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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-08-06 · 32 (6.8.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
32 (6.8.1930)
Date
1930-08-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. Zahrgang Mmmer 32 Aum 50. Geburtslag des Berliner PolizeivizeprSfidenlen Dr. Bernhard Weih Ein etwas schwermütiges aber ins Schwarze treffendes Witzwort wird von dem soeben verstorbenen bedeutenden jüdischen Temolraten Ludwig Haas erzählt. Der beklagte sich einmal im Gespräch einem stocklonservativem Personalreserenten des preußischen Innenministeriums gegenüber, daß. die Weichberechtigung der Juden in Preußen doch! nur auss denr Papier stände und nannte eine Reihe hervorragender jüdischer Gelehrter, die ihres Judentums wegen bei Beförderungen ungervchterweise übergangen worden waren. „Aber erlauben Sie mal, Herr Haas," sagte da der rechtsstchknde Herr, „was bemängeln Sie? Ist Einstein nicht etwa in Berlin Ordinarius, Haber Direktor oes Kaiser- Wi'lhelm-Jnstituts und Liebermann nicht Vorsitzender des Senats usw.?" „Ja, das iSi! noch leine Gleichberechtigung," erwiderte lächelnd Haas, „Gleichberechtigung wäre erst dann zu konstatieren, wenn auch untüchtige Juden in hervorragende Stellungen gelangen könnten!"... An dieses Bonmot muß man denken, wenn man dem Beniner Polizeivizepräsidenten Bernhard Weiß, der am 30. Juli seinen fünfzigsten Geburtstag feierte. Glück und ein langes, weiteres erfolgreiches Schaffen wünscht. Tenn Weiß ist ein solch überragender uno tüchtiger Mann, eine Persönlichkeit von solch phantastischer Arbeitskraft, ein Mensch von solcher Energie, Unerschrockenheit, Takt und Lauterkeit, daß es kein Wunder und keine besondere Auszeichnung des Geschickes für ihn uno oas Judentum bedeutete, als er bereits in erstaunlich jungen Jahren mit einem der wichtigsten Aemter in der inneren Verwaltung Preußens betraut wurde. Weiß entstammt einer altangesehenen jüdischen Patrizierfamilie Berlins. Sein Vater, der GroUaufmann Max Weiß, der erst! vor kurzem als hoher Achtziger nach einem an Arbeit überreichem gesegneten Leben starb, war erfüllt von bestem jüdischen Idealismus, den er seinem Sohn als edelstes Erbteil hintettassen hat. Er war Mitbegründer und Kurator der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, ein Amt, das sein Sahn nach seinem Ableben übernahm. Bernhard Weiß war übrigens während feines ganzen Lebens für alle jüdischen Tinge interessiert: eine Zeit lang gehörte er sogar dem Verstand der Vereinigung für das liberale Judentum als tätiges Mitglied an; erst zunehmende Amtsüberbürdung zwang ihn,, sich allSn pierfönkichen Interessen zw eriHiehenr. Tenn sein Leben war bisher eine einzige, ununterbrochene, aufopfernde Arbeit im Dienste der Allgemeinheit. Zuerst war er — nach mit Auszeichnung bestandener Examina — Amtsrichter in Berlin-Mitte. Tann wurde man durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und Essays aus ihn aufmerksam. Auf Anregung der Behörden trat er in den preußischen Verwaltungsdienst über. Ter Weltkrieg riß ihn aus seiner Tätigkeit heraus. Im Gegensatz zu verschiedenen heutigen Führern des Nationalsozialismus, die den Krieg in der Heimat oder ver Etappe „durchlitten", war Weiß jahrelang in vorderrster Linie, erhielt für Tapferkeit vor dem Feinde das E. K. I und wurde sogar bis zum Rittmeister befördert. Nach oem Kriege siedelte er in das rote Haus am A'lexanderpkatz über, wo er nach außerordentlichen Arbeits- und Reorganisationsleistiungen bald zu führender Stellung aufrückte. Es war eine böse Zeit in Teutschland. Bürgerkrieg artige