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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-08-06 · 32 (6.8.1930) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
32 (6.8.1930)
Date
1930-08-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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u V). ’: V1 ' i,.» *. ■ t \ a» i :<Ü li e e, f •i'l Ä i1 t: * And DiskussronSgemeinschaften, die später zu eimr Organisation führen könnten, sehr begrüßen würden. Darum bitte ich die Konferenz dringend, diesem Vorschlag ihre ernste und wohlwollende Ueberlegung widmen zu wollen. Unser Glaube an die Einheit Israels zwingt uns, die religiösen Nöte jener nicht unbeachtet zu lassen, die unsere Hilfe wünschen, selbst wenn sie in Ländern wohnen, die nicht auf unserer Konferenz vertreten sind. Der religiöse Einblick in einige jüdische Zentren ist derart unbefriedigend, die. ältere Generation ist durch furchtbare Indifferenz oder durch Trägheit unfähig, den Anforderungen der gegenwärtigen Ausgaben zu entsprechen, daß die Gründung von Jugendgruppen in der von mir vorgeschlagenen Art zur Rettung der gesamten jüdischen Gemeinschaft beitragen wird. * * # * Internationale Tagung der jüdisch-liberalen Jugend Im Rahmen der Welttonserenz des liberalen Judentums fand am Aenstag, 22. Juli, eine Jugendtagung statt; in den Vorsitz teilten sich Rabbi Dr. M a t t u ck (London) und Tr. Hugo Hofs mann (Frantsurt a. M.). Der Doimelscherarbeit unterzog sich in dieser Sitzung mit Geschick und Erfolg Fräulein Betty Marcus (Berlin). Vertreter aller Länder hielten Referate über die Arbeit der jüdischliberalen Jugend in ihrer Heimat. Es sprachen: Mr. Dennis H. Fay (London), Fräulein Hilde L a ch m n:t n - Mosse (Berlin), Rabbi Lawrence Kahn (Lexington U. S. A.) und Tr. Hugo H offmann (Frankfurt a. M.), der in seiner Eröffnungsrede mit warmen Worten des seit der letzten Weltkcnserenz verstorbenen Jliführers Ludwig Lewin (Berlin) geoachte. Aus den Vorträgen erfuhr man, daß in England die Jugendorganisationen an oje einzelnen Synagogen angefchilvssen sind, während die deutschen Jlis selbständig im Arge-Berband zusammengeschlossen sind. In Amerika hingegen existiert überhaupt noch keine Jugendorganisation; man beabsichtigt jedoch, in absehbarer Zeit eine zu gründen. Zu dem zweiten Thema oer Jugendtagung „Jugend und Religion" referierten Rabbi Jsserman (St. Louis), Betty Marcus (Benin) und Leslie Edgar (London). Rabbr Jsserman steht aus dem Standpunkt, nur durch Wiedereinführung aller Zeremonien der Jugnd die Religion erhalten zu können, während Betty Marcus üie These auKellte, daß die Jugend zwar keine abschließende Stellung zur Religionsphilosophie einnehmen könnte, aber einftir-allemal den Wunsch und das Streben nach Neu-Schaffen, Neu Arftbauen sür sich in Anspruch nehmen mußte. Leslie Edgar erkannte den Einfluß der Wissenschaft auf das religiöse Denken der Jugend, aber Ausgabe der Religion sei es eben, die wissenschaftlichen Erfahrungen auszuwerten. Im Anschluß du diese Vorträge fand eine fange Tisküssion über das Thema: Jugend und Religion statt, an der sich eine große Zähl der jugendlichen Delegierten beteiligte. Nachdem schließlich sehr lange darüber debattiert worden war, ob es nicht zweckmäßig sei, einen Weltverband der liberalen Jugend zu gründen, kam man überein, den Governing-Body zu bitten, entweder besondere Mitglieder aus der Jugend hinzuzuwählen oder ein besonderes Jugendkomitee zu errichten, um in Zukunft auch seitens der Jugend eine positive, ältivc Arbeit innerhalb des Weltverbandes leisten zu können. I. W. Nachstehend bringen wir das mit großem Beifall aufqenommene, in englischer Sprache vorgetragene Referat über die Arbeit -er Berliner jüdischen Reformjugend v o n H i l d e L a ch m a n n - M o s s e (Berlin) zum Abdruck: ' Dear Friends! Im vorigen Sommer kam Miß Montagu zu uns nach Berlin und hielt eine sehr lehrreiche Predigt. Sie gediente sich, um uns dadurch besonders zu ehren, der deutschen Sprache. Es ist darum nur ein Gebot der Dankbarkeit, daß ich in ihrem Vaterlande meine Ausführungen in der cuqliufint Sprache mache. Wie man das 19. Jahrhundert das Jahrhundert des .