidigte. Er behandelte die Juden überhaupt sehr tolerant... In dieser Zeit trat in der Erteilung des Schutzes eine Aenderung ein. Während bisher Einzelgeleite oder Spezialschutzbriefe ausgestellt waren, so wurden jetzt meist Gmeralschutzbriefe erteilt, d. h. der Lrndesfürst gewährte einer größeren Anzahl von Personen im einem Generalgeleit ein Schutz- Privileg .... Ein Verzeichnis der Judenschaft, die in Bürgerhäusern zur Miete wohnte, vom 20. Januar 1664, zählt in! Halberstadt 141 Personen auf. Außerdem wohntm zahlreiche! Familien in eigenm Wohnhäusern. Aus dem Jahre 1669 erfahren wir von 25 eigenen Judenwohnhäusern. Rechnen wir 7 Personen auf ein Haus, so ergibt sich die Summe von 175 Personen; dazu kommm die oben aufgezählten 141 Personen, die zur Miete wohntm, so daß wir ans etwa 300—310 Personm, nicht Familien, kommen." „Daß in den kleinerm Ortschaften allmählich (um 1700, der Herausgeber) sich Judm ansiedelten, sehen wir ans verschiedenen Gesuchen. So bat der Schutzjude David Israel zu Halberstadt, Schwiegersohn des Halberstädter Schutzjuden Abraham Moses, um die Erlaubnis, seinen Pferdehandel in dem bei Halberstadt belegenm Orte D edeleben zu betreibm und dort seinen Wohnsitz aufzunehmen. Eine etwas größere und bedeutendere Gemeinde befand sich in Derenb u rg. Spier erteilte Kurfürst Friedrich IH. 1694 zwölf Judm und drei Judenwitwm ein Schutzgeleit. In Aschersleben, das auch zum Bezirke der Halberstädter Regierung, gehörte, war die Judenbevöikerung umgekehrt verschwindend gering. Es bestand eine Verfügung des Magistrats vom 21. Februar 1711, daß dort jeder Zeit nur eine Indens am ilie ansässig sein durfte. Diese Verordnung scheint ständig durchgeführt wordm zu sein. Anders stand es mit dem bei Halberstadt liegendm Orte O sche r sleb en, der eine größere Anzahl Indensamilim in seinen Mauern hatte. Bereits 1670 müssen dort Juden gewohnt haben. Eine 'Namentliche Aufzählung von 5 Juden besitzen wir aus dem Jahre 1714. Auch 1762 habm dort Judm gewohnt, wie aus Büchern: der jüdischm Gemeinde Halberstadt hervorgeht." „In der Stadt Halberstadt selbst war die Zahl der Juden in weiterem Aufstieg begriffen. Aus dem Jahre 1688 hören wir, daß sich 86 Familien mit insgesamt 469 Personm dort befanden. Die Vermehrung schreitet jetzt sehr schnell sott. Denn in einer namentlichen Spezifikation der Halberstädter Juden vom 15. Februar 1699 wird die jüdische Bevölkerung, wie folgt, aufgezählt:! Männer 117 Personm, i Frauen 113 Personm, Kinder 319 Personm, Gesinde 90 Personm, Sa.: 639 Personm." „Hiervon hatten 84 Personm eigene Häufe», während die anderen zur Miete wohntm. 1701 warm es 98 Familien, 698 Seelen stark, die 98 eigene Häuser besaßen, von denm einem Juden drei und elf Judm je zwei gehörten.... Die höchste Steigerung der jüdischm Einwohnerzahl war indessen noch nicht erreicht. Halberstadt sollte noch zu der Stadt werdm, die in ihrm Mauern mehr Judm als irgend-

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