Unruhen durchschüttelten das Land, Putsche von Links und Rechts, Klassen- und Rassenhetzereien, Jnslations-, Hunger-, Kohlen- und Wohnungsnot bedrängten unsere Heimat, die schon so viel durchgemacht hatte. Inmitten dieses allgemeinen moralischen Niedergangs lautete die Forderung des Tages nach einem energischen Herkules oer Arbeit, der zugleich ein untadliger und lauterer Charakter war, als man einen Chef der politischen Polizei brauchte. Tie Wahl für dieses außerordentlich wichtige und verantwortungsvolle Amt fiel auf Bernhard Weiß!. Fünf Fahre war Weiß. Leiter dieser umfänglichen und weitverzweigten Organisation, und er hat seines Amtes mit ebensoviel Takt, Tivlomatischer Intuition wie nie erlahmender Schaffensfreude gewaltet. Er hat die Behörde reorganisiert und reformiert und mit republikanischem Geiste beseelt. Selbst seine politischen Feinde haben später zugegeben, daß Weiß' Leistungen erstaunlich gewesen waren. Dann wurde Weiß Chef der Kriminalpolizei; auch! als solcher sah er sich in einer Zeit auP höchste gesteigerter Kriminalität vor einer Fülle schwierigster Ausgaben gestellt, die er aber ebenso geschickt zu meistern wußte wie vordem die politischen Probleme seines Tienstes. Am 16. März 1927 wurde er zum Polizeivizepräsidenten ernannt. Seit dieser Zeit wieder hat er eine so intensive Tätigkeit zum Nutzen seiner Vaterstadt geleistet, daß man ihn heute zu den bekanntestien und beliebtesten Persönlichkeiten Berlins zählen kann. Ihm ist es mit in erster Linie zu verdanken, daß die Polizei in Berlin wieder populär geworden ist. In allgemeiner Erinnerung ist noch sein böses Erlebnis, wie er persönlich, bei Unruhen einmal die Gemüter besänfti gen wollte und dabei von übereifrigen Polizei - knüppeln blutig geschlagen wurde. Frei von aller bürokratischen Engherzigkeit hat er immer überall selbst nach, dem Rechten gesehen, hat die Schwierigkeiten des Berliner Verkehrs sogar vom Sitz des OmnibusWhrers aus studiert, hat stets und überall mit an erster Stelle gestanden, wo es aalt zu ordnen, zu regeln, auszugleichen. Ueber der Sorge für das Wohl Berlins hat er seine Beamtenschaft nicht vergessen. die in ihm nicht nur den hervorragenden Fachmann hechschätzt, sondern auch den liebenswürdigen, warmherzigen Vorgesetzten. So hat auch die „Demokratische Polizeibeamten- Leser, die verreisen können sich die „Jfidlscb-Iiberale Zeitung“ au! kurze oder längere Zeit ins Bad oder in die Sommerfrische nachsenden lassen Der Nachsendungsantrag ist bei dem zuständigen Postamt zu beantragen. Es ist dringend ratsam, die Ueberweisung möglichst acht Tage vor der Reise zu bestellen. Vereinigung" ihren „Chef und Gönner" zu seinem Geburtstag zum Ehrenmitglieds ernannt. Bernhard Weiß ist eine harmonisch« Boll-Persönlich'ieit, nebenbei auch nach, Preis-Schwimmer, begeisterter Automobilist! und leidenschaftlicher Jäger; bei den großen Sportveranstaltungeir häufig mehr als bloß interessierter Zuschauer. — Ein noch höchst jugendlicher Fünfziger! Wir alle wünschen ihm noch etliche Jahrzehnte fröhlichen Schaffens und gesegneten Wittens, der Allgemeinheit zum Nutzen, ihm selbst, zur Freude! Ludwig Gaß mann - Berlin. Ludwig Haas Tas am Sonnabend, den 2. August, nachmittags in Karlsruhe erfolgte Ableben des deutschen dem okrafischen Führers Ludwig Haas, Mitglied des Reichstages, hat die^republikanischen Kreise Deutschlands in Trauer versetzt. Seit der Jahreswende lag Ludwig Haas schwerkrank darnieder. Seine politische Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter mrd Vorsitzender der Demokratischen Fraktion des Reichstags hatte seitdem geruht. Doch stand