«indes nannte, so wird man. vielleicht das 20. Jahrhundert a's das Zeitalter der Jugend bezeichnen. Die Unabhängigkeit der Jugend, mit ihren eigenen Organisatiouen, Entwickelungen und Ergebnissen, geht über die ganze Welt und ist charakteristisch sür unsere Zeit. Als Grundlage des Strebens der Jugend finden wir das bezeichnet, was Thomas Carlysle als das höchste Sein und Ziel jedes Menschen beschreibt, der sich bestrebt, eine religiöse und moralische Persönlichkeit zu sein, nämlich das Sucher: nach Wahrheit. Dieses Suchen nach Wahrheit, — diese innere Wahrhaftigkeit, welche die Jugend als ihren heiligsten und reinsten Besitz betrachtet —, konnte nicht durch die Jugend verwirklicht werden, weil sie zurückgehalten und sogar gehemmt wurde durch die Gewohnheiten, welche die älteren Leute ihr seit uralter Zeit einprägen wollten. Die Jugend fühlte, daß diese Gewohnheiten, die von älteren Leuten geübt wurden, dem nicht gleichkommen konnte, was die Jugend erlangte durch Streben aus sich selber heraus und sür sich selbst — und zu wenig Raum ließ, daß ihre Persönlichkeit und Individualität sich zu dem Höchsten und Reinsten der menschlichen Natur entwickeln konnte. Daher ist es verständlich, daß die Jugend als ihre Hauptforderung Unabhängigkeit verlangte. Daher befreite die Jugend sich von den Gebräuchen und Gewohnheiten her älteren Generation, und nicht nur von diesen Formalitäten und Gewohnheiten, sondern so weit als möglich von allem, was von den Aeltercn angeordnet wurde. Dieses Streben nach Unabhängigkeit wurde daher Selbstzweck, — wirklich, man schasste neue Gebräuche und Gewohnheiten, aber an einem allgemeinen Zweck und Ziel ermangelte es. Das ist der Grund, weshalb die große deutsche Jugendbewegung sich so schnell in verschiedene Gruppen gespaltet hat, jede Gruppe mit eigenen Zwecken und Zielen. Daß die Jugend sich hauptsächlich religiösen Problemen zurvenden würde, konnte nur diejenigen überraschen, welche weder das Wesen der Religion, noch der Jugend kennen: das, was die Jugend sucht, ist die Befriedigung des Herzens und der Seele; und wenn Religion in ihrem höchsten Sinne den Gott des Herzens und die Welt der Seele sucht, wenn sic die gemütsbewegende Kr afft als den Ursprung alles religiösen Lebens begreift, dann kann die Verbindung zwischen Jugend und Religion verwirklicht werden. Und wenn diese Ideen mit der Forderung nach innerer Wahrhaftigkeit und der Forde,- rung nach Anerkennung der Vernunft verbunden werden, dann ist es sehr einfach, den Enthusiasmus der Jugend zu verstehen; denn jeder junge Mensch steht in einem Konflikt zwischen Ideal und Wirklichkeit. Das Judentum löst diesen durch die Forderung des Idealismus der Tat. Es erscheint daher ganz natürlich, wenn die jüdffche Jugend in Deutschland und speziell die liberale Jugend, sich diesen Problemen mit großer Liebe zuwendet. Die jüdisch-liberalen Jugendgemeinschasten in Deutschland, welche in der „Arge" zusammengeschlossen sind, versuchen daher, durch freundschaftliches Zusammenarbeiten ihre gemeinfamcn Forderungen durchzusetzen. Ihr neuestes Mitglied ist die Jugendgemeinschaft der Jüdischen Neformgemeinde, und über diese Gemeinde möchte ich im Besonderen heute morgen sprechen. — Unsere Reformgcmcinde ist eine religiöse Gemeinschaft im Sinne des prophetischen Judentums, ohne Ritual und ohne dogmatische Bindungen. 