er bis zuletzt mit der Leitung der Deutschen Demokratischen Partei brieflich in Fühlung. Er hatte dem Parteivorsitzenden Koch-Weser mitgeteilt, daß sein Gesundheitszustand ihm eine ernste Spitzenkandidatur in seinem Wahlkreise Thüringen nicht gestatte, er hatte sich aber bereit erklärt, auf der Reichsliste zu kandidieren. Ter „Demokratische Zeitungsdienst" schreibt zum Tode von Ludwig Haas: Reichstagsabgeordneter Tr. Ludwig Haas, der fest den Neuwahlen von 1928 den Vorsitz der dmwkratischen Reichstagssraktion geführt hatte, war infolge der großen Strapazen, die er aus sich hatte nehmen müssen, Anfang 1930 zusammengebrochen; insbesondere hatten ihn die schwierigen Verhandlungen, die sich aus der ungünstigen politischen Lage in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 ergaben, körperlich und seelisch außerordentlich in Anspruchs genommen. Bei allen Anhängern der Deutschen Staatspartei hat das plötzliche Hinscheiden von Tr. Haas die größte Bestürzung und Trauer hervorgerufen. Tr. Ludwig Haas wurde am 16. April 1875 in Freiburg geboren, hat also ein Atter von 55 Jahren erreicht. Er war einer der angesehensten Rechtsanwälte in Karlsruhe, seit 1912 gehötte er dem Reichstage an. Bei Kriegsausbruch ging er als Freiwilliger ins Feld und erwarb an dex Front sehr bald das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse. In den letzten Kriegsjahren war er eine Zeitlang Leiter des jüdischen Dezernats bei der deutschen Zioilverwaltung in Polen. 1918 war er in der badischen „vorläufigen Volksrrgierung" Minister des Innern und Staatsrat. 1919 wurde er in die Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung, später wieder in den Reichstag gewählt. Er wurde einer der aktivsten Führer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Er gehötte dem Hauptvorstand des Central-Bereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an und stritt bei jeder sich bietenden Gelegenheit für jüdische Ehre und jüdische Bürgerrechte. Tie führende denfiche Presse widmet Ludwig Haas ehrende Nachrufe. „Frankfurter Zeitung" schreibt; Allen demokratischen Menschen Deutschlands, über die Parteigrenzen hinaus, allen überzeugten Gesinnungsdemokraten wird das Scheiden von Ludwig Haas in diesem Augenblick schmerzlicher sein und bangere Sorgen erwecken, als das zu anderer Zeit der Fall wäre. Vielen deutschen Menschen wird er in seiner selbstlosen Hingabe, in seinem leidenschaftlichen Bekenner- und Kämpfer- und Wirkungswillen für den deutschen Volksstaat, für sein und unser Vaterland, ein lebendiges Vorbild bleiben... Ludwig Haas war Jude, liberaler Jude, stark seines Judentums sich bewußt... Für sein Bewußtsein war es keine gewaltsam hergeholte hilstjorische Konstruktion, wenn er immer wieder daran erinnerte, daß ein Großteil her deutscher Juden seit 1000 Jahren mit diesem Boden, vornehmlich dem Boden der deutschen Rheinland« im weftesten Sinn, verbunden und verwachsen ist, und daß selbst die im Mittelalter aus Teutschland vertriebenen Oftjuden an ihrer damaligen deutschen Sprache (eben an der mittelalterlichen Form des Jiddisch) treuer festgehalten haben als viele nichtjüdische deutsche Auswanderer es sertigbrachten. Im „Berliner Tageblatt" schreibt Ernst Feder: Mit Ludwig Haas scheidet einer der besten auftechten Männer, einer der reinsten und vornehmsten Persönlichkeiten der republikanischen Demokratie. Für diesen Mann, dem die Demokratte nicht nur Sache des Gedankens, sondern des lebendigen Mitfühlens und Miterlebens war, stand die Idee des Rechts und der sozialen Gerechtihkeit im Mittelpunkt jeder politischen Arbeit. Von dieser Zentralidee ans kämpfte er für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger, aller Klassen und Schichten, trat er in Teutschland und im Ausland für die Annäherung und Verständigung der Nattonen ein. Auch im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten stand dieser Hauptmann in der vordersten Front. Für den demokratischen Gedanken, für die Entwicklung der parlamentarischen Republik, für die deutsche Nation ist sein Tod ein herber Verlust. Reichsminister des Innern Tr. Joseph Wirth veröffentlicht in der „Vossischen Zeitung" einen Nachruf „Dem toten Freunde Ludwig Haas", in welchem er ausführt: Tas demokratisch-republikanische Deutschland verliert einen seiner hervorragendsten Führer. Er war aber für den neuen Volksstaat nicht nur Mahner, Künder und Vorkämpfer, in seinem Herzen lagen auch die Qualitäten jener menschlichen Güte und Vorurteilslosigkeit, die in dem erbitterten politischen Gegner noch' den Menschen sahen. So war er allerzeit ln den schweren Kämpfen der Nachkriegszeit der berufene Mann, nach links und rechts zu vermitteln. Was er schon vor dem Kriege sorgsam geplant hatte, zu unseren westlichen Nachbarn Brücken der Verständigung und Versöhnung zu schlagen, hat er nach der furchtbaren Tragödie des deutschen Bottes zunächst mit Aufgebot aller Kräfte im Innern Deutschlands versucht. Er 1. Vellage 0. August 1030 hat die Tribüne des Reichstages nie betreten, ohne das aufmerksame Ohr des ganzen Hauses zu finden. Noch unter Fttedrich II., schreibt ReichSminister Wirth, war Haas badischer Innenminister geworden. Man muß sich vorstellen, was das bedeutet hat: Ter Jude Ludwig Haas, Nachfolger des Freiherrn von Bothmer, Haas und ich, haben zusammen die badische Revolutton als Minister erlebt, er als Innen- und ich als Finanzminister. Tag und Nacht war Ludwig Haas auf den Beinen. Er scheute keine Arbeit und keine Gefahr. Wirth erzählt die Episode der Rettung der großherzoglichen Familie vor einem Angriff revolutionärer Matrosen durch Haas und fähtt dann fort: Weithin auch im Ausland war er geehrt und geschätzt. Besonders interessierte ihn seit den Tagen des Rapollo-Bettrages die östliche Welt. Nachdem er auf dem westlichen Kriegsschauplatz, vor allem in Flandern, als tapferer Soldat gefochten und gestritten, Anteil genommen hat an den Kämpfen bei Langemark, kam er als Pfleger für die israelitischen Kultus-Angelegenheiten nach Warschau. Haas lernte so ganz Polen kennen und war der Reichsregierung ein treuer Berater. In den letzten Jahren beschäftigte ihn das Schicksal der deutschen Republtt umb das Schicksal der sozialen Gestaltung unseres Staates auf das ttefste. Wenn wir ihn, schließt Wirth, in den nächsten Tagen in seiner Heimat zur Ruhe geleiten, dürfen mit uns das gesamte republikanische Teutschland und alle, die die Idee eines sozialen Staates aufrichtig im Herzm tragen, um dm großen deutschen Patriotm trauern. Umschau Ein Pastor Ehrendoktor einer jüdischen theologischen Fakultät. Ter Pastor der protestantischen Community C durch in New Yott John Haynes Holmes hat von der New Potter jüdischen Fakultät das Ehrendoktorat erhalten. Ter Präsident der Lehranstalt, der liberale Rabbiner Tr. Stephan S. Wise, charakterisierte den Pastor bei der Pronwtion folgendermaßen: John Haynes Holmes, religiöser Humanist, Kämpfer für die göttlichen Wette im menschlichen Leben, klarer Seher der Wahrheit im Lichte der Ewigkeit und der Menschlichkeit, zugänglich! der Wahrheit, ob sie geäußert wird durch Jesaja, Jesus oder Lincoln, durch Tolstoi oder Gandhi, mächtiger Apostel der Gerechtigkeit und unermüdlich kämpfender Prophet des Friedens