'Es gibt daher für uns keinen Kontrast zwischen religiöser und wissenschaftlicher Wahrheit. Wir sind gegen jede Art von Nationalismus, weil unser Ziel ein rein religiöses ist. Unsere Ansicht ist. daß die „Form" veränderlich ,ist und, daß die Menschen der verschiedenen Zeitalter einen persönlichen Ausdruck für ihre Religiosität suchen können, ja müssen. Daher sind diese Ideen, die ihren höchsten und schönsten Ausdruck bei den Propheten gefunden haben, ewig. Dieses ist es gerade, das der jüdischen Gemeinschaft möglich macht, ihren eigenen Gemütsbewegungen und Bedrängnissen einen besonderen Ausdruck .zu verleihen. Dieses kann besonders in den „Audachtsstunden" beobachtet werden. Wir hielten nicht ohne weiteres sowohl die Weise sür richtig, welche die älteren Leute den Gottesdiensten gegeben haben, noch die Art der Kindergottesdienste, die ja auch von den Aelteren eingerichtet werden. Nein. Wir organisierten einen Jugendgottesdienst; und wenn diesem Gottesdienst die neue Liturgie zugrunde gelegt wurde, so geschah das nicht deshalb, weil die Jüngeren einfach die Gepflogenheiten der Aelteren umrahmen, sondern weil die Aelteren die Wünsche der Jüngeren beachtet haben. Das hat die Jugend angetrieben und ermutigt, die Verwirklichung weiterer fortschrittlicher Gedanken ihre: Gemeinschaft zu suchen. So haben wir zum Beispiel mit Erfolg am letzten Pessach Sederabende in besonderer Art unter Benutzung des Grammophons arrangiert. Auch veranstalteten wir im letzten Jahre eine Simchat-Thora-Feier nach unserer eigenen Weise. Das, was unsere Gottesdienste unterschiedlich macht, ist der Umstand, daß die jugendlichen Mitglieder bei denselben alle Verrichtungen und Handlungen — abgesehen von dem Segen des Predigers - ausübcn, sowohl den Vortrag der Gebete, die Schristvorlesungcn (und zwar deutsch und hebräisch) die Vorlesung eines Kapitels aus den Propheten, als auch die Predigt selbst. Es ist natürlich selbstverständlich, d-aß bei der Teilnahme mr den knoNesdimsten, wie auch bei den kultischen Ausfrilnuiwen, kein Unterschied zwischen männlichen und wciblickten Mitgliedern gemacht! wird. j Wir wollcr: unseren Gottesdiensten nicht den Anschein eines i Versuches geben, deshalb lverden sie regelmäßig ausgeübt, j Nun. gerade durch unsere Gottesdienste haben wir Anerkennung i bei vielen Gegnern und gegenüber trennenderr Vorurteilen gesunden. Den besten Beweis hierfür liefert die „Jli-Zusammenkunft", welche Mitte Juni dieses Jahres in Dresden stattfand. Air waren ersucht, einen Gottesdienst nach rmserer Weise abzuhaltcn, und ich weiß, baß unsere Einrichtungen recht skeptisch beurteilt waren; wir hatten aber die große Freude, nach dem Gottesdienst nicht nur viele neue Freunde erhalten, sondern auch die Achtung vieler unserer früheren. Gegner gewonnen zu haben. Aber diese Gottesdienste sind nur ein Teil unserer Arbeit; sie bilden den Ausdruck einer Religiosität, die jedoch vertieft werben muß durch die Behandlung von jüdischen Fragen. Für diesev Zweck halten wir regelmäßige Vorlesungen und Debatten ab, in denen festgesetzte religiöse Probleme und wrchtrge Fragen des religiösen und sozialen Lebens diskutiert werden. Diese Abende sind leider meistens für uns nicht lang genug, um die Probleme vollständig behandeln zu können, deshalb haben' wir jetzt extra „Tafelrunden" cingeführt, zu denen diejenigen kommen und daran rcilnehmen können, die besonders für die einzelnen Gegenstände interessiert sind. Leider scheint es dadurch noch nicht möglich gewesen zu sein, ein wirkliches und fruchtbares Resultat bä unserem Gegenstände zu erlangen, deshalb beabsichtigen wir in diesem Winter viele kleinere „Stndin,kreise" einzurichten, in denen alle Gelegenheit finden, an