für dieses Geschlecht, auf djer amerikanischen Kanzel geleitet durch die Brooks und Isaak Wises, Washington Gladdens und Emil Hirschs, Verteidiger Israels, weil er ein Freund der Menschm, ein Diener der Gerechtigkeit und ein Helfer der Unterdrückten ist. RaM Sitverman 70jShrig gestorben. In New York starb im Alter von 70 Jahren Rabbi Joseph Emanuel. Ter Verstorbene war Ehren-Bizepräsident des Palestine Foundation Fund und besuchte in dieser Eigenschaft 1923 Palästina. Ueber seine Reise schrieb er eine Auffatzveihe in der New Dotter Zeitschrift „Tribüne". Rabbi Joseph Silverman war ein geschätzter Mitarbeiter führender englischer und amerikanischer Zeitschriften. Er ist Verfasser des Werkes „Renaissance des Judentums". s Palästinensische Lebensretter in Thüringen. Wie die Tageszeitungen berichteten, stürzte beim Ueberfahrm einer Brücke bei der Ilm ein vollbesetzter Autobus in den Fluß Tie Rettung der zahlreichen Menschenleben fühtten fast ausschließlich vier Mitglieder des Makkabi aus Palästina durch, die vor ihrer Rückkehr nach Palästina noch, eine Motorradtour durch Teutschland unternahmen. Jhnm ist es zu dankm, daß von 40 Menschenleben 36 gerettet wurden. Eine Reichsgerichtsentscheidung. In einem antisemitischen Matt waren Ausführungen enthalten, die als eine Beleidigung der jüdischen Religionsgesellschast beutteilt werden konnten trotz der in dem Aussatz befindlichen Verwahrung, daß die Aeußerungen nicht verallgemeinett werden dürstm. Das Reichsgericht saßt das Ergebnis seiner diesbezüglichen Untersuchungen in solgmde Sätze zusammm. „Je mehr ein Leserkreis auf einseitige Stellungnahme ein errichtet ist, w weniger er seiner unbefangenen uno ruhigen Prüfung des Mitgeteilten geneigt ist', umso bestimmter muß sich eine Veröffentlichung von solchen Ausführungen ftei halten. Wer sich in einer Weise äußert, welche die hierdurch gebotene Zurückhaltung aus den Augen läßt, will seine Ausführungen so verstanden haben, wie er weiß, daß sie Ler Leser verstehen werde." i Arauen-Sihung des Weltverbandes Tie Frauensitzung des Weltverbandes war außerordentlich gut besucht. Nach einem einleitenden Gebet der Vorsitzenden, Lily Montagu, das an das Thema des Tages „Die Frau und das Judentum" anknüpfte, sprach! zunächst Frau Ottilie Schoenewald aus Bochum. Sie schränkte das Thema sehr wirksam auf die Stellung der liberalen jüdischen Frau zum religiösen und kulturellen Gemeinschaftsleben ein; in großen Linien zeigte sie, wttche Hauptfragen über die Grenzen der Länder hinweg von uns zu beantworten sind, und beantwortete dann diese Fragen in vollendeter Form. Wir lassen einen kurzien Auszug aus dem Referat ..Tie Frau und das Judentum^ von Ottilie Schoenewald (Bochums. hier folgen: Der jüdisch-religiöse Liberalismus hält fest an den ewigen Wahrheiten des Judentums, will aber veraltete Formen und Ueberlieferungeu der Religion abbauen oder wandeln und sie dem Zeitempfinden anpassen. Die Einstellung der heutigen Generation zu der Betätigung der Frau im öffentlichen Leben und zu ihrer kulturellen Mission hat sich unter dem Einfluß der Frauenbewegung grundlegend geändert. Diese Aenderung muß auch auf dem wichtigsten Kulturgebiet — dem religiösen Gemeinschaftsleben — zum Ausdruck gelangen. Die Stellung der Frau in der jüdischen Gemeinde ist zeitgebunden. Sie darf durch traditionelle Anschauungen, die nur auf Gewesenem fußen, nicht in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Das Tempo und der Grad der Einordnung der Frau in das jüdische Gemeinschaftsleben ist in den einzelnen Ländern verschieden.

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