biblischen und jiidisch-- geschichtlichen Verhandlungen teilzunchmen. Unser zweites großes Interesse liegt in sozialer Arbeit. Wir sind keineswegs allesamt intellektuell — das wäre unjugcudwch und mehr noch, unjüdisch. Ich habe vorher schon die Tatsache erwähnt, daß die Verbindung von Idealismus und Realismus, der Idealismus der Tat, eine große Rolle spielt, um junge Leute anzuziehen. Unsere Aufnahme der sozialen Arbeit, welche wir als einen hauptsächlichen Teil unserer Tätigkeit betrachten, entsprang der Forderung nach Gerechtigkeit und Liebe. .Und um einen wirklich lehrreichen Einblick in dieses soziale Zentrum zu gewinnen, ersuchden wir den Leiter einer Jugend-Arbeits-Gruppe, uns einen Vortrag Uber seine Tätigkeit zu halten, da seine Gruppe sich hoher Achtung bei einem großen Teil der Berliner Bevölkerung erfreut, infolge ihrer praktischem sozialen Resultate. Der Erfolg war, daß einige unserer Mitglieder dieser sozialen Gruppe beigetreten und mit großem Interesse in ihr tätig sind. Wir besuchten die Heime, die zu der Gruppe gehören und hielten dann mehrere Vorlesungen, dadurch erhielten alle eine gute allgemeine Uebersrcht über das ganze Wer". Wir hatten dabei, wie man sicht, einen seh großen Arbeitskreis zu bewältigen, denn es ist besonders schwierig, junge Leute zn freiwilliger sozialer Arbeit hccanzuziehen, weil man für solche Arbeit ein gewisses Talent und sowohl Ausdauer als auch viel Zeit haben muß. Im letzten Winter richteten wir nun einige soziale Abende ein, wobei wir hofften, unsere Jugendverernigung zu einer echten (tzemeiwschast zu gestalten. Für nächsten Winter planen wir regelmäßige soziale Versammlungen. Im Sommer machen wir gemeinsame Ausflüge in die Umgegend, bei denen wir zusammen sein und unsere Ansichten austauschcn können. Durch Unterlassung von Vorschriften wder anderen geschriebenen Gesetzen versuchten wir zn vermeiden, nuferer Vereinigung den Eh,matte: eines Vereins oder einer Gesellschaft zn geben, weil wir der Ansicht sind, daß in geschriebenen Gesetzen eine gewisse Gefahr für den Geist und die Freiheit unserer Ideen liegt. Wir haben einen. Ausschuß gebildet — gewählt von allen — und dieser Ausschuß ist sür das Programm der Vereinigung verantwortlich und wirkt als Leiter. Und nun hoffe ich aufrichtig, daß Sie einige Begriffe von dem. bekommen haben werden, was unsere Jugend leistet. Und ich hoffe zuversichtlich, Sie werden sich lebhaft vorstctlcn, welchen großen Enthusiasmus wir in unsere Arbeit bringen, wenn wir versuchen, die Ideen des Judentums werter zu führen, indem ivir das vereyrungscwürdige Werk unserer Aelteren hochachten. Und wenn die Jugend ihr Leben 'ln diesem Gerste führt, so gibt sie lebendige Kraft für die Verwirklichung der großen Ideen, deren zukünftige Träger die Jugend fern muß. Das ist eS, was in einer alten jüdischen Erzählung gesagt ist: Gott nahm die Jugend als Bürgen für den Bund, den Ec mit Israel geschlossen Hai. Und :ch glaube, die Jugend ist sich der Heiligkeit dieses BuudeT bewußt! Weitere Berichte siche Beilage. =£iiHinimmHitn»nitmnmiinniini»in»iiniiiHi»i»i>itii)iiiiiiiiiiiimiiiiii!iniiin»iimtitnfC£- Wir suchen ständig s 1 Jnserenten-Wer&ev ( S für unser Blatt. Herren oder Damen, die zu £ Ü Geschäftsleuten, gute Verbindungen haben. können £ | sich einen guten § Ü verschaffen. Angebote erbeten an die Geschäfts- £ | stelle unseres Blattes. Abteilung He. £. ^liiiiimiiMiiiitiiiinniiDinnniiiiiiiiininHimiiiuiniiuiiiiimniiuintmiimniimunumni^ Stellengesuche | Organist (und Diplom-Musiklehrer), mit der jüdischen Liturgie bestens vertraut, sucht Wirkungskreis. Hans Samuel Essen, Steelerstr. 292, E. 1 Buchhalter sucht Beschäftigung, Abendstunden. Bavaria